dorfzeitung _quer
theaterachse_nestroy_2019

Mit der Sommerproduktion der theaterachse, zwei Einaktern von Johann Nepomuk Nestroy, „Frühere Verhältnisse“ und „Häuptling Abendwind oder Das gräuliche Festmahl“, verabschiedet sich das OFF Theater in die Sommerpause.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Die zwei schrägen Possen werden ab 10. Juli 2019 bei den Theatertagen auf der Mildenburg in Miltenberg in Franken sicherlich für beste Stimmung sorgen.

Die beiden 1862 uraufgeführten Stücke
könnten unterschiedlicher nicht sein. Während „Frühere
Verhältnisse“ zu den meistgespielten Nestroy-Possen zählt, wurde
„Häuptling Abendwind und Das gräuliche Festmahl“ von der Kritik
eher unfreundlich aufgenommen. Nestroy prangert in dieser
indianischen Faschingsburleske den wachsenden Nationalismus an und
macht sich über langatmige Konferenzen und den heuchlerischen Stolz
auf die Zivilisation lustig. Heute scheint die Satire brandaktuell zu
sein, beleuchtet sie doch den Umgang mit dem Fremden. In der Südsee
erwartet König Abendwind „der Sanfte“ den Häuptling der
Nachbarinsel, Biberhahn „den Heftigen“, zum Festmahl. Er will mit
ihm die brennenden Fragen der Gegenwart besprechen, denn es gibt jede
Menge Probleme. Berge von Plastikmüll werden täglich angeschwemmt,
die Inseln werden immer kleiner und das Meer ist leergefischt. Was
nur soll er seinem Gast vorsetzen? Zum Glück taucht in letzter
Minute ein schiffbrüchiger Fremder auf.

Im Gegensatz zu dieser bissigen
Gesellschafts-Satire in Form einer Kannibalen-Story sind die
„Früheren Verhältnisse“ ein ganz typischer Nestroy. Der durch
Holzhandel zu Geld gekommene Herr Scheitermann hat ein feines
Professorentöchterlein, das manchmal auch ein „zwiedernes Engerl“
sein kann, geheiratet. Er lebt in der ständigen Angst, dass seine
Frau hinter seine früheren, niederen Verhältnisse kommen könnte,
war er doch einst einfacher Hausknecht. Als sich sein ehemaliger,
total heruntergewirtschafteter Prinzipal bei ihm als Hausdiener
bewirbt, wird die Sache brenzlig. Für noch mehr Wirbel und
Missverständnisse sorgt Peppi, eine ehemalige Köchin beim Vater der
Gnädigsten, die sich erfolgslos am Theater versucht hat und nun als
Dienstmädchen wieder eingestellt wird.

Die erfrischenden, von Mathias Schuh
arrangierten Couples, werden von Sophia Schuh am Klavier begleitet.
Das junge, spielfreudige Ensemble schafft den Wechsel vom
bürgerlichen Wien zur Menschenfresser-Insel mit Bravour. Die
theaterachse bietet mit diesem Nestroy-Abend spritziges Sommertheater
mit zwei sehr unterschiedlichen Stücken, flott inszeniert von
Mathias Schuh („Frühere Verhältnisse“) und Doris Harder
(„Häuptling Abendwind“).

„FRÜHERE VERHÄLTNISSE“ Posse von Johann Nepomuk Nestroy. Regie und Musik: Mathias Schuh. Klavier: Sophia Schuh. Ausstattung: Rafaela Wenzel. Mit: Janna Ambrosy, Karoline Schragen, Thomas Hofer, Luke Bischof.

„HÄUPTLING ABENDWIND oder DAS GRÄULICHE FESTMAHL“ Posse von Johann Nepomuk Nestroy. Regie: Doris Harder. Musik: Mathias Schuh. Klavier: Sophia Schuh. Ausstattung: Rafaela Wenzel. Mit: Janna Ambrosy, Karoline Schragen, Thomas Hofer, Luke Bischof, Mathias Schuh.


seebuehne_seeham-der-brandner-kaspar-und-das-ewig´-leben

Kurt Wilhelm feierte mit der Bearbeitung einer Erzählung seines Vorfahren Franz von Kobell am Residenztheater in München einen sensationellen Erfolg. Seine umjubelte Inszenierung stand 26 Jahre lang am Programm. Gerard Es hat das urbayrische Volksstück nach Österreich verpflanzt und aus dem Brandner Kaspar einen Seehamer gemacht.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Die liebenswerte Komödie unterhält mit einer Mischung aus Komik und Melancholie bestens. Viel Applaus bei der Premiere am 5. Juli 2019, einer Benefizveranstaltung zu Gunsten der Schmetterlingskinder.

___STEADY_PAYWALL___

Der „Boandlkramer“ hat einen neuen Auftrag. Er soll den Brandner Kaspar, einen 72-jährigen verwitweten Kleinbauern, abholen. Sein Schuss während der Jagd geht daneben und so muss er den rüstigen Alten zu Hause aufsuchen. Dieser ist absolut nicht bereit mitzukommen und auch die angepriesenen Herrlichkeiten des Himmels können ihn nicht umstimmen.

Etliche Stamperl Kirschgeist später gelingt es dem Brandner Kaspar, den „Boandlkramer“ beim Kartenspielen zu betrügen und ihm 18 weitere Jahre abzuluchsen. Dann nämlich wäre er 90 und käme gerne mit. An seinem 75. Geburtstag folgt seine Enkelin Marei dem Wilderer Flori in die Berge, um ihn zu warnen, wird von einem Gewitter überrascht und stürzt ab. Als Marei im Himmel ankommt, fliegt der Betrug des „Boandlkramers“ auf und er wird dazu verdonnert, den überfälligen Brandner Kaspar herbeizuschaffen. Ob diesen eine Probestunde im Paradies umstimmen kann?

seebuehne_seeham-der-brandner-kaspar-und-das-ewig´-leben

Hans Sporer überzeugt als schlitzohriger Brandner Kaspar, der sich rührend um sein Enkelkind, die tugendhafte Marei (Astrid Rizner), kümmert. Diese liebt den armen Wilderer Flori (Roman Leobacher), was dem Jägermeister Simmerl (Christian Altendorfer) aber gar nicht gefällt. Manfred Pichler brilliert stimmlich, mimisch und gestisch als zerrupfter, verfrorener „Boandlkramer“, eine jämmerliche Figur, mit der man fast Mitleid haben muss. Ein Scheißjob und nur unzufriedene Kunden, da ist es doch kein Wunder, dass er beim Kirschgeist schwach wird.

