„Am Königsweg / On the royal road“

Am-Koenigsweg-von-Elfriede-Jelinek

Ein Stück der Stunde

Das Thomas Bernhard Institut der Universität Mozarteum startet mit Elfriede Jelineks 2017 in Hamburg uraufgeführtem Theaterstück über Rechtspopulismus in das Sommersemester. In Kooperation mit der Freeszfe Budapest und mit Texten von Schauspiel- und Regie-Studierenden aus Salzburg und Budapest wird das Stück in deutscher, ungarischer und englischer Sprache aufgeführt. Ein gewaltiger Text, eine überwältigende Inszenierung von Volker Lösch, dem Spezialisten für chorisches Theater. Ein Besuch im Theater im KunstQuartier lohnt sich immer. Ein Tipp: Frühzeitig Karten sichern, denn die Vorstellungen sind meist ausverkauft.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Der neue Faschismus ist im Vormarsch. Elfriede Jelinek will aufrütteln, niemand sollte da tatenlos zusehen. Die Vorlage lieferte ihr die Wahl von Donald Trump zum 45. Präsident der Vereinigten Staaten. Wie konnte das passieren? Wer wählt eigentlich die FPÖ in Österreich oder die AfD in Deutschland? Da Studierende aus Österreich und Ungarn in diesem Stück gemeinsam auf der Bühne stehen, liegt der Fokus vor allem auf Viktor Mihály Orbán, Ministerpräsident von Ungarn, der im September 2020 die Universität für Theater und Film (SZFE) Budapest durch einen sogenannten „Modellwechsel“ in eine private Stiftung verwandelt hat. Ihre Autonomie wurde zerstört, die Entscheidungsbefugnisse wurden von einem regierungsnahen Kuratorium übernommen. Nach vehementen Protesten gründeten dissidente Lehrende und Studierende die Gesellschaft Freeszfe, um die „Free Republic of Learning“ fortzusetzen.

Zum Klang von Kirchenglocken tritt ein Bischof auf, um die Menschen auf die anstehende Königswahl einzustimmen. Auf seine Frage „Do you want to change the world?“ folgt ein Sturm der Begeisterung, eine einzelne kritische Stimme wird einfach niedergebrüllt. Dann erscheint der neue König und wirft mit Geld um sich, der Jubel ist riesengroß. „Ich bin die Wahrheit und das Leben, wer mir folgt ist OK.“ Wo aber bleibt die Demokratie, wo sind die Linken plötzlich hin? Zu spät merkt das Volk, dass es bestohlen wird. Korruption breitet sich aus, doch die Gesellschaft ist bereits an den Missbrauch gewöhnt und schweigt. Sind wir wirklich alle mit Blindheit geschlagen?

Jelineks sprachlich brillante Textflächen werden stets in drei Sprachen wiederholt und auch ohne ungarisch zu versteht, wird man von der Wucht und Intensität des Vorgetragenen überwältigt. Von den Studierenden sind sehr persönliche Texte zu hören, denn auch in Österreich lauert der Rechtspopulismus in allen Ecken und gefährdet die demokratischen Werte. Einige schämen sich schon für Österreich oder denken gar ans Auswandern.

Wenn 19 wütende junge Leute als Fahnen schwingender Mob brüllen und zackig marschieren, so hinterlässt das Gänsehaut. Regisseur Volker Lösch lässt die Studierenden wüten, toben und randalieren. Zum Finale erklimmen sie sogar die Zuschauertribüne, um uns ihren Frust und Zorn aus nächster Nähe entgegen zu schmettern. Ein ganz spezieller Abend, der bei der Premiere am 3. März 2023 mit Standing Ovations gefeiert wurde.

„Am Königsweg / On the royal Road“ – Ungarisch von Zoltàn Halasi. Englisch von Gitta Honegger. Mit Texten von Schauspiel- und Regie-Studierenden aus Salzburg und Budapest. In Kooperation mit der Freeszfe Budapest, in deutscher, ungarischer und englischer Sprache. Projektleitung: Volker Lösch, Christoph Lepschy. Regie: Antal Bálint, Bona Dyssou, Volker Lösch, Ádám Nyári, Henry Schlage. Dramaturgie: Christoph Lepschy. Kostüme: Amrei Monika Fürst, Sophia Marlen Esterer, Christina Winkler. Mit Schauspiel- und Regie-Studierenden aus Budapest und Salzburg: Bálint Antal, Claudia Benkő, Maité Dárdano, Bona Dyssou, Ben Engelgeer, Lenz Farkas, Lisbet Hampe, Emese Kárász, Amadeus König, Joseph Lang, Lili Walters, Hongji Liu, Valerie Martin, Ádám Nyári, Baris Özbük, Henry Schlage, Jákob Sebestyén, Elianne Stroomer, István Szacsvai, Blanka Szekeres, Adrian Weinek. Fotos: (c) Manuela Seethaler/Universität Mozarteum Salzburg

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