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Zeitgeist 4-1985

Aus dem Versuch im Sommer vorigen Jahres mit einer 4-seitigen Zeitung ist mittlerweile ein 12-seitiges Blatt entstanden.

Aber Dank des zähen Arbeitens am Gegenstand ist es uns nicht nur gelungen, das Nachrichtenspektrum zu erweitern, sondern auch die Aufmachung konnten wir wesentlich verbessern.

Standen bei den ersten Nummern der Namensgeber und Initiator der Zeitung Mag. Karl Traintinger und ich eher allein auf diesem Gebiet, so ist es Dank seiner Bemühungen gelungen, ein respektables Mitarbeiterteam aufzubauen, sodaß unser Team derzeit aus 11 Mitarbeitern besteht.

Derzeit umfaßt unsere Zeitung zirka 100.000 Anschläge, was einem Buch von zirka 40 Seiten nahekommt. Allen Erwartungen konnten wir leider nicht entsprechen, so konnte die von Mag. Traintinger initiierte Sondernummer Fotografie aus zeitlichen und organisatorischen Gründen leider nicht verwirklicht werden. Doch bleiben wir der Fotografie verhaftet, was in dieser Ausgabe ausführlich beschrieben ist.

Auch im nächsten Jahr erscheint der Zeitgeist viermal im Jahr, und zwar im März, im Juni, im September und im Dezember. Der Preis des Abonnements bleibt unverändert.

Im Namen des Vorstandes des Forum “Z” und im Namen der Mitarbeiter der Kulturzeitung Zeitgeist möchte ich Ihnen, sehr geehrte Leserin und sehr geehrter Leser, ein schönes Weihnachtsfest und alles Gute im nächsten Jahr wünschen.

Editorial von Gerhard Hasitzka

Inhaltsangabe

Portrait des Wolkersdorfer Fotografen Otto Semrad, Der Marchfelddichter Helmut Pacholik, Lyrisches von Ewald Spanner, Fotografie – Sonderbeilage, Kultodrom Mistelbach, Glosse: Zistersdorf und der Herr Bundespräsident, E & E Jazzinitiative Weinviertel/ Marchfeld, Jungenclub Taverne in Michelstetten, etc.

Download der Zeitung als PDF >


Reinhard Lackinger

50 Jahre unter Engeln und tausend Teufeln

Reinhard Lackinger: Brasilien, missbrauchtes Paradies

Autor: Reinhard Lackinger
Titel: Brasilien, missbrauchtes Paradies. 50 Jahre unter Engeln und tausend Teufeln
Dateigröße: 2606 KB
Seitenzahl der Print-Ausgabe: 295 Seiten
Gleichzeitige Verwendung auf mehreren Geräten: Keine Einschränkung Erscheinungstermin: 2. Juli 2019
Sprache: German
ASIN: B07TTJMGT6

Verkauf durch: Amazon Digital Services LLC.
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Klappentext

Reinhard Lackinger, ein Auslandsösterreicher lebt seit 1969 in Brasilien. In diesen 50 Jahren arbeitete er als Berufschullehrer, Betriebswirt, “freischaffender Schlosser” und Gastwirt. Zeichnete Cartoons und schrieb Essays für lokale Zeitungen in Salvador, Bahia.

Er ist Mitgründer einer Umweltschutzgruppe, die in der vielleicht lautesten Stadt der Welt gegen übermässigen Lärm kämpft.

Reinhard Lackinger veröffentlichte Bücher in portugiesischer und deutscher Sprache. Hier ist nun das neueste brasilianische Eintopfgericht aus vielerlei Eindrücken, die er in einem halben Jahrhundert gesammelt hat und die ihn am meisten berührten. Einige Kindheitserinnerungen aus Österreich sind unentbehrliche Zutaten.

Buchempfehlung von Karl Traintinger

Reinhard Lackinger ist eine ehemaliger Entwicklungshelfer aus der Steiermark, der in seinem Einsatzgebiet eine neue Heimat gefunden hat. Er hat über viele Jahre hinweg regelmäßig Kommentare für die Dorfzeitung geschrieben. Spannend dabei war immer der Vergleich zwischen seiner alten und neuen Heimat.

Reinhard Lackinger in der Dorfzeitung
Kommentare >
Buchpräsentation “love-food” >


Vocal Orange

Bei der am Wochenende im Salzburger Mozarteum stattgefundenen „International Choral Celebration and Competition“ erhielt das a cappella Frauenensemble vocal orange aus Salzburg gleich in zwei Kategorien eine Auszeichnung in Gold. Zusätzlich wurde es in der Kategorie „musica sacra“ als bester Frauenchor prämiert.

„Wir haben die Jury sowohl mit unserem
einzigartigem Klang als auch mit unserer speziellen Musikauswahl überzeugt“,
schildert Chorleiter Arūnas Pečiulis mit Stolz. Der gebürtige Litauer dirigiert
das Salzburger Frauenensemble seit seiner Gründung 2011 und lässt seither vor
allem mit außergewöhnlicher baltischer Chorliteratur aufhorchen. Nun hat vocal
orange zum ersten Mal bei einem Chorwettbewerb teilgenommen und gleich in allen
angetretenen Kategorien Gold erhalten.

19 Chöre mit rund 800 SängerInnen aus zwölf
verschiedenen Ländern hatten sich am 21. und 22. Juni 2019 im Salzburger
Mozarteum den professionellen Juroren in neun verschiedenen Kategorien
präsentiert. vocal orange trat in den Kategorien „Frauenchöre“ und „Musica
Sacra“ an, in letzerer wurde ihm zusätzlich der Spezialpreis „Bester Frauenchor
der Kategorie“ verliehen. Chor-Obfrau Monika Hammerer dazu: „Diese tolle
Auszeichnung bestärkt uns in unserem Bestreben, selten gehörte und
anspruchsvolle a cappella Chormusik für Frauen zu erarbeiten und einem
breiteren Publikum zugänglich zu machen.“

Neben zahlreichen Auftritten in Salzburg und Wien durfte das Ensemble 2018  als einer von nur zwei nicht-litauischen Chören beim litauischen Sängerfest „Dainų šventė“ in Vilnius teilnehmen. 2016 hat vocal orange die CD „Weihnacht in orange“ aufgenommen. Aktuell nimmt das Ensemble neue Sängerinnen (Stimmlage Sopran bzw. tiefer Alt) auf.

