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Von Seli+Kat | Thomas Selinger (Cartoon) und Karl Traintinger (Text)

Donald Trump. Und.

Donald Trump. Und.

 

Die Gedanken kreisen um ein Alphamännchen. Eigentlich hat er ein Alter erreicht, in dem Jungbullen längst die ersten Angriffe probieren würden. Aber er ist noch stark. Auch, weil Geld potent macht. Die Eier dicker. Und den Schwanz bei Bedarf hart. Ich bin sicher. Wäre er nicht als Milliardär geboren worden, er hätte sich auch in einer Streetgang durchgesetzt. Brutal. Rücksichtslos. Trump first.

Jetzt gilt America first. Der Rest der Welt gehört gefickt. Wie die Frauen.

Europa hat er sich als erstes ausgesucht. Mit dieser für ihn unattraktiven Kanzlerin an der Spitze Deutschlands. Europa will er flach legen. Fertig machen. America first. Dabei macht er noch nicht einmal vor UK halt. Eben auch eine für ihn unattraktive Kanzlerin. Und die Queen. Bereit zur Feuerbestattung. Ohne sonstigen Respekt.

Marschall Plan? Das Bollwerk gegen die verhassten Kommunisten im Osten Europas? Geschissen. Putin will er anders fertig machen. High noon. Er braucht Europa nicht mehr. Ein lästiger Zwerg aus der Vergangenheit mit störender Wirtschaftsmacht. Das macht den Bullen wütend.

Schnitt

Und.

Putin. Die Anzahl seiner öffentlich präsentierten Erektionen ist zahllos. Er ist so reich wie Trump, so mächtig, aber ist Trump vor allem in einer Eigenschaft überlegen: Er ist intelligenter. Europa ist ihm nicht egal. Im Gegenteil. Seine Strategie: Spaltung. Seine Mittel: Medien. WWW. Ab und an die Demonstration militärischer Stärke. Er will Teile Europas zurück ins Reich. Und Länder wie Österreich und Ungarn öffnen bereits willig ein wenig die Beine. Auch die AfD in Deutschland scheint zum Koitus zu gegebener Zeit bereit.

Schnitt

Trump und Putin werden die Zukunft Europas bestimmen. Wenn nicht Europa united wird. Die Schritte dazu wären in der Theorie keine ganz großen, erscheinen aber in der gegenwärtigen Praxis fast nicht machbar. Zu viel Uneinigkeit, zu viele Probleme, die eigentlich keine sind, aber von egoistischen Politikerinnen und Politikern schamlos der Befreiung Europas wie Knüppel zwischen die Beine geworfen werden. Migration ist dabei das große Thema auch kleinster Kanzler, wie dem Österreichs oder Ungarns. In Deutschland macht ein Seehofer in der Politgeriatrie kaputt, was nur kaputt zu machen ist.

Schnitt

Ende

Gedanken aus Bleistift.
Von Rochus Gratzfeld, Salzburg und Sarród.


Danubia Meulensteen Art Museum

Danubiana Meulensteen Art Museum

Obgleich wir früh losgefahren waren erwartete uns bei der Ankunft bereits brütende Hitze. Die Luftfeuchtigkeit lag bei fast 100%. So glaubten wir uns also in Asien und nicht 20 km von Bratislava entfernt, auf einer Donauinsel.

Rochus GratzfeldVon Rochus Gratzfeld, Salzburg & Sarród

Alles in mir schrie nach Kühle. Nach Klimaanlage. Dennoch beschlossen wir, uns zunächst den Skulpturenpark anzusehen. Immer entlang des Wassers in einem gepflegtem, aber schattenlosen Parkgelände. Kurze Rast mit Fruchtbowle. Erfrischend.

Dann herein ins tatsächlich klimatisierte Museum. Dennoch heiß. Es überwogen Exponate der Sammlung Meulensteen. Gerhard Meulensteen aus Eindhoven gründete diesen Kunstort zusammen mit Vincent Polakovic, einem slowakischen Galeristen. Wie gut, dass sich die Gleichgesinnten trafen!

Was uns im Inneren besonders beeindruckte? Die Ausblicke nach außen. Einzigartig. Über Innenkunst zu Außenskulpturen auf die Donau. Da wird wieder bewusst, welche Chancen die Verantwortlichen in Salzburg weggeworfen haben, als sie das Ansinnen der Stiftung Guggenheim kurzsichtig verwarfen.

