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Massengrab Friedhof Lamprechtshausen

Grab – Die letzte Ruhestätte im Sprachgebrauch

Das Wort Grab verwenden wir nicht nur als Bezeichnung für die letzte Ruhestätte, sondern auch in umschreibenden Redewendungen für den Tod und das Schweigen.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Das Wort Grab geht zurück auf das germanische Wort *graba- „graben“ und ist seit dem 8. Jahrhundert belegt. Im Althochdeutschen konnte mit Grab eine einzelne Grabstätte oder eine Gruft bezeichnet werden, ein Felsengrab, ein Grabhügel oder ein Grabmal über einem Grab oder ein größerer Begräbnisplatz.

Mit der Zeit wurde der Bedeutungsumfang von Grab erweitert. So bezeichnete das Wort nicht mehr nur die letzte Ruhestätte in der Erde, sondern auch die letzte Ruhestätte im Wasser. Da dies oft das Schicksal von Seeleuten war, wird diese Ruhestätte auch als Seemannsgrab bezeichnet. ___STEADY_PAYWALL___

In der altgermanischen Vorstellung und speziell in der Vorstellung der altnordischen Seefahrer sammelte Rán, die Tochter des Meerriesen Ægir, mit ihrem Netz schiffbrüchige und verunglückte Ertrunkene ein. Später entwickelte sich daraus die Vorstellung eines ihr unterstellten Totenreiches, in dem die Ertrunkenen bewirtet wurden.

Jene, die an Land starben, kamen zu Hel, der Totengöttin. Das Wort bedeutet eigentlich „die Verbergende, die Verhüllende“ und bezeichnete ursprünglich einen unterirdischen Raum, in dem die Toten bestattet wurden. In der Steinzeit begruben die germanischen Stämme ihre Toten in erdbedeckten steinernen Riesengräbern, die zumeist nicht für einen Einzelnen ausgelegt waren, sondern für die gesamte Sippe. Dadurch konnte sich im Laufe der Zeit die Bedeutung von Hel zu „Aufenthaltsort der Toten“ erweitern, der mit der Göttin Hel personifiziert wurde. Die christlichen Missionare übernahmen die Bezeichnung Hel für das Totenreich und deuteten es im christlichen Sinne um. So wurde aus Hel, dem Aufenthaltsort der Toten, ein Ort der Strafe, die Hölle.

Neben dem Totenreich des Meeres und dem Totenreich der Erde gab es in der germanischen Vorstellungswelt einen eigenen Ort für die Krieger, die in einer Schlacht starben. Sie kamen in die Walhalla, in die Halle der auf einem Schlachtfeld getöteten Krieger, in der sie zusammensaßen und gemeinsam Met tranken.

Ab dem ausgehenden Mittelalter wird die Bedeutung von Grab um die Elemente „Tod, Verderben, Untergang“ erweitert. So findet sich im Frühneuhochdeutschen die Redewendung jemandem etwas bei dem Grabe verbieten „jemandem etwas bei Androhung der Todesstrafe verbieten“. Auch in unserem heutigen Sprachgebrauch finden sich Redewendungen, in denen Grab für den Tod oder das Sterben steht. Die Redewendung mit einem Bein im Grab stehen ist ein Ausdruck für „dem Tod sehr nahe sein“. Ein frühes Grab finden ist ein Ausdruck für „jung sterben“. Wenn zwei Menschen innerhalb kurzer Zeit hintereinander sterben, umschreiben wir das mit jemand ist ihm/ihr ins Grab gefolgt.

Mit dem Grab sind auch Schweigen und Stille verbunden. Dies spiegelt sich in den Redewendungen still sein wie ein Grab „ruhig sein, schweigen“ und schweigen wie ein Grab „verschwiegen sein; kein Geheimnis preisgeben“ wider. Und auch die Redewendung etwas mit ins Grab nehmen „ein Geheimnis bis zum Tod wahren“ ist ein Ausdruck für Verschwiegenheit.

Wir verwenden aber auch Redewendungen mit dem Wort Grab, bei denen die Bedeutung nichts mehr oder nur noch wenig mit dem ursprünglichen Kontext zu tun hat. Bei der Redewendung jemanden ins Grab bringen hat sich zwar die ursprüngliche Bedeutung „schuld am Tod eines anderen sein“ noch erhalten. Zumeist verwenden wir jedoch diesen Ausdruck für „jemanden zur Verzweiflung bringen, jemanden völlig entnerven“. Und auch die Redewendung sein eigenes Grab schaufeln wird zumeist nur noch in der übertragenen Bedeutung „seinen Untergang selbst herbeiführen“ verwendet.


Frau mit Mantel

Mantel – Hülle, Schutz und Opportunismus

Das Wort Mantel ist seit dem 11. Jahrhundert belegt und geht zurück auf das lateinische Wort mantellum „Hülle, Decke“.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Die Mäntel der Germanen hatten nicht die Form unserer heutigen Mäntel. Zunächst trugen sie ein viereckiges Tuch, das an der rechten Schulter von einer Fibel zusammengehalten wurde und bis zu den Waden hinunterreichte. Es wurden auch Überwürfe getragen, die einem Poncho ähneln und Kapuzen hatten. Aus diesem Kleidungsstück entwickelte sich später die Mönchskutte und das Messgewand der Priester. ___STEADY_PAYWALL___

Die Römer trugen ähnliche Überwürfe, die jedoch etwas kürzer waren und mantellum „Hülle, Decke“ genannt wurden. Wie vieles andere auch, übernahmen die Germanen dieses Kleidungsstück inklusive der Bezeichnung von den Römern. Im Althochdeutschen wurde das lateinische Wort mantellum zu mantel gekürzt. In mittelhochdeutscher Zeit erweiterte sich die Bedeutung des Wortes um das Element des Schutzes. So bedeutete beispielsweise under den mantel nehmen „in Schutz nehmen“.

Als Symbol des Schutzes und der Obhut diente der Mantel bei Adoptionen und Legitimationen unehelicher Kinder. Während der Zeremonie wurde das Kind von demjenigen unter den Mantel genommen, der das Kind adoptierte oder legitimieren wollte. Diese Kinder wurden daher Mantelkinder genannt.

Ab dem 12. Jahrhundert veränderte sich die Form des Mantels. Die Verschlüsse wurden variiert, konnten auf der rechten Schulter oder vorne über der Brust angebracht sein. Und es gab Mäntel mit und ohne Kapuzen. Die Bezeichnung Mantel blieb auch erhalten, als sich die Mode weiter veränderte und die Überkleider andere Formen annahmen. So finden wir heute eine Vielzahl von Mänteln wie beispielsweise Arbeitsmantel, Bademantel, Damenmantel, Herrenmantel, Morgenmantel, Regenmantel, Staubmantel oder Wintermantel. Auch unterscheiden wir die verschiedenen Mäntel nach dem Material aus dem sie gefertigt sind. So finden sich Daunenmantel, Fellmantel, Filzmantel, Frotteemantel, Ledermantel, Lodenmantel, Pelzmantel, Webpelzmantel oder Wollmantel.

