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DIE STRASSE DER AMEISEN

„Die Straße der Ameisen“ – eine Fabel über erfüllte Sehnsüchte

Als einer der bedeutendsten deutschen Gegenwartsdramatiker überrascht Roland Schimmelpfennig stets mit komplexen Erzählungen, die voller Überraschung stecken. Für ein Theater, das am Puls der Zeit sein will, sei es eine Pflicht, ein Roland- Schimmelpfennig-Stück zu spielen, meint der Intendant des Schauspielhauses Salzburg Robert Pienz. So durfte sich am 23. Jänner 2019 das Premierenpublikum von der magischen Welt des Autors verzaubern lassen.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Großmutter, Mutter und Tochter mit Freund sitzen in einer heißen karibischen Nacht nebeneinander auf einem alten Sofa und genießen die neueste Folge einer Telenovela. Der Ärger ist groß, als die Nachbarin ihre Waschmaschine einschaltet und plötzlich der Strom weg ist. Jetzt springen sie auf, reden plötzlich alle wild durcheinander und erzählen dem Publikum von ihren ganz speziellen Befindlichkeiten und Wünschen. Der Freund der Tochter wird belächelt, behauptet er doch, eine einzelne weiße Schneeflocke sei vom Himmel gefallen. Vielleicht ist er ja doch etwas zu romantisch. Da ist das Paket, auf das der Großvater 42 Jahre gewartet hat, schon wesentlich interessanter. Der Inhalt ist jedoch eine einzige Enttäuschung: ein Löffel, ein Kugelschreiber, ein zehn Jahre alter Kalender, ein leeres Senfglas und eine blonde Perücke. Als sie aber entdecken, dass diese banalen Dinge wahre Wunder vollbringen können, sind sie sich einig: „Das sagen wir keinem!“ Das Spiel mit den Wunderdingen wird jedoch allmählich zur Sucht, zur fast unerträglichen Last. So leicht lässt sich Magie aber nicht abstellen, da muss schon ein Unglück geschehen, um die Familie wieder vor dem Fernsehgerät zu vereinen.

Ute Hamm (die Großmutter), Kristina Kahlert (die Tochter), Lukas Bischof (Der Freund der Tochter),
Susanne Wende (die Mutter)

Die Großmutter (Ute Hamm) ist ein echtes
Leckermäulchen, ihr Löffel hat 1000 Geschmäcker und das weiß natürlich bald die
ganze Nachbarschaft. Kein Wunder, dass sie Angst vor Dieben hat und keine Nacht
mehr schlafen kann. Die Mutter (Susanne Wende) schaut ständig in ihren
„Kalender der Vergangenheit“ und die Tochter (Kristina Kahlert) sucht ihr Glück
in den Wolken und vernachlässigt dadurch ihren Gedichte schreibenden Freund
(Lukas Bischof).

Irmgard Lübke hat diese phantastische
Erzählung mit zahlreichen spanisch-karibischen Anklängen in Szene gesetzt. In
nur 70 Minuten erlebt das Publikum eine kleine Familiensaga, versehen mit
reichlich Klatsch und Tratsch aus der Nachbarschaft, wobei der Großvater nie
auftaucht, denn er sitzt mit seinem Glas, das nie leer wird, am Meer. Ein
märchenhafter Theaterabend voll Poesie, Magie und jeder Menge Überraschungen.


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„Die Straße der Ameisen“ von Roland Schimmelpfennig. Regie: Irmgard Lübke. Ausstattung: Andreas Kuprian. Dramaturgie: Tabea Baumann. Mit: Kristina Kahlert, Susanne Wende, Ute Hamm und Lukas Bischof. Fotos: Jan Friese


La Gazetta

„La Gazzetta“ – Liebeswirren in Rimini

Gioachino Rossinis witzige und amüsante Opera buffa schlummerte lange Zeit in den Archiven, weil Teile der Partitur als verschollen galten. Seit 2015 ist die Fassung jedoch komplett. Rossinis Frühwerk sorgt in einer turbulenten, spritzigen Inszenierung von Alexandra Liedtke im Salzburger Landestheater für ungetrübtes Opernvergnügen und wurde bei der Premiere am 20. Jänner 2019 stürmisch gefeiert.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Vor dem Viersternehotel L’AQUILA in Rimini ist bereits am frühen Morgen einiges los, denn alle warten auf die neueste Zeitung. Besonderes Interesse zeigt Don Pomponio, ein neureicher Händler aus Neapel. Er hat eine Annonce für seine Tochter Lisetta aufgegeben und preist diese in höchsten Tönen an: bildhübsch, temperamentvoll, aus gutem Hause, hochgebildet, klug, ein Herz aus Gold, beeindruckender Stammbaum und riesige Mitgift. Da müssten doch eigentlich die finanzkräftigen Männer Schlange stehen. Lisetta hat sich jedoch schon anderweitig umgesehen, sie liebt Filippo, den Wirt des Hotels.

Der schüchterne, etwas linkische Weltenbummler Alberto zeigt ebenfalls großes Interesse, doch hält er Dolarice, die mit ihrem Vater ebenfalls im Hotel abgestiegen ist, um verheiratet zu werden, irrtümlich für Lisetta. Nun beginnt ein großartiges Verwirrspiel voller Missverständnisse, Lügen und Verdächtigungen, geht doch das Libretto auf Carlo Goldonis Komödie „Il matrimonio per concorso“ zurück. Auch Madame La Rose, die Eigentümerin des Modesalons „La Bella Figura“, mischt kräftig mit, behauptet doch Filippo in einer kritischen Situation, mit ihr verheiratet zu sein. Nach einem total missglückten Duell finden schließlich auf einem Maskenball die richtigen Liebespaare zueinander, einem doppelten Happy End steht nichts mehr im Wege.

Für Sergio Foresti scheint die Buffo-Partie des Don Pomponio wie geschaffen. Mit kräftigem Bariton und viel Spielwitz bringt er sowohl die Arroganz des neureichen Neapolitaners als auch das völlige Debakel als Duellant zum Ausdruck. Filippo (George Humphrey) hat mit der cleveren Lisetta (Tamara Ivaniš) so manchen Kampf auszufechten, den beide stimmlich und komödiantisch bravourös meistern. Klangvoller Bariton gegen wendigen Sopran, da steht der Sieger oder die Siegerin wohl erst zum Finale fest.

