dorfzeitung _quer
Trabrennen in Altheim | Foto: Karl Traintinger, Dorfbild

Esel – Reittier, Schimpfwort und Geldquelle

Das Wort Esel ist seit dem 9. Jahrhundert belegt und geht zurück auf lateinisch asinus „Esel“. Das Wort begegnet nicht nur als Bezeichnung für das Tier, sondern auch in Zusammensetzungen wie Goldesel, Drahtesel, Eselsbrücke oder Eselsohr.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Bei der Übernahme in die germanischen Sprachen wurde lateinisch asinus zu asilus umgeformt. Diese Form findet sich im Gotischen, der ältesten belegten germanischen Sprache aus dem 4. Jahrhundert n. Chr. Im Althochdeutschen verlor das Wort die lateinische Endung und wurde zu esil gewandelt.

In der christlichen Überlieferung ist der Esel positiv bewertet. Er gehört zu den Tieren, die in der Weihnachtskrippe stehen, Jesus ritt bei seinem Einzug in Jerusalem auf einem Esel und er war das Reittier von Maria, der Mutter von Jesus. Gleichzeitig gilt der Esel – so wie viele andere Tiere – als dumm und störrisch. So wird das Wort Esel auch als Schimpfwort mit der Bedeutung „Dummkopf“ gebraucht oder mit einem beigefügten Attribut ausgeschmückt, wie blöder Esel oder sturer Esel. Und auch der Ausdruck Eselei steht für eine dumme Handlung.

Das Wort Esel verwenden wir in mehreren Zusammensetzungen, wie beispielsweise Goldesel, Drahtesel, Eselsbrücke und Eselsohr.

Der Goldesel ist ein Esel, den vermutlich viele von uns gerne hätten. Die Bezeichnung Goldesel geht zurück auf das Märchen Tischlein deck dich, Goldesel und Knüppel aus dem Sack der Gebrüder Grimm und begegnet seit Ende des 18. Jahrhunderts. In diesem Märchen erhält ein Müllergeselle von seinem Meister zum Abschied einen Esel, der vorne und hinten Goldstücke ausspeit. Durch diese Geschichte wurde das Wort Goldesel ein Synonym für eine unerschöpfliche Geldquelle. Zu dem Wort hat der Volksmund eine Variante gebildet – den Geldscheißer.

Der Esel wurde als Arbeitstier in Mühlen eingesetzt, als Sackträger, Packtier (daher die Bezeichnung Packesel) und als Reittier. Als Anfang des 20. Jahrhunderts die ersten Fahrräder auf den Markt kamen, verpasste der Volksmund diesen Gestellen scherzhaft den Namen Drahtesel, eine Bezeichnung, die sich bis heute im unserem Sprachgebrauch erhalten hat.

Das Wort Eselsbrücke begegnet ab dem 18. Jahrhundert und ist eine Übersetzung des lateinischen Ausdrucks pōns asinōrum „Brücke der Esel“ bzw. pōns asini „Brücke des Esels“, der aus der philosophischen und mathematischen Gelehrtensprache des Mittelalters entstammt und dort mit unterschiedlichen Bedeutungen verwendet wurde. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts gelangte der Ausdruck in den allgemeinen Sprachgebrauch mit der Bedeutung „Schwierigkeit, vor der Unwissende zurückschrecken“. Diese Bedeutung geht auf eine Textstelle in der Naturalis Historia des römischen Gelehrten Plinius des Älteren (24-79 n. Chr.) zurück, der schreibt, Esel würden nicht über Brücken gehen, wenn sie durch die Brücke hindurch das Wasser unter sich sehen könnten.

Im Lauf des 19. Jahrhunderts löste sich die Bedeutung des Wortes von seinen gelehrten Ursprüngen und wurde uminterpretiert als Hilfsmittel für Schüler. So steht in Meyers Großes Konversationslexikon von 1905-1909 zu lesen: Eselsbrücke, literarisches Hilfsmittel für Träge und Unbegabte, die den Schüler Mühe und Arbeit ersparen, statt ihn zur Arbeit zu erziehen. Heute hat das Wort die wertfreie Bedeutung „Gedächtnisstütze, Verstehenshilfe“. Dazu zählen vor allem die Merkverse, die wir in der Schule gelernt haben, wie beispielsweise 753 Rom schlüpft aus dem Ei für das Gründungsjahr der Stadt Rom im Jahr 753 v. Chr.

Und schließlich findet sich seit Anfang des 17. Jahrhunderts das Wort Eselsohr. Dieser Bezeichnung liegt das Bild eines nach hinten gebogenen Ohres eines Esels zugrunde. Zunächst wurde mit Eselsohr die zum Zweck eines Merkzeichens sorgsam umgebogene Blattecke einer Buchseite bezeichnet. Heute verwenden wir das Wort im Allgemeinen für umgeknickte Blattecken, die durch sorglose Behandlung von Büchern und Heften entstanden sind.


Ein Vorhängeschloss am Makartsteg verbindet

Schloss – Vom Türverschluss zum Prunkbau

Das Wort Schloss ist seit dem 8. Jahrhundert belegt und leitet sich von der Tätigkeitsbezeichnung schließen ab. Die ursprüngliche Bedeutung von schließen war „etwas einen Riegel geben“. Althochdeutsch slōz war daher eine Bezeichnung für einen Türverschluss.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Die ältesten Türverschlüsse waren Holzbalken, die an der Innenseite der Türen quer vorgelegt werden konnten und Riegel genannt wurden. Eine Weiterentwicklung dieser Riegel waren im Mittelalter Türverschlüsse, bei denen der Riegel in mittlerer Höhe zum Öffnen der Tür mit einem Riemen gezogen wurde. Die Technik der Türverschlüsse wurde mit der Zeit verbessert und schließlich durch Eisenschlösser ersetzt, die mit einem Schlüssel gesperrt werden konnten. Die Bedeutung von Schloss erweiterte sich mit der technischen Weiterentwicklung der Verschlüsse und bezeichnete in mittelhochdeutscher Zeit sowohl das Schloss selbst als auch den Riegel an Türen. Die alte Verbindung von Riegel und Schloss hat sich sprachlich bis heute in der Redewendung hinter Schloss und Riegel erhalten. Jemanden hinter Schloss und Riegel bringen bedeutet „jemanden ins Gefängnis bringen“ und jemand sitzt hinter Schloss und Riegel „jemand sitzt im Gefängnis“.