Modebewußte junge Damen

Modebewußte junge Damen, Paris | Foto: Karl Traintinger, Dorfbild

An die ursprüngliche Form und Bedeutung „Hülle, Decke“ erinnert noch heute die Bezeichnung Krönungsmantel. Der Krönungsmantel der Könige und Kaiser des Heiligen Römischen Reiches hatte die Form eines Halbkreises und wurde mit einer Schließe über der Brust geschlossen. Ähnliche Formen finden sich bis heute auch bei Bischofs- und Kardinalsmänteln und Nikolausgewändern.

Der Mantel war auch immer ein Gegenstand, mit dem etwas zugedeckt, versteckt und verborgen werden konnte. So gab es in vergangenen Zeiten Redewendungen mit dem Wort Mantel, die Unaufrichtigkeit und Betrug ausdrückten. Die Redewendung hinter dem Mantel spielen bedeutete „unaufrichtig und trügerisch sein“. Im Mittelhochdeutschen findet sich auch das Wort trügementelîn „Trugmantel, Deckmantel“.

Das Wort Deckmantel geht zurück auf die Redewendung mit dem Mantel der christlichen Nächstenliebe zudecken, die ab dem 13. Jahrhundert begegnet. Auch die Tätigkeitsbezeichnung bemänteln geht auf diese Redewendung zurück. Ursprünglich hatte bemänteln die Bedeutung „einer üblen Sache einen Mantel umhängen“. Beide Worte erhielten schon bald einen üblen Beigeschmack und wurden während der Reformationszeit in den Streitschriften der Protestanten zu ausschließlich negativen Begriffen. Das Wort Deckmantel erhielt die Bedeutung „Vorwand für eine Handlung, um die wahren Motive und Absichten zu verschleiern“ und bemänteln die Bedeutung „beschönigen, verschleiern, vertuschen“.

Mit der Bedeutung „etwas Deckendes, Umhüllendes oder Schützendes“ findet sich das Wort Mantel auch in Wörtern, die Hüllen oder Abdeckungen bezeichnen, wie beispielsweise Betonmantel, Bleimantel, Stahlmantel, Teigmantel.

Und schließlich haben wir noch die Redewendung den Mantel nach dem Wind hängen. Ursprünglich hatte diese Redewendung die neutrale Bedeutung „sich nach den Gegebenheiten der Zeit einrichten, arrangieren“. Diese Redewendung erhielt jedoch bald einen abwertenden Unterton und im 16. Jahrhundert die ausschließlich negative Bedeutung „seine Meinung zum eigenen Vorteil nach den herrschenden Machtverhältnissen ändern, opportunistisch und prinzipienlos sein”.


Orangenfilets mit Käse

Frucht und Früchte – Obst, Kind und ein Lied

Das Wort Frucht bezeichnete ursprünglich die Produkte des Ackerbaues. Später wurde das Wort auch zu einer Bezeichnung für Nachkommen, zu einem Sammelbegriff für Produkte der Landwirtschaft und zu einer Bezeichnung für Meerestiere.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Das Wort Frucht geht zurück auf das lateinische Wort frūctus „Nutzen, Genuss, Ertrag, (Feld-)Frucht, Einkünfte“, das sich von der Tätigkeitsbezeichnung fruor „von etwas Genuss haben, etwas genießen, die Nutznießung von etwas haben“ ableitet. Im Althochdeutschen begegnet das Wort ab dem 9. Jahrhundert und bezeichnete die Produkte des Acker- und Gartenbaues. Im übertragenen Sinn wurde althochdeutsch fruht auch für „Erfolg, gutes Ergebnis, Verdienst“ verwendet.

In mittelhochdeutscher Zeit hatte sich der Bedeutungsumfang von vruht erweitert und beinhaltete nun nicht mehr nur Feldfrüchte, sondern auch Baumfrüchte. Ebenso konnte vruht das Kind, die Nachkommenschaft oder die Familie bezeichnen. So bedeutete er ist von hôher vruht „er ist von hoher Geburt, er entstammt einer vornehmen Familie“ und bevangen mit der vrühte „umfasst mit der Frucht“ schwanger sein. Ab dem 16. Jahrhundert findet sich dann auch die Bezeichnung Leibesfrucht für das ungeborene Kind im Mutterleib. Das Wort ist eine Zusammenziehung des Ausdrucks des Leibes Frucht. Ab dem 17. Jahrhundert wurde mit Leibesfrucht nicht mehr nur das ungeborene Kind bezeichnet, sondern auch das geborene Kind. Das Wort Fruchtwasser begegnet ab dem 18. Jahrhundert und bezeichnet die Flüssigkeit, in die der Embryo im Mutterleib eingebettet ist.

Mit der Zeit dehnte sich der Bedeutungsumfang von Frucht weiter aus und die Mehrzahl Früchte entwickelte sich zu einem Sammelbegriff. Zur Unterscheidung der verschiedenen Arten von Früchten wurden Zusammensetzungen gebildet. So finden sich heute Baumfrüchte, Erdfrüchte, Feldfrüchte, Gartenfrüchte, Halmfrüchte, Hülsenfrüchte, Steinfrüchte, Südfrüchte oder Trockenfrüchte.

Eine bunte Auswahl an Früchten | Foto: Karl Traintinger

Neben diesen Bezeichnungen für pflanzliche Nahrungsmittel findet sich Früchte auch in der Zusammensetzung Meeresfrüchte. Das Wort ist eine Übersetzung des italienischen Ausdrucks Frutti di Mare „Früchte des Meeres“ und bezeichnet Meerestiere, wie Tintenfische, Muscheln oder Garnelen, die wir als Nahrungsmittel essen.

Weiters wurde in mittelhochdeutscher Zeit von vruht auch die Tätigkeitsbezeichnung vruhten oder vrühten gebildet mit der Bedeutung „Frucht tragen, fruchtbar machen“. Auch Zusammensetzungen begegnen ab dem Mittelhochdeutschen, wie ervrühten „befruchten“, durchvrühten „durch und durch fruchtbar machen“ oder bevrühtigen „den Acker besäen“.  In unserem heutigen Sprachgebrauch verwenden wir das Wort fruchten mit der Bedeutung „nützen, helfen, von Erfolg sein“. So sagen wir beispielsweise die Ermahnungen haben gefruchtet für „die Ermahnungen haben genützt“. Oder wir sagen es hat alles nichts gefruchtet für „es hat alles nichts geholfen“.

Von Frucht wurde auch eine Verkleinerungsform gebildet: das Früchtchen. Zunächst bezeichnete das Wort lediglich kleine Früchte. Aber schon im 17. Jahrhundert wurde Früchtchen als abfällige Bezeichnung für einen ungeratenen jungen Menschen verwendet oder für einen Taugenichts.

Und schließlich haben wir noch die Redewendung die süßesten Früchte fressen nur die großen Tiere. In den 1950er Jahren wurde mit dieser Redewendung ein Lied geschrieben, das sich als zeitlos erwiesen hat, und den wir unseren Lesern und Leserinnen nicht vorenthalten wollen.


