dorfzeitung _quer

Die Geschichte vom Soldaten

Kein gesprochenes Wort. In Pantomime gepresst die Artikulation der handelnden Personen. Musik von Igor Strawinsky, zum schon von jeher faszinierenden Thema: ein Pakt mit dem Teufel. Im musikalischen Spiel findet die Geschichte ihre Entsprechung. 

Mag. Ulrike Guggenberger

Von Ulrike Guggenberger

Klar und einprägsam präsentieren sich Bühnenbild und Kostüme in Schwarz und Weiß, nur ein Hut, ein gewaltiger Hut, protzt mit roten Boa Federn, markantes Symbol für den Höllenfürsten.

___STEADY_PAYWALL___

Zur Linken ist das Orchester aufgebaut – Violine, Klarinette, Fagott, Kontrabass, Trompete, Posaune und Schlagwerk, die Musiker mit schwarzer Kopfbedeckung. Im Zentrum ein weißes Quadrat, Spielfläche für öffentliche Auftritte, und zur Rechten, dem Orchester als Gegengewicht gestellt, ein Tisch. Zwei Frauen, zwei Männer.

Den Teufel gelüstet es nach der Geige des kleinen Soldaten, er tauscht sie ihm ab gegen sein Zauberbuch. Das scheinbar so verführerische Buch verhilft dem Soldaten doch keineswegs zu seinem Glück. 

Gemessene, abgezirkelte Bewegungen – wie von einer unsichtbaren Macht her gesteuert bewegen sich die Akteure mechanischen Puppen gleich im Bühnenraum. Die akkurate Kargheit hält von Beginn an eine Spannung aufrecht, die sich im heftigen Aufruhr der Schlussszenen, im Kampf zwischen Gut und Böse auflöst.

Das allein auf Pantomime reduzierte Spiel fordert die Aufmerksamkeit des Zuschauers und fördert seine Phantasie, macht ihn frei für einen verschlüsselten Inhalt: Der Mensch kann am falschen Ort nicht lange leben. Die Geige des heimkehrenden Soldaten, der seine Seele dem Teufel verschreibt, weiß es besser, verweigert sich dem Spiel. Aufgezwungene, vertauschte Rollen brechen früher oder später in sich zusammen.

Igor Strawinsky, 1882 in Russland geboren, in New York gestorben, ist bekannt für seine Musik rhythmischer Motorik, wie auch für seinen Einfluss auf die neue Musik. Charles Ferdinand Ramuz schrieb das Libretto zu dem aus dem Russischen stammenden Volksmärchenmotiv.

Die Inszenierung im Schauspielhaus verzichtet auf die erklärenden, erzählenden Texte und gibt damit dem ursprünglichen Stoff eine dichte, kompakte Fassung, die hohe Eigenständigkeit besitzt.

Große Anerkennung für die Leistung der Mimen, dem Orchester und den Mut zur Reduktion.

Eine Aufführung gleichsam maßgeschneidert für das Schauspielhaus.

Die Geschichte vom Soldaten | Musik: Igor Strawinsky, Libretto: Charles Ferdinand Ramuz | MIT: FLORIAN EISNER, DANIELA ENZI, CHRISTOPH KAIL, AGNIESZKA WELLENGER | BÜHNENMUSIK: NATHALIE CHEE, FERDINAND STEINER, PHILIPP TUTZER, NADIA PERATHONER, MARTIN BÜRGSCHWENDTER, WOLGANG NAVRATIL, MARKUS PRONEBNER, BERNHARD JAUCH, ANDREAS STEINER | MUSIKALISCHE GESAMTLEITUNG: PETER WESENAUER | REGIE: ARTURAS VALDSKIS | AUSSTATTUNG: ARTURAS VALDSKIS, REDA-MARIJA RICHTER | Fotos: Eva-maria Griese/ Schauspielhaus


Ein Münchner im Himmel und in der Hölle – und das in Anthering

Ein Münchner im Himmel

Im großen Saal beim Voglwirt in Anthering wird Theater gespielt. Eine bayrische Kömodie von Alfons Schweiggert, die auf Ludwig Thoma zurückgeht. Umgeschrieben und an den Antheringer Schauplatz verlegt von Gerard Es.

Von Ulrike Guggenberger

Wer kennt sie nicht die Aloise und Zenzis, müde und mürb geworden durch die gemeinsamen Jahre. Wer möchte nicht manchmal ausbüchsen aus einem Beruf, der wenig Anerkennung bringt? Tagträumend sitzt Alois beim Bier im Wirtshaus. Er vermutet sein Glück und seine Seligkeit in einer anderen Welt und wünscht sich nichts Unmöglicheres als einen Blick ins Paradies zu tun. Schneller als ihm lieb ist landet er in der Hölle.

Da mischt der gute alte Boandlkramer, wie auch der Heilige Michael und Sankt Petrus selbst mit. Nur für kurze Zeit hat Alois einen Schwächeanfall erlitten als er wieder erwacht, muss er erkennen, das Paradies, das er sucht ist näher als er denkt.

___STEADY_PAYWALL___

An größeren und kleineren Tischen lebhafte Unterhaltung, zu Beginn, während der Pause und danach, wird gegessen, getrunken, gescherzt. Regisseur Gerard Es und Regieassistenz Ulli Fißlthaler haben ein gutes Gespür, was und wie in so einem, mit Traditionen besetzten Ambiente gespielt werden kann. Schauspieler wie Hans Stadler in der Rolle des Alois, Sepp Kittl als Boandl, dem Publikum als „Brandner Kasper“ wohl bekannt, fügen sich ausgezeichnet in das Konzept der Regie. Maria Liebenwein als hantige Ehefrau Zenzi und Ilse Schernthaner, die resche Kellnerin, verkörpern den komödiantischen Typus wie es sein soll. Gut besetzt und gespielt auch die vielen anderen Rollen. Einen kräftigen Stich ins Parodistische erlaubt man sich mit Sankt Michael und dem heiligen Petrus, der just, gerade wie eben die Zuschauer in der Pause, beim Aufgehen des Vorhangs noch ein Paar Würstl verspeist.

Die Premiere lebt vom Charme der Patina des Theater- und Festsaales, von der spürbaren Publikumsnähe. Eine große Familie wo beinahe jeder jeden kennt vergnügt sich am Feierabend, die Regie versteht es Theater zu einem gemeinsamen Anliegen zu machen. Der weise Schluss des Stückes trägt ebenso zum Erfolg des Abends bei wie die freundliche Organisation und Bedienung im Voglwirt.

Alfons Schweiggert: Ein Münchner im Himmel und in der Hölle – und das in Anthering? Eine bayrische Komödie in 3 Akten / Antheringer Laientheater / Voglwirtssaal / Fotos: Antheringer Laientheater


Anja Hilling: Monsun

„Alles ist Scheiße“, zieht sich wie ein roter Faden durch Anja Hillings Stück „Monsun“. Die österreichische Erstaufführung besticht durch eine rasche Abfolge kompakter Szenen auf minimalistischer Bühne: ein Laufsteg, auf, hinter, unter dem die Akteure die Zuschauer mit diszipliniertem Spiel in Atem halten.

Mag. Ulrike Guggenberger

Von Ulrike Guggenberger

Paula und Bruno sind miteinander verheiratet. Coco und Melanie leben als lesbisches Paar zusammen, dann ist da noch Sybille, die nicht mehr ganz neue Geliebte von Bruno.

