„Der Rosenkavalier“ – in fernen Galaxien

Rosenkavalier

Richard Strauss schuf mit dem „Rosenkavalier“ ein Werk, das bereits bei seiner Uraufführung 1911 in Dresden regelrecht gestürmt wurde. Nun bringt das Salzburger Landestheater diese anspruchsvolle Komödie in Kooperation mit der ihr 75-jähriges Bestehen feiernden Salzburger Kulturvereinigung in der Felsenreitschule zur Aufführung. Regisseur Roland Schwab verzichtet auf Wiener Lokalkolorit und lässt die Liebenden ins Weltall abheben. Der Premierenabend am 1. Oktober 2022 wurde dank grandioser Bilder, herrlicher Stimmen und mitreißender Musik zum Triumph.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Vor zwei Jahren ließ Regisseur Roland Schwab für seine Inszenierung von Richard Wagners „Lohengrin“ ein Flugzeug in der Felsenreitschule abstürzen. Dieser Wow-Effekt wiederholt sich diesmal mit goldenen Kugeln unterschiedlichster Größe, die das Publikum ins Weltall katapultieren. In den Arkaden leuchten die Sterne und ganz oben sitzt ein kleiner Amor und verschießt seine Pfeile. Nach der Ouvertüre rollt ein liebestrunkenes Paar, die Feldmarschallin mit ihrem blutjungen Lover Octavian, auf die Bühne. Ein weißes Laken ersetzt das sonst übliche Himmelbett. Das Frühstück serviert ein entzückender kleiner Astronaut anstelle des kleinen Mohren. Das zärtliche Tête-à-Tête wird vom Vetter der Marschallin, Baron Ochs auf Lerchenau, gestört. Um unentdeckt zu bleiben, verwandelt sich Octavian in die Kammerzofe Mariandl und schon kann der Baron die Finger nicht von ihr lassen, obwohl er doch eigentlich auf Brautschau ist. Er beabsichtigt, die blutjunge Sophie aus dem Hause des neureichen Herrn von Faninal zu ehelichen, und sucht daher einen Rosenkavalier. Die Marschallin schlägt Octavian vor. Beim Lever, dem morgendlichen Empfang im Schlafgemach der Fürstin, kommt es zu einem großen Durcheinander von Bittstellern, Intriganten, einem Tierhändler, drei adeligen Waisen und anderen. Absoluter Höhepunkt ist der Auftritt des italienischen Tenors (Luke Sinclair), der an Stephan Balkenhols „Sphaera“ am Kapitelplatz erinnert, steht er doch ganz oben auf einer riesigen goldenen Kugel, allerdings in einem üppigen Rokoko-Kostüm.

Im Hause des Herrn von Faninal bereitet man sich auf die Ankunft des Bräutigams vor. Der Auftritt Octavians bei der Überreichung der silbernen Rose ist so speziell, dass das Publikum in lautes Gelächter ausbricht, sodass die Musik leider fast untergeht. Bei den jungen Leuten ist es Liebe auf den ersten Blick, da hat der ungehobelte Baron keine Chance mehr. Mit „Die Schlachtung des Ochs“, einer Wiener Farce in einem Aufzug, wird der Bräutigam außer Gefecht gesetzt. Dazu öffnen sich drei der goldenen Kugeln und ihnen entsteigen goldene Faune mit riesigen Penissen, denn Erotik ist angesagt, ist doch der Baron ganz scharf auf sein Mariandl. Nachdem er sich so richtig blamiert hat, liegen sich Octavian und Sophie in den Armen. Die Marschallin stellt resigniert fest: „Sind halt aso, die jungen Leut‘!“

Magdalena Anna Hofmann gibt die Marschallin als zwar melancholische, doch auch sehr starke Frau und überzeugt mit äußerst präziser Tonführung. Sophie Harmsen himmelt sie als burschikoser Octavian an, bevor sie als funkelnder Rosenkavalier bei Sophie auftaucht. In dieser Rolle besticht Elizabeth Sutphen mit hellem Sopran. Eine absolute Wucht ist Martin Summer als Baron Ochs auf Lerchenau. Im schwarzen Pelzmantel läuft er testosterongesteuert jedem Rockzipfel nach und kommt dabei gar nicht so unsympathisch rüber. Das Intriganten-Duo Valzacchi und Annina (Rainer Maria Röhr und Irmgard Vilsmaier) mischt lustvoll mit. Birger Radde glänzt mit goldenem Jacket als Herr von Faninal und Victoria Leshkevich als strahlende Leitmetzerin.

Roland Schwab hat die Möglichkeiten der großen Bühne voll ausgenützt, beim Lever und bei der Farce brodelt es geradezu auf der Bühne (Bühne: Piero Vinciguerra / Kostüme: Gabriele Rupprecht). Leslie Suganandarajah dirigiert diese „Komödie für Musik“, in der schwungvolle Walzer und turbulente Szenen auf Melancholie treffen, mit dem richtigen Gespür. Kein Wunder, dass er für seine Leistung stürmisch gefeiert wurde.

Dem Salzburger Landestheater ist mit dieser Koproduktion mit der Salzburger Kulturvereinigung – sowohl szenisch als auch musikalisch – ein wirklich großer Opernabend, geglückt. Für jeden Opernfan ein absolutes Muss, denn die Preise sind trotz Festspiel-Niveau erfreulich moderat.

„Der Rosenkavalier“ von Richard Strauss – Komödie für Musik. Libretto von Hugo von Hofmannsthal. In Kooperation mit der Salzburger Kulturvereinigung. Musikalische Leitung: Leslie Suganandarajah. Inszenierung: Roland Schwab. Bühne: Piero Vinciguerra. Kostüme: Gabriele Rupprecht. Mit: Magdalena Anna Hofmann, Martin Summer, Sophie Harmsen, Birger Radde, Elizabeth Sutphen, Victoria Leshkevich, Rainer Maria Röhr, Irmgard Vilsmaier, Philipp Schöllhorn, Alexander Hüttner / Chong Sun, Luke Sinclair, Helmut Bogengruber, Yevheniy Kapitula / Shunsuke Fujita, Sylvia Offermans, Lalit Worathepnitinan, Bethany Yeaman, Mona Akinola, Tetiana Dyiu, Vesselin Hristov, Min-Yong Kang, Željko Zaplatić, Rudolf Pscheidl, Emmanouil Marinakis, Chor und Extrachor des Salzburger Landestheaters. Salzburger Festspiele und Theater Kinderchor. Mozarteumorchester Salzburg, Statisterie des Salzburger Landestheaters. Fotos: SLT/ © Anna-Maria Löffelberger

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