Herz-liches Gedenken am Grab

Tittmoning-Doppelherz

Ein Herzerlstein im Museum Rupertiwinkel in Tittmoning: Hier ist das Herz für den „Weihbrunn“ in einen herzförmigen Marmorstein eingearbeitet. (© Michael Neureiter)

Sie sind unauffällig, drücken aber dauernde Verbundenheit mit den Verstorbenen aus: Die „Herzerlsteine“, so genannt wegen ihrer meist herzförmigen Vertiefung zur Aufnahme des Weihwassers. Sie sind fast verschwunden, weil die Formen der Gräber starke Veränderungen erlebt haben. Insbesondere haben die schmiedeeisernen und später gusseisernen Grabkreuze längst einer Vielfalt Platz gemacht. Die Bestattungskultur hat sich weiterentwickelt.

Michael Neureiter

Von Michael Neureiter

Ab dem späten Mittelalter legte man rund um Kirchen Friedhöfe an, althochdeutsch „frithof“, das meint den eingefriedeten Bereich um eine Kirche. Während nur besondere kirchliche und weltliche Würdenträger in den Kirchen unter Grabplatten bestattet wurden, standen auf den Gräbern im Friedhof nur einfache Holzkreuze, ohne Grabeinfassung und meistens wohl auch ohne Inschrift. Verschwand das Kreuz, war das Grab aufgelassen.

Nach 1500 wurden die Holzkreuze allmählich durch geschmiedete Grabkreuze ersetzt, sofern Eisen vorhanden war. Eisenerzvorkommen waren die Voraussetzung. So konzentrierte sich das Verbreitungsgebiet der Schmiedeeisenkreuze hauptsächlich auf die Alpenländer Österreich, Südtirol, die Schweiz und den süddeutschen Raum. Sie fanden sich vor allem in Friedhöfen katholischer Gemeinden.

Tittmoning Doppelherz

Mit den Eisenkreuzen wuchs die Dauer des besonderen Gedenkens an die Verstorbenen. Die schwereren Eisenkreuze konnten allerdings nicht nur in die Erde gesteckt werden, sie brauchten eine stabile Halterung. So kamen die ersten Grabsteine auf: Sie nahmen in einer Vertiefung – oft in Herzform – auch das Weihwasser auf, das als Segenszeichen verwendet wurde und wird. So entstanden die „Herzerlsteine“. Vorher waren Weihwasserkessel meist am Beginn einer Grabreihe auf Weihwasserträgern aufgehängt, das waren Eisenständer mit Haken.

Hallein Dürrnberg

Kleiner Herzerlstein, wegen Bruchs mit Eisenschließe versehen, mit Herz und der Inschrift „I.E. 1779“, Hallein-Dürrnberg (© Michael Neureiter)

Am Kreuz oder auf dem Grabstein wurde nun auch auf die hier Beerdigten verwiesen – oft nur mit den Initialen und der Jahreszahl.

Salzburg St. Peter Schmid

Kreuz von Fam. Schmid mit dem Herzerlstein ohne Grabeinfassung auf dem Salzburger Petersfriedhof (© Michael Neureiter)

Die Epoche um 1750 wird als die Blüte der schmiedeeisernen Grabkreuze bezeichnet. Im 19. Jahrhundert wurden sie immer mehr durch Kreuze aus Gusseisen verdrängt, die vielfach auch in die Herzerlsteine eingesteckt wurden. Eine neue bürgerliche Grabkultur führte schließlich zu neuen Formen der Grabgestaltung und zum Einsatz industriell vorgefertigten Steinmaterials.

Standen die Grabsteine zuerst ohne weitere Abgrenzung auf der Erde, so entwickelte sich nach und nach auch die Abgrenzung der Grabfläche. Sie konnte aus unbehauenen Steinen in Form eines Rechtecks bestehen. Nach und nach kam es zu Steineinfassungen, mit denen die Grabsteine verbunden wurden.

Salzburg St. Peter Eberle

Kreuz und Herzerlstein von Fam. Eberle mit Grabeinfassung, Salzburger Petersfriedhof (© Michael Neureiter)

Die Einfassungen erhielten schließlich eine nach oben verjüngende Form, wie sie auch von den sargdeckelähnlichen „Sarchen“ bekannt ist, die in Lessach im Lungau aus Holz gefertigt sind. Die Grabeinfassungen aus Stein wurden oft auch der mit Ornamenten versehen. Dazu kam häufig das „Nomen sacrum“, der „heilige Name“ „IHS“, die Transkription der ersten drei Buchstaben des griechischen Jesus-Namens, oft umgedeutet mit „Jesus, Heiland, Seligmacher“.

Bad Vigaun Schnöll

Ein neues Grab von Fam. Schnöll in Bad Vigaun mit Wänden und IHS-Inschrift (© Michael Neureiter)

Heute sind „Herzerl-Steine“ nur mehr selten auf den Friedhöfen zu finden. Eine große Sammlung von schmiedeeisernen Grabkreuzen befindet sich im Museum Rupertiwinkel auf der Burg Tittmoning, bis 1803 zu Salzburg gehörig.

Nach 1900 wurden die Kreuze, die nicht mehr dem Zeitgeschmack entsprachen, immer mehr durch Steindenkmäler ersetzt. Sie wurden aus dem ganzen Rupertiwinkel im Museum gesammelt, wo etwa 180 Kreuze zu sehen sind, die meisten mit ihrem Stein. Richard Ruhland, Kustos des Museums Rupertiwinkel, ist mit Recht stolz auf die kostbare Sammlung, die auch mit Begleitinformationen sehr gut aufbereitet ist.

Tittmoning Museum Rupertiwinkel

Kustos Richard Ruhland mit der Sammlung im Museum Rupertiwinkel (© Michael Neureiter)

Herzerlsteine verkörpern die in Stein gemeißelte herz-liche Verbindung mit den verstorbenen Angehörigen. Heute sind bei Begräbnissen oft Kränze in Herzform zu sehen, auch sie bringen Liebe und Wertschätzung zum Ausdruck.

Salzburg St. Peter Stumpfögger

Die sieben Grabsteine der Steinmetzfamilie Stumpfögger im Petersfriedhof in Salzburg haben Weihwasserbecken in ovaler und nicht in Herzform.

(© Karl Traintinger)
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