Presseaussendung Vocal Orange
Salzburg (24.06.2019)


Quilts in Haslach

Die Siegerarbeiten der 7. Europäischen Quilt-Triennale 2018 werden noch bis Mitte September im Textilen Zentrum in Haslach im oberösterreichischen Mühlviertel präsentiert.

Karl Traintinger

Von Karl Traintinger

Traditionellerweise ist ein Quilt eine Art Steppdecke, die sich als Zierdecke, Tagesdecke oder Wandteppich eignet. Meistens besteht ein Quilt aus drei Schichten, die kunstvoll miteinamder vernäht werden.

Typisch für die Quilts ist auch das gemeinsame Arbeiten mehrerer Personen an einem Stück (”Amish people – Quilting bees”). Aus zahlreichen kleinen Stoffteilen entsteht eine große Decke.

Heute ist die Herstellung von Quilts eine eigenständige Kunstform, wie die sehr sehenswerte Ausstellung zeigt. Besonders interessant ist die Verwendung der unterschiedlichen Materialien, die für die Arbeiten eingesetzt wurden.

Arbeiten folgender Künstlerinnen werden präsentiert:

Els van Baarle – Niederlande (NL), Regina Birk – Deutschland (D), Anne-Marie Brunner – Schweiz (CH), Christine Chester – Großbritannien (GB), Yael David-Cohen (GB), Fenella Davies (GB), Malou Cecille van Draanen Glismann (D), Ingrid Eckert (D), Katriina Flensburg – Schweden (SWE), Pascale Goldenberg (D, FR), Michaela Grigoleit (D), Gisela Hafer (D), Urte Hanke (D), Diana Harrison (GB), Jennifer Hollingdale (GB), Rosie James (GB), Anneliese Jaros – Österreich (A), Barbara T. Kämpfer (CH), Trudy Kleinstein (CH), Susanne Klinke (D), Jutta Kohlbeck (D), Brigitte Kopp (D), Susie Koren (GB), Barbara Lange (D), Beatrice Lanter (CH), Marita Lappalainen – Finnland (FIN), Rita merten (CH), Elisabeth Michellod-Dutheil (D), Heidemarie Mönkemeyer (D), Gudrun Müller-Mollenhauer (D), Judith Mundwiler (CH), Elsbeth Nusser-Lampe (D), Margaret Ramsay (GB), Marie-Louise Rosselet (CH), Monika Sebert (D), Lucia Staccetti – Italien (I), Tiziana Tateo (I), Cécile Trentini (CH), Irina Voronina – Russland, Christel De Vrij – Belgien, Isabella Wiessler (D, FR)


Badeurlaub an der Adria

20 Jahre danach

Am 12. Juni 2019 wurden in Pristina, im Kosovo, Ex-US Präsident Bill Clinton und Ex-US-Außenministerin Madeleine Albright bejubelt. Mit einem Staatsakt wurde der 20. Jahrestag der Nato-Militärintervention in der damaligen jugoslawischen Provinz Kosovo gefeiert.

Heinrich Frei

Von Heinrich Frei, Zürich

Bill Clinton und Madeleine Albright waren 1999 maßgeblich verantwortlich für den völkerrechtswidrigen Krieg auf dem Balkan der NATO-Staaten, der Streitkräfte von Belgien, Kanada, Tschechien, Dänemark, Frankreich, Deutschland, Italien, Luxemburg, den Niederlanden, Norwegen, Portugal, Spanien, der Türkei, dem Vereinigten Königreich und den Vereinigten Staaten von Amerika.

Die Kriegsmaterialexporte der Schweiz an diese kriegführenden NATO Staaten auf dem Balkan wurden damals fortgesetzt, obwohl nach dem Kriegsmaterialgesetz schon lange keine Ausfuhrbewilligungen mehr für Rüstungsgüter mehr hätten erteilt werden dürfen in «Gebiete, in denen ein bewaffneter Konflikt herrscht, ein solcher auszubrechen droht oder sonst wie gefährliche Spannungen bestehen.»

1999
Bombardierung Ex-Jugoslawiens durch die NATO

1999, der deutsche Bundeskanzler Gerhard Schröder: «Liebe Mitbürgerinnen und Mitbürger. Heute Abend hat die NATO mit Luftschlägen gegen militärische Ziele in Jugoslawien begonnen…» (1)

Schreckliches neben der Party in Pristina mit Clinton und Albright – Nicht explodierte Landminen und Streubomben

Zu erinnern ist auch an Schreckliches im Kosovo neben der Party in Pristina mit Clinton und Albright zum 20. Jahrestag der Nato-Militärintervention: Der Kosovo-Krieg hat rund 4’500 Landminen und 90’000 explosive Überreste hinterlassen. 120 Zivilisten sind seit 1999 durch Detonationen gestorben. Die Minenräumer im Kosovo sind bis heute damit beschäftigt, die gefährlichen Überreste zu entschärfen. (2)

Die NATO hatte mehr als tausend Streubomben im Kosovo eingesetzt, die in hunderttausende kleine Sprengkörper zersplitterten. Diese Sprengkörper sollten beim Aufschlag sofort explodieren, doch die Fehlerquote liegt zwischen fünf und dreißig Prozent. Die nichtexplodierte NATO-Munition wirkt wie Antipersonenminen und kann durch Berührung ausgelöst werden. (3)

Steigende Krebsraten nach Einsatz von DU-Munition

Zu den Konsequenzen der Bombardierung von Jugoslawien mit abgereichertem Uran im Jahr 1999 hat vom 17. – 19. Juni 2019 in der Universität Niš, Niš/Südserbien das «2. Internationale Symposium – URAN 238» stattgefunden mit mehr als 300 Teilnehmern, mit Gästen und Vortragenden aus Griechenland, Norwegen, Italien, Deutschland, der Schweiz, Russland, Bulgarien, Nord Mazedonien, Bosnien mit der Republik Srpska, und Malta.