Im Himmel geht es urgemütlich zu, verwöhnt doch Hildegard von Bingen (Ulrike Rizner) das Personal und Kardinal Schwarzenberg (Matthias Hemetsberger) mit selbstgemachten Nervenkeksen und gesundem Herzwein. Der vergessliche Erzengel Michael (Lukas Korber) ist ständig auf der Suche nach seinem Flammenschwert, und nach den Jausenzeiten des Hl. Petrus (Franz Hillerzeder) kann man hier die nicht vorhandenen Uhren stellen. Unten in der Hölle (im Schilf des Sees) sitzt Luzifer (Johannes Schimmerl) und ist sauer. Ist ihm doch gerade der Jedermann durch die Lappen gegangen und hier scheint schon wieder etwas schiefzulaufen.

Besonders reizvoll wurde auch diesmal wieder die Seebühne in Szene gesetzt. So lässt sich der „Boandlkramer“ von seinem Fährmann stilgerecht in einem schwarzen Nachen zum Hof des Brandner Kaspar bringen. Der Himmel befindet sich in luftiger Höhe, gleich neben den Gipfeln der hohen Berge, die Marei zum Verhängnis werden (Bühnenbild: Ulrike Rizner). Bis 29. Juni 2019 kann man dies „himmlische Komödie“, laut Regisseur Gerard Es „das beste Volkstheaterstück überhaupt“, in Seeham genießen.

„Der Brandner Kaspar und das ewig’ Leben“ Volksstück von Kurt Wilhelm. Stückbearbeitung und Regie: Gerard Es. Technik: Gerhard Hager, Rainer Niederreiter. Bühnenbild: Ulrike Rizner. Bühnenbau: Franz Angerer, Thomas Herbst und Team. Kostüme: Christine und Irmgard Esterbauer, Katrin Wallner. Mit: Hans Sporer, Astrid Rizner, Roman Leobacher, Christian Altendorfer, Fritz Liebert, Carola Kersten, Sabrina Russinger, Sylvia Oberhauser, Monika Kloud, Jürgen Kloud, Franz Filzmoser, Michael Kirchtag, Manfred Pichler, Franz Hillerzeder, Lukas Korber, Matthias Hemetsberger, Ulrike Rizner, Sabrina Russinger, Franzi und Marlene Kloud. Fotos: Seebühne Seeham


SommerSzene 2019 Hubert Lepka | Lawine Torren

Hubert Lepka, Choreograph und Regisseur des Künstlernetzwerks Lawine Torrèn, ist bekannt für seine bildgewaltigen, spektakulären Stücke an ungewöhnlichen Orten.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Im Rahmen der Sommerszene 2019 wurde auf der Bühne des SZENE Theaters (vormals republic) für ein Kalb, vier Ziegen (Geiß und Zicklein) und drei Hühner ein Stall errichtet, den sich die Nutztiere mit Schauspielern und Tänzern teilen müssen. Die Uraufführung dieses „performativen Hearings“ wurde am 22. Juni zu Recht bejubelt.

SommerSzene 2019
Hubert Lepka | Lawine Torren
– HERDE und STALL –

Die Tiere haben wohl zwecks Eingewöhnung schon einige Zeit in ihrem „Bühnenstall“ verbracht und so wird diese abendliche Stunde zu einem geruchsintensiven Erlebnis. Man dürfte auch genügend Nahrung im Stroh versteckt haben, denn das Kalb ist völlig desinteressiert an der sie umtanzenden Dame (Barbara Földesi) und frisst lieber.

SommerSzene 2019
Hubert Lepka | Lawine Torren
– HERDE und STALL –

Auch die Schauspieler Marion Hackl und Stephan Kreiss, die zwei Wissenschaftler spielen, die die Geschichte von Abraham wiedergeben wollen und dabei immer wieder in Streit geraten, können das Kalb nicht aus der Ruhe bringen. Da sind die Ziegen, die mit Eftychia Stefanou auf der Bühne erscheinen, schon etwas munterer. Die drei Hühner machen sich bald aus dem Staub und inspizieren lieber Nebenschauplätze. Gustav Lepka, der im zweiten Teil Isaak, das Opfer, mimen muss, sitzt mit Kopfhörern und rotem Lämpchen am Kopf, abwartend auf der Seite.

SommerSzene 2019
Hubert Lepka | Lawine Torren
– HERDE und STALL –

Bei Hubert Lepkas Inszenierungen spielen mythische oder biblische Geschichten stets eine große Rolle. Seine Einführungen sollte man aufmerksam durchlesen, das erleichtert das Verständnis enorm.

SommerSzene 2019
Hubert Lepka | Lawine Torren
– HERDE und STALL –

„Abraham bekommt in einem vertraulichen Gespräch die Aufforderung, seinen Sohn Isaak zu opfern. Er ist entsetzt, denkt sich aber, es wird wohl ein Test seiner Loyalität sein, und willigt ein. Abraham und Isaak nehmen ein paar Tiere mit und gehen auf den Berg zur Opferstätte. Isaak weiß noch nicht, worum es geht. 