Drösing Schutzdamm

Schrank und Schranken – Abgeschlossener Raum und Absperrung

Die Worte Schrank und Schranken bezeichneten ursprünglich eine Absperrung, ein Gitter oder eine Einfriedung und gehen auf die Tätigkeitsbezeichnung schränken zurück.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Das Wort schränken hatte ursprünglich die Bedeutung „etwas über Kreuz setzen, schräg stellen, flechten“. Da Absperrungen und Zäune oft aus gekreuzten Ästen errichtet wurden, Gitter aus übereinanderliegenden Einzelteilen bestehen, erhielten diese Absperrungen die Bezeichnung Schrank oder Schranke mit der eigentlichen Bedeutung „etwas über Kreuz gesetztes, Geflochtenes, das zur Absperrung, Abgrenzung dient“. So konnten mittelhochdeutsch schranc und schranke eine Absperrung, die Abgrenzung der Kampfbahnen am Turnierplatz, ein Gitter, eine Einfriedung, einen abgeschlossenen Raum oder Ort, aber auch eine Umarmung bezeichnen. ___STEDY_PAYWALL___

Die Bedeutung „abgeschlossener Raum, Ort“ wurde auch auf Gegenstände übertragen, in die etwas eingeschlossen werden kann. So erhielt das Wort Schrank die Bedeutung „(abgeschlossenes) Behältnis“. Heute finden sich in unserem Sprachgebrauch eine Vielzahl von Schränken, wie beispielsweise Aktenschrank, Bücherschrank, Einbauschrank, Geldschrank, Giftschrank, Kleiderschrank, Küchenschrank, Kühlschrank, Wandschrank oder Wäscheschrank.

Das Wort Schranke und die Variante Schranken bezeichnen in unserem heutigen Sprachgebrauch lange Stangen oder Gatter, die waagrecht oder senkrecht bewegbar sind und Durchgänge und Übergänge absperren. Die alte Bedeutung von Schranke bzw. Schranken hat sich jedoch bis heute in verschiedenen Redewendungen erhalten.

Die Redewendung jemanden in seine Schranken weisen für „jemanden zurechtweisen, jemanden seine Grenzen zeigen“ entstammt dem Sprachgebrauch vor Gericht. In germanischer Zeit fanden Gerichtsverhandlungen unter freiem Himmel statt. Die Gerichtsorte wurden vor den Zusammenkünften mit Zäunen aus Zweigen, Ästen und Geländern abgegrenzt, die Schranken genannt wurden. Die Zuschauer mussten hinter diesen Absperrungen bleiben und durften die Schranken nicht übertreten. Wenn die Zuschauer nicht hinter den Schranken blieben, wurden sie von den Richtern in die Schranken verwiesen. Eine Variante dazu ist die Redewendung jemandem oder einer Sache Schranken setzen für „jemandem oder einer Sache Grenzen setzen, etwas verhindern oder unterbinden“.

Anders als die Worte Schrank und Schranke ist das Wort schränken aus unserem allgemeinen Sprachgebrauch weitgehend verschwunden, hat jedoch in Zusammensetzungen wie verschränken, einschränken, beschränken oder beschränkt überlebt.

In dem Wort verschränken hat sich die alte Bedeutung „etwas schräg übereinander legen, flechten“ erhalten. So sagen wir heute die Arme verschränken oder die Beine verschränken, wenn wir Arme oder Beine übereinander legen.

Das Bedeutungselement des Begrenzens hat sich in dem Wort einschränken erhalten. Ursprünglich bedeutete einschränken „mit Schranken zurückhalten“. Im 18. Jahrhundert entstand die übertragene Bedeutung „einengen, sich begnügen“. So sagen wir heute wir müssen uns einschränken für „sich mit weniger begnügen, bescheidener leben“.

Das Wort beschränken hatte im Mittelalter die Bedeutung „mit Schranken umgeben, umklammern, versperren, verstopfen“. Erst im 18. Jahrhundert kam für beschränken die Bedeutung „einengen, begrenzen, sich begnügen“ dazu. Für das Wort beschränkt entwickelte sich daraus die Bedeutung „engstirnig, geistig unbeweglich“.

Es wurden aber auch Zusammensetzungen mit schränken gebildet, die das Gegenteil von Grenzen setzen oder eingrenzen ausdrücken, nämlich die Worte unbeschränkt, unumschränkt und uneingeschränkt. Diese drei Worte sind Ausdrücke, die Unbegrenztheit und Schrankenlosigkeit (!) ausdrücken und in beliebigen Kontexten verwendbar sind, wie zum Beispiel unbeschränkte Macht, unbeschränkte Kapazitäten, unbeschränkte Dauer, unumschränkte Vollmacht, unumschränkte Herrschaft, uneingeschränktes Vertrauen, uneingeschränktes Recht und uneingeschränkte Freiheit.


Ziege

Bock – Tier, Untergestell und Fehlschuss

Das Wort Bock bezeichnet nicht nur horntragende männliche Tiere, sondern auch einen Sitz, ein Untergestell, ein Bier, eine Wurst und einen Fehlschuss.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Das Wort Bock ist seit dem 9. Jahrhundert belegt und bezeichnete ursprünglich nur den Ziegenbock. Schon in althochdeutscher Zeit wurde das Wort in Zusammensetzungen auch als Bezeichnung für jagdbare männliche Tiere verwendet, wie zum Beispiel rêhboc „Rehbock“ oder steinboc „Steinbock“. Im weiteren Zeitverlauf wurde Bock auch eine Bezeichnung für andere horntragende männliche Tiere. So finden sich in unserem heutigen Sprachgebrauch neben Rehbock und Steinbock auch Gamsbock, Geißbock, Schafbock und Ziegenbock.

Das Wort Bock wird jedoch nicht nur als Bezeichnung für männliche Tiere verwendet, sondern auch für Gegenstände wie Kutschbock, Bockmühle, Rammbock, Bockbier oder Bockwurst. ___STEADY_PAYWALL___

Schon im Mittelalter findet sich eine übertragene Verwendung des Wortes Bock für ein vierbeiniges hölzernes Gestell. Daraus entwickelte sich die Bezeichnung für den Sitz des Kutschers auf der Kutsche, der Kutscherbock oder Kutschbock genannt wird. Später Nachklang dieser Bezeichnung ist bis heute die Redewendung auf dem Bock sitzen für “ein Motorrad fahren, einen LKW fahren”. Auch die Untergestelle von Windmühlen, die dadurch gedreht werden können, werden Bock genannt – daher auch die Bezeichnung Bockwindmühle oder Bockmühle.

Das Wort Rammbock „Gerät zum Durchstoßen von Befestigungen“ begegnet ab der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und geht zurück auf althochdeutsch ram „Widder, Schafbock“, ebenso wie unser heutiges Wort Ramme „Gerät zum Durchstoßen“. Die Bezeichnung beruht auf dem Vergleich mit Widdern, die mit gesenktem Kopf gegen etwas anrennen.

Eine ganz andere Geschichte liegt dem Wort Bockbier zugrunde. Dieses Wort hat nichts mit der Tierbezeichnung zu tun, sondern geht auf das Starkbier der niedersächsischen Stadt Einbeck zurück. Das Einbecker Bier war berühmt und wurde überregional verkauft und exportiert. Die ältere Bezeichnung der Stadt lautete Eimbeck. Im bayerischen Sprachraum, vor allem in München, wurde Eimbeck zu Aimbock oder Oambock umgewandelt. Später wurde das Wort zu Bock gekürzt. Die Zusammensetzung mit dem Wort Bier zu Bockbier erfolgte in Analogie zu anderen Bierbezeichnungen wie Starkbier, Weizenbier, Hopfenbier usw.