Danubiana Meulensteen Art Museum

Noch mal raus. Aufs Dach. In die fetzt fast unerträgliche Hitze. Skulpturen und eine phantastische Sicht auf die Donau bis nach Bratislava und die dort beginnenden Karpaten.
Hunger auf Kunst gestillt. Hunger.

Gleich gegenüber, auf dem „Festland“, eine Marina. Klein, aber fein. Der Lunch: hervorragende Küche. Ungarisch mit mediterranen Akzenten bei aufmerksamem Service.
Ein gelungener Ausflug!

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Danubiana Meulensteen Art Museum
Adresse: Vodné dielo Slovensko, 851 10 Bratislava-Čunovo, Slowakei
Öffnungszeiten:
Montag: Geschlossen
Alle anderen Tage: 10:00–18:00


Erotik

Gibt es Erotik auf einer dermatologischen Männerstation?

Eindrücke eines Tagesaufenthaltes.

Nein, gibt es nicht. Und mit diesem Statement könnten sich die Gedanken wieder zur wohlverdienten Ruhe begeben. Denn die brauch ich ein wenig.

ErotikAber sie wollen doch noch ein wenig schweifen. Die Gedanken. Jedenfalls wurde ich vor exakt einer Woche zum ersten Mal operiert. Hier in Salzburg. Ein Basaliom an der Nase hatte beschlossen, zurückzukehren. Es wurde entfernt. Für gutartig befunden. Zum Glück. Heute die zweite Operation zur Schließung der Wunde und zur Wiederherstellung meiner relativen Schönheit. Einbestellt wurde ich auf exakt 8 Uhr in der Früh. Mir sollte ein Bett zugewiesen werden, was ich nachdrücklich verweigerte.

Nun denn. Jetzt begann es hoffnungsvoll. Eine junge, nach herkömmlichen Standards attraktive, Assistenzärztin begrüßte mich mit der Aufforderung, mich bis auf die Unterhose zu entkleiden.

Hoffnung keimte auf. Forsch entgegnete ich, dass ich doch auch bitte die Unterhose ausziehen möchte. Ihr fragender Blick erweckte bei mir Verständnis. Gut, es ging um meine Nase, nicht um meinen Johannes. Damit hatte ich auch alles vermasselt. Die Nase? Offensichtlich, antwortete ich, diese mit dem Verband versehen ihr entgegenstreckend. Ja dann brauchen sie sich ja gar nicht auszuziehen. Wie Recht sie hatte.

Was nun folgte war eine unaufgeregte Wartezeit von exakt 5 Stunden und 30 Minuten. Endlich, endlich dufte ich mich in den Klink-Look werfen. Dieses sexy Hemdchen, hinten offen, die liebreizende grüne Haube. Happy! Etwas verwirrte mich ein Armband, welches mir en passant angelegt wurde. Ich fragte, ob dies im Fall meines Ablebens zur Leichenentsorgung dienen würde. Das Schwesternlächeln war gequälte Antwort. Die OP selbst verlief zutiefst einfühlsam durch einen Oberarzt, für den ich ebenso wie für sein Team nur lobende Worte finden kann. Bravo!

Jetzt doch noch für zwei Stunden ein Bett. Bis zur Endkontrolle. Ein älterer Zimmergenosse ging unten ohne, na jedenfalls nur spärlich bedeckt durch eine Art Netz, umher, ein fürsorglicher Pfleger mit Bodybuilding-Vergangenheit hatte die Hosenbeine aufgekrempelt und eine offensichtlich dominante Schwester mit Dutt und strengem Blick hielt Wache. Das war´s.

Ein freundlicher junger Mann fragte mich, ob ich noch einen Wunsch hätte. Bewusst oder unbewusst vermied er das Wort „letzten“. Ich hatte einen: Nix wie weg!

Von Rochus Gratzfeld, Salzburg und Sarród


Hass by Rochus Gratzfeld

Eine Milliarde. Gegen Hass.

Eine Milliarde Euro gegen Hass. Jetzt. Sofort. Ohne Zögern. Ohne diskutieren.

SCHNITT

Wien. 2017. Zum 9. Mal lebenswerteste Stadt der Welt. Was macht eine Stadt zur Stadt der Städte. Hass?

