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Die Wüste

Auch ein Stück Österreich-Ungarn.

Wir beginnen unsere 3-stündige Erkundung entlang alter Mauerreste, die sich unsere gesamte Wanderung entlang ziehen. Die Statue des heiligen Nepumuk zeigt den Triumpf über Schmerzen und Tod.

Rochus Gratzfeld

Von Rochus Gratzfeld

Ihr gegen über eine zeitgenössische Interpretation des Heiligen. Hier beginnt die Lindenallee. Eine Allee mit phantastischen alten Bäumen. Manche gleichen Dämonen. Guten Hexen. Sie endet bei der Pforte, dem früheren Eingang zum Kloster.

Das Kloster. Ein Ort der Ruhe. Einer Ruhe, der wir uns nicht entziehen können und wollen. Heute genutzt als Ort für Kreativität. So findet gerade ein Kurs zur Gestaltung von Schmuck statt. Landwirtschaftliche Restgebäude und offensichtlich glückliches Viehzeug. Unser Weg führt uns weiter. Begleitet nur von Ruhe und Schmetterlingen, die die Blütenpracht so genießen, wie wir.

Dann geht es steil bergauf. Zur Burgruine. Sie ist immer noch imposant. Wie muss der Blick einstmals in die tiefe Ebene bis nach Wien gewesen sein? Wie waren die Verbindungen zwischen Burgherrschaft und Klosterreich? Welche Hand wusch hier welch andere? Und wie war das Leben der Vasallen? Fragen, die wir uns stellten, während wir steil bergab den Rückweg zum Ausgangspunkt einschlugen.

Weitere Infos zur “Wüste Mannersdorf” sowie einen geschichtlichen Überblick finden Sie HIER>


Gedanken aus Bleistift

Meine Gedanken schweifen
um eine Kapitänin. Sie wurde verhaftet, weil sie Menschen vor dem Ertrinken
bewahrte. Nein, nicht die Täter wurden verhaftet. Das helfende Opfer.

Rochus Gratzfeld

Von Rochus Gratzfeld,
Salzburg und Sarród

„Ich habe die
Balkanroute geschlossen.“

In einem Land, in dem ein
faschistischer Minister vom Balkon Mussolinis Reden schwingt.

In einem Land, in dem ein
faschistischer Minister Roma und Sinti kastrieren lassen möchte.

In einem Land, in dem ein
faschistischer Minister Menschen ertrinken lassen möchte.

„Ich habe die
Balkanroute geschlossen.“

Meine Gedanken schweifen um einen ehemaligen Innenminister Österreichs. Der mit dem Rückenwind einer beispiellosen Fremdenfeindlichkeit eine GESTAPO aufbauen wollte. Dürfen meine Gedanken die Schutztruppe für ausschließlich Ministerinnen und Minister der FPÖ so nennen? Und was sagte der damalige Kanzler hierzu und zu all den anderen Versuchen Kickl´s und der FPÖ, die Meinungsfreiheit und die bürgerlichen Rechte in Österreich zu beschränken? Was sagte er zu „Strachismus“, bevor dieser unterging?

„Ich habe die
Balkanroute geschlossen.“

Meine Gedanken schweifen um das Gespräch am vergangenen Sonntag, welches Stöckl mit Sebastian Kurz führte. Selbstzweifel? Reue? Fehlanzeige. Als das Thema des wundersamen Auftretens des jungen Altkanzlers im Rahmen einer Sektenveranstaltung aufkam, da zeigte sich der „Heilige Sebastian“ ergriffen. Das Gebet für ihn. Seine Überraschung. Ja, fast erstarrt soll er gewesen sein. Und natürlich habe er dies nie gewollt. Welch eine Heuchlerei. Wäre es übrigens keine, dann wäre es unglaubliche Dummheit gewesen. Eine Dummheit, die alleine Sebastian Kurz jede Befähigung abgesprochen hätte, noch einmal Kanzler Österreichs zu sein. So aber war es ein kalkulierter PR-Gag, der jedoch nach hinten los ging.