Eine Teilnehmerin dieses Symposium in Niš berichtete: «Die Folge der Bombardierungen der NATO im Kosovo-Krieg mit Bomben und Granaten, auch mit abgereichertem Uran (DU), hatte zur Folge, dass die Krebsraten in Serbien, im Kosovo und in umliegenden Regionen bis heute horrende Ausmaße angenommen haben. Das Thema Uranmunition blieb lange tabu, die Bevölkerung Serbiens und des Kosovo schwieg lange, musste jedoch die massiv und schnell auftretenden Fälle von bösartigen Tumoren und Leukämien in den Familien realisieren.»

«Später durfte auch der Irak und Afghanistan den «Segen» radioaktiver und chemisch-toxischer Uranmunition erfahren.»

DU ist ein Alpha-Strahler, ein gen-toxischer Stoff

«DU ist ein Alpha-Strahler, ein gen-toxischer Stoff. Wenn sich dieser innerhalb des Körpers befindet, zum Beispiel durch inhalierten Staub, ist er krebserzeugend. DU ist klassifiziert als Gruppe 1 der krebserzeugenden Substanzen durch die Internationale Agency for research on cancer der WHO, der Weltgesundheitsorganisation. Der in Serbien und Kosovo auftretende Krebs ist äußerst aggressiv, und der Mensch erkrankt schon nach etwa 5 Jahren nach der Exposition. Wollte man diesen Krebs behandeln, bräuchte es exakte chemisch-radiologische und medizinische Analysen, um die angepasste Behandlung festzulegen. Die arme Bevölkerung auf dem Balkan kann das Geld für solche Behandlungen und Abklärungen nicht aufbringen.»

Geld für den US Militärstützpunkt Bondsteel im Kosovo fehlt nicht

An Geld für den Aufbau und den Unterhalt des riesigen US Militärstützpunktes Camp Bondsteel im Kosovo fehlte es nicht, aber es fehlen Mittel für die Behandlungen von Menschen, die durch den Einsatz der NATO von DU-Munition erkrankt sind. Camp Bondsteel wurde kurz nach 1999 gebaut. Die Erstellung des Camps hat 350 Millionen US Dollar verschlungen. Die Anlage umfasst 386 Hektar und ist von einer Mauer umgeben. – Camp Bondsteel ist also fast neunmal so groß wie der Vatikan-Staat in Rom. Die Basis beherbergt 7000 Soldaten der US-Armee und verbündeter Truppen. Von Camp Bondsteel aus wurden auch die Kriege im Nahen Osten und in Nordafrika unterstützt.

Rückblick: Ablauf des Kosovokrieges

Die Kosovo-Albaner kämpften lange Jahre gewaltfrei für mehr Rechte und schließlich für die Selbständigkeit. Unter der Führung der kosovarischen UCK, der Befreiungsarmee des Kosovo, begann dann ein Kleinkrieg gegen die serbische Vorherrschaft.

Die UCK wurde mit Geld, Waffen und eingeschleusten ausländischen islamistischen Kämpfern durch die USA unterstützt, was heute kein Geheimnis mehr ist. Die UCK finanzierte sich auch durch Drogenhandel.

Obwohl damals sehr viele internationale Beobachter der KSZE (Konferenz über Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa) im Kosovo waren, die sich für eine friedliche Beilegung des Konfliktes zwischen den Albanern und den Serben einsetzten, griff die NATO nach einem Ultimatum Jugoslawien an, ohne ein Mandat des UNO-Sicherheitsrates.

Die Angreifer waren damals also nicht die Serben, sondern die USA mit ihren willigen NATO-Verbündeten. Sie versuchten Jugoslawien in die Steinzeit zurück zu bombardieren, so wie sie später Afghanistan und den Irak mit Bomben und Granaten belegten. Nach 78-tägigen Bombardierungen zwang die NATO den damaligen jugoslawischen Präsidenten Slobodan Milosevic dazu, seine Truppen aus dem Kosovo abzuziehen und dem Einrücken der NATO-geführten KFOR-Truppe (Kosovo Force der Nato) in die damals serbische Provinz zuzustimmen.

Am 12. Juni 1999 zogen die NATO-Soldaten in das überwiegend albanisch bevölkerte Kosovo ein. Die Kosovo-Albaner empfanden dies als Befreiung von einer serbischen Besatzungsherrschaft, viele Kosovo-Serben flohen vor Racheakten der Albaner. Die Verwaltung des Kosovos übernahm die UN-Administration Unmik. (United Nations Interim Administration Mission in Kosovo) 2008 erklärte sich das Kosovo für unabhängig, was von Serbien bis heute nicht anerkannt wird.

UCK war für mehr Tote im Kosovo verantwortlich als die Serben

Die Führer der NATO waren sich vollkommen darüber im Klaren, dass, wie der damalige britische Verteidigungsminister George Robertson am Tag des Beginns der Bombardierung zugab, bis Anfang 1999 war «die UCK für mehr Tote im Kosovo verantwortlich, als die jugoslawischen Behörden es waren». Wie auch die NATO wusste, bestand die UCK-Strategie darin, den Konflikt zu eskalieren, gerade um westliche Aktionen zu provozieren. Ein kosovo-albanischer Führer sagte der BBC hinterher: «Je mehr Zivilisten getötet wurden, desto grösser wurden die Chancen für eine internationale Intervention, und die UCK hat das natürlich erkannt.». (4) (5)

Fußnoten
(1) 1999 Bombardierung Ex-Jugoslawiens durch die Nato
(2) https://www.arte.tv/de/videos/086089-040-A/minen-entschaerfen-leben-retten/
(3) https://www.landmine.de/archiv/oeffentlichkeitsarbeit/news/news-detailseite/article/-57c8965fe5.html
(4) The War on Yugoslavia Twenty Years Later: NATO’s First ‘Humanitarian’ War https://www.globalresearch.ca/twenty-years-ago-the-tragedy-of-kosovo/5672492t
(5) Bill Clinton in Kosovo: Reminiscing KLA Terrorism and US-NATO Humanitarian Warfare
https://www.globalresearch.ca/bill-clinton-in-kosovo-reminiscing-kla-terrorism-and-us-nato-humanitarian-warfare/5681382


Sonnenhut mit Biene

Am Gelände der Universität Salzburg (NAWI) befindet sich ein großer Kräutergarten, der zahlreiche Arznei-, Gewürz- und Heilpflanzen beheimatet.