Berufsalltag, Sprachlosigkeit und Verständigungsprobleme machen ihr Leben sperrig, geben ihnen allen ein andauerndes Gefühl von nicht Gelingen. Zipo, der kleine Sohn von Bruno und Sybille, bringt durch seinen plötzlichen Tod diese fünf Menschen zueinander in Beziehung. Zipo, der selbst nie auf der Bühne auftritt, bleibt das Zentrum, um das sich diese Milieustudie dreht.

___STEADY_PAYWALL___

Was allen fehlt, ist eine Basis, wie man miteinander kommuniziert, ohne aus blanker Wut und Enttäuschung Fäkalsprache zu benützen oder sich gegenseitig totzuschweigen. Ab wann und warum lernt das Geschöpf Mensch seine lebensnotwendigen Bedürfnisse nicht direkt zu vermitteln? Um zu bekommen was gebraucht/ gewünscht wird, werden verdeckte Strategien eingesetzt. Zipo, eben erst acht Jahre alt, kann es bereits, seine Mutter kann es, sein Vater kann es – alle können es, lernen es, von Kindesbeinen an, bis, … ja, bis dann eines Tages jede Verständigung in einem Sumpf von Missverständnissen verkommt.

Der Zuschauer ist dieser durchgehend negativ gefärbten Stimmung hoffnungslos ausgeliefert. Die Verstrickungen verdichten sich, ein Dazulernen im mit einander Umgehen zeichnet sich nicht ab.

Coco, die, um Abstand zu gewinnen, nach Vietnam aufgebrochen ist, schreibt und filmt ihren Tagesablauf im Land des Monsunregens. Allein auf sich gestellt, berichtet sie ironisch-witzig von ihrer Lage außerhalb jeglicher Zivilisation. Diese kurzen Szenen aus einer anderen Welt unterbrechen die abgehackten, verletzenden Dialoge zwischen Bruno und Sybille, zwischen Bruno und Paula, zwischen Melanie und Paula.

Anja Hilling, 1975 geboren, studierte an der Universität der Künste Berlin „Szenisches Schreiben“. Mit „Monsun“ zeichnet sie ein in vieler Hinsicht erschreckend realistisches und schier ausweglos erscheinendes sozialkritisches Bild unserer Gesellschaft.

Anja Hilling geht dabei über den bloßen Zustandsbericht hinaus, sie ist nicht Anklägerin sondern zutiefst Mitfühlende, darin liegt die Stärke des Stückes.

Anja Hilling: Monsun. Schauspielhaus Salzburg. Premiere am 25. APRIL 2007 / Inszenierung: Karin Koller / Ausstattung: Gernot Sommerfeld / Dramaturgie: Ina Tartler / Regieassistenz: Eva Winkler / Besetzung: Paula – Elke Hartmann, Bruno – Christoph Kail, Sybille – Isabella Ruby, Coco – Karo Guthke, Melanie – Bernadette Heidegger, Stimme einer Radiosprecherin – Daniela Enzi / Technische Leitung: Stefan Ahrens / Licht-, Tontechnik: Florian Haß; Martin Zamazal, Richard Schlager, Yowga Hölzl Gruber / Werkstatt, Bühnentechnik: Helmut Mühlbacher; Markus Janka, Stefan Huka, Wolfgang Pietschnig, Antonia Steiner / Schneiderei: Barbara Ehling, Birgit Wörndl / Fundus: Susanne Thanhofer / Requisite: Michael Schitter / Fotos: Schauspielhaus


Gertrude Engljähringer: Der Puppenbaum

Der Baum verkörpert als Symbol in seiner rhythmisch wiederkehrenden Lebenskraft den ständigen Sieg über den Tod. Im Vorgarten des Hauses von Gertrude Engljähringer und Roland Kraml in St. Pantaleon steht ein Baum. Im Herbst hat die Künstlerin Gertrude Engljähringer ihn mit eigenartig manipulierten Puppen behängt.

Von Ulrike Guggenberger (Fotos: KTraintinger)

Es fehlen Gliedmaßen, der Kopf ist ab, die Füße sind verrenkt, einige Puppen hängen kopfüber im Baum. Die noch grünen Blätter verbergen die verstümmelten Geschöpfe von unterschiedlicher Art und Größe. Es wird Winter, das Laub fällt vom Baum. Nun werden die am Baum befestigten Puppen in den kahlen Ästen sichtbar. Von der Ferne schauen die bunten Gegenstände in der Baumkrone noch nicht bedrohlich aus. Beim Näherkommen macht sich aber Erschrecken, Entsetzen und Verwirrung breit. Die vorbeikommenden Menschen stellen sich Fragen über den Sinn dieser makaberen Dekoration.

___STEADY_PAYWALL___

Dazu einige Deutungsversuche über das „Warum?“.

Das Thema, das sich wie ein roter Faden durch die künstlerische Arbeit von Gertrude Engjähringer zieht sind die Verletzungen, die der Mensch dem Menschen bewusst oder unbewusst zufügt. Darüber will sie schonungslos Auskunft geben. Stellvertretend dafür hängen nun die leblosen Puppengeschöpfe im Geäst des Baumes.

Beim Näherkommen wird der skandalöse Anblick immer deutlicher. Auch das ist ein symbolisches Zeichen für menschliches Verhalten. Manches Böse wird im Verborgenen nicht bemerkt, wird erst bei näherem Hinschauen offenkundig. Eigentlich tut Gertrude Engljähringer nichts anderes als wir von Bildern und Berichten in den Massenmedien tagtäglich gewöhnt sind: gnadenloser Umgang des Menschen mit dem Menschen.

Auch Gertrude Engljähringer beschönigt nichts. Die direkte Konfrontation mit dem Elend der Welt in unserem persönlichen Umfeld zum Beispiel am Nachhauseweg ist aber bedrohlich. Wir können wegschauen, eine gewisse Beunruhigung oder auch Ärger wird wahrscheinlich zurückbleiben.

Diese Installation im halböffentlichen Raum ihres Gartens scheint unversöhnlich zu sein. Das können wir ertragen oder auch nicht. Wir können uns Umwege oder Auswege suchen, oder uns darauf besinnen, dass diese öffentliche Klage nur ein Teil der Wahrheit über den Menschen ausmacht. Auch darüber gibt Gertrude Engljähringer in ihren Arbeiten Bescheid, sie sucht das Schöne im Hässlichen zu finden und gleichberechtigt nebeneinander stehen zu lassen. Hier bieten sich Parallelen zu dem eingangs erwähnten Gedanken an.

Der Puppenbaum – 5 Jahre später >


Susanne Hofler, ein Portrait

Susanne Hofler, ein Portrait

„Das geht mir unter die Haut“ heißt, dass etwas durch meine Schutzschicht, in mein Inneres, in meinen Körper und in meine Seele eindringt. Die Haut gilt allgemein als Spiegel der Seele.  Positiv drückt sich das in dem  Satz „In einer glücklichen Haut stecken“ aus.