„Ich habe die
Balkanroute geschlossen.“

Meine Gedanken kehren
zurück zur mutigen und tapferen Kapitänin. Höre ich von Sebastian Kurz
irgendetwas über sie? Höre ich ein „So darf das nicht weitergehen“? Höre ich
etwas von Kurskorrekturen von einem, der sich aufgemacht hat, wieder Kanzler
Österreichs zu werden? Ich höre nichts, oder doch:

„Ich habe die
Balkanroute geschlossen.“

Nie wieder Sebastian
Kurz!


Fronleichnam

Obwohl ich dem Verein Kirche ja seit geraumer
Zeit nicht mehr angehöre, zieht es mich doch immer mal wieder zu dessen
Veranstaltungen. So auch jetzt. Im Sommer 2019. 

Rochus Gratzfeld

Von Rochus Gratzfeld, Salzburg und Sarród

Zur Fronleichnamsprozession auf das Gelände
des Wasserschlosses in Anif.

„Das Wasserschloss Anif steht an einem
künstlich angelegten
Weiher in
der
Gemeinde Anif am
südlichen Stadtrand von
Salzburg.
Es gehört mit
Burg Kreuzenstein und Schloss Grafenegg bei Krems zu den bedeutendsten Schlossbauten des romantischen Historismus in
Österreich
.
Das Schloss Anif ist im privaten Besitz der Familie
Moy,
die es in den Jahren von 1995 bis 2000 grundlegend renovieren ließ. Es kann von
innen nicht besichtigt werden.

Der Schlosspark wurde um 1800 und
Fürsterzbischof
Christof Graf Waldburg-Zeil-Trauchburg vom Salzburger Hofgärtner Strobl angelegt. Es ist ein Landschaftsgarten der Frühromantik,
der bis heute weitgehend im Originalkonzept erhalten ist. Der Park gehört zu
den bedeutendsten gartenarchitektonischen Denkmalen Österreichs und steht unter
Denkmalschutz. Er ist zweimal im Jahr teilweise öffentlich zugänglich: zu
Fronleichnam für die kirchliche Prozession und am 8. Dezember für das
abendliche Turmblasen der Anifer Bläser.“

(Quelle: Wikipedia)

Leider kann ich von weiten Teilen des Parks
keine Fotos zeigen. Da schlägt die vorher zitierte „teilweise öffentliche
Zugänglichkeit“ in Form von als Trachtenmänner verkleideter Security zu. Was
soll das? Kickl ist doch weg vom Fenster.

„Fronleichnamsprozession ist die Urform der Demo. Die großen Umzüge sollten früher Gläubigen den „Leib Christi“ zeigen. …Die Prozessionen entwickelten sich…im Lauf der Zeit zu prunkvollen und feierlichen Umzügen. Die allerdings vor allem in der Zeit der Gegenreformation als deutliche, barocke, Machtdemonstrationen genutzt wurden.“  

Ingrid Teufl, Kurier vom 20. Juni 2019

Nun, der Leib Christi soll auch wohl hier den
mehr oder weniger Gläubigen gezeigt werden. Er wird zu diesem Zweck in eine
Hostie verpackt und mit Weihrauch betört. Ein grimmig schauender Diener Gottes
trägt so den Corpus durch den prachtvollen Garten. Gefolgt von jungen, weniger
jungen und alten Demonstrantinnen und Demonstranten. Ob ihm die Blasimusi
gefällt? Ich weiß es nicht. Und was die Flaggenschwingerei soll, ich weiß es
auch nicht. Jedenfalls ist es mir sehr suspekt, wenn auf Flaggen „Vaterland“
steht. Ist Christus nicht eine „Globale Figur“? Ist seine Botschaft nicht eine
des globalen Friedens, der globalen Menschlichkeit, der globalen Liebe,
unabhängig von jeweiliger sexueller Orientierung? Und vor allem unabhängig von
jeder Form nationalistischen Gehabes?

Demonstrationen zum Ausdruck der Macht.
Gestern wie heute. Der Corpus des Gekreuzigten wird dabei allerdings wohl eher
zur Nebensache. Sehen und gesehen werden scheint das Motto. Und: Geld zeigen.
Ich lese in vielen Gesichtern aalglatter Männer und Frauen Arroganz und
Überheblichkeit. Viele Frauen himmeln ihre wohl vermögenden Männer an und haben
sich als Püppchen im Dirndl herausgeputzt. Kinder werden an ihre zukünftigen
Rollen als „Elite“ herangeführt.  Anif ist ein reicher Ort. Dies wird hier
sichtbar im Namen Gottes. Und welche Parteien hier gewählt werden ist auch
klar. Der „Heilige Sebastian“ hätte seine wahre Freude. Und auch Hofer würde
sich wohlfühlen.

Nein, das ist nicht mein gesellschaftliches Umfeld. Wohl aber habe ich die Umgebung genossen und meinen ureigenen Gedanken zum Glauben in stillen Momenten freien Lauf lassen können.

Dieser Artikel ist der Dorfzeitung wichtig und er kommt daher nicht hinter die Paywall!

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Würth Skulpturenpark

Der Würth Skulpturenpark im Park des Schlosses Arenberg und die Steingasse in Salzburg

Rochus Gratzfeld

Von Rochus Gratzfeld, Salzburg & Sarród

Versteckt liegt das Schloss. Liegt der Skulpturengarten der
Sammlung Würth. Hinter dem Noch-Unfallkrankenhaus. Umgeben von prächtigen
Villen mediterranen Stils, deren Bewohnerinnen und Bewohner wohl über diese
Abgeschiedenheit nicht böse sind.

Im ebenfalls prächtigen Schloss Arenberg hat die „American
Austrian Foundation“ den Park mit Skulpturen gefüllt. Nein, nicht gefüllt. Es
bleibt Weite.

Zu bestaunen sind hier Werke von Heinrich Brummack, Bernhard
Heiliger, Jeppe Hein, Stephan Kern und anderen namhaften Künstlern. Es lohnt
sich, ein wenig Zeit zu opfern, durch den Park zu schlendern, die Symbiose von
Natur und Kunstwerken einfach wirken zu lassen und zu genießen.

Auch ein Blick ins Innere des Schlosses lohnt sich, bedarf
aber ein wenig Charme im Umgang mit dem Personal, weil eigentlich nicht
öffentlich zugänglich.

Mein Weg zurück führte mich durch die Steingasse, meine Lieblingsgasse in der Stadt Salzburg. Auch hier noch vereinzelt Villen, angeklebt an die Felsen. Aber auch noch eine aus den letzten Jahrzehnten verbliebene Tristesse. Diese wird, so meine Hoffnung und Überzeugung, bald neuem Leben weichen. Das Weinhaus Andreas Hofer lädt zur Einkehr, das vielleicht älteste Bordell Österreichs zu zweifelhaftem und dennoch nostalgischem „Vergnügen“. Meine Gespräche mit der „Puffmutter“ waren jedenfalls herrlich.


Rochus Gratzfeld

Vom
Heim ins Bräu.

Über die braune Brühe der Salzach, die meine trüben Gedanken reflektiert.
Mit gezoomtem Blick auf Maria Plain, als könne die Kirche Hoffnung vermitteln.

Rochus Gratzfeld

Von
Rochus Gratzfeld, Salzburg & Sarród

Mit geschärften Sinnen entlang von Dingen, die ich fast täglich sehe und solchen, die ich noch nie wahrgenommen habe.
Darunter auch das Schild „Pflegeanstalt“.
Wir schreiben das Jahr 2019 und ich lese mitten in der Stadt Salzburg „Pflegeanstalt“.

Zum
Ziel.

Bei Hendl und Bier reden wir.
Über Stricke, die gedreht werden.
Über die Abneigung eines Stadtoberhauptes gegen bestimmte Minderheiten.
Über Armutsreisende, die fast alle denselben ethnischen Ursprung haben.
Über den Einsatz, diesen Minderheiten eine Anlaufstelle zu sein. In der Hitze
des Sommers, in der beißenden Kälte des Winters. Ihnen Arbeit zu beschaffen.
Darüber, welchen Einsatz dieser Kampf benötigt.
Mein Gesprächspartner und Freund ist Widerstand gewohnt. Widerstand gegen
Widerstand ist Teil seines gesamten Lebens.

Die Vorwürfe gegen ihn wiegen
schwer. Der Strick scheint gedreht, „sein“ Verein wohl am Ende.
Über Schuld und Unschuld kann ich nicht urteilen.
Wohl aber über einen Freund.

Ich wünsche ihm alles erdenklich Gute, umarme ihn und verlasse satt, aber unzufrieden, das heimische Brauhaus.


odin rune

Meine Gedanken schweifen um Kunst in Österreich. Namen in der Gedankenwelt. Egon Schiele. Friedensreich Hundertwasser. Hermann Nitsch. Gottfried Helnwein. Valie Export. Marina Abramovic. Gelitin. 7. Weil die Zahl so magisch ist. Repräsentativ für freies und innovatives Kunstschaffen in Österreich.

Rochus Gratzfeld

Von Rochus Gratzfeld, Salzburg und Sarród

Dann ziehen Wolken auf. Dunkle Wolken. Ein weiterer Name erscheint: Manfred Odin Wiesinger. Wer bitte verwirrt da meine Gedanken? Es erscheinen Runen. Es erscheinen Burschenschaftler. Es erscheinen Szenen aus dem Dritten Reich. Und Stimmen erscheinen. Stimmen aus dem rechten Lager. Sie machen sich stark für Odin. Eine dieser Stimmen wollte Bundespräsident werden. Will es immer noch. Da sei Gott vor – welcher auch immer. Oder eine Göttin. Welche auch immer.

Sebastian Kurz, wann
bekennen Sie sich zu Manfred Odin Wiesinger? Passt der nicht hervorragend zu
der Klientel, die Sie rechtaußen bedienen möchten? Sind Sie vielleicht sogar
selbst ein Fan Odins? Hat er Sie gemalt? An den Außengrenzen in heldischer Pose
mit Natodraht im Hintergrund? Oder am Mittelmeer? Vielleicht sogar bei Ihnen
zuhause, ganz versunken in das Spiel „Schiffe versenken“?

Entschuldigen Sie bitte,
Sebastian Kurz. Es sind die manchmal etwas verwirrten Gedanken eines nicht mehr
jungen Mannes. Der immer noch träumt. Auch und gerade von der Freiheit der
Kunst. Davon, dass der Begriff „entartet“ für immer der Vergangenheit angehört.
Wiesinger hat Sie nicht gemalt. Das wäre absurd. Und natürlich werden Sie sich
bekennen. Zur Freiheit der Kunst. Gegen das Gestrige. Sie werden die Ernennung
Manfred Odin Wiesingers zum Kulturbeirat eines Bundeslandes scharf kritisieren.
Sie werden auf Bundesebene Zeichen setzen. Moderne, liberale, innovative
zeitgenössische Kunst großzügig unterstützen. Ja, unter Ihrer weisen Führung
wird sich die gesamte ÖVP distanzieren von einem möglichen Trend zur
„Reichskunst“. Oder?


Einkaufswagen vor einem Supermarkt | Foto: Karl Traintinger

Meine Gedanken schweifen um Wärme im kalten Klima der Gesellschaft. Hier. In Felix Austria. Wo nicht Felix regiert, sondern Sebastian. Hoffentlich nur kurz. Aber schon zu lange.

Rochus Gratzfeld

Von Rochus Gratzfeld, Salzburg und Sarród

Auch frischer Wind kann stinken. Meine Gedanken schweifen um die Menschen, die als Notreisende ein wenig Wohl hier bei uns suchen.

Im reichen Salzburg. Darum, wie mit ihnen umgegangen wird, wie immer wieder versucht wird, sie zu kriminalisieren.

Um diejenigen, die mit dem Verkauf der wunderbaren Straßenzeitung APROPOS ihr Leben finanzieren können. Aufdringliche Verkäuferinnen oder Verkäufer habe ich noch nie erlebt. Ich betone: nie!

Seit 5 Jahren stand er beim Lidl. Ruhig. Unaufdringlich. Bei einem Gespräch offen und herzlich. Jetzt ist er weg. Ich traf ihn wieder an irgendeiner Ecke. Ruhig. Unaufdringlich. Ja, fröhlich. Obwohl ihm zum Kotzen zumute sein musste. Wir sprechen miteinander. Ich frage. Und er erklärt. „Neuer Chef hat verboten.“

Meine Gedanken sagen: Auch frischer Wind kann stinken!

Immer stand sie beim Hofer. Unscheinbar, bescheiden, dankbar, wenn man ihr APROPOS abkaufte. Heute stand sie an der Straße. Nahe zum Hofer. In der Sonne der Kälte. Ich begrüßte sie und natürlich kaufte ich APROPOS. Ich frage und sie erklärt. „Neue Cheffin hat verboten.“

Meine Gedanken sagen: Auch frischer Wind kann stinken!


Meinungsfreiheit

Meine Gedanken schweifen um die in Österreich bedrohte Freiheit des Journalismus. Damit tritt dieses Land, tritt meine Wahlheimat, unter Billigung eines machtgeilen Kanzlerchens, in die Fußstapfen aller autoritären Regime.

Rochus Gratzfeld

Von Rochus Gratzfeld, Salzburg und Sarród

Sei es China, sei es Russland, sei es die Türkei, sei es in. Die Freiheit der Presse gehört in den Kerker. So droht aktuell der Spitzenkandidat für die Europawahlen, der FPÖler Vilimsky – würde man ihm eine SS-Uniform anziehen – er könnte nicht besser gekleidet sein – dem ORF-Journalisten Armin Wolf mit Rauswurf.

Dreckig. Da sind wir angekommen, wo ich glaubte, wo meine Gedanken sicher waren, wir niemals mehr ankommen würden. Im braunen Sumpf giftigen Schlamms der Vergangenheit. Einer Vergangenheit, die zur Gegenwart zu drohen wird.

Zum Hohn druckt dann am heutigen Sonntag, dem 28. April 2019, die Kronenzeitung ein sogenanntes Interview mit dem ehemaligen Wehrsportler und heutigen Vizekanzler ab.

Meine Gedanken lachen weinend. Das ist kein Interview, das sind die rechtsextremen Statements, die Strache schon seit Tagen verbreitet. Getarnt als Interview. Gipfelnd in der gerne von allen rechtsextremen Vertreterinnen und Vertretern angeführten Verschwörungstheorie der Bevölkerungsvermischung, des Austausches von Christinnen und Christen gegen Muslime und Muslima.

Eben das ist keine freie Presse. Das ist Manipulation. Das macht Göbbels, den Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, wieder präsent.

Nein, wir brauchen einen freien Journalismus, wir brauchen Journalisten und Journalistinnen wie Armin Wolf und ja, wir brauchen keine Krone der Zeitungen, die sich Unfreiheit verschreibt, verhuurt, wie es im niederländischen heißt.

Aber Achtung. Vielleicht hat sogar dieses Blatt die Zeichen der Zeit erkannt. In der bereits zitierten Ausgabe findet sich sehr zur Überraschung meiner Gedanken ein Artikel mit viel Kritik am Kanzlerchen.

Schaun wir mal.


Brügge

Teil 4 – Brügge

Brügge nähern wir uns von unserem Ausgangspunkt Blankenberge
unspektakulär. Über Schnellstraßen und Autobahnen. Auch hier keine
Kindheitserinnerungen, wohl aber Erinnerungen, die aus meiner beruflichen Zeit
stammen, als ich in Brügge – wie in vielen anderen Städten Europas – als
Seminarleiter tätig war. Auch schon wieder rund 25 Jahre her. Es sind luxuriöse
Erinnerungen. Die ich weder missen noch wiederholen möchte.

