Kasmandlzeit

Kasmandla_Unternberg_2019__Eva-Maria_Schlick

Kasmandla Unternberg | Fotos: Eva-Maria_Schlick

Während andernorts Martini dem Heiligen gleichen Namens – mit Ganserl und Laternenumzug – gedenkt, machen sich Jahr für Jahr im Salzburger Lungau die Kasmandln auf den Weg, um wieder in die Almhütten einzuziehen.

Anni Lemberger

Rezension von Anni Lemberger

Der Sage nach handelt es sich dabei um „kleine eisengraue Männlein“[1] die am 11. November aus ihren Verstecken in den Bergen kommen und in die Almhütten einziehen. Um die kleinen Männlein nicht zu verstimmen, ließen in früheren Zeiten die Sennerinnen und Senner Speisereste für die winterlichen Geisterwesen zurück.

Zahlreiche Sagen zu den Kasmandln bieben bis heute in den Lungauer Bergen erhalten. Aber nicht nur die Sagen zeugen noch von den alten Geisterwesen, denn bis heute wird nämlich der Brauch des „Kasmandl-Gehens“ in den Dörfern des südlichsten Salzburger Bezirks lebendig gehalten. Aber aus dem einst lärmenden Umzug mit Lichtträgern und Teufelsfratzen verwandelte sich das Kasmandl-Gehen zu einem „Bettelbrauch“.

Jetzt ziehen seit vielen Jahren am Vorabend des Martini Tages Kinder in Kleingruppen in Verkleidung der Almbevölkerung (auch die Autorin dieses Berichtes hat  ín den 60er Jahren am „Kasmandl-Gehen“ teilgenommen) von Haustüre zu Haustüre, tragen Gedichte und Lieder vor und verteilen dabei den legendären „Schnurraus“ (dazu später). Dabei erbitten sie Spenden….

 Kasmandelsprüche (mit Übersetzung)

I bi die Sennerin va da Oim
Ho a Hächz wia a Schwoim,
Ho a Hächz wia a Fink ,
drum leb i so rink !! 

Ich bin die Sennerin von der Alm
hab´ ein Herz wie eine Schwalbe
hab´ ein Herz wie ein Fink
deshalb bin ich so gering – Anm.: von Gewicht)

I bi ös Kasmandl und bi no kloa,
ban Jaus´´na sitz i mi auf´n Stoa.
Speck und Kas dös mog i gea´gn
und dazua a lustigs Liadl hea´gn.

Ich bin das Kasmandl und ich bin noch klein
bei der Jause sitze ich mich auf einen Stein
Speck und Käse, die mag ich gerne
und dazu ein lustiges Lied hören.

Wonn i noch´an groaß bi, 
dös sog i enk schoa,
suach i ma a Kasweibe, 
noch´an bi i neama so alloa.

Wenn ich dann groß bin
das sag ich euch schon
suche ich mir eine „Kasweib“
denn dann bin ich nicht mehr so allein.

I bi da hoita… mei dosei´ is schwa
dö sennden de miadl dö kocht ni go ra.
Dö knedl send kloa, de suppn is lind,
durch dö hittn pfeift eiskoita wint. 
I muas de ficha suachn, oft knia tiaf im schnea,
na hoita… werd i. bestimmt koana mä. 

Ich bin der Viehhalter.. mein Dasein ist schwer
Die Sennerin, die Maria, die kocht nicht gar gut
die Knödel sind klein, die Suppe ungewürzt
Durch die Hütte pfeift der eiskalte Wind.
Ich muss das Vieh suchen, oft knietief im Schnee
Nein, Halter… werde ich bestimmt keiner mehr.

I bi da Stier,
bi hoachaus da greaßte hia.
Ho an gonzn Summa aufpasst
auf dö Sennden und dö Kia´
owa hiaz iss schoa z´koit auf da oim
drum gea´ma owe ins Toi
in den woama Stoi.

Ich bin der Stier,
Bin der – mit Abstand – größte hier
habe den ganzen Sommer aufpasst
auf die Sennerin und die Kühe
aber jetzt ist es schon zu kalt auf der Alm
darum gehen wir hinunter ins Tal
in den warmen Stall.

Schnurraus: (Germteiggebäck) – als Alternative zum Martiniganserl

Schnurraus

Zutaten

250 g lauwarme Milch
500g Weizenmehl
40 g Zucker
2 Eier
10g Salz
21g Germ (½ Würfel)
100g Rosinen
1 Liter Rapsöl oder Butterschmalz zum Herausbacken

Zubereitung

Germteig zubereiten (zuerst die lauwarme Flüssigkeit mit den Eiern in eine Rührschüssel geben, danach die festen Zutaten dazu und zum Schluss die Germ dazu bröseln) und alles einige Minuten bei niedriger Stufe durchkneten lassen – den fertigen Teig 1 Stunde bei Zimmertemperatur rasten lassen.

Danach nochmals durchkneten –  eine Rolle machen, nochmals 10 Minuten rasten lassen, danach esslöffelgroße runde Bällchen ins 160° heiße Fett geben und goldbraun ausbacken.

Abtropfen lassen und genießen

Gutes Gelingen


[1]             Michael Dengg (1973)

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Über den Autor

Anna Lemberger
Geboren in Zederhaus/L ungau/ Salzburg. Seit dem Ende ihrer aktiven Berufslaufbahn als Diplomierte Gesundheits- und Krankenschwester 2017 (nach 42 Berufsjahren) liest sie vorwiegend Bücher Österreichischer Autorinnen und Autoren und schreibt Rezensionen dazu. Anni Lemberger betreibt außerdem eine FB Seite, auf der sich LeserInnen und AutorInnen virtuell treffen und austauschen können.

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