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Kunstinitiative KNIE Oberndorf – Stolpersteine

„Kunst als Wagnis“ – die ersten STOLPERSTEINE in Österreich. Das Salzachknie in Oberndorf stand 1995 Pate für den Namen der Kunstinitiative KNIE in Oberndorf.

Von Mag. phil. Ulrike Guggenberger

Eine kleine Gruppe von Kunstbegeisterten und Künstlern hatte die Idee, am Salzachdamm in den Sommermonaten Symposien mit geladenen Künstlerinnen und Künstlern zu verwirklichen.

Um den Oberndorfer Künstler Thomas Stadler, Helmut und Ulrike Guggenberger formierte sich eine Arbeitsgruppe, die Künstlerinnen und Künstler einlud, sich mit dem Fluss als Lebensader vor Ort auseinanderzusetzen. Mit Symposionsteilnehmern aus dem Oberndorfer Raum sowie der Stadt Salzburg und dem angrenzenden Bayern entwickelte sich über sechs Jahre eine lebhafte künstlerische Szene während der Monate Juli oder August. Das Projekt „Kunst als Intervention im öffentlichen Raum – ein urbanes, mit den Entwicklungen und Vorstellungen des 20. Jhdt. verbundenes Phänomen“ (Irene Nierhaus) wurde von der Kulturabteilung des Landes Salzburg unterstützt, Hofrat Dr. Peter Krön eröffnete das erste Symposion 1995.

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Stolpersteine für Oberndorf

Für das Sommersymposion 1997 wurden vier Salzburger Kunstschaffende und der deutsche Künstler Gunter Demnig eingeladen. Gunter Demnig und Ulrike Guggenberger hatten sich ein Jahr zuvor anlässlich eines internationalen Festes und Künstlertreffens der Gebrüder Baumüller, Werkstatt Kollerschlag kennengelernt. Thema des Gesprächs waren rasch die Stolpersteine, der Künstler hatte sich mit dem Gedanken der Verlegung von „Stolpersteinen“ schon länger auseinandergesetzt und mit Ideen und Materialien experimentiert. Noch am selben Abend war man sich einig, die ersten offiziell mit Genehmigung der zuständigen Gemeinde verlegten Stolpersteine im Rahmen des Sommersymposions in Oberdorf zu realisieren.

Gunter Demnig und KNIE

1997 kam nun Gunter Demnig nach Oberndorf und recherchierte zunächst gemeinsam mit dem ebenfalls von der Kunstinitiative KNIE eingeladenen Politikwissenschaftler und Gedenkdienst Gründer Dr. Andreas Maislinger in der näheren Umgebung Oberndorfs nach Opfern des Nationalsozialismus. Sowohl in der bayerischen Schwesterstadt Laufen als auch in Oberndorf stieß die Kunstinitiative von Seiten der nunmehrigen Hauseigentümer mit dieser Aktion auf Widerstand. In Laufen lehnte die Stadtverwaltung die Verlegung eines Stolpersteines zur Erinnerung an die deportierte Familie Friedmann aus Rücksicht auf den Hausbesitzer nach (nicht einstimmigem) Beschluss des Stadtrates ab. Irmgard Toledo, in Salzburg lebende Künstlerin und einzig Überlebende der Familie Friedmann, war von dieser Entscheidung bitter getroffen. Sie hatte sich vorgenommen, zur Verlegung des Gedenksteines als Zeichen der Versöhnung ihren Geburtsort Laufen ein erstes Mal wieder zu besuchen.

Johann und Matthias Nobis, Holzhausen

Andreas Maislinger, selbst in der Gegend aufgewachsen, stellte den Kontakt zur Familie zweier Bauernsöhne aus Holzhausen her. Johann und Matthias Nobis waren wegen ihres Glaubens als Zeugen Jehovas 1940 in Berlin hingerichtet worden. Die Familie der Brüder Nobis war von der Idee der Stolpersteine vom ersten Augenblick an überzeugt, sie bejahten und unterstützen das Vorhaben Gunter Demnigs tatkräftig.

Fritz Amerhauser, Bürgermeister von St. Georgen bei Salzburg, erkannte sofort die historische Bedeutung des Unternehmens und ermöglichte die Durchführung ohne wenn und aber.

Auf dem Gehsteig vor dem bäuerlichen Anwesen in Holzhausen ereignete sich somit im Sommer 1997 die erste offiziell durchgeführte Stolpersteinverlegung. Der Familie Nobis gebührt alle Anerkennung für ihren zweifelsfreien Mut, sich zu dieser Aktion zu bekennen.

Es dauerte noch drei Jahre bis Gunter Demnig weitere Stolpersteine mit amtlicher Genehmigung in Köln verlegen konnte. Mit Stand Dezember 2015 gibt es mittlerweile über 56.000 dieser Steine in 20 europäischen Ländern. Die Stolpersteine sind das größte dezentrale Mahnmal der Welt. Und auch wenn man es in Zeiten wie diesen nicht glauben will, offizell begonnen hat es in einem kleinen österreichischen Dorf.

Stolpersteine in der Dorfzeitung >


“Romulus der Große” in Holzhausen

„Wer so wie wir aus dem letzten Loch pfeift, dem stehen Komödien besser zu“, äußert sich Kaiser Romulus unverblümt seinem Hofstaat gegenüber. Ja, es wird herzlich gelacht im Publikum, wiewohl man laut Stück kurz vor dem Untergang des weströmischen Reiches steht. Die Rolle des Hofnarren übernimmt Kaiser Romulus selbst. Wer sonst könnte es wagen zu sagen: „Das Pflichtbewusstsein meiner Soldaten fängt an mir lästig zu werden.“

Von Ulrike Guggenberger

Ein Kaiser, der an Krieg und Verteidigung weltumspannender Reichsideen zweifelt, ist entweder unfähig oder weise. Letzteres trifft auf Romulus zu, doch ist die Zeit nicht reif. Er steht allein da mit seinen quertreiberischen Gedanken. Seine Hühnerzucht, ungestörter Schlaf, ein ausgiebiges Frühstück bedeuten ihm mehr als jeglicher politischer Ehrgeiz.