Heute bezeichnet Schloss im Allgemeinen eine Vorrichtung zum Verschließen, die mit einem Schlüssel geöffnet werden kann. Um die Vielzahl der zur Verfügung stehenden Schlösser näher zu bezeichnen, wurden mit Schloss zahlreiche Zusammensetzungen gebildet, die sich auf den zu verschließenden Gegenstand beziehen, auf die Machart oder auf die Form des Schlosses. Hier sei genannt Fahrradschloss, Kofferschloss, Lenkradschloss, Speichenschloss oder Türschloss, Bügelschloss, Hängeschloss, Kastenschloss, Kettenschloss, Kombinationsschloss, Ringschloss, Sicherheitsschloss, Steckschloss, Vorhängeschloss, Zahlenschloss, Zylinderschloss und Zündschloss.

Ab dem 13. Jahrhundert wurden mit dem Wort Schloss auch Burgen bezeichnet. Diese Übertragung der Bezeichnung basiert auf der Vorstellung von Burgen als befestigte Bauten, die einerseits gut verschließbar sind und andererseits als Sperre für Täler, Straßen oder Flüsse dienten. Beispiel hierfür ist die Burg in Goldegg, die als Wehranlage konzipiert ist und den Namen Schloss Goldegg trägt. Schlösser wurden aber nicht nur auf festem Boden erbaut, sondern auch im Wasser. Diese Schlösser werden Seeschloss oder Wasserschloss genannt, wie beispielsweise Schloss Ort in Gmunden, das im Traunsee steht, oder Schloss Anif bei Salzburg, das in einem Weiher errichtet wurde.

Im 15. und 16. Jahrhundert veränderte sich die Architektur der Burgen. Die umgebenden Befestigungsanlagen wurden weniger und mit der Zeit vollständig aufgegeben. Die Bauwerke, die mit dem Wort Schloss bezeichnet wurden, erhielten ein prachtvolleres Aussehen und dienten zur Repräsentation als Fürsten- und Herrschersitze. Einhergehend mit diesen baulichen Veränderungen entwickelte sich für das Wort Schloss die Bedeutung „Palast“.

Für ihre Sommersitze ließen Fürsten und Herrscher eigene Schlösser errichten, die Lustschlösser genannt wurden. Diese Schlösser waren Privathäuser, in denen sich Fürsten und Adelige mit ihren Familien (oder Mätressen) vom Hofzeremoniell zurückziehen konnten. Prominente Beispiele dafür sind Schloss Hellbrunn in Salzburg und Schloss Schönbrunn in Wien. Die ersten Schlösser dieser Art entstanden in Frankreich im 17. Jahrhundert und wurden maison de plaisance „Haus des Vergnügens“ genannt. Nach französischem Vorbild ließ auch im deutschsprachigen Raum der Adel solche Schlösser errichten und übernahm die französische Bezeichnung maison de plaisance ins Deutsche als Lustschloss.

Und schließlich begegnet ab dem 17. Jahrhundert das Wort Luftschloss. Dieses Wort ist keine Bezeichnung eines realen Bauwerks, sondern geht auf die Redewendung Schlösser in die Luft bauen zurück, die seit dem 16. Jahrhundert belegt ist. Das Wort Luftschloss bezeichnet etwas, was sich jemand in seiner Phantasie ausmalt, aber nicht realisierbar ist und findet sich heute zumeist in den Ausdrücken Luftschlösser bauen oder das sind doch alles Luftschlösser für „das sind unrealistische Vorstellungen, Hirngespinste“.


Januar

Januar – Der Monat des Gottes Ianus

Der Name des ersten Monats im Jahr leitet sich von dem altitalischen Gott Ianus ab und ist seit dem 18. Jahrhundert in Gebrauch. Der ältere Name des Monats ist Jänner.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Das Wort Januar geht zurück auf die lateinische Monatsbezeichnung mēnsis (Monat) Iānuārius. Die Bezeichnung steht in Verbindung mit dem altitalischen Gott Iānus, dem Gott des Jahresanfangs, der Türen und der Durchgänge. Ianus wird mit zwei in entgegengesetzte Richtung blickende Gesichter dargestellt. Er sitzt am Eingangstor des Himmels, trägt einen Schlüssel und entscheidet, wer das Tor passieren darf. Deshalb trägt der Gott den Namen Iānus, da lateinisch iānus „Durchgang, Torbogen“ und lateinisch iānua „Tür“ bedeutet. Der römische Dichter Ovid (43 v. Chr.-17 n. Chr.) lässt in seinem Buch über den römischen Festkalender den Gott selbst zu Wort kommen. Ianus erklärt dem Dichter den Grund für sein Aussehen. Er, Ianus, sei wie ein Pförtner, der am Hauseingang sitzt und das Kommen und Gehen beobachtet. Er ist der Pförtner des Himmelspalastes, der die Gegend der Morgenröte und des Abends gleichzeitig sieht. Damit er nicht Zeit verliere, wenn er den Nacken wende, habe er vorne und hinten ein Gesicht und könne so beide Seiten gleichzeitig sehen.

Bevor die Bezeichnung Januar in Gebrauch kam, wurde der erste Monat im Jahr Jänner genannt. Das Wort Jänner begegnet ab dem 12. Jahrhundert, zunächst in der Schreibung Jennar oder Jenner und geht zurück auf Ienuarius, einer spätlateinischen Variante von Iānuārius. Im Verlauf des 18. Jahrhunderts wurde im deutschsprachigen Raum die Bezeichnung Januar vermehrt verwendet und Jänner im Gebrauch zurückgedrängt. Heute wird Jänner nur mehr in den südlichen Gebieten des deutschen Sprachraums gebraucht und zwar vor allem in Österreich.

Zur Zeit Kaiser Karl des Großen (747/748-814 n. Chr.) waren für die einzelnen Monate teilweise deutsche und teilweise lateinische Bezeichnungen in Gebrauch. Dies gefiel Karl nicht und er führte in seinem Reich eine einheitliche deutsche Namenreihe für die Monate ein. Den ersten Monat im Jahr nannte er wintarmanoth „Wintermonat“. Diese Bezeichnung hielt sich teilweise bis Anfang des 19. Jahrhunderts, jedoch wurde ab dem 12. Jahrhundert in einigen Regionen auch der Monat November Wintermonat genannt. Ab dem 14. Jahrhundert findet sich Wintermonat zusätzlich als Bezeichnung für den Monat Dezember. Hierbei dürfte es sich um eine Kürzung handeln, da sich in einigen Belegen die Bezeichnung der erst wintermonat für November und der ander wintermonat für Dezember findet. Heute verwenden wir Wintermonat als allgemeine Bezeichnung für die Monate im Winter. So sagen wir beispielsweise während der Wintermonate oder in den Wintermonaten und meinen damit zumeist die Monate Dezember, Jänner und Februar.

Für den Jänner waren aber auch andere Namen in Gebrauch. Der Monat wurde Königmonat, Bastianmonat, Fabianmonat oder Paulmonat genannt. Diese Bezeichnungen beziehen sich auf den Kirchenkalender und Heilige, die im Jänner ihren Gedenktag haben. Königmonat nach dem Dreikönigstag am 6. Jänner, Fabian- und Bastianmonat nach Fabian und Sebastian am 20. Jänner und Paulmonat nach Pauls Bekehrung am 25. Jänner.

