Küche – Speisen, Gerüchte und die Hölle

Küche

Das Wort Küche entstammt dem Lateinischen und bezeichnet heute nicht nur den Raum, in dem Speisen zubereitet werden, sondern auch die Speisen selbst.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Das Wort Küche ist im Deutschen seit dem 9. Jahrhundert belegt und geht zurück auf vulgärlateinisch cocīna „Küche, gekochtes Gericht“, das sich von lateinisch coquere „kochen“ ableitet. Das althochdeutsche Wort kuchina hatte die Bedeutung „Küche“ und „Gasthaus“. Neben der Form kuchina begegnet in althochdeutscher Zeit auch die Form kuchil, die sich im süddeutschen Sprachraum in der Form Kuchel „Küche“ bis heute erhalten hat.

Die Bezeichnung des Raums, in dem gekocht wird, ging mit der Zeit auf die Speisen über, die in der Küche zubereitet werden. So haben wir heute beispielsweise die Ausdrücke österreichische Küche, französische Küche, italienische Küche und meinen damit Speisen, die typisch für die jeweilige Region sind. Auch die Ausdrücke warme Küche und kalte Küche beziehen sich auf Speisen. Mit dem Ausdruck warme Küche bezeichnen wir warm servierte Speisen und mit dem Ausdruck kalte Küche bezeichnen wir kalt servierte Speisen. Der heute veraltete Ausdruck lateinische Küche hingegen war in vergangener Zeit eine Bezeichnung für die Apotheke und die Arzneien, die in der Apotheke hergestellt wurden, da die Zutaten der Arzneien mit lateinischen Namen benannt wurden.

Herta, Wirtin z´Schwerting in ihrer Küche

Da die Küche der Ort ist, an dem etwas zusammengebraut wird, wo es brodelt und dampft und gelegentlich auch zischt, ergaben sich für das Wort Küche auch andere Verwendungsmöglichkeiten, wie etwa Gerüchteküche, Giftküche oder des Teufels Küche.

Eine Wortschöpfung des 20. Jahrhunderts ist der Ausdruck Gerüchteküche, der einen Ort bezeichnet, an dem Gerüchte entstehen. Häufig findet sich der Ausdruck in den Redewendungen es brodelt in der Gerüchteküche oder die Gerüchteküche kocht über. Als Variante zu Gerüchteküche wird gelegentlich auch der Ausdruck Giftküche verwendet, mit der abwertenden Bedeutung „Ort, an dem boshafte und gehässige Gerüchte entstehen“. Daneben kann das Wort Giftküche auch als Bezeichnung für ein Labor oder eine Produktionsstätte für chemische Substanzen verwendet werden.

Um eine ganz andere Küche handelt es sich bei der Küche des Teufels, die uns sprachlich in der Redewendung in des Teufels Küche kommen begegnet. In vergangener Zeit herrschte die Vorstellung, der Teufel habe in der Hölle eine Küche gebaut, in der er die verdammten Seelen im Fegefeuer kocht und brät. Die Redewendung in des Teufels Küche kommen bedeutete daher zu Anfang „in die Hölle kommen“. Auf diese Vorstellung geht auch der Ausdruck Teufelsbraten zurück, der einen boshaften, schlechten Menschen bezeichnet. Denn böse Menschen kamen in die Hölle und wurden vom Teufel gebraten. Heute verwenden wir die Redewendung in des Teufels Küche kommen nicht mehr im wörtlichen Sinn, sondern mit der übertragenen Bedeutung „in große Schwierigkeiten geraten, ernste Probleme bekommen“.

Eine abfällige Bezeichnung für schlechtes Latein ist das Wort Küchenlatein, da sich ab dem frühen 16. Jahrhundert findet. Im 15. Jahrhundert wurden die antiken römischen Autoren und ihre Werke wieder gelesen. Dies ging einher mit einer Rückbesinnung auf das klassische Latein, von dem sich das Latein der Mönche zu dieser Zeit unterschied. Die gebildeten Humanisten, die sich dem klassischen Latein zuwandten, verspotteten mit dem Ausdruck Küchenlatein das aus ihrer Sicht schlechte Latein der Mönche. Gemeint war wohl auch das Latein, das in den Klosterküchen gesprochen wurde. Zu dem Ausdruck Küchenlatein kursierten auch noch die Varianten Mönchslatein, Klosterlatein oder Kuttenlatein, das auf die Kutten der Mönche anspielte. Heute verwenden wir Küchenlatein neben der ursprünglichen Bedeutung auch als einen scherzhaften Ausdruck für den Fachjargon in der Küche und in der Gastronomie.

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