Noch einmal vereidigen sich Kaiserin Julia, Kaisertochter Rea, Patrizier, der Innenminister sowie der Kriegsminister auf das Sendungsbewusstsein des Weltreiches. Sie alle werden just im Untergang, den sie verhindern wollen, umkommen.

Mit unaufwändigen Requisiten bestreiten Bühnenbild und Kostüme 24 Stunden Weltgeschichte, die zur Farce wird: Der Morgen des 15. März bis zum Morgen des 16. März im Jahre 476 nach Christus. Der Tag an dem sich der feindliche Germanenfürst Odoaker und Romulus Augustus in der Privatvilla des mächtigsten Herrschers der damaligen Zeit einander gegenüberstehen.

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Friedrich Dürenmatt, 1921 geboren, ist bekannt für seine Zeitsatiren. Im bitteren und wie in diesem Stück im verblüffend-arglosen Ton des Hauptakteurs verlieren seine Inhalte nichts an Aktualität. Assoziationen an die Gegenwart und jüngste Vergangenheit stellen sich von selbst ein.

Die Theatergemeinschaft Holzhausen eröffnet mit diesem brillianten Stück das 65. Jahr seiner Spielzeit. Konsequent verfolgen Initiator Matthias Hochradl, Veronika Pernthaner, seit einigen Jahren nunmehr Regisseurin sowie langjährig mitwirkende Schauspielerinnen und Schauspieler ihr ernsthaftes, ambitioniertes Arbeiten. Sorgfältig studieren und wählen sie mögliche Stücke, die Qualität des Inhalts liegt ihnen vor allem am Herzen. Das persönliche Vermögen der Schauspiel-Truppe liegt in ihrem unverfälschten, unverbogenen Auftreten.

Gesang und Musikeinstudierung sind ebenso hervorzuheben wie das Spiel Johann Winklers als Romulus Augustus. Eine dem Anlass würdige Aufführung. Für Heiterkeit sorgte das Mitwirken lebender Hühner.

Romulus der Große / Ungeschichtliche historische Komödie von Friedrich Dürrenmatt / Theater Holzhausen / Premiere, 27. März 2010 / Regie: Veronika Pernthaner / Regie-Assistenz: Waltraud Hochradl / Bühnenbild: Matthias Hochradl / Kostüme: Franziska Zauner / Licht: Peter Stein / Technik: Matthias Hochradl, Wolfgang Schweinsteiger / Musik: Reinhard Bitzinger / Gesang: Stefan Adamski, Waltraud Hochradl. Mit: Gisela Absmanner, Stefan Adamski, Max Ferner, Markus Ferner, Julia Görg, Richard Harfmann, Matthias Hochradl, Waltraud Hochradl, Christa Landrichtinger, Andreas Meier, Josef Mitteregger, Fritz Niederreiter, Silvia Reichl, Johann Schallinger, Hermann Seidl, Lea Schwarz, Johann Winkler. Eine Produktion der Spielgemeinschaft des Theaters Holzhausen im Rahmen der Aktion Theaterwerkstatt Regie des SAV. Fotos: Karl Traintinger, Dorfbild.com


Margit Steinberger

Glühende Orange- und Rottöne sowie eine reduzierte Formensprache bestimmen heute die bildnerischen Arbeiten von Margit Steinberger. Die Farbgebung hängt eng mit ihrem Lebensgefühl zusammen, sie erlebt nicht nur positive Phasen.

Mag. Ulrike Guggenberger

Von Ulrike Guggenberger

Von den ersten noch unsicheren Malversuchen bis heute ist sie einen langen Weg der Entwicklung gegangen. „Ich habe mich frei gearbeitet“, sagt sie.

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Margit Steinberger wohnt seit 1977 mit ihrer Familie in Oberndorf. Als junges Mädchen wollte sie Keramikerin werden. Mit diesem Berufswunsch ist sie bei ihren Eltern nicht durchgedrungen und so wurde eine kaufmännische Lehre daraus. Ihre Begabung zu Dekoration konnte sie später in einem Büro für Innenarchitektur praktisch anwenden.

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So ganz selbstverständlich absolvierte sie neben der Büroarbeit, später kamen Haushalt und Kinder dazu, weiterführende Kurse an der VHS in Malen und bei Peter Mairinger in Seeham Keramik. Auch die in Salzburg weithin berühmten Aktkurse bei Josef Zenzmeier hat sie mitgemacht. „Aus Neugierde und als Ausgleich“. Die ersten Arbeiten mit Acryl, Sand, Mischtechniken und Kreiden sind noch stark formgebunden. So als wäre sie noch zu ängstlich, als könnte sie die vertrauten Formen und Gegenstände noch nicht verlassen.

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Bei der Künstlerin Eva Ganot arbeitet sie auf Packpapier in großen Formaten, da braucht es schon einigen Mut. Sie erinnert sich, das war ihre schwarze und blaue Phase.

Und dazu hat sie hauptsächlich oder daneben immer Keramikgegenstände hergestellt und in RAKU Technik gebrannt. Das ist eine 4000 Jahre alte Brenntechnik, die aus Japan kommt und wesentlich mit dem Zufallsprinzip arbeitet. Durch plötzliche Abkühlung des Brenngutes entstehen unvorhersehbare Risse, die dem Objekt einen eigentümlichen, einmaligen Reiz verleihen.

Erst in letzter Zeit geht Margit Steinberger mit ihren Werken an die Öffentlichkeit. Sie stellt an verschiedenen Orten aus, z. B. im Handwerkshaus in Oberndorf, in der Galerie im Traklhaus, bei der Laufener Palette. Sie tritt auch in die Berufsvereinigung bildender Künstler ein und ist Mitglied in der Laufener Palette. Der Ernst und die Lust, mit denen sie ihre künstlerische Arbeit betreibt, führen zu einem spannenden Ergebnis. „In erster Linie ist Kunst für mich Freude, die ich auch anderen mitteilen will“.

Margit Steinberger präsentiert heute mit sicherem Gespür ein selbstbewusstes, farbintensives Werk, sowohl als Keramikerin als auch als Malerin.

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Homepage der Künstlerin >


Arnulf Rainer “FEMALE” – MdM Salzburg

Arnulf Rainers frühe Äußerung „Malen, um das Malen zu verlassen“, deutet auf seine Widerständigkeit dem Kunstbetrieb und dem gängigen Bild der Künstlerpersönlichkeit gegenüber hin.

Mag. Ulrike Guggenberger

Von Ulrike Guggenberger

Der Maler, 1929 in Baden bei Wien geboren, gehört in den fünfziger Jahren zur brodelnden und gärenden Kunstszene der jungen Nachkriegskünstler in Wien. Seine erste Tat nach der erfolgreichen Aufnahme an die Hochschule für angewandte Kunst in Wien ist, sie noch am selben Tag wieder zu verlassen. Ähnlich verhält er sich an der Akademie der bildenden Künste.

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Man musste radikal umdenken, um die Philosophie des jungen Mannes, der „…das Wechselspiel von öffentlicher Provokation und künstlerischer Reaktion am Begriff zeitgenössischer Malerei zelebrierte…“ (Herbert Boeckl) zu begreifen.

Foto: Siebinger
Arnulf Rainer | Foto: Manfred Siebinger

In Paris lernt Arnulf Rainer Jackson Pollocks informelle Malerei kennen. Wieder in Wien reagiert Rainer auf diese unerwartete Konfrontation mit individuellen gestischen ZeichnuRhen, die dem Rhythmus seines Körpers folgen: „Ich zeichnete nur Haare, Punkte und Kugeln. Der Rest war Kontrast.“

Um die Mitte der 60er Jahre überfällt Rainer ein überwältigender Schaffensrausch nach Übermalung eigener Arbeiten, wie auch Kopien von Künstlerkollegen. Rainer spricht von „Ertränkung des Bildes“, Kunsttheoretiker von einem Auslöschen der Welt und Hinabtauchen in den Urgrund. Mit diesen Überzeichnungen – später kommen Übermalungen von Kopien berühmter Werke aus der Kunstgeschichte hinzu – schreibt Rainer österreichische Kunstgeschichte der Avantgarde. Auf der Suche nach sich selbst übermalt Rainer Traditionen.

MdM Salzburg/ Rainer Ohne Titel 0276, 2008
MdM Salzburg/ Rainer Ohne Titel 0276, 2008

Mit der Ausstellung „Female“ am Museum der Moderne Salzburg, Mönchsberg ist Arnulf Rainer mit bislang unbekannten Arbeiten aus seiner privaten Sammlung zu sehen.

MdM Mönchsberg/ Rainer-Vertikale Rückenzeichnung
MdM Mönchsberg/ Rainer-Vertikale Rückenzeichnung

In seinem Werk tauchen ab den 50er Jahren von seiner Hand bearbeitete Photographien erotischer Szenen auf. In einem frühen Schwarz-Weiß Zyklus „Frauensprache“ aus den 70er Jahren spürt man eine Wildheit, Kraft und Intensität, die in späteren Jahren in einen weicheren Umgang mit dem weiblichen Körper mündet.

MdM Mönchsberg/ Rainer  Orient Mastalizie Frauensprache
MdM Mönchsberg/ Rainer Orient Mastalizie Frauensprache

Anfangs arbeitet Rainer direkt in vorgefundene Photographien hinein. Im Folgenden lässt er Abzüge von Frauen aus der Kunstgeschichte, Unbekannte oder berühmte Diven herstellen, die er dann eigenständig farblich begleitet und „umrahmt“. Eigene Fotografien als „Lichtbilder“ bezeichnet dienen ihm zusätzlich als Anregung zu experimentierender Weiterverarbeitung.

Der Künstler und sein Gegenüber das Wesen Frau als immerwährendes Thema in der Kunst zieht sich auch durch Rainers Werk.

Museum der Moderne Mönchsberg
Dauer der Ausstellung vom 22. 10. 2009 bis 7.2. 2010
Öffentliche Führungen: jeden Mittwoch 18. 30., kostenlos; jeden Sonntag 15 Uhr, Euro 2.-
Öffnungszeiten: Dienstag bis Sonntag 10 Uhr bis 18 Uhr, Mittwoch bis 20 Uhr


Don Quichote und Sancho Pansa

Auf der Theaterbühne in Holzhausen bewegen zwei Männer auf einem Podest stehend in stoischer Ruhe riesige Holzflügel. Eine jämmerliche männliche Gestalt rennt unermüdlich dagegen an. „Gegen Windmühlen kämpfen“ ist bis heute der bekannteste Begriff aus Miguel de Cervantes’ Roman „Don Quichote“. Viele Male in der bildenden Kunst dargestellt, verfilmt und neu aufgelegt, unsterblich.

Von Ulrike Guggenberger

Die Geschichte spielt im Spanien des 16. Jahrhunderts. Alonso Quichano liest mit besessener Hingabe Ritterromane, sodass er schließlich meint, selbst ein Ritter zu sein. Nun gilt es, der ritterlichen Lebensart zu frönen: Eine Dame seines Herzens küren, Sancho Pansa als Diener gewinnen und Rosinante das wunderbare Ross erwerben. So ausgestattet will er Unschuldige verteidigen und gegen drohende Gefahren mit Leib und Leben ankämpfen.

