Salbe – Heilmittel und Schmiergeld

Der Quacksalber (Franz Anton Maulbertsch, vor 1785)

Der Quacksalber (Franz Anton Maulbertsch, vor 1785) - Ausschnitt (Städtische Kunstsammlungen Augsburg)

Mit dem Wort Salbe bezeichnen wir ein Heil- und Hautpflegemittel, das auf die Haut aufgetragen wird. In vergangener Zeit hatte das Wort auch die übertragene Bedeutung „Bestechung, Schmiergeld“.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Das Wort Salbe ist seit dem 8. Jahrhundert belegt und leitet sich von westgermanisch *salbō „Salbe“ ab. So wie heute, wurden auch im Mittelalter Salben zur Behandlung von Wunden und zur Körperpflege verwendet. Die Benennung der verschiedenen Salben erfolgte nach unterschiedlichen Kriterien. So finden sich ganz allgemeine Bezeichnungen wie Heilsalbe oder Wundsalbe. Spezifischere Bezeichnungen sind Benennungen der Salben nach dem Körperteil oder der Krankheit, die sie heilen sollten. Beispiele hierfür sind Augensalbe für eine Salbe gegen Augenleiden, Blatternsalbe für eine Salbe gegen Blattern und Ausschlag, oder Bruchsalbe für eine Salbe, die auf Knochenbrüche aufgetragen wurde, nachdem die Knochen geschient worden waren.

Bei anderen Salben liegt die Vermutung nahe, der gewählte Name diente als Anreiz, um die Salbe möglichst gut verkaufen zu können, wie etwa bei der Adamssalbe. Die Verwendung des Namens Adam suggerierte ein hohes Alter des Heilmittels, denn in der Bibel ist Adam der erste Mensch. Der Name Adamssalbe galt daher als Hinweis auf Bewährtheit und starke Wirksamkeit.

Bei der Apostelsalbe hingegen, die im 15. Jahrhundert belegt ist, war die Zahl zwölf das namengebende Kriterium. Die Salbe bestand nämlich aus zwölf Zutaten. Das ist die gleiche Anzahl wie die Apostel Jesu. Möglicherweise dachte bei diesem Namen so mancher Käufer, die Salbe würde von den Aposteln stammen – was sich vermutlich auf den Verkauf der Salbe positiv ausgewirkt haben dürfte.

Um eine ganz andere Salbe hingegen handelt es sich bei der Pfenningsalbe oder Pfennigsalbe. Im Mittelalter hatte die Tätigkeitsbezeichnung salben den Nebensinn „bestechen, schmieren“. Im 16. Jahrhundert findet sich dann der Ausdruck Pfennigsalbe mit der Bedeutung „Bestechung, Schmiergeld“. Eine Variante dazu war das Wort Karrensalbe „Bestechung“ und die Redewendung jemanden den Karren salben „jemanden bestechen“, die gegen Ende des 16. Jahrhunderts gebräuchlich war.

Den Verkauf von Salben übernahmen häufig fahrende Händler, die die Salben auf Märkten anboten. So findet sich schon im 10. Jahrhundert das Wort salbāri „Salbenhändler“. Im 16. Jahrhundert begegnet dann die Bezeichnung Salbenkrämer. Die Salbenkrämer verkauften jedoch nicht nur Salben und Heilmittel, sondern gaben auch Tipps für die Behandlung von Leiden. Manche von ihnen führten sogar selbst Behandlungen durch.

Wie alle anderen Händler, waren auch die Salbenkrämer auf den Märkten bemüht, ihre Waren möglichst lautstark anzupreisen. Die Niederländer nannten die marktschreierischen Salbenkrämer quacsalver – eine Zusammensetzung aus mittelniederländisch quāken „quaken, schwatzen, prahlen“ und salven „salben“. Im 16. Jahrhundert gelangte der Ausdruck ins Deutsche und erhielt hier die Form Quacksalber.

Die Quacksalber hatten einen genauso schlechten Ruf wie die Salbenkrämer. So schimpft Anfang des 17. Jahrhunderts ein Beobachter über die Quacksalber und selbstgewachsenen Ärzte, die Heilbehandlungen ausführen, ohne eine Ausbildung zum Arzt durchlaufen zu haben. Da die Quacksalber neben ihrem Handel mit Salben und Heilmittel auch Behandlungen durchführten ohne über spezielle Fachkenntnisse zu verfügen, erhielt das Wort Quacksalber mit der Zeit die Bedeutung, mit der wir das Wort heute verwenden „Arzt, der mit obskuren Mitteln und Heilverfahren versucht Krankheiten zu heilen, Kurpfuscher, Scharlatan“.

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