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Berlin, Checkpoint Charlie

9. November 1989 MAUERFALL

Meine Gedanken kehren zurück in das Jahr 1989. Ich war Marketing-Manager in einem amerikanischen Unternehmen in Eschwege.

Rochus Gratzfeld

Von Rochus Gratzfeld, Salzburg und Sarród

Direkt an der Grenze zu Ostdeutschland. Noch war diese Grenze nicht gefallen. Dennoch konnte ich als Wessi den Osten besuchen. In gehobenen Restaurants waren Westkonserven der Hit.

Meine Gedanken kehren zurück in die siebziger Jahre.

Unsere Maturareise führte nach Prag. Mit dem Bus.

An der Grenze grelles Licht. Wachpersonal mit Maschinengewehren.

Es war eine Zeit des Vollrausches. Becharovka zum Frühstück.

Becharovka zum Lunch.

Krimsekt zum Dinner.

DM erlaubte uns alles. Und ich meine, was ich sage. Alles.

In einer Kirche tauschten wir unsere Jeans gegen Währung. Der Erlös zahlte
die gesamte Woche unseres Aufenthaltes. Ins Hotel gingen wir in Unterhosen
zurück.

Im U Fleku wurden wir bevorzugt, Gäste aus Ostdeutschland gar nicht
bedient. Sie zahlten die Zeche für den Prager Frühling.

Rückfahrt mit dem Bus. Vollgeladen mit Krimsekt und Kästen voller Plzeňský Prazdroj – Pilsener Urquell. Einen Kasten gaben wir beim ersten Grenzposten ab. Passieren!

Meine Gedanken kehren zurück in die siebziger Jahre.

Als Studenten reisten wir oft nach Berlin. Stadt ohne Sperrstunde. Mit dem
Auto. Durch die DDR. Wachposten mit Maschinengewehren. Grelles Licht. Angst.
Später erfuhr ich, dass die Autos durch Röntgentunnel geleitet wurden. Absurd.
Am Bahnhof Friedrichstraße wurde ich kurzzeitig verhaftet – ich hatte Fotos
gemacht. Ausziehen. Leibesvisitation. Beschlagnahmung des Films. Bravo!

Ostberlin war anders. Schwarz-weiß-anziehend im Ruß der Braunkohleöfen.
Ohne Werbung aber dafür mit viel menschlicher Wärme.

Westberlin. Alles so schön bunt hier.

Meine Gedanken kehren zurück in das Jahr 1989.

Ich bin in Budapest. Unterhalb meiner Pension sammeln sich Menschen, es
werden stündlich mehr. Immer mehr. Menschen aus der DDR.

Die Grenze ist gefallen.

Ich bin zurück in Eschwege.

Willkommenstransparente stehen in krassem Gegensatz zu der über Nacht
erfolgten Preiserhöhung für Obst und Gemüse. Der Preis für Bananen ist um 300%
gestiegen. Ich denke: Arschlöcher.

Alte sterbenskranke Menschen werden auf Bahren aus Trabis in Banken
getragen. Willkommensgeld.

Ein Trabi steht zur Hälfte auf einem erhöhten Gehsteig. Ostdeutsche beladen
ihn mit Waren. Steigen übergewichtig zu. Achsenbruch.

Die Grenze ist gefallen.

2019

Meine Gedanken denken „scheiße“.

Es hat nicht wirklich geklappt. Mit der Wiedervereinigung.

West hat Ost damals Freiheit gegeben und Identität geraubt.

Außer Rotkäppchensekt ist von der ehemaligen DDR nicht viel übriggelassen
worden. Die faschistische AfD schlägt daraus jetzt Kapital. Und Europa
errichtet neue Mauern. Putin riecht Lunte und hofft auf Spaltungen.

Dennoch. Es war ein riesiger Schritt.


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Natur. See. Architektur. Verbote. Salzburger Land Heute.

Also eigentlich war unser Ziel heute der Wolfgangsee. Welch Blauäugigkeit. An einem strahlenden Herbstsonntag wollten dies gefühlte Tausende auch.

Rochus Gratzfeld

Von Rochus Gratzfeld

Also kehrt marsch. Ab durch die Landschaft, wo WanderInnen leider offensichtlich unerwünscht sind. Fehlende Parkplätze werden ergänzt durch Halteverbotsschilder. Privatgrund. Feindliches Bauernland für BesucherInnen. Nun denn. Wir haben uns dennoch durch Wiesen und Felder wohlgelaunt geschlagen. Nicht unerwünscht sind von den Anrainern und Gemeinden hingegen wie Pilze aus dem Boden schießende immer größere Logistikzentren. In Zeiten, in denen Maßnahmen gegen den lebensbedrohenden Klimawandel unabdingbar und vorhersehbar sind, Bauruinen der Zukunft.

Dann Richtung Wallersee. Welch ein Kleinod!

Zur Begrüßung erst einmal. Ja, genau. Verbotsschilder. Da wird klar,
warum ein Kickl bei Teilen der Bevölkerung auf Zustimmung stieß.

Jedenfalls spazieren wir unverdrossen fröhlich weiter durch offenbar
noch nicht vermintes Gelände. Die BesitzerInnen hier zahlen viel Geld für ihre
Grundstücke und Gebäude. Also: Badeverbot. Privat. Keine Hunde ins Wasser.
Privat.

Apropos Gebäude. Da gibt es unverständliche Bausünden. Aber nur wenige.
Dafür viele farbenfroh hergerichtete Häuser. Wunderbar. Und Ruhe. Keine Massen.

So hat uns unser Ausflug mit viel Cons und viel Pros konfrontiert.


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Grüne Brille

Österreich hat gewählt: SMART & GRÜN

Meine Gedanken schweifen um
die Urnen, in denen jetzt so manche Hoffnung begraben wurde. Wo neues grünes
Gras auf den Gräbern jetzt im Spätsommer zu wachsen begonnen hat.

Rochus Gratzfeld

Von Rochus Gratzfeld,
Salzburg & Sarród

Für die braunen Blauen hat es Watschen gegeben. Gut so. Der Bodensatz an ewig Gestrigen, an Dummen, Hooligans, Fremdenfeindlichen und Heimatversessenen, an solchen, die sich einen Polizei- und Militärstaat wünschen, scheint bei rund 15% zu liegen. Damit muss sich Österreich wohl abfinden.

Der Wendepilz hat ebenfalls seine Rechnung bekommen – purer Egoismus ist kein Argument für Wählerinnen und Wähler.

Ganz schade, dass das Volk die Notwendigkeit einer wirklich starken SPÖ nicht einsieht. Ich sage nur “back to the roots” und klare Positionierungen.

Die NEOS. Ich kann mit denen nichts anfangen. Aber o.k..

Die GRÜNEN. Bravo. Ich freue mich wirklich sehr und sage von Herzen: Glückwunsch

Nun zum neuen Altkanzler. SMART. Nicht greifbar. Sich drehend und wendend. Über „Leichen gehend“. Aber wohl genau die Figur, nach der sich der Mainstream sehnt. Irgendwie repräsentiert er das „schleimigschmalzige Österreich, welches ich als Deutscher nie gemocht habe. Nun ist er wieder da, wo er nicht hingehört. Wie wird er weiter machen? Wann ist sein Charme ausgereizt?

Welche Koalition wird
zustande kommen? SMARTbraun? Kann ich mir ehrlich gesagt nicht mehr vorstellen.
Und dennoch: Hofer ist jetzt nicht mehr größer als sein Gehstock. Dies könnte
für Kurz verlockend sein, die eigene Macht noch weiter auszubauen. SMARTrot? Da
müsste Rendi eine sehr devote Haltung einnehmen. Das wäre dann schon BDSM auf
Politebene. Mir wäre Rot lieber als sich neu findende Kraft in der Opposition!
SMARTgrün? Warum eigentlich nicht! Anders: Verdammt noch mal, drückt euch nicht
um die Verantwortung, nehmt die Chance in eure Hände, liebe GRÜNE, sagen meine
Gedanken.

Schaun wir mal! Ich durfte ja eh nur schauen.


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Rechtswalzer

Rechtswalzer

Vorwort

Ich sitze in Sarród an einem meiner Lieblingsplätze und lese einen Krimi. Manche Leiche unterhält mich.

Rochus Gratzfeld

Von Rochus Gratzfeld, Salzburg und Sarród

Da mischen sich meine Gedanken ein. Sie meinen, ich müsse ein Buch empfehlen. Unbedingt noch vor den nächsten Wahlen. Nun gut.

So empfehle ich gerne allen Hartgesottenen den Kriminalroman von FRANZOBEL. RECHTSWALZER. Alle Fotos sind von bzw. Zitate aus dem Buch.

Wieder einmal stehen in Österreich Nationalratswahlen vor der Tür. Gehen mich nichts an. Ich darf nicht wählen.

Gehen dich nichts an? Du lebst doch in Österreich, in der EU.

Wird eh
wieder alles wie vorher.

Wie
vorher? Ja, so denken viele Menschen. Und weil sie so denken, wird alles
vielleicht noch viel schlimmer!

So wie in
dem Buch, was du doch gerade gelesen hast.

Welches
Buch?

Das von
FRANZOBEL. RECHTSWALZER.

Der Krimi?

           
„Tatsächlich erinnerte die Haut des Toten an Kochschinken.“

(FRANZOBEL, RECHTSWALZER, Paul Zsolnay Verlag, Seite 49)

Ach was.
Von wegen Krimi.

Du hast
es doch gelesen. Diese Horrorvision von einer Diktatur in Österreich.

„Als der Meister ausstieg und gönnerhaft die Hand hob,
applaudierten alle…Meister!-Meister!-Rufe wurden skandiert. Der Meister, eine
Symbiose aus Machiavelli, Führer und Pabst, lächelte. (Ob er wirklich ein in
Alkohol getränktes Tampon im Dickdarm trug?) Ihm folgten Minister, Staatsgäste,
der Kardinal und zwei Bischöfe.“

(FRANZOBEL, RECHTSWALZER, Paul Zsolnay Verlag, Seite 359)

Aber das
wird doch niemals möglich sein!

„Ihr
werdet euch noch wundern, was alles möglich ist.“

Wer hat das
gesagt? Dieser Kreidefresser?

Egal.

Jedenfalls
sagt der Möchtegernreiter schon wieder ganz laut, ja er brüllt geradezu, wie er
sich die Zukunft Österreichs vorstellt. Und der junge Möchtegernmeister lügt
dazu.

Rechtswalzer.


SOPRON – Vergangenheit und Gegenwart

Das ungarische Sopron gehört mittlerweile zu einer unserer Lieblingsstädte. Mittelalter und Neuzeit – Italien, Österreich und Ungarn treffen hier aufeinander.

Rochus Gratzfeld

Von Rochus Gratzfeld,
Salzburg und Sarród

Wir starten mit einem Frühstück in einem der zahlreichen Cafés, dann streifen wir mit unseren Freunden Orsolya Mácsadi und Máté Nagy durch die sommerliche Stadt. Das junge Paar vereinigt Sachverstand in Sachen Kunst und Kultur auf hohem Niveau.

Immer wieder bleiben unsere Augen an herrlichen Details aus der Vergangenheit hängen. Stehengebliebene Zeit, die Schritt für Schritt sorgfältig in die Gegenwart geführt wird. Je nach verfügbaren finanziellen Mitteln, wobei die EU eine tragende Rolle hat.

Aus der Vergangenheit stammt auch die Alte Synagoge, die wir besuchen. Heute ein Museum. Seit dem 13. Jahrhundert lebten in der Neugasse in Sopron 10 bis 16 jüdische Familien. Anfang des 14. Jahrhunderts entstand eine Synagoge im gotischen Stil. Ein rituelles Bad durfte ebenfalls nicht fehlen. Aus Sopron vertrieben wurden die Juden allerdings bereits im 16. Jahrhundert. Welch eine Leidensgeschichte!

In der Gegenwart treffen wir auf eine Ausstellung zur Erinnerung an die Ereignisse im Jahr 1989. Der Eiserne Vorhang wird damals von Gegenwart zu Vergangenheit. Im Soproni Múzeum besuchen wir eine Ausstellung, die die aktuellen Preisträger der alle zwei Jahre stattfindenden „National Biennial of Medal Art“ zeigt. Zu den Ausgewählten gehört auch unser Freund Máté Nagy, stolz auf ihn nehmen wir einen von ihm handsignierten Katalog entgegen. Mehr zu dieser Kunst mit langer Tradition findet sich hier: http://numismatics.org/the-art-of-the-medal/


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Die Wüste

Die Wüste. Bei Mannersdorf am Leithagebirge.

Auch ein Stück Österreich-Ungarn.

Wir beginnen unsere 3-stündige Erkundung entlang alter Mauerreste, die sich unsere gesamte Wanderung entlang ziehen. Die Statue des heiligen Nepumuk zeigt den Triumpf über Schmerzen und Tod.

Rochus Gratzfeld

Von Rochus Gratzfeld

Ihr gegen über eine zeitgenössische Interpretation des Heiligen. Hier beginnt die Lindenallee. Eine Allee mit phantastischen alten Bäumen. Manche gleichen Dämonen. Guten Hexen. Sie endet bei der Pforte, dem früheren Eingang zum Kloster.

Das Kloster. Ein Ort der Ruhe. Einer Ruhe, der wir uns nicht entziehen können und wollen. Heute genutzt als Ort für Kreativität. So findet gerade ein Kurs zur Gestaltung von Schmuck statt. Landwirtschaftliche Restgebäude und offensichtlich glückliches Viehzeug. Unser Weg führt uns weiter. Begleitet nur von Ruhe und Schmetterlingen, die die Blütenpracht so genießen, wie wir.

Dann geht es steil bergauf. Zur Burgruine. Sie ist immer noch imposant. Wie muss der Blick einstmals in die tiefe Ebene bis nach Wien gewesen sein? Wie waren die Verbindungen zwischen Burgherrschaft und Klosterreich? Welche Hand wusch hier welch andere? Und wie war das Leben der Vasallen? Fragen, die wir uns stellten, während wir steil bergab den Rückweg zum Ausgangspunkt einschlugen.

Weitere Infos zur “Wüste Mannersdorf” sowie einen geschichtlichen Überblick finden Sie HIER>


Gedanken aus Bleistift

Nie wieder Sebastian Kurz

Meine Gedanken schweifen
um eine Kapitänin. Sie wurde verhaftet, weil sie Menschen vor dem Ertrinken
bewahrte. Nein, nicht die Täter wurden verhaftet. Das helfende Opfer.

Rochus Gratzfeld

Von Rochus Gratzfeld,
Salzburg und Sarród

„Ich habe die
Balkanroute geschlossen.“

In einem Land, in dem ein
faschistischer Minister vom Balkon Mussolinis Reden schwingt.

In einem Land, in dem ein
faschistischer Minister Roma und Sinti kastrieren lassen möchte.

In einem Land, in dem ein
faschistischer Minister Menschen ertrinken lassen möchte.

„Ich habe die
Balkanroute geschlossen.“

Meine Gedanken schweifen um einen ehemaligen Innenminister Österreichs. Der mit dem Rückenwind einer beispiellosen Fremdenfeindlichkeit eine GESTAPO aufbauen wollte. Dürfen meine Gedanken die Schutztruppe für ausschließlich Ministerinnen und Minister der FPÖ so nennen? Und was sagte der damalige Kanzler hierzu und zu all den anderen Versuchen Kickl´s und der FPÖ, die Meinungsfreiheit und die bürgerlichen Rechte in Österreich zu beschränken? Was sagte er zu „Strachismus“, bevor dieser unterging?

„Ich habe die
Balkanroute geschlossen.“

Meine Gedanken schweifen um das Gespräch am vergangenen Sonntag, welches Stöckl mit Sebastian Kurz führte. Selbstzweifel? Reue? Fehlanzeige. Als das Thema des wundersamen Auftretens des jungen Altkanzlers im Rahmen einer Sektenveranstaltung aufkam, da zeigte sich der „Heilige Sebastian“ ergriffen. Das Gebet für ihn. Seine Überraschung. Ja, fast erstarrt soll er gewesen sein. Und natürlich habe er dies nie gewollt. Welch eine Heuchlerei. Wäre es übrigens keine, dann wäre es unglaubliche Dummheit gewesen. Eine Dummheit, die alleine Sebastian Kurz jede Befähigung abgesprochen hätte, noch einmal Kanzler Österreichs zu sein. So aber war es ein kalkulierter PR-Gag, der jedoch nach hinten los ging.

„Ich habe die
Balkanroute geschlossen.“

Meine Gedanken kehren
zurück zur mutigen und tapferen Kapitänin. Höre ich von Sebastian Kurz
irgendetwas über sie? Höre ich ein „So darf das nicht weitergehen“? Höre ich
etwas von Kurskorrekturen von einem, der sich aufgemacht hat, wieder Kanzler
Österreichs zu werden? Ich höre nichts, oder doch:

„Ich habe die
Balkanroute geschlossen.“

Nie wieder Sebastian Kurz!


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Fronleichnam

Corpus Christi Demo in Anif

Obwohl ich dem Verein Kirche ja seit geraumer
Zeit nicht mehr angehöre, zieht es mich doch immer mal wieder zu dessen
Veranstaltungen. So auch jetzt. Im Sommer 2019. 

Rochus Gratzfeld

Von Rochus Gratzfeld, Salzburg und Sarród

Zur Fronleichnamsprozession auf das Gelände
des Wasserschlosses in Anif.

„Das Wasserschloss Anif steht an einem
künstlich angelegten
Weiher in
der
Gemeinde Anif am
südlichen Stadtrand von
Salzburg.
Es gehört mit
Burg Kreuzenstein und Schloss Grafenegg bei Krems zu den bedeutendsten Schlossbauten des romantischen Historismus in
Österreich
.
Das Schloss Anif ist im privaten Besitz der Familie
Moy,
die es in den Jahren von 1995 bis 2000 grundlegend renovieren ließ. Es kann von
innen nicht besichtigt werden.

Der Schlosspark wurde um 1800 und
Fürsterzbischof
Christof Graf Waldburg-Zeil-Trauchburg vom Salzburger Hofgärtner Strobl angelegt. Es ist ein Landschaftsgarten der Frühromantik,
der bis heute weitgehend im Originalkonzept erhalten ist. Der Park gehört zu
den bedeutendsten gartenarchitektonischen Denkmalen Österreichs und steht unter
Denkmalschutz. Er ist zweimal im Jahr teilweise öffentlich zugänglich: zu
Fronleichnam für die kirchliche Prozession und am 8. Dezember für das
abendliche Turmblasen der Anifer Bläser.“

(Quelle: Wikipedia)

Leider kann ich von weiten Teilen des Parks
keine Fotos zeigen. Da schlägt die vorher zitierte „teilweise öffentliche
Zugänglichkeit“ in Form von als Trachtenmänner verkleideter Security zu. Was
soll das? Kickl ist doch weg vom Fenster.

„Fronleichnamsprozession ist die Urform der Demo. Die großen Umzüge sollten früher Gläubigen den „Leib Christi“ zeigen. …Die Prozessionen entwickelten sich…im Lauf der Zeit zu prunkvollen und feierlichen Umzügen. Die allerdings vor allem in der Zeit der Gegenreformation als deutliche, barocke, Machtdemonstrationen genutzt wurden.“  

Ingrid Teufl, Kurier vom 20. Juni 2019

Nun, der Leib Christi soll auch wohl hier den
mehr oder weniger Gläubigen gezeigt werden. Er wird zu diesem Zweck in eine
Hostie verpackt und mit Weihrauch betört. Ein grimmig schauender Diener Gottes
trägt so den Corpus durch den prachtvollen Garten. Gefolgt von jungen, weniger
jungen und alten Demonstrantinnen und Demonstranten. Ob ihm die Blasimusi
gefällt? Ich weiß es nicht. Und was die Flaggenschwingerei soll, ich weiß es
auch nicht. Jedenfalls ist es mir sehr suspekt, wenn auf Flaggen „Vaterland“
steht. Ist Christus nicht eine „Globale Figur“? Ist seine Botschaft nicht eine
des globalen Friedens, der globalen Menschlichkeit, der globalen Liebe,
unabhängig von jeweiliger sexueller Orientierung? Und vor allem unabhängig von
jeder Form nationalistischen Gehabes?

Demonstrationen zum Ausdruck der Macht.
Gestern wie heute. Der Corpus des Gekreuzigten wird dabei allerdings wohl eher
zur Nebensache. Sehen und gesehen werden scheint das Motto. Und: Geld zeigen.
Ich lese in vielen Gesichtern aalglatter Männer und Frauen Arroganz und
Überheblichkeit. Viele Frauen himmeln ihre wohl vermögenden Männer an und haben
sich als Püppchen im Dirndl herausgeputzt. Kinder werden an ihre zukünftigen
Rollen als „Elite“ herangeführt.  Anif ist ein reicher Ort. Dies wird hier
sichtbar im Namen Gottes. Und welche Parteien hier gewählt werden ist auch
klar. Der „Heilige Sebastian“ hätte seine wahre Freude. Und auch Hofer würde
sich wohlfühlen.

Nein, das ist nicht mein gesellschaftliches Umfeld. Wohl aber habe ich die Umgebung genossen und meinen ureigenen Gedanken zum Glauben in stillen Momenten freien Lauf lassen können.

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Würth Skulpturenpark

Am Fuss des Kapuzinerberges

Der Würth Skulpturenpark im Park des Schlosses Arenberg und die Steingasse in Salzburg

Rochus Gratzfeld

Von Rochus Gratzfeld, Salzburg & Sarród

Versteckt liegt das Schloss. Liegt der Skulpturengarten der
Sammlung Würth. Hinter dem Noch-Unfallkrankenhaus. Umgeben von prächtigen
Villen mediterranen Stils, deren Bewohnerinnen und Bewohner wohl über diese
Abgeschiedenheit nicht böse sind.

Im ebenfalls prächtigen Schloss Arenberg hat die „American Austrian Foundation“ den Park mit Skulpturen gefüllt. Nein, nicht gefüllt. Es bleibt Weite.

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Zu bestaunen sind hier Werke von Heinrich Brummack, Bernhard
Heiliger, Jeppe Hein, Stephan Kern und anderen namhaften Künstlern. Es lohnt
sich, ein wenig Zeit zu opfern, durch den Park zu schlendern, die Symbiose von
Natur und Kunstwerken einfach wirken zu lassen und zu genießen.

Auch ein Blick ins Innere des Schlosses lohnt sich, bedarf
aber ein wenig Charme im Umgang mit dem Personal, weil eigentlich nicht
öffentlich zugänglich.

Mein Weg zurück führte mich durch die Steingasse, meine Lieblingsgasse in der Stadt Salzburg. Auch hier noch vereinzelt Villen, angeklebt an die Felsen. Aber auch noch eine aus den letzten Jahrzehnten verbliebene Tristesse. Diese wird, so meine Hoffnung und Überzeugung, bald neuem Leben weichen. Das Weinhaus Andreas Hofer lädt zur Einkehr, das vielleicht älteste Bordell Österreichs zu zweifelhaftem und dennoch nostalgischem „Vergnügen“. Meine Gespräche mit der „Puffmutter“ waren jedenfalls herrlich.


Rochus Gratzfeld

Schließlich geht es um einen Freund

Vom
Heim ins Bräu.

Über die braune Brühe der Salzach, die meine trüben Gedanken reflektiert.
Mit gezoomtem Blick auf Maria Plain, als könne die Kirche Hoffnung vermitteln.

Rochus Gratzfeld

Von
Rochus Gratzfeld, Salzburg & Sarród

Mit geschärften Sinnen entlang von Dingen, die ich fast täglich sehe und solchen, die ich noch nie wahrgenommen habe.
Darunter auch das Schild „Pflegeanstalt“.
Wir schreiben das Jahr 2019 und ich lese mitten in der Stadt Salzburg „Pflegeanstalt“.

Zum
Ziel.

Bei Hendl und Bier reden wir.
Über Stricke, die gedreht werden.
Über die Abneigung eines Stadtoberhauptes gegen bestimmte Minderheiten.
Über Armutsreisende, die fast alle denselben ethnischen Ursprung haben.
Über den Einsatz, diesen Minderheiten eine Anlaufstelle zu sein. In der Hitze
des Sommers, in der beißenden Kälte des Winters. Ihnen Arbeit zu beschaffen.
Darüber, welchen Einsatz dieser Kampf benötigt.
Mein Gesprächspartner und Freund ist Widerstand gewohnt. Widerstand gegen
Widerstand ist Teil seines gesamten Lebens.

Die Vorwürfe gegen ihn wiegen
schwer. Der Strick scheint gedreht, „sein“ Verein wohl am Ende.
Über Schuld und Unschuld kann ich nicht urteilen.
Wohl aber über einen Freund.

Ich wünsche ihm alles erdenklich Gute, umarme ihn und verlasse satt, aber unzufrieden, das heimische Brauhaus.


odin rune

Bekennen Sie sich, Sebastian Kurz

Meine Gedanken schweifen um Kunst in Österreich. Namen in der Gedankenwelt. Egon Schiele. Friedensreich Hundertwasser. Hermann Nitsch. Gottfried Helnwein. Valie Export. Marina Abramovic. Gelitin. 7. Weil die Zahl so magisch ist. Repräsentativ für freies und innovatives Kunstschaffen in Österreich.

Rochus Gratzfeld

Von Rochus Gratzfeld, Salzburg und Sarród

Dann ziehen Wolken auf. Dunkle Wolken. Ein weiterer Name erscheint: Manfred Odin Wiesinger. Wer bitte verwirrt da meine Gedanken?

Es erscheinen Runen. Es erscheinen Burschenschaftler. Es erscheinen Szenen aus dem Dritten Reich.

Und Stimmen erscheinen. Stimmen aus dem rechten Lager. Sie machen sich stark für Odin.

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Eine dieser Stimmen wollte Bundespräsident werden. Will es immer noch. Da sei Gott vor – welcher auch immer. Oder eine Göttin. Welche auch immer.

Sebastian Kurz, wann
bekennen Sie sich zu Manfred Odin Wiesinger? Passt der nicht hervorragend zu
der Klientel, die Sie rechtaußen bedienen möchten? Sind Sie vielleicht sogar
selbst ein Fan Odins? Hat er Sie gemalt? An den Außengrenzen in heldischer Pose
mit Natodraht im Hintergrund? Oder am Mittelmeer? Vielleicht sogar bei Ihnen
zuhause, ganz versunken in das Spiel „Schiffe versenken“?

Entschuldigen Sie bitte, Sebastian Kurz. Es sind die manchmal etwas verwirrten Gedanken eines nicht mehr jungen Mannes. Der immer noch träumt. Auch und gerade von der Freiheit der Kunst. Davon, dass der Begriff „entartet“ für immer der Vergangenheit angehört.

Wiesinger hat Sie nicht gemalt. Das wäre absurd. Und natürlich werden Sie sich bekennen. Zur Freiheit der Kunst. Gegen das Gestrige. Sie werden die Ernennung Manfred Odin Wiesingers zum Kulturbeirat eines Bundeslandes scharf kritisieren.

Sie werden auf Bundesebene Zeichen setzen. Moderne, liberale, innovative zeitgenössische Kunst großzügig unterstützen. Ja, unter Ihrer weisen Führung wird sich die gesamte ÖVP distanzieren von einem möglichen Trend zur „Reichskunst“. Oder?


Einkaufswagen vor einem Supermarkt | Foto: Karl Traintinger

Auch frischer Wind kann stinken

Meine Gedanken schweifen um Wärme im kalten Klima der Gesellschaft. Hier. In Felix Austria. Wo nicht Felix regiert, sondern Sebastian. Hoffentlich nur kurz. Aber schon zu lange.

Rochus Gratzfeld

Von Rochus Gratzfeld, Salzburg und Sarród

Auch frischer Wind kann stinken. Meine Gedanken schweifen um die Menschen, die als Notreisende ein wenig Wohl hier bei uns suchen.

Im reichen Salzburg. Darum, wie mit ihnen umgegangen wird, wie immer wieder versucht wird, sie zu kriminalisieren.

Um diejenigen, die mit dem Verkauf der wunderbaren Straßenzeitung APROPOS ihr Leben finanzieren können. Aufdringliche Verkäuferinnen oder Verkäufer habe ich noch nie erlebt. Ich betone: nie!

Seit 5 Jahren stand er beim Lidl. Ruhig. Unaufdringlich. Bei einem Gespräch offen und herzlich. Jetzt ist er weg. Ich traf ihn wieder an irgendeiner Ecke. Ruhig. Unaufdringlich. Ja, fröhlich. Obwohl ihm zum Kotzen zumute sein musste. Wir sprechen miteinander. Ich frage. Und er erklärt. „Neuer Chef hat verboten.“

Meine Gedanken sagen: Auch frischer Wind kann stinken!

Immer stand sie beim Hofer. Unscheinbar, bescheiden, dankbar, wenn man ihr APROPOS abkaufte. Heute stand sie an der Straße. Nahe zum Hofer. In der Sonne der Kälte. Ich begrüßte sie und natürlich kaufte ich APROPOS. Ich frage und sie erklärt. „Neue Cheffin hat verboten.“

Meine Gedanken sagen: Auch frischer Wind kann stinken!