Foto: KTraintinger

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Alonso Quichano, fürderhin als Don Quichote, kennt nicht Maß noch Ziel, verkehrt reale Situationen ins Gegenteil und muss schließlich daran scheitern. Schrieb Cervantes eine Parodie auf das Rittertum, lobte er heroischen Idealismus, stellte er den reinen Toren als Helden hin? Wie auch immer, bislang konnte man sich in der Literaturgeschichte zu keiner bestimmten Zuordnung durchringen.

Keine leicht Aufgabe für das Ensemble in Holzhausen, das sich just diese Herausforderung gewählt hatte. Aus Leidenschaft für das Theater und die Titelfigur Don Quichote. Möglich wird die Aufführung durch eine kluge Regie, die die einzelnen Episoden schlicht und unaufwendig stilisiert über die Bühne bringt. Ein überdimensionales hölzernes Schaukelpferd, mittels starker Männerarme überraschend wandelbar, bewältigt die gesamte Szenerie.

Foto: KTraintinger

Keineswegs einfach auch für das Publikum, gilt es doch Dialoge aus einer fernen Zeit und mit ungewohntem Sprachduktus zu verstehen. Doch gelingt es Schauspielern und Regisseurin Veronika Pernthaner, im Besucher empathische Gefühle für die handelnden Personen und im Besonderen für den liebenswürdig-bedauernswerten „Ritter von der traurigen Gestalt“ Don Quichote zu wecken.

Eine starke Leistung von Johann Winkler, Matthias Hochradl, Christa Landrichtinger, Julia Görg, Nina Ferner, Johanna Aichschmied, Richard Harfmann, Silvia Reichl, Markus Ferner, Florian Patsch, Hermann Seidl, Waltraud Hochradl, Max Ferner, Gesela Absamer, Margret Eschbacher.  Fotos: Karl Traintinger, Dorfbild.com


Hermann Nitsch – Salzburg Sommer 2009

Festspielausstellung der Galerie Weihergut in den Kavernen in der Gstättengasse. 

“Ein Skandal ist das, darf er denn das, Blut vergießen und die christliche Religion verunglimpfen, der gehört eingesperrt …“, so und ähnlich hörten sich in den 60er Jahren die Rektionen auf das Orgien-Mysterientheater Hermann Nitschs an. Verunsicherung auch in den Medienberichten und in der Kunstszene.

Mag. Ulrike GuggenbergerVon Ulrike Guggenberger

Hermann Nitsch, Aktionskünstler, 1938 in Wien geboren, haftet bis heute in manchen Kreisen ein Sensationsgeruch an. Er studierte an der Graphischen Lehr- und Versuchsanstalt in Wien und begründete mit Günter Brus, Otto Muehl und Rudolf Schwarzkogler den „Wiener Aktionismus“. Die Gruppe wurde durch ihre Protestveranstaltungen gegen verkrustete Kulturgepflogenheiten und Spießbürgertum rasch bekannt.

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Spielort seines sechs Tage und Nächte dauernden Gesamtkunstwerkes ist ab 1971 das Gelände des Schlosses Prinzendorf in Niederösterreich. Bei jeder Aktion wird ein Opfertier – ein Lamm oder ein Stier – geschlachtet und noch ausblutend an einem Seil nach unten gehängt oder in Kreuzform an der Wand befestigt. Was sich so grausam anhört, gründet auf einem tief religiösen Hintergrund.

Nitsch versenkt sich in seinen Studien in die Passion Christi sowie den Dionysos-Kult des antiken Griechenland und antwortet darauf mit den Mysterienspielen in Form einer „ästhetischen Ersatzhandlung“. Unter den Besuchern und unter den an der Aktion Beteiligten – viele davon sind Künstlerfreunde – kommt es zu rauschhaften Zuständen und selbstvergessener Versenkung in die mythisch-kultisch aufgeladene Atmosphäre, eindringlich verstärkt durch Musik.

Nitschs bildnerische Arbeiten sind eng verknüpft mit seinen Theateraufführungen in Prinzendorf. Vorzugsweise rote Farbe – in allen Schattierungen – wird von ihm kübelweise über die Leinwand gegossen, mit Händen und Bürsten auf dem Malhintergrund rhythmisch ausgestrichen. Ein üppiges, in purer Sinnlichkeit aufgehendes Unternehmen, häufig unterstützt von Künstlerkollegen. Aus seinem bildnerischen Werk werden derzeit in der Festspielausstellung der Galerie Weihergut in den Kavernen in der Gstättengasse in Salzburg präsentiert. Bildtafeln im Format von mitunter 3,40 x 2 m, hängen in den Gewölben, in Gruppen, oder einzeln. Die Arbeiten umfassen einen Zeitraum zwischen 1997 bis etwa 2000. Gleichzeitig werden auf einem überdimensionalen Bildschirm Szenen aus der Aufführung der Mysterienspiele im Burgtheater 2005, eingespielt. In Vitrinen zeigt Hermann Nitsch einen kleinen Teil seiner Sammlung historischer Messgewänder begleitet von Attributen wie Scheren, Zangen und Kerzen. Ausgestellt sind auch Papierarbeiten. Sie entstehen aus den bei seinen Malaktionen verwendeten, zurückgebliebenen Papieren, die von Nitsch nach dem Trocknen weiterbehandelt werden.

2009 gründete sich die Nitsch Foundation, die sich am 22. 10. in Wien der Öffentlichkeit vorstellen wird. Zur Theorie des Mysterientheaters liegt aus dem Verlag „Styria“ sein letztes Buch „Das Sein“ auf – zu erwerben bei der Ausstellung in den Kavernen.

Seit 1989 lehrt Hermann Nitsch als Professor an der Städelschule in Frankfurt. In Wien hat er eine Gastprofessur am Institut für Theaterwissenschaften inne. Hermann Nitsch lebt und arbeitet auf seinem Schloss in Prinzendorf, Niederösterreich.

Hermann Nitsch Museum Mistelbach>
Hermann Nitsch Homepage >


Das kunstseidene Mädchen

Doris, ein junges Mädchen in den 1930er Jahren in Köln, ist erfüllt von der Sehnsucht nach Liebe, Wohlstand, Schönheit.

Ulrike Guggenberger

Von Ulrike Guggenberger

In kleinen Verhältnissen aufgewachsen, träumt sie davon ein „Glanz” zu werden. Sie weiß schon, wie das geht. Mit kleinen, arglos wirkenden Nebensätzen und listigen Schwindeleien lässt sich allerhand erreichen. Auch die Aufnahme in die Schauspielschule.

Das ist schon was im Vergleich zum unaufregenden Leben einer Tippse. Endlich findet Doris die so tief ersehnte Anerkennung im Kreise der Statistinnen-Kolleginnen am Theater. Doch ist das Ziel, „ein Glanz zu sein”, damit vorderhand für Doris noch nicht erreicht.

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Foto: Kleines Theater

Wechselnde Männergeschichten scheitern daran, dass sich Doris zwischen Liebe und Geld nicht entscheiden kann, zu sehr verlockt sie immer wieder die sich hingebende Liebe.

Wenige Requisiten, ein von Christine Ransmayr wunderbar gespieltes Cello sowie die Beleuchtung unterstützen das Ein-Personen Stück in zurückhaltender Weise.

Hubert, Ernst und andere Herren werden per Video charakterisiert und eingespielt.

Ein dramaturgischer Höhepunkt der Aufführung liegt in der Mantel-Szene. Am Kleiderständer, geschmückt von einem Kranz kleinster, hell leuchtender Lämpchen prunkt das begehrte Stück. Für Minuten herrscht Spannung und Stille im Raum. Doris, hingerissen von der Schönheit des Pelzmantels legt ihre Wange in das weiche Fell und nimmt das fremde Eigentum entschlossen an sich: „Er liebt mich – und ich liebe ihn auch!”.

Foto: Kleines Theater

Eine verhängnisvolle Tat, die sie nach Berlin fliehen lässt. Schnell ist sie wieder im alten Fahrwasser, sich ein Leben zu erträumen, das weit von der Realität – sie muss sich auch in Berlin von Männern aushalten lassen –entfernt ist. Doris unterhält das Publikum mit ihren zu Herzen gehenden Geschichten, die in ihrer puren Ahnungslosigkeit und Naivität eine tiefe Tragik in sich tragen, an der Doris schließlich scheitert. Doris webt an einem eben nur „kunstseidenen” Leben, das nicht zu Seide werden kann, obwohl sie zur Liebe fähig wäre.

Das zwischen Komödie und Tragödie changierende Stück basiert auf dem Roman „Das kunstseidene Mädchen” von Irmgard Keun aus 1932. Irmgard Keun, Tochter eines Kaufmanns, fand erst spät zum Schreiben, genoss aber dann die Anerkennung berühmter Kollegen wie Alfred Döblin oder Kurt Tucholsky.

Agnieszka Wellenger, in der Rolle der Doris hatte an diesem Abend die Möglichkeit viele Facetten ihrer schauspielerischen Begabung zu zeigen. Die Aufführung wurde mit einem nicht enden wollenden Applaus bedacht.

8. FEBRUAR 2009 / THEATER PRAESENT IM KLEINEN THEATER SALZBURG | Mit: AGNIESZKA WELLENGER / REGIE: FLORIAN EISNER / MUSIK: CHRISTINE RANSMAYR (CELLO) / BÜHNE: DORIS MUSSHAUSER, ALEXIA ENGL | Fotos: Kleines Theater


Männerstrip beim Voglwirt

Ladies Night. Männerstrip beim Voglwirt!

Die Chippendales beim Voglwirt in Anthering! Nicht die originalen allerdings, sondern die ortsansässigen. Man gibt die Komödie „Ladies Night“. Trotzdem, oder gerade deswegen, das anwesende Publikum im Wirtshaussaal wird in beste Stimmung versetzt und von den Geschehnissen auf der Bühne förmlich mitgerissen.

Von Ulrike Guggenberger

Die triste Ausgangslage in der biederen Kleinstadt: Arbeitslosigkeit, daraus folgende Geldnot und Beziehungsprobleme. Aus Hoffnungslosigkeit und Fadesse riskieren Hermann, Bernie, August, Johnny, Walter, Dominik und Friedi einen Ausbruchsversuch aus der Sackgasse. Die Chippendales verdienen doch Millionen, und was haben die zu bieten, was wir nicht auch könnten?

Im verlassenen Werkschuppen wird trainiert, Gitti, eine schillernde Tanzlehrerin, wird für die Choreographie organisiert. Zuerst einmal trimmt sie die recht durchschnittlichen Männerkörper auf Hochglanz und „Panorama Erotik“. Ziel ist der hoch dotierte Auftritt in einem exklusiven Club. Gittis Anweisungen gipfeln in der Vorgabe dessen, was beim anspruchsvollen Frauenpublikum erreicht werden muss: „Kann ein männlicher Körper nicht aufregender sein als der Sommerschlussverkauf!“

Kurze, quirlige Auftritte vermitteln ein dynamisches, ungezwungenes Spiel – vom Publikum heftig akklamiert. Ausflippende, kreischende weibliche Wesen stürmen die Bühne, Männerkörper verrenken, drehen und wenden sich halb kokett, halb verschämt, versuchen sich im erotischen Entkleiden und Hinternwackeln.

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Die von den neuseeländischen Autoren Stephen Sinclaire und Anthony McCarten verfasste Komödie wurde 1987 geschrieben und wird seither mit großem Erfolg weltweit aufgeführt.

Eine lockere, sprühende Situationskomik belässt es nicht allein bei unbeschwerter Lustigkeit. Da steckt auch eine gute Portion Ernst dahinter, sind wir doch die makellose, erotische Präsentation weiblicher Körper weit eher gewohnt und bereit sie normal zu finden als die männliche. Ein kurzer, beiläufiger Satz einer der Männer bestätigt das: „Fett ist höchstens ein Problem für Frauen, doch nicht bei uns Männern“.

Der Mut zum nicht Perfekten macht auch den Charme der Aufführung aus, lässt sie nicht ins Lächerliche kippen. Die Szenen bieten eine entspannende Komik, aus einem tiefen Gefühl für die heiteren und ernsten Situationen des Lebens, die in diesem Stück nicht ausgespart bleiben.

Die Verbindung zwischen Publikum und Aufführenden reißt keinen Moment ab. Engagiert klatscht man Rhythmen mit, lacht aus vollem Halse und genießt den Abend mit allen Sinnen beim Voglwirt, Essen und Trinken mit eingeschlossen.

STEPHAN SINCLAIRE, ANTHONY McCARTEN – LADIES NIGHT / ANTHERINGER LAIENTHEATER – GASTHOF VOGL – PREMIERE: 29. OKTOBER 2008 / MIT: HERMANN STRASSER, LUCA PRÄHAUSER, ANNA-MARIA LIEBENWEIN, BERNHARD BRENNEIS, ILSE SCHERNTHANER, GUSTI LIEBENWEIN, HANS STADLER, GERHILD HEISSEL, WALTER PICHLER, FRIEDRICH LEBESMÜHLBACHER, DOMINIK NIEßL, THOMAS HUTZINGER, ULLI FIßLTHALER.


Die Geierwally – Theater Holzhausen

Erstes Bild – dicht an der Bühnenrampe, menschliche Gestalten, Schulter an Schulter formieren sich eng zu einer dunkelgrauen geschlossenen Reihe. Schaudernd raunen und wispern sie sich Geschichten über „Geierwally“ zu. Als Kind soll sie einen jungen Geier auf Befehl ihres Vaters mit schier übermenschlicher Kraft und Geschicklichkeit aus seinem Nest geholt haben.

Elisabeth PichlerVon Ulrike Guggenberger

„Die Geierwally tut immer das, was kein vernünftiger Christenmensch macht“, heißt es.

Freilich, sie hat einen harten, grausamen Menschen, den reichsten Bauern im Ort, zum Vater, den Stromminger. Er hat seine Tochter Walburga vulgo die „Geierwally“ dem Vinzenz versprochen.

Wütend lehnt sie den Freier hochmütig ab. Eine plötzlich aufflammende Liebe zu Josef ist wie der Blitz in sie gefahren. Josef, der beste Schütze und heldenhafte Bärentöter, nützliches Glied der Dorfgemeinschaft und der Stromminger geraten sich wegen einer alten Sache böse in die Haare. Der junge Mann demütigt den alten Großbauern mitten am Dorfplatz.

„Das Kind gehört dem Vater“, urteilt die dörfliche Gemeinschaft, so steht es in der Bibel.

Der Vater aber vertreibt seine Tochter wegen ihres verstockten Ungehorsams hinauf in die abgelegenen Hochalmen. Da oben in der absoluten Einsamkeit, wo nur mehr die Berggeister hausen, „…stellt sich kein Wille gegen meinen Willen“, sinniert Walburga.

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Die im Theater in Holzhausen aufgeführte Fassung der „Geierwally“ überträgt den explosiven Inhalt in starke, einprägsame Bilder. Requisiten wie rohe Holzbretter und Klötze, einfache, bäuerliche, graubraun gehaltene Alltagsgewänder, Umrisse steiler, kahler, schroffer Felsen, spiegeln die kargen Lebensbedingungen wider.

In dieser rauen Umgebung wachsen in den Menschen ungezügelte Leidenschaften, vom Sittenkodex der dörflichen Gemeinschaft mühsam in Schach gehalten. Ein Nährboden für Tragödien.

„…grobe Äxte schnitzen kein feines Schnitzwerk“, weiß der Pfarrer aus langer Erfahrung.

Der Text zeichnet das seelische Drama einer in ihrem maßlosen Temperament gefangenen jungen Frau in der sozialen Enge des Bergdorfes. Für die Geierwally gilt nicht, was für so viele im Dorf gelten muss, „…man soll es machen wie Jesus Christus, man soll es dulden und tragen“. Sie scheitert an der Demütigung, die Josef ihr öffentlich antut.

Eine geglückte Regie fügt Ort, Schauspieler und Inhalt zu einem authentischen Zusammenspiel. „Die Geierwally“ ist eine sagenhafte Erzählung um eine außergewöhnliche Frau, die es in Tirol gegeben haben soll. Die Rahmenhandlung schließt mit dem Eingangsbild der Schulter an Schulter stehenden Dorfbewohner, gefolgt von einem Epilog. Josef und Walburga begegnen sich an einem unbestimmten Ort, losgelöst von der Erdenschwere können sie sich endlich einander zuwenden.

Die Geierwally nach Wilhelmine von Hillern in einer Bearbeitung von Dagmar Schlingmann und Ursula Thinnes / THEATER HOLZHAUSEN / PREMIERE: 11. OKTOBER 2008 / MIT: MATTHIAS HOCHRADL, WALTRAUD HOCHRADL, FRITZ NIEDERREITER, ERICH GAISBAUER, SILVIA REICHL, JOSEPH MITTEREGGER, GEORG GÖRG, MAX FERNER SEN., MAX FERNER JUN., GISELA ABSMANNER, ANDREAS MEIER, CHRISTA LANDRICHTIGER, JOHANNA AICHSCHMIED, NINA FERNER, RICHARD HARFMANN, HANS SCHALLINGER, FLORIAN PATSCH / REGIE: VERONIKA PERNTHANER / BÜHNE: MATTHIAS HOCHRADL / LICHT: PETER STEIN / BELEUCHTUNG: HORST DAGLINGER, WOLFGANG SCHWEINSTEIGER, KOSTÜME: FRANZISKA ZAUNER / MUSIK: DULAMANS VRÖUDENTON


Foto: Theater ECCE/ julie

Nachtasyl. Das Theater ECCE im Lehrbauhof in Salzburg.

Ein hohes Drahtgitter spannt sich über die gesamte Rampenläng der Bühne. Im Laufe des Abends wird sich zeigen, dass die Menschen außerhalb des Gitters ebenso gefangen sind wie diejenigen innerhalb des Maschendrahtes.

Mag. Ulrike Guggenberger

Von Ulrike Guggenberger

Szenen aus der Tiefe

Im Bühnenraum herrscht Dunkelheit. Gitarrenklänge scheinen wie magisch Personen anzulocken. …

Ein hohes Drahtgitter spannt sich über die gesamte Rampenläng der Bühne. Im Laufe des Abends wird sich zeigen, dass die Menschen außerhalb des Gitters ebenso gefangen sind wie diejenigen innerhalb des Maschendrahtes.

Im Bühnenraum herrscht Dunkelheit. Gitarrenklänge scheinen wie magisch Personen anzulocken, die aus dem Verborgenen auftauchen, einer nach dem anderen, sie formen sich zu einem pantomimischen Menschenknäuel, werden gleichsam auf die nun durch einzelne Lichtkegel erleuchtete Bühne ausgespuckt. Ein erstes symbolistisches Bild.

Im Nirgendwo und Überall hausen aus der Gesellschaft Ausgestoßene,
Gestrandete, aus welchen Gründen auch immer.

Migranten und Migrantinnen aller Herren Länder, eine junge Prostituierte, die der romantischen Liebesliteratur verfallen ist, ein blutsaugerischer Vermieter und seine korrupte Frau, ein junger Mann, der zu Hoffnungen Anlass gibt, ein versoffener Dichter, Sandler und Gelegenheitsdiebe, eine Schwerkranke und ihr hilfloser Ehemann, ein abgestumpfter Hüter des Gesetzes auch. Sie alle sammeln sich und hausen an diesem Schattenreich der Gegenwelt, zu schwach, um sich jemals aus eigener Kraft zu befreien. Eine dichte Abfolge starker, authentischer, Bilder.

Milieu, Inhalte und Typen des Maxim Gorki-Stückes „Nachtasyl“ haben
sich bis in die Gegenwart, trotz aufgeklärtem Sozialstaat, nicht
wesentlich verändert. Das ist der wunde Punkt, an dem Regisseur
Reinhold Tritscher ansetzt. Er lädt Menschen aus der Salzburger
Off-Szene ein, gemeinsam mit ihm und wenigen Berufsschauspielern
ihre persönlichen, eigenen Lebensumstände auf der Bühne, im
eigentlichen Sinne des Wortes, zu mimen. Es zeigt sich, dass das
authentische Spiel bewegte Bilder hervorbringt, die einen
symbolistischen, surrealen Charakter annehmen.

Tritscher siedelt das Gorki-Stück im Jetzt und vor Ort an. Ein risikoreiches, mutiges, arbeitsintensives Unternehmen. Tritscher fordert seit Jahren mit vergleichbaren, im Leben selbst angesiedelten Projekten Gesellschaft und staatliche Fürsorge heraus. Beharrlich schafft er es, immer wieder Randgruppen der Gesellschaft (für eine gewisse Zeit) in die Mitte zu rücken.

Seine wirksame Therapie liegt aber nicht allein im Bewusstmachungsprozess, es liegt im Zulassen können, im Herausfordern von Fähigkeiten, die vorhanden sind und brach liegen.

„Talent, ist der Glaube an sich selbst“, sagt der versumpfende Dichter einmal an diesem Abend.

Mit „Nachtasyl“ nach dem Drama von Maxim Gorki gibt es eine integrative und interkulturelle Aufführungsserie als Beitrag zum EU Jahr des interkulturellen Dialogs. ProfischauspielerInnen, MusikerInnen und Amateure, jugendliche Flüchtlinge, in Salzburg lebende MigrantInnen, Mitglieder der „Blauen Hunde“ und der LAUBE Theaterwerkstatt aus mehr als 10 Nationen bringen Gorkis „Szenen aus der Tiefe“ einer nicht näher bezeichneten Provinzstadt“ in zeitgemäße Form.  

Theater ECCE

Maxim Gorki: Nachtasyl | THEATER ECCE SALZBURG –
PREMIERE: 24. SEPTMBER 2008 | REGIE: REINHARD TRITSCHER | Fotos: Theater ECCE
Pressetext

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Thomas Bernhard Alte Meister

Bernhards Alte Meister im Salzburg Museum

Reger hat sich schon lange aus dem Leben in die Kunst geschlichen. Er sitzt heute wie vorgestern und übermorgen auf der Bordone-Saal-Sitzbank im Kunsthistorischen Museum in Wien vor dem Tintoretto Bildnis eines weißbärtigen Mannes.

Mag. Ulrike Guggenberger

Von Ulrike Guggenberger

Just hier hat er auch seine geliebte Frau, die ihm überraschend in den Tod vorausgegangen ist, kennen gelernt. Wie so oft ist Reger im Museum auf seinen eigenen „Zuhörkünstler“ Atzbacher und auf sein „Sprachrohr“, den Saaldiener Irrsiegler angewiesen. Machtvoll drängt aus Reger ein unablässiger Strom philosophischer, ihn quälender Überlegungen und bohrender Betrachtungen zu bildender Kunst, Musik, Literatur und Philosophie.

Das Thomas Bernhard Stück „Alte Meister“ wird im Salzburg Museum in
der in den Kellerräumen gelegenen Kunsthalle im Angesicht der
laufenden Ausstellung aufgeführt –
eine Produktion im Rahmen der Reihe „Besonderes Theater an
besonderen Orten“. Das Salzburger Landestheater eröffnet damit die
Saison wieder außer Haus, sucht sich auch in diesem Jahr einen dem
Stück wie auf den Leib geschneiderten Ort.

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Reduzierte Requisiten stecken den Bühnenraum ab. Ein Flügel, eine riesige weiße Projektionswand, eine rote Plüschbank, ein zerbrochener Krug, aus dem kaum merkbar feiner Sand in einen Kübel rieselt, hängt in einem Gestell, weitere solche Kübel werden im Laufe des Abends geheimnisvoll umgereiht, Hochstühle, Gläser mit Wasser, die Reger immer wieder gereicht werden. Schwarz und beige die Kostüme. Eine alles beherrschende, konzentrierte Stille, in der jedem einzelnen Satz Raum gegeben wird.

Kurze, gemessene pantomimische Szenen und musikalische Sequenzen,
fügen sich perfekt in die Monologe Regers und die Kommentare
Irrsieglers und Atzbachers.

Reger, ein Mann, der sich aus seinem „Kindheitsloch“, wie er
zutiefst verletzt sinniert, bis heute nicht befreien konnte,
dekonstruiert mit scharfem Intellekt und bizarr-ätzendem Humor die
Götter des geisteswissenschaftlichen Himmels im westlichen
Kulturraum. Einer nach dem anderen, erscheinen die Köpfe der
Geschmähten jeweils überdimensional auf der Leinwand.

Einzig den Dichter der Romantik, Novalis, hat er allezeit geliebt, bis heute. An dieser Stelle überkommt Regers Stimme eine zarte Weichheit.

Reger hat sich schon lange aus dem Leben in die Kunst geschlichen. Er sitzt heute wie vorgestern und übermorgen auf der Bordone-Saal-Sitzbank im Kunsthistorischen Museum in Wien vor dem Tintoretto Bildnis eines weißbärtigen Mannes.

„Wir lieben das Scheitern, hassen die Vollkommenheit“, zwanghaft
sucht Reger nach den Mängeln, um letztlich daran zu verzweifeln.
Reger hasst dort, wo er liebt, ein ewig Zerrissener im
infernalischen Wüten gegen die ganze Welt.

„Alte Meister“, eine irrwitzige Komödie, darf als Selbstgespräch des Autors, als einer der schärfsten Kritiker Österreichs und seines Kulturbetriebes interpretiert werden. Die Aufführung gelingt als respektvolle Hommage an Thomas Bernhard. Konzept, Ort, Spiel, Inhalt und Regie erreichen einen hohen Grad an Übereinstimmung.

LANDESTHEATER SALZBURG – PREMIERE: 20. SEPTMBER 2008 IM SALZBURG MUSEUM | MIT: CLAUDIA DÖLKER, GERHARD HERMANN, HARTMUT SCHEYHING | INSZENIERUNG: FRANK HELLMUND / KOSTÜME: ALOIS DOLLHÄUBL / PROJEKTIONEN: GÜNTHER SCHÖLLBAUER | Fotos (4): Landestheater Salzburg, Christian Schneider


Hiroshi Sugimoto. Ausstellung im Museum der Moderne. Salzburg Mönchsberg (bis 15. 06. 2008)

Ulrike Guggenberger. Mittels einer Großbildkamera und Langzeitbelichtung, manchmal bleibt der Verschluss mehrere Stunden geöffnet, zaubert Hiroshi Sugimoto fotografische Szenen, die Himmel und Wasser ineinander übergehen lassen. Er erreicht mit dieser Technik feinste Grauwerte, Differenzierungen und extreme Detailschärfe.

Hinter dieser Serie der „Seascapes“ steht die Utopie, eine Landschaft zu entdecken, wie sie zu Urzeiten ausgesehen haben mag. Es blieben nur Meer und Himmel.

Hiroshi Sugimoto, 1949 in Tokio geboren, studiert zunächst in seiner Heimat Wirtschaftswissenschaft. In den 1970er Jahren lässt er sich in New York nieder, heute lebt er in beiden Städten.

Aus Neigung und Interesse wendet er sich in den 1970er Jahren der künstlerischen Fotografie zu. Hiroshi Sugimoto stellt an das Medium Fotografie eine sehr eigenwillige Frage: „Wie wirklich ist die Wirklichkeit?“.

1975 erregt er mit der Fotoserie „Dioramas“ innerhalb der Kunstszene großes Aufsehen. Sugimoto fotografiert die prähistorischen Schaukästen im Naturhistorischen Museum in New York. In den Dioramen werden Szenen von Mensch und Tier aus den Anfängen der Erdgeschichte nachempfunden und dargestellt. Eine vorgetäuschte Realität also. Sugimoto bildet diese nicht vorhandene Wirklichkeit fotografisch ab. Mit diesen Fotografien erreicht er höchsten Realitäts-Charakter, eine hyperreale Klarheit. Der Betrachter meint auf den ersten Blick, die Szenen seien aus der Gegenwart, merkt erst dann, „dass sich irgendetwas falsch anfühlt“.

Sugimoto sagt dazu: „Vor diesen Dioramen stehend kniff ich mal kurz die Augen zu. Dadurch bekam ich einen sehr wirklichkeitsgetreuen Eindruck. Sofort fiel mir ein, dass ich diese Wirkung mittels Fotografie ebenso herstellen kann.“

In seiner dreißigjährigen Künstlerkarriere hat Sugimoto keine konkreten Dinge und Menschen, sondern stets nicht fassbare, ephemere, nicht existierende Welten fotografiert.

Seine Serie Lichtspielhäuser, in historischen Kinopalästen aus den 1920er und 1930er Jahren in den Vereinigten Staaten gehört hier herein. Während der gesamten Filmvorführung im leeren Kinosaal lässt Sugimoto die Blende seiner Kamera offen. Was vom Film zurück bleibt, ist ein weißes Rechteck im dunklen, geheimnisvollen Raum. Nur die Stukkatur der innenarchitektonischen Dekoration leuchtet mystisch auf.

Sugimoto gibt mit seiner Fotografie Antworten auf die alten Meister der Fotografie, wie auch auf Konstruktivismus und Minimalismus im Kunstschaffen der klassischen Moderne und der Gegenwart.

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