Zur Zeit blüht die Titanenwurz, die größte Blume der Welt.

Der von der Uni und den Salzburger Apothekern betreute Garten ist öffentlich zugängig.

Führungen:
Jeden Dienstag von 11. Juni bis 27. August 2019 von 18.30 bis 20.30 Uhr
Sonntagsführungen am 7. Juli und 11. August 2019 von 10.00 bis 12.00 Uhr


Horst Kaltenegger liest

Am 7. Juni gab Rita Hackl aus Saalfelden im Kammerlanderstall (Tauriska) in Neukirchen am Großvenediger einen Einblick in die Kunst des Schönschreibens.

Schon immer war mir Schrift als Ausdruck und im Besonderen als Gestaltung wichtig – ich hab einfach gerne geschrieben. Aus diesem „gerne“ hat sich seit 2013 eine Leidenschaft entwickelt und ich widme den Großteil meiner Freizeit der Kalligrafie.

Der Begriff stammt aus dem Griechischen und diese „Kunst“ wird seit
fast 3000 Jahren in den verschiedensten Kulturkreisen gepflegt – in
China, dem antiken Griechenland, dem römischen Reich,..

Wenn Feder, Tinte, Papier und die persönliche  Stimmung harmonieren,
ist es zum perfekt geschwungenen Buchstaben und somit zum wahren  „Glück
der Kalligrafin“ nicht mehr weit.

Dieses Schreiben ist zugleich Meditation und wenn der Buchstabe
flüssig von der Hand geht und sitzt,  dann ist das einfach ein
wunderschönes Gefühl.

Horst Kaltenegger kam sogar aus Lamprechtshausen angereist und war begeistert von der Präsentation. Als Dank für den schönen Vormittag las er aus seinem Buch und gab uns Einblick in die Kunst des Jodelns …

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Stille Nacht Kapelle Oldtimerbus

In dieser Zeitungsrubrik geht es um lokales Geschehen im nördlichen Salzburger Flachgau, hautnah und bodenverwurzelt. Hier kennt man sich persönlich. Wir berichten über kulturelle Ereignisse im weitesten Sinn des Wortes im Dorf.

Die Berichte kommen in erster Linie aus folgenden Gemeinden: Anthering, Nussdorf, Dorfbeuern, Göming, Oberndorf, Lamprechtshausen, Bürmoos und St. Georgen.

Ein Klick auf die Namen der Gemeinden oder die Postleitzahlen genügt, damit die Artikel aus den Dörfern aufgelistet werden!


Käserei Asten in Lamprehtshausen

Seit einem guten Monat gibt es eine Fachbookgruppe unter diesem Namen, die Bilder vorwiegend aus den Gemeinden Anthering, Nußdorf, Dorfbeueren, Göming,Lamprechtshausen, Bürmoos und St. Georgen sammelt.

Maierjörg in Michaelbeuern (Bild: Ingried Paradeiser Kriegseisen)

In der kurzen Zeit des Bestehens hat die Gruppe bereits über 100 Mitglieder. Voraussetzung für die Mitgliedschaft ist ein Bezug zur Gegend. In der weiteren Folge sind Gruppentreffen geplant.

Talstation der Materialseilbahn von der Achartinger Käserei über Mitterstätt nach Buchstätt am Haunsberg. Käser von links nach rechts: Franz Matzenberger, Hans Kühleitner, Hermann Stadler, Franz Strohbichler (Bild: Raggei Bräu)

Grundidee der Gruppe ist es, die Bilder zu sammeln und einer größeren Öffentlichkeit zukommen zu lassen, bevor niemand mehr weiß, wer oder was am Foto abgebildet ist.

Nachtcafe absurd in Oberndorf, zuvor Gasthaus Forelle, heute Ärztehaus (Bild KTraintinger)

Die Facebookgruppe “Alte Ansichten aus dem nördlichen Flachgau” ist öffentlich zugängig, zum Posten und Kommentieren muss man allerdings der geschlossenen Gruppe beitreten.

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Die Volksfeindin

Amélie Niermeyer inszeniert am Salzburger Landestheater Henrik Ibsens gesellschaftskritisches Drama „Ein Volksfeind“ in einer modernen Fassung. Juliane Köhler vom Residenztheater München wird als Badeärztin Katrine Stockmann für ihre sensationelle Entdeckung nicht gefeiert, sondern von einer „kompakten Mehrheit“ zur Volksfeindin erklärt. Viel Applaus für das erschreckend aktuelle Stück bei der Premiere am 11. Mai 2019.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Für die Eröffnung des neuen Kurhauses
plant das kleine, idyllisch in den Bergen gelegene Städtchen ein
dreitägiges Fest unter dem Motto „vom Burn-out zum Burn-flow“.
Die Schwester des Bürgermeisters, Badeärztin Dr. Katrin Stockmann,
hat jedoch eine chemische Analyse machen lassen und es wurden
verfaulte organische Stoffe im hochgepriesenen Thermalwasser
entdeckt. Sie hat schon immer gewusst, dass die billige Variante, für
die „die Lodenfraktion und die Holzköpfe“ plädiert hatten, eine
Fehlentscheidung gewesen ist, denn der Zufluss ist zu tief verlegt
worden, er hätte höher sein müssen. Der Redakteur des „Volksboten“
Hovstadt verspricht, den Bericht gleich am nächsten Tag zu
veröffentlichen. Auch Aslaksen, die Vorsitzende der
Hausbesitzervereinigung, steht als besonnene Bürgerin voll hinter
der Ärztin. Bürgermeister Peter Stockmann hat jedoch schwere
Bedenken. Die Sanierung würde die Stadtkasse Millionen kosten und
eine monatelange Schließung des Kurbades erfordern. Der Bankrott
wäre unvermeidlich und der gute Ruf als Heilbad für immer
beschädigt. Frau Dr. Stockmann kann es einfach nicht fassen, dass
man die Wahrheit aus wirtschaftlichen Gründen vertuschen möchte,
und beginnt gegen Presse, Politiker und das gemeine Volk zu wüten.
In der TV-Sendung „Talk in the City“ treffen die Kontrahenten
schließlich aufeinander und das Publikum wird aufgefordert
abzustimmen. Ist Frau Dr. Stockmann nun eine Volksfreundin oder doch
eine Volksfeindin?

Als alleinerziehende Mutter einer
erwachsenen Tochter lebt Frau Dr. Stockmann ganz für die
Wissenschaft. In dieser Rolle darf Juliane Köhler Emotionen zeigen.
Erst euphorisch über ihre grandiose Entdeckung, später gekränkt,
verbittert, wütend und leicht hysterisch ob der Manipulierbarkeit
der kompakten Mehrheit. Christoph Wieschke als ihr Bruder und
Arbeitgeber will die Wahrheit nicht akzeptieren und die Medien sind
ihm dabei eine große Hilfe, denn Hovstadt vom „Volksboten“ (Max
Koch) will seinen Job nicht verlieren und dreht sich ebenso wie
Aslaksen (Britta Bayer) nach dem günstigsten Wind. Statt einer
Bürgerversammlung findet nach der Pause eine Talk Show statt, in der
Thomas Huber als schmieriger Moderator, assistiert von seiner
reizenden Online-Korrespondentin Nikki (Nikola Rudle), brilliert. Als
es fast zu Handgreiflichkeiten kommt, geht man zwar schnell in die
Werbung, aber das bringt Quoten.

Amélie Niermeyer ist es mit dieser
modernen Fassung des originalen Textes von 1882 gelungen, die
Aktualität des Stückes deutlich aufzuzeigen. Sie hat für ein
ausgewogenes Geschlechterverhältnis gesorgt und die Rolle der Medien
und sozialen Netzwerke betont. Das herrliche Alpenpanorama ist nur
kurz zu sehen, dann beherrschen die hässlichen Rückseiten der
Plakatwände die Bühne (Bühne: Maria-Alice Bahra).

Im Original verhält sich Dr. Stockmann auf einer Bürgerversammlung so undiplomatisch und provokant, dass ihm die Fensterscheiben eingeschmissen werden. Frau Dr. Stockmann hingegen wird nach der Talk Show, in der sie mit einer Quote von 99% untergeht, einfach nur gekündigt. Sie aber gibt nicht auf, sie macht weiter und vertraut darauf, dass sich die Wahrheit und das Recht durchsetzen werden.

„Die Volksfeindin“ Nach Henrik Ibsen. Deutsch von Angelika Gundlach. Fassung für das Salzburger Landestheater von Amélie Niermeyer und Frank Max Müller: Mitarbeit: Hannah Bader. Vierter Akt: Thomas Huber. Inszenierung: Amélie Niermeyer. Bühne: Maria-Alice Bahra. Kostüme: Nicole von Graevenitz. Mit: Juliane Köhler, Anna Seeberger, Christoph Wieschke, Max Koch, Marco Dott, Britta Bayer, Nikola Rudle, Thomas Huber. Fotos: SLT/ © Anna-Maria Löffelberger


Höglwörther See

Es gibt so viele Bücher über Wege, wie man „glücklich“ oder „richtig“ zu leben lernen könnte. Doch jedes einzelne Leben ist individuell. Wenn ich mir die Lebensläufe verschiedener Menschen heutiger Zeit ansehe, sehe ich nur, was sie alles haben an Auszeichnungen oder sonstiger Dinge.

Maria Schweiger

Von Maria M. Schweiger

Aber ist das der Sinn des Lebens? Macht es Sinn Auszeichnungen wie bunte Steine zu sammeln, anstatt einen Beruf zu erlernen, ihn mit Freude zu erfüllen und darüber nachzudenken, worin die für jeden Menschen eigene Aufgabe liegt, warum er also überhaupt existiert. Was habe ich von X Auszeichnungen, wenn ich nicht einmal weiss, warum gerade ich lebe und was meine Aufgabe an mich ist, die ganz alleine ich erfüllen kann? Wozu anderen, direkt banal wirkenden Dingen nachlaufen, wenn man – jeder für sich – diese existenzielle Aufgabe nicht gelöst oder zumindest vorübergehend beantworten kann.

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Ohne so eine Antwort und die sich daraus ergebende Beantwortung (Handlung, also Ausführung) ist das Leben sinnlos, also leer – da helfen auch kein von anderen Menschen bewerteter „exzellenter Lebenslauf“, weil er keiner ist – es existiert hierbei nur Leere. Das geführte Leben muss Sinn haben, sinn-voll sein; und das
für die Person selbstund für die Aussenwelt – sie also nicht zerstören.

In persönlichen Krisen wird des eigene Leben oft als „sinnlos“ erlebt. Es geht also alleine schon für die eigene psychische Gesundheit nicht um die Quantität des Lebens – wobei man nichts richtig zu Ende führen kann, weil einfach zu viele Sachen gleichzeitig gemacht werden -, sondern um die Qualität. Wie soll mein Leben aussehen, was braucht mein Leben wirklich und worauf kann ich verzichten? Solche und ähnliche Fragen sollte man sich stellen, um einen ersten „roten Faden“ zu finden.

Es wird immer Menschen geben, die besser als man selbst sind – doch sollte man sein Leben wirklich nach diesem Kriterium bestimmen/lassen? Alleine schon, weil man die Hintergründe dieser Menschen nicht kennt – und es geht um das eigene Leben. Und davon hat jeder Mensch nur ein einziges. Und darin liegt eine wunderbare Chance! Nicht der Vergleich mit anderen Menschen ist es, den man suchen sollte, sondern was man aus der geschenkten Lebenszeit und den persönlichen Möglichkeiten machen kann. Dabei gibt es die eigene – ehrliche – Zufriedenheit mit dem gerade geführten Leben. Bin ich mit dem momentanen Jetzt zufrieden?

Wenn nicht – was möchte ich verändern, wie soll es sich wohin verändern und wie kann ich das konkret durchführen? Es braucht also persönliche Ist – Situation, eine Zielvorstellung und deren Durchführung. Was möchten Sie, denn es ist Ihr Leben! Wichtig sind Ihre persönlichen Bewertungen, denn es ist Ihr Leben – egal, was andere Menschen dazu meinen. Es zählt alleine Ihre Meinung, weil es Ihr Leben ist. Es gibt unendliche Möglichkeiten – für jedes Leben.