Nico Darmanin verströmt als anfangs schüchterner, später temperamentvoller Alberto tenoralen Glanz, den Katie Coventry als flotte Doralice mit warmem Mezzo zu würdigen weiß. Als dritte starke Frau steht Frances Pappas als Madame La Rose auf der Bühne und überzeugt stimmlich und mit komödiantischem Spiel ebenso wie Michael Schober als Anselmo und Raimundas Juzuitis als Monsù Traversen.

Alexandra Liedtke hat die bei Goldoni
übliche Tür-auf-Tür-zu-Komödie als Fenster-auf-Fenster-zu-Oper inszeniert. So
hat die Fassade des Grand Hotels 14 (!) Fenster aufzuweisen, hinter denen
ständig etwas los ist (Bühne: Falko Herold). Der Zeitungsboy (Tänzer: Máté
Asbóth) fegt mit artistischen Einlagen über die Bühne, bevor er als Amor
vergeblich versucht, seine Pfeile abzuschießen. Der Herrenchor des Salzburger
Landestheaters glänzt in abstrusen Verkleidungen (Kostüme: Johanna Lakner) und
setzt Rossinis sprudelnde Musik choreografisch gekonnt um. Die Kostüme sind im
Gegensatz zum chaotischen Geschehen vor und im Hotel in edlen, dezenten Farben
gehalten.

Der für den erkrankten Riccardo Minasi
eingesprungene Robin Davis vermag mit seinem temperamentvollen Dirigat
sicherlich nicht nur Rossini-Fans zu begeistern. Ein schwungvoller, heiterer
Opernabend, auch für Operneinsteiger zu empfehlen.

„La Gazzetta“ von Gioachino Rossini. Drama per musica in zwei Akten. Libretto von Giuseppe Palomba nach dem Schauspiel „Il matrimonio per concorso“ von Carlo Goldoni. Musikalische Leitung: Robin Davis. Inszenierung: Alexandra Liedtke. Choreographie: Paul Blackman. Bühne: Falko Herold. Kostüme: Johanna Lakner. Dirigent: Riccardo Minasi/ Robin Davis/ Iwan Teifion. Mit: Sergio Foresti, Tamara Ivaniš, George Humphreys/Jacob Scharfman, Katie Coventry, Michael Schober Alberto Nico Darmanin /Gustavo Quaresma, Frances Pappas, Raimundas Juzuitis/Yevheniy Kapitula, Máté Asbóth / JamesSydney Robertson. Mozarteumorchester Salzburg. Herrenchor des Salzburger Landestheaters. Fotos: © Anna-Maria Löffelberger


Salzburger Landestheater

„Halbe Helden“ – zwei ungleiche Freunde

Oliver Wronka hat den Jugendroman „Dead Ends“ der amerikanischen Autorin Erin Jade Lange für die Bühne bearbeitet und die Geschichte zweier Außenseiter einfühlsam inszeniert. Der Theaterabend, der zu mehr Mitgefühl für Menschen, die anders sind, anregt, wurde bei der Premiere in den Kammerspielen am 17. Jänner 2019 vom Publikum äußerst positiv aufgenommen.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Der 16-jährige Dane hat Probleme mit seiner Aggressivität, denn immer, wenn sich bei ihm „ein Jucken ausbreitet wie ein Spinnennetz“, muss er einfach zuschlagen, und das passiert ihm viel zu oft. Nur Billy, ein Sonderschüler mit Down-Syndrom, der ständig gehänselt und schikaniert wird, hat keine Angst vor ihm, denn er bewundert seine Stärke. Um einer Suspendierung und einem drohenden Schulverweis zu entgehen, willigt Dane ein, sich um Billy zu kümmern. Er soll dem Disziplinarrat endlich beweisen, dass ihm „nicht alles scheißegal ist“.

Halbe Helden – Hanno Waldner, Ingo Paulick und Elisa Afie Agbaglah

Billy erweist sich als ziemliche
Nervensäge, denn er ist sich bewusst, dass er Dane in der Hand hat, und so
verlangt er von ihm nicht nur, dass er ihm das Kämpfen beibringt, sondern auch,
dass er ihm bei der Suche nach seinem verschwundenen Vater hilft. Nach und nach
entwickelt sich so zwischen den Jungen eine Freundschaft, von der beide
profitieren. Zu den zwei „vaterlosen“ Burschen gesellt sich die flotte Seely
mit ihrem Skateboard, die gleich mit zwei Vätern aufwarten kann.

Halbe Helden – Ingo Paulick und Genia Maria Karasek

Hanno Waldner schlägt als aggressiver Dane schnell und gerne zu, denn er verträgt es einfach nicht, wenn man ihm dumm kommt, nur Behinderte und Mädchen sind vor ihm sicher. In der Rolle des anhänglichen Billy überzeugt Ingo Paulick in Gestik und Mimik. Auf den ersten Blick wirkt er liebenswert und tollpatschig, doch kann er auch ziemlich renitent und dickköpfig sein. So muss Elisa Afie Agbaglah als Seely oft zwischen den beiden Streithähnen vermitteln.

Halbe Helden – Hanno Waldner und Ingo Paulick

Mit ihrer Leidenschaft für Autos punktet sie bei Dane, der ständig von einem eigenen Fahrzeug träumt. Diesen Wunsch hat ihm Jan Hendrik Neidert (Bühne) bereits erfüllt, indem er eine alte Schrottkiste, umgeben von dichtem Gebüsch, auf die Bühne gestellt hat. Dank Daniela Kleins grandiosem, rasanten Lichtdesign wechseln die einzelnen Szenen in enormem Tempo. Genia Maria Karasek als alleinerziehende Mutter und Axel Meinhardt als strenger Disziplinarrat schlüpfen auch in diverse andere Rollen, so versuchen sie etwa als wilde Schlägertypen, den armen Billy zu verprügeln.

