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krieg der wörter

Krieg beginnt nicht mit dem ersten Schuß, beginnt nicht mit dem ersten Toten. Krieg beginnt Jahre vorher mit den Worten.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Jürgen Wertheimer ist Professor für Germanistik und vergleichender Literaturwissenschaft an der Universität Tübingen. In seinen Buch „Krieg der Wörter – Die Kulturkonfliktslüge“ beschreibt Jürgen Wertheimer wie Kriege und Kulturkonflikte „inszeniert“ werden: Zunächst wird ein Feind erfunden, und einer Gruppe zugeordnet. Als nächstes „entdeckt“ man sich selbst neu. Bisherige Schwächen werden als Stärken dargestellt – daß es Schwächen sind, daran sind die „anderen“ schuld.

Autor: Jürgen Wertheimer
Titel: Krieg der Wörter. Die Kulturkonfliktslüge
Verlag: LiteraturWissenschaft.de; Marburg (in der TransMIT-GmbH, Gießen) Auflage: 1.,
Erschienen: 15. April 2003
Sprache: Deutsch
ISBN-10: 3936134057
ISBN-13: 978-3936134056

Dann wird ein „Programm“ erstellt, in dem das eigene Recht und das Unrecht der anderen dargestellt wird. Zu diesem Programm werden noch Mythen hinzugefügt: Leidens- und Opfergeschichten aus der nationalen Geschichte. An sich Banales wird zum Mythos stilisiert. Symbole, Farben, und Zeichen werden zum Identifikationspunkt für die Massen. Damit sind die Voraussetzungen für Massaker und ethnische Säuberungen geschaffen.

Den Boden für diese Kulturkriege bereitet die Sprache. „Die Sprache ist die Software im Arsenal der Kriege zwischen Kulturen“ so Wertheimer. „Mittels der Software „Sprache“ programmiert die Gesellschaft sich selbst. Sprache moduliert nicht nur Einstellungen, sondern regelt die gesamten Verarbeitungsmechanismen des Umgangs mit dem anderen.“ „Der Krieg der Worte ist nicht Modell oder Vorspiel, sondern bereits unmittelbares Geschehen. Worte sind in diesem Sinne bereits Taten, Sprachhandlung verweist nicht auf Handlung, sondern ist bereits Handlung.“

Die Sprache erzeugt Wirklichkeiten und Wirklichkeiten werden der Sprache und den Texten angeglichen. Die Vereinfachungen, die durch eindeutige Zuordnungen, eindeutige Bestimmungen entstehen, widersprechen dem Erleben des Einzelnen. „Kulturkriege“ entstehen häufig zwischen Gruppen, die sich sehr gut kennen. Der Feind ist nicht der Fremde, sondern der Wohlbekannte. Die Kunst der Kriegstreiber besteht darin, diese Erfahrung des mehr oder weniger harmonischen Miteinander auszulöschen, Abgrenzung zu schaffen.

Wie schwierig Identität und Zugehörigkeit ist, untersucht Jürgen Wertheimer an verschiedenen literarischen Texten: Lessings „Nathan“, Josef Roths „Radetzkymarsch“ und Texten von Heinrich Heine.

An Beispielen wie Bosnien, Kosovo und Palästina, dem Nationalsozialismus und den Konflikten zwischen Judentum, Christentum und Islam analysiert Jürgen Wertheimer ausführlich wie Sprache und vor allem „Gesinnungskitschphrasen“ den Weg ins „völkische Reinheitsdesaster“ öffnen. Er untersucht minutiös welche Wirkung Mythen in diesem Szenario haben, wie eine beliebige Geschichte in ein Stück bedeutsame Geschichte verwandelt wird: „Schlammschlacht wird zum Kreuzzug hochgesungen, eigene Dämlichkeit wird als Reinheit zum Kult, Irrläufer werden Märtyrer, Blindgänger verwandeln sich in Legenden; Neid ist Volkszorn, Sadismus Härte, Mord Opfer.“

Überall wo Absonderung passiert, überall wo Gruppenidentität und die Dominanz einer Gruppe hochstilisiert wird, ist die Gefahr der Eskalation. Jürgen Wertheimer sieht die einzige Möglichkeit der friedlichen Koexistenz verschiedener Gruppen, Ethnien und Völker in der Akzeptanz der Verschiedenheit. Es darf kein „Entweder – Oder“ geben – es muß ein „Sowohl – als auch“ sein: „Es geht nicht um Angleichung oder Anpassung, sondern um die Kraft, anders sein zu können und den Anderen gelten zu lassen in seinem Anderssein.“

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political correctness

In den späten 1960er Jahren trat der Begriff  Political Correctness bzw.  political correct im Umfeld der nordamerikanischen Linken erstmals auf. Political correct war ein Ausdruck der politischen Linken, der eher ironisch oder spöttisch verwendet wurde, um die extremen Vertreter der Parteilinie zu bezeichnen, die ideologischen Hardliner.

Michaela EsslerVon Michaela Essler

Sehr bald übernahmen die Konservativen den Begriff, veränderten jedoch seine Bedeutung: im Sprachgebrauch der Konservativen war political correct bzw. Political Correctness ein disqualifizierender Ausdruck, mit dem die Aktivitäten der amerikanischen Linken bezeichnet wurden. Durch diese doppelte Verwendung erhielt alles, was als political correct bezeichnet wurde, ein negatives Image – sowohl bei den Konservativen als auch bei den Linken. Political Correctness war zu einem Etikett geworden, mit dem der politisch anders Denkende disqualifiziert werden konnte.

Als die Medien den Begriff aufnahmen und damit in die öffentliche Diskussion brachten, wandelte sich die Bedeutung von Political Correctness wiederum. Werden Ausdrücke, die aus einem speziellen Umfeld stammen, in andere Lebensbereiche übernommen und häufig verwendet, erweitert und/oder verändert sich dadurch oftmals auch deren Bedeutung. Heute wird mit Political Correctness der politische und der allgemeine gesellschaftliche Sprachgebrauch bezeichnet.

Die australischen Sprachwissenschafter Keith Allen und Kate Burridge befassen sich seit Jahren mit dem Auftreten und der Entwicklung von Political Correctness, und haben für die Verwendung und die Bedeutung der Political Correctness folgende Charakteristika herausgearbeitet:

1)   Political Correctness ist eine Form des öffentlichen Handelns

Wird der Sprachgebrauch fokussiert, erzwingt dies die Aufmerksamkeit der Menschen und der Gesellschaft für bestimmte Gruppierungen oder vorhandene Missstände. So bezeichnen sich die Schwarzen in den USA heute als African Americans. Dadurch betonen sie nicht nur ihre historischen Wurzeln, sondern stehen auch gleichwertig in einer Reihe mit anderen Minderheiten in den USA, wie den Japanese Americans oder den Italian Americans. Ein anderes Beispiel ist die Forderung der Frauen nach einer gleichberechtigten Behandlung, die sich auch im Sprachgebrauch niederschlagen muss.