Von Ulrike Guggenberger

Susanne Hofler, 1962 in Attnang-Puchheim geboren, befasst sich als ausgebildete Psychotherapeutin und Tanztherapeutin mit Botschaften der Seele, als autodidakte Künstlerin beschäftigt sie sich seit 1999 mit dem Thema Haut. Immer tiefer arbeitet sie sich von der äußeren Hülle in den Körper zu seinen inneren Organen vor. „Hinter der Haut, das bin ich, vor der Haut steht jemand anderer.“

Ihre ersten Blätter aus Japan Papier scheinen noch ganz den Strukturen der Hautoberfläche verhaftet zu sein. Schon das Material Japan Papier ist in seinen Eigenschaften wie Transparenz, Plastizität und Farbe menschlicher Haut verwandt. In ihren neuesten bildnerischen Experimenten durchdringt Susanne Hofler gedanklich die äußeren Hautschichten und orientiert sich an inneren Organen wie etwa der Lunge, die uns über den Atem mit der Außenwelt verbindet. So überträgt sie zum Beispiel die Formen von Lungenbläschen mit einem nassen, großen Pinsel auf Japan-Papier. Dann löst sie das Innere der Kontur heraus, es entstehen Öffnungen im Papier.

Viele solcher Schichten ergeben ein körperhaftes, räumlich tiefes Bildobjekt, das sie nun als „Atemkleid“ bezeichnet. Sie malt ohne Farbe und schnipselt mit Pinsel und Wasser. Oder sie schneidet lange Streifen aus Japanpapier und legt sie in kreisförmigen Schichten auf eine quadratische Bildunterlage. Aus dieser meditativen, langwierigen Technik entwickeln sich Bilder, die schalenförmige, reliefartige Gefäße darstellen. Für Susanne Hofler besteht ein enger Zusammenhang zwischen Haut und Schale, beides sind äußere Hüllen.

Ihr Bilder hängen ohne Rahmen, beim Vorübergehen bewegen sich die durchlässig erscheinenden Papiere und erzeugen raschelnde Geräusche.  Susanne Hoflers Lebensprinzip heißt Bewegung. Ihre Körperbewegung  geht zusammen mit einem anderen Material in ein anderes Medium über. Das passiert im Tanz ähnlich wie in einem Bildobjekt, das bei ihr immer aus der Bewegung heraus entsteht.  Susanne Hofler improvisiert mit direkter Erfahrung. „Ich arbeite ohne Konzept, ohne Plan, ohne Thema, wie sinnliches, körperliches Tun“. Oft sind ihre Vernissagen von Tanzperformances begleitet. Auch in ihrem Beruf als Therapeutin geht es ihr um nonverbale Ausdrucksmöglichkeit, dazu absolvierte sie eine Ausbildung in „authentic movement“.

In Oberndorf hat sie im Hinterhof des Gerichtsgebäudes einen Atelierraum gefunden. Im Winter stehen große Kübelpflanzen im Raum und vermitteln eine Atmosphäre wie in einem immergrünen, unterkühlten Glashaus, sommers wuchert das Grün vor ihren Fenstern.

Ausstellungsbeteiligungen mit ihren Bildern gab es unter anderen im „studio 13“, bei „kunst im andräviertel“, sowie der Jahresausstellung im Kunstverein in Salzburg zu sehen. In Seekirchen im Gemeindehaus und in der Galerie Baumgartner zeigte sie eine Einzelausstellung. Seit Jahren arbeitet sie während der Sommermonate als Schülerin von Professor Jacobo Borges an der internationalen Sommerakademie in Salzburg.

Gespräch mit Susanne Hofler, Atelier in Oberndorf,  26.02.04

Dieser Artikel ist der Dorfzeitung wichtig und er kommt daher nicht hinter die Paywall!

Dieser Artikel wird von einem Stillen Gönner der Dorfzeitung unterstützt und kommt daher nicht hinter die Paywall! >


“Die Bremer Freiheit” von Rainer Werner Fassbinder

Theater Anthering, Bremer Freiheit

Schnaps, Kaffee, Zeitung, Fenster auf, Fenster zu, Ruhe – darauf reduziert sich die Kommunikation zwischen Geesche und ihrem ersten Mann Miltenberger. Wir befinden uns in Bremen zwischen 1820 und 1830. Diese Ehetragödie glauben wir heute, 150 Jahre später, als nicht mehr zeitgemäß getrost abhaken zu können.

Von Ulrike Guggenberger

Was will diese Geesche, die rohe, gewalttätige Männer, Ehemänner und unbequeme KritikerInnen mittels kleiner weisser Kügelchen im Kaffee mund(mause)tot macht? Sie will etwas, was auch heute noch keine Selbstverständlichkeit ist: Selbstbestimmt leben und das noch dazu als Frau!

Sie spürt instinktiv „ … das war kein Leben, das Mutter führte“, und lässt sich – auch mit Gewalt – nicht einreden: „ … du denkst zuviel, das strengt das hübsche Köpfchen an“. Solche gut gemeinten Ratschläge von Männern dienen nur deren eigener Bequemlichkeit, von Geschlechtsgenossinnen aber deren eigener Beruhigung.

Die Verhältnisse im Fassbinder Stück spitzen sich zu. Geesche wird von allen Seiten immer mehr in die Enge getrieben. Da sich ihre Befreiungsphantasien, ihre für die damalige Zeit unpassenden sexuellen Wünsche und ihr Streben nach geschäftlicher Unabhängigkeit nicht verwirklichen lassen, führt das dazu, dass sie wie ein eingesperrtes, rasendes Tier ihre Brut tötet. Von diesem Augenblick an hat sie nur mehr bedingt mit den Sympathien des Publikums zu rechnen. „Mir ist es wichtig verständlich zu machen, warum diese Frau Täterin wird“, erklärt Regisseur Reinhard Tritscher.

___STEADY_PAYWALL___

Theater Anthering, Bremer Freiheit

„Gut ist die Geesche nicht,…sie ist auch keine erste Frauenrechtlerin, aber es ist trotzdem wichtig, dass eine aufsteht und sich wehrt…“ so äußert sich Ulli Fißlthaler, die Hauptdarstellerin zu ihrer Rolle. „Sie hat Mut und Courage und spricht aus, was sie denkt, und versucht zu leben, was sie leben will“, darin liegt die Faszination dieser Frauenfigur für Wolfgang Mayr. Er scheint für aufmüpfige Frauenzimmer ein besonderes Interesse zu haben. Das ebenfalls von ihm erarbeitet Stück „Erde“ von Ludwig Anzengruber oder auch „Magdalena“ von Ludwig Thoma, lassen das vermuten.

„Ich musste eine Rolle spielen, die heute so nicht mehr gelebt werden kann, ich habe mich nicht sehr wohl dabei gefühlt“, sagt Roman Ferrari, der zweite Ehemann von Geesche.

Das spürt auch der Zuschauer. Die Männer haben sich allesamt schwer getan mit ihrer groben, rücksichtslosen Rolle. Geesche spielt ihren Part autonom und ausdruckstark. Weil sie sich mit ihrer Rolle identifizieren kann, spielt sie die Männer an die Wand. Den zwei anderen Frauen im Stück, Mutter und Freundin Luise, gibt der Autor viel persönliches Profil. Schade, sie setzen diese starken persönlichen Eigenschaften nur ein um ihr Verhalten bedingungslos an die Gesellschaft anzupassen. Die darstellerische Leistung von Martina Kardeis und Gerhilde Heißel bringt diese vergeudete persönliche Stärke gut zum Ausdruck.

Immer wiederkehrende Schlüsselszenen werden von Reinhard Bitzinger musikalisch hervorgehoben. Seine vibrierende Musik spiegelt viel von der seelischen Anspannung der Heldin wider.

Das Bühnenbild erscheint im Gegensatz zum hochdramatischen Inhalt des Stückes sehr geglättet und geschönt, was wiederum den gesellschaftlichkritischen Sachverhalt verdeutlicht : „Es trügt der schöne Schein.“

Wolfgang Mayr

Mayr wollte übergeben, Tritscher hat gerne angenommen. Wolfgang Mayr kann auf seine Theaterarbeit, die mit dem Franz Eberherr Preis ausgezeichnet wurde, stolz sein. Sein Entschluss sich zurückzuziehen entstand aus dem Wunsch, mit einer neuen Person dem Theater einen frischen Impuls zu geben.

In Einem ergänzen sich die Wünsche des scheidenden Regisseurs Wolfgang Mayr und des momentanen Gastregisseurs Reinhard Tritscher im Antheringer Laientheater sicherlich:

Mayr war Mitbegründer der Elisabthbühne, 1980 übernahm er das Antheringer Laientheater. Mayr spürt, dass in sperrigen Stücken viel unbequeme Wahrheit, aber auch starke Aussagekraft liegt. Inszenierungen wie „Besuchszeit“ von Felix Mitterer zählen zu seinen größten Erfolgen. Das Stück „Bremer Freiheit“ hat Mayr noch ausgesucht. „.Ich mag Fassbinder, er macht geradliniges, dramaturgisch wunderbar gebautes Theater.“

Reinhard Tritscher

Reinhard Tritscher fühlt einen besonderen Zugang zu Menschen in bestimmtem gesellschaftlichen Konstellationen. Die Geschichte der Bremer Geesche entspricht seinem künstlerischen Programm, worin es immer wieder um das „Aufzeigen von Zwängen in einem bürgerlichen Wertesystem geht – gleichgültig ob es einen Mann oder eine Frau betrifft“.

Reinhard Tritscher arbeitet schon seit Jahren vorzugsweise mit engagierten Amateuren, die Schauspieltruppe von Anthering hat einen ausgezeichneten Ruf. Dieses Kompliment ist auch an Wolfgang Mayr gerichtet. Tritscher schätzt die Arbeit mit Bühnen am Land aus besonderen Gründen. Das gemischte Publikum, das sich, wie hier in Anthering, aus städtischem und ländlichen Publikum zusammensetzt, empfindet Tritscher als stimmig für die Aufführung seiner Stücke. Die geschichtliche Vergangenheit ist am Land oft noch stärker spürbar, das erhöht die Erlebnisfähigkeit des Publikums. Das Theater kann selbstverständlich keine allgemeinen Wahrheiten anbieten, besitzt aber als Ort der Kommunikation eine hohe Bedeutung. Das richtige Stück am richtigen Ort zu inszenieren ist ein wesentlicher Aspekt für die Theaterarbeit. Seit neunzehn Jahren arbeitet Tritscher auch mit Behinderten und macht Theater mit ihnen.

Premiere im Antheringer Kulturraum am 21. März 2003 / Regie und Bühne: Reinhold Tritscher / Besetzung: Geesche Gottfried, zuletzt Unternehmerin – Ulli Fißlthaler; Miltenberger, ihr erster Mann – August Liebenwein; Timm, ihr Vater – Hermann Lechner; Mutter – Gerhild Heißel; Gottfried, ihr zweiter Mann – Roman Ferrari; Zimmermann, ein Freund – Friedi Lebesmühlbacher; Rumpf, ein Freund – Josef Steiner; Johann, ihr Bruder – Thomas Ehinger; Bohm, ein Vetter – Günther Havriluk; Luisa Mauer, eine Freundin – Martina Kardeis; Pastor Markus – Engelbert Havriluk


Die Glasbläser von Bürmoos

„Wasserdämpfe, Kohlensäure, Kohlenoxydgas, schwefelige Säure… nichts als ein chemisch-physikalischer Vorgang, den wir schon in der Schule lernen“… in dieser Welt der handwerklichen Fabrikation von Glas lebt Herr Pfeil, Eigentümer der Glashütte in Bürmoos.

Ulrike Guggenberger

Nach dem Roman von Georg Rendl, dramatisiert von Gerald Schwarz Uraufführung am 1. Mai 2003 im Theater Holzhausen.

Seinem Willen und persönlichen Einsatz ist es zu verdanken, dass in Bürmoos um die Jahrhundertwende eine blühende Glasmanufaktur ihren Betrieb aufnimmt.
Mit Unterstützung des Notars von Oberndorf gelingt es Pfeil, den an sich wertlosen Moorgrund den Gemeinden von Bürmoos und Lamprechtshausen abzukaufen. Vor ihm hat bereits ein Spekulant, Aramescu, nach Kohle gegraben und ist dabei bankrott gegangen. Das Misstrauen gegen diesen neuerlichen Versuch einer Nutzbarmachung des Moores ist unter den umliegenden Bauern groß.

___STEADY_PAYWALL___

Das Bühnenstück im Theater Holzhausen ist die dramaturgische Fassung des Romans von Georg Rendl „Die Glasbläser von Bürmoos“. Die Premierenbesucher am 1. Mai 2003 erlebten die Welturaufführung dieses Schauspiels.

Gleich zu Beginn: Es ist hervorragend gelungen, aus dem breit angelegten lokalen Roman der Entstehung des Dorfes Bürmoos eine spannende Collage auf der Bühne zu inszenieren.

Aus dem Auftrag an den Dramaturgen Gerald Schwarz, ein Bühnenstück zu den „Glasbläsern“ zu verfassen, hat Regisseur Gerard Es die vorliegende Strichfassung entwickelt.

„Mir war klar, dass es schwierig sein wird, alle Elemente aus dem Roman in die Bühnenfassung mitzunehmen“, kommentiert Gerard Es. Sein Stilmittel dazu ist in diesem Fall die Figur des Erzählers. Dieser übernimmt die Regie auf der Bühne, Anklänge an den Autor des Romans, Georg Rendl liegen nahe.

Matthias Hochradl fegt als Erzähler mit Rendls(?)  Leinensakko und Panamahut über die Bühne, tritt so unvermittelt auf, wie er plötzlich wieder verschwindet und verkündet banale Tatsachen mit der gleichen Coolness wie tragische Unglücksfälle. Er kommentiert das Geschehen auf der Bühne, bringt sich selbst im passenden Moment mit ein, bestimmt und dirigiert Tempo und Ablauf der einzelnen Szenen, ganz selbstverständlich sorgt er nebenbei für wechselnde Requisiten. Es ist eine Freude ihm zuzusehen, wie brillant er auf offener Bühne im wahrsten Sinne des Wortes vom Erzähler in die Rolle eines der Bürgermeister schlüpft.

Das Stück ist in Sequenzen, in Bühnen-Bilder, gegliedert. Wie in einem Bilderbuch werden Begebenheiten aus dem Leben der handelnden Personen aufgeblättert.

Pfeil und seine Frau Emmy, die die Glashütte in Bürmoos begründen, stehen mit ihrer Familien- wie auch Firmengeschichte im Zentrum des Geschehens. Ländliche Wirtshausraufereien, die die Spannungen zwischen italienischen Gastarbeitern und der ländlichen Bevölkerung beleuchten, sind temperamentvoll in Szene gesetzt.

Pfeil, der als zweiter Sohn eines Glasfabrikanten das Abenteuer einer eigenen Firmengründung eingeht, beruft erfahrene Glasbläser nach Bürmoos. Von weit her werden die tüchtigsten Vertreter dieses Faches zusammengerufen, weil von ihrem handwerklichen Geschick alles abhängt.

Die Geschichte der Entstehung des Dorfes Bürmoos – so benannt , weil die Bauern hier „Büren“ (Beeren) pflückten, spielt sich beispielhaft für Leben und Sterben der Menschen hier auf der Bühne ab.

Der Tod, der wie überall auf der Welt auch in diesem dramatischen Epos zum Leben gehört, besitzt im Erdendasein eines Glasbläsers eine besonders bedrohliche Rolle. Krankheiten, vor allem TBC, werden über die Pfeifen (Glasblasrohr) von Arbeiter zu Arbeiter übertragen und fordern immer häufiger den Tod heraus. Sie wissen um ihre relativ kurze Lebenserwartung und pressen aus der ihnen verbleibenden Zeit alles heraus. „In Bürmoos ist es schwer Arzt zu sein“. Dieser Satz von Dr. Korn fasst die Problematik zusammen. Die Glasmaschine zur Entlastung der Arbeiter ist ja schon erfunden, aber wovon sollen dann die Arbeiter leben?

Der erste Weltkrieg treibt auch in Bürmoos die Entwicklung hin zum Untergang voran.

Viele junge Männer müssen in den Krieg ziehen, die katastrophale wirtschaftliche Lage verhindert eine positive Weiterentwicklung der Glashütte. Der heimkehrende Sohn der Besitzerfamilie kann das Ende nicht mehr aufhalten. Manche Arbeiter bleiben, kaufen sich ein Stück Moor und machen den Boden urbar.

In das Bühnengeschehen fügen sich ein Philosoph und sein Gegenspieler, der Mann mit dem Panoptikum. Ersterer sucht über intensives Nachdenken seine Handlungen und die seiner Mitmenschen zu begreifen, letzterer versucht über lautstarke Propagandamethoden den unaufhaltbaren Lauf der Geschichte den Menschen einzuhämmern.

Mit Hilfe von Lichttechnik, schräg über den Bühnenraum verlegten Eisenbahnschienen und Videoprojektionen historischer Fotografien fühlt sich der Zuschauer räumlich in die jeweilige Szene versetzt. Ohne großes Pathos, ohne überflüssiges Spektakel und Getöse, straff und flüssig, ohne jemals Langeweile aufkommen zu lassen, rollt die lokale Geschichte einer jungen Flachgauer Gemeinde vor den Zuschauern ab.

Emotionale Unterstützung findet das Publikum in der Musik von Reinhard Bitzinger, die die dramatische Erzählung einfühlsam hinterlegt und inhaltliche Mitteilungen über andere Sinne gefühlsmäßig erfahrbar macht.

Den 21 Schauspielerinnen, die in 27 kurzen Szenen ihr Können beweisen, gebührt großes Lob. In diesem Stück gibt es keine Nebenrolle, sondern ausschließlich Hauptrollen!

Regie: Gerard Es

Der Regisseur des Bühnenstückes Gerard Es ist zugleich erfahrener Schauspieler. Mit Reinhard Tritscher zusammen gründete er das „Theater Ecce“. Am Anfang seiner künstlerischen Tätigkeit steht die Elisabethbühne in Salzburg. Er kennt die Laienschauspielszene seit Jahren und hat ein Gespür dafür, wie Leute zueinander passen. Gerard Es hat die Truppe für diese Aufführung zusammengestellt. „Meine Regiearbeit ist danach ausgerichtet, dass ich aus einem Vertrauensverhältnis heraus das Beste aus den Leuten heraushole. Wir wollen gemeinsam eine Geschichte erzählen.“ Seine Schauspielerfahrung ist ihm dabei von großem Nutzen. Er ist mit der Leistung der Schauspieler im Theater Holzhausen, speziell in diesem Stück, sehr zufrieden. Besonders in den kurzen Szenen ist es notwendig, sofort präsent zu sein.

An der Geschichte der Glasbläser von Bürmoos interessiert ihn die positive Bewältigung des Zusammenlebens einer gemischten Gruppe von Einheimischen und Fremdarbeitern im Schmelztiegel Bürmoos. Die Gestalt des Chefs des Unternehmens, des Herrn Pfeil, der sich väterlich um seine Arbeiter bemüht und sein eigenes Wohlergehen mit dem seiner ihm anvertrauten Menschen verknüpft, macht großen Eindruck auf ihn.

Zum Abschluss die Meinung eines Premierenbesuchers im Theater Holzhausen:  „Ich finde die Kernaussage des Romans von Georg Rendl im Theaterstück gut nachvollziehbar herausgearbeitet. Vor allem bewundere ich die textliche und szenische Aufarbeitung der Tatsache, dass Pfeil, der Gründer der Glashütte Jude war“.

Musik: Reinhard Bitzinger

Gesucht ist eine ruhige, epische Musik als begleitendes Leitmotiv für das Bühnenstück „Die Glasbläser von Bürmoos“, so lautet der Auftrag des Regisseurs an den erprobten Musikschreiber Reinhard Bitzinger. Das Textbuch hilft, in die Welt und Atmosphäre des Stücks einzutauchen. Viele Tage brodelt die Geschichte im Kopf des Komponisten, bis er sich in einem schöpferischen Augenblick hinsetzt und die Melodie in einem durchgehenden Schaffensakt niederschreibt. Dann wird korrigiert und gefeilt bis Komponist und Regisseur das Werk als stimmig empfinden.

Für „Die Glasbläser von Bürmoos“ gibt Bitzinger dem Erzähler der Geschichte ein schlichtes, immer wiederkehrendes, in sich variierendes Leitmotiv mit. Eine zweite durchgehende Melodie ist das Moormotiv, das die flirrende, bedrohliche und zugleich anziehende Zauberwelt der Moorlandschaft vermittelt.

Das Stück endet mit einer vom Komponisten so gewollten, positiv gestimmten Zukunftsmusik. Sie deutet auf den Neuaufbau des historischen Niedergangs von Bürmoos hin. Bitzinger muss die Vertonung auf einen Datenträger selbst einspielen, der Regisseur bekommt das fertige Musikstück geliefert.

Komponieren ist für Bitzinger stets eine „Hoch-Zeit“ in der er sich voll und ganz verausgabt, auch wenn er manchmal eine Arbeit weglegt und wartet, bis sich ein passenderer Zeitpunkt für die Umsetzung einstellt.

Reinhard Bitzinger ist in Eggenburg in Niederösterreich geboren, hat Mathematik, Geometrie und Musik studiert.

Der Dreizehnjährige hört in der Schule eine Symphonie von Anton Bruckner, „…die wie ein Blitz eingeschlagen hat. Seither hat mich die Musik nicht mehr losgelassen“.

Bitzinger hat in den letzten Jahren mehrere Auftragswerke für Theateraufführungen geschaffen, einer seiner künstlerischen Höhepunkte war die Vertonung der „Grattleroper“ für die Laienbühne in Anthering. Für Bitzinger besitzt Musik auf der Bühne die gleiche künstlerische Bedeutung wie das gesprochene Wort.

Die Musik ist ein eigenständiges Werk, sie darf den Text nicht beherrschen, aber sie darf sich auch nicht unterordnen. Vollkommen ist eine Arbeit, wenn sich beide ergänzen und er nennt Franz Schuberts „Erlkönig“ als Beispiel.

„Musik ist eine einsame Sache, die jeder nur für sich allein empfinden kann“, so formuliert Reinhard Bitzinger eine sehr persönliche Erfahrung.

Theater Holzhausen: Matthias Hochradl

„Mich hat schon lange gereizt, Georg Rendls Roman – Die Glasbläser von Bürmoos – dramaturgisch aufbereitet auf die Bühne bringen“, erzählt Matthias Hochradl der Verantwortliche des Holzhausener Theaters.

