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Justitia

PRAY FOR VIENNA

Betest du für Wien, fragen meine Gedanken,
Nein, warum sollte ich.
Das Attentat ist erfolgt.
Fertig. Menschen sind tot. Der Täter darunter.

Beten kann ich für die Verletzten.
Dass sie es überstehen.

Aber magst du nicht für Wien beten, fragen meine Gedanken.
Verdammt, nein.
Warum sollte ich.
Da gäbe es viel zu beten.

Für eine unzählige Anzahl von Ländern, Regionen, Städten, Orten auf dieser Welt.
Dazu fehlt mir die Zeit.

Und Gott hat sich in dieser Hinsicht als liberal erwiesen: Er überlässt es den Menschen.

Rochus Gratzfeld

Von Rochus Gratzfeld, Sarród und Salzburg


Menschen mit Maske

Menschen mit Maske

Mit Beginn der ersten CORONA-WELLE habe ich Frauen und Männer über Facebook aufgerufen, mir ihre Selfies mit Maske zukommen zu lassen. Oder Fotos von sich mit Maske, die Dritte aufgenommen haben.

Von Rochus Gratzfeld,
Sarród/ Ungarn und Salzburg/ Österreich

Zielsetzung war und ist es, ein historisches Dokument eines relevant veränderten Alltagslebens zu erstellen.

Die meisten Fotos erreichten mich aus Österreich, besonders aus Salzburg, Deutschland und Ungarn. Stationen meines eigenen Lebens. Die erhaltenen Fotos -118+1 habe ich ausgewählt, auf unscharfe Fotos und solche mit Kindern verzichtet – veröffentliche ich hier, zu einem Zeitpunkt, wo die “zweite Welle” die genannten Länder, Europa und die Welt erreicht (hat).

Menschen mit Maske >

Rochus Gratzfeld

Rochus Gratzfeld, geboren 1956 in Deutschland

Soziologe, Künstler, Autor

Zahlreiche Publikationen und Ausstellungen in Österreich, Deutschland und Ungarn
Rochus Gratzfeld in der Dorfzeitung >


Masken

corona. oder dieUNvernunft

Die Coronapandemie ist noch nicht vorbei. Die Vorsichtsmaßnahmen werden von vielen Mitbürgern in letzter Zeit nicht mehr sehr ernst genommen. Hoffentlich müssen wir diesen Leichtsinn nicht noch bereuen. Die aktuellen Lockerungen sind nur möglich, solange die Infektionszahlen überschaubar bleiben.

Karl Traintinger

corona.
oder. dieUNvernunft.

Rochus Gratzfeld

Von Rochus Gratzfeld, Salzburg & Sarród

Heute war ich mal wieder im grenznahen Österreich. Land der Burgen, Land der Blöden.

APOTHEKE
dem bekannt geizigen über 70 Jahre alten Herrn Apotheker baumelt die Maske ums Kinn. sein ausschliesslich weibliches Hilfspersonal. Masken Fehlanzeige.
Handschuhe. Ist ja keine Gärtnerei.
HaHaHa.

SPARwallern
ach watt.
hier ist Corona vergessen.
Beim Personal. Bei den KäuferInnen.
der Kaas geht wieder von schwitziger Hand über die Theke.
das Fleisch ist wieder richtiges Fleisch.
angefasst gehört.
die Ware und die Menschen.
und lustig ists.
sich prustend und schniefend an der Kassa anlachen ist halt nur ohne Masken echt menschlich.

corona

(
heutige Meldung: die Anzahl der Neuinfektionen in Österreich steigt wieder deutlich an.
)


bella, bella, bella

Bella, bella, bella….

Vor 300 Jahren. Die Pest.
Karneval in Venedig. Menschen tragen Masken. Vor allem die des Pestarztes.
Schnabelförmig. In sie steckte man Watte mit ätherischen Ölen. Zudem trug ein
Pestarzt – und demnach auch der Karnevalist – einen langen Stock, um die Patienten
auf Distanz zu halten.