2)   Political Correctness ersetzt Bezeichnungen, die negativ besetzt und/oder diskriminierend sind

Viele Vorurteile gegenüber bestimmten Gruppen und ethnischen Minderheiten spiegeln sich im Sprachgebrauch bzw. in heute veraltenden Bezeichnungen wider, die negativ besetzt sind oder auch Schimpfwortcharakter haben können. So wurden Ausdrücke wie Neger oder Zigeuner in der öffentlichen Diskussion ersetzt durch Afro-American  und  Roma und Sinti.

Ebenso werden diskriminierende Bezeichnungen, die sich auf das Geschlecht, auf die Zugehörigkeit zu einer sozialen Gruppe, auf körperliche oder geistige Behinderungen oder sexuelle Neigungen beziehen, durch neutrale Begriffe ersetzt; oder es werden Bezeichnungen und Ausdrücke verwendet, die von den Betroffenen bevorzugt werden.

3)   Political Correctness bewirkt Sprachwandel

Die klare Grenzziehung zwischen korrekten und inkorrekten Bezeichnungen für bestimmte soziale und ethnische Gruppen markiert auch den Gebrauch der inkorrekten Ausdrücke. Menschen, die ein Vokabular verwenden, das heute nicht mehr als political correct angesehen wird, werden sehr leicht einem einschlägigen gesellschaftlichen und politischen Spektrum zugeordnet, und müssen mit dem Vorwurf des Rassismus, der Ausländerfeindlichkeit, der Frauenfeindlichkeit, etc. rechnen.

Um dies zu vermeiden, verändern die Menschen ihre Sprache: sie verwenden die Ausdrücke, die gesellschaftlich und politisch akzeptiert sind. Dieser Vorgang, den Allen/Burridge auch als Selbstzensur bezeichnen, bewirkt Sprachwandel, der sich durch alle Lebensbereiche zieht. Auch Wörter, die ähnlich klingen, oder Phrasen, in denen Ausdrücke vorkommen, die nicht der Political Correctness entsprechen, werden verändert oder verschwinden gänzlich aus dem Sprachgebrauch. So wird zum Beispiel aus der Mehlspeise Negerkuss der Schokokuss.

Der veränderte Sprachgebrauch, der durch die Political Correctness bewirkt wird, schafft nicht nur ein Bewusstsein für die Anliegen und die Situation der Menschen, sondern führt vor allem zu einem tief greifenden Sprachwandel. Die gesellschaftliche Eigendynamik, die rund um diesen Begriff entstanden ist, bewirkt eine Selbstzensur vieler Menschen bei der Wahl ihrer Worte und verändert somit unsere Sprache nachhaltig.

Sprachwandel gab es zu allen Zeiten, und ist kein einzigartiges Phänomen unserer Zeit. So war es im 19. und Anfang des 20. Jahrhunderts tabu über den Körper zu sprechen: Frauen waren nicht schwanger – sie waren „in anderen Umständen“ oder „guter Hoffnung“. Die Sprachtabus für alles Körperliche sind heute gefallen – und bewirken demzufolge eine offenere Sprache für alle Bereiche, die mit dem Körper zu tun haben, bzw. eine freimütige Verwendung  des Vokabulars, das sich auf den Körper bezieht.

Sprachtabus sind immer an gesellschaftliche Konventionen gebunden. Verändern sich die Konventionen und die Wertigkeiten einer Gesellschaft, so verändern sich auch die Spielregeln, was in welcher Form gesagt werden darf oder soll. Sprachwandel kann somit ein Signal für Veränderungen im gesellschaftlichen Gefüge sein, oder aber gezielt herbeigeführt werden – wie das am Beispiel der Political Correctness der Fall ist – um sprachliche Konventionen und/oder sprachliche Wertigkeiten zu verändern.

 


der blaue Dunst

Michaela EsslerEr ist wieder einmal in aller Munde – der blaue Dunst. Die ewigwährende, endlose Debatte über das Rauchen wurde von der irischen Regierung neu belebt. Rauchverbot an allen öffentlichen Plätzen und an allen Arbeitsplätzen.

Von Michaela Essler

Und so finden sie wieder einmal verstärkt statt – die Debatten. Wie man dagegen am besten zu Felde zieht. Und wie die armen, armen Nichtraucher vor den bösen, bösen Rauchern geschützt werden können.

Eines vorweg – ich bin bekennende und praktizierende Raucherin. Die Glimm-Stengel sind seit nahezu 20 Jahren ein Bestandteil meines Lebens.

Der Großteil aller Raucher versteht und akzeptiert, wenn Nichtraucher sich durch Zigarettenrauch belästigt fühlen, sich Qualm und Gestank nicht aussetzen wollen. Und im Normalfall nehmen Raucher darauf auch Rücksicht. Es ist auch völlig in Ordnung, daß über öffentliche Räume wie Ämter, Behörden, Wartesäle an Bahnhöfen, Kinosäle und Bussen Rauchverbot verhängt wurde. Kein Problem – es muß nicht immer und überall geraucht werden.

Auch die schwarzumrandeten Aufschriften, die seit einigen Monaten auf den Zigarettenpackungen prangen, stören mich nicht. Wie sich das Rauchen auf den Körper auswirkt, wissen wir Raucher besser als jeder Nichtraucher. Dazu brauchen wir keine belehrenden Sprüche auf den Packungen. Aber bitte, wenn manche Menschen meinen, dies würde Raucher helfen, sich vom blauen Dunst zu befreien, so sollen diese Aufschriften eben auf den Zigarettenpackungen stehen. Wie gesagt, es stört weder mich, noch irgendeinen Raucher oder Raucherin, die ich kenne.

Was mich jedoch wirklich stört, ist der Umstand, daß wir Raucher immer mehr den Status von gehirnamputierten Idioten erhalten. Frei nach dem Motto: Die wissen nicht, was sie tun, und müssen vor sich selbst geschützt werden. Und das per Gesetz. An die Adresse all jener, die es sich zur Aufgabe gemacht haben, die Menschheit vor dem Übel des blauen Dunstes zu retten: Wir Raucher wissen, was wir tun.

Rauchen ist ungesund – stimmt. Jeder Raucher weiß es, spürt es, und tut es trotzdem.