Mit dem Bockbier hängt auch das Wort Bockwurst zusammen. Das Wort begegnet ab dem 19. Jahrhundert und bezeichnete ursprünglich eine Wurst, die zum Bockbier dazu gegessen wurde. Das Wort Bockwurst ist daher eine Kürzung aus der Zusammensetzung Bockbierwurst.

Und schließlich findet sich das Wort Bock auch in den Redewendungen einen Bock schießen, auf etwas Bock haben, keinen Bock haben und Null Bock haben.

Die Redewendung einen Bock schießen „einen Fehler machen“ stammt aus dem Sprachgebrauch der Schützengilden des 16. Jahrhunderts und ist eine Variante zu dem älteren Ausdruck einen Fehler schießen. Mancherorts erhielten die schlechtesten Schützen bei Schützenfesten als Trostpreis einen Ziegenbock. So konnte das Wort Bock die Bedeutung „Fehler“ erhalten. Einen Bock schießen war daher ursprünglich ein Ausdruck für einen Fehlschuss.

Die Ausdrücke auf etwas Bock haben, keinen Bock haben und Null Bock haben entstammen der Jugendsprache und gehen auf die Redewendung geil wie ein Bock zurück. Geil steht hier mit der Bedeutung „sexuell erregt“. Davon entwickelte sich für Bock die Bedeutung „Lust haben”. Auf etwas Bock haben konnte somit zu einem allgemeinen Ausdruck für „auf etwas Lust haben; zu etwas Lust haben“ werden. Die Ausdrücke keinen Bock haben oder die Variante Null Bock haben stehen dementsprechend für das Gegenteil.


Bier

Grut und Kofent – Das gewürzte und das dünne Bier

Die Worte Grut und Kofent bezeichneten in vergangener Zeit zwei unterschiedliche Biere. Das mit Kräutern gewürzte Bier wurde Grut genannt. Kofent war die Bezeichnung für Dünnbier, das aus einer zweiten Abkochung der Rückstände des Biermalzes hergestellt wurde.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Vor dem 8. Jahrhundert wurde Bier nicht mit Hopfen gebraut, sondern mit Kräutermischungen gewürzt, die im Althochdeutschen grûz genannt wurden. Mit der Zeit wurde mit grûz nicht mehr nur die Kräutermischung bezeichnet, sondern auch das damit hergestellte Produkt, das Weizen- und das Gerstenbier. Alternativ wurden diese Biere auch grûzinc genannt. Im Mittelhochdeutschen verengte sich der Gebrauch des Wortes und wurde nur noch für das gewürzte Weizenbier verwendet. ___STEADY_PAYWALL___

Im ausgehenden Mittelalter erhielt das Wort grûz die Form Grut. Das Grutbier wurde noch bis ins 15. Jahrhundert gebraut, vor allem in Gegenden, in denen kein Hopfen angebaut wurde und dieser teuer angekauft werden musste. Das Wort Grut überlebte noch länger, vor allem in niederdeutschen Gebieten. Bis Ende des 16. Jahrhunderts findet sich dort Grut mit einer allgemeinen Bedeutung „Bier“. Davon abgeleitet stand gruten für „Bier brauen“, grûthere für „Ratsherr, der die Aufsicht über das Bier hat“ und grûthaus für „Brauhaus“.

Die Herstellung von Bier mit Zugabe von Hopfen ist ab dem 8. Jahrhundert belegt. Der früheste Anbau von Hopfen fand in den Ländereien fränkischer Klöster im nördlichen Frankreich statt. Von dort breitete sich der Hopfenanbau über Bayern nach Deutschland aus. Mit Hopfen gebrautes Bier wurde in den fränkischen Klosterbrauereien entwickelt. Da Hopfen das Bier haltbar macht, konnte ab dieser Zeit Bier in größeren Mengen hergestellt und eingelagert werden.

Dieses neue Bier und das Rezept seiner Herstellung verbreitete sich vermutlich über die Klöster in Europa, die untereinander in regem Kontakt standen. Mit der neuen Rezeptur kommt im Althochdeutschen die Bezeichnung bior „Bier“ in Umlauf, die seit dem 9. Jahrhundert belegt ist. Die Herkunft von althochdeutsch bior ist nicht völlig geklärt, jedoch wird eine Verwandtschaft mit dem Wort brauen angenommen, das ursprünglich die Bedeutung „wallen, sieden, kochen“ hatte. Als das gehopfte Bier das gewürzte Bier verdrängte, wurde das Wort Bier zur dominanten Bezeichnung des Getränks und verdrängte das ältere Grut, das sich heute in unserem allgemeinen Sprachgebrauch nicht mehr findet.

Ebenfalls aus dem Sprachgebrauch verschwunden ist das Wort Kofent für Dünnbier, das ab dem ausgehenden Mittelalter belegt ist. Dünnbier wurde durch ein nochmaliges Aufkochen der Rückstände des Biermalzes hergestellt. Dieses Bier wurde auch Nachbier, Speisebier, Tafelbier, Tischbier oder Afterbier genannt. After ist hier mit seiner alten Bedeutung „hinten, nach“ zu lesen und war in vergangener Zeit ein allgemeiner Ausdruck. Die Einengung der Bedeutung auf „Ausgang des Mastdarms“ ist eine spätere Entwicklung.

Die Bezeichnung Kofent geht zurück auf das lateinische Wort conventus „Zusammenkunft, Versammlung“, das später auch die Bedeutung „Kloster“ erhielt. In den Klöstern war das Starkbier den Mönchen vorbehalten, das daher auch Patersbier genannt wurde. Die Laienbrüder erhielten das Dünnbier. Das Dünnbier oder Konventsbier wurde auch an die Armen ausgegeben und verschenkt. So gelangte das Wort Konventsbier in den allgemeinen Sprachgebrauch, wurde zu Konvent gekürzt und im Volksmund zu Kofent umgewandelt.


Weinernte

Herbst – Die Zeit der Ernte und Weinlese

Das Wort Herbst leitet sich von germanisch *harbista- ab und bezeichnet die dritte Jahreszeit, die Zeit der Ernte und die Weinlese.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Das Wort Herbst ist seit dem 8. Jahrhundert belegt. Das Wort geht zurück auf germanisch *harbista- „Herbst“, für das eine ältere Bedeutung „Ernte“ angenommen wird. Althochdeutsch herbist bezeichnete die dritte Jahreszeit, die Zeit der Ernte und die Monate September, Oktober, November. Noch im Mittelhochdeutschen sind die Bezeichnungen der erst herbst für September, der ander herbst für Oktober und der drit herbst für November belegt.

Mit Herbst wurde jedoch nicht nur die dritte Jahreszeit benannt, sondern auch die Zeit und der Vorgang der Ernte. Im speziellen stand Herbst für die Weinlese, die im 16. Jahrhundert auch Herbstung genannt wurde. In den Wörtern Weinlese und Traubenlese hat sich die ursprüngliche Bedeutung von lesen „sammeln“ erhalten. Die heutige Verwendung von lesen „ein Buch, einen Text, usw. lesen“ entwickelte sich aus der Bedeutung „den Schriftzeichen folgen, die Schriftzeichen auflesen“. Schon im Mittelhochdeutschen wurde das Traubenlesen mit dem Wort herbesten „herbsten“ bezeichnet. In der deutschen Winzersprache ist das Wort herbsten mit der Bedeutung „Wein lesen, Trauben lesen“ bis heute lebendig. ___STEADY_PAYWALL___

Die Grundherren beaufsichtigten die Weinlese oft nicht selbst, sondern schickten einen Vertreter, der Herbstherr genannt wurde. Der Herbstherr musste von den Pächtern verpflegt oder mit Naturalabgaben bezahlt werden. Ab dem 16. Jahrhundert begegnet das Wort Herbster „Traubenleser, Weinleser“ als Bezeichnung für Personen, die Trauben ernten. In der deutschen Winzersprache ist das Wort Herbster bis heute im Gebrauch, ebenso wie das Wort Herbsthelfer „Weinlesehelfer“. Und auch bei den Bezeichnungen der Gerätschaften, die bei der Weinlese verwendet werden, begegnet das Wort Herbst in Zusammensetzungen bis heute in der Bedeutung „Ernte, Lese“, wie beispielsweise Herbstkübel und Herbsteimer „Gefäß, in das die geernteten Trauben hineingegeben werden“, Herbstschere „Schere zum Abschneiden der Trauben“ oder Herbstleiter „Leiter am Lesewagen“.

Mancherorts waren im Herbst auch Naturalabgaben zu erbringen. Diese Abgaben wurden nach der Jahreszeit benannt, in der sie abzuliefern waren. So finden sich in den Belegen Herbstgans, Herbsthahn, Herbsthuhn oder Herbsthenne, Herbsthammel, Herbstschaf, Herbstschwein, Herbstsau und Herbstkuh.

Und schließlich begegnet in den Schiffordnungen des Landes Salzburg das Wort Herbstmeister. Die Schiffordnungen waren Regelwerke für die Salzschifffahrt auf der Salzach und der Abnahme der Salzlieferungen in Laufen und Bayern. Mit Meister oder Meistersalz wurde ein bestimmte Menge Salz bezeichnet, die im Schiffskonvoi von Hallein nach Laufen gebracht wurde.

Die Erneuerte Schiffordnung des Erzstifts Salzburg vom 1. März 1616 findet sich in der Sammlung des bairischen Bergrechts, die der Hof-Münz und Bergrat Johann Georg Lori im Jahr 1764 zusammenstellte. Hier steht zu lesen: Es ist von Alters hero die Ordnung des salzburgischen Schifrechts gewesen […], daß der gehenden Schif, so salzburgerische erzbischöfliche Schif genennet werden, […], zu allerzeit in einer richtigen und gewissen Anzahl auf die Hallfarthen, und Meistersalz gewiedmet seyn sollen […].

Eine genaue Definition von Meistersalz und Herbstmeister findet sich dann im angehängten dritten Register, in dem Lori Sonderbare baierische Bergwörter erklärt. Meistersalz bezeichnete 15 Fahrten von Hallein nach Laufen, die Hallfahrten genannt wurden, und im Sommer bis zum St. Rupertsfest am 24. September stattfanden. Diese Fahrten wurden auch Sommermeister oder Sommersalz genannt. Mit Herbstmeister oder Wintersalz wurden die 12 Hallfahrten bezeichnet, die zwischen St. Rupert und Weihnachten durchgeführt wurden.


Kleider machen Leute

Kleid – Tuch, Decke und Gewand

Das Wort Kleid bezeichnete ursprünglich Tuch, Stoff und Decke. Die Bedeutung „Kleidungsstück, Kleid“ entwickelte sich erst später.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Das Wort Kleid findet sich im Deutschen erst seit dem 12. Jahrhundert. Die Herkunft des Wortes ist unklar. Es begegnet zuerst im Altnordischen und wanderte von dort ins Altenglische, Schottische, Niederländische und Deutsche. Das altnordische Wort klæði bedeutete zunächst „Tuch, Stoff, Decke“, ebenso wie das angelsächsische clâð. Die Bedeutung „Kleidungsstück, Gewand, Kleid“ kam erst später hinzu.

Im Mittelhochdeutschen war Kleid ein Sammelbegriff für Kleidungsstücke von Männern und Frauen. Die verschiedenen Kleider wurden sprachlich bereits zu dieser Zeit durch Zusammensetzungen unterschieden, wie etwa umbekleit „Mantel“, strîtkleit „Streitkleid, Kampfrüstung“ oder überkleit „Überkleid“, das über andere Kleidungsstücke getragen wurde. Aber auch die ältere Bedeutung „Tuch, Decke“ ist noch zu finden, wie rossekleit „Rossdecke“, satelkleit „Satteldecke“, deckekleit „Decke zum Zudecken“ oder banckleit „Bankdecke“ belegen.

Heute bezeichnet Kleid überwiegend ein Kleidungsstück für Frauen. Um die Fülle der verschiedenen Kleider näher zu bezeichnen, wurden mit Kleid zahlreiche Zusammensetzungen gebildet, die sich auf den Anlass, für den das Kleid gemacht wurde, das Material oder die Jahreszeit beziehen, in der das Kleid getragen wird. Hier sei genannt Abendkleid, Ballkleid, Brautkleid, Cocktailkleid, Dirndlkleid, Hochzeitskleid, Satinkleid, Sommerkleid, Spitzenkleid, Umstandskleid. ___STEADY_PAYWALL___

Vereinzelt finden sich jedoch bis heute Wörter, in denen die alten Bedeutungen noch durchschimmern. Das Taufkleid ist ein Kleidungsstück, das männliche und weibliche Säuglinge bei der Taufe tragen oder Beinkleid für Hose, in dem die alte Bedeutung des Bedeckens erhalten ist. Übertragene Bedeutungen finden sich vor allem in der Dichtersprache, wie etwa Federkleid „Gefieder von Vögeln“, Haarkleid „Haare“, Schneekleid „Schneedecke“ oder Blätterkleid „Laub“.

Eine andere Bedeutungsentwicklung nahm die Mehrzahl von Kleid, das Wort Kleider. Hier hat sich überwiegend die Bedeutung „Kleidungsstücke von Männern und Frauen“ erhalten. Dies zeigt sich vor allem in den Zusammensetzungen Kleiderbürste, Kleidergröße, Kleiderhaken, Kleiderschrank, Kleiderspende oder Kleiderständer. All diese Bezeichnungen beziehen sich nicht nur auf Kleid als Kleidungsstück von Frauen, sondern auf die Gesamtheit aller Kleidungsstücke von Männern und Frauen. Und auch die Redewendung Kleider machen Leute drückt diese Gesamtheit aus.

Über Jahrhunderte war es den Menschen an ihrer Kleidung anzusehen, welchem Stand, Handwerk und Gesellschaftsschicht sie angehörten. Als sich in den Städten das Bürgertum entwickelte und die Bürger zu Wohlstand kamen, wuchs auch ihr Selbstbewusstsein gegenüber dem Adel. Dies fand seinen Ausdruck in immer wertvolleren und aufwendigeren Gewändern. Die meisten der kostbaren Materialien wurden aus dem Ausland angekauft, wodurch der heimischen Wirtschaft viel Geld verloren ging. Auch verschuldeten sich zahlreiche Menschen beim Kauf der kostbaren Gewänder und verarmten in der Folge.

Fürsten, Könige und Kaiser sahen sich daher veranlasst, dem überbordenden Luxus Grenzen zu setzen und Kleiderordnungen zu erlassen. Schon im Jahr 1530 erließ Kaiser Karl V. eine Kleiderordnung, in der er dem Adel verbot Kleider aus Samt und Atlas zu tragen. Den Stadtbürgern verbot er Gewänder mit Gold, Silber, Perlen, Samt oder Seide. Und den Bauern und Tagelöhnern befahl er, nur inländische Stoffe für ihre Kleider zu verwenden.

Nicht nur in Österreich, sondern auch in anderen Ländern wurden immer wieder Kleiderordnungen erlassen, jedoch hielten sich Adel und Bürgertum nicht daran. So sah sich Kaiser Leopold I. im Jahr 1671 veranlasst, neuerlich eine Kleiderordnung zur Abstellung der höchstschädlichen Verschwendung zu erlassen. Er teilte seinen Untertanen mit, er habe mit Missfallen vernehmen müssen, wie die Verschwendung bei Kleidern, Festen und Mahlzeiten gestiegen sei. Und weil dadurch jährlich eine überaus große Summe Gelts außer Landts gebracht und viele in Schulden geraten, also haben wir für gut befunden, die Beambten, Hoffbedienten, Universitetische, Kauffleith, Burger und Pauern in gewisse Classes einzuteilen und anzuordnen, was einer jeden zu tragen verboten und erlaubt sein solle. Anschließend folgt eine genaue Auflistung für wen welche Stoffe und Materialien erlaubt oder verboten sind, und wieviel Geld für Hochzeiten und Feiern ausgegeben werden darf.


Ausstellung Ursula Dräxlmaier Salzburg

Apfel – Obst, Gemüse und Gegenstand eines Streits

Das Wort Apfel war ursprünglich eine Bezeichnung für verschiedene Früchte, die eine runde Form haben. Das Wort findet sich aber auch in Zusammensetzungen mit übertragener Bedeutung, wie zum Beispiel Adamsapfel oder Zankapfel.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Das Wort Apfel ist seit dem 8. Jahrhundert belegt. Das althochdeutsche Wort aphul bezeichnete nicht nur die Frucht des Apfelbaums, sondern auch andere Früchte, die der Form des Apfels ähneln, wie beispielsweise der Granatapfel oder die Maulbeere. Schon früh wurden mit aphul auch Zusammensetzungen gebildet, die Baumfrüchte bezeichnen, so zum Beispiel fîgaphul „Feige, Frucht, getrocknete, gedörrte Feigen“, mirtilaphul „Frucht der echten Myrte“ oder pînaphul „Kiefern-, Pinien-, Fichtenzapfen“.

Der Granatapfel wurde im Althochdeutschen auch kernaphul „Kernapfel“ oder kornaphul „Kornapfel“ genannt. Diese Bezeichnungen sind Übersetzungen des lateinischen Ausdrucks mālum grānātum „Apfel mit Körnern“, da der Granatapfel viele kleine Kerne enthält. Die Bezeichnung grânâtapfel begegnet erst im Mittelhochdeutschen, mit den Varianten malagrânâtapfel und krânapfel. Der Granatapfel war auch namengebend für die Granate. Die frühen Granaten hatten eine Kugelform und waren mit Pulverkörnern gefüllt. Im Italienischen erhielt sie daher den Namen granata, der ab dem 17. Jahrhundert ins Deutsche übernommen wurde.

Ebenfalls bereits in althochdeutscher Zeit findet sich die Bezeichnung erdaphul „Erdapfel“, eine Übersetzung des lateinischen Ausdrucks mālum terrae „Apfel der Erde“. Mit erdaphul wurden jene Früchte bezeichnet, die im oder auf dem Boden wachsen, wie Kürbis, Melone und Gurke, aber auch Knollenwurzeln, die aus der Erde gegraben wurden. Die Einschränkung der Bedeutung von Erdapfel auf „Kartoffel“ entwickelte sich erst im 17. Jahrhundert.

Auch in dem Wort Apfelsine steckt der Apfel. Der Ausdruck stammt aus dem Französischen und ist über das Niederländische ins Deutsche gekommen. Im 16. Jahrhundert brachten portugiesische Reisende aus China die Frucht nach Europa mit. Deshalb benannten die Franzosen die Frucht pomme de Sine „Apfel aus China“. Die Niederländer übersetzten den Ausdruck in appelsien. Im Niederdeutschen wurde daraus Appelsina und im Hochdeutschen Apfelsine.

Ein Apfel, der vielen in der Kehle steckt, ist der Adamsapfel. Die Bezeichnung Adamsapfel für den Schildknorpel beim Mann findet sich ab dem 15. Jahrhundert zuerst in den romanischen Sprachen. In lateinischen medizinischen Schriften wurde der Schildknorpel pōmum grānātum genannt, ein alternativer Ausdruck zu mālum grānātum „Granatapfel“. Um die Vorzüglichkeit des Granatapfels zu betonen, wurde auch die Bezeichnung Paradiesapfel dafür verwendet, in Erinnerung an die verbotene Frucht, die Eva im Paradies Adam gab. Daraus entstand die assoziative Wortbildung Adamsapfel. Nachträglich wurde die Herkunft der Bezeichnung Adamsapfel so gedeutet, dass die gut sichtbare Erhöhung an der Kehle des Mannes durch den Apfelbissen entstanden sei, der Adam im Hals stecken blieb.

Und schließlich haben wir noch den Zankapfel, den Gegenstand eines Streits. Das Wort Zankapfel begegnet erstmals im 16. Jahrhundert und ist eine Übersetzung des lateinischen Ausdrucks pōmum Eridos „Apfel der Eris; Apfel des Zanks“. Eris war die griechische Göttin der Zwietracht und des Streits. Sie war die einzige Göttin, die zur Hochzeit der Göttin Thetis mit König Peleus, den Eltern des Achilles, nicht eingeladen war. Sie kam trotzdem zur Hochzeit und warf als Geschenk einen goldenen Apfel mit der Aufschrift der Schönsten zwischen die Gäste. Diesen Titel beanspruchten drei Göttinnen: Hera, Athene und Aphrodite. Um den Streit zwischen den dreien zu schlichten, beauftragten sie den trojanischen Prinz Paris, eine Entscheidung zu treffen, wem der Titel gebühre. Aphrodite versprach Paris, er würde die schönste aller Frauen heiraten, wenn er ihr den Apfel geben würde. Daraufhin gab Paris Aphrodite den goldenen Apfel. Eine Folge dieser Entscheidung war der Trojanische Krieg, in dem Troja völlig zerstört wurde.


Salzburger Bürgergarde | Foto: Karl Traintinger

Bürger – Die Bewohner befestigter Siedlungen

Das Wort Bürger bezeichnete ursprünglich die Bewohner befestigter Siedlungen. Heute findet sich das Wort in zahlreichen Zusammensetzungen mit vielen unterschiedlichen Bedeutungen.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Das Wort Bürger leitet sich von Burg ab und ist seit dem 9. Jahrhundert belegt. Das althochdeutsche Wort burg bezeichnete befestigte Siedlungen, befestigte Städte und Herrensitze, die oft auf erhöhtem Gelände errichtet wurden. Die Bedeutung von Burg im heutigen Sinn entwickelte sich erst mit der Entstehung der Ritterburgen. Die alte Bedeutung „Stadt, befestigter Ort“ schimmert bis heute in vielen Städtenamen durch, wie zum Beispiel Salzburg, Bleiburg, Freiburg, Nürnburg oder Regensburg.

Die Menschen, die in diesen befestigten Siedlungen und Städten lebten, wurden im Althochdeutschen burgāri „Burgbewohner“ genannt. Zur Verteidigung der Städte wurden nicht nur Soldaten eingesetzt, sondern auch die Bürger der Stadt, die zu diesem Zweck mancherorts auch militärisch organisiert waren. So bestimmte im Jahr 1287 Erzbischof Rudolf I. von Hohenegg für die Stadt Salzburg, die Bürger müssen Harnisch und Waffen besitzen, um den Schutz der Stadt sicherzustellen. ___STEADY_PAYWALL___

Bürger, die sich eine Bewaffnung nicht leisten konnten, wurden im Mittelalter mit Spießen ausgerüstet. Daher stammt das Wort Spießbürger. Das Wort wurde bereits im 17. Jahrhundert als abfällige Bezeichnung für Städter verwendet. Zu der Bedeutungsverschlechterung von Spießbürger haben mehrere Aspekte beigetragen. Im Sprachgebrauch des Adels und der Berufssoldaten dürfte Spießbürger eine spöttische Bezeichnung für die bewaffneten Städter gewesen sein. Auch wird berichtet, es seien als Spießbürger nur die Ärmsten und Untauglichsten ausgewählt worden. Und die Bürger waren noch zu einer Zeit mit Spießen bewaffnet, als bereits Gewehre die alten Stichwaffen abgelöst hatten. So konnte Spießbürger synonym für konservatives Verhalten werden.  In der Studentensprache wurde das Wort schließlich zu einer abfälligen Bezeichnung für engstirnige Menschen, die in den Konventionen der Gesellschaft verhaftet sind. Die gekürzte Form Spießer ist ab dem 19. Jahrhundert belegt.

Eine andere Bezeichnung für Städter ist Schildbürger. Schildbürger waren ursprünglich bewaffnete Bürger, die einen Schild trugen. Eben so wie Spießbürger dürfte auch Schildbürger zunächst eine spöttische, später verächtliche Bezeichnung des Adels für die bewaffneten Städter gewesen sein. Ende des 16. Jahrhunderts wurde das Wort im Titel des Volksbuches Geschichten und Taten der Schildbürger verwendet, in dem die Bürger der Stadt Schilda Schildbürger genannt werden. Durch diese Geschichten wurde Schildbürger zu einem Synonym für Narrheit und törichtes Verhalten.

Die mittelalterlichen Städte waren zur Sicherheit mit Stadtmauern umgeben. Es wurde unterschieden, zwischen Bürgern, die innerhalb der Stadtmauern wohnten und jenen, die vor den Stadtmauern ihre Häuser hatten. Ab dem 13. Jahrhundert begegnet für die vor den Stadtmauern lebenden Bürger die Bezeichnung Pfahlbürger. Die Pfahlbürger lebten in Häusern auf den Flächen zwischen den Stadtmauern und den Pfählen und Palisaden der äußeren Schutzanlagen der Städte. Daraus entstanden in weitere Folge die Vorstädte. Im Verlauf des 19. Jahrhunderts erhielt das Wort Pfahlbürger die abwertende Bedeutung „Provinzler, Spießer“. So schrieben Karl Marx und Friedrich Engels in ihrem Manifest der Kommunistischen Partei von 1848 aus der Pfahlbürgerschaft hätten sich die ersten Elemente der Bourgeoisie, der besitzenden Klasse, entwickelt.

In unserem heutigen Sprachgebrauch begegnet das Wort Bürger in Zusammensetzungen, in denen Bürger als allgemeine Bezeichnung für Menschen verwendet wird. Neben Staatsbürger finden sich beispielsweise Normalbürger, Durchschnittsbürger oder Mitbürger. Seit einigen Jahren wird in den journalistischen Medien auch die Bezeichnung Wutbürger für Staatsbürger verwendet, die aus Enttäuschung über politische Entscheidungen heftig öffentlich protestieren und demonstrieren.

Und schließlich bezeichnen sich Menschen selbst als Weltbürger, die die gesamte Welt als ihre Heimat betrachten, die Zugehörigkeit zu einer bestimmten Nation als zweitrangig ansehen und alle Menschen als gleichwertige Mitglieder der Weltgemeinschaft empfinden.


Teppich und Tapete – Bodenbelag und Wandschmuck

Die Worte Teppich und Tapete wurden aus dem Lateinischen ins Deutsche übernommen und dienten ursprünglich als Bezeichnungen für Decken und Schmuckbehänge.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Das Wort Teppich entstammt dem Griechischen und gelangte über das Lateinische ins Deutsche. Das griechische Wort tápēs bezeichnete einen Teppich oder eine Decke. Die Römer übernahmen das Wort und formten es in tapēte und tapētum um. Im Mittellateinischen erhielt das Wort die Form tapetia. Im Mittelalter wurde das Wort ins Deutsche übernommen und begegnet im Mittelhochdeutschen in unterschiedlichen Formen, wie beispielsweise tapet, tapit, tepit, teppit, teppet, teppech, teppich, von denen sich schließlich die Form Teppich dauerhaft durchsetzte.

Im Mittelalter wurde die Bezeichnung Teppich nicht nur für Bodenteppiche verwendet, sondern auch für Zierdecken und Zierbehänge für Stühle, Bänke, Tische und Wände, Vorhänge, die größere Räume abteilten und Schmuckbehänge für Türen. Gleichzeitig waren diese Teppiche auch Schutz vor Kälte und Zugluft. In vornehmeren Haushalten wurden die Teppiche vorwiegend von Frauen mit Ornamenten bestickt, mit Szenen aus der mittelalterlichen Epik, oder mit Szenen historischer Ereignisse. Prominentes Beispiel hierfür ist der Teppich von Bayeux, der an die Eroberung Englands durch Wilhelm den Eroberer im 11. Jahrhundert erinnert.

Ab dem 14. Jahrhundert entstanden in den Niederlanden Teppichwerkstätten, deren Produkte in ganz Europa gefragt waren. Im 16. und 17. Jahrhundert wurden auch in Frankreich Teppichmanufakturen gegründet, deren bekannteste die Pariser Manufacture des Gobelins war. Die Familie Gobelin betrieb ursprünglich eine Scharlachfärberei. Der spezielle Farbton des Scharlachs aus ihrer Werkstatt wurde noch Ende des 18. Jahrhunderts Gobelinsscharlach genannt. Die Teppiche aus der Manufaktur der Gobelins waren begehrt, und so wurde bald der Name des Herstellers auf das Produkt übertragen. In weiterer Folge wurde Gobelin eine allgemeine Bezeichnung für Wandteppiche mit Bildmotiven, unabhängig davon, aus welcher Werkstatt die Teppiche stammten.

Das Wort Teppich findet sich heute nicht mehr nur als Bezeichnung für Bodenbeläge oder Wandbehänge, sondern auch in Wortschöpfungen, in denen das Motiv des Bodenbelags für Landschaftsbeschreibungen verwendet wird, wie beispielsweise Blumenteppich, Blütenteppich, Moosteppich, Grasteppich oder Schneeteppich. Weniger lyrisch sind die Wortschöpfungen ab dem 20. Jahrhundert, in denen Teppich im übertragenen Sinn verwendet wird. Hier finden sich Bombenteppich für eine große Menge, in dichtem Abstand aus Flugzeugen abgeworfene Bomben, Ölteppich für einen sich großflächig auf einer Wasseroberfläche ausbreitenden Ölfilm oder Algenteppich für sich weiträumig ausbreitende Algen, die Ökosysteme gefährden.

Ab dem 15. Jahrhundert begegnen im Deutschen für Wandteppich oder Teppich auch die Worte Tapete und Tapet, die ebenfalls auf lateinisch tapetia zurückgehen, und vermutlich aus den romanischen Sprachen übernommen wurden. Die Bezeichnung Tapete wurde für Decken und Bodenteppiche verwendet. So bedeutete damals der Satz auf dem Boden liegen prächtige Tapeten „auf dem Boden liegen prächtige Teppiche“. Überwiegend wurde das Wort zu dieser Zeit jedoch als Bezeichnung für Wandbehänge und Wandteppiche verwendet. Ebenso wie für die Teppichproduktion, entstanden auch für die Produktion von Tapeten eigene Manufakturen. Die Tapeten wurden aus Seide, Wolle, Baumwolle, Stoff, Leder oder Papier hergestellt. Je nach Material wurden die Tapeten an die Wand angenagelt oder aufgeklebt. Mit der Zeit schränkte sich der Wortgebrauch von Tapete auf „Wandverkleidung“ ein und bezeichnet heute Papier, das mit Mustern bedruckt ist und als Dekor in Bahnen auf Wände geklebt wird.

Die gekürzte Form von Tapete, das Tapet, finden wir heute nur noch in der Redensart etwas aufs Tapet bringen mit der Bedeutung „etwas zur Sprache bringen“. Diese Redensart geht zurück auf die Decken, die auf Konferenz- und Besprechungstischen lagen, und Tapet genannt wurden. So bedeutete etwas aufs Tapet bringen ursprünglich „etwas auf den Konferenztisch zur Besprechung bringen“.


Hundstage – Die Tage der Hitze

Das Wort Hundstage geht auf den lateinischen Ausdruck dies caniculares „Tage des Hundssterns“ zurück und bezeichnet die heißeste Zeit im Sommer.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Die Zeit zwischen dem 24. Juli und dem 23. August wird umgangssprachlich Hundstage genannt. Diese Bezeichnung ist eine Übersetzung des lateinischen Ausdrucks diēs canīculāres „Tage des Hundssterns“. Canīcula „Hündchen“ war im antiken Rom die Bezeichnung für den hellsten Stern im Sternbild Großer Hund, den Sirius. Der griechische Dichter Homer bezeichnete im 8. Jahrhundert v. Chr. Sirius als kýon Oríōnos „Hund Orions“. Orion war in der griechischen Mythologie ein Jäger, nach dem das gleichnamige Sternbild benannt wurde. Von dem Ausdruck Hund Orions leiteten sich später die Bezeichnungen Hundsstern für Sirius und Hundstage für die Zeit im Hochsommer ab, in der Sirius vor Sonnenaufgang sichtbar war. ___STEADY_PAYWALL___

Ab dem 14. Jahrhundert begegnen im Spätmittelhochdeutschen als Übersetzung von lateinisch dies caniculares die Ausdrücke huntlîche tage und hundetac, die später zu Hundstage umgeformt wurden. Auch in anderen Sprachen finden sich Nachfolger des lateinischen Ausdrucks dies caniculares. So zum Beispiel im Englischen dog days, im Französischen jours caniculaires oder la canicule und im Italienischen giorni canicolari oder la canicola.

Als Verursacher der großen Hitze wurde in der Antike und im Mittelalter der Sirius angesehen. Isidor von Sevilla (ca. 560-636 n. Chr.), Bischof, Gelehrter und Schriftsteller, schreibt, die große Hitze an den dies caniculares entstünde deshalb, weil an diesen Tagen Sirius gemeinsam mit der Sonne aufgeht und sich dadurch die Hitze der Sonne verdoppeln würde.

Die Hitze an den Hundstagen wurde lange als Auslöser für die Tollwut bei Hunden angesehen. So ist noch in der ersten Hälfte des 18. Jahrhunderts im Universallexikon aller Wissenschaften und Künste von Johann Heinrich Zedler zu lesen: Der Hunde schlimmste Krankheit, der sie unterworffen sind, ist das Rasen und Wüthen, welches unfehlbar seinen Ursprung von der großen Hitze derer Hundstage,[…] hat, weil dem umherlauffenden Hunde die brennende Sonnenhitze zu solcher Zeit das Gehirn durch die Scheitel gleichsam als im Topffe kochet, und Aufwallen des Geblüts verursachet […].

Aber auch für die Menschen war die Hitze während der Hundstage zu allen Zeiten schwer zu ertragen und ein Grund zur Klage. So schreibt im 8. Jahrhundert v. Chr. der griechische Dichter Hesiod, zur Zeit des lähmenden Sommers seien die Männer am kraftlosesten, weil ihnen Sirius Kopf und Knie dörrt und ihre Körper unter der Hitze leiden.

Ähnliches ist auch Jahrhunderte später in der Neuen Salzburger Zeitung von 20. August 1856 zu lesen: Die Hundstage drücken auf die Stimmung der Gemüther und lähmen die Thatkraft […].

Im Reichenhaller Badeblatt vom 1. August 1894 wird geklagt: Seit Jahren hat Sirius, der Hundsstern, sein sommerliches Regime nicht mit solch versengender Gluth eingeleitet, wie diesmal. Stadt und Land haben Ursache, über die erschlaffende Hitze zu klagen, und zu wünschen ist nur, daß der ehedem gefürchtete Hundsstern nicht böse Krankheiten im Gefolge führen möge. Hundstage nennt man es in der Stadt, Erntetage sind es in der Provinz; wahrhaftig, schwer zu entscheiden, ob die wie aus einem Hochofen kommenden Luftwellen hier oder dort mehr Qualen verursachen.

Und in der Salzburger Zeitung vom 21. Juli 1871 jammert ein hitzegeplagter Feuilletonist: Es ist heiß, heiß zum Verschmachten. […]: Wir müssen uns ins Theater hinein- und einer Temperatur aussetzen, hochgradig genug, um junge Hühner auszubrüten.