Im Jubiläumsjahr des Dichters und Malers, der lange Zeit in St. Georgen lebte, hat sich die Gelegenheit dazu gefunden. Gerald Schwarz übernahm das Wagnis, das Drehbuch zu diesem Roman zu schreiben. Schwarz studierte am Mozarteum in Salzburg Dramaturgie und lebt heute in Amerika.

Der breit angelegte, 700 Seiten umfassende Roman erzählt die Entstehungsgeschichte und den wirtschaftlichen Aufschwung von Bürmoos. Lebensnähe und Anbindung an die Gegend geben dem Roman spannende und berührende Momente. In den Dörfern und in der Umgebung von Holzhausen, Bürmoos, St. Georgen arbeiteten Einheimische, italienische Torfstecher und Glasbläser aus den Ländern der Monarchie nebeneinander. Das Material für die Glaserzeugung lag direkt vor der Haustür: Kalk vom Haunsberg, Sand aus der Salzach, Torf aus dem Moor.

Die dramaturgische Fassung bringt einzelne Szenen aus dem Roman auf die Bühne, ein Erzähler führt den Zuschauer durch die Handlung. Das Bühnenbild versetzt den Besucher mit originalen, für die Bühne adaptierten Fotografien in die dreißiger Jahre.

„Ich konnte die Rollen optimal besetzen, es spielen auch viele Gastschauspieler aus den Laienbühnen von Abtenau bis Mettmach mit“. Regie führt Gerard Es.

Matthias Hochradls erfolgreiches Konzept seiner Theaterarbeit liegt in der Vielschichtigkeit der ausgewählten Stücke. „Für den Besucher muss in jedem Stück eine nachvollziehbare Botschaft drinnen stecken“, so formuliert der Theaterchef sein Anliegen.

Hochradl führt in den meisten seiner Stücke selbst Regie, er will sich aber jetzt wieder mehr der Schauspielerei zuwenden und gelegentlich einen Gast-Regisseur verpflichten.

Theater faszinierte Hochradl bereits als Kind. Schon früh schnupperte er in die Theaterarbeit in Holzhausen hinein und absolvierte schließlich eine Schauspielausbildung in München. Seine schauspielerische Begabung wird an vielen Bühnen geschätzt, ob bei den Salzburger Festspielen oder bei anderen Auftritten Land auf Land ab.

Der Theatermacher Hochradl ist von der nicht ersetzbaren Rolle des Theaters innerhalb des sozialen und gesellschaftlichen Gefüges einer größeren oder kleineren Gemeinschaft überzeugt. Freude und Spaß am Theater überwiegen manche größeren und kleineren Schwierigkeiten. Überraschungen machen die Arbeit spannend für ihn und lassen ihn seiner Berufung treu bleiben..

Als Leiter der Abteilung für Laienbühnen im Amt der Salzburger Landesregierung kann Matthias Hochradl sein Hobby zum Beruf machen.  „Freilich ist es auch immer ein Auf und Ab von Erfolgen. Wenn die Leute mehr und mehr ausbleiben, muss man sich fragen , was man falsch macht“, gibt Hochradl zu bedenken. Das trifft für die stets ausverkaufte Bühne in Holzhausen nicht zu.

Originalfotos aus Bürmoos
Archiv Alois Fuchs

Links auf der Dorfzeitung zum Thema:
Dr. Andreas Maislinger: An Pfarrer, der schön singt >
Alois Fuchs: Nach 70 Jahren wird in Bürmoos wieder Glas verarbeitet!


“Stille Besucher” in Ibm am See

Fünf KünstlerInnen haben in Ibm am See Holz- und Stahlobjekte in den „Lebensraum Sommerwiese“ einfühlsam integriert.

Mag. Ulrike Guggenberger

Von Ulrike Guggenberger

Der Sonne, Wind und Wetter ausgesetzt locken sie den Betrachter zur Beschäftigung mit selten gewordenen Phänomen einer naturbelassenen Wiesenfläche. Hier finden sich seltene Kräuter- und Blumenarten, Schmetterlinge und Kleintiere bevölkern das kleine Paradies am Rande des Sees.

Alexander Huemer

___STEADY_PAYWALL___

„Ich wollte Sterne in der Wiese landen lassen“ sagt Sepp Rems, der mit diesem Stück Wiese noch Kindheitserinnerungen verknüpft, zu seiner Arbeit. Die trotz ihres Durchmessers von 2 m atmosphärisch wirkenden Holzobjekte erinnern an überdimensionale Löwenzahnbällchen, deren Samen jeder von uns schon einmal über die Wiese gepustet hat.

Sepp Rems

„Ich lagerte mit meinem Skizzenbuch in der Wiese“, erzählt Alexander Huemer. Seine bis 7 m hohen verzinkten Stahlobjekte gleichen sowohl vegetabilen wie technoiden Gebilden. Wie selbstverständlich stehen die „Innviertler Heumandl“ von Rafaela Mittendorfer am Rande des Hügels. Das Gras, das sie mäht, wird am Ende des Sommers die Heumandln in Pyramiden umgeformt haben.

Eine nicht funktionalisierte, „nutzlose“ Wiesenfläche zählt heute bereits als „Kulturgut“. Die „Heumandl“ thematisieren dieses Spannungsfeld von Natur und Kultur. Fremd muten die aufgestellten Walflossen und Fischformen von Heidi Zenz den Besucher an.

Stille Besucher
Heidi Zenz

Die Künstlerin artikuliert mit diesen 2-3 m großen bemalten Stahlobjekten ihre Liebe zu diesen wunderbaren Tieren. Zugleich symbolisieren Wale für sie „archaische Natur“. Über dieser „Wiesenidylle“ – ein Platz für eine sonntägliches Picknick – erheben sich die 6 m hohen „Wächter“ von Walter Holzinger.

Walter Holzinger

Hildegard Spitzer, Akte

“Meine Arbeit und meine Familie allein, das wäre mir zuwenig, ich brauche einen Bereich für mich selbst”. Hildegard Spitzer – im bürgerlichen Beruf Lehrerin – findet im Zeichnen die Möglichkeit eines eigenständigen Tuns, das ihren Geist beschäftigt.

Von Ulrike Guggenberger

Die Auseinandersetzung mit Literatur, mit bildender Kunst, mit Film oder unentdeckten Landschaften regen sie dazu an “selbst tätig zu werden”. Den Film “Der dritte Mann” hat sie zum Beispiel schon mehrere Male gesehen. Sie findet die Kameraführung, das Spiel mit Licht und Schatten immer wieder faszinierend. Für Hildegard Spitzer bietet sich das dem Menschen Naheliegendste – der menschliche Körper – als Medium für ihre zeichnerischen Experimente an. “Einen Akt zu skizzieren bedeutet für mich zugleich Konzentration und Auflösung im Thema”, erklärt Hildegard Spitzer.

___STEADY_PAYWALL___

Eigentlich wollte sie nach der Matura am Mozarteum in Salzburg Bildende Kunst studieren, hatte aber dann den Mut nicht dazu. Zunächst fand ihr Interesse an der Welt und an den Menschen neben dem Beruf in politischer Aktivität ihren Niederschlag.