Der Jänner wurde aber auch Wolfmonat genannt. Die Bezeichnung Wolfmonat teilt sich der Jänner mit dem Monat Dezember. Die Benennung dürfte auf die umherstreifenden Wölfe zurückgehen, die in diesen beiden Monaten für die Viehherden besonders gefährlich waren. Auch wurden in diesen beiden Monaten Wolfsjagden veranstaltet. So schreibt der Meistersinger Hans Sachs im 16. Jahrhundert in seinem Zeitregister zu den zwölf Monaten über den Jänner: Ich mach den wolff zu eynem jeger, der inn dem schnee hat sein geleger. Die hierschen felt er auff den weyern, er heult grausam und thut nit feyern. Wo er kein viech ergreiffen kann, reist er darnider weib und man.


Hearth Scott Chaseling

Linse – Hülsenfrucht, Sehbehelf und Geld

Das Wort Linse bezeichnet eine Hülsenfrucht. Das Wort wird aber auch als Benennung für ein Brennglas, für einen Teil einer Kamera, für einen Sehbehelf und als Synonym für Geld verwendet.

Von Michaela Essler

Das Wort Linse begegnet im Althochdeutschen ab dem 9. Jahrhundert. Die Herkunft des Wortes ist unklar. Die Linsen zählten in vergangenen Zeiten zur Schmalsaat. Das Wort Schmalsaat ist eine Zusammensetzung aus den Worten schmal und Saat, wobei schmal in der alten Bedeutung „klein“ zu lesen ist. Im Mittelhochdeutschen bezeichnete smalsât kleine Feldfrüchte, wie Hirse oder Bohnen, und deren Saat. Im weiteren Zeitverlauf entwickelte sich Schmalsaat zu einer Kollektivbezeichnung für Hülsenfrüchte wie Erbsen, Bohnen, Wicken und Linsen.

Die Linse galt als Bild für etwas Kleines oder eine Kleinigkeit. So bedeutete die Redewendung Linsen spitzen eine kleinliche, unnütze Arbeit verrichten. Auch das Wort Linsengericht „gekochte Linsen“ ist ein Ausdruck, der für eine Kleinigkeit steht. Die Redewendung etwas für ein Linsengericht hergeben bedeutet „etwas Wertvolles für einen unverhältnismäßig geringen Preis hergeben“. Die Redewendung begegnet ab dem 18. Jahrhundert und bezieht sich auf die biblische Erzählung in der Esau sein Erstgeburtsrecht an seinen Bruder Jakob für ein Linsengericht abtrat.

Seit dem 18. Jahrhundert wird das Wort Linse als Bezeichnung für Brenngläser verwendet, da sie eine ähnliche Form wie die Hülsenfrucht haben. Diese Linsen dienen als Vergrößerungsgläser, werden in Fernrohren eingebaut und sind Bestandteile von Mikroskopen. Dazu wurde auch die Tätigkeitsbezeichnung linsen gebildet mit der Bedeutung „Ausschau halten, heimlich nach etwas sehen, blicken“. Aber auch in den Objektiven von Fotoapparaten und Kameras befinden sich Linsen. So sagen wir etwas vor die Linse bekommen für „etwas fotografieren können“. Als Bezeichnung für einen Sehbehelf begegnet uns das Wort Linse ebenfalls. Die dünne, durchsichtige Schale aus Glas oder Kunststoff, die über die Hornhaut des Auges gelegt wird, nennen wir Kontaktlinse und in ihrer Kurzform einfach Linse.

Die Mehrzahl des Wortes Linse konnte auch für Geld stehen, so beispielsweise im Rheinländischen, wo Linsen „Geld“ und christliche Linsen „viel Geld“ bedeutete. Diese Verwendung des Wortes reiht sich in jene Gruppe von Wörtern ein, die eine Masse bezeichnen, die sich aus vielen kleinen Einzelteilen zusammensetzt, und als alternative Bezeichnungen für Geld in Gebrauch sind, wie beispielsweise Kies, Schotter, Kohle oder Mücken.

In unseren Breiten wird nach altem Volksglauben mancherorts am letzten Tag des alten Jahres oder am Neujahrstag Linsensuppe gegessen. Die Linsen stehen für Münzen und sollen im neuen Jahr Geld und Glück bringen. Wie vor über 100 Jahren eine Linsensuppe zubereitet wurde, ist einem Rezept zu entnehmen, das sich im Linzer Volksblatt vom 18.01.1903 findet:

Linsensuppe: Dazu nimmt man ein Viertel bis ein Halb Liter Linsen und bringt sie mit kaltem Wasser recht schnell zum Kochen. Die Linsen werden dann durch einen Durchschlag (Küchengerät zum Durchseihen, Durchsieben) getrieben. Währenddem werden 1 bis 2 Löffel Mehl in einem Stück Butter oder Fett geröstet, wird eine feingeschnittene Zwiebel gedämpft und danach noch darin 2 bis 3 Löffel Schwarzbrot. Darauf werden die durchgetriebenen Linsen dazu gerührt und nach nochmaligem Aufkochen ist die Suppe fertig. Zu der Suppe können gegeben werden geräucherte Wurst, Frankfurter Würste oder Schweinsohren, und zwar erstere in Scheibchen und letztere in Streifen geschnitten. Die einen wie die anderen werden erst beim Anrichten in die Suppe gelegt. In kleineren Haushaltungen kann man auch diese Suppe mittels Resten von Gemüsen bereiten und man hat nur geriebenes Brot mit Butter oder Fett geröstet zu der Brühe zu tun, oder kann sie auch mit bloßem Wasser anrühren und die Linsen durchgetrieben oder ganz darin aufkochen.