Doch egal, was Sie persönlich für erstrebenswert befinden, vergessen Sie bitte das auch dann nicht, wenn Sie das von Ihnen anvisierte Ziel nicht (gleich) erreichen. Fragen Sie sich besser, ob es am Ziel oder deren Durchführung liegt. Manchmal helfen Zwischenziele, manchmal war die Durchführung nicht lückenlos oder die Umstände haben sich (unbemerkt) verändert. Geben Sie nicht auf; beim nächsten Versuch ist man um eine Erfahrung reicher.


Tom Porter

„This ceremonies are our heart and our soul.“

Schon als kleiner Junge hielt sich Tom Porter vor allem dort auf, wo die alten Frauen und Männer seines Clans zu finden waren. Als er ein junger Mann war, nannten ihn die Menschen seines Clans aufgrund seines großen Wissens über sein Volk, seine Kultur, bereits „Grandfather“ und aufgrund seiner Fähigkeit dafür wurde er zum Ältesten des Bärenclans der Mohawk-Nation gewählt. Nun ist Sakokwenionkwas (“Derjenige, der gewinnt”), so sein indigener Name, bevor er die Erde verlassen wird nach Europa gekommen, um seine Geschichten mit uns zu teilen, um die Leute hier zu inspirieren. 

Von Renate Fuchs – Haberl

Er will uns damit etwas zurückgeben, als Dank dafür, dass Menschen aus Europa seinem Volk in den letzten 40 bis 50 Jahren ganz konkret und aktiv geholfen haben. Als sie ihre eigenen Mohawk-Schulen gründen wollten, in denen wieder in ihrer eigenen Sprache unterrichtet wird und es deshalb zu bürgerkriegsartigen Zuständen mit der amerikanischen und kanadischen Regierung kam. Damals war es die europäische Medienpräsenz, die ihn und sein Volk dabei unterstützt und beschützt hat, denn die amerikanischen und kanadischen Medien haben darüber geschwiegen.

Wenn er von Bürgerkrieg spricht, dann meint er damit nicht den Sezessionskrieg zwischen den Süd- und Nordsaaten, sondern er beschreibt damit den Kampf der Mohawk für ihre eigene, vermutlich 2000 Jahre alte, matrilineare Regierung und Verfassung, in welcher Frauen über die politischen und spirituellen Anführer bestimmen und sie auch das Recht haben, Männer aus dem Amt zu heben, wenn sich diese nicht an diese Verfassung halten. Das war für Kanada, für die Vereinigten Staaten und auch für England eine ungewohnte Regierungsform und sie wollten eine „übliche“ Regierung, die von Männern geleitet wird. Sie haben ihnen daher eine Regierung mit von ihnen bestellten und von diesen Staaten finanzierten Politikern aufgezwungen – „das bezeichnet man dann als Kolonialisierung“. Die matrilineare Verfassung ist aber nie aufgegeben worden, obwohl die Vereinigten Staaten und Kanada immer mehr Geld in diese Marionetten-Anführer investiert haben, obwohl sie immer wieder ihre eigene Jurisdiktion wollten. Diesen Widerstand gegen etwas Aufgezwungenes, gegen eine aufgezwungene Regierung, diesen Kampf für die eigene Verfassung und Tradition, bezeichnet Tom Porter als Bürgerkrieg.

Weder die US-amerikanische noch die kanadische Regierung wollten diese Botschaft verstehen, sie haben nicht zugehört und statt dessen immer mehr in die aufgezwungenen Regierungen investiert. Es kam dann soweit, dass die Mohawk und andere Stämme auf staatliche Schulen aufgeteilt wurden, um möglichst weit weg von ihrer Kultur und ihrem Zuhause zu sein. Sein Großvater, der Vater seiner Mutter, kam mit 4 Jahren in eine 600 km entfernte Militärschule. Als er mit 21 Jahren, als Christ, das erste Mal wieder nach Hause kam, war fast seine ganze Familie tot, nur ein Onkel lebte noch. So wuchs er ohne die Mohawk-Tradition auf, verlernte die eigene Sprache. Erst 1970 wurden diese Schulen geschlossen. „Wir verloren unsere Sprache, wegen diesen Schulen.“

Auch ihre heiligen, spirituellen Zeremonien gingen verloren, da der indigene Glaube als heidnisch und somit als „böse“ bezeichnet und deshalb verboten wurden. „This ceremonies are our heart and our soul.“ Doch sie wurden ihnen über viele Generationen verboten, die Mohawk haben damit ihr Herz und ihre Seele verloren, so die bewegenden Worte Tom Porters. 

Aber es gab glücklicherweise einige, er beschreibt sie als „sture“ Mohawk-Frauen, die nicht aufgeben wollten. Für ihn sind diese Frauen deshalb „die Diamanten, der reichste Rohstoff des Landes“, denn nur weil diese Frauen zurückgeschlagen haben und dann auch die Männer mit ihnen zurückgeschlagen haben, ist es zu einer Wiederbelebung ihrer Kultur gekommen. Mehr noch, sie haben daraus gelernt, dass an ihnen Kolonialisierung betrieben wurde, er beschreibt diese als das alte „teile und herrsche“. Amerika ist ein an Ressourcen sehr reiches Land, alles ist da und deswegen wurden sie ausgenutzt, missbraucht – weil die USA und Kanada die vielen Rohstoffe kontrollieren wollten. Sie wollten das nicht haben und so haben sie dagegen gekämpft und sie kämpfen bis heute. Sie wollen nicht kämpfen, aber Kämpfen ist die einzige Möglichkeit, die sie haben.

In den letzten 25 Jahren ist es gelungen zu durchschauen, dass auch die ihnen aufgezwungenen Regierungen nur benutzt werden und so ist es zu einer Kooperation gekommen. Vor allem, seit sich Studierende aus dem Volk der Mohawk mit der Weltgeschichte beschäftigt haben und mehr darüber gelernt haben, was Kolonisierung bedeutet. Daher sieht er für die nahe Zukunft die Hoffnung, dass die Mohawk in Zukunft wieder zu den traditionellen Wegen, zur matrilinearen Regierungsform, zurückkehren können.