Können wir jene landwirtschaftliche Betriebsanleitung namens Altes Testament, die uns, über mehrere Jahrtausende und gesellschaftliche Umbrüche hinweg, schlingernd zu den Erfolgen der Gegenwart geführt hat, für den kommenden Umbruch einer technologischen Revolution brauchen? Anders gefragt: Können wir von unseren Nutztieren lernen für eine Zeit, in der wir Menschen vielleicht nicht mehr die führende Kraft auf der Erde sind?“

Hubert Lepka

Das Vokalensemble BachWerkVokal sorgt mit Werken von Claudio Monteverdi, Francisco Guerrero, Heinrich Schütz und Tomas Luis de Victoria für sakralen Flair. In Kombination mit den grandiosen Videoeinspielungen von Mensch, Tier und Natur bekommt die Performance einen sehr meditativen Charakter. Das Publikum zeigte sich begeistert.

SommerSzene 2019
Hubert Lepka | Lawine Torren
– HERDE und STALL –

Tipp: HERDE und STALL gibt es am 26., 27. und 28. Juli 2019 in Gastein. Auf der Gadaunerer Hochalm in Gastein währt das Almschauspiel etwa drei Stunden, der Weg auf die Alm und zurück noch nicht eingerechnet.

SommerSzene 2019
Hubert Lepka | Lawine Torren
– HERDE und STALL –

„HERDE und STALL – ein performatives Hearing von Hubert Lepka/Lawine Torrèn. Schauspiel: Marion Hackl, Stephan Kreiss, Gustav Lepka. Tanz: Barbara Földesi, Eftychia Stefanou. Musik: Ensemble BachWerkVokal. Film: Stefan Aglassinger/mediacreation. Fotos: sommerszene/ Bernhard Müller


Joseph Haydn - Oper

Joseph Haydns letzte Opera buffa wurde 1777
auf Schloss Esterházy uraufgeführt. Das Libretto stammt von Carlo Goldoni und
garantiert erfrischendes, spritziges Musiktheater, wie geschaffen für junge Studierende.
Viel Applaus bei der Premiere am 21. Juni 2019 im Großen Studio der Universität
Mozarteum.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Der reiche, verwitwete Kaufmann Buonafede bewacht seine heiratsfähigen Töchter, Clarissa und Flaminia, streng. Dennoch gelingt es Clarissas Freund Ecclitico, sich als falscher Astrologe das Vertrauen des leichtgläubigen, mondsüchtigen Vaters zu erschleichen. Leidenschaftlichen Treffen mit der Geliebten steht somit nichts mehr im Wege. Buonafede selbst hat ein Auge auf das Stubenmädchen Lisetta geworfen und merkt nicht, dass diese nur auf sein Geld aus ist und in Wahrheit für den jungen Cecco schwärmt.

Gemeinsam mit Flaminia und ihrem Freund Ernesto wird ein Plan ausgeheckt, um den Alten zu überlisten. Sie nutzen Buonafedes Leidenschaft für den Mond aus, versprechen ihm eine unvergessliche Reise zum Mond, verpassen ihm einen Schlaftrunk und lassen ihn in einem lunarischen Paradies erwachen. Hier ist alles Genuss und alles Glück, denn er wird vom Mondkönig herzlich aufgenommen und bekommt sogar eine Peitsche überreicht, um damit aufmüpfige Frauen zu bestrafen. Als er schließlich dahinter kommt, dass alles nur inszeniert ist, muss er erkennen: „Ich alleine bin der Narr gewesen.“

In Joseph Haydns komischer Oper schwingen drei starke Frauen emanzipatorische Reden, denn sie sind nicht bereit, sich überkommenen Rollenklischees zu fügen. Regisseurin Karoline Gruber hat deshalb das Stück passend zur Thematik in den 50er und 60er Jahren angesiedelt und lässt den etwas naiven Buonafede und seine Damen in einem für diese Zeit typischen Bungalow mit großer Terrasse und Pool residieren (Bühne: Marion Käfer).

Tomasz Jeziorski zaubert mit seinen Videoprojektionen in den lauschigen Garten einen fantastischen Dschungel samt Wasserfall und wilden Tieren, in dem sich die spacig gekleideten Mondbewohner (Kostüme: Egon Edoardo Stocci) sichtlich wohlfühlen.

Die drei Damen der Premierenbesetzung beenden mit dieser Diplomoper ihr Masterstudium. Wendy Krikken (Clarissa) wurde nach Dortmund engagiert, Mariya Taniquchi (Flaminia) ins „Junge Ensemble der Sächsischen Staatsoper“ in Dresden aufgenommen und Zsófia Mózer (Lisetta) wird ein Engagement im Opernstudio des Salzburger Landetheaters antreten.

Eine vor musikalischen Einfällen sprudelnde Oper, ein Text, der an Commedia-dell’Arte-Stücke erinnert, eine quicklebendige Inszenierung und vielversprechende junge Stimmen ergeben eine äußerst bekömmliche Mischung, die vom Publikum begeistert aufgenommen wurde.

„Il mondo della luna“ – Oper von Joseph Haydn nach einem Libretto von Carlo Goldoni. Eine Veranstaltung des Departments für Oper und Musiktheater in Zusammenarbeit mit dem Department für Gesang und dem Department für Bühnen- und Kostümgestaltung, Film- und Ausstellungsarchitektur. Musikalische Leitung: Kai Röhrig. Szenische Leitung: Karoline Gruber. Bühne: Marion Käfer. Kostüme: Egon Edoardo Stocchi. Video-Design: Tomasz Jeziorski. Kammerorchester der Universität Mozarteum. Die Besetzung an den vier Aufführungstagen ist variabel. Fotos: Christian Schneider/ Mozarteum


Doppelfehler

In der spritzigen Komödie des australischen Autors, Regisseurs und Schauspielers Barry Creyton versucht ein Ex-Ehepaar, die alte Liebe wieder aufleben zu lassen.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Daniela Enzi inszeniert den ganz normalen Beziehungswahnsinn als großartig durchchoreografiertes, turbulentes Spektakel. Das sommerliche Theatervergnügen feierte am 12. Juni 2019 im Kleinen Theater Premiere.

Nur wenige Minuten brauchen Larissa Enzi (Alex) und Torsten Hermentin (George), um zehn Ehejahre – von der Hochzeit bis zur Trennung – mimisch, gestisch und tänzerisch, grotesk-komisch zu durchleben. Fünf Jahre nach der Scheidung treffen die Streithähne in einem Restaurant zufällig wieder aufeinander. Dass Alex nun mit einem knackigen jungen Mann verheiratet ist und George mit einer „Ganovenbraut mit Atombusen“ unterwegs ist, führt zu den üblichen Beleidigungen, die man während der Ehe, die angeblich eine einzige Schlammschlacht gewesen ist, kultiviert hat.

Wie schon bei der Hochzeit muss Alex ihren Ex auf einen Toilettefehler hinweisen, wodurch sie sich allerdings wieder näherkommen. Die alte Liebe ist scheinbar noch nicht gänzlich eingerostet und so wird aus der Zufallsbegegnung eine Affäre. Schnell brechen jedoch alte Muster wieder durch und auf einer gemeinsamen Europareise läuft nicht alles wirklich harmonisch ab. George, der leicht verpeilte, gefühlsarme Wissenschaftler, ein Hypochonder ersten Ranges, zieht mit seinen ständigen Wehwehchen Alex herunter und schafft es, „das Böse“ in ihr zu wecken. Die beiden nehmen sich zwar ständig vor, nie mehr über kleine, unwichtige Dinge zu streiten, doch ob ihnen das wirklich gelingen wird?

Larissa Enzi und Torsten Hermentin
überzeugen mit großer Präsenz als beziehungsgestresstes Duo, mit dem man fast
Mitleid haben möchte. Es gibt eben Paare, die sich zwar lieben, aber den
Ehealltag gemeinsam nur schwer ertragen könne. So schwanken die mit viel
Wortwitz vorgebrachten Beleidigungen und Beschuldigungen stets zwischen Tragik
und grotesker Komik.

Daniela Enzi hat die witzig-ironischen
Wortgefechte sowie die Monologe mit unsichtbaren Therapeuten ungemein
schwungvoll und geschickt in Szene gesetzt. Zwei Stunden amüsantes, brillant
gespieltes Theater, das auch bei sommerlichen Temperaturen sehr bekömmlich ist.

„Doppelfehler“ von Barry Creyton. Regie: Daniela Enzi. Mit: Larissa Enzi und Torsten Hermentin. Fotos: Michael Klimt


Die goldene Axt

Der Salzburger Schauspieler, Regisseur,
Autor und Musiker Ben Pascal hat dem Antheringer Schauspieler Gerhard
Greiner die Geschichte eines gestrandeten Holzhackers auf den Leib
geschrieben. Als „neuer Herr Karl“ wettert er als echter
Naturbursche gegen „die Borkenkäfer, die den Wald infiltriert
haben“, und schwingt die goldene Axt als Zeichen des Aufruhrs und
des Widerstandes. Die Premiere fand am 24. Mai 2019 im Kleinen
Theater statt.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Der Holzhans, ein naturverbundener Mann und echter Kraftlackl, sieht sich als Holzhacker der Herzen. Dumme Fragen von fein gekleideten Menschen, die ihm im Wald begegnen und ihn nach seinem „echten“ Beruf fragen, ignoriert er einfach, denn „es gibt nichts Blöderes als die Leut“. Er ist jetzt 47 Jahre alt, seine Frau hat ihn verlassen und ist mit den beiden gemeinsamen Kindern zu einem Rechtsanwalt gezogen. Wie es dazu gekommen ist und wie er die nachfolgende Zeit der Einsamkeit überwinden konnte, erzählt der Holzhans in einem kernigen Monolog.

___STEADY_PAYWALL___

Als er die Anni wegen des erwarteten Kindes heiraten musste, hatte er nichts gelernt, war aber stark und liebte die Natur. Er entdeckte eine Marktlücke, verkaufte unter dem Motto „Wir machen Handarbeit!“ Brennholz und so hatte die Familie lange Zeit ein bescheidenes Auskommen.

Bei den Kunden und insbesondere bei den Kundinnen war er sehr beliebt, setzte er sich doch immer gerne auf ein Bier oder einen Schnaps zu ihnen. Doch leider verschlief er die Zukunft, blieb seinen Prinzipien treu und verzichtete auf von ihm verabscheute Motorsägen.

Ein ausländisches Unternehmen machte sich in der Gegend breit und bot alles „schneller, besser und billiger“ an. So verlor er nach und nach seine Kunden. Als man ihm die Stelle eines Verkaufsleiters anbot, rastete er völlig aus und ging auf den „Saupreiß“, einen schönen Mann im Anzug, los. So lernte schließlich seine Gattin den Anwalt kennen und für den Holzhans begann die Zeit der Einsamkeit.

Ein Urlaub in Oberösterreich sollte jedoch seine Rettung sein, denn dank eines Wirtes lernt er den etwas obskuren Austro-Maskulinismus kennen, eine Bewegung zur Förderung der österreichischen Männer. Das brachte ihm neuen Lebensmut und nun kann er wieder selbstbewusst, doch leider auch bedrohlich die goldene Axt schwingen.

Gerhard Greiners hackt auch privat
gerne Holz und das sieht man ihm an. Sein Vater, ein gebürtiger
Pongauer, war Holzhacker und so ist er praktisch „mit der Hacke in
der Hand“ aufgewachsen. Kein Wunder also, dass er in der Rolle des
Holzhans eine ungeheure Authentizität ausstrahlt. Mit einer
wuchtigen Axt spaltet er auf der Bühne kraftvoll Holzblöcke, bevor
er sich auf einem Hackklotz niederlässt, um mit derselben Axt und
viel Gefühl einen Apfel zu schälen. Auch die Intensität, mit der
er die Geschichte eines „patscherten“ Lebens im tiefsten
Salzburger Dialekt erzählt, berührt. Das passende Outfit hat ihm
Norbert Gruber verpasst. Wer jemals selbst Holz gehackt hat, kennt
die meditative Wirkung, die von dieser Tätigkeit ausgeht.
„Holzhacken ist wichtig. Mehr braucht man nicht.“ Vielleicht
sollte man das auch einmal versuchen, die Lust dazu ist nach diesem
Theaterabend jedenfalls groß.