Krippenfiguren - Stille Nacht Museum Arnsdorf

Herberge – Vom Heerlager zum Gästehaus

Das Wort Herberge bezeichnete ursprünglich eine Unterkunft für Soldaten und ist eine Zusammensetzung aus den Worten Heer „Armee“ und bergen mit der alten Bedeutung „(auf)bewahren, unterbringen, bergen“.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Das althochdeutsche Wort heriberga bezeichnete anfänglich den Ort, an dem ein Heer lagerte, später das Heerlager selbst und die Menschen im Heerlager. Die Bedeutung des Wortes wurde schon früh verallgemeinert. So zeigen sich bereits im Althochdeutschen weitere Bedeutungselemente. Neben Heerlager bezeichnete heriberga auch eine Raststätte für Reisende, eine Hütte, ein Zelt, aber auch einen Aufenthaltsort oder Standort. Von heriberga wurde die Tätigkeitsbezeichnung heribergōn gebildet, die sowohl „ein Heerlager errichten; lagern“ als auch „sich in einer Herberge aufhalten, als Gast verweilen“ bedeutete. In mittelhochdeutscher Zeit wurde heribergōn zu herbërgen verändert. Die Verwendungsmöglichkeit des Wortes erweiterte sich und konnte nun „Lagerhütten aufschlagen, sich niederlassen, sein Nachtlager nehmen; Wohnung geben, beherbergen“ bedeuten. Das Wort beherbergen findet sich in mittelhochdeutscher Zeit mit der Bedeutung „mit Gästen, mit Fremden versehen“. ___STEADY_PAYWALL___

Die Herbergen im frühen Mittelalter waren zunächst Unterkünfte für Reisende, die nicht auf die Gastfreundschaft von Privatpersonen oder Klöstern zählen wollten oder konnten. Herberge „Unterkunft“ gewährten zu dieser Zeit in den Städten die Bürger. Sie erhielten dafür von den Reisenden ein Geschenk oder etwas Geld. Im ausgehenden Mittelalter wurde mit Herberge eine befristete Unterkunft für Fremde bezeichnet, aber auch ein einfaches Nachtlager oder Quartier. So bedeutete in jemandes Haus zur Herberge liegen „in jemandes Haus ein Nachtlager, ein Quartier haben“, jemanden um Herberge bitten „jemanden um ein Nachtlager bitten“. Als die Städte größer wurden und mehr Fremde und Reisende Nächtigungsmöglichkeiten benötigten, entwickelte sich daraus ein Gewerbe. Die Herbergen boten nun nicht mehr nur Schlafstellen, sondern auch Nahrung für Mensch und Pferd. Herberge bezeichnete nun eine Unterkunft, die ein Wirtshaus oder Gasthaus gegen Bezahlung gewährte.

In den Städten richteten die Zünfte eigene Herbergen ein. Der Leiter einer Zunftherberge wurde Herbergvater genannt. In diesen Herbergen fanden die Zunftversammlungen statt und sie boten Wandergesellen und Gesellen, die keine Arbeit hatten, eine Unterkunft.

Ab dem 14. Jahrhundert wurden auch Mietwohnungen und Miethäuser als Herberge bezeichnet, die Ortsfremde mieten konnten, die sich länger in der Stadt aufhielten. Ebenso Mietwohnungen oder Miethäuser für arme Familien, die sich kein eigenes Haus leisten konnten. So bedeutete jemanden von seiner Herberge vertreiben „jemanden aus der Mietwohnung, aus dem Miethaus vertreiben“.

Heute begegnet das Wort Herberge zumeist nur noch in der Zusammensetzung Jugendherberge. Die Jugendherbergen sind einfach ausgestattete, kostengünstige Unterkünfte für reisende Jugendliche.

In der christlichen Überlieferung ist die Herbergssuche ein Teil der Weihnachtsgeschichte. Im Lukasevangelium wird berichtet, wie Josef mit seiner hochschwangeren Frau Maria nach Bethlehem in Judäa reiste, weil Kaiser Augustus eine Steuerschätzung angeordnet hatte und jeder Einwohner sich in seiner Heimatstadt eintragen lassen musste. In Bethlehem fanden Maria und Josef keine Unterkunft. Deshalb legte Maria ihr neugeborenes Kind in eine Krippe.

Die Herbergssuche von Maria und Josef wird in der Vorweihnachtszeit in szenischen Darstellungen nachgespielt, die von Wechselgesängen begleitet werden. Maria und Josef ziehen auf ihrer Suche nach einer Unterkunft von einer Herberge zur nächsten. Da alle Herbergen mit Reisenden überfüllt sind, finden sie keinen Platz für die Nacht. Schließlich erbarmt sich ein Wirt des Paares und lässt sie in seinem Stall Quartier nehmen. Dort bringt Maria ihr Kind zur Welt, das später der Christus werden sollte. Daher auch die Bezeichnung Christuskind, aus der im Zeitverlauf die gekürzte Form Christkind entstand.


Der Untersberg | Foto: Karl Traintinger

Schnee – Niederschlag, Kuchenzutat und Rauschgift

Das Wort Schnee ist ein sehr altes Wort und kann bis in indogermanische Zeit zurückverfolgt werden. Damit weist das Wort ein Alter von über 6.000 Jahren auf.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Das Wort Schnee ist seit dem 8. Jahrhundert belegt. Das althochdeutsche Wort snēo geht auf germanisch *snaiwa- „Schnee“ zurück. Germanisch *snaiwa- leitet sich von indogermanisch *snigwh „Schnee“ ab, das auf die Tätigkeitsbezeichnung *sneigwh „kleben bleiben“ zurückgeht. Die ursprüngliche Bedeutung von *snigwh „Schnee“ war daher „das, was kleben bleibt; das Klebrige“. Im Gegensatz zu Regen, der abrinnt, ist Schnee ein Niederschlag, der anhaftet. Treiben Windböen den Schnee voran, bleibt er auch an senkrecht stehenden Gegenständen haften, wie zum Beispiel an Baumstämmen, Masten oder Pfeilern, aber auch an Hausmauern, Kleidern und Schuhen. Vermutlich beeinflusste die Bedeutung des Wortes für Schnee die Tätigkeitsbezeichnung, wodurch sich die Bedeutung „kleben bleiben“ zu „schneien“ veränderte.

In der germanischen Vorstellung bewirkte Holda den glänzenden Schnee. Der Name Holda geht auf das althochdeutsche Wort hold „gewogen, geneigt, zugetan“ zurück. Holde und Unholde waren Bezeichnungen für Geistwesen, die einen freundlichen (hold) oder unfreundlichen Charakter (unhold) hatten. Holda war eine freundliche, milde und gnädige Göttin. Wenn sie ihr Bett macht, fliegen die Federn und es schneit auf Erden. Ein später Nachklang dieser Göttin findet sich bis heute in der Märchenfigur Frau Holle.

Winterlandschaft

Sprachlich wird Schnee gerne für Vergleiche verwendet, wie zum Beispiel weiß wie Schnee. So bezeichnet das Wort schneeweiß ein Weiß von besonderer Reinheit, wie beispielsweise schneeweißes Haar, schneeweiße Zähne oder schneeweiße Blüten. Personifiziert findet sich das Wort schneeweiß in der Märchenfigur Schneeweißchen. Der Name Schneewittchen ist eine Variante dazu, der im zweiten Wortteil das niederdeutsche Wort witt „weiß“ enthält.

Das Wort Schnee wird im Sprachgebrauch jedoch nicht nur für den flockigen Niederschlag im Winter verwendet, sondern auch für schlechte Bildqualität, für Eiweiß und für Rauschgift, und zwar im speziellen für Kokain.