Halbe Helden – Elisa Afie Agbaglah, Ingo Paulick und Hanno Waldner

Erin Jade Lange greift viele aktuelle
gesellschaftliche Themen auf, mit denen Jugendliche heute konfrontiert werden
und die sie leicht in „Sackgassen“ also „Dead Ends“ führen, wie das Buch im
Original heißt. Ein Stück, das brisante Themen anpackt, ohne sie problemschwer
abzuhandeln, und mit zahlreichen humorvollen, warmherzigen Momenten punktet.

Halbe Helden
Halbe Helden – Hanno Waldner und Axel Meinhardt

„Halbe Helden“ – Nach dem Jugendbuch „Dead Ends“ von Erin Jade Lange. Für die Bühne bearbeitet von Oliver Wronka. Uraufführung. Inszenierung: Oliver Wronka. Bühne: Jan Hendrik Neidert. Kostüme: Lorena Diaz Stephens. Mit: Hanno Waldner, Ingo Paulick, Elisa Afie Agbaglah, Genia Maria Karasek, Axel Meinhardt. Fotos: © Anna-Maria Löffelberger


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„Pubertät“ – Wirklich so schlimm?

Ein Vater wartet in einem Tattoo- und Piercingstudio auf seine Tochter, die sich dort unbedingt „verschandeln“ lassen will. Edi Jäger erzählt, unterstützt von seiner Tochter Magdalena Köchl, vom oft frustrierenden Zusammenleben mit pubertierenden Kindern. Josefina Vázquez Arco, die Autorin des Stücks, widmet sich dem Thema „Pubertät“ einfühlsam, doch auch mit viel Humor.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Heinz Feldmann dürfte von der Schranne kommen, denn sein Einkaufskorb ist mit Obst und Gemüse prall gefüllt. Die schrecklichen Bilder von diversen Tattoos und Piercings, die im Wartezimmer des Studios hängen, dürften ihm jedoch den Appetit verderben. Für diese seltsamen Bräuche, die es hier zu bewundern gibt, hat er kein Verständnis. „Das ist nicht unsere Kultur!“ Seiner Meinung nach gehören freiwillig und mutwillig zerstochene Gesichter und Körperteile in die Wildnis, oder gleich nach Bora Bora, wo sich Männer zur Luststeigerung sogar Federn einpflanzen lassen.

Edi Jäger
Edi Jäger

Wie hatte es nur so weit kommen können?
Schuld war die ach so coole Oma, die ihre Enkelin ganz harmlos fragte: „Was
wünscht du dir eigentlich zu Weihnachten, mein Kind?“ Gegen den Wunsch nach
einem Piercing hatte sie nichts einzuwenden und so zogen auch die
vernünftigsten Argumente der Eltern nicht mehr. Aus dem einst so lieben,
kleinen Mädchen war eine freche, unberechenbare, grausame Kreatur geworden, die
ihren Vater stets mit einer Mischung aus Abscheu und Mitleid mustert. Was hat
er nur falsch gemacht? Nur allzu gerne rächt er sich, indem er ihr das
Ladekabel für ihr geliebtes Handy versteckt. Auch droht er ständig damit, mit
einem vergessenen Jausenbrot in der Schule aufzutauchen und sie vor all ihren
Mitschülern so richtig schön zu blamieren. Das wäre dann wirklich peinlich. Wie
lief die komplizierte Zeit der Pubertät wohl früher ab? Seine Mutter hat dazu
eine ganz simple Erklärung: „Da war man ein bisschen frech, hat eine Watsche
bekommen und schon war die Pubertät vorbei.“

Zwei weiß gekleidete Herren (Robert Kainar
und Chris Neuschmid), die Ärzten in einem Tollhaus ähneln, sorgen für eine
stimmungsvolle musikalische Untermalung und eine eindrucksvolle
Geräuschkulisse. Magdalena Köchl überzeugt mit kräftiger Stimme und ist auch
einem Duett mit ihrem Vater nicht abgeneigt. Edi Jäger spielt den Vater am
Rande eines Nervenzusammenbruchs mit enormem körperlichen Einsatz, schlüpft
jedoch auch in diverse andere Rollen. So versteht er es etwa als
hormongesteuerter, vorlauter, frecher Jüngling, seine arme Lehrerin im
Biologieunterricht so richtig fertig zu machen.

Ein höchst amüsanter Theaterabend, der jede
Altersgruppe zu unterhalten vermag. Die Jugend wird sich sagen: „So schlimm
sind wir doch gar nicht!“ Eltern werden mitleiden oder froh sein, dass sie
diese anstrengende Zeit mit ihren Kindern schon hinter sich haben. „Pubertät“
steht noch am 19. Jänner und 15. März 2019 im Kleinen Theater auf dem Programm.

„Pubertät“ von Josefina Vázquez Arco. Regie: Fabian Kametz. Musik: Robert Kainar, Chris Neuschmid und Magdalena Köchl. Mit: Edi Jäger. Spieldauer ca. 90 min. Foto: Christian Hartmann (sixtlK.at)


Machine-de-cirque

Machine de Cirque – Humor als Überlebensstrategie

Obwohl das Bühnenbild Untergangsstimmung
vermittelt, zünden die Akrobaten, Musiker und Komödianten der kanadischen
Artistengruppe Machine de Cirque ein musikalisch-artistisches Feuerwerk voll
Charme und Nostalgie. Bei der Premiere beim Winterfest am 18. Dezember 2018 gab
es Standing Ovations für einen Abend der Superlative.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Die fünf Überlebenden eines Supergaus haben sich aus den Resten der Zivilisation und jeder Menge Blech eine fantastische, dreistöckige „Circusmaschine“ gebaut. Auf diesem Gerüst schwingen und springen sie von Etage zu Etage, wobei Frédéric Lebrasseur am Schlagzeug den Rhythmus vorgibt. Doch der Musiker ist den Artisten zu hektisch, sie bitten ihn: „Relax“, „Feel like on the beach!“ Doch so leicht ist er nicht zu bremsen, sein Temperament geht immer wieder mit ihm durch.