Genauso wie wir wissen, daß vieles, was wir essen ungesund ist, und wir essen es trotzdem. Und genauso, wie es Frust- und Streß-Raucher gibt, so gibt es auch Frust- und Streß-Esser. Nur mit dem Unterschied, daß Menschen, die ungesund essen, nicht gesundheitsschädlich für andere sind – könnte da einer argumentieren. Stimmt. Aber wie ist das dann bitte schön mit den Autofahrern. Jeder weiß, daß die Abgase die Umwelt belasten und gesundheitsschädlich sind – für alle. Ich wage die Behauptung aufzustellen, daß diese Abgase uns allen mehr schaden, als die immer geringer werdende Anzahl der Nikotin-Jünger.

Raucher belasten unser Gesundheitssystem mehr als Nichtraucher – ist ebenfalls ein häufiges Argument. Schon möglich. Aber wie ist das dann bitte mit all jenen, die Sport betreiben, und sich dabei unzählige Verletzungen zuziehen. Schifahren, Snowboarden, Fußball spielen, Bergsteigen, Judo, Mountainbiken, Tennis spielen, Skaten – auch dies belastet unser Gesundheitssystem.

Das Für und Wider ist zweifelsohne eine Frage des Standpunkts. Für die einen ist Tabak ein Genußmittel, für die anderen ein Suchtgift. Wie so oft, stimmt beides. Auf die Menge kommt es an. Die Einstellung unserer Gesellschaft gegenüber dem Rauchen hat sich verändert. Nichtraucher fordern verstärkt rauchfreie Zonen, die mittlerweile auch geschaffen worden sind, und in Zukunft vermutlich noch mehr werden. Das ist in Ordnung. Aber es wird auch in Zukunft Menschen geben, die dem blauen Dunst huldigen. Das steht völlig außer Zweifel. Und es ist die Entscheidung jedes einzelnen Menschen, ob er raucht oder nicht. Genauso wie es die Entscheidung jedes einzelnen Menschen ist, ob er sich gesund ernährt oder nicht, ob er Sportarten mit hoher Verletzungsgefahr betreibt oder nicht. Und genau so wie es rauchfreie Zonen gibt, für jene die nicht rauchen, genau so haben Raucher-Zonen ihre Berechtigung.

Ich halte hier kein Plädoyer für das Rauchen. Jeder Mensch entscheidet diese Frage für sich selbst. Aber in die Ecke der Gesellschafts-Schädlinge und Denkunfähigen lassen wir Raucher uns auch nicht stellen.


… oder “Gedanken zur traditionellen österreichischen Gasthauskultur”

Sie sind überall. An allen Ecken sind sie zu finden. Und es werden immer mehr. Italiener, Chinesen, Griechen, Türken, Mexikaner, Inder und Japaner. Und wir gehen gerne hin, genießen, was sie uns zu bieten haben.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Der Salzachhof in Oberndorf ist schon seit langer Zeit ein für seine gute Küche bekanntes  Chinarestaurant.
Der Salzachhof in Oberndorf ist schon seit langer Zeit ein für seine gute Küche bekanntes Chinarestaurant.

Wer ißt heute noch Leberknödelsuppe, Wiener Schnitzel oder Schweinsbraten? Nein. Pizza, Frutti die Mare, Frühlingsrolle, Peking-Ente, Kebab, Gyros, Chili oder Sushi ist nach unserem Geschmack. Wir sind weltoffen und international unterwegs – auf der Speisekarte.

Mit unseren Speiseplänen durchwandern wir die ganze Welt. Und verlieren dabei scheinbar unsere heimische Kost völlig aus den Augen, oder besser gesagt, aus dem Magen. Ich nehme mich da selbst nicht aus. Ich gehe auch gerne zum „Italiener“. Aber mancherorts wird es schon schwierig ein Wirtshaus oder ein Restaurant zu finden, in dem noch österreichische Küche angeboten wird.

Schweiger´s Gasthaus zur Plainbrücke am Stadtrand von Salzburg wird als sehr gute italienische Trattoria geführt.
Schweiger´s Gasthaus zur Plainbrücke am Stadtrand von Salzburg wird als sehr gute italienische Trattoria geführt.

Alles zu fett, zu cholesterinhaltig, zu ungesund – könnte da einer argumentieren. Wir legen eben Wert auf gesunde Ernährung. Möglich, daß es damit zu tun hat. Wäre da nicht der überaus beliebte amerikanische „Kulinarik“-Import: auch bekannt als McDonalds. Und ob Hamburger wirklich so viel gesünder sind als Wiener Schnitzel sei einmal dahin gestellt. Die gesunde Ernährung kann es also nicht sein, die uns wegtreibt von den österreichischen Spezialitäten.

Der Salzachhof in Oberndorf ist schon seit langer Zeit ein für seine gute Küche bekanntes  Chinarestaurant.
Der Salzachhof in Oberndorf ist schon seit langer Zeit ein für seine gute Küche bekanntes Chinarestaurant.

Und wenn wir schon international unterwegs sind: wo sind bitte schön die Franzosen, Spanier, Portugiesen, Polen, Ungarn, Schweden, Holländer oder Russen? In diesen Ländern gibt es doch sicher auch Speisen, die uns munden.

Einzig und allein bei den Mehlspeisen bleiben wir in heimischen Gefilden. Palatschinken, Marillenknödel, Krapfen, Wuchteln sind nach wie vor auf unserer Hit-Liste. Und ganz offensichtlich sind Apfelstrudel, Sachertorte, Topfengollatschen oder Zwetschkenfleck durch nichts zu übertreffen.

Und damit verbunden natürlich unsere Kaffee-Kultur: Verlängerter, großer Brauner, Mokka, Melange sind ungeschlagen.

Salzechner´s Gasthaus in Oberndorf Ziegelhaiden heißt heute Indian Palace und wirbt mit indischen Spezialitäten.
Salzechner´s Gasthaus in Oberndorf Ziegelhaiden heißt heute Indian Palace und wirbt mit indischen Spezialitäten.

Einzig der Cappuccino macht da ein wenig Konkurrenz. So sind unsere Cafehäuser die letzte unangefochtene Bastion österreichischer Köstlichkeiten.

Wir wollen hoffen, daß unsere Eßgewohnheiten die österreichische Küche nicht gänzlich in die Bedeutungslosigkeit schicken. Und wir auch in Zukunft noch Lokale finden, in denen sie angeboten wird.