In vergangenen Zeiten, als die Fernseher noch Röhrenbildschirme hatten, konnte bei schlechtem Empfang das Bild unregelmäßig weiße flimmernde Rasterpunkte zeigen. Diese flimmernden Punkte auf dem Bildschirm wurden umgangssprachlich Schnee genannt.

Mit dem Ausdruck Schnee schlagen bezeichnen wir nicht das Prügeln von niedergefallenem Schnee im Winter, sondern den Vorgang, durch den Eiweiß in einen festen Zustand gebracht wird, um einem Kuchen- oder Tortenteig beigemengt zu werden. Entsprechend wird das dazu verwendete Küchengerät Schneebesen genannt.

Und schließlich wird das Wort Schnee umgangssprachlich in der Redewendung das ist Schnee von gestern als Synonym für Altes, Überholtes, Vergangenes und für Dinge verwendet, die niemanden mehr interessieren.

Die Redewendung aus dem Jahre Schnee bezeichnet etwas Altes, wie beispielsweise der Anzug ist aus dem Jahre Schnee für „der Anzug ist uralt“. Der Ausdruck im Jahre Schnee wird synonym für „vor sehr langer Zeit“ verwendet, wie zum Beispiel das war im Jahre Schnee modern für „das vor vielen Jahren einmal modern“. Als Variante dazu wird auch das lateinische Wort anno „Jahr“ verwendet, wie beispielsweise das sind Bücher von anno Schnee für „das sind alte Bücher“. Gemeinsam ist diesen Redewendungen und Ausdrücken die abwertende Verwendung.


Residenzplatz Salzburg | Fotos: Michaela Essler

Der Residenzplatz ohne Christkindlmarkt

Hätte vor einem Jahr jemand von einem Residenzplatz ohne Christkindlmarkt gesprochen, wäre die Antwort „undenkbar und unmöglich“ gewesen.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Zwölf Monate später ist das Undenkbare denkbar und das Unmögliche möglich geworden. In diesem Jahr fehlen die Menschen, die dichtgedrängt zwischen den Hütten durchschlendern. Es fehlen die Gerüche von Weihrauch, Glühwein, Punsch, Zuckerwatte und Kaiserschmarrn.

In diesem Jahr ist es die Stille, die die Weite des Platzes fühlbar macht. Es ist keine traurige Stille, die den Platz erfüllt. Es ist eine Stille ohne das Treiben der Welt, die ihre eigene Schönheit hat. Es ist eine Stille, die zum Verweilen einlädt.

Schmarrn & süße Knödel am Salzburger Christkindlmarkt >


Weidenrute

Rute – Züchtigung, Vogelfang und Schatzsuche

Das Wort Rute bezeichnet nicht nur ein Schlaggerät zur Züchtigung, sondern auch Hilfsmittel für den Vogelfang und das Auffinden von Wasser- oder Erzadern.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Das Wort Rute ist seit dem 8. Jahrhundert belegt und leitet sich von germanisch *rōdō „Rute, Stange, Balken“ ab. Ursprünglich bezeichnete das Wort einen längeren, dünnen zweigartigen Teil einer Pflanze, wurde aber schon früh auch als Bezeichnung für einen Stab verwendet. So finden sich im Althochdeutschen mezruota „Messrute“ für einen Messstab oder segalruota „Segelrute“ für eine Segelstange.

Der dominante Gebrauch des Wortes Rute bezieht sich auf ein Züchtigungsmittel. Für diesen Zweck wurde ein einzelner Zweig oder mehrere zusammengebundene Zweige verwendet. In den alten germanischen Rechten galt die Strafe der Rutenschläge als entehrend und Freie verloren durch diese Strafe ihre Freiheit. Der Missetäter wurde öffentlich auf eine Bank ausgestreckt oder an einen Pfahl gebunden und empfing die Rutenschläge auf den nackten Rücken. Die Anzahl der Schläge konnte 50, 100, 150, 200 oder 300 Schläge betragen.

Die Bestrafung mit der Rute lebte noch lange fort und hatte ihre eigene Ausprägung bei den Landsknechten, die Spießruten zur Bestrafung verwendeten. Das Wort Spießrute begegnet ab dem 16. Jahrhundert und bezeichnete eine spitz auslaufende Rute – daher der erste Wortteil Spieß, der mit dem Wort spitz verwandt ist. Die Landsknechte bildeten eine Gasse und schlugen mit den Spießruten auf den zu Bestrafenden ein, der mit nacktem Oberkörper zwischen ihnen durchlaufen musste. Diese Strafe wurde durch die Spießruten laufen genannt und im Zeitverlauf zu Spießruten laufen gekürzt. Heute wird diese Redewendung im übertragenen Sinn verwendet, wenn jemand durch Reihen von Menschen durchgehen oder an Zuschauern vorbeigehen muss, die neugierig starren, spotten oder feindlich gesinnt sind.

Die Rute war aber nicht nur ein Züchtigungsmittel für straffällig gewordene Erwachsene, sondern auch für schlimme und ungehorsame Kinder. So sagte in vergangener Zeit der Nikolaus folgenden Spruch, wenn er die Kinder beschenkte: Gott grüß Euch, liebe Kinderlein, Euch soll was Schöns bescheret sein, so aber eins nicht folgen tut, dem bring ich die gesalzne Rut´.

Das Wort Rute wurde auch als Bezeichnung für den Bischofsstab, den Richterstab oder den Stab des Königs verwendet. In deutschen Landen war die Rute, die der Richter in die Hand nahm, ein Symbol für seine Rechtsprechungsgewalt. Auch die Bischöfe trugen mancherorts eine goldene oder silberne Rute als Symbol ihrer Herrschaft. So bedeutete in vergangener Zeit die Redewendung mit eisernen Ruten regieren eine harte und gnadenlose Herrschaft. Wenn jemand sein eigener Herr wurde, so sagte man auch jemand steht nicht mehr unter der Rute.

Ab dem 15. Jahrhundert begegnet der Ausdruck Leimrute. Die Leimrute ist eine mit Leim bestrichene Rute, die für den Vogelfang verwendet wurde. Die Leimruten wurden ausgelegt oder auf Bäumen aufgehängt. Setzten sich die Vögel darauf, konnten sie nicht mehr wegfliegen und waren für die Vogelfänger eine leichte Beute. Auf die Leimruten geht auch die Redewendung zurück jemandem auf den Leim gehen für „auf jemanden reinfallen, sich von jemandem hereinlegen lassen“. Kreative Köpfe sollen neben dem Vogelfang noch eine andere Verwendung für die Leimrute gefunden haben. So wird berichtet, manche hätten mit Leimruten Geld aus dem Opferstock herausgeholt.