Rochus Gratzfeld

Von Rochus Gratzfeld, Salzburg und Sarród

Na jedenfalls finden wir uns nach mühsamer Parkplatzsuche schnell im Zentrum der Altstadt ein, wo wir auf unerträgliche Massen an Touristinnen und Touristen aus nahezu allen Ländern dieser Welt treffen, wo wir selbst Teil dieser Blase werden, die so schnell wie möglich zu verlassen unser dringlichster Wunsch ist. Klar, das Zentrum ist toll, supertoll. Aber bitte. Unsere friedvollen Hündinnen beginnen zu revoltieren (Dobermannmix und Schäfermix – da bekommen über 70 Kilogramm an Revolte eine eigene Dimension), meine Frau und ich zeigen einander die Zähne. Nix wie weg!

Wir entscheiden uns für die Wege und Gassen abseits von. Und
bleiben trotzdem mittendrin. In Brügge. Schlendern entlang von Kanälen, wo
Hausboote vor Anker liegen, lassen unsere Blicke nach oben schweifen, wo es
viel zu entdecken gibt. Die Giebel. Zeichen einer Epoche. Kleine Skulpturen. So
schön!

Pause. Imbiss vom Grill. Tolle Atmosphäre. Sehr gutes Fleisch.

Weiter. Wir stoßen auf den Beginenhof, gegründet im Jahr 1245,
seit einigen Jahrzehnten Heimat von Benediktinerinnen. Der klangvolle Beiname
„Ten Wijngaarde“, was so viel wie „zum Weingarten“ bedeutet, geht auf den
großen Garten rund um die Gebäude zurück, in dem gesunde Kräuter, Pflanzen und
auch Weinreben wuchsen. Durch das Gelände zieht sich das Minnewater. Diente der
Fluss einst als Wasserstraße in Brügge, so ist er heute vor allem Heimat von
Enten, Schwänen und auch Fröschen. Ja, meine Frau könnte sich vorstellen, nach
meinem Ableben sich an einen solchen Ort zurückzuziehen. Aber der Kopf ist
rund, damit die Gedanken wandeln können und so weit sind wir ja zum Glück noch
nicht.

Wir verlassen Brügge mit zahlreichen Eindrücken.


Belgische Küste - Flandern

Teil 3: Damme

Je näher wir von unserem Ausgangspunkt Blankenberge Damme kommen, je mehr tauchen wir ein in eine Polderlandschaft, die uns sofort für sich einnimmt. Gewaltige baumgesäumte Alleen, Kanäle, sumpfige Wäldchen, Heuwiesen, Schilfkrägen. Schafe, Kühe, Pferde, Esel. Ja, Flandern liebt Esel. Möwen, natürlich. Viele andere Vögel. Im Wasser springende Fische. Kaum Menschen. Große Gehöfte. Wohnhäuser und Anwesen im typischen Baustil der Region. Alles strahlt Ruhe aus.

Rochus Gratzfeld

Von Rochus Gratzfeld

Wir erwandern uns Teile dieser Landschaft, legen rund 10 Kilometer zu Fuß zurück, bevor wir entschließen, Damme zu betreten.

Die Stadt Damme hat ihre Entstehung einer Sturmflut im Jahr 1134
zu verdanken. Es wurde ein Deich errichtet, hinter dem sich ein Fischerdörfchen
entwickelte, welches im Laufe der Zeit zu einer heraufstrebenden Hafenstadt
heranwuchs.

Als erstes werden wir mit einem gewaltigen Bauwerk konfrontiert:
Onze-Lieve-Vrouwekerk. Die Liebfrauenkirche. Erbaut wurde sie im Jahre 1225. Im
Laufe folgender Jahrhunderte musste sie auf Grund aufkommender Armut Federn –
besser Steine – lassen. Imposant ist sie geblieben. Leider entgeht uns, dass
man in den Turm aufsteigen kann und von dort dann einen phantastischen
Rundblick auf Damme und die Polderlandschaft hat. Egal. Ist auch so mehr als
beeindruckend. Wir streifen bei frühlingshaftem Wetter durch Straßen und
Gassen. Stattliche Gebäude, die von früherer Größe Zeugnis ablegen .Viele
Gärten vor und hinter den typischen Häusern. Viele Restaurants mit Gastgärten
und heimeligen Innenräumen.

Apropos. Hungrig vom Herumstreifen und der vorherigen Wanderung lassen
wir uns in einem Gastgarten nieder, um uns der Sünde hinzugeben. Kaffee mit
Sahne, eine große Waffel mit Schokolade und Eis für meine Frau, Pfannkuchen mit
Butter und Eis für mich – alles überstreut mit reichlich braunem Zucker.
Köstlich. Auch im Innern verspricht dieses Gasthaus Genüsse, die wir aber nicht
mehr probieren können. Übrigens. Billig ist hier nichts. Aber das
Preis-Leistungsverhältnis stimmt. Und die Freundlichkeit ist nicht zu
übertreffen. Wie überhaupt wir während unseres gesamten Besuches in Flandern
vom offenen, hilfsbereiten Wesen der Menschen sehr positiv überrascht waren.

Es ist bereits später Nachmittag und Blankenberge ruft. Den
Sonnenuntergang wollen wir am Meer erleben.

Dag, Damme.


Belgien

Teil 2 – De Haan und Zeebrugge

Rochus Gratzfeld

Einen krassen Gegensatz zu Blankenberge bildet De Haan, französisch Le Coq, auch Le-Coq-sur-Mer.

Von
Rochus Gratzfeld, Salzburg und Sarród

Da meine Eltern, wie bereits im Bericht über Blankenberge erwähnt, wenig mit Kunst, Kultur und Architektur am Hut hatten, kann ich hier nicht an Erinnerungen aus der Kindheit anknüpfen. Jedenfalls erteilte König Leopold II. von Belgien 1889 die Genehmigung für die Bebauung eines Dünenabschnittes. Verbunden mit Auflagen. So durfte eine bestimmte Bauhöhe nicht überschritten werden, mussten die Häuser freistehend und von Gärten umgeben sein. Für die Villen war der anglo-normannische Baustil ein Muss.

Bei unserem Rundgang durch die Stadt sind wir fasziniert von der
Bebauung der „Concessie“ mit weißen Villen und Hotels im Stil der Belle Epoque
und im Landhausstil.

Die Stille in den Straßen, Gassen und Parkanlagen strahlt eine
Vorfreude auf Frühling und Sommer aus, die sich auf unsere Stimmung überträgt.

Nicht begegnen wir der Seele des berühmtesten Kurzzeitbewohners
der Stadt – Albert Einstein. Sechs Monate lebte er dort im Jahre 1933 nach
seiner Flucht aus Deutschland.

Unsere eigenen Seelen lassen wir zum Abschluss unseres Besuches
von De Haan noch ein wenig in den Dünen baumeln.

Zeebrugge. Weitgehend Schluss mit Beschaulichkeit. Wenngleich, der alte Fischereihafen, heute Yachten vorbehalten – Nostalgie. Die Kneipen hier ebenfalls. Nostalgie pur. Einige wenige Gebäude, die architektonisch beeindrucken. Gute Fischgeschäfte. Frisch auf den Tisch lautet die Devise.

Ansonsten. Ein riesiges Logistikzentrum für den Transport von
Waren nach Übersee – zumeist Autos. Unüberschaubar die Anzahl der Container und
Schwertransporter auf vielen Rädern, der riesigen Schiffe. 24 Stunden Business
und Hektik. Ich verzichte auf Fotos. Schwenk- und Hebebrücken stoppen immer
wieder den Verkehr. Fordern uns Geduld ab. Wir nehmen uns die Belgier zum
Vorbild, die, anders als die Türken, wie ich es so oft in Istanbul erlebte, auf
ein Hupkonzert verzichten. Dennoch. Nix wie weg in ruhigeres Fahrwasser,
wenngleich eine Erfahrung, die wir nicht missen wollen.


Blankenberge

Teil 1 – Blankenberge

Rochus Gratzfeld

Von Rochus Gratzfeld, Salzburg und Sarród

1010 Autokilometer von Salzburg entfernt erreichen wir mit Blankenberge den Stützpunkt, von dem aus ich Kindheitserinnerungen auffrischen will. Vieles erinnert an die Zeit von vor mehr als fünfzig Jahren. Die Betonburgen direkt am Strand. Die Pier von Blankenberge. Wurde erbaut im Jahre 1933 nach einem Entwurf von Jules Soete. Sie wurde ebenfalls aus Beton erstellt und sticht 350 Meter weit in die Nordsee. Heute befindet sich dort ein Luxusrestaurant. Die schier unendliche Weite der Strände, die sich über 65 Kilometer hinziehen. Jetzt, Ende März, menschenleer und Freiheit ohne Ende für unsere vierbeinigen Begleiterinnen. Ich erinnere mich an Dreck. Viel Dreck und an schmutziges Wasser. Heute sieht der Strand aus, als würde er täglich geputzt. Wird er aber nicht. Er ist einfach nur sauber. Unglaublich sauber. Und das Wasser riecht frisch. Wie es auf der Promenade und am Strand im Sommer zugeht, können wir uns mit Blick auf die zahllosen Lokale leicht vorstellen. Da boxt dann hier der Papst im Kettenhemd.

Am Horizont riesige Containerschiffe –
sie befördern vor allem Autos von hier nach dort, von dort nach hier -,
aufgereiht wie die Flugzeuge bei Start und Landung am Frankfurter Flughafen,
was ich über viele Jahre beobachten konnte. Gleichsam beeindruckend wie
bedrückend. Bedrückend ebenfalls das Wissen darum, dass an dieser Küste so
viele Menschen starben, als die Alliierten hier die kriegsentscheidende Wende
im Kampf gegen das Naziregime vollziehen konnten. Da war die Nordsee
rotgefärbt.

Die Betonburgen. Hochhäuser mit
durchschnittlich zehn Etagen. In den Lücken eingezwängte kleinere Häuser. Stehengeblieben
Zeit. Wenige Neubauten. Hier scheiden sich die Geister. Wat den Eenen sin Uhl, is den Annern sin
Nachtigall. Also wie in meiner Kindheit es meine Eltern
bevorzugten, eben in einem dieser Hochhäuser ein Appartement zu mieten, entscheiden
sich auch meine Frau und ich für eine Wohnung in der sechsten Etage. Belohnt werden
wir mit einer atemberaubenden Aussicht, die es schwerfallen lässt, unsere
Blicke abzuwenden. Zu jeder Tages- und Nachtzeit.

Meine Eltern hatten mit Kultur, mit Kunst und Architektur so wenig am Hut, wie die zahlreich an unserem Fenster vorbeifliegenden Möwen. So komme ich jetzt mit mehr als fünf Jahrzehnten an Verspätung dazu, mich zusammen mit meiner Frau in „Blankenberge hinter der Promenade“ umzusehen. Eine bunte Mischung verschiedener architektonischer Stilelemente bestimmt das Stadtbild. Besonders angetan haben es uns Zeitzeugnisse aus der Belle Époque – Bezeichnung für eine Zeitspanne von etwa 30 Jahren um die Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert. Dazu passend eine Vielzahl von Jugendstilelementen. Das alles vermischt mit Bausünden aus den 60er und 70er Jahren des vorigen Jahrhunderts. Es finden sich viele kleine Geschäfte mit einem Angebot lokaler und regionaler Genüsse, welches uns das Wasser im Mund zusammenlaufen lässt. Leider Muscheln Fehlanzeige – keine Saison. Dafür Meeresfische und „Chair de Bulots – facon bruxelloise“, Schnecken. Zum Abschluss eines abendlichen Rundgangs lassen wir uns das schmecken, was zu einem Besuch in Belgien einfach dazu gehört: Pommes mit einer riesigen Portion Majo zum Preis von 3,80 Euro in einem gehobenen Frittenladen. Dazu ein belgisches Bier aus einer Auswahl von allein hier 60 angebotenen Sorten. Köstlich!