Rochus Gratzfeld

Gedanken aus Bleistift von Rochus Gratzfeld
Salzburg & Sarród

1912. Der Text von Thomas
Mann, Tod in Venedig, wird veröffentlicht.

2020. Der venezianische
Karneval wurde abgesagt. Menschen sterben. Massenhaft. Fische kehren zurück in
die Kanäle. Menschen tragen Masken. Zwei Meter Abstand zum Gegenüber. Weltweit.

1975. Die „Generation Vico
Torriani“ macht sich auf an die Seen Oberitaliens. So auch meine Eltern. Sie
kratzen Geld zusammen und erwerben ein Steinhaus in einem abgelegenen Dorf
oberhalb des Lago Maggiores. Wurde mir Heimat. Auch meinen Kindern. Von
Katastrophen blieben wir verschont. Weitgehend.

1986. Roberto. Erst wurde
ihm übel, die Knie wurden weich. “Dann konnte ich nichts mehr sehen und
kaum noch atmen”, klagte er. Die Ursache: Methylalkohol, in Wein gemischt.
Andere sind noch schlimmer dran. Bruna wurde in tiefem Koma in das Mailänder
Krankenhaus “Fatebenefratelli” eingeliefert. Alvaro starb auf der
Intensivstation des städtischen Krankenhauses “Niguarda”. Ich
erinnere mich, wie wir jedes Glas Rotwein vor dem Trinken testeten. War da ein
blauer Schimmer im Glas – weg damit und die ganze Flasche gleich hinterher.

Im selben Jahr. Frühling.
Es ist ungewöhnlich heiß. Suchen Abkühlung in der eiskalten Maggia. Die Mutter
meiner Kinder, mein Sohn, der in diesem Jahr 40 wird, und ich. Wissen nicht,
dass der Wind gerade eine unselige Fracht zu uns trägt. Aus Tschernobyl.

1975. Eine hochbetagte Frau
schafft Holz in eine Kiepe. Sie geht in die Knie, lädt ohne fremde Hilfe die
Last auf den längst gebeugten Rücken. Transportiert sie in ihr Haus. Entzündet
den Ofen im einzigen beheizten Raum. Der Küche. Davor steht ein Bett.
Ruhestätte für sie und ihre Tochter.

2020. Habe das Dorf vor
Jahren verlassen, das wunderbare Steinhaus verkauft, die Erinnerungen behalten.
Behalten habe ich auch eine Kiepe. Die Kiepe. Sie steht heute neben dem
Kachelofen in unserem Haus in Ungarn. Wieder ein See. Keine Berge. Meine Frau
und ich befinden uns zusammen mit unseren zwei Hündinnen in selbstgewählter
Isolation. Hier in Pannonien. Die Grenzen sind geschlossen. Angst ist spürbar.
Mit Menschen aus dem Dorf am großen See bin ich in Kontakt. Es geht ihnen
weitgehend gut. Wieder Frühling.

Bella, bella, bella….

(Erstmalig veröffentlicht auf story.one)


Wer ist Dieter M.?

„rechte gröler aus dem fansektor von #redbull #salzburg während #hanau-schweigeminute? passt zu #mateschitz

(Bernhard Jenny auf FB)

Dieter M. gehört, folge ich meinen
Gedanken, zu den am meisten überschätzten Personen Österreichs, ja Europas.
Global gibt es andere überschätzte Kaliber.

Rochus Gratzfeld

Gedanken aus Bleistift von Rochus Gratzfeld
Salzburg & Sarród

Dieter M. ist Milliardär. So what?

Dieter M. hat
sein Marketing-Handwerk bei Blendax gelernt. Gute Schule. Lernte ihn damals auf
einem Seminar kennen. Vor gefühlten hundert Jahren. Er bei Blendax, ich bei
American Home. Später habe ich ihn nie wieder getroffen. Dafür seine Exfrau.
Irgendwie skurril und doch unendlich lustig. Sie barbusig und ich, umgeben von
Kühen, die ihren Kreis um uns immer enger zogen, bis wir beschlossen, zu
weichen. Am Prebersee.

Nach Blendax
folgte wenig. Dann fing er sich einen Virus ein. In Asien. Genau genommen in
Thailand. Den gabs in Flaschen und in Dosen. Krating Daeng.

Und Dieter M. verstand die virale
Kraft dieses ansteckenden Gebräus. Das war der Schlüssel zu seinem Erfolg. Mit
dem Wissen der Zahnpasta im Rucksack tat er nichts weiter, als das asiatische
Konzept auf Europa zu übertragen. Mit einem neuen Namen. Hochprofessionell. Mit
extremen PR-Ansätzen.

Ja, und das ist schon seine Erfolgsgeschichte.
Nicht weniger. Nicht mehr.

Dieter M. ist nicht politisch, lieber
hochgeschätzter Bernhard. Dieter M. tut einfach alles, sein persönliches Virus
zu verbreiten, tut alles für die Marke. Dazu gehört auch, den rechten Rand
seiner Infizierten abhängig zu halten. Der Rest geht ihm am Arsch vorbei.
Dieter M. ist kein „Gutmensch“, denn seine Zielgruppe sind primär keine
„Gutmenschen“. Deshalb auch sein Festhalten an Felix, dem Unseligen. Dieter M.
tut jedoch durchaus Menschen Gutes, die Hilfe benötigen. Da dies aber der Marke
nicht dient, lässt er darüber auch nicht reden. Ich kenne dafür Beispiele.

Dieter M. ist ein fanatischer
Vermarkter, der unter Millionen das Glück hatte, damit Erfolg zu haben. Kein
Genie. Kein Übermensch. Keiner, der sich auch nur irgendwie politisch
engagiert. Er genießt einfach seinen Erfolg, seinen unendlichen finanziellen
Reichtum.

Keiner, der mich interessiert.

Sagen meine Gedanken.


Andau

Andau. Wie Kunst am Fluchtweg siecht.

Die rund fünf Kilometer lange Allee von Andau zur Brücke von Andau, über die 1956 über 70.000 UngarInnen nach Österreich flüchteten, ist auch heute noch imposant.

Rochus Gratzfeld

Von Rochus Gratzfeld, Salzburg & Sarród

Entlang der Allee errichtete eine Kunstinitiative Installationen und Skulpturen, die an das Ereignis erinnern. Ihr Verfall im Zeitablauf war Teil des Projektes, welches 1996 auf Grund von Geldmangel eingestellt wurde.

24 Jahre haben an den Kunstwerken ihre Spuren hinterlassen. Der Zerfall dominiert. Was noch übrig ist, beeindruckt.

https://www.derstandard.at/story/3349120/andau-wie-die-kunst-am-fluchtweg-siecht

Was
mich betroffen macht: Andau verzichtet auf jede Form der erläuternden
Beschreibung entlang der Allee. Ein Informationsstand zerfällt der Kunst
gleich. Die Chance, hier junger Kunst die Möglichkeit zeitgenössischer
Erinnerung zu geben, bleibt ungenutzt. Überhaupt liegt der Verwesungsgeruch des
hiesigen Desinteresses über der Allee. Warum ist das so? Geldmangel – wo sich
reiche Gemüsebauern und Winzer tummeln? Glaub ich nicht. Desinteresse an Kunst,
an Erinnerung, an dem Thema Migration? Glaub ich! Dazu passen Soldaten, die ich
ihren Assistenzdienst absolvierend durch den Ort streifen sehe. Was für eine
Skurrilität.

Schade. Denn Andau verpasst, sich ein verbindendes Profil zu geben. Verpasst die Errichtung einer neuen Brücke. Einer Kunstbrücke zwischen gestern und heute. Weit über Gemüse, Wein und Riesentrappen hinaus.


Dorfzeitung.com


Autobahn

Schluss mit Tempo 140 – Ein Anschlag?

Meine Gedanken schweifen um Sprache.
Sprache enthüllt. Sprache zieht Vorhänge zur Seite. Sprache macht sichtbar.

Rochus Gratzfeld

Von Rochus Gratzfeld, Salzburg & Sarród

Words cut deeper than a knife…
Worte sind Taten.

Norbert Hofer bezeichnet die mögliche Abschaffung der Teststrecken als “Anschlag auf die Autofahrer”. Anschlag sagen meine Gedanken. Anschlag.

Weiß Hofer eigentlich, was das Wort ANSCHLAG in der deutschen Sprache bedeutet?

Wenn nicht, helfe ich ihm gerne.
Nach Duden bedeutet Anschlag “gewalttätiger, auf Vernichtung, Zerstörung zielender Angriff”.

Diesen Akt unterstellt er den Grünen in der neuen Regierung.

Eine Ungeheuerlichkeit, wenn er die Bedeutung des Wortes kennt. Eine ungeheure Dummheit, wenn er, der sich ja einmal zum Glück vergeblich, um das höchste Amt in Österreich beworben hat, die Bedeutung nicht kennt.

Und ein weiterer Beweis dafür, dass die FPÖ und deren Chef mit den Themen Umweltschutz und Verkehrssicherheit nichts am Hut haben. Gedankenlos sind, sagen meine Gedanken.

Ohne jede Rücksicht.

Ewig gestrig.

Weiterführende Info:

Dorfzeitung.com


Auschwitz

75. Gedenktag zur Befreiung von Auschwitz – Birkenau

Auschwitz

Nein, diese Menschen kamen nicht nach Europa.
Sie lebten in Europa.
Europa war ihre Heimat.
Damals.

Es waren Juden, es waren behinderte Menschen, es waren Lesben und Schwule.
Es waren Gegnerinnen und Gegner des Regimes.
Es waren Roma und Sinti.
Es wurden unerwünschte Menschen.

Sie wurden in den Vernichtungslagern ermordet.
Brutal.
Rücksichtslos.
Kinder. Frauen. Männer. Heute.

Sie kommen nicht aus Europa.
Sie leben nicht in Europa.
Europa ist nicht ihre Heimat.

Sie suchen Sicherheit.
Vor Kriegen.
Vor Verfolgungen.
In Europa.

Es sind Kinder, Frauen, Männer.
Sie sind unerwünscht.
Europa lässt sie ersaufen.
Sperrt sie in Lager.
Schickt sie zurück in Kriegsgebiete.

Auschwitz?

Rochus Gratzfeld

Gedanken aus Bleistift
von Rochus Gratzfeld
Salzburg und Sarod


Dorfzeitung.com


An der schönen blauen Donau (2)

Drei Tage zwischen Göd/ Ungarn und slowakischer Grenze

Rochus Gratzfeld

Ein Reisebericht von Rochus Gratzfeld – Salzburg & Sarród

ZWEITER TAG

Von Göd nach Szob, dort Wanderung am Strand entlang bis zum Ipoly Delta (Grenzfluss zur Slowakei).

Der Fluss Ipoly ( slowakisch: Ipel ) ist der einzige Nebenfluss der Donau in Ungarn und in der Slowakei . Seine Quelle liegt in der Slowakei im Vepor-Gebirge am Fuße des Berges Ipoly (1058 m). Er mündet bei Szob in die Donau .

Vom Ipoly Delta führt uns unsere Reise nach Zebegény. Zebegény ist ein malerisches historisches Dorf neben dem Nationalpark Duna-Ipoly. Um 1735 siedelten sich Deutsche hier an und nannten das Dorf Sebegin. Zeitgenössische Schriften des frühen 19. Jahrhunderts bezeichnen Zebegény als deutsch-ungarisch-slowakische Siedlung.

Weiter gings nach Nagymaros, gegenüber ist die Burg von Visegrad zu sehen. In den dortigen Hügeln zauberhafte alte Sommerhäuser, denen sich aber vermehrt teils prunkvolle neue Bauten hinzugesellen. Wir verließen Donau und Hügel, fuhren in die Berge: Kóspallag und Szokolya.

Die Börzsöny-Berge sind eine beliebte Wanderregion.
Nähere Informationen finden sich hier:
http://www.urlaub-ungarn.at/regionen/gebirge-ungarn/boerzsoeny-gebirge.html

Aus den Bergen ging es wieder runter an die Donau: Vác stand zum Abschluss des Tages noch auf dem Programm. Ein überraschend attraktiver Ort.

Eine geschichtsträchtige, überwiegend barocke Stadt mit vielen Kirchen und dem einzigen Triumphbogen Ungarns.
Für Details siehe:
https://www.zauberhaftes-ungarn.de/staedte/vac.htm

Da Kultur auch durch den Magen geht, besuchten wir die Confiserie Floch. Köstlich! (http://www.flochcukraszat.hu/)

Und dann gibt es in Vác noch einen ganz besonderen Ort: Das Gefängnis – es gehört zu den größten Ungarns. Eine weitgehend fensterlose Fassade zur Straße hin, die Zellen teilweise mit Blick auf die Donau.

Das Gebäude des heutigen Gefängnisses ließ Bischof Migazzi als Konvikt für die adelige Jugend bauen und zu Ehren von Maria Theresia wurde es Theresianum genannt. Ab 1808 wirkte hier die Ludowika Akademie. Als Zuchthaus wurde es seit 1855 genutzt.

Im Hof des Gebäudekomplexes steht eine neogotische, hübsch ausgemalte Kapelle. Übrigens auch auf Facebook vertreten: Váci Fegyház és Börtön

DRITTER TAG

Bevor wir Göd verließen, statteten wir der Keramikerin Andrea Vertel noch einen Besuch ab. Wir kennen ihre wunderbaren Arbeiten aus Sarród, wo sie immer wieder einmal im Rahmen der dortigen Sommerkunstschule sich an Ausstellungen beteiligt. Natürlich erstanden wir auch zwei herrlich farbenfrohe Werke. Sie werden ihre Plätze unter unseren Arkaden finden.

Von Göd ging es auf die Szentendre-Insel, wo die Familie eines alten Freundes ein Haus besitzt. Die Szentendre – Insel trennt den schmäleren Donauwestarm vom östlichen Hauptstrom. Die Insel ist Bestandteil des Duna-Ipoly-Nationalparks.

Hier erwartete uns ein eisiger Wind, welcher unseren Aktivitätendrang stark einschränkte. Verbunden mit Sonne und Wolken zauberte er aber auch tolle Lichteffekte.

Den Abschluss unseres dreitägigen Programmes bildete der Besuch der Burg von Visegrad mit phantastischem Donaublick.

Mehr über die Burg lässt sich hier erfahren:
http://www.urlaubungarn.at/sightseeing/weiteresehenswuerdigkeiten-ungarn/burg-visegrad.html
Auf der Rückreise machten wir noch kurzen Halt in Esztergom, wo uns die Sankt-Adalbert-Kathedrale überraschte. Weniger überraschend, wenn man weiß, das Esztergom einmal die Hauptstadt Ungarns war.
Mehr Informationen hier:
https://de.wikipedia.org/wiki/Sankt-Adalbert-Kathedrale_(Esztergom)

Fotos: Rochus Gratzfeld Grafiken: Wikipedia


An der schönen blauen Donau (1)

Drei Tage zwischen Göd/ Ungarn und slowakischer Grenze

Rochus Gratzfeld

Ein Reisebericht von Rochus Gratzfeld, Salzburg & Sarród

Als Ausgangsort für unsere Streifzüge entlang der Donau haben wir Göd gewählt. Die Stadt liegt am linken Donauufer zwischen Vác und Budapest, rund 24 Kilometer nordöstlich der ungarischen Hauptstadt.

ANKUNFT

Wir erreichten unseren Ausgangspunkt mit der Fähre über die Donau. Ein einstimmender Beginn.

Quelle: Wikipedia

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Ein schönes und geräumiges Appartement bildete unser „Basislager“.

Gelegen im alten Ortskern mit Terrasse, für mich als Pfeifenraucher nicht ganz unwichtig, auch im Winter, vor dem Hintergrund des sauberkeitsgeruchsfanatischen Vermieters ein Muss. Wie sich vor Ort nicht ohne Unstimmigkeiten herausstellte. Letztere betrafen primär unsere Prinzessinnen. Aber egal. Es hat absolut gepasst. Und was kümmert es eine deutsche Eiche….

ERSTER TAG

Szigetmonostor.
Szentendre.

Szigetmonostor ist ein Dorf im Komitat Pest, Ungarn, auf der Insel Szentendre in der Donau nördlich von Budapest. Das meiste Frischwasser von Budapest stammte aus den Brunnen des Dorfes.

Unser
zentrales Ziel aber war an diesem Tag Szentendre. In den
Sommermonaten touristisch „überflutet“ trafen wir jetzt im
Winter auf einen belebten Ort mit weihnachtlicher Atmosphäre.
Überall Glühweinstände, einladende Kaffeehäuser und Restaurants
sowie viele Souvenirläden. Abseits der Hauptroute an der Donau
konnten wir durch beschauliche Gassen streifen.

Szentendre ist auch eine Stadt der Kirchen: „Von sieben Kirchen Szentendres sind noch heute vier im Besitz der serbisch-orthodoxen Kirche, nämlich die Kirchen Pozsarevacska, die Mariä-Verkündigungs-Kirche, die Preobrazsenszka und die Mariä-Entschlafens-Kathedrale, auch Saborna und Belgrad-Kathedrale genannt. Die Kirche St. Peter und Paul hat die römisch-katholische Kirche übernommen, die reformierte Kirche übernahm die Opovacska-Kirche und die Kirche zur Herabkunft des heiligen Geistes (Zbeška Crkva) die griechisch-katholische Kirche.“ (Quelle: Wikipedia)


“Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über das eigene Leben verloren.” (Karl Lagerfeld)

Oder: Von der Unkultur des Alltags

Rochus Gratzfeld

Von Rochus Gratzfeld, Salzburg und Sarród

Nein, nein. Früher war nicht alles besser.

Das sagen
nur alte Menschen.

Und du bist
noch nicht alt – bemerken meine Gedanken.

Früher gab
es noch Kultur.

Welche,
fragen meine Gedanken.

Ich stehe an
einer Bushaltestelle. Kiesel. Salzburg Stadt.

Ein junger
Mann ohne Migrationshintergrund stopft einen Döner in sich hinein.

Die weiße
Sauce läuft ihm aus dem Mund und erinnert an schlechte Pornos.

(Wenigstens etwas.)

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Ein anderer
speichelt bei diesem Anblick auf den Gehsteig.

Nein, nein.
Früher war nicht alles besser.

Das sagen
nur alte Menschen.

Und du bist
noch nicht alt – bemerken meine Gedanken.

Ich gehe
durch die Stadt. Durch Salzburg.

Eine junge
Frau schiebt mit einer Hand einen Kinderwagen, mit der anderen handymasturbiert
sie. Das Kleinkind schreit. Nicht lustvoll, by the way.

Eine andere,
ebenfalls junge Frau, lässt im O-Bus Einblicke in ihre Feuchtzonen zu. „Heute
will er mich in den Arsch ficken.“ (Handy.) Hoffentlich verwendet er ein Gummi.

Nein, nein.
Früher war nicht alles besser.

Das sagen
nur alte Menschen.

Und du bist
noch nicht alt – bemerken meine Gedanken.

Ich stehe an
einer Fußgängerampel. Grün. Ein Türken-BMW schafft es gerade noch, das Geschoß
zu stoppen. Der Sound aus den offenen Fenstern ist wohl in ganz
Elisabeth-Vorstadt zu hören.

Nein, nein.
Früher war nicht alles besser.

Das sagen
nur alte Menschen.

Und du bist
noch nicht alt – bemerken meine Gedanken.

Derweil
landen Kippen auf der Straße, wird gerotzt, fliegen Pizzaverpackungen aus
Autos.

Nein, nein.
Früher war nicht alles besser.

Das sagen
nur alte Menschen.

Und du bist
noch nicht alt – bemerken meine Gedanken.

Auf einem
Parkplatz streckt ein Mann der Öffentlichkeit seinen Arsch entgegen.

“Wer eine
Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über das eigene Leben verloren.”
(Karl Lagerfeld)

Karl
Lagerfeld war nicht der Meine. Dennoch konnte und wollte ich mich der Faszination
seines Genies nie ganz entziehen. Auch Mode war nie die Meine. Ich habe meinen
eigenen Stil gefunden. Der ist preisgünstig. Überwiegend. Und durchgängig.
Meist schwarz. Ohne Löcher in den Hosen. Gerne auch Leder. Aber kein
Heimatleder. Mag ja auch nicht dieses Tittenpräsentationsgewand, obwohl ich
Brüste liebe.

Was ich –
wie zu Lebzeiten Karl Lagerfeld – verachte, ist Unkultur. Ist Nachlässigkeit.
In vielen Facetten. Ist Belästigung. Einen Menschen, dem ohne Not der Arsch aus
der Hose rutscht, kann ich jedenfalls nicht ernstnehmen. Genau so wenig
übrigens, wie einen Menschen, der – ohne Not – im Gehen isst, sollte ich besser
sagen frisst? Der auf den Gehsteig rotzt, der mitmenschliche Kommunikation
durch ein Handy ersetzt.

Nein, nein.
Früher war nicht alles besser.

Das sagen
nur alte Menschen.

Und du bist
noch nicht alt – bemerken meine Gedanken.

Früher gab
es noch Kultur.

Welche,
fragen meine Gedanken.


Lost Places

Vernissage in der Academy Bar, Salzburg, 12. 11. 2019

Ich begann sehr früh, mich mit verlassenen Orten zu beschäftigen. Damals. Als ich noch ganz jung war. Im Ruhrgebiet. Kioske. Zechen. Halden. Hochöfen. Fabrikhallen. Kneipen. Arbeit. Schwerstarbeit. Suff und Rauch.

Rochus Gratzfeld

Von Rochus Gratzfeld, Salzburg und Sarród

Diese Leidenschaft hat mich bis heute nicht losgelassen. Also fotografiere ich immer noch verlassene Orte. Deren Atmosphäre fasziniert mich. Die entstandenen Bilder bearbeite ich digital, überzeichne die Farben ins Unwirkliche. Betone so die Mystik. Meine aktuellen Fotowerke sind in Österreich, Ungarn und in der Slowakei entstanden.

Das ich für meine Ausstellung LOST PLACES eine Bar ausgesucht habe, hat etwas mit Edward Hopper zu tun.

Edward Hopper (* 22.
Juli
1882 in Nyack, New York;
15. Mai 1967 in New
York City
,
New York) war ein amerikanischer Maler des Amerikanischen Realismus. Hoppers in kühler Farbgebung gehaltene realistische
Bilder weisen auf die Einsamkeit des modernen Menschen hin. Er gilt als Chronist der amerikanischen Zivilisation. Bars
sind besuchte Orte der Verlassenheit. Individueller Verlassenheit. Auch, wenn
Hoppers bekanntestes Werk – „Nighthawks“ (Nachtschwärmer), entstanden 1942, 14
Jahre vor meiner Geburt – keine Bar zeigt. Einen Imbiss. Dennoch. Es könnte
auch eine Bar sein. Bars sind Orte individueller Einsamkeit, welche sie
temporär aufheben können.
LOST PLACES. Zu dieser Einschätzung möchte ich Hopper zitieren: „Kunst ist der äußere Ausdruck
eines inneren Lebens im Künstler, und dieses innere Leben prägt seine
persönliche Sicht.“

In meinem Buch Erotische Lyrik >, erschienen im Verlag rot&licht, Berlin, schreibe ich:

Genf

Taxi kommt nicht im Regen.
Wein für 3 Franken.
Gehe rein.
Wein für 3 Franken.
Setzt sich vor mich auf den Hocker.
Taxi kommt nicht im Regen.
Wein für 3 Franken.
Schwarzes Knie drückt weissen Schwanz.
Gehe raus und zu Fuss.

Ganz frugal, aber unheimlich fooderotisch, endete der Abend dieser Vernissage für meine Frau und mich am Würstelstand. Ging einfach nicht anders.

Meine Schwerpunkte im Schaffen mit der Kamera: Landschaften, Portraits, weibliche Akte, Sozialstudien in Bild & Wort. Meine letzte Ausstellung hierzu endete am 8. November im Schloss Mirabell (Starke Frauen in Salzburg >), für 2020 ist eine Open Air Ausstellung in Vorbereitung.

Die Ausstellung LOST PLACES kann noch bis einschließlich 5. Dezember zu den Öffnungszeiten der academyBar besucht werden.

Lost Places in der Dorfzeitung >
Rochus Gratzfeld in der Dorfzeitung >