Und schließlich haben wir noch die Wünschelrute. Das Wort begegnet ab dem 13. Jahrhundert und ist eine Zusammensetzung mit einer Verkleinerungsform von Wunsch. Wünschelrute bezeichnete ursprünglich einen Stab, durch den etwas Außergewöhnliches oder etwas Gewünschtes bewirkt werden kann, wie zum Beispiel das Auffinden eines Schatzes. So wurde die Wünschelrute noch im 16. Jahrhundert als Zauber- oder Wahrsagestab interpretiert. Heute bezeichnet Wünschelrute einen gegabelten Zweig oder einen gebogenen Draht, der zum Auffinden von Wasser- oder Erzadern verwendet wird.

INSERT_STEADY_CHECKOUT_HERE


Die Bäckermühler (Stürzer) an der Oichten in Nussdorf

Mühle – Mahlwerk, Irrenanstalt und ausweglose Situation

Das Wort Mühle ist seit dem 10. Jahrhundert belegt. Althochdeutsch mulin oder mulī wurde aus lateinisch molīna entlehnt und bezeichnete die Wassermühle im Gegensatz zu den älteren Handmühlen.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Die Germanen verwendeten für die Herstellung von Mehl steinerne Handmühlen, die aus einem festliegenden ausgehöhlten Stein und einem darauf liegenden beweglichen Stein bestanden, der beim Mahlen gedreht wurde. Die mit Wasserkraft betriebene Mühle ist eine römische Erfindung mit der lateinischen Bezeichnung mola aquariae oder mola aquae. Das lateinische Wort mola bezeichnete ursprünglich nur den Mahlstein. Im Zeitverlauf wurde der Gebrauch des Wortes als Bezeichnung für das gesamte Mühlwerk erweitert. Aus mola entwickelte sich im Spätlateinischen das Wort molīna, das ins Althochdeutsche mit der Einführung der Technologie der römischen Wassermühlen übernommen und zu mulin bzw. mulī gekürzt wurde.

Die ersten Wassermühlen wurden in den germanischen Gebieten nach der Eroberung durch die Römer errichtet. Die großen mit Wasserkraft betriebenen Mühlwerke waren zunächst Privateigentum der Grundherren. Im Mittelalter errichteten die Bürger der wachsenden Städte öffentliche Mühlen, denen für einen bestimmten Bezirk das alleinige Mahlrecht erteilt wurde. Diese Mühlen wurden Bannmühlen genannt. In mittelhochdeutscher Zeit bezeichnete das Wort Bann ein Gebot oder Verbot unter Strafandrohung. Mit der Zeit wurde die Bedeutung des Wortes stark ausgeweitet und erhielt unter anderem auch die Bedeutung „(monopolartiges) Zwangsrecht“. So gab es beispielsweise den Brotbann, der die Menschen verpflichtete, bei bestimmten Bäckern Brot zu kaufen. Das alleinige Recht Mehl zu mahlen, wurde Mahlzwang genannt und entsprach einem Monopol. Mit dem Mahlzwang war eine gleichmäßige Auslastung der Mühlen garantiert und deren wirtschaftliches Überleben gesichert.

Das Wort Mühle wurde mit der Zeit auch als Bezeichnung für andere Maschinen verwendet, mit denen etwas zerrieben, zerstoßen oder zerkleinert wird. Diese Worte sind Zusammensetzungen aus den Bezeichnungen des bearbeiteten Materials und dem Wort Mühle. So finden sich Sägemühle, für Mühlen, die Holz zerkleinern, Papiermühle für Mühlen, die Lumpen und Hadern zerschneiden und zu Papier verarbeiten oder Pulvermühle für Mühlen, die Schießpulver herstellen. Aber auch kleine Mahlwerke im Haushalt werden als Mühle bezeichnet, wie beispielsweise die Gewürzmühle, die Gewürze zerreibt, die Pfeffermühle, die Pfefferkörner zerreibt oder die Kaffeemühle, die Kaffeebohnen zerreibt.

Es finden sich in unserem Sprachgebrauch aber auch Mühlen, die heute nichts mehr mit den Mühlenwerken zu tun haben, wie zum Beispiel Klapsmühle und Zwickmühle.

Das Wort Klapsmühle ist eine umgangssprachliche Bezeichnung für eine psychiatrische Klinik und erst seit Anfang des 20. Jahrhunderts in Gebrauch. Das Wort Klaps „leichter Schlag“ begegnet ab dem 18. Jahrhundert und erhielt im 19. Jahrhundert die zusätzliche Bedeutung „leichte Verrücktheit“. Diese Bedeutungserweiterung begründet sich aus der Vorstellung, ein Schlag auf den Kopf erzeuge Verwirrtheit. So sagen wir jemand hat einen Klaps oder jemand hat einen Schlag für „jemand ist verrückt“ oder „jemand ist nicht ganz bei Verstand“.

Einen völlig anderen Ursprung hat das Wort Zwickmühle. Das Wort begegnet seit dem 16. Jahrhundert und bezeichnet eine Stellung beim Mühlespiel, bei der mit einem Zug eine Mühle geschlossen und eine andere geöffnet werden kann. Beim Wortteil Zwick- handelt es sich um eine unübliche Ableitung von zwei. Die ursprüngliche Form dürfte Zwiemühle gewesen sein – ähnlich wie in zwiefältig, zwiefach „zweifach“ oder zwiespältig „in sich uneins“. Die Zwickmühle ist für den gegnerischen Spieler eine ausweglose Situation. Davon ausgehend sind die Redewendungen in der Zwickmühle sein oder in der Zwickmühle sitzen mit der Bedeutung „in einer schwierigen Lage ohne Ausweg sein; eine Entscheidung zwischen verschiedenen ungünstigen Lösungen treffen müssen“ entstanden.

Die Dorfzeitung als Freund unterstützen:

INSERT_STEADY_CHECKOUT_HERE


Stoff

Hadern und Lumpen – Rohstoff und Schimpfwort

Hadern und Lumpen sind zwei Worte mit der gleichen Bedeutung. Beide Worte bezeichnen abgerissene, zerfetzte Stücke Stoff, alte abgetragene Kleidungsstücke oder Fetzen. Gemeinsam ist beiden Worten die unklare Herkunft.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Das Wort Hader begegnet ab dem 10. Jahrhundert. Das althochdeutsche Wort hadara bedeutete „grobes Wolltuch, Lappen“. Das Wort Lumpen begegnet erst ab dem 15. Jahrhundert im Österreichischen, zunächst in der Form Lumpe mit der Bedeutung „Stofffetzen, alte abgetragene, ärmliche Kleidung“.