Nach der Geburt des ersten Kindes wurde sie sesshafter und ihr Wunsch nach bildnerischer Tätigkeit meldete sich wieder intensiver.
Hildegard Spitzer, die immer versucht ihre Träume in die Tat umzusetzen, nahm viele Jahre Unterricht in Aktzeichnen bei Professor Zenzmaier. Seit sie in Oberndorf wohnt nützt sie Angebote aus der Umgebung wie Seminare mit Christoph Paulowitz in St. Radegund oder Radierkurse. Mehrere Sommer hindurch studierte sie an der Sommerakademie Zeichnung und Fotografie.

Sie versucht sich immer wieder an neuen Medien, wie einige ihrer letzten sinnlich runden Objekte aus Draht und buntem Papier zeigen, und wie sie verrät, will sie auch demnächst mit Stein arbeiten. 


Bauernweihnacht. Filialkirche St. Alban/ Lamprechtshausen

Als die erste „Bauernweihnacht“ in der Kirche St. Alban ausgerichtet wurde, ist man anschließend an die Andacht bei Glühmost, Speckbrot und Schmalzgebackenem in den umliegenden Bauernhäusern in gemütlicher Runde zusammen gesessen.

Von Ulrike Guggenberger

Das war vor ungefähr 25 Jahren. Der Mesenerbauer Christian Eder erinnert sich: “Wir sind damals mit den Gästen noch in die Ställe gegangen, und Schafe sind aufgetrieben worden“.

So urtümlich geht es heute nicht mehr zu, wenn Besucher aus Bayern in einem Bus in der Vorweihnachtszeit zuerst im Kloster Michaelbeuern eine Führung mitmachen und beim Dunkelwerden nach St. Alban kommen. Aber der Brauch besteht noch, wenn auch in etwas veränderter Form, vom Kulturkreis Arnsdorf veranstaltet.

St. Alban. Foto: Helmut Guggenberger
St. Alban. Foto: Helmut Guggenberger

Heute begrüßen Bläser aus der zuständigen Pfarre Lamprechtshausen die Ankommenden vor der Kirche St. Alban mit Adventweisen und der Mädchenchor singt traditionelle Adventlieder.

___STEADY_PAYWALL___

Direktor Richard Kraiger von der HS Lamprechtshausen liest die Legende vom hl. Alban vor. Anschließend gibt es eine Andacht bei der nahe gelegenen „Hubertuskapelle“ bevor man in Lamprechtshausen im Gemeindesaal den Tag ausklingen lässt.

Und es ist immer noch ganz was Besonderes nach St. Alban zu kommen in eine Kirche, die bis heute ohne elektrisches Licht auskommt. Die Messe in einem nur von Kerzenlicht erhelltem Kirchenraum verbreitet eine ungewöhnliche Stimmung und versetzt den Besucher in eine längst vergangene, beschaulichere Zeit.

Foto: Helmut Guggenberger

Dazu trägt auch die Lage der Kirche bei, die abseits in einer unerschlossenen Gegend, versteckt in einem kleinen Weiler, inmitten einiger Gehöfte etwas erhöht auf einem kleinen Hügel steht. Der Reiz liegt im fast unveränderten Erhaltungszustand, das kleine Gebäude vermittelt in seiner Schlichtheit und Einfachheit Ehrfurcht vor der religiösen Haltung der umliegenden Bewohner von altersher.

Die Filialkirche St. Alban gehört heute zur Pfarre Lamprechtshausen. Das Weihedatum wird mit 29.4. 1397 angegeben. St Alban war bereits im 12.Jhdt. ein Edelsitz und von daher kann angenommen werden, dass bereits vorher eine Kapelle an diesem Ort existierte. Stifter ist der Edle Lampert, der 1164 ins Kloster Michaelbeuern eingetreten war und auf seinem Grund einen ersten Bau errichten ließ.

Foto: Helmut Guggenberger
Pestlöffel

In dieser Gegend, die früh von Mönchen missioniert wurde, verwundert es nicht, dass ein Märtyrer, einer, der seinen Glauben mit dem Leben büßt, verehrt wurde. So wurde der hl. Alban, der sich schon seit Jahrhunderten bei Bauern und Adeligen großer Beliebtheit erfreut hatte, zum Patron des neu errichteten Gotteshauses erwählt. Die Kirchengeschichte kennt einen hl. Alban, der als Frischbekehrter am Beginn des Christentums in England sein Leben für einen Priester opferte, sowie den hl Alban aus Mainz. Dieser dürfte hier in dieser Gegend und bei der Patronanz als Vorbild gedient haben.

Foto: Helmut Guggenberger

Der Heilige aus Mainz, der entweder aus Afrika oder von einer griechischen Insel stammte, zog als Glaubensprediger bis Mainz, man vermutete ihn auch in Rom, weswegen er auch manchmal als römischer Soldat dargestellt wird. Die Ungläubigen vertrieben ihn aber 406 aus der Stadt und schlugen ihm so wie einst dem hl Alban aus England den Kopf ab. Sein Andenken wurde vom Volk hoch gehalten und man errichtete an seinem Hinrichtungsort eine Kapelle, Grundstock für eine spätere prachtvolle Kirche. Er soll noch nach seinem Tod Wunder gewirkt haben, trug der Legende nach sein eigenes Haupt zu Grabe. Das führte zum Brauch der Kopfurnen, die mit Getreide gefüllt als Opfergabe weitergegeben wurden. Zwei davon gab es auch in St. Alban, sie sind aber heute im Nationalmuseum in München. Der hl. Alban gilt als Patron der Bauern, er wird bei Kopfleiden, Epilepsie, Harnkrankheiten, Leibschaden und Ungewitter angefleht.

Die Tradition des Wettersegens wird darum in St. Alban seit jeher gepflegt. In der Zeit zwischen Ostern und Juni werden in St. Alban Wettermessen, die sich allgemein großer Beliebtheit erfreuen, gelesen. Die Gläubigen der umliegenden Pfarren versammeln sich zu Wallfahrten beim hl. Alban und beten um Schutz vor Unwetter und Segen für gute Witterung. Der Pfarrer von Lamprechtshausen hält jeweils die Andachten und Messen.

Der hl. Alban ist im Inneren der ursprünglich romanisch angelegten Kirche auf Fresken einige Male dargestellt. Die in der ersten Hälfte des 14. Jhdt. entstandenen Werke zeigen an der Empore Szenen aus dem Leben des Heiligen: Der hl Alban widersetzt sich den christlichen Glauben zu verlasse und andere Abgötter anzubeten. Er geht mit großer Begierde zur Marter und durchquert trockenen Fußes einen Fluss. Der Heilige wird in Gegenwart des Kaisers und einer großen Volksmenge enthauptet. Alban wirkt nach seinem Ableben große Wunder 1963 wurde das Dach ganz neu gedeckt, 1974 kam es im Innerern zu einer Renovierung.

Foto: Helmut Guggenberger

Die Fresken vor dem Altarraum zeigen auf der linken Seite eine Kreuzigung mit frag­mentarisch erhaltenem Erzengel Michael und eine Ölbergszene. Auf der rechten Seite nochmals eine Kreuzigung mit den Figuren des hl. Leonhard und einem Bischof. Der Mesnerbauer weiß zu berichten, dass das ostseitige Kreuz Christi „lebendiges grünes Holz“ zeigt, eine ikonographische Seltenheit im deutschsprachigen Raum. Das Kreuz Christi versinnbildlicht hier den Lebensbaum.

Ursprünglich gab es einen eigenen Pfarrer in St. Alban, der in einem winzigen Holzhäuschen neben der Kirche wohnte. Aus dieser Zeit stammt auch der Pestlöffel, der hinter dem Altar hängt und der an die schreckliche Zeit der Pestepidemie erinnert.

In der kleinen Kirche haben sich schon eine Hochzeit und zwei Goldene Hochzeiten ereignet. Da werden die Glocken so heftig geläutet, dass man den Turm schwanken sieht.

Foto: Helmut Guggenberger

Zur Ansiedlung in St. Alban kam es ursprünglich, weil ein breiter Wassergraben die Versorgung mit dem notwendigen Gut sicherte. Aus diesem Wassergraben stammen auch die Steine, aus denen die Kirche erbaut wurde. Die Mesnerleute wundern sich noch heute über die runden Steine, die zusammen mit einer Art Mörtel die Mauern des Gotteshauses bildeten.

Sie wissen, dass die Leute damals viel vom Bauen verstanden, „weil die Mauern auch heute noch unverändert stehen“. Die Kirche wird von Elfriede Eder und ihrer Tochter Elfriede und dem Bauern Christian Eder betreut. Sie tun es gerne. Schon seit Generationen obliegt der jeweiligen Familie vom Mesnerbauern dieses Amt. Nur manchmal im Winter, wenn es schon stockfinster ist, geht Elfriede Eder nicht gerne die Glocken läuten, die sie wegen des fehlenden Stromes händisch in Bewegung setzen muss, „weil es da in dem alten Gemäuer ohne Licht doch ziemlich unheimlich ist“


OP Zier Lesung in Holzhausen/ St. Georgen

Lesung des Rendl Preisträgers
OP Zier im Theater in Holzhausen

Ulrike Guggenberger. Auf der Bühne des Theaters in Holzhausen stehen originale Einrichtungsgegenstände aus dem „Rendlhaus“ in St. Georgen. Die im Herbst 2000 gegründete Georg-Rendl-Gesellschaft hat zu einer Lesung des Rendl Preisträgers O.P. Zier nach Holzhausen eingeladen.

Das erste öffentliche Auftreten des neuen Vereines aus St. Georgen findet „vor Ort“ im ländlich intimen Raum eines kleinen Theaters statt. Das Ambiente passt zur Philosophie des 1903 geborenen Dichters, Malers Georg Rendl.

___STEADY_PAYWALL___

In seiner Romantrilogie „Die Glasbläser von Bürmoos“ hat er zum Teil auch aus eigener Erfahrung über die Lebens- und Arbeitsbedingungen der ersten Industriearbeiter im Flachgau geschrieben. Der Verein will sich der Aufarbeitung der vielfältigen künstlerischen Begabungen Rendl`s, intensiv widmen. In den dreißiger Jahren hat Rendl besondere Anerkennung und Aufmerksamkeit mit seinem „Bienenroman (1931)“ , gefunden.

O.P. Zier, der aus seinem Roman „Sturmfrei“ liest, thematisiert in seinem Werk die enge  Verwicklung privater und beruflicher Umstände der Arbeiter in einem Aluminiumwerk in Lend. So schließt sich der Kreis der Georg Rendl und O.P. Zier als Schriftsteller für „Literatur der Arbeitswelt“ deteinander verbindet. Zum Rahmenprogramm gehört eine musikalische Einführung und ein von Hildemar Holl vom Otto Müller Verlag geführtes Interview mit O.P.Zier.

Der Präsident der Georg Rendl Gesellschaft, Josef Standl, spricht über die kommenden Aktivitäten wie eine Dokumentation über Leben und Werk Rendls in einem historischen Eisenbahnwaggon in Oberndorf anläßlich der Stadterhebung.

Mit dieser Präsentation wird auf die persönliche Geschichte des Dichters bezug genommen, der, als er noch als Eisenbahnarbeiter seinen Lebensunterhalt bestreiten mußte, in einem ausrangierten Zugwaggon in Salzburg-Itzling den Künstlerkreis „Der blaue Föhn“ gegründet hat. Matthias Hochradl, Leiter des Theaters in Holzhausen, wird eine dramatisierte Form der „Glasbläser von Bürmoos“ zur Aufführung bringen. Weiters ist der Erhalt und die Renovierung des Rendlhauses in St. Georgen zu betreiben. Geplant ist eine von Rendl komponierte Passion in seielm Geburtsort Zell/ a. See aufzuführen.

Ziel der Arbeit des neuen Vereines ist es die Persönlichkeit Georg Rendl bis zum Jahr 2003 zur Feier seines hundertsten Geburtstages einer breiten Öffentlichkeit vorzustellen.

 


Günter Hartl – Bunte Tücher unter das Salzachbrücke

Es läutet an Ihrer Tür. Sie öffnen und vor Ihnen steht ein Mann, der mit Ihnen ein Gespräch über Kunst führen will und Sie bittet, ihm ein altes Leintuch, Tischtuch oder Ähnliches mitzugeben.

Mag. Ulrike Guggenberger

Von Ulrike Guggenberger

Er erklärt Ihnen, daß er beides, Ihre Kunstmeinung und Ihr abgelegtes Tuch, für eine Kunstaktion braucht. Geht es hier wirklich um Kunst, welcher Kunstbegriff steckt dahinter?

Anfang des 20. Jhdts. hat sich die Aufassung darüber, was Kunst ist bzw.
sein soll ständig gewandelt. Kunst will seither nicht mehr nur im
geschützten Raum einer Galerie gezeigt werden, sondern sich ins Leben
einmischen.

Der o.ö. Kunsterzieher Günter Hartl, der ursprünglich von der Malerei kommt, will über einen von ihm iniziierten Kommunikationsvorgang Kunst ins Gespräch bringen. Er kann sich dabei auf berühmte Künstler berufen die ebenfalls davon ausgingen, daß Kunst, um wahrgenommen zu werden, unbedingt auf ein Gegenüber angewiesen ist. Am intensivsten entsteht der Kontakt zu Kunst, wenn ich selbst darin eingebunden bin. Und genau das will Günter Hartl mit seiner Besuchsaktion erreichen.

Tatsächlich hat er viele interessierte Partner für seine “Einbindung der Kunst ins wirkliche Leben” gefunden. Die geschenkten Tücher ordnet der Künstler zu einer den Fluss überspannenden Wäschereihe und bei einem kleinen Fest bei der Kunststation zwischen Laufen und Oberndorf am 28. Juli um 19 Uhr werden die Tücher unter der Brücke hängend entrollt.

Diese Arbeit ist einerseits ein ästhetischer Eingriff in den öffentlichen Raum: Bunte Tücher flattern unter einer Brücke und vermitteln den Passanten ein “schönes Bild”.

Andererseits ist der Künstler mit dieser Intervention in den öffentlichen Raum zeitgenössischen Ansprüchen an die Kunst gerecht geworden. Diese findet ihre Vorbilder in Aussagen von Künstlern wie Joseph Beuys, der sagte: “Mein Begriff von Plastik” in unserem Fall die flatternden Tücher – “bezog sich immer auf das Leben”. hier die Kunstgespräche. Beuys prägt in der Folge dann denn Begriff der “sozialen Plastik”. In diesen Begriff von allgemeiner Kreativität soll Kunst sich auflösen.

Mit diesem Beitrag des Künstlers Günter Hartl und der in der Kunststation präsentierten Kunstmeinungen setzt die Kunstiniative KNIE einen Schwerpunkt für die Sommermonate, solange die Tücher flattern!

Dieser Artikel ist der Dorfzeitung wichtig und er kommt daher nicht hinter die Paywall!

Dieser Artikel wird von Helmut Guggenberger unterstützt und kommt daher nicht hinter die Paywall! >