Wunderbar harmonisch hingegen eine Jonglage mit weißen Keulen, die malerisch kreuz und quer durch die Luft flattern. Dann steckt sich einer der Künstler eine rote Rose ins Knopfloch und macht sich auf die Suche nach der passenden Partnerin. Diese ist schnell gefunden und so lädt er sie ganz romantisch erst in ein Kaffeehaus ein, geht dann mit ihr ins Kino, bevor sie gemeinsam auf einer heißen Maschine in die Disco brausen. Faszinierend wie seine Kollegen stets zu Hilfe eilen und die fehlenden Requisiten ersetzen. Das Einrad ist jedoch in den verschiedensten Größen vorrätig und der Umstieg von einer Größe auf die nächste schaut richtig gefährlich aus, besonders für die ersten Reihen.

Dann folgt endlich die hinreißende Handtuch-Nummer,
die von einigen Besuchern schon sehnsüchtig erwartet wird, denn über 40
Millionen Fans haben das witzige Video bereits online gesehen. Die finalen
Sprünge auf der Wippe sind so phänomenal, dass man sie am liebsten in Zeitlupe
nochmals sehen würde, denn bei diesem enormen Tempo kann man die Salti wirklich
nicht mehr mitzählen.

Vincent Dubé der künstlerische Leiter von
Machine de Cirque finanzierte die Gründung der Companie über eine
Crowdfunding-Kampagne und bereits ein Jahr fand später die erste Vorstellung in
Québec statt. Dubé ist Zirkuskünstler, hat aber auch einen Abschluss in
Ingenieurwissenschaften. Sein Traum war es stets, diese beiden Leidenschaften
zu verbinden. Was aus dieser Fusion, viel Blech, Phantasie und mit fünf
quirligen Ausnahmekünstlern entstehen kann, zeigt dieser Abend eindrucksvoll.
Die Zuseher riss es nach 90 Minuten geradezu von ihren Sitzen.

„Machine de Cirque“ – Machine de Cirque. Auf der Bühne: Yohann Trépanier, Raphaël Dubé, Ugo Dario, Maxim Laurin, Olivier Forest. Produktion, Originalidee, künstl. Leitung und Inszenierung: Vincent Dubé. Mitarbeit an Konzept und Inszenierung: Yohann Trépanier, Raphaël Dubé, Maxim Laurin, Ugo Dario, Frédéric Lebrasseur. Musik: Frédéric Lebrasseur. Kostüme: Sébastien Dionne. Licht: Bruno Matte. Ton: René Talbot. Technik: David St-Onge. Künstlerische Beratung: Martin Genest, Patrick Ouellet, Harold Rhéaume. Bühnenbildberatung: Josée Bergeron-Proulx & Julie Lévesque. Fotos: Winterfest/ Erika Mayer


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„Sonny Boys“ – einst die „Kings of Comedy“

Mit Neil Simons Broadway-Klassiker präsentiert das Schauspielhaus Salzburg eine rasante Komödie mit treffsicheren Pointen und spitzfindigem Wortwitz. Die tragikomische Geschichte über die Hassliebe zweier ehemals gefeierter, doch jetzt fast vergessener Komiker steht auch zu Silvester am Programm und garantiert einen heiteren Rutsch ins Jahr 2019.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Das Komikerduo Willie Clark und Al Lewis war 33 Jahre ganz groß im Showgeschäft. Vor elf Jahren haben sie sich im Streit getrennt und seitdem kein Wort mehr miteinander gewechselt. Willie lebt zurückgezogen in einem heruntergekommenen Appartement und wird von seinem Neffen und Agenten jeden Mittwoch mit Lebensmittel und der neuesten Ausgabe der „Variety“ versorgt. Dank bekommt er dafür keinen, denn Willie hätte viel lieber einen neuen Job. Sein letztes Engagement, eine Werbekampagne für Chips, hat er in den Sand gesetzt, weil er sich den Namen einfach nicht merken konnte.

Als ein Fernsehsender den berühmten Doktorsketch des Duos für eine geplante Jubiläumsshow bringen will, lässt sich ein Zusammentreffen der beiden Sturköpfe kaum vermeiden. Al, der bei seiner Tochter wohnt, reist aus New Jersey an und ist entsetzt über den verwahrlosten Zustand seines ehemaligen Freundes. Obwohl sie beide eigentlich voll dagegen sind, beschließen sie, es noch mal miteinander zu versuchen.

Sie betonen, dass sie es nur für den armen Ben machen,da dieser sonst Probleme mit dem Sender bekäme. Bereits der Probenbeginn gestaltet sich äußerst schwierig, denn der penible Al gestattet seinem Kollegen nicht die kleinste textliche Veränderung. Dass die Fernsehaufzeichnung auch nicht reibungslos verlaufen wird ist vorhersehbar.

Marcus Marotte, Olaf Salzer

In Pyjama und Bademantel sitzt Willie Clark (Marcus Marotte) in seinem schäbigen Appartement mit einer trostlosen Tapete aus den 70er-Jahren (Ausstattung: Isabel Graf, Agnes Hamvas) und sekkiert seinen armen Neffen (Bülent Özdil), bis dieser Herzstechen bekommt. Sein früherer Partner Al Lewis (Olaf Salzer) ist ein besonnener, eher ruhiger Zeitgenosse. Ein Wunder, dass die beiden es so lange auf der Bühne miteinander ausgehalten haben. Nicht nur die beiden Herren sind in die Jahre gekommen, auch ihr berühmter Doktorsketch mit der aufreizenden, strohdummen, dafür vollbusigen Krankenschwester (Christiane Warnecke) wirkt ziemlich angestaubt.

Bülent Özdil (Ben Silverman)

In der nostalgisch angehauchten Inszenierung von Maya Fanke brillieren Marcus Marotte als Choleriker und Olaf Salzer als feiner älterer Herr mit Durchblutungsstörungen. Ein kongeniales Duo,das seine Rivalitäten lustvoll zelebriert und das Publikum damit bestens unterhält.

Olaf Salzer (Al Lewis)

Marcus Marotte (Willie Clark)

v.l.n.r.: Bülent Özdil (Ben Silverman), Marcus Marotte (Willie Clark)

„Sonny Boys“ Komödie von Neil Simon. Regie:Maya Fanke. Ausstattung: Isabel Graf, Agnes Hamvas. Mit: Marcus Marotte, Olaf Salzer, Bülent Özdil, Christiane Warnecke. Fotos: Jan Friese


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CIRCA TSUICA – „ Maintenant ou Jamais”

Die Musik-Akrobaten der französischen Compagnie Circa Tsuica heißen das Publikum beim Winterfest 2018 in ihrem eigenen Zelt ganz besonders herzlich willkommen.

Zur Begrüßung gibt es Bussi-Bussi, frische Crêpes,ein feines Buffet mit Fingerfood und ein Gläschen Wein. In Verbindung mit dynamischem Balkan-Jazz verspricht dieser Einstieg einen energiegeladenen, fröhlichen Abend. „Jetzt oder Nie“ lautet ja die Devise.

Nach 15 Minuten werden die Tische hinaus gerollt und der Boden wird wieder auf Hochglanz gebracht. Jetzt ist es Zeit für ein kleines Tänzchen. Dazu werden Partner und Partnerinnen aus dem Publikum geholt. Tanzen alleine reicht den Künstlern aber nicht, sie blasen dabei auf ihren Posaunen und Trompeten, dass es eine Freude ist. Dann kommen die Fahrräder ins Spiel. Wie viele Personen haben darauf eigentlich Platz? Alle Möglichkeiten werden ausgetestet: übereinander, hintereinander und nebeneinander, mit und ohne Blasinstrument. Ein Pärchen zeigt uns, wozu man ein Fahrrad noch missbrauchen kann. Amüsante Spielchen mit Publikumsbeteiligung wechseln sich mit akrobatischen Höchstleistungen auf Teeterboard, Cyr Wheel und Trapez ab, wobei der Humor nie zu kurz kommt.

 Zum Finale werden Decken am Boden ausgebreitet – natürlich muss das Publikum wieder kräftig mithelfen – und so sitzen Groß und Klein friedlich nebeneinander, während die Künstler zu letzten,sensationellen Sprüngen vom Teeterboard ansetzen. Statt dem üblichen Applaus wird dann einfach weiter gefeiert, denn die Tische mit Getränken und Essen werden wieder herein geschoben.

 Die Künstler von Circa Tsuica träumen voneinem besseren Miteinander und zeigen an diesem Abend, wie das funktionieren könnte. Ihre Fröhlichkeit und die herzliche Atmosphäre, die sie vermitteln, garantieren beste Laune für die ganze Familie. Das fröhliche Durcheinander von Artistik und zündender Blasmusik ist noch bis 6. Jänner 2019 im Volksgarten zu erleben.

Auf der Bühne: Manu Cealis, Manu Debuck,Mathieu Despoisse, Guillaume Dutrieux, Amanda Lund, Tom Neal, Olivier Pasquet,Charlotte Rigaut, Lola Renard, Thomas Reudet, Aymeric Thuillier. Produktion,Kreation: Circa Tsuica. Technische Leitung: Cédric Malan. Licht: JeanCeunebroucke. Kostüme: Fanny Mandonnet. Musik: Guillaume Dutrieux. Fahrradakrobatik:Pierre Glottin. Regie: Christian Lucas. Vermittlung: Déborah Boeno. Fotos: Winterfest/ BerthePommery, JL Besnard


INTAKTE BEWOHNER DESOLATER STÄDTE

„Intakte Bewohner desolater Städte“ – ein groteskes Panoptikum

Das Netzwerk für Theater- und Kunstprojekteohnetitel ist bekannt für außergewöhnliche Produktionen. Ihr neuestesTheaterprojekt, eine Koproduktion mit dem Schubert Theater Wien, schickt das Publikumauf „eine bizarre Reise ans andere Ende der Welt“, wo das angsteinflößendeFremde wartet. Die Premiere fand am 4. Dezember 2018 im Saal der ARGEkulturstatt.

Das „Varieté zum Kap der guten Hoffnung“hat wohl schon bessere Zeiten erlebt. Jetzt mühen sich zwei in die Jahregekommene Zauberkünstler (Thomas Beck und Christoph Bochdansky) damit ab, dasPublikum mit ihren verbliebenen vier Kunststücken zu unterhalten: Elefant,Fischhose, schwebende Jungfrau und zersägter Partner. Früher war alles besser,da sind die beiden durch die Welt getingelt und konnten große Erfolge feiern. Aus einem Gruselkaspar-Kostüm schält sich eine elegante Dame (Dorit Ehlers),verschönert sich in der Maske, um dann das Publikum zu fragen: „Wahrheit,Schein und Täuschung, worin liegt der Unterschied?“ Antwort erwartet sie wohlkeine und sie wird auch im Laufe des Abends selbst keine geben. Sie steckt sichlieber ein paar Federn ins Haar, fühlt sich einem Paradiesvogel innig verbundenund erzählt, wie diese bunten Vögel zu ihrem Namen kamen. Die Eingeborenen derMolukken berichteten einst den Seeleuten Magellans, diese Vögel wären vomHimmel gesandt worden, und so wurden sie unter dem Namen Paradiesvögel bekannt.Nach Europa gelangten jedoch nur Bälge ohne Füße, sodass man lange Zeitglaubte, die Tiere hätten keine Füße.

Die hellblaue Bühne (Arthur Zgubic, Alois
Elmauer) mit ihren vielen kleinen weißen Fischen, Segelbooten und Landkarten dreht
sich ständig, so agieren die Künstler mal vor mal hinter der Bühne. Das macht
jedoch wenig Unterschied, denn es wird versichert, dass es in diesem Varieté
keine Abgründe, keine Ängste und keine Nöte gäbe. Als die Welt noch eine
Scheibe war, hat das wohl etwas anders ausgesehen. Da hausten an den Rändern angeblich
ungeheuerliche, Furcht einflößende Kreaturen. Diese Figuren haben, ebenso wie die
alten Quälgeister aus der Muppet Show, ihren großen Auftritt, denn in diesem
Varieté ist eben alles möglich.