„Die goldene Axt“ von Ben Pascal. Regie: Ben Pascal. Mit: Gerhard Greiner. Weitere Termine: 8. und 28. Juni sowie als Sommertheater am 22. und 25. August 2019. Foto: Edin Mustafic


Talismann

„Das Vorurteil is eine Mauer, von der
sich noch alle Köpf’, die gegen sie ang’rennt sind, mit blutige
Köpf’ zurückgezogen haben.“ In Johann Nestroys
hochmusikalischer Posse geht es um Außenseiter und Geldgier. Die
Premiere fand am 18. Mai 2019 auf einer im großen Saal des
Schauspielhauses Salzburg errichteten, entzückenden Pawlatschenbühne
statt.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Die rotkopferte Gänsehirtin Salome
beklagt ihr Schicksal, will sie doch keiner auf den Kirtag ausführen.
Der Vagabund Titus Feuerfuchs teilt ihr Schicksal, auch er ist wegen
seiner roten Haare beruflich und privat nicht vom Glück verfolgt.
Als er den Friseur Marquis vor einem Unfall bewahrt, schenkt ihm
dieser als Talisman eine schwarzgelockte Perücke. Selbstbewusst
macht sich Feuerfuchs damit auf den Weg zum Schloss der Frau von
Cypressenburg. Hier macht er rasant Karriere, denn drei Witwen, die
Gärtnerin Flora, die Kammerzofe Constanta und die Schlossherrin
selbst, finden Gefallen an dem feschen jungen Mann. Nicht nur seine
falschen Haare, sondern auch die Fähigkeit, seine Sprache der
jeweiligen Situation anzupassen, helfen ihm auf dem Weg nach oben.
Als ihm der Friseur aus Eifersucht die Perücke entwendet, muss Titus
mit einer blonden Perücke vorliebnehmen, was zu heftigen Turbulenzen
unter den Damen führt. Als er schließlich seine wahre, rote
Haarpracht zeigt, sind Entsetzen und Abscheu groß. Der Betrüger
fliegt hochkant aus dem Schloss. „Das Glück ist eben ein Vogerl.“

Auf dem Mühlrad aus dem Jugendstück
Krabat steht eine kleine Bühne mit Vorhang, hinter dem sich das
Interieur des vornehmen Schlosses verbirgt, der aber auch für
amüsante Schattenspiele genutzt wird (Ausstattung: Ragna Heiny).
Bina Blumencron treibt als Salome Pockerl ihre Gänse vor sich her
und beklagt dabei ihr Los: „Ja, die Männer hab’n ‘s gut, hab’n ‘s
gut…“ Doch all ihr Liebreiz ist bei Titus Feuerfuchs (Theo Helm)
verschwendet. Er strebt nach Höherem. Der etwas windige
Überlebenskünstler geht auf dem Weg nach oben ziemlich skrupellos
vor. Er lässt die Gärtnerin (Ute Hamm) für die Kammerzofe
(Kristina Kahlert) stehen und nistet sich bei ihr ein, bis die noble
Frau von Cypressenburg (Susanne Wende) Interesse zeigt. Die Damen
werden sich wohl um Ersatz umsehen müssen. Der Gärtnergehilfe
Plutzerkern (Simon Jaritz) und der Friseur (Olaf Salzer) stehen schon
in den Startlöchern. Als reicher Erbonkel hat Marcus Marotte seinen
großen Auftritt.

Ein Nestroy-Abend, der auch musikalisch
einiges zu bieten hat, denn Gernot Haslauer hat für eine dezent
modernisierte Instrumentalisierung gesorgt und Bina Blumencron und
Theo Helm sind ganz phantastische Musiker, ihre Couplets ein echter
Genuss. Robert Pienz gelingt zum Saisonschluss mit einem großartigen
Ensemble eine richtig „gspaßige“ Posse, für die sich das
Premierenpublikum mit überaus herzlichem Applaus bedankte.

„Nestroys Dichtung ist das schönste Monument, das je dem Mutterwitz eines Volkes errichtet wurde.“

Alfred Polgar

„Der Talisman“ von Johann Nestroy. Regie: Robert Pienz. Ausstattung: Ragna Heiny. Musik: Gernot Hauslauer. Mit: Theo Helm, Susanne Wende, Kristina Kahlert, Ute Hamm, Simon Jaritz, Olaf Salzer, Marcus Marotte und Bina Blumencron. Foto: Jan Friese


Oper_Les_Contes_d_Hoffmann

Im stets ausverkauften großen Saal des
Mozarteums fand Mitte Mai 2019 eine Opernproduktion der Extraklasse statt.
Alexander von Pfeil inszenierte Jacques Offenbachs Opéra fantastique über die
unglücklichen Liebeserfahrungen des schwarzen Romantikers E. T. A. Hoffmann in
einer verknappten und zugespitzten Version.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Der Dichter Hoffmann leidet an einer
Sinnkrise. Umnebelt von den Geistern des Bieres und des Weines wartet er auf
die Sängerin Stella. Seine Muse beschließt, ihn von der Liebe abzubringen, und
weicht in Gestalt seines Freundes Niklaus nicht von seiner Seite. Als Hoffmann
seinen Saufkumpanen die Geschichte von „Klein Zack“ darbietet, schweifen seine
Gedanken ab zu seinen unglücklichen Liebeserfahrungen. Seine große Liebe
Olympia entpuppt sich als seelenloses Objekt. Die von ihm angebetete, kranke
Antonia wird von Doktor Miracle zum todbringenden Singen verführt. Als Hoffmann
nicht mehr an die Liebe glaubt, wendet er sich der Kurtisane Giulietta zu.
Diese will ihm jedoch seinen Schatten und sein Spiegelbild stehlen, um es ihrem
Liebhaber und Zuhälter zukommen zu lassen. Nach diesen drei Erzählungen ist
Hoffmann sturzbetrunken und nimmt Stella, die nach der Vorstellung auftaucht,
kaum mehr wahr.

In der Titelrolle schmachtet sich der
thailändische Tenor Nutthaporn Thammathi gekonnt und bereits bühnenerfahren
durch seine missglückten Liebschaften. Daniel Weiler verkörpert blind,
dämonisch und mit enormer Bühnenpräsenz die vier Bösewichte Lindorf, Coppèlius,
Miracle und Dapertutto. Als androgyne Muse begleitet Maria Hegele den Dichter
auf seinen Liebesabenteuern. Ornella de Luca malträtiert während ihrer
Koloraturarie mit Hingabe ihre Puppe. Sejin Park singt im Antonia-Akt mit viel
Gefühl das Lied von der Taube: „Elle a fui, la tourterelle…“. Als Giulietta
umgarnt die Sopranistin Ayşe Şenogul gekonnt die Männer. Auch Benjamin
Sattlecker und Johannes Hubmer bewältigen ihre vielen Rollen gesanglich mit
Bravour und großer Spielfreude. Wunderbar und gefordert der Chor unter Stefan
Müller. Lisa Behensky und Theresa Staindl (Ausstattung) hatten das Bild einer
Gruppe von Menschen am Morgen nach einer durchwachsenen Nacht vor Augen und
wollen mit ihren Kostümen die Atmosphäre dieses unangenehmen Spannungszustandes
erzeugen. Die karge Bühne mit schräger Spielfläche und beweglicher Decke
schafft einen irrealen, sich ständig verändernden Raum, in dem sich Hoffmann zu
verlieren glaubt.

Für ein überwältigendes Klangerlebnis sorgt
das Orchester der Universität Mozarteum unter der Leitung von Gernot Sahler.
Regisseur Alexander von Pfeils Grundidee („Hoffmanns Erzählungen, zwei Stunden
ohne Pause, ein Traum, aus dem es kein Entrinnen gibt“) ist voll aufgegangen.
Das Publikum zeigte sich begeistert.

„Les contes d´Hoffmann“ – Opéra fantastique in fünf Akten. Musik von Jacques Offenbach. Libretto von Jules Barbier nach dem Schauspiel von Jules Barbier und Michel Carré. Musikalische Leitung: Gernot Sahler. Szenische Leitung: Alexander von Pfeil. Eine Veranstaltung des Departments für Oper und Musiktheater, des Departments für Gesang sowie des Departments für Bühnen- und Kostümgestaltung, Film und Ausstellungsarchitektur. Die Besetzung an den vier Aufführungstagen war variabel. Foto: Mozarteum


Kapital

Der amerikanische Erfolgsautor mit pakistanischen Wurzeln Ayad Akhtar verpackt geschickt aktuelle Themen in einen Psychothriller. Das Stück zeigt, wie ein gekidnappter Börsenmakler um sein Leben kämpft. Die Premiere des Vier-Männer-Stücks fand am 10. Mai 2019 im Schauspielhaus Salzburg statt.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Der amerikanische Banker Nick Bright
wird von einer islamistischen Splittergruppe in Pakistan
festgehalten. Niemand ist jedoch bereit, die geforderten zehn
Millionen Dollar Lösegeld zu zahlen, mit denen der Anführer Imam
Saleem die Straßen seines Landes sanieren will. Um sein Leben zu
retten, macht Nick seinen Entführern einen aberwitzigen Vorschlag.
Er will mit seinem eigenen, auf den Cayman Islands geparkten Vermögen
in Höhe von drei Millionen Dollar die geforderte Summe im Lauf eines
Jahres auf den globalen Finanzmärkten verdienen. Da er selbst keinen
Computer anrühren darf, spekuliert sein Bewacher Bashir auf seine
Anweisungen hin an der Börse. Der idealistische und ebenso
rücksichtslose Glaubensführer Imam kann den Verlockungen des Geldes
nicht widerstehen und bedient sich am ständig wachsenden
Handelskonto. Auch Bashir, der kapitalismuskritische Schüler,
überflügelt nach und nach seinen Meister und wird zum
Wirtschafts-Terroristen.

Nick Bright (Bülent Özdil) sitzt
gelangweilt und genervt in seiner kleinen Zelle und versucht, mit dem
etwas naiven Wächter Dar (Thomas L. Hofer) ins Gespräch zu kommen,
um ihn für sich zu gewinnen. Der unberechenbare und aggressive
Bashir (Christopher Schulzer) ist da nicht so leicht zu verführen.
Das Verhältnis zwischen Geisel und Bewacher steht unter Strom,
wechselt ständig und sorgt für extrem spannende Momente.
Schließlich gesteht Bashir, dass er unter dem Stockholm-Syndrom
leide, nur im umgekehrten Sinn. Er empfinde fast Bewunderung für
seine Geisel, die ihm die Tricks und Taktiken eines Börsenspekulanten
verrät. Imam Saleem (Antony Connor), ein falscher Heiliger, der der
Macht des Geldes erliegt, liebt psychologische Spielchen bis hin zur
Scheinerschießung.

Ayad Akhtar zeigt Pakistan als zutiefst
zerrissenes Land. Einst strategischer Partner für die USA beherbergt
es heute antiamerikanische islamistische Terror-Organisationen. Kein
Wunder, dass hier Osama bin Laden Unterschlupf finden konnte.

Florian Hackspiel hat das Stück als
spannenden Thriller inszeniert. Auch wenn Nick Bright darauf baut,
dass man einen Goldesel nicht töten werde, kann er sich nie ganz
sicher sein.

„Die unsichtbare Hand“ von Ayad Akhtar. Regie: Florian Hackspiel. Bühne: Annett Lausberg. Musik: Philipp Tröstl. Mit: Bülent Özdil, Christopher Schulzer, Antony Connor, Thomas L. Hofer. Fotos: Jan Friese


Krabat

Im Schauspielhaus Salzburg inszeniert
Daniela Meschtscherjakov Otfried Preußlers 1971 erschienenen,
preisgekrönten Jugendbuchklassiker, der auf eine sorbische Sage
zurückgeht. Ein starkes, intensives Stück, das vor den Verlockungen
der Macht warnt.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Ein krächzender Rabe lockt den
14-jährigen Betteljungen Krabat zur Mühle am Koselbruch, wo ihn der
Meister als Lehrling aufnimmt. Die Arbeit ist hart und er wundert
sich, dass die anderen Mühlknappen nicht schwitzen und nicht müde
werden. Er freundet sich mit dem Altgesellen Tonda an und verbringt
viel Zeit mit dem angeblich dummen Juro, der kocht, wäscht und die
Schweine versorgt. Nach einiger Zeit findet Krabat heraus, dass er
sich in einer Schwarzen Schule befindet. Als auch er in der Kunst der
Zauberei unterrichtet wird, lernt er ehrgeizig und wissbegierig, denn
er ist fasziniert von der Macht, die er dadurch erlangt. Noch ahnt er
nicht, dass der Meister kein guter Zauberer ist. In der
Silvesternacht kommt Tonda auf mysteriöse Weise ums Leben und bald
schon nimmt ein neuer Lehrjunge dessen Platz ein. Als ein Jahr später
ein weiterer Geselle stirbt, wird ihm klar, dass der Meister sich dem
Bösen verschrieben hat und jedes Jahr einen seiner Schüler opfern
muss. Rabat will den Fluch nicht länger hinnehmen und beschließt,
gegen den Meister zu kämpfen, dessen Macht zu brechen und sich
selbst zu befreien.

In der Bühnenfassung von Nina Achminow
werden die elf Mühlknappen der Romanvorlage auf sechs reduziert und
so haben alle in den kleinen Kojen hoch über dem Mühlrad Platz
(Ausstattung: Ragna Heiny). Jakob Kücher nimmt es in der Titelrolle
mit dem großen Meister (dämonisch Wolfgang Kandler) auf. Mit Hilfe
von Juro (Tim Erkert) gelingt es ihm, sich dem Einfluss des Meisters
zu entziehen und auch die anderen Gesellen (Studierende der
hauseigenen Schauspielschule) zu befreien. Sophia Fischbacher liefert
sich in der Rolle des guten Zauberers Pumphutt einen spektakulären
Kampf mit dem Meister. Bianca Farthofer schreitet als Kantorka
engelsgleich über die Bühne. Kein Wunder, dass Krabat die Kraft der
Liebe verspürt, die schließlich die Macht der Teufelsmühle zu
besiegen vermag.

Otfried Preußler schrieb – mit
mehreren Unterbrechungen – zehn Jahre an Krabat. Das Motiv des
Lehrlings, der sich gegen seinen Meister behaupten muss, findet sich
in vielen Sagen, ebenso wie das Motiv der Erlösung durch Liebe.
Preußler sagte über sein Buch: „Krabat ist meine Geschichte, die
Geschichte meiner Generation und die aller jungen Leute, die mit der
Macht und ihren Verlockungen in Berührung kommen und sich darin
verstricken.“

Daniela Meschtscherjakovs atmosphärisch
dichte Inszenierung zog bei der Premiere am 5. Mai 2019 das
größtenteils erwachsene Publikum in ihren Bann. Wie zu beobachten
war, ist das doch etwas düstere Stück für Kinder unter 12 Jahren
eher nicht zu empfehlen.

„Krabat“ von Otfried Preußler. Für die Bühne bearbeitet von Nina Achminow. Regie: Daniela Meschtscherjakov. Ausstattung: Ragna Heiny. Musik: Christian Meschtscherjakov. Mit: Jakob Kücher, Wolfgang Kandler, Bianca Farthofer, Raphael Steiner, Tim Erkert, Lukas Koller, Lena Steinhuber, Marko Vlatkovic, Corinna Bauer, Sophia Fischbacher. Fotos: Jan Friese


Moonwalk

Mitreißende Tanzshows über Popgrößen sind neben klassischen Ballettabenden eine Spezialität von Peter Breuer, dem ehemaligen Ballett-Chef des Salzburger Landestheaters. Seine Hommage an Michael Jackson, den größten und einflussreichsten Entertainer unserer Zeit, kam am 3. Mai 2019 im Probenzentrum Aigen zur Uraufführung und wurde mit Standing Ovations stürmisch gefeiert.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Michaels Song „The way you make me feel“ bringt seine Fans zum Jubeln und Kreischen. Kaum allein gelassen ändert sich die Stimmung, der große Star wirkt plötzlich verängstigt. Es sind die Erinnerungen an seine Kindheit, die sich nicht verdrängen lassen und ihn ständig quälen. Schon als kleiner Junge wurde er als Mitglied der legendären „Jackson 5“ auf der Bühne umjubelt und gefeiert, doch die Schläge seines brutalen Vaters hinterließen tiefe Wunden in der kindlichen Seele. Das wütende Aufstampfen gegen die ständige Unterdrückung kennzeichnet auch seinen unverwechselbaren Tanzstil.

___STEADY_PAYWALL___

Romantische Love Songs folgen auf Megahits wie „Thriller“, dem bestverkauften Album aller Zeiten. Spektakulär die Szene über den Dreh eines Pepsi-Werbespots zu „Billie Jean“, bei dem Jackson 1984 starke Verbrennungen an der Kopfhaut davontrug. Nach der Pause liegt er bandagiert in einem Krankenhausbett und bettelt den Arzt um Schmerzmittel an, der Beginn einer verhängnisvollen Sucht. Der selbsternannte „King of Pop“ hatte aber auch seine Schattenseiten und so steht er schließlich vor Gericht und wird des Kindesmissbrauchs bezichtigt. Zum versöhnlichen Finale erklingt die Popballade „Heal the World“, die Michael Jacksons wohltätiges Engagement aufzeigt, für das der Künstler zweimal für den Friedensnobelpreis nominiert wurde.

Diego da Cunha behauptet zwar, dass er nur
so ähnlich tanzen könne wie das Tanzgenie Michael Jackson. Das Publikum zeigte
sich jedoch begeistert, ist doch die Ähnlichkeit mit der Pop-Ikone verblüffend
und auch das gewinnende, fast schüchterne Lächeln weckt Erinnerungen. Das
hervorragende Ballettensemble des Salzburger Landestheaters glänzt in den
bekannten, atemberaubenden Tanzperformances, hat aber auch solistisch einiges
zu bieten, Pedro Pires als „Blue“, dem „inneren Ich“ von Michael Jackson,
Larissa Mota als „Music“ und Anna Yanchuk als unerreichbare Traumfrau „Angel“. Karine
de Matos darf in Pullunder und Schlaghose als entzückender kleine Jacko die
Bühne rocken. Für die Einstudierung der originalgetreuen Choreografien zu
„Triller“, „ Beat It“, „ Robot Dance“ und „Smooth Criminal“ konnte Peter Breuer
den durch seine Performance „Nobulus – Out of the Shadow“ bekannten Choreografen,
Komponisten, Regisseur und Tänzer Alexander Wengler gewinnen. „Es war eine
wirkliche Teamarbeit“ schwärmt Peter Breuer, denn der gebürtige Salzburger war
auch am Konzept beteiligt, sorgte für musikalische Arrangements und komponierte
die schwierigen Übergänge.

Peter Breuers Handlungsballett „Moonwalk“
zeigt den King of Pop von vielen Seiten, wobei auch die tragischen Momente
nicht ausgelassen werden. Als Entertainer zog er die Menschen mit seiner Musik,
seinen Songtexten, aufwendigen Choreographien und Aufsehen erregenden
Bühnenspektakel in seinen Bann. Privat sorgte er mit seinem exzentrischen
Lebensstil jedoch immer wieder für negative Schlagzeilen und das hat sich bis
heute nicht geändert. Doch Michael Jackson ist und bleibt der größte
Entertainer unserer Zeit und seine Musik wird unvergessen bleiben.

„Moonwalk“ von Peter Breuer. Uraufführung. Szenische Konzeption, Choreographie, Licht: Prof. Peter Breuer. Bühne und Kostüme: Bettina Richter. Video und Lichtdesign: Felix Kiesel. Choreographie, Showtanz und Musikalische Arrangements: Alexander Wengler. Dramaturgie: Maren Zimmermann. Choreographische Assistenz: Alexander Korobko. Step-Coach Kate Watson. Mit: Diego da Cunha, Karine de Matos, Pedro Pires, Iure de Castro, Paulo Muniz, Larissa Mota, Anna Yanchuk, Paulo Muniz, Lúcio Kalbusch, Naila Fiol, Chigusa Fujiyoshi, Gabrielly Juvêncio, Mikino Karube, Lucas Leonardo, Nicolò Masini. Fotos: © Anna-Maria Löffelberger


Glück im Kleinen Theater

Der französische Autor Eric Assous ist ein Garant für leichte, doch niveauvolle Komödien, die mit raffinierter Handlung und ausgefeiltem Wortwitz überzeugen. In „Glück“ müssen Alexandre und Louise am Morgen nach einer spontan verbrachten Nacht feststellen, dass sie eigentlich absolut nicht zueinander passen.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Das spritzige Theatervergnügen begeisterte bei der Premiere am 26. April 2019 das Publikum im Kleinen Theater.

Nach einer heißen Liebesnacht serviert Louise
am Morgen ihrem Lover zur Stärkung Toast und Kaffee, doch der will so schnell
wie möglich weg. Er verspricht zwar, sich im Laufe der nächsten Woche
telefonisch zu melden, doch wie soll das funktionieren, wenn er ihre Nummer gar
nicht hat. Daher versteckt sie in einem unbeobachteten Moment die
Wohnungsschlüssel und Alexandre sitzt fest. „Reinschneien, konsumieren und
abhauen“, so was mag Louise gar nicht. Sie will mehr über ihn erfahren, denn
die Reihenfolge war eindeutig falsch. Man sollte sich wohl zuerst kennenlernen
und dann erst miteinander schlafen. Alexandre behauptet, dass er unbedingt
seine Eltern pünktlich vom Bahnhof abholen müsse, und ist von ihrem Vorschlag,
ihn zu begleiteten, überhaupt nicht begeistert. Trotz dieses chaotischen
Beginns geht die Beziehung weiter, doch die Probleme werden auch nicht weniger.
Er hat für ihre Arbeit als Autorin von Kinderbüchern nur ein müdes Lächeln über
und sie wirft ihm völlige Interesselosigkeit vor, lebt er doch nur für sein
Restaurant. Als er mit einem Koffer vor der Tür steht und den Wunsch äußert,
bei ihr einzuziehen, sieht sie ihre Unabhängigkeit – sie ist seit 17 Jahren
glücklich geschieden – in Gefahr.

Anita Köchl überzeugt als starke,
selbstbewusste, doch auch dickköpfige Louise, die weiß, was sie will, doch vor
allem, was sie nicht will. Richard Saringer spielt den erfolgreichen
Restaurantbesitzer, einen Sklave seines Handys, gequält von der ständigen
Angst, eine Reservierung zu verpassen. Grandios sein verzweifelter Versuch,
durch Fassadenkletterei der Geiselnahme durch Louise zu entkommen. Seine
Bemerkung, dass man ab einem gewissen Alter nicht mehr so wählerisch sein
dürfe, weil da „die Züge nicht mehr so oft fahren“, kommt bei Louise gar nicht
gut an.

Edi Jäger fungiert diesmal als Regisseur
und bringt diese amüsante Reflexion über die Schwierigkeiten
zwischenmenschlicher Beziehungen sehr charmant auf die Bühne. Ein Theaterabend,
an dem zwei sehr unterschiedliche Vorstellungen von „Glück“ aufeinanderprallen.
Gib es für Glück ein Rezept? Dostojewski scheint die Antwort zu kennen:

„Alles
ist gut. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist.
Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich
sein, sofort, im selben Augenblick.“

„Glück“ – „Le Bonheur“ Komödie von Eric Assous. Regie: Edi Jäger. Mit: Anita Köchl und Richard Saringer. Foto: Kleines Theater/ Christian Hartmann, Aisha Animashaun