SCHNITT

Im Kongo geboren. In der Stadt der Lebenswertigkeit aufgewachsen. Weiblich. Migrantisch. Rot. Neue stellvertretende Bezirkschefin im 1. Wiener Bezirk. Letzteres macht sie zur Negerin. Zu einer, die wir hier nicht brauchen. Wir sind wir und wer wir sind, bestimmen wir. Hass!

SCHNITT

In Österreich belaufen sich die Wertschöpfungen des Tourismus auf ungefähr 17 Milliarden Euro, was einem Anteil am Bruttoinlandsprodukt von rund 5% entspricht. Da sind uns auch „Negerinnen und Neger“ willkommen. Auch die gerne verteufelten Muslima und Muslime. Verschleiert oder nicht. Egal. Geld stinkt nicht. Hauptsache sie gehen wieder. Hass?

SCHNITT

Wohlstand durch Einwanderung. Eines ist klar: Österreich ist ein Einwanderungsland. Diesem Umstand verdankt die Republik zu einem großen Anteil sein wirtschaftliches Wohlergehen. Dennoch steht die gegenwärtige Regierung Zuwanderung zutiefst ablehnend gegenüber. Und große Teile der Bevölkerung loben den, der eigentlich seit Beginn seiner Amtszeit nur den Satz wiederholt, mit dem er zum Kanzler wurde: „Ich habe die Balkanroute geschlossen!“ Mit Natostacheldraht. Verlegt, wie einst die Absperrungen am Eisernen Vorhang. Und er posiert auch noch stolz davor. Hass?

SCHNITT

Hass wird im Elternhaus weitergegeben. Setzt sich fort in Schulen. In der Ausbildung. Wird auf den Kanzeln der Kirchen gepredigt. Hass ist allgegenwärtig. Die, die hassen, wissen aber meist nicht warum. Es sind Lemminge, die Hassbotschaften als heilbringend interpretieren.

SCHNITT

Eine Milliarde Euro gegen Hass. Jetzt. Sofort. Ohne Zögern. Ohne diskutieren.
Ich fordere ein Sofortprogramm der EU.
Eine Milliarde Euro gegen Hass. Jetzt. Sofort. Ohne Zögern. Ohne diskutieren.
Angelegt auf zunächst 3 Jahre.
Zu investieren in Aufklärung.
Gegen Hass: Politische Bildung.

Hass by Rochus Gratzfeld

Rochus Gratzfeld: salzburgANDERS

Text + Foto by
Rochus Gratzfeld.
Salzburg und Sarród
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2017 Foto: Rochus Gratzfeld

RECHTS SCHWENKT MARSCH

Oder: Von der blauen Erotik der Braunen

Innenministerium braun. Verteidigungsministerium braun. Und als Zugabe ein braunes Ministerium für Heimatschutz. Macht euch schon mal nackig, liebe Österreicherinnen und Österreicher. Es brechen nämlich heiße Zeiten in eurem Land an. Aber das hat die Mehrheit ja so gewollt. Ja, genau so!

Rochus Gratzfeld2017 Foto: Rochus GratzfeldVon Rochus Gratzfeld,
Salzburg und Sarród
 

Die technischen Grundlagen für einen Überwachungsstaat stehen. Sie werden weiter ausgebaut und vor allem umfangreich eingesetzt werden.

Da geht es nicht darum, wohin ihr pinkelt, es geht auch nicht darum, ob ihr im Wald vögelt. Aber es geht darum, mit wem ihr vögelt.

Es geht um eure sozialen Beziehungen, eure Netzwerke, eure politischen Ansichten.

Die Einschränkungen des Demonstrationsrechtes wurden bereits in der jüngeren Vergangenheit angedacht. Jetzt werden sie kommen. Und im Sinn der inneren Sicherheit durchgesetzt werden. Ach, dass betrifft euch nicht? Wer den Kopf in den Sand steckt wird leicht von hinten gefickt. Genießt es. Nächtlicher Besuch von der Polizei. Verdammt noch mal euer Problem, wenn ihr das nicht erotisch findet.

Schengen. What the hell is that? Grenzkontrollen werden nicht ab- sondern ausgebaut werden. Na ja, die Wartezeiten könnt ihr ja für Sex im Auto nutzen. Oder für einen Talk mit anderen Wartenden. Ergeben sich ja vielleicht neue Bekanntschaften.

Die Sache mit den Flüchtlingen wird sich erledigen. Notfalls mit Hilfe des Militärs. Dessen Einsatzfähigkeit ist zwar mangelhaft, wird dafür aber reichen. Medien- und Meinungsfreiheit werden eh überschätzt. Chatten im Sexroom bleibt euch, BDSM wird durch Degenspiele bereichert.