Taxhams Antwort auf das Wirtesterben …

Der Taxburger
Der Taxburger

Als Hansi noch Bosna machte. 
Ein Beitrag von Karl G. Mayr (kama)

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**Nobelpreisverdächtig Foto: KTraintinger

Es war wieder einmal soweit. Am 06. Februar 2004 war Vollmond. Bekanntlich sind die Tage vor Vollmond oft etwas turbulenter, als andere. Viele leiden unter Schlaflosigkeit, und es treten gehäuft Merkwürdigkeiten auf, die die allgemeine Anspannung noch erhöhen.

Michaela EsslerVon Michaela Essler

Ebenso stehen heuer vielerorts Wahlen ins Haus. Und so hat uns Vorwahlzeit in Verbindung mit Vollmond in den vergangenen Tagen auch so manches an Merkwürdigkeiten geboten.

Merkwürdigkeit Nr. 1

Fast ein Jahr ist es her, seit die USA verkündeten, die Welt müsse vor den im Irak lagernden Massenvernichtungswaffen geschützt werden. Aber bis jetzt konnte nichts dergleichen gefunden werden. Die Geheimdienste hätten gepfuscht, tönt es nun aus dem Weißen Haus. Aber die wollen auch nicht von „einer unmittelbaren Bedrohung“ berichtet haben.

Eine Untersuchungskommission soll nun die Geheimdienstarbeit vor dem Irak-Krieg überprüfen. Ergebnis aber bitte erst im Jahr 2005, damit die Präsidentenwahlen im November heurigen Jahres nicht beeinträchtigt werden.

Merkwürdigkeit Nr. 2

Es wurde uns verkündet, wir haben es gehört: Die Steuerreform ist der große Wurf. Gut, mag so sein. Nur: der große Wurf ist untergegangen in der Woge der Entrüstung über die neuen Pensionsbescheide. Und irgendwie hat man das Gefühl, daß unsere Regierung die Aufregung völlig überraschend traf. Die ersten Reaktionen waren dann auch etwa so in dem Stil: „Jössas, eine soziale Härte! Das müssen wir irgendwie übersehen haben.“

Wenn großartig verkündet wird, daß die Pensionen erhöht werden, denkt jeder automatisch, daß sich der Auszahlungsbetrag erhöht. Prinzipiell gibt es bei Gehältern und Pensionen eine Faustregel: Interessant ist einzig und allein der Auszahlungsbetrag. Nichts anderes.

Merkwürdigkeit Nr. 3

Slogan-Wettbewerb für Benita Ferrero-Waldner. Auf der Internetseite www.benita.at (2009 Aufgelassen. Anm. der Red) sind sie nachzulesen – die bereits eingereichten Slogans. Ist ja ein ganz netter Einfall. Nur erinnert das Ganze doch etwas an Marketing-Gags für Popstars. Aber nicht nur über den Slogan-Wettbewerb wird informiert. Ebenso können sich alle, die das wollen, als Unterstützer eintragen. Und damit es einfacher ist, werden gleich verschiedene Formen der Unterstützung angeboten, wie zum Beispiel: „Ich möchte mit einem Benita-Aufkleber unterwegs sein“ oder „Ich möchte gerne eine freiwillige Wahlspende schicken“ anschließend wird auch gleich das Bankkonto bekanntgegeben.

Auf der Internetseite www.heinzfischer.at (2009 noch aktiv, da zur Zeit Bundespräsident. Anm. der Red.)findet sich nichts dergleichen. Das Motto dieser Seite lautet schlicht „Im Dialog mit Österreich“. Keine Slogan-Wettbewerbe, keinerlei Unterstützungsvorschläge.

Aber was solls, wir haben es wieder geschafft, der Vollmond liegt hinter uns. Die Vorwahlzeiten dauern in Österreich zwar noch einige Wochen, aber bis zum 07. März ist es nicht mehr lange hin. Dann finden die Landtagswahlen statt und am 25. April die Bundespräsidentenwahlen. Bis dahin heißt es durchhalten.
Übrigens: der nächste Vollmond ist am 07. März 2004.


"Die Zähmung der Widerspenstigen" in der Salzburger Elisabethbühne

Der Mann ist der Herr, das Haupt. Die Pflicht der Frau gegenüber ihrem Herrn ist es ihm zu dienen. Willkommen in Shakespeares Wunderwelt der Geschlechterrollen. Und doch: so ganz heil war auch damals die Welt nicht, denn Katherina unterwirft sich diesem Frauenbild nicht. Sie ist zänkisch, wild und kämpferisch – ein wahrer Greuel für ihre männlichen Zeitgenossen.

Michaela EsslerVon Michaela Essler

Wie lieb und begehrenswert ist da doch ihre jüngere Schwester Bianca: sanft, einfältig und gelegentlich etwas dümmlich. Und so kann sich Bianca kaum ihrer Verehrer erwehren. Ihr Vater hat jedoch beschlossen, daß Bianca erst heiraten darf, wenn für ihre ältere Schwester ein Ehemann gefunden ist. So bleibt den Verehrern Biancas nur ein Ausweg: für Katharina muß ein Ehemann her. Der ist auch bald gefunden. Petrucchio, selbst ein reicher Mann, erklärt sich bereit Katherina zu freien: immerhin winkt eine Mitgift von 20.000 Kronen. Und so wild wird sie schon nicht sein, meint er.

Wie sich jedoch herausstellt, hat er Katherina unterschätzt, denn sie tritt ihm kämpferisch entgegen und läßt sich von seinen schönen Worten nicht einwickeln. Und so beginnt gleich nach der Trauung der mörderische Kampf zwischen den beiden, den Katherina trotz vielfältiger Demütigungen lange tapfer durchhält, am Ende jedoch aufgibt und sich ihrem Ehemann unterwirft.

Die Verehrer Biancas jubeln, nunmehr da die böse Katherina ihrem Ziel, Bianca zu heiraten, nicht mehr im Weg steht. Aber die Rechnung geht nicht auf, denn Bianca hat sich in inzwischen in den jungen Lucentio verliebt, den sie auch heiratet.

Als sich alle bei der Hochzeit Biancas und Lucentios wiedertreffen, schließen die Männer eine Wette ab, wessen Ehegattin denn nun die gehorsamste sei. Und siehe da, die widerspenstige Katherina folgt als einzige dem Befehl ihres Gatten in der Männerrunde zu erscheinen. Und sie erklärt auf Wunsch ihres Mannes ihren Geschlechtsgenossinnen die Pflichten der Frau gegenüber ihrem Herrn.

Die Unterwürfigkeit Katherinas am Ende des Stückes ist für alle emanzipatorischen und feministischen Geister nur schwer zu ertragen. Die Fassung von Reinhard Palm berücksichtigt jedoch die Veränderung der Geschlechterrollen in den vergangenen 400 Jahren. So zeigt Katherina auch nach ihrer Unterwerfung noch immer Züge ihrer Widerspenstigkeit.

Die Inszenierung von Robert Pienz ist äußerst reizvoll. Die Schauspieler tragen Kostüme, die an das Mafia-Milieu der 30-er Jahre erinnern. Dem steht ein Petrucchio gegenüber, wunderbar verkörpert durch Marko Pustisek, gekleidet wie ein Pistolero aus einem Italo-Western: schwarzer Anzug, weißes Rüschenhemd und Krokodil-Lederstiefel.

Insgesamt eine gelungene und sehenswerte Aufführung, die auch eines zeigt: es ist durchaus möglich, ein über 400 Jahre altes Stück über den Kampf der Geschlechter so zu bearbeiten, daß es auch für den Geschmack des Publikums des 21. Jahrhunderts unterhaltsam ist.

Die Zähmung der Widerspenstigen / Schauspiel vom William Shakespeare / Bühnenfassung von Reinhard Palm / Elisabethbühne Schauspielhaus Salzburg / Premiere: 17. September 2003 19.30 UHR Großer Saal / Die Personen und ihre Darsteller: Baptista – Klaus-Martin Heim, Katherina – Elke Hartmann, Petrucchio – Marko Pustisek, Grumio – Michael Klammer, Bianca – Wiebke Scheschonka, Lucentio, Cambio – Michael Smulik, Hortensio, Litio – Marcus Marotte, Gremio, Kaufmann – Olaf Salzer, Tranio – Ferdinand Kopeinig, Curtis, Vincentio – Jurek Milewski, Schneider – Volker Wahl, Witwe – Daniela Gnoycke, Baptistas Diener – Ogün Derendeli, Petrucchios Diener – Thomas Ritzinger, Philip Leenders, Jurek Milewski / Inszenierung: Robert Pienz / Ausstattung: Luis Graninger / Regieassistenz: Marion Rothhaar / Dramaturgie : Ina Tartler / Fotos: Joachim Bergauer


Rupertinung - Gelatin

Jeepee ! – Endlich wissen wir es, endlich ist es heraus, endlich ist es für alle sichtbar: Der Männerkörper ist ein Triumphbogen – schallendes Gelächter an dieser Stelle unvermeidlich.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Foto: Manfred Siebinger

Einst ließ Napoleon I., Kaiser der Franzosen, in Paris den weltbekannten „Arc de Triomphe“ zu Ehren seiner Siege erbauen. So ändern sich eben die Zeiten: Anno 1806 mußten noch Schlachten geschlagen werden, um einen Triumphbogen bauen zu lassen; heute genügt es anscheinend schon den männlichen Körper „in Action“ auszustellen, um es als Triumph zu bezeichnen. Welche Schlachten er wohl sieg- und glorreich geschlagen haben mag? Welche ruhmvollen Siege er wohl errungen haben mag, der Junge, der scheinbar allen zuruft: „Schaut’s doch alle her, was ich Tolles hab, und wie ich spritzen kann!!!“

Will man einschlägigen Frauenzeitschriften Glauben schenken, haben Männer mit ihrem Ego ja nur noch Probleme. Vielleicht ist es deshalb in Zeiten wie diesen schon ein Triumph, wenn der Mann seinen Penis überhaupt noch in die Höhe bringt.

Aber halt, halt, halt – hier handelt es sich ja um Kunst! Wer wird denn da so kleinlich sein, wer wird denn da mit seinen Gedanken gleich in derart niedere Regionen absinken? Also wirklich – ist doch alles nur Plastilin.

Und doch – Ehre wem Ehre gebührt: zur Schaffung dieses Kunstwerkes gehört schon sehr viel Phantasie – eine „spritzige“ Idee sozusagen.

Siehe auch:
Kunst und das Recht auf Provokation >
Der Mob von Salzburg >


Dorfzeitung


Festung Hohensalzburg. Foto: Karl Traintinger | dorfbild.com

Michaela Essler

Eine Künstlergruppe baut auf einem öffentlichen Platz in Salzburg eine Skulptur auf, die den Großteil der Bevölkerung empört und innerhalb weniger Stunden für einen handfesten Skandal sorgt.

Von Michaela Essler

Die Stadtväter, denen diese Skulptur offensichtlich auch nicht gefällt, verlangen, dass sie in den Innenhof des Rupertinums gestellt wird. Die Künstler weigern sich und die Stadtverwaltung lässt darauf hin die Skulptur vernageln.

Empörung und Entsetzen in der Kunst-Szene. Die Freiheit der Kunst ist gefährdet – schallt es von allen Seiten. In der Sendung „Treffpunkt Kultur“ vom vergangenen Montag schließlich, versteigt sich der Vertreter der Künstlergruppe dazu, die Menschen in Salzburg als Mob zu bezeichnen und den Bürgermeister als Vertreter des Mobs. Für ihn ist klar: an dem Skandal tragen die Künstler keine Schuld, sondern das niedere, primitive, ungebildete Volk – der Mob von Salzburg – und deren Vertreter.

Gut und schön. Über Kunst kann man streiten: was dem einen gefällt, ist für den anderen ein Skandal. Aber Künstler, die ihre Werke ausstellen, einem breiten Publikum präsentieren, stellen sich der öffentlichen Kritik. Kritik besteht aber nicht ausschließlich aus Lobeshymnen und Begeisterung. Es ist das gute Recht der Menschen ihre freie Meinung zu äußern und zu sagen: „Das gefällt mir nicht. Ich will diese Skulptur nicht auf einem öffentlichen Platz stehen sehen. Ich will nicht, dass meine Kinder das sehen.“ Eine Skulptur wohlgemerkt, die in den Medien alsbald als Viagra – Denkmal, Penis-Statue, Phallus-Skulptur, Pinkel-Plastik und ähnliches bezeichnet wurde.

Es ist gelinde gesagt eine Frechheit die Salzburger als Mob zu beschimpfen, bloß weil die Kunst-Beglückten nicht in Begeisterung ausbrechen, sondern mit ablehnender Kritik auf die Schöpfung reagieren, die ihnen vor die Nase bzw. vors Auge gesetzt wurde.

Niemand hat hier die Freiheit der Kunst in Frage gestellt. Nur eines ist klar: nicht jedes Kunstwerk ist an jedem beliebigen Ort präsentierbar. Auch wenn sich die Künstler auf die hehren Ideale der Freien Kunst berufen, so hat diese Aktion doch einen sehr fahlen Beigeschmack. Denn irgendwie beschleicht einen doch das Gefühl, daß es hier mehr darum ging, die Aufmerksamkeit der Medien zu erheischen. Falls dies das Ziel war, kann gratuliert werden.

Viel zurückhaltender war interessanterweise die Reaktion der Kunst-Szene nach der Premiere von „Die Entführung aus dem Serail“. Die Inszenierung hat den Festspielgästen nicht gefallen und sie taten ihre Meinung mit lauten Buh-Rufen kund. Herrschte hier auch der Kleingeist des Mobs? Wo ist die Empörung der Kunst-Szene, über das Publikum, das die Freie Kunst nicht versteht. Aber vielleicht erscheinen Buh-Rufe und Missfallen in einem anderen Licht, wenn sie von zahlenden Zuschauern kommen. Stimmt schon: das Stück wurde nicht vom Spielplan abgesetzt, auch wenn die Inszenierung vom Publikum abgelehnt wurde. Trotzdem stellt sich die Frage, ob hier nicht die Reaktionen mit zweierlei Maß gemessen wurden.


Dorfzeitung


 Die Treppe hinunter, vorbei am Lift mit den Glaswänden, an denen riesige schwarze Kakerlaken kleben. Vorbei an den blauen Sitzbänken aus Metall, weiter mit der Rolltreppe noch eine Ebene tiefer. Da steht er: der Zug von Salzburg nach Lamprechtshausen.

lb04Von Micaela Essler

Ein schneller Blick auf die Anzeigetafel – es sind noch ein paar Minuten Zeit.

„Einsteigen bitte Knopf drücken“ steht mit Leuchtschrift auf der Anzeige über dem Druckknopf, der die Tür öffnet. Zwei Stufen hinauf, ein kurzer Blick durch den Waggon, dann schnell den geeigneten Sitzplatz angepeilt und nichts wie hin. Geschafft: guter Platz – die Sonne kommt von der anderen Seite. Nun beginnt das Warten, bis der Zug abfährt. Endlich kommen sie die Rolltreppe herunter: der Lokführer, der Schaffner. Der Schaffner geht zur Fahrplantafel, schließt eine kleine Klappe auf der schmalen Seite der Tafel auf, drückt einen Knopf, schließt wieder ab und steigt in den Zug. Jetzt drückt er einen Knopf über der Tür, die Tür schließt sich, und der Zug fährt ab.

lb02Plötzlich kommt Bewegung in alle Fahrgäste. Zeitungen und Bücher werden zur Seite gelegt, Gespräche unterbrochen, Manteltaschen, Hosentaschen, Jackentaschen, Handtaschen werden durchsucht – „Die Fahrscheine bitte“.

Die Salzburger Lokalbahn fährt seit 16. Mai 1896 zwischen Salzburg und Lamprechtshausen Gebaut wurde die Strecke vor allem für den Gütertransport der damals im Raum Bürmoos/Lamprechtshausen angesiedelten Betriebe (Glasfabrik, Torfwerk, Ziegelei). So begann alles mit 2 Dampfloks, 10 Personenwagen, 18 Güterwagen, 2 Dienstwagen und 1 Postwagen. 31 Jahre später im Jahr 1927 wurde ein erstes Teilstück der Lokalbahn, und zwar von Salzburg bis Bergheim, elektrifiziert.

lb03

Weltwirtschaftskrise und der Zweite Weltkrieg verzögerten den Weiterbau des elektrischen Betriebes um weitere 20 Jahre.

Ein kurzes Ding, Dong und eine vollklingende Frauenstimme ertönt aus dem Lautsprecher: „Nächste Haltestelle Hagenau“. Nun kommt Bewegung in einige Fahrgäste. Schnell zur Tür und den Knopf gedrückt, denn Hagenau ist eine jener Haltestellen, an der der Zug nicht automatisch hält. Rote Schilder an den Zugwänden erinnern die Fahrgäste: „Wollen Sie aussteigen? Bitte rechtzeitig Druckknopf betätigen“. „Wagen hält, Tür öffnet selbsttätig“ informiert die Leuchtanzeige an der Tür dann.

Mehr als 10.000 Personen benützen pro Tag die Salzburger Lokalbahn. Die Strecke zählt damit zu den wichtigsten öffentlichen Verkehrsverbindungen im Salzburger Flachgau. Die Lokalbahnstrecke dient jedoch nicht nur für den Personenverkehr, sondern auch zum Gütertransport. Zu vielen Gewerbebetrieben im Norden der Stadt Salzburg führen Anschlußgleise der Lokalbahn. Diese Betriebe haben dadurch für ihre Güterbeförderung eine direkte Anbindung an das Schienennetz der ÖBB.

lb05Weiter geht’s. Rechts und links hügelige Landschaft, in die sich Bauernhäuser schmiegen, umgeben von Wiesen und Feldern, durch die die Bundesstraße Richtung Lamprechtshausen schneidet. Betäubender Gestank verrät allen, die es wissen wollen und auch denjenigen, die es nicht wissen wollen, dass ein Bauer gerade seine Felder frisch düngt.

Bewegung kommt wieder in die Fahrgäste: Schnell die Fenster schließen, die mit unübersehbaren Aufklebern versehen sind: „Um Zugluft zu vermeiden, bleiben die Fenster dieser Wagenseite geschlossen“.

lb06Inzwischen ist der Lärmpegel der heimfahrenden Schüler derart angestiegen, daß alle im Waggon in den Genuß sämtlicher Details des Schultages kommen: „Des is a blede Tussi“ – „Die deppate Kua hat ma an Fleck gebn“ – „Endlich hab i a SMS von ihm kriagt!“ – „Und was hat er dann gsagt?“ – „Naaa, der Typ is a Oarsch“ – „Wie kummst auf des, daß i mit dem Trottel was hab?“ ein wildes Durcheinander von gackernden Hühnern in engen Jeans und stimmbrüchigen Möchtegern-Draufgängern in Flatterhosen. Das Ganze untermalt von Handy-Gebimmel.

„Nächste Haltestelle Weitwörth-Nußdorf“ informiert die Frauenstimme. Der erste Schub Schüler ergießt sich aus dem Zug. lb09Am Parkplatz, neben dem Reitstall St. Patrick, warten die Eltern mit den Autos um den hoffnungsvollen Nachwuchs abzuholen. Die Zugtüren schließen sich. Wieder geduldiges Warten – auf den Gegenzug. Die Lokalbahn ist eine eingleisige Strecke. Nur in Bergheim, Anthering und Weitwörth gabeln sich die Gleise und so muß an diesen Haltestellen der Gegenzug aus der anderen Richtung abgewartet werden. Ein kleines Mädchen, ungefähr fünf Jahre alt, zeigt auf die Pferde in der Koppel: „Schau Omi, da krabbeln die Pferde!“. Eine, zwei, drei Minuten vergehen – dann fährt der Gegenzug endlich ein. Ein paar Minuten Verspätung – wen stört das schon.

lb08„Nächster Halt Oberndorf Bahnhof“ ertönt die Frauenstimme wieder. Allgemeine Hektik bricht aus. Kopfhörer werden eingepackt, Zeitungen und Bücher verstaut, Mäntel und Taschen zusammengesucht. Der Zug bleibt stehen. Die Türen öffnen sich und eine Traube von Schülern und Pendlern quillt aus dem Zug. Erleichterung macht sich unter den verbleibenden Fahrgästen breit: endlich mehr Platz und Ruhe. Die nunmehr freien Sitze werden sofort mit Handtaschen, Einkaufssackerln und Aktenkoffern belegt, die zuvor auf dem Schoß festgehalten wurden, die Beine werden ausgestreckt, jeder setzt sich bequemer hin.

lb10Noch 10 Minuten. Der Schaffner geht entspannt durch den Waggon, scherzt mit den Fahrgästen, setzt sich kurz zu dem einen oder anderen – man kennt sich. Nächste Haltestelle Ziegelhaiden, dann Arnsdorf, Bürmoos – fast alle Leute steigen aus dem Zug. Nur noch vereinzelt sind Sitzplätze belegt. Noch eine Haltestelle – dann ist es geschafft: Lamprechtshausen. Die tägliche 35-minütige Zugfahrt ist wieder einmal überstanden.


Im Februar 2000 lernten sich zwei junge Menschen in einem Chatroom (Gesprächsforum im Internet) kennen und beschlossen gemeinsam Selbstmord am Prekestolen-Felsen in Norwegen zu begehen.

Von Michaela Essler.

Basierend auf diesem realen Vorfall schrieb Igor Bauersima das Stück Norway.today, in dem er versucht, die Gründe dieser beiden Menschen und die letzten Stunden vor dem Suizid zu skizzieren.

Das Stück beginnt mit dem Chat, bei dem Julie mitteilt, daß sie sich umbringen will, und einen Partner für den Selbstmord sucht. August antwortet ihr und die beiden beschließen zu diesem Zweck nach Norwegen zu fahren.

Die Gründe für diesen Schritt sind sehr unterschiedlich. Julie reicht es, sie will nicht mehr von vorne anfangen. Für August ist alles „fake“ (Schwindel, Täuschung). “Das einzige das Bestand, hat ist Langeweile“ sagt er.

Als die Zwei die Klippe erreichen, kommt es im Angesicht des realen Todes jedoch zum Streit. Denn erst jetzt lernen die beiden sich kennen und versuchen, die Motive des jeweils anderen für diesen Schritt zu erforschen. Und so unterschiedlich diese beiden Menschen sind, so wenig Verständnis bringen sie für die Beweggründe des anderen auf.

Norway.today beschreibt einen Teil der Jugendkultur, die sich in den letzten Jahren entwickelt hat: „Chatten statt leben“. Selbst in dem Moment, in dem sich die beiden sehr nahe kommen, ziehen sie es vor, sich gegenseitig zu sagen (wie im Chatroom), wie sie sich streicheln, küssen und lieben würden, statt wirklich Sex zu haben.

Zwei Menschen, die aneinander vorbei reden, obwohl oder vielleicht gerade weil, sie ständig von sich selbst sprechen, und deren einziger Kontakt nach außen der Chatroom ist, begegnen einander. Sie erteilen dem Leben gemeinsam und doch jeder für sich eine Absage.

norway.today / SCHAUSPIEL VON IGOR BAUERSIMA / STUDIO Elisabethbühne Salzburg / Die Personen und ihre Darsteller: Julie – Charlott Kreiner, August – Nicolas Marchand; Inszenierung: Peter Arp; Regieassistenz: Birgit Lurz. Julie – Maria Spanring, August – Udo Freitag; Inszenierung: Andreas Döring. Julie – Daniela Gnoycke, August – Hans Danner, Inszenierung: Marion Hackl, Regieassistenz: Ogün Derendeli / Bühnen- und Kostümbild: Alexander Schatzmann / Dramaturgie: Ina Tartler / Dramaturgieassistenz: Sabine Krohn / Technische Leitung: Stefan Ahrens / Licht-, Tontechnik: Hubert Schwaiger; Florian Haß, Richard Schlager, Martin Zamazal / Werkstatt, Bühnentechnik: Helmut Mühlbacher; Uwe Beyer, Alexander Huemer, Markus Janka, Antonia Steiner / Schneiderei: Ilse Vösenhuber; Magdalena Urrisk / Fotos: Joachim Bergauer


Ein vielversprechender Titel,  jedoch mit dem kleinen Schönheitsfehler, daß der Titel noch das Beste an dem Theaterstück von Roland Schimmelpfennig ist.

Michaela EsslerVon Michaela Essler

Franziska lebt in einem Wohnblock im siebten Stock gemeinsam mit ihrer Freundin Fatima. Jeden Abend, wenn Franziska nach der Arbeit nach Hause kommt, duscht sie und fällt anschließend in einen tiefen Schlaf, aus dem sie erst wieder am Morgen erwacht. Fatima verbringt die Nächte mit ihrem Freund Kalil, der allabendlich auftaucht, wenn Franziska eingeschlafen ist. Nur in dieser einen Nacht läuft alles anders als gewohnt. Schuld daran sind ein defekter Fahrstuhl, ein Hausmeister, und ein Bewunderer von Franziska.

Roland Schimmelpfennig wollte beim Schreiben dieses Stückes wohl auf Nummer sicher gehen, daß die Zuschauer auch verstehen, was auf der Bühne geschieht. Darum läßt er seine Charaktere immer erklären, was sie gerade tun: „Ich sperre die Wohnungstür auf. Ich gehe in die Wohnung“, etc. Das ganze hat den Charakter eines Films mit einer eigenen Tonspur für Blinde. Auch das ist eine Möglichkeit, ein Stück auf eine Länge von 90 Minuten zu bringen. Vor allem dann, wenn die Handlung mehr als dünn ist, und das Stück vermutlich ohne Erklärungen auf die Hälfte der Zeit zusammenschrumpfen würde. Da muß dann als Aufputz die nackte Franziska her. Irgendwas muß man dem Publikum schließlich doch bieten. Wenn schon nicht Handlung, dann zumindest Optik. Und so steht, liegt und wandelt Karo Guthke, in der Rolle der Franziska, die meiste Zeit hüllenlos auf der Bühne.

Aber es gibt auch Bewegung im diesem Stück. Denn Franziska und Fatima wohnen im siebten Stock und da der Fahrstuhl defekt ist, muß jeder die sieben Stockwerke zu Fuß bewältigen. Die Schauspieler laufen vor dem Publikum auf und ab: von rechts nach links oder von links nach rechts – Abwechslung muß schließlich sein und verkünden jedesmal, wenn sie am anderen Ende des Raumes angekommen sind, in welchem Stockwerk sie sich gerade befinden. Das ist das wahre Bewegungselement dieses Stückes, hat eindeutig Qualitäten von einem Tennismatch und hindert den Zuschauer daran endgültig in Langeweile zu versinken.

Sowohl die Inszenierung von Franz-Josef Heumannskämper als auch das Stück sind entbehrlich, und man fragt sich am Ende, warum man eigentlich ins Theater gegangen ist – und das freiwillig.

Die Arabische Nacht. Theaterstück von Roland Schimmelpfennig / Elisabethbühne.Schauspielhaus Salzburg / Premiere: 11. Juni 2003 Studio / Die Personen und ihre Darsteller: Hans Lomeier – Harald Fröhlich, Fatima Mansur – Ulrike Arp, Franziska Dehke – Karo Guthke, Kalil – Georg Reiter, Peter Karpati – Alexander Ourth / Inszenierung: Franz-Josef Heumannskämper / Ausstattung: Franz-Josef Heumannskämper nach einer Idee von Gerhard Naschberger / Musikalische Einrichtung: Franz-Josef Heumannskämper / Regieassistenz: Marion Rothhaar / Dramaturgie: Ina Tartler / Fotos: Joachim Bergauer


Struwwelpeter

 

Abgeschnittene Daumen, verhungerte, verbrannte, erstochene, ertrunkene, erschlagene Kinder, ein erschossener Jäger – kurz gesagt „Der Struwwelpeter“.

Michaela EsslerVon Michaela Essler

Man möchte meinen, daß dieses Kinderbuch von Heinrich Hoffmann eigentlich nicht mehr interessieren kann. Auch der Programmhinweis „Junk-Opera“ von Phelim McDermott & Julian Crouch klingt nicht gerade einladend. Aber weit gefehlt!

Die Inszenierung von Robert Pienz begeistert von der ersten Minute an. Der Struwwelpeter ist zwar für seine schaurigen Geschichten bekannt – aber in dieser Aufführung unterhalten und amüsieren diese Geschichten.

Die Schauspieler der Elisabethbühne zeigen ihr ganzes Können: Gesang, Tanz, Akrobatik – alles wird geboten. Trotz aller Schaurigkeiten ist man schon gespannt auf die nächste Geschichte, fragt sich, was kommt als Nächstes.

„Dr. Hoffmann’s Correction Show” steht in großen Lettern auf dem Bühnenbild, das an die Dekoration einer Wanderbühne aus dem vorigen Jahrhundert erinnert. Ein purpurfarbener Vorhang öffnet sich und riesige Möbel kommen zum Vorschein. Das Bühnenbild von Stefan Pfeistlinger zeigt die Perspektive, in der Kinder ihre Umwelt sehen. Alles ist groß, hoch, schwer zu erreichen: eine große Kommode, an der Paulinchen Lade für Lade hinaufklettert, ein hoher Stuhl, an dem Ferdinand Kopeinig als Zappel-Philipp sein akrobatisches Talent unter Beweis stellt, riesige Suppenschüsseln, die der Suppen-Kaspar über die ganze Bühne wirft. Das Alles erzählt mit den bekannten Texten aus dem Struwwelpeter, die in der Manier von Wanderbühnen, vorgesungen werden. Nicht nur die herausragende Leistung des Ensembles macht diesen Theaterabend zum Erlebnis. Die mitreißende Musik trägt maßgeblich zum Tempo der Aufführung bei.

Und so beginnt es mit dem bösen Friedrich und jammervollen Wehgeschrei, der von ihm gequälten Kreaturen, bis ihn selbst sein Schicksal ereilt. Gefolgt von Pauline, in einem erschreckend rosa Rüschchenkleid, die als Aschehaufen endet. Die Bösen Buben, versehen mit großen Pflastern auf den Knien, die vom Riesen erschlagen werden. Konrad, der im lindgrünen Babykleidchen daumenlutschend in einem riesigen Bett liegt, bis ihm die Daumen abgeschnitten werden. Kaspar, der „Nein, meine Suppe ess ich nicht“ schreit und immer dünner wird, bis er Hungers stirbt. Der Jäger, den ein Hase erschießt. Der Zappel-Philipp, der nicht ruhig sitzen kann, Hans-Guck-in-die-Luft und Robert.

Robert Pienz zeigt, welches Potential in einem Buch steckt, von dem man glaubt, das es heute eigentlich niemanden mehr hinter dem Ofen hervorlockt. Die Aufführung begeisterte das Premierenpublikum: mehrfacher Szenenapplaus, frenetischer Jubel und nicht enden wollender Applaus am Ende.

Ein Theaterabend der besonderen Klasse, den man sich auf keinen Fall entgehen lassen sollte.

“Shockheaded Peter”, Junk-Opera von Phelim McDermott & Julian Crouch nach dem Kinderbuch “Struwwelpeter” von Heinrich Hoffmann, Elisabethbühne Schauspielhaus Salzburg / Premiere: 2. Mai 2003 19.30 Uhr Großer Saal / Mit: Marcus Marotte, Udo Freitag, Ferdinand Kopeinig, Olaf Salzer, Ute Hamm, Charlott Kreiner Elke Hartmann, Daniela Gnoycke, Charlott Kreiner, Nicolas Marchand, Udo Freitag, Ferdinand Kopeinig / Regie: Robert Pienz / Bühnenmusik: Gesamtleitung Manfred Kirchmeyer, Jean-Baptiste Marchand / Keyboard: Fabio Buccafusco / Schlagzeug: Andreas Rethmeier /  Kontrabass: Sven Wolf / Regieassistenz: Petra Wieser / Bühnenbild: Stefan Pfeistlinger / Kostümbild: Ragna Heiny/ Lichtdesign: Hubert Schwaiger / Gesangsbetreuung : Jana Stefanek / Tänzerische Betreuung: Marion Hackl / Musikalische Assistenz: Javier Francisco Veliz Delgado / Dramaturgie: Irene Girkinger / Fotos: Joachim Bergauer

Literatur:
“Struwwelpeter”
von Heinrich Hoffmann