Die Mohawk fühlen sich verbündet mit den anderen, indigenen Kulturen Nordamerikas, vor allem auch hinsichtlich der Ökologie des Landes. Tom Porter erzählt, dass er nicht in Standing Rock sein konnte, weil er es gesundheitlich nicht geschafft hätte, aber dass viele aus dem Volk der Mohawk dort waren, um gemeinsam mit ihren Schwestern und Brüdern spirituellen Widerstand gegen den Bau der Pipeline zu leisten. Sie haben mit ihren eigenen Körpern den Weg blockiert, haben nicht mit Waffen gekämpft. Dieses spirituelle Aufstehen ist die einzige Möglichkeit und sie haben damit viele Seelen, auch in Europa, bewegt. Sie haben gesehen, dass man auch gegen aussichtslose Situationen aufstehen kann, aufstehen muss.

Damit Menschen verstehen mögen, dass vom ökologischen Zustand der Erde die gesamte Weltbevölkerung betroffen ist und nicht nur die indigene Bevölkerung, beschreibt Tom Porter die Entstehung der Welt vom Anbeginn der Zeit an. Wenn wir den Staub der Jahrhunderte und Jahrtausende wegräumen, dann entdecken wir darunter, überall auf der Erde, die universelle Weisheit, in der wir alle als Schwestern und Brüder zusammenlebten. Das ist das spirituelle Band, das uns seit Anfang an verbindet.

Tom Porter spricht von „he“, wenn er vom Schöpfer berichtet. Doch er beschreibt „ihn“ im matriarchalen Weltbild, als immanent in allem, was ist. Er erzählt auch die Schöpfungsmythe der Irokesen, in welcher eine schwangere Frau aus dem Universum auf die Erde fiel, die damals noch komplett mit Wasser bedeckt war und dort eine Tochter gebar, welche sich in den fruchtbaren Erdboden verwandelte.

Wir dürfen in unserer großen, meist unreflektierten Sehnsucht nach dem Ursprünglichen, dem alten Wissen und Ritualen nicht darauf vergessen, dass die heute noch lebenden indigenen Kulturen durch massive Missionierungs- und Kolonisationsjahrhunderte geprägt sind. Wir dürfen bei unserer Suche nach den spirituellen Wurzeln nicht vergessen, dass auch in diesen Kulturen sehr viel ihres ursprünglichen, alten Wissens verloren gegangen ist, die heute wieder gelebte, spirituelle und kulturelle Tradition beeinflusst ist von der christlichen Missionierung.

Es ist den Kolonialmächten, den Regierungen Amerikas und Kanadas, bei allem, was sie ihnen angetan haben, nicht gelungen, ihre Clanstrukturen zu zerstören. In diesen Clanstrukturen haben die alten, „sturen“ Frauen den Rückhalt gefunden, damit sie ihren Platz in der ersten Reihe wieder einnehmen konnten, damit sie nicht bei aller Bedrohung nicht wieder von ihrem angestammten Platz weichen mussten, so erklärt mir Tom Porter. Die jungen Männer des Clans, die hinter den Großmüttern und Urgroßmüttern ihrer Clans standen, wurden aktiv, als sie erleben mussten, wie diese von Soldaten angegriffen wurden. Sie fanden zurück in die alte, matriarchale Rolle des Mannes als Beschützer des Clans, wie ich aus seiner Schilderung erfahren durfte. 

Indigene Kulturen werden von westlichen Menschen gerne als „die Hüter des alten Wissens“ bezeichnet. Tom Porter antwortet auf meine Frage, ob dem wirklich so sei, dass „die First People ihr altes Wissen bewahrt haben und dieses der Welt zu ihrer Rettung anbieten würden“, dass das alte Wissen überall unter den heutigen Kulturschichten zu finden ist. Als er dem Vortrag eines Mannes aus Irland, der sich selber als „keltischer Ire“ bezeichnet, mit geschlossenen Augen zugehört hat, da wurde ihm plötzlich bewusst: „Dieser Mann spricht wie ein Mohawak!“

Tom Porter weist uns darauf hin, dass sein Volk „nur“ 500 Jahre Kolonisation hinter sich hat, wir hingegen bereits vor über 2000 Jahren kolonisiert wurden. Deshalb liegen bei uns viel mehr „Staubschichten“ über dem alten Wissen als bei den First People Nordamerikas und deshalb müssen wir tiefer graben als sie. Doch auch bei uns ist diese alte Schicht zu finden. Deshalb müssen wir selber aktiv werden, müssen wir unsere eigenen Wege finden, dürfen wir nicht darauf hoffen, dass uns die indigenen Völker diese Aufgabe abnehmen werden, abnehmen können. Wir selber müssen uns auf die Suche nach den Wurzeln unserer Kultur machen, so seine eindeutige Botschaft an uns.

Wir müssen hier, wo wir daheim sind, graben. Gemeinsam graben. Das, was wir ausgegraben haben, weitererzählen. Jenen, die etwas ausgegraben haben, wieder zuhören. Es kommen keine First People und bringen uns unser verlorenes Wissen, unsere verlorenen, kulturell-spirituellen Wurzeln zurück. So wie uns auch kein, vor über 2000 Jahren ans Kreuz geschlagener, Mann von unseren Sünden erlösen kann. Wie auch keine Außerirdischen kommen werden, um uns in die 5. Dimension mitzunehmen.

Wir selber müssen wieder zu Vorbildern werden. Zu jenen „sturen“ Frauen, ob jünger oder älter, die vorne stehen, die ihre angestammten Plätze wieder einnehmen, die nicht zurückweichen, wenn das Patriarchat mit seinen Einschüchterungsversuchen aufmarschiert. Die indigenen Menschen können uns Impulse geben, wir können uns ihren Weg der Befreiung und Rückbesinnung als Vorbild nehmen, aber das Gehen dieses Weges, den eigenen, persönlichen Entwicklungsweg dorthin kann uns niemand abnehmen.

Es ist ihre starke, spirituelle Anbindung und der Rückhalt durch den Clan, welche den alten Frauen die Kraft für dieses „in erster Front stehen“ geben, so Tom Porter. „Nur wegen dieser alten Frauen existieren wir als Volk noch!“, so seine bewegenden Worte. Die alten Frauen der Mohawk trennen nicht zwischen spirituell und politisch und genau darin liegt ihre große Kraft und Macht. Und genau diese Kombination fehlt den meisten Frauen hier bei uns, wie sie auch die spirituelle Anbindung an die Kräfte der Erde.
Die politisch-feministischen Frauen haben mit Spiritualität meist nichts im Sinne und die esoterisch-spirituellen Frauen rühmen sich ihrer unpolitischen Haltung. Die Bilder des spirituellen Widerstands rund um Standing Rock gingen um die Welt. Sie berührten die Menschen hier im Westen. Doch welche konkreten Spuren haben sie in unserem täglichen Handeln hinterlassen? Wo leisten wir spirituellen Widerstand? Wo kommen Frauen zusammen, um mit Tänzen und Gesängen, mit Ritualen und Gebeten spirituellen Widerstand zu leisten gegen die immer offenkundiger werdende Zerstörung der Erde durch die globalen Konzerne, um damit das politische Gleichgewicht einzuwirken? Wo sind die Männer, jung und alt, die uns dabei unterstützen, begleiten, beschützen? 

Der entscheidende Wendepunkt auf ihrem Befreiungsweg war für sein Volk, als sie die Kolonisation als solche erkannt und analysiert haben. Die Mohawk haben durchschaut, was das Patriarchat mit ihnen gemacht hat und haben begonnen, entsprechend zu handeln. Wann gehen wir hier in Europa diesen Erkenntnisschritt, wann beginnen wir entsprechend zu handeln? Wann wollen Frauen im Westen endlich den patriarchalen Schleier in ihren Köpfen sehen und ablegen anstatt sich für den Schleier auf den Köpfen ihrer muslimischen Schwestern stark zu machen?

Aroniennens, der Sohn von Tom Porter und traditioneller Sänger im Akwesasne Langhaus – früher lebten die Mohawk in den Langhäusern, heute sind sie ihre spirituellen Zentren – sang und tanzte zum Abschluss dieses Abends gemeinsam mit uns. Tom erzählte uns die Hintergründe jenes Liedes, mit dem unsere gemeinsame Zeit hier in Salzburg zu Ende gehen sollte: die europäischen Kolonialmächte vereinnahmten Dorf um Dorf seines Volkes. Sie vergewaltigten die Frauen und versklavten die Männer. Ein Dorf beschloss, diesem  Schicksal zu entgehen. Als die Eroberer immer näher kamen, versuchten sie zu flüchten. Irgendwann konnten sie nicht mehr weiter, das Wasser schnitt ihren Fluchtweg ab. Singend sind sie gemeinsam in den Tod im Wasser getanzt, um auf diese Weise der Vergewaltigung und Versklavung zu entgehen. Noch heute kann man dort die Gesänge der Menschen aus den Tiefen hören…

Georg Steinitz, Susanna Vötter-Dankl, Aroniennens und Sakokwenionkwas, Peter Lindhuber, Alfred Winter, Christian Vötter

„Awenhai“, die „Große Mutter“ der Irokesen, fiel ihrer Ursprungsmythe nach vom Himmel, direkt auf das Urmeer zu, das die Erde überall bedeckte. „Awenhai war beim Fall schwanger mit ihrer kleinen Tochter Zephyrs. Als die Wassertiere die stürzende Göttin sahen, beschlossen sie in einem Rat, sie aufzufangen. Wasservögel flogen in die Höhe und nahmen sie sanft auf ihre Flügel, um ihren Sturz zu bremsen. Andere Wassertiere tauchten in die Tiefe des Meeres, um Schlamm heraufzuholen, damit Awenhai auf etwas Festem landen konnte. Aber das gelang nicht, und die Vögel hatten schon Mühe, die Göttin noch länger zu tragen. Da bot die Schildkröte ihren breiten Rücken, auf dem Awenhai sich niederlassen konnte. Vermutlich haben die Wassertiere deshalb mehr „Orenda“ (die göttliche „Weltenergie“, die Energie in allen Lebewesen und Dingen) als die Landtiere, weil sie früher da waren und die Himmelsfrau aufgefangen haben.

Auf dem Rücken der Schildkröte gebar Awenhai ihre Tochter Zephyrs, welche die Irokesen „Unsere Mutter Erde“ nennen. Seitdem trägt die Schildkröte die Erde, die als eine Scheibe vorgestellt wird, auf ihrem Rücken. Awenhai baute für sich und ihre Tochter ein Haus, nun wuchs Zephyrs heran. Als sie erwachsen war, wurde sie vom Westwind schwanger und brachte männliche Zwillinge zur Welt, namens Teharonhiawagon und Tawiskaron. Auch sie verkörpern wie andere Zwillinge der indianischen Mythologie die helle und die dunkle Seite des Jahres und des Kosmos. Teharonhiawagon, d.h. „Junger Baumschößling“, ist der lichte Kulturheros, er verkörpert den Sommer und ist Lebensbringer. Tawiskaron, d.h. „Feuerstein“ oder „Pfeilspitze“, ist dagegen der dunkle Kulturheros, er verkörpert den Winter und ist als Jäger Todesbringer. Dieser Eigenschaft wegen starb seine Mutter gleich bei seiner Geburt. Aber auf diese Weise verwandelt sich Zephyrs in die fruchtbare Erde, welche die Menschen ernährt, denn aus ihrem Busen wuchs der Mais, die „Milch der Erde“, aus ihrem Nabel der Kürbis und aus ihren Füßen die Bohne – ihre Töchter, die „Drei Schwestern“. In der Seneca-Fassung wuchs aus ihrem Haupt noch die heilige Pflanze Tabak.

Awenhai zog sich nun mit Tawiskaron als „Herr der Dunkelheit“ in die Unterwelt zurück, wohl um die Seele ihrer Tochter und alle anderen Seelen zu hüten. Sie lebt im Reich der Toten zusammen mit Tawiskaron in einer Hütte aus Rindenholz, wobei er die Toten herunterbringt und sie die Seelen zur Wiedergeburt wieder hinaufsendet. Sie ist durch ihre Reise aus dem Himmel auf die Erde und von da in die Unterwelt die Große Göttin aller drei Zonen der Welt.“ (Aus: „Das Matriarchat II,2 – Stammesgesellschaften in Amerika, Indien, Afrika“ von Heide Göttner-Abendroth)

And Grandma said …

Dieser Artikel wurde erstmals am 15. 5. 2019 am Blog der Wildmohnfrau veröffentlicht.

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