Wäre da nicht der Bundespräsident. Der kann sozusagen noch ein Kondom über die Braunen ziehen. Aber das schützt bekanntlich nur unzureichend.

Kurz. Den hab ich ganz vergessen. Der glaubt, das skurrile Stück zu dirigieren. Selbstverliebt. Bis sie ihm den Taktstock brechen.


Eingegrenzt by Rochus Gratzfeld

Ministerium für Heimatschutz

Heimatschutz. Das, worum es geht, ist gruselige Propaganda unter dem geschichtsträchtigen Namen von etwas, was einen anderen Namen verdient.

Rochus GratzfeldVon Rochus Gratzfeld, Salzburg und Sarród

Sollte dieses Ministerium in Österreich tatsächlich eingerichtet werden – wir besitzen ja bereits ein BUNDESAMT FÜR FREMDENWESEN – vollzieht die kommende Regierung den ANSCHLUSS an die Vergangenheit. Aus nicht fremden – aber verteufelten – Juden werden fremde Andere. Ein derartiges Ministerium hätte nur einen Zweck: Angst verbreiten!

Angst ist ein guter Nährboden für Nationalismus und Fremdenhass. Angst macht es leicht, die Medien zu regulieren. Angst macht es leicht, demokratische Rechte einzuschränken.

Angst macht Polizei und Militär stärker, das Volk schwächer.

Also. Nennen wir das Kind doch beim Namen: ANGSTMINISTERIUM. Und sollte H.C. Strache dieses Ministerium übernehmen, soll er bitte ANGSTMINISTER heißen.


Kornblume

Offener Brief

Liebe Kinder und Kindeskinder!
Vielleicht werdet ihr eines Tages eure Eltern und Großeltern fragen, wie das so war, im Jahr 2017 in Österreich. Als sie einer schwarz-blauen Regierung durch ihre Stimmen das Tor zur „Dritten Republik“ öffneten. Ob es ihnen denn wirklich so schlecht gegangen sei.

Rochus GratzfeldVon Rochus Gratzfeld, Salzburg und Sarród

Und ob die Flüchtlinge wirklich eine große Bedrohung für Stabilität und Wohlergehen Österreichs gewesen wären. Und ob es stimmt, dass jeder im Jahre 2017 seine Meinung frei äußern durfte. Dass es kritischen Journalismus und eine unzensierte Presse gab. Dass ein Gesundheits- und Pensionssystem existierte, von dem alle Menschen profitierten. Dass Menschen nicht erst mit 70 in Pension gehen mussten. Dass Kindergartenplätze kostenfrei, so wie nahezu die gesamte Bildung, waren. Dass es weitgehend Bewegungs- und Niederlassungsfreiheit gab. Dass nicht täglich eine Stunde Übungen zur Ertüchtigung der Wehrfähigkeit auf dem Schulprogramm standen. Dass der Tag nicht überall mit dem Singen und Spielen der Nationalhymne begann. Dass Parteizugehörigkeit nicht Voraussetzung für berufliche Karrieren war. Dass Familienförderung nicht die Ehe und das Zeugen von mindestens zwei reinrassigen Kindern voraussetzte. Dass Frauen gleichberechtigt mit Männern waren. Dass homosexuelle Menschen zur Gesellschaft gehörten.

Ihr werdet sie vielleicht fragen, ob sie denn nicht wussten, dass sie einem Egomanen, Nazis, Neonazis und Burschenschaftlern das Parlament übergaben. Dass sie das Kapital förderten und die breite Masse der Bevölkerung schwächten. Dass sie euch die Zukunft verbauten.

Eure Eltern und Großeltern werden genauso reagieren, wie es meine Eltern und Großeltern vor langer Zeit taten. Sie werden sagen, sie hätten doch nichts gewusst. Und damit so schrecklich lügen, wie es meine Eltern und Großeltern taten. Vor langer und doch so kurzer Zeit. Sie werden lügen, denn sie haben alles gewusst. Sie wählten Blau, werden sie sagen, aber sie wählten Braun – nur die Kornblume war blau. Aber sie haben wie die berühmten „Drei Affen“ gehandelt: Nichts gesehen, nichts gehört, nichts gesagt. Denn sie waren egoistisch. Sie wollten Veränderung um der Veränderung willen. Sie waren satt, aber nicht zufrieden. Sie wollten nicht teilen, nichts abgeben. Sie vergaßen die Errungenschaften, die ihnen der Mauerfall und der Beginn eines freien Europas gegeben hatten. Sie huldigten dafür lieber wieder dem Nationalismus in all seiner Enge. Dass sie dabei noch den Untergang der Grünen – und damit „Grüner Werte“ – feierten, es zeigt, wie wenig sie sich um eure Zukunft scherten. Euren Müttern und Großmüttern wurden die Freiheiten der Emanzipation gleichgültig. Sie gaben das Recht auf, über ihren eigenen Körper zu entscheiden.

Also, liebe Kinder und Kindeskinder, es ist traurig aber wahr: Eure Eltern und Großeltern haben sich schuldig gemacht. Damals. 2017 in Österreich.

Nachwort
Niemand kann in die Zukunft schauen, auch ich nicht. So wünsche ich mir sehr, dass das Kommende meinen Brief ad absurdum führen wird. Und den Kindern und Kindeskindern wünsche ich das Beste. In der hoffentlich bleibenden „Zweiten Republik“.


Rochus Gratzfeld Angst

Fürchte Gott, flatter nicht!

Fürchte Gott, flatter nicht!

So pflegte vor einem halben Leben unser damaliger Statistik-Professor die Prüfungen einzuleiten.
Nun denn.
Müssen wir heute flattern?
Müssen wir, wenn nicht Gott, so viel Anderes fürchten?

Rochus Gratzfeld: salzburgANDERSVon Rochus Gratzfeld

Können wir uns im eigenen Land, in Europa, in der Welt nicht mehr sicher fühlen?
Ich fühle mich sicher und möchte mich nicht verunsichern lassen. Allerdings: Sicherheit ist höchst relativ und wird individuell erfahren. Auf den Tag genau – nachdem ich die Al-Ghriba-Synagoge auf Djerba in 2001 besuchte – erfolgte 2002 der fürchterliche Anschlag. In Budapest liebte ich es so um die gleiche Zeit in einem Kaffeehaus zu sitzen. Am Rand. Abends. Dort gab es auch einen Papierkorb. Zwei Wochen, nachdem ich das letzte Mal dort verbrachte explodierte in eben diesem Korb eine Bombe. Ich habe die Anschläge der RAF im Raum Frankfurt als junger Mann hautnah mitbekommen. Die Hysterie dieser Zeit. Ich habe mich nicht verunsichern lassen. In London explodierte vor einem Hotel eine Bombe, kurz nach dem ich abgereist war. Ich bin weiter gereist. Weniger spektakuläre Phänomene haben mich verunsichert. Die polizeilichen “Blogwächter” und privaten Spione, in der ehemaligen DDR, in die ich immer wieder reiste, und bei meinen Besuchen in China. Seit all dem ist viel Zeit vergangen. Art und Umfang der Bedrohungen haben sich qualitativ und quantitativ verändert. Nein, durch die Sahara würde ich nicht mehr reisen. Der gesamte Nahe Osten kann mir gestohlen bleiben. Erdogan und seine Spitzel, ja, das verunsichert mich. Das “Totmachen” von Meinungen. Ja, das beunruhigt mich, ekelt mich. Anschläge in ganz Europa haben zugenommen, obgleich wir statistisch auf der Time Line der letzten Jahre noch keinen Rekord verzeichnen – zum Glück! Der staatliche Kontrollwahn in Österreich, die staatliche Radikalisierung in diesem Land. Das will ich nicht. Dagegen kämpfe ich mit meinen Mitteln. Mit dem Bleistift.

Wirklich fürchten? Ja, ich fürchte mich vor Donald Trump. Vor Kim Jong-Un. Denn gegen die bin ich nun wirklich machtlos.

Und ich fürchte mich zusammen mit den Menschen, die Kurz & Co in das vermeintlich sichere Afghanistan zurücksenden (möchten). Allein in dieser Woche starben dort bei Terroranschlägen mehr als 200 Unschuldige.

Hat also die Zeit der Furcht eingesetzt? Ich sage klar NEIN. Eingesetzt hat aber die Zeit der Wachsamkeit. Der Wachsamkeit gegen die Furcht und deren fatale Konsequenzen. Die Grenzen unserer Freiheiten sind enger geworden. Dort, wo sie weit sein könnten, bauen wir wieder Zäune und Mauern. Ich korrigiere mich. Lassen die wieder Zäune und Mauern bauen, die glauben, vom allgemeinen Flattern politisch profitieren zu können. Eine fatale Entwicklung, aus der Kurz, Strache & Co Profit geschlagen haben. Die gerade geschlagene Wahlschlacht in Österreich ist ein trauriger Beweis. Der Untergang der Grünen ein Beleg für veränderte Werte – unabhängig von den vielen Fehlern, die die Partei selbst zu verantworten hat. Die liebe Eva ist daran ebenso mitschuldig wie die wortbrüchige Wiener Vizebürgermeisterin. Ulrike Lunacek ist kein Vorwurf zu machen. Außer, dass sie eine miserable Wahlkampagne mitgetragen hat und viel zu wenig ihre eigene höchst kompetente Persönlichkeit dem Männchen Kurz und dem Wehrsportler Strache entgegengesetzt hat. Sie wäre später für mich eine ideale Nachfolgerin des hervorragend agierenden Van der Bellen.

Der Sieg des Abtrünnigen Egomanen Pilz, der den Grünen quasi als Gero-Torero den Todesstoß versetze, passt ebenfalls ins Bild. Einer, der Kontrolle verspricht. Ein Führer abseits vom Rightstream. Sozusagen ein volksgewollter Gegenpol zum Machtduo KurzStrache. Versehen mit den gleichen Genen.

Kern. Um noch einen Augenblick bei den Wahlen in Österreich zu bleiben. Er hat mich zutiefst enttäuscht. Nicht wegen der peinlichen Auftritte als Pizzabote. Nein, gerade jetzt in diesen Tagen. Mit seinen verzweifelten Versuchen, an der Macht zu bleiben, statt wie Martin Schulz in Deutschland sofort und proaktiv in die Rolle einer starken Opposition die SPÖ zu führen. Pfui, die Anbiederung an die FPÖ.
Fürchte Gott, flatter nicht.


Wald will Kunst - Rochus Gratzfeld

WALDwillKUNST

Sarród ist ein kleines Dorf in Ungarn, gelegen nahe dem Neusiedlersee. Als der seine größte Ausdehnung hatte, war Sarród einstmals ein Ort mit Hafen. In den Zeiten des „Kalten Krieges“ – unter Kontrolle der damaligen Sowjetunion – wurde der Ort von der Landkarte gelöscht. Sollte einfach nicht vorhanden sein. Zu nahe an Österreich. Zu verlockend als Ausgangspunkt für eine Flucht in den Westen.

Rochus Gratzfeld: salzburgANDERSVon Rochus Gratzfeld, Salzburg und Sarród

Heute ist Sarród ein vergleichsweise wohlhabender Ort. Gelegen im Viereck Wien – Sopron – Györ – Bratislava. Viele Österreicherinnen und Österreicher haben sich hier einen Zweitwohnsitz geschaffen. So auch wir.

Kunst und Kultur haben in Ungarn einen hohen Stellenwert. Wenngleich deren Inhalte regimebedingt einem stetigen Wandel unterworfen waren und sind. Dennoch. Jede Stadt sowieso und sogar jedes Dorf haben ein kulturelles Zentrum, bieten nicht nur Volkskunst. So finden beispielsweise in Sarród in jedem Sommer Kunstwochen statt, die zu den unterschiedlichsten Themen Workshops für junge und weniger junge Interessierte anbieten.

Meine Frau, Sonja Schiff, und ich, beide sind wir kunstinteressiert und kunstschaffend. Neben der eigenen Kunst hat es uns seit unserem Miteinander immer interessiert, anderen Künstlerinnen und Künstlern Raum zu bieten. So gründeten wir in Salzburg die WANDERGALERIE. Sie sollte leerstehende Gebäuden zu Leben auf vorgegebene Zeit erwecken. Ein Höhepunkt war die Organisation und Veranstaltung eines Streetart-Events in einem Abbruchhaus in Elisabeth-Vorstadt. Schließlich scheiterten wir aber an den Auflagen der Stadt, die wir weder erfüllen konnten noch wollten. So gehört die WANDERGALERIE der Vergangenheit an.

WALDwillKUNST

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Nun gut. Was lag näher, als unseren Streckhof nebst dazugehörigem Wäldchen zu einem Ort der temporären Kunstpräsentation aufzubauen. In diesem Sommer haben wir damit begonnen. Mit Erfolg, aus unserer Sicht und Wohl auch aus Sicht der Teilnehmerinnen und Teilnehmer, aus Sicht der Besucherinnen und Besucher. Wichtig war es uns, zum Auftakt eine bunte und internationale Mischung von Künstlerinnen und Künstlern zur Teilnahme motivieren zu können. So präsentierten dann folgende Künstlerinnen und Künstler bei uns ihre Werke:

Barbara Ambrusch-Rapp, Villach
István Bessenyei, Sarród
Sári Ember, Budapest
Rochus Gratzfeld und Michaela Gründler, Salzburg und Sarród (Gemeinschaftsarbeit)
Rochus Gratzfeld, Salzburg und Sarród
Helmut Krenn, Salzburg
Sabine Kristman-Gros, Landau
Bernhard Meyer, Darmstadt
Sonja Schiff, Salzburg und Sarród
Ronni Zettner, Saltillo México

Unterstützt wurden wir bei Vorbereitung und Durchführung von der jungen Kunsthistorikerin Orsolya Mácsadi aus Sopron, die auch alle Übersetzungsarbeiten ehrenamtlich erledigte.

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Einen Eindruck von den Werken und der Veranstaltung vermitteln die Fotos (Alle Fotos Rochus Gratzfeld und Orsolya Mácsadi.)

WALDwillKUNST 2018

In 2018 wird WALDwillKUNST fortgeführt. Im Juli oder August. In Sarród. Ein Termin steht noch nicht fest. Künstlerinnen und Künstler können sich wie folgt einbringen:

– Malerei, Zeichnungen
– Fotografie, Fotografik
– Installationen
– Objekte
– Skulpturen (Stahl, Stein, Holz, Ton)
– Lesungen
– Musik, Gesang
– Tanz
– Performance

Ganz besonders freuen würden wir uns über Beiträge von Menschen mit Migrationshintergrund und von Roma und Sinti.
Möge es gelingen!


Kurz. Wundermann in Blau

Kurz. Wundermann in Blau

Letzten Sonntag habe ich mir wieder die Krone der Zeitungen auf meine Weise besorgt.
In der Beilage ein Portrait des Mannes in Blau, der vielleicht der jüngste Kanzler Österreichs werden wird. Des Mannes, der viel redet, aber eigentlich nichts sagt.

Rochus Gratzfeld: salzburgANDERSVon Rochus Gratzfeld, Salzburg und Sarród

Wie oft üblich, beginnt die Krone ihren Bericht, der wohl die Absicht hat, den Wählerinnen und Wählern den unpersönlichen Kandidaten persönlicher zu machen, mit – nennen wir es einmal – einer Übertreibung: Auf dem Bauernhof seiner Oma sei der Bub aufgewachsen. Na ja, aufgewachsen? In den Ferien war er dort. Und an Wochenenden. Und das wohl auch nur manchmal. Ist ja o.k., normal. Aber eben die Story will anders. Will den Heimatburschen vermitteln, dem aus meiner Sicht Heimat am dünnen Arsch vorbeigeht. Wie eigentlich alles. Ja und dann noch der Versuch, den Knaben ohne Abschluss zum eigentlichen Mann mit Abschluss zu machen, zum verhinderten Juristen, der offenbar auf die letzten zwei Prüfungen zum Wohle des Volkes der Republik verzichtet hat. Amen! Aber Glaube soll ja selig machen.

Jedenfalls suche ich den Menschen. Gehe als optischer Mann zunächst die Bilder durch. Kurzblau. Die Farbe der Kälte. Große Ohren können über schmale Lippen nicht hinwegtäuschen. Emotionslose Fotos im Kreis der Familie. Da ist nichts. Rein gar nichts.

Der Text. Wieder nichts. Blablablablabla. Zwischen Blablablablabla eingestreut belanglose politische Statements.

Wer nach Emotionen sucht, nach Begeisterung, nach Verlangen, ja ganz einfach nach Hirn und Hoden, der findet nichts. Geschwafel um Fleiß und Einsatz ersetzen Empathie und Leidenschaft. Hemd bis auf den letzten Knopf geschlossen. Hände in den Hosentaschen, dort, wo er noch nicht einmal nach Bällen sucht.

Die Beilage kommt dahin, wohin jede Kronenzeitung bei mir landet: Zum Anmachholz für den Kachelofen. Der erzeugt wenigstens Wärme, der Kachelofen.

Ach ja, welchen Brennwert ich dem Kurzblau gebe….wird nicht lange vorhalten. Aber zurück zu Katzen und Ziegen kann er ja dann immer noch. Sofern die Oma ihn nicht enterbt. Aber viel kaputt machen kann er, um am Ende dann zu sagen „Ich war zu schön, zu intelligent, zu….“. Aber das hatten wir ja auch schon.


Fromleichnam, Schloss Anif

Fronleichnam adelig

Im Wasserschloss Anif gab sich zu Fronleichnam wieder der Adel – upps, der bereits 1919 in Österreich abgeschaffte Stand – die Ehre. Und dem gemeinen Volk das Vergnügen, „höfisch“ Leib und Blut Jesu Christi verzehren zu dürfen.

Von Rochus Gratzfeld

Wieso kommt mir da gerade Hermann Nitsch in den Sinn? Egal. Jedenfalls im Angesicht des omnipräsenten Untersberg. Im an Atmosphäre reichen Schlossinnenhof. Manche so ergriffen, dass sie mit nackten Knien auf dem Kopfsteinpflaster den Worten des etwas trockenen Pfarrers lauschten.

Das Wetter göttlich. Die Location zauberhaft. Kitschig schön. Aber eben richtig schön. Der Hausberg erhaben. Als hielte er inne. Oder Wacht.

Die Prozession, angeführt von der Bürgermeisterin, zog mit Musik von der Dorfkirche durch den Englischen Garten. Keine Böllerei. Bravo! Dirndl und Lederhosen, feine Tracht.

Kein touristisches Ereignis. Wohltuend.

Ich war dabei. Durchaus berührt. So und so. Im ledernen Beinkleid. Lang. Ohne schmückendes Messer.

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GRENZDUMMBLAUSCHWARZ

Vorab. Ich versteh es nicht.
Tu mich immer schwer mit dumm.
Pamhagen.
ZwergGrenzÜbergang.
Zu Ungarn.
Pamhagen. Österreich. EU.
Ungarn. EU.
ZwergGrenzÜbergang.
Na jedenfalls stehen da seit GRENZDUMMBLAUSCHWARZ.
Container.
Darin oder davor hockt die Exekutive.
Fesch meist.
Mädels und Buben in Uniform.
Die machen manchmal auf Kontrolle.
Nicht zu Mittag. Da machen sie auf Leberkäs. Also warmen vom Spar aus Wallern.
Den bringt der polizeiliche Jausenexpress ohne Blaulicht, dennoch pünktlich.
Also vernichten. Tun sie den Leberkäs. Da gehen sich Kontrollen nicht aus.
(Flüchtlinge: Mittags pünktlich Übergang frei.)….Ich habe nichts gesagt.
Aber morgens. Da sind sie aktiv. Im Mini-Berufs-Verkehr.
8.
Richtig gelesen.
Acht Fesche stehen dann da. Bereit zu. Was weiß ich.
Ob sie schon Flüchtlinge gefangen haben? Fürchte die Bilanz zeigt.
0.
0 für null wie O für Orgasmus.
Sorry.
Jedenfalls kontrollieren dann 4.
Fesche auch die Ausreise von Österreich nach Ungarn.
Offensichtlich auf der Suche nach Flüchtlingen, die von A nach HU wollen.
Dümmer geht nimmer.
Flüchtlinge, die von A nach HU wollen sind.
Entweder dement.
Entweder am Rinderwahn erkrankt (Muslime, nix Schwein).
Entweder desorientiert.
Folge: Einfangquote gleich.
O.
Hatten wir schon.
GRENZDUMMBLAUSCHWARZ.
Wer mag.
Kalkulation.
8.
Fesche.
2.
Stunden täglich.
Kosten Steuerzahler(in)?
GRENZDUMMBLAUSCHWARZ.
Aber SobotkakurzSicherheit.
The Wall Pink Floyd.

SCHNITT

Pamhagen-Wien.
Rast auf dem Weg nach Salzburg.
Espresso.
Neben mir zwei nicht Fesche.
Exekutive kurz vor der Pension.
Gezeichnet.
Von. Was. Polizeiarbeit wirklich ausmacht.
Stoßen an.
Mit der Kaffeebrühe.
Verstehen uns. Ohne, dass es Nähe gegeben hat, die es doch gab.
Ich frage die beiden Oldies in Uniform nicht, was sie von Pamhagen halten.
Ich kenne die Antwort.
Fuck!