Die Mischung aus schlichter Illusionskunst,
alten Landkarten und großen Weltentwürfen kommt sehr locker daher, wobei Texte
und theatrale Aktionen in unerwartete Zusammenhänge gestellt werden. Die Gruppe
„ohnetitel“ sieht sich als Initiator, Motor, Verwirklicher, Plattform für
spartenübergreifende Kunst und Netzwerk für Theater- und Kunstprojekte und hat dafür
den Salzburgpreis des Kulturfonds 2018 erhalten. Gratulation!

„Intakte Bewohner desolater Städte“ EineKoveranstaltung mit ohnetitel und Christoph Bochdansky. In Kooperation mit demSchubert Theater Wien. Mit: Thomas Beck, Christoph Bochdansky, Dorit Ehlers.Bühne: Arthur Zgubic, Alois Ellmauer. Kostüme: Hilde Böhm, Lili Pfeiffer.Puppenbau: Christoph Bochdansky. Produktion: Sabine Jenichl. Foto: ARGEkultur


„Alice im Wunderland“ – Überraschungen ohne Ende

Das erstmals 1865 erschienene Kinderbuch des britischen Schriftstellers Lewis Carroll zählt zu den Klassikern der Weltliteratur. Das Schauspielhaus Salzburg bietet nun die Gelegenheit, Alice auf ihrer aufregenden Reise in eine Welt voll Phantasie und Abenteuer zu begleiten. Die entzückende, äußerst vergnügliche Inszenierung von Robert Pienz und Christoph Batscheider feierte am 3. Dezember 2018 Premiere. Absolut sehenswert!

Elisabeth PichlerVon Elisabeth Pichler

Eigentlich sollte Alice nur den Müll rausbringen. Sie findet das aber voll langweilig, ebenso wie Hausaufgaben und das Zimmer aufzuräumen. Warum geschieht eigentlich nie etwas Überraschendes? Da fährt ein weißer Hase auf einem Tretroller an ihr vorbei, der es schrecklich eilig hat. Als er in der Mülltonne verschwindet, folgt Alice dem Tier, fällt tief hinunter und landet schließlich im Wunderland. Dort ist nichts, wie es auf den ersten Blick erscheint. Eine Grinsekatze versichert ihr, dass hier einer verrückter als der andere sei, gibt Ratschläge in Rätselform und benutzt eigenwillige Wortspiele.

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lice trifft auf Kaugummi kauende Zwillinge, eine Gitarre spielende Raupe, den Märzhasen und den verrückten Hutmacher, die gemeinsam eine Nicht-Geburtstagsfeier veranstalten, Tweedldee und Tweedledum, Käpt’n Dodo und den Herzbuben, der ständig die Rosen rot anmalt. Dabei stellt Alice fest, dass in diesem eigenwilligen Königreich alle sehr schnell beleidigt sind. Essen und Trinken sind hier stets mit Gefahren und Überraschungen verbunden, so wird Alice einmal winzig klein, dann wieder riesengroß. Die Grinsekatze hat völlig Recht, hier scheinen wirklich alle den Verstand verloren zu haben. Die Herzkönigin ist jedoch noch verrückter als ihre Untertanen, denn sie kennt nur eins: „Kopf ab!“ Alice aber lässt sich so schnell nicht einschüchtern.

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Isabel Graf (Ausstattung) hat für die eigenwilligen Bewohner dieses Wunderlandes eine entzückende, pastellfarbene Traumlandschaft auf die Bühne gestellt. Jakob Kucher erweist sich als perfekte, geschmeidige, superschlaue Grinsekatze, die mit ihren Weisheiten die kleine Alice mehr als verwirrt. Helena May Heber wirkt in ihrem blauen Rüschenkleidchen und den wippenden Stoppellocken, als wäre sie geradewegs dem Kinderbuch entstiegen. Mit großen Augen bestaunt und genießt sie die verrückten Dinge, die um sie herum passieren. Genau das hat sie sich ja immer gewünscht: Überraschungen, nichts als Überraschungen. Während Julian Dorner als riesengroßer weißer Hase ständig in großer Eile, doch völlig planlos unterwegs ist, verkörpern Julia Rajsp, Sophia Fischbacher, Raphael Steiner und Tim Erkert mit sichtlichem Vergnügen all die schrägen Typen, die im Wunderland unterwegs sind.

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Alice im Wunderland zählt zum Genre des literarischen Nonsens und ich muss gestehen, dass ich normalerweise mit diesen eigenwilligen Geschichten meine Probleme habe. Robert Pienz und der vor kurzem verstorbene Christoph Batscheider haben daraus jedoch ein ganz entzückendes, wenn auch etwas verrücktes Märchen gemacht. 70 Minuten reinstes Theatervergnügen für Groß und Klein.

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„Alice im Wunderland“ nach dem Kinderbuch von Lewis Carroll. Regie: Christoph Batscheider, Robert Pienz. Ausstattung: Isabel Graf. Musik: Raphael Busá. Mit: Helena May Heber, Julian Dorner, Jakob Kücher, Julia Rajsp, Sophia Fischbacher, Raphael Steiner, Tim Erkert. Fotos: Jan Friese


Stille Maus und Stille Nacht

„Stille Maus und Stille Nacht“ – harte Zeiten in Stadt und Land

Der bekannte Autor Felix Huby hat zum 200-Jahr-Jubiläum des weltberühmten Weihnachtsliedes ein Volksstück für Schauspieler und Marionetten verfasst, das den Lebensspuren des Textdichters Joseph Mohr folgt. Das Auftragswerk von Wagrain Tourismus & Snow Space Salzburg feierte am 9. November 2018 in Wagrain Premiere und ist nun in den Salzburger Kammerspielen zu erleben.

Elisabeth PichlerVon Elisabeth Pichler

Der kleine Joseph Mohr und seine Freundin Kathi spielen gerne miteinander. Kathis Eltern ist das aber gar nicht recht, ist Joseph doch ein lediges Kind. So hat seine Mutter, die Strickerin Anna Schoiber, wie es damals üblich war, eine „amtliche Befragung“ zu ihrem „fleischigen Verbrechen“ über sich ergehen lassen müssen – und das bereits zum dritten Mal. Dem kleinen Joseph setzt dieser Makel ziemlich zu. Wie soll er nur seine Zukunftspläne verwirklichen? Er möchte doch so gerne Priester werden. Mit einem Kaleidoskop gelingt es den beiden Kindern, einen Blick in die Zukunft zu werfen.

So findet der talentierte Knabe in Domchorvikar Johann Nepomuk Hiernle einen Gönner, der ihn auf die Lateinschule und anschließend ins Priesterseminar schickt. Auch Franz Xaver Gruber hatte es nicht leicht. Er sollte bei seinem Vater in der Weberei mitarbeiten und wollte doch viel lieber Schulmeister und Organist werden. In Oberndorf bei Salzburg treffen Joseph Mohr und Franz Xaver Gruber aufeinander und werden Freunde, die gerne gemeinsam Musik machen. Als Weihnachten 1818 die Kirchenorgel streikt, erklingt deshalb im Rahmen der Mette erstmals ihr Lied „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ nur mit Gitarrenbegleitung.

Stille Maus und Stille Nacht

Katharina Halus und Hanno Waldner ziehen nicht nur als Puppenspieler die Fäden, sie verkörpern auch überaus authentisch diverse Mütter, Väter, Soldaten und Geistliche, wobei es infolge der schnellen Szenenwechsel öfter zum Geschlechtertausch kommt. Florian Sumerauer, der sich als Franz Xaver Gruber rührend um seinen Freund, den jungen Pfarrer Mohr, kümmert, hat auch kurze Auftritte als Beamter, Kathis Mutter, Johannes Nepomuk Hiernle und katholischer Rat. Ständig auf der Bühne befindet sich Joseph Mohrs Lieblingsmaus Veronika, die laut Legende schuld an der kaputten Orgel ist.

Stille Maus und Stille Nacht

Thomas Pekny hat ein kleines, drehbares Holzhäuschen auf die Bühne gestellt, das immer wieder neue Perspektiven bietet. Christina Piegger zeigt in den vielen kleinen Szenen auf, wie hart und gefährlich die Zeiten waren, in denen das Weihnachtlied entstanden ist. Stimmungsvoll die Lichterprozession zur nahen Dreifaltigkeitskirche, wo das Publikum gemeinsam mit den Schauspielern sechs Strophen von „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ in der originalen Textfassung singt. Für Jung und Alt die perfekte Einstimmung auf das kommende Weihnachtsfest.

Stille Maus und Stille Nacht

„Stille Maus und Stille Nacht“ – Ein Lied und seine Geschichte – Volksstück für Schauspieler und Marionetten von Felix Huby. Uraufführung. Inszenierung: Christina Piegger. Bühne: Thomas Pekny. Kostüme: Alois Dollhäubl. Musik: David Frank und Martin Hausner. Mit: Florian Sumerauer, Hanno Waldner, Katharina Halus. Fotos: © Christina Baumann-Canaval


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„HALKA“ – die Energie des Kreises

Die Groupe Acrobatique de Tanger eröffnete am 29. November das Winterfest 2018. Zwölf Artisten und zwei Musiker entführen das Publikum mit einer musikalisch-akrobatischen Performance in den Orient und verbreiten eine mitreißende, ausgelassene maghrebinische Feststimmung, die ansteckend wirkt.

Elisabeth PichlerVon Elisabeth Pichler

Traditionell gekleidete Männer lassen sich an Bauchgurten im Kreis herumführen und schlagen dabei in rasendem Tempo Räder, fast ohne den Boden zu berühren. Zwei Damen versuchen, die muntere Männertruppe aufzumischen und die Führung zu übernehmen. Die Herren geben sich geschlagen und stehen plötzlich als kunstvolle Pyramide vor ihnen. Dann wirbeln sie gemeinsam über die Bühne, klettern blitzschnell aneinander hoch und bilden filigran wirkende Türme.

Die Stimmung ist ausgelassen. Die kraftvolle Musik, eine Kombination aus Dichtung, Schreien und Gesängen, steht in direktem Dialog mit den Artisten. Poetische Stimmung und magische Momente erzeugt der rieselnde Sahara-Sand, der von den Herren – Sämännern gleich – kunstvoll auf der Bühne verteilt wird. Starke Bilder erzeugen die roten, trommelartigen Behälter, auf denen gestampft, marschiert, gesprungen und gehüpft wird. Nach 60 Minuten endet das furiose Spektakel wieder in einem Kreis. Alle blicken fasziniert zu den Musikern und stimmen gemeinsam ein Lied an, das nach Ende der Vorstellung noch lange aus der Garderobe zu hören ist.

Die mitreißende Performance, die traditionelle marokkanische Akrobatik und zeitgenössischen Zirkus verbindet, lässt die winterlichen Temperaturen vergessen. Die Reise in den Orient kann man noch bis 15. Dezember im Volksgarten antreten. Ganz ohne Flugticket, Eintrittskarte reicht. Auch für Kinder ab sechs Jahren sehr zu empfehlen.

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„HALKA“ – Groupe Acrobatique de Tanger – Österreichpremiere. Auf der Bühne: Najwa Aarras, Mohamed Takel, Amal Hammich, Mohammed Hammich, Mustapha Aït Ouarakmane, Adel Châaban, Mohammed Achraf Châaban, Mhand Hamdan, Abdelaziz El Haddad, Samir Lâaroussi, Younes Yemlahi, Ouahib Hammich, Hamza Naceri, Hammad Benjkiri. Künstlerische und akrobatische Zusammenarbeit: Abdeliazide Senhadji, Airelle Caen, Boutaina el Fekkak, Nordine Allal. Akrobatische Zusammenarbeit: Mohammed Hammich. Licht: Laure Andurand, Cécile Hérault. Musik: Xavier Collet. Ton: Edouard Heneman, Anthony Biscarat, Joël Abriac. Kostüme: Ayda Diouri. Produktion: Jean-François Pyka. Administration: Pauline Horteur. Leitung: Sanae El Kamouni. Fotos: Erika Mayer


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„Meine Stille Nacht“ – Broadway-Atmosphäre in der Felsenreitschule

Anlässlich des 200-Jahr-Jubiläums des Weihnachtsliedes „Stille Nacht! Heilige Nacht!“ entstand auf Initiative des Intendanten des Salzburger Landestheaters, Carl Philip von Maldeghem, ein berührendes, modernes Weihnachtsmärchen.

Elisabeth PichlerVon Elisabeth Pichler

Das glamouröse, aufwendig inszenierte Musical Play des renommierten Filmkomponisten John Debney begeisterte bei der Weltpremiere am 24. November 2018 das Publikum. Standing Ovations für die über 100 Mitwirkenden und das gesamte Leading Team.

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„Weihnachten liebt jeder außer mir!“ singt frustriert Justin, der lustlos im weihnachtlich dekorierten Kaufhaus seiner Eltern in Pittsburgh arbeitet. Obwohl bald 30 befindet er sich immer noch in der Findungsphase. Der Weihnachtsrummel setzt ihm immer besonders zu, denn dann erinnert er sich wieder an die österreichische Austauschschülerin Elisabeth Kärner, mit der als er 13-Jähriger ein Referat über das Lied „Stille Nacht“ gehalten hat.

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Dank Google ist die junge Dame schnell gefunden. Kurzentschlossen fliegt Justin nach Salzburg und trifft dort tatsächlich seine Jugendliebe wieder, die für ein Salzburger Musikfestival arbeitet. Er gibt sich jedoch nicht zu erkennen, sondern lässt sich als Chorleiter engagieren, um ihr vielleicht so wieder näherzukommen. Seine modernen Ideen kommen in Salzburg gar nicht gut an und so steht er bald ohne Chor da.

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Schließlich muss er sich mit einer bunt zusammengewürfelten Gruppe aus jungen Straßenmusikanten begnügen. Diese Band kann zwar bei Elisabeth punkten, doch ihre Mutter, eine gestrenge Verfechterin der Tradition, muss erst noch überzeugt werden. Der fiese, fremdenfeindliche Konzertmanager Hans (sehr überzeugend Sascha Oscar Weis) hat ein Auge auf Elisabeth geworfen und kämpft mit allen Mitteln um sie. Um seine Bandmitglieder vor der Abschiebung oder dem Gefängnis zu bewahren, erklärt sich Justin bereit, das Feld zu räumen, und kehrt in seine Heimat zurück. Damit sind die Kids aber gar nicht einverstanden. Sie schicken eine Videobotschaft nach Amerika, die ihn zurück nach Salzburg lockt. Einem Happy End sollte nichts mehr im Wege stehen.

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Das Musical Play „Meine Stille Nacht“ greift die in Salzburg immer aktuellen Spannungen zwischen innovativen Ideen und liebgewonnenen Traditionen auf. So wird Elisabeth (Milica Jovanović ) gleich zu Beginn von Journalisten niedergemacht, will sie doch tatsächlich das traditionelle Weihnachtskonzert in Salzburg modernisieren. „Nicht in Salzburg, was Neues ist hier tabu“ lautet der allgemeine Tenor. Auch die Schwierigkeiten mit Ausländern, Immigranten und Bettlern spielen in dem Stück eine große Rolle, denn Justin (Dominik Hess) gründet eine Band mit jungen Leuten, die alle etwas im Abseits stehen. Nach anfänglichen Schwierigkeiten schweißt die Außenseiter, die sich „Allstars“ nennen, jedoch das gemeinsame Musizieren zusammen und so schaffen sie es sogar, Elisabeths Mutter, die etwas steife Frau Baronin (Bettina Mönch), zu überzeugen. Im Finale wird dann ein wunderbar kitschiges Krippenspiel von der jungen Band gestürmt und schließlich rocken Maria und Josef, viele kleine Schäfchen, Engel und sogar die Heiligen Drei Könige mit den „Allstars“.

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Das Salzburger Landestheater hat ein wahrhaft luxuriöses Weihnachtspaket geschnürt. Neben hochdekorierten Künstlern aus den USA, John Debney (Komposition), Hannah Friedman (Buch) und Siedah Garrett (Liedtexte), zeichnet auch ein hochkarätiges heimisches Team für den Erfolg verantwortlich. Andreas Gergen (Regie) gelingt gemeinsam mit den Videokünstlern von fettFilm (Bühne und Video) ein weihnachtliches Spektakel in Cinemascope, das mit wunderschönen Projektionen der Festspielstadt die große Bühne mit Leichtigkeit bezwingt. Ein eigenes Musical-Ensemble, das Ballett-Ensemble, ein Chor samt Extrachor sowie der Salzburger Festspiele und Theater Kinderchor sorgen in der bewährten Choreografie von Kim Duddy dafür, dass die Friedensbotschaft mit enormer Power transportiert wird. Eine mit Skepsis erwartete Produktion wurde so zum Triumph.

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„Meine Stille Nacht“ Musical Play von John Debney. Uraufführung am 24.11.2018 in der Felsenreitschule. Musikalische Leitung: John Debney / Robin Davis. Inszenierung: Andreas Gergen. Choreographie: Kim Duddy. Bühne und Videodesign: fettFilm. Kostüme: Regina Schill. Choreinstudierung: Stefan Müller. Mit: Dominik Hees, Milica Jovanović, Kurt Pavel Fieber, Marco Dott, Eleonora Talamini, Noah Obermair / Leonhard Radauer, Christine Rothacker, Michael Schober, Sascha Oskar Weis, Bettina Mönch, Franziska Becker, Julius von Maldeghem / Fabio Ziegler, Elisa Afie Agbaglah, Benjamin Aster / Leonhard Radauer, Ivan Vlatković, Savio David Byrczak, Johanna Melanie Maderegger / Franziska Stebler, Elias Karl / Paul Stein, Flora Menslin / Maria Straßl. Musical-Ensemble: Genia Maria Karasek, Oliver Mülich, Stefan Schmitz, Philipp Andreas Sievers, Dominik Tiefgraber. Ballett-Ensemble: Naila Fiol, Gabrielly Juvêncio, Mikino Karube, Karine de Matos, Diego da Cunha, Lucas Leonardo, Paulo Muniz, Pedro Pires. Orchester: Mozarteumorchester Salzburg. Chor: Chor des Salzburger Landestheaters. Kinderchor: Salzburger Festspiele und Theater Kinderchor. Fotos: © Anna-Maria Löffelberger