Mit der Erfindung des Buchdrucks im 15. Jahrhundert wurden Hadern und Lumpen zu einem wichtigen Rohstoff. Durch den Buchdruck konnten in kurzer Zeit Bücher und Schriften in großen Mengen gedruckt werden. Insbesondere während der Reformationszeit wurden massenhaft Flugblätter gedruckt. Der Bedarf an Papier stieg daher massiv an. In dieser Zeit waren Hadern und Lumpen aus Leinen und Baumwolle das Material, aus dem Papier hergestellt wurde. Das professionelle Lumpensammeln dürfte daher zeitnah mit der Erfindung des Buchdrucks aufgekommen sein. Hadern und Lumpen waren nun ein wertvoller Rohstoff, der in großen Mengen benötigt wurde. Mancherorts war die Nachfrage so groß, dass eine Lumpenknappheit entstand und Ausfuhrverbote verhängt wurden.

Die Papiermacher sicherten sich ihre Rohstoffversorgung, indem sie Lumpensammelbezirke einrichteten, für die ein Lumpensammelprivileg erteilt wurde. Nur wer einen Berechtigungsschein hatte, durfte in dem jeweiligen Bezirk Lumpen sammeln und war verpflichtet, Hadern und Lumpen ausschließlich an die Papiermühle zu liefern, von der er den Berechtigungsschein hatte.

Das Lumpensammeln war eine schmutzige Arbeit. Die Lumpen waren zumeist alte, verdreckte, abgetragene und unbrauchbare Kleider, Tücher, stinkende Lappen und Fetzen. So waren die Lumpensammler auch selbst dreckig und staubig und trugen zumeist alte, abgetragene Kleider, die den Lumpen auf ihren Wägen nicht unähnlich waren. Obwohl die Lumpensammler wichtige Rohstofflieferanten waren, wurden sie verachtet. Und wie allen, die zum fahrenden Volk gehörten, wurde auch den Lumpensammlern Unehrlichkeit unterstellt.

Um auf sich aufmerksam zu machen, kündigten sich die Lumpensammler mit dem Ruf Hadern, Lumpen! an. Die Verwendung beider Worte mag möglicherweise in regionalen sprachlichen Unterschieden begründet gewesen sein. Denkbar ist auch eine unterschiedliche Bedeutung beider Worte. So bezeichnete im Mittelhochdeutschen das Wort lumpe „Lumpen, Fetzen“ und das Wort hader „zerrissenes Stück Stoff, Lappen“. Sollten unterschiedliche Bedeutungen bestanden haben, verschwammen sie schon früh ineinander und sind heute nicht mehr greifbar.

Schon bald wurden die beiden Worte zusammengezogen. Das Wort Haderlumpen begegnet ab dem 15. Jahrhundert und bezeichnete sowohl die Lumpen als auch die Lumpensammler. Durch den schlechten Ruf, den die Lumpensammler hatten, wurde das Wort zu einem Schimpfwort. Heute hat Haderlump die Bedeutung „Taugenichts, verkommenes Subjekt“.

Aber nicht nur Haderlump wurde ein Schimpfwort, sondern auch Lump, das ab dem 17. Jahrhundert als abwertende Bezeichnung für Menschen verwendet wird. Ein Lump war eigentlich jemand, der Lumpen trägt. Da die Lumpensammler als unehrlich galten, konnte daraus die Bedeutung „Betrüger, Gauner“ entstehen und sich in weiterer Folge zur heutigen Bedeutung „verkommener, unehrenhafter, charakterloser Mensch“ entwickeln.

Von dem Wort Lumpen wurde auch die Tätigkeitsbezeichnung lumpen gebildet. Das Wort hatte ursprünglich die Bedeutung „schlaff hängen“, wie zum Beispiel die Kleider lumpen ihm am Leib. Mit der Zeit wurde die Bedeutung ausgeweitet zu „ein liederliches Leben führen, mit Alkohol feiern“. So sagen wir heute jemand hat die ganze Nacht gelumpt, wenn die ganze Nacht mit viel Alkoholgenuss gefeiert wurde.

Und schließlich haben wir noch die Redewendung sich nicht lumpen lassen. Sich lumpen lassen bedeutete ursprünglich „für einen Lumpen angesehen werden, als Lump beschimpft werden“. Das Gegenteil davon ist der Ausdruck sich nicht lumpen lassen „sich nicht als Lump beschimpfen lassen“, der heute die Bedeutung „sich großzügig zeigen, freigebig sein“ angenommen hat.

Die Unabhängigkeit der Dorfzeitung mit einem Abo unterstützen!

INSERT_STEADY_CHECKOUT_HERE


oichtental im nebel

Nebel – Dunst und Dunkelheit

Das Wort Nebel bezeichnet nicht nur weißen Dunst über dem Erdboden, sondern steht auch für Undurchsichtigkeit und Dunkelheit.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Das Wort Nebel ist seit dem 8. Jahrhundert belegt und geht zurück auf germanisch *nebula- „Nebel, Dunkelheit“. Das althochdeutsche Wort nebul hatte neben „Nebel, Dunst“ auch die Bedeutung „das die Sicht Trübende oder Verdunkelnde“.

Die Undurchsichtigkeit des Nebels betonen wir gerne mit Beiwörtern und Zusammensetzungen. So sprechen wir vom undurchsichtigen Nebel, undurchdringlichen Nebel oder dicken Nebel, von der Nebelwand, dem Nebelschleier oder der Nebelsuppe.

Anders als Regen oder Schnee, die immer von oben nach unten fallen, kann Nebel sowohl von unten als auch von oben kommen. So sagen wir Nebel steigt auf oder Nebel senkt sich. Ebenso verwenden wird das Wort auch in der Mehrzahl: die Nebel steigen auf oder die Nebel senken sich.

Noch bis ins 19. Jahrhundert hinein glaubten Menschen, durch das Läuten der Glocken Nebel vertreiben zu können. Ebenso herrschte der Glaube, Gewitter würden sich durch Glockengeläut entfernen und teilen. Dieses Läuten der Glocken wurde Wetterläuten genannt. So gab es im 16. Jahrhundert die Redensart Wann der Hagel als (alles) erschlagen hat, so ist das Wetterläuten zu spat (spät).

Aus dem Element der Dunkelheit entwickelte sich bis in mittelhochdeutsche Zeit zusätzlich die Bedeutung „unsichtbar machend“. Diese Bedeutung findet sich in dem Wort Nebelkappe wieder. Das Wort Kappe ist hier mit seiner ursprünglichen Bedeutung „Mantel mit Kapuze“ zu verstehen. Nebelkappe bezeichnet ein Kleidungsstück, das den Träger oder die Trägerin unsichtbar macht, und findet sich häufig in Sagen über Zwerge.

Von dem Wort Nebel wurde auch eine Tätigkeitsbezeichnung nebeln „nebelig sein, nebelig werden“ gebildet und die Zusammensetzungen vernebeln, umnebeln, einnebeln und benebeln, die heute häufig im übertragenen Sinn verwendet werden.

Das Wort vernebeln „etwas in Nebel, Dunst, Rauch, Qualm einhüllen“ wird auch im übertragenen Sinn mit der Bedeutung „nicht mehr klar denken können“ verwendet, wie beispielsweise den Verstand vernebeln, der Verstand ist vernebelt oder das Gehirn vernebeln, das Gehirn ist vernebelt.

Das Wort einnebeln „etwas in Nebel hüllen“ wird gerne für Rauchwolken verwendet, wie beispielsweise die Rauchwolken des Feuers nebelten die ganze Gegend ein. In vergangenen Zeiten konnte einnebeln auch mit Zigarettenrauch verbunden werden: die Wirtsstube war mit Zigarettenrauch eingenebelt.

Das Wort nebulos oder nebulös „verschwommen, unklar, nebelhaft“ wurde aus dem Französischen ins Deutsche übernommen. Französisch nébuleux „bewölkt, nebelig; finster, dunkel, unklar“ geht zurück auf lateinisch nebulōsus „nebelig, trübe, dunkel“. Das Wort nebulos verwenden wir nicht im Zusammenhang mit dem Wetter, sondern als Bewertung von Ideen, Vorstellungen, Überlegungen, Zielen und Ähnlichem, die unausgegoren und wenig realitätslastig sind.

Und schließlich haben wir noch den Ausdruck bei Nacht und Nebel. Die formelhafte Verbindung Nacht und Nebel findet sich schon im Mittelhochdeutschen in der Dichtersprache und in Gesetzestexten. Da Nacht und Nebel für Dunkelheit stehen, ist die Formel bei Nacht und Nebel nicht nur eine Zeitangabe, sondern bedeutet im übertragenen Sinn „etwas geschieht im Verborgenen, im Geheimen“. Der Ausdruck Nacht-und-Nebel-Aktion bezeichnet daher eine Handlung, die überraschend und heimlich durchgeführt wird. Ursprünglich wurde dieser Ausdruck für nächtliche Polizeiaktionen verwendet, die unter Missachtung von Vorschriften geheim durchgeführt wurden. Heute ist der Ausdruck nicht mehr an den ursprünglichen Kontext gebunden, sondern kann für jegliche überraschende, heimliche Handlung oder Aktion verwendet werden, wie beispielsweise in einer Nacht-und-Nebel-Aktion trieben sie die Kühe fort oder in einer Nacht-und-Nebel-Aktion versenkten sie das Auto im See.


Gans

Gans – Nutztier und Festtagsbraten

Das Wort Gans lässt sich bis in indogermanische Zeit zurückverfolgen und ist daher über 6.000 Jahren alt.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Das Wort Gans geht zurück auf germanisch *gans- „Gans“, das sich von indogermanisch *ghans- „Gans, Schwan“ ableitet. Die Gans wurde schon sehr früh innerhalb der Bauernhöfe und auf Weiden gehalten und war als Nutztier wertvoll, weil sich von ihr Eier, Federn und Fleisch verwerten lassen. Die Federn der Gans dienten als Füllmaterial für Pölster und Decken und wurden später auch als Schreibfedern verwendet, die Gänsekiele genannt wurden. ___STEADY_PAYWALL___

Die Flügel, der Hals und die Innereien der Gans werden Gänseklein genannt. Das Wort begegnet ab dem 18. Jahrhundert und ist eine Kürzung aus Gänsekleinod. Das Wort Kleinod findet sich seit dem 12. Jahrhundert und bezeichnete im Mittelalter kleine Dinge, zierliche und kunstreiche Gegenstände wie Bücher und Goldschmiedearbeiten, Schmuck oder Abzeichen auf Wappen und Helmen. Aus der Bedeutung „klein“ entwickelte sich die Bedeutung „Kleinheit“. Daher verwendeten die Schlachter und Fleischer das Wort Kleinod auch als Bezeichnung für die kleinen Schlachtteile und Innereien von Tieren.

Besonders zum Fest des Hl. Martin am 11. November wird traditionell gerne Gänsebraten gegessen, der entsprechend als Martinsgans oder in unseren Regionen Martinigansl bezeichnet wird. Der 11. November, der Martinstag oder Martini, war im Mittelalter nicht nur ein Festtag, sondern auch ein Markttag, ein Tag, an dem das Herbstgericht stattfand und Verwaltungsposten besetzt wurden. Mit dem 11. November endete das Wirtschaftsjahr und damit waren an diesem Tag Zahlungen und Abgaben fällig, die Martinisteuer, Martinsgeld, Martinigeld oder Martinizins genannt wurden. Oft waren diese Abgaben auch in Form von Naturalien zu leisten, die dann entsprechende Namen trugen, wie zum Beispiel Martinshenne, Martinihuhn, Martinigans, Martinsschaf, Martinshafer oder Martinsbrot.

Die Mehrzahl von Gans, das Wort Gänse, begegnet uns heute auch in verschiedenen Zusammensetzungen, wie Gänsehaut, Gänsemarsch, Gänseblümchen und Gänsefüßchen.

Das Wort Gänsehaut ist seit dem 16. Jahrhundert belegt und bezeichnet die menschliche Haut, die bei Schreck oder bei Kälte optisch an die Haut einer gerupften Gans erinnert.

Mit dem Wort Gänsemarsch wurde ursprünglich der für die Gänse typische Marsch bezeichnet, die eine hinter der andern hergeht. Ungefähr ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Wort dann auch für andere Tiere oder Menschen verwendet, wenn sie so wie Gänse hintereinander hergehen.

Das Wort Gänseblümchen geht zurück auf die ältere mittelhochdeutsche Form gensebluome mit der die weiße Glockenblume bezeichnet wurde. Das Benennungsmotiv dürfte wahrscheinlich die Farbe gewesen sein, die die weißen Glockenblumen mit den Gänsen gemeinsam haben. Ab dem 16. Jahrhundert begegnet das Wort Gänseblümchen als Bezeichnung für die weißen Blumen, deren wissenschaftlicher Name Bellis perennis lautet. Als Benennungsmotiv für diese Blume kann ebenfalls die weiße Farbe angenommen werden. Da diese Blume häufig auf dem Gänseanger wuchs, könnte dies ebenfalls zu der Bezeichnung Gänseblümchen geführt haben.

Das Wort Gänsefüßchen hingegen entstammt der Sprache der Buchdrucker und begegnet erstmals im 18. Jahrhundert. Die Drucker übersetzten den lateinischen Ausdruck signum citationis „Zitierzeichen“ zuerst mit dem Wort Anführungszeichen. Wohl aufgrund der Form der Füße oder der Fährte einer Gans nannten sie die Anführungszeichen dann auch Gänsefüßchen. Alternative ältere Bezeichnungen waren auch Gänseaugen oder Hasenöhrchen. Diese beiden Ausdrücke verwenden wir heute nicht mehr als Bezeichnung für Zitierzeichen. Anführungszeichen und Gänsefüßchen jedoch sind bis heute in unserem Sprachgebrauch lebendig.

Weitere Infos: