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Maria Angela Schlichtner: Fotoparaphrasen

Die Auseinandersetzung mit Fotografie begann für mich eines Tages beim Eingang (Aufgang) ins Cafe Mozart in Salzburg.

Plakate zu Ausstellungen mit gestochenen Schwarz-Weiß-Fotos von österr. Musikern, Schauspielern, Schriftstellern, vom Fotografen und Musiker Sepp Dreissinger, erweckten mein Interesse an der Fotografie.

Der Grundstein meiner Arbeiten kommt sowohl aus der Dunkelkammer als auch aus Freude am experimentieren und dem Auge zur Natur. Das Herz wirkt mit, was das Auge sieht.

PARAPHRASE kommt eigentlich im musikalischem Bereich vor und heißt Ausschmückung oder Hinzufügung. FOTO-PARAPHRASE – intuitiv zeigen mir Fotografien vielfältige Strukturen,die
durch Hinzufügung verschiedener Materialien aus der Natur und Umwelt eine Collage entstehen lassen. Eine Fotografie ist eine sichtbar begrenzte Abbildung, ein Detail, eine Konfrontation sowie ein Befund einer vorgegebenen Wahrheit. Es ist das Produkt und die Festhaltung von Augenerlebnissen. Materialien hinzufügen ist die Neugestaltung – FOTO-PARAPHRASE (Maria Angela Schlichtner)

Ausstellungen(Auswahl) :
Galerie Landart, Eggelsberg ; Herzogsburg Braunau ; Kulturszene Obertrum ; Landesmusikschule Mattighofen ; Schifferkirche, Obernberg ; Art-Dimension, Altheim ; Cafè Galerie Wolf, Oberndorf ; Galeriecafe Shakespeare, Salzburg ; Ausstellung der Preisträger “Ein Land zeigt seine Gesichter”, Linz ; 2. Internationales Symposium, PIAMET, Boromo,
Burkina Faso, Afrika ; 1. Internationales Symposium, Chatelus le Marcheix, Frankreich ; Ochzethaus, Altheim ; 3. Internationales Symposium PIAMET, Boromo, Burkina Faso ; Journèes internationales de Tailleurs dÌmages et des Crèateurs, Viols le Fort, Frankreich

September – Ausstellung in der “sKys” Galerie Lamprechtshausen. Vernissage: 21. September 2000 Uhr.


Günter Hartl – Bunte Tücher unter das Salzachbrücke

Es läutet an Ihrer Tür. Sie öffnen und vor Ihnen steht ein Mann, der mit Ihnen ein Gespräch über Kunst führen will und Sie bittet, ihm ein altes Leintuch, Tischtuch oder Ähnliches mitzugeben.

Mag. Ulrike Guggenberger

Von Ulrike Guggenberger

Er erklärt Ihnen, daß er beides, Ihre Kunstmeinung und Ihr abgelegtes Tuch, für eine Kunstaktion braucht. Geht es hier wirklich um Kunst, welcher Kunstbegriff steckt dahinter?

Anfang des 20. Jhdts. hat sich die Aufassung darüber, was Kunst ist bzw.
sein soll ständig gewandelt. Kunst will seither nicht mehr nur im
geschützten Raum einer Galerie gezeigt werden, sondern sich ins Leben
einmischen.

Der o.ö. Kunsterzieher Günter Hartl, der ursprünglich von der Malerei kommt, will über einen von ihm iniziierten Kommunikationsvorgang Kunst ins Gespräch bringen. Er kann sich dabei auf berühmte Künstler berufen die ebenfalls davon ausgingen, daß Kunst, um wahrgenommen zu werden, unbedingt auf ein Gegenüber angewiesen ist. Am intensivsten entsteht der Kontakt zu Kunst, wenn ich selbst darin eingebunden bin. Und genau das will Günter Hartl mit seiner Besuchsaktion erreichen.

Tatsächlich hat er viele interessierte Partner für seine “Einbindung der Kunst ins wirkliche Leben” gefunden. Die geschenkten Tücher ordnet der Künstler zu einer den Fluss überspannenden Wäschereihe und bei einem kleinen Fest bei der Kunststation zwischen Laufen und Oberndorf am 28. Juli um 19 Uhr werden die Tücher unter der Brücke hängend entrollt.

Diese Arbeit ist einerseits ein ästhetischer Eingriff in den öffentlichen Raum: Bunte Tücher flattern unter einer Brücke und vermitteln den Passanten ein “schönes Bild”.

Andererseits ist der Künstler mit dieser Intervention in den öffentlichen Raum zeitgenössischen Ansprüchen an die Kunst gerecht geworden. Diese findet ihre Vorbilder in Aussagen von Künstlern wie Joseph Beuys, der sagte: “Mein Begriff von Plastik” in unserem Fall die flatternden Tücher – “bezog sich immer auf das Leben”. hier die Kunstgespräche. Beuys prägt in der Folge dann denn Begriff der “sozialen Plastik”. In diesen Begriff von allgemeiner Kreativität soll Kunst sich auflösen.

Mit diesem Beitrag des Künstlers Günter Hartl und der in der Kunststation präsentierten Kunstmeinungen setzt die Kunstiniative KNIE einen Schwerpunkt für die Sommermonate, solange die Tücher flattern!

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Die Altenmarkter Madonna


Altenmarkter Madonna

Das Bundesdenkmalamt widmete anlässlich des Jubiläums „150 Jahre Denkmalschutz in Österreich“ der Altenmarkter Madonna eine Sonderbriefmarke. Erscheinungstag war der 19. Mai 2000.

Die Briefmarke zeigt ein Detail der Schönen Madonna von Altenmarkt im Salzburger Pongau zusammen mit einer Teilansicht des Palmenhauses im Wiener Burggarten.

Die Altenmarkter Madonna ist eine der berühmtesten der sogenannten „Schönen Madonnen“ Europas. Ein unbekannt gebliebener, böhmischer Künstler schuf die 88 Zentimeter große Statue im ausgehenden 14 Jahrhundert aus kalkigem Pläner Sandstein. In den Werkstätten des Bundesdenkmalamtes wurde die Figur in den Jahren 1977/ 78 und 1998 restauriert. Die Statue zeigt sich im Orginalzustand. Die kostbare Madonna wurde im Jahre 1393 von Pfarrer Richer von Ettling nach Altenmarkt im Salzburger Pongau gebracht. Der Priester war zugleich ein hoher Verwaltungsbeamter am Hofe des Salzburger Erzbischofes Pilgrim II.


Christiane Pott-Schlager | Auslaufmodelle ´99

MILLENIUMSPROJEKT – Auslaufmodelle 1999 – Aktion und Fotoarchiv.

Christiane Pott-Schlager ist den Emotionen, die der Jahrtausendwechsel in den Menschen auslöst, nachgegangen. Die Arbeit von Christiane Pott-Schlager entfaltet sich in einer Aktion und einer Installation.

Mag. Ulrike Guggenberger

Ein Bericht von Ulrike Guggenberger

Eine Dokumentation von Fotografien und Schnappschüssen von Menschen unterschiedlichster Herkunft beziehungsweise Institutionen (wie Ämter und Vereine), die sich 1999 Dinge gekauft haben und sie für „neu“ halten und ab 1. Jänner 2000 feststellen müssen, dass diese „Neuheiten“ aus dem vorigen Jahrhundert beziehungsweise Jahrtausend sind. Das Archiv wird für den Zeitraum Dezember 1999 angelegt und fast zeitgleich (31. Dezember) im Pavillon an der Salzachbrücke präsentiert werden.

Christiane Pott-Schlager beweist mit dieser Arbeit ein weiteres Mal ihre Nähe zu gesellschaftlich brisanten Themen. Sie bezieht Menschen aus ihrer Umgebung in die künstlerische Aktivität mit ein und stellt Kunst damit ins Zentrum des Alltags-Diskurses. Kunst materialisiert in dieser Fotodokumentation die „Frage des Tages.“

Zu ihrer Installation:  „Hörbare Unzufriedenheit eines unsichtbaren Säugers….unaufhaltsam …..groß wird`s werden…..“

Materialien: Polyesterobjekt, Organdy-Stoff, Pigmente, Video. Christiane Pott-Schlager nützt hier die Neugierde auf das Unbekannte. Zukunftsprognosen und das Wunschdenken der Menschen verpackt sie in ein unbekanntes Wesen.

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Sie sagt dazu: „In dieser Installation vereinen sich die Momente des Brütens, der Spannung vor dem Schlüpfen oder der Geburt und der intensiven Arbeitsbewegung, der Unruhe, der Erwartung – auf das kommende Jahrtausend. Auch hier zeigt sich ihr künstlerischer Ansatzpunkt bei typisch menschlichen Verhaltensweisen und Gefühlen, die sie in das sinnlich erlebbare Symbol eines „unsichtbaren Säugers“ überträgt.

Christiane Pott-Schlager: Künstlerische Ausbildung an der Hochschule Köln und am Mozarteum Salzburg. Arbeiten im Bereich der Installation, der Metallplastik und der Malerei. Diverse Einzel- und Gemeinschaftsausstellungen in Österreich.

Vernissage am 31. Dezember 1999, 15.00 Uhr in der Kunststation – Pavillon an der Salzachbrücke. Dauer der Ausstellung bis 21. Jänner 2000

Foto: KTraintinger, Dorfzeitung

Foto: KTraintinger, Dorfzeitung

Foto: KTraintinger, Dorfzeitung

Rauminstallation

Können Zeit und Raum über Kunst transportiert werden? Wie lassen sich zwei so abstrakte Begriffe über die Sinne erlebbar darstellen?  Christiane Pott-Schlager verdichtet Vergangenheit Gegenwart und Zukunft zu einer Installation in einem kleinen Raum an einer belebten Straße situiert, von außen durch drei Seiten einsehbar. Ihr Konzept beschäftigt sich mit dem Zeitaspekt. Wie mit einem Zeitraffer konzentriert sie die Zeit auf den Moment wo sie ins Neue Jahrtausend springt.

Die Vorbereitungen dazu waren Gespräche mit Firmen und Privatpersonen vor Ort um zu erfahren welche “Neuheiten” sie im Jahr 1999 erworben haben. Das reicht vom neuen Laser im Krankenhaus, von neuen Methoden der Brillenanpassung über neue Fahrscheine in der Lokalbahn bis zum neuen Eislaufplatz im ebenso neuen Einkaufszentrum.

Die kleinen und großen persönlichen neuen Gegenstände mit eingeschlossen. Eine lange Liste, die von Christiane Pott-Schlager fotografisch aufgenommen wurde, die sie in den Fenstern des Pavillons präsentiert. Es entstand eine Dokumentation – ein “Karteikasten der Neuheiten“, aber wie lange ist etwas noch “neu”? Reflexionen darüber gehören zur Arbeit der Künstlerin und lösen im Passanten Assoziationen zu ihren persönlichen “Neuheiten” aus.

Zugleich entsteht die Frage, was neu sein wird im neuen Jahrtausend. Ein eiförmiges unbekanntes Wesen im Inneren des Pavillons gebiert die Zukunft. Auf seinem Körper spiegelt sich in Form einer Diaprojektion das eben vergangene Jahr 1999. In der Übersteigerung als zeitgleiche Momentaufnahme von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft liegt die Schärfe der künstlerischen Arbeit.

Sie macht aus der speicherbaren Leistung eines Fotoarchivs und aus der unbekannten Größe der Zukunft ein persönlich gefärbtes Erlebnis. Wir werden anhand der Fotos über das vergangene Jahr informiert und verwandeln diese Wissensvermittlung in unsere eigene persönliche Erinnerung. Damit übernimmt Kunst die Rolle, über einen Sachverhalt zu informieren und zugleich Gefühle wachzurufen. Um das leisten zu können muß Kunst Aufmerksamkeit auf sich lenken, das beweist Christiane Pott-Schlager mit dieser Arbeit hier vor Ort. Sie hat Interviews mit den Leuten hier in Obemdorf geführt, dieses Material zu einer künstlerischen Arbeit verdichtet und als öffentlich einsehbare Installation wieder an den Ort zurückgeführt.

Aus einem Archiv zur Unterstützung unseres Gedächtnisses sind lebendige Erinnerungen geworden.

Christiane Pott-Schlager: Exhibition Project for two subjects, Silvester 1999
Vernissage on 31 December 1999, 15:00 h – In the Kunststation – Pavillon at the Salzach bridge . Period of time of the exhibition: until 21 January 2000

„MILLENIUMSPROJECT“ „Phase out models 1999“ – Action and photo archive.

Christiane Pott-Schlager took a look at the emotions that the change of the millennium causes the people. The work of Christiane Pott-Schlager consists of an action and an installation.

A documentation of photos of people from different origins and institutions (offices) who bought things in 1999 because they thought they are „new“ and they have to get to know on 1 January 2000 that those „News“ come from the last century, millennium. The archive will be set up during December and at the same time (31 December 1999) it will be presented in the Pavillon of the Salzach bridge.

Christiane Pott-Schlager again proofs with her works her closeness to social highly explosive issues. She encloses people of her area in her activities of art and therefore puts art into the center of daily live. In this documentation art materializes the „question of the day“. To her installation „hearable unsatisfaction of a invisible mammal ….. unstoppable ….big it will be…“

Materials: Polyesterobject, Organdy-material, Pigments, Video. Christiane Pott-Schlager here uses the curiosity for the unknown. She packs future prognosis and wishful thinking in an unknown character. She says: „In this installation moments of broods, the tension before birth, the intensive working movement, the restlessness and the expectancy to the coming millennium are united. Also here she shows her way of transmission of human feelings and patterns to the picture of a sensual lived symbol of a invisible mammal.

Christiane Pott-Schlager: Artistic education at the „Hochschule Köln“ and at the Mozarteum Salzburg. Works in the segment of installation, the metalplastic and painting. Several Single- and Cooperation Exhibitions in Austria.

Ulrike Guggenberger


Herwig Geroldinger – TRANSATLANTICO | Eine Grenzgeschichte

Vernissage im Pavillon an der Salzachbrücke am Freitag, 26. November, 19.00 Uhr

Es gibt Grenzen  natürlichen Ursprungs wie Flüsse, Meere, Berge, Urwälder, und so weiter.  Das Meer und der Luftraum trennen Länder und Kontinente, Flüsse trennen Orte und Gegenden.  Menschen erleben willkürliche Grenzen oder gehen manchmal bis an die äußersten Grenzen des Machbaren.

Der Salzburger Kunsterzieher Herwig Geroldinger lebte ein Jahr in Brasilien und hat viele solcher Grenzerlebnisse mitgebracht. Wie gehen Touristen mit Grenzüberschreitungen um? Wie aber fühlen sich Menschen, die unfreiwillig den Atlantik überqueren müssen, um in einem anderen Land  als „neue Skalven“  eingeschleust zu werden?

Herwig Geroldinger hat in Brasilien Fotos gemacht, Fundstücke gesammelt, Bilder gemalt.

Er hat österreichische Geschichte nachgeholt und auch viel aus der brasilianischen Vergangenheit und Gegenwart gelernt. Aus all diesen verschiedenen Puzzleteilen zeigt er mit unterschiedlichen Medien eine Gesamtschau im Pavillon an der Salzachbrücke Oberndorf/Laufen. Ein voyeuristisches Fenster in die Welt Südamerikas, an einem Grenzfluß  zwischen Österreich und Deutschland. Und wie es in der Kunst so sein muß, arbeitet er auch mit Symbolen und Metaphern, um seine Grenzgeschichte zu transportieren.

Herzlich sind alle Interessierten eingeladen, sich bei der Vernissage mit demKünstler über Inhalt und Aussage seines Werkes zu unterhalten.

Dauer der Ausstellung im Pavillon an der Salzachbrücke:     28. Nov. bis 26. Dez.  1999

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Edmund Rilling

Edmund Rilling

Vielleicht ist es naiv gedacht von mir, aber ich glaube viele Menschen haben ein ganz bestimmtes Bild über Verhaltensweisen von Künstlern, die sich aus den verschiedenen Erfahrungsmustern und Erzählungen zusammensetzen.Da gibt es einmal den zurückgezogen lebenden Künstler, der huldvoll ab und zu sein Schaffen von Eindringlingen betrachten läßt.

Von Cordula Hofmann

Dann als krassen Gegensatz den medienfreundlichen , nach weltweitem Ruhm strebenden,der sich jedem Betrachter öffnet und ihn an sich zieht. Die Palette zwischen Beiden kann man jetzt ganz dem Thema entsprechend, farbenreich ausgestalten.

Edmund Rilling

Um aber die dritte Art zu schildern kann ich als Metapher nur Edmund Rilling nennen. Seine Lebensform, die sich immer als besonders offen darstellt,seine Freude an Gastfreundschaft, sein Lust an Festen ,seine sinnliche Art sich an Essen und Trinken zu erfreuen,spiegeln diesen “dritte Art”. Verbunden damit ist dann auch die Wirkung ,die seine Bilder auf den Betrachter haben. In ihnen zeigt sich sein kraftvoller Lebensstil wieder. Das erstaunliche daran erscheint mir aber,daß sich über die vielen Jahre die Rilling nun schon künstlerisch tätig ist diese Wirkung nicht verändert hat ,obwohl die Art der Arbeit mit ihm
Veränderungen durchlebt hat.

Edmund Rilling

Am Anfang stand noch ganz geprägt vom Studium an der grafischen Lehr und Versuchsanstalt in Wien der phantastische Realismus der Wiener Schule. Als nächsten Schritt zeigte er sein Können in Form von Aquarellen, die ihn über die regionalen Grenzen Österreichs hinaus bekannt machten. Mit den Jahren setze dann ein Suchen nach neuen Formen und formalen Lösungen,die seine persönliche Weiterentwicklung dokumentierten ein .

Die Kreide ist für ihn das neue Malmittel . Die Landschaft,die ihn immer inspirierte verliert die allgemeinverständliche Aussage und wird durch Abstrahierung zu seiner ganz persönlichen Künstlersprache.

Edmund Rilling beginnt wieder einmal einen neuen Weg, er ist auf der Reise …im wahrsten Sinn des Wortes.

Edmund Rilling

Edmund Rilling


Christiane Pott-Schlager: Stahlsymposium Riedersbach 1999

Wer im August 1999 nach Riedersbach zum Stahlsymposion eingeladen war, konnte sich glücklich schätzen: auf ca. 1000m² Fläche der Gipshalle der Energie AG standen 2 Elektrodenschweißgeräte, 2 Schutzgas- und 2 Autogenschweißgeräte, sowie unzählige Winkelschleifer, eine Metallbandsäge, ein Kran und sogar hin- und wieder ein Gabelstapler, dazu Eisenbleche, -rohre und ausgelagerter Schrott zur Verfügung, um ungehindert von früh bis spät kreativ zu sein.

Keil und Stele
Keil und Stele

Kurz gesagt: ein enormes Potential lag brach da und wartete nur darauf, von Künstleraugen neu entdeckt und durch Künstlerhände neu gestaltet zu werden, um sich in höhere geistige Ebenen emporzuschwingen… ja, ich meine das rostige Material!

Der Organisator des Stahlsymposions, Dir. Karl Heinz Schönswetter, hat dieses Jahr 15 Personen aus Deutschland und Österreich ausgewählt, die in diesem Katalog anschließend mit Werken vorgestellt werden: Jörg Drühl, Hilde Götz, Alto Hien, Gary Klein, Renate Kohl, Markus Maurer, Albin Miksche, Christiane Pott-Schlager, Kunigunde Schönswetter, Markus Steidl, Katharina Strobl, Karl-Heinz Tegeler, Markus Treml, Anna Wondrak

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Die Ansätze sind dabei sehr unterschiedlich, ebenso die Dispositionen. Ein akademischer Bildhauer arbeitet neben einem Schmied in Ausbildung, eine Malerin neben einer frisch gebackenen Maturantin. Hier werden also nicht ausgesprochene Bildhauer oder gar Metallplastiker versammelt, sondern im Gegenteil: sehr verschiedene Menschen unterschiedlicher Herkunft und Ausbildung können hier ihrer Begeisterung für Metallplastik erstmals oder schon des öfteren nachgehen. Karl Heinz Schönswetter selbst hat das Stahlsymposion einmal liebevoll als “Mistbeet” bezeichnet, in dem alles wachsen und gedeihen sollte, denn erst unsere Nachfahren werden die Aufgabe haben, auszusortieren, was zur Kunst, zur hohen Kunst oder zum Schrott gehöre.

Weder ein vorgefertigter Kunstbegriff ist zu erfüllen, noch einer Schule oder gar einem Vorbild aus der Geschichte der Eisenplastik nachzueifern. Jeder hat die Freiheit nach seinem Verständnis zu arbeiten und hat die Möglichkeit sich z.B. in Gesprächen mit anderen weiterzuentwickeln: ein Symposion.

Pavillion
Pavillion

Entwickelt hat sich das Stahlsymposion aus einer Art Schulgalerie-Idee im Jahre 1988: die Grundidee ist Kunstvermittlung auf verschiedenen Ebenen. Der Initiator Karl Heinz Schönswetter meint, das Verständnis zur Kunst fiele leichter, wenn man sie entstehen sieht oder gar selbst an ihr beteiligt wird. So waren im Jahr 1988 Kinder und die Arbeiter aus dem Werk von ihm aufgefordert zum Thema “Stuhl” zu arbeiten. Neben dieser Aktion ist auch erstmals die Galerie im Kraftwerk entstanden, sowie zahlreiche Schulgalerien in Oberösterreich. Karl Heinz Schönswetter als die treibende Kraft war damals Kunsterzieher, Vertreter der Kunsterzieher im Bund der Kunst- und Werkerzieher und Bezirkskulturreferent in Braunau. Damit seine Idee tragfähig werden konnte, stellte er sie auf viele Stützen: Kunst sollte nicht ghettohaft als elitäres gesellschaftliches Ereignis gefeiert werden, sondern für ihn war es immer wichtig, auf allen Ebenen, für jedes Alter Kunst erfahrbar zu machen und den Umgang mit Kunst als selbstverständlich im Leben zu integrieren. Erwachsenenbildung gehört für ihn daher ebenso zur täglichen Vermittlungsarbeit wie Schulgalerien, Galerien in öffentlichen Gebäuden oder Kulturberatung in Firmen und Betrieben. K H Schönswetter will die Kunst nicht auf dem Sockel sehen, sondern entstehen sehen. Er sieht sich als Verwalter von Kunst und Förderer von kreativen Kräften. So erreicht er, daß Schwellenängste zwischen Handwerkern und Ideenlieferanten abgebaut werden, daß jeder von jedem lernen kann.

Das Stahl-Symposion, so wie es jetzt besteht, trägt nach 12 Jahren immer noch deutlich die Züge dieser Überzeugung von Karl Heinz Schönswetter und ist aus dieser Entwicklungsgeschichte her auch als Erwachsenenbildung und nicht nur als Produktionsstätte für Ausstellungsbelieferer zu verstehen.

Piercing
Piercing

Die Liste derjenigen, die sich hier in Metallplastik schon versucht haben ist lang und umfaßt inzwischen auch alle Kunsthochschulen Österreichs. Aber auf das gute Mischungsverhältnis kommt es an und das ist allein Karl Heinz Schönswetters Leistung, die engagierten großen, kleinen und namenlosen aber ehrlichen Arbeiter aus verschiedenen Richtungen alle unter einem Symposion zu vereinen. Sein Verdienst ist es auch, daß ein so gutes partnerschaftliches Verhältnis zur Energie AG Jahr für Jahr aufrecht erhalten wird und daß Kunstsponsoring in so großzügigem Maße und auf so experimentellen Wegen betrieben werden kann.

Wir, die Teilnehmer des Stahlsymposions 1999, danken der Energie AG für die großzügige Kunstförderung und ganz besonders Karl Heinz Schönswetter für seine Arbeit mit uns allen und für uns alle. Wir hoffen, daß die Bilanz unterm Strich mit viel Toleranz gegenüber Kunst und mehr Kunstverständnis positiv ausfällt und daß wir aktive Kulturarbeit leisten konnten.

Ich persönlich hoffe, daß ich Sie ein wenig neugierig gemacht habe, bei nächster Gelegenheit in den Stahlpark Riedersbach schauen, wo inzwischen über 100 Arbeiten aus den letzten 12 Jahren stehen und sinnlich erfahrbar sind.

Christiane Pott-Schlager

A-5112 Lamprechtshausen Hauptstraße 47, 1965 geboren in Bremen, 1984 Abitur in Achim (Niedersachsen), 1989 Abschluß als Instrumentalpädagogin an der Hochschule für Musik, Köln, 1989-1994 Aufbaustudium als Pianistin, am Mozarteum, Salzburg, 1994 Studium der Kunst- und Werkerziehung am Mozarteum, Salzburg, 1999 Teilnahme am Stahlsymposium im 5. Jahr

Zu meiner Arbeit im Stahlsymposium
Riedersbach 1999

Auf der Suche nach einem Höchstmaß an formaler Spannung und Ästhetik entstehen abstrakte geschlossene Urformen, die durch Schnitte aus vorgefertigtem Material entstehen. Diese knüpfen an die Arbeiten der vorhergehenden Jahre an, während ein anderes Projekt sich mit menschlichem Verhalten und ironischen Gesellschaftsspiegelungen beschäftigt: das Wand-Piercing. Wände eines kleinen Pavillons sind mit spielerischen Elementen durchstochen und der Betrachter wird aufgefordert, den brenngeschnittenen Kritzeleien gedankenlos oder lustvoll nachzufahren.

Stahlsymposium Riedersbach 2010 >


Christiane Pott-Schlager

Pott-Schlager/ Zenz: Eisen-II-Verbindung

Galerie LAND-ART/ Eggelsberg OÖ/ 19. 6. – 4. 7. 99

Christane Pott-Schlager: Stahlobjekte
Heidi Zenz: Rost-Bilder

Am Anfang war das Eisen. Das Eisen war der Anfang für diese Ausstellung und der Grund, daß Heidi Zenz und ich uns kennengelernt haben. Die Begeisterung für Eisen Eisen ist eine gemeinsame, gleichsam unsere Verbindung. Sehr unterschiedlich ist jedoch die Art und Weise mit diesem Grundmaterioal umzugehen und es zu Inhalten zu führen.

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Heidi Zenz ist nicht nur Galeristin und Mutter von 2 Töchtern, sondern selbst begeisterte Malerin. Sie baut ihre Bilder von Grund auf nach eigenen “Rezepten”auf. Seit 1997 setzte sie sich intensiv mit der Herstellung ihres Malmaterials auseinander. Ihre Bilder entstehen in Experimenten. Eine gut erprobte Grundierung auf Papier bildet die Grundlage für viele sich überlagernden Schichten aus Rost, Erde, Pigmenten und dergleichen. Der Bildgrund wird solange bearbeitet, bis eine “schrundige” Bildoberfläche entsteht. Nach vielerlei Bearbeitung entsteht der Bildgegenstand in größter Klarheit und Intensität. Es sind Details und Strukturen aus der Natur, aus gefundenen Schwemmhölzern oder Steinen, die Heidi Zenz ins Bild rückt, um die Natur quasi unter die Lupe zu nehmen und malerisch auszuformen. Sie sieht es als ihre Aufgabe, die Natur zu entdecken und zu adaptieren.

Für mich, Christiane Pott-Schlager, ist Eisen ein Grundmaterial mich plastisch auszudrücken. Eisen läßt sich bekanntlich sehr exakt verarbeiten, aber man kann es auch ohne große Berechnung und mit viel Spontaneität verschweißen. So sehe ich es immer wieder als eine Herausforderung sich diesem Material zu fügen oder es fügbar zu machen.

In dieser Ausstellung zeige ich 3 Werkgruppen, die mit Eisen im Zusammenhang stehen: die “Eisengarde”, “abstrakte Arbeiten” und “strukturelle Metamorphosen”.

Die “Eisengarde” ist eine thematische Arbeit, in der ich das Thema Torso und Kunstgeschichte vereine. Archaische Mittelachsen und Frontalität zeichnen diese kleinen massiven Statuetten aus. Jeweils ein Blick auf ein wichtiges Körperteil steht im Vordergrund und prägt die Grundstimmung der einzelnen, individuell gestalteten Torsi.

Die abstrakten Arbeiten sind für mich sehr wichtige Arbeiten zur Formfindung. Dabei steht immer die Suche nach einer Form im Vordergrund. So sind die Liegeobjekte entstanden auf der Suche nach einer kompakt geschlossenen Form, die nicht eine Addition anderer Formen benötigt. Sie ist reine Form und macht diese ausdrücklich sichtbar. Als Urform drückt sie die Existenz pur aus. Enthält potentielle Energie und gelassene Ruhe gleichzeitig.

Erst in der Folge entstehen Variationen auch in anderen Materialien wie Polyester, Gips oder Keramik. Diese sogenannten “strukturelle Metamorphosen” erinnern deutlich an Organe, Muskeln oder Strukturen der Natur und bilden damit einen deutlich inhaltlichen Schwerpunkt.

Stahl oder Rost sind in dieser Ausstellung nicht mit der Pflichtmetapher der Vergänglichkeit oder des Vergehens der Zeit behaftet, sondern zeigen sich vielfältig und finden durch völlig eigenständige Bearbeitungen zweier sehr verschiedener Künstlerinnen zu dialogischen und gegensätzlichen Beziehungsformulierungen. Ein Spannungsfeld von Wachstum, Zerstörung, Rhythmus, Geschlossenheit, Ruhe, Lebendigkeit und Hochofenenergie zeigt sich in dieser Eisen-II-Ausstellung.

Text von Christiane Pott-Schlager


Barbara Schiestl. Malerei

Barbara Schiestl. Radegunder Zyklus

Die Künstlerin zeigt in der Galerie im Kraftwerk Riedersbach den Ragdegunder Zyklus.

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Die Arbeiten wurden mit Acrylfarben auf Leinwand gemalt und sind 80 x 80 cm groß. Barabara Schiestl wurde von Kraftwerksdirektor Pterer Kneissl begrüßt und von Karl-Heinz Schönswetter vorgestellt.

Infos zu Barbara Schiestl finden Sie HIER>


Karl Karasek

Karl Karasek: Skizzen aus dem Praxisalltag eines Landtierarztes

Veterinärrat Dr. Karl Karasek, geb. 1916. Praktischer Tierarzt in Obertrum am See von 1946 – 1992. Karl Karasek fand immer wieder Zeit, Anekdoten aus dem Praxisalltag zu skizzieren.

Dr. Karl Traintinger

Von Karl Traintinger

Karl Karasek war Tierarzt in einer Zeit, in der in einer Landpraxis vorwiegend Nutztiere zu den Patienten zählten. In diese Zeit fällt auch die Einführung des Kaiserschnittes bei der Kuh.

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Die Bauern erzählen heute noch: “Den Kaiserschnitt hat der Senior-Karasek am Anfang immer in der Küche gemacht. Im Anschluß an die Operation streckte er die Hände von sich und die Bäuerin mußte ihn waschen, was für ein Saustall. Und noch dazu in der Küche. Aber wegen der Hygiene mußte es so sein, hat er halt gesagt.”

Karl Karasek war auch Tierarzt zu einer Zeit, in der das einzelne Nutztier, ganz gleich ob Rind, Schwein, Schaf, Ziege, noch einen Wert hatte; Massentierhaltungen gab es nicht. War ein Tier krank, wurde es behandelt. Heute wird zuerst überlegt, ob sich eine Therapie überhaupt bezahlt macht; soll der Tierarzt geholt werden oder soll irgendeine Therapie selbst versucht werden. Das Einzeltier ist fast nichts mehr wert. Eigentlich eine traurige Entwicklung.

Dr. Karl Karasek feiert in den nächsten Tagen Geburtstag, herzlichen Glückwunsch.


Stille Besucher am Rapsfeld in Gundertshausen

Ein blühendes Rapsfeld bildet die Kulisse für die Skulpturen, Objekte und Installationen der 9 Künstler, die an der Ausstellung “Stille Besucher” in Gundertshausen/ Eggelsberg teilnehmen.

Von Karl Traintinger

Dr. Karl Traintinger

Der Besucher, der durch das Rapsfeld wandert, ist konfrontiert mit der berauschenden Schönheit der Natur; den blühenden Raps kann man mit allen Sinnen erfassen.

Der Weg führt immer wieder an Objekten vorbei, die zum Verweilen, zum Betrachten, zum Nachdenken anregen. Man bleibt stehen und versucht die Objekte von verschiedenen Seiten zu erfassen. Zu faszinierend ist das Aufeinanderprallen von Kunst und Natur, ein Aufeinanderprallen von Gegensätzen, die eigentlich keine sind.

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Eine Aktion vom Kulturring Eggelsberg, der Innviertler Künstlergilde, dem Land OÖ, dem OÖ Volksbildungswerk und der Fa. VOG AG. / Künstler: Josef Limberger – Peuerbach, Marion Kilianowitsch – Pramet, Walter Kainz – Pramet, Josef Rems – Eggelsberg, Alexander Huemer – Eggelsberg, Meinrad Mayrhofer – Pram, Rafaela Mittendorfer – Salzburg, Thomas Wiederkehr – St. Marienkirchen/ Hausruck / 29. Mai 22.00 Uhr Nachtwanderung bei Vollmond und Fackelbeleuchtung.


Christiane Pott-Schlager – TIEF EINATMEN

Einladung zur Eröffnung des Inhalationszentrums – eine Rauminstallation:
“TIEF EINATMEN” Christiane Pott-Schlager
Freitag, 23. April 1999, 19 Uhr in der Kunststation in Oberndorf an der Salzachbrücke

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Rauminstallation: “TIEF EINATMEN” – Inhalationszentrum

Ich gehe bei dieser Installation von der Geschichte des Grenzwärterhäuschens aus, das ehemals als Trafik, bzw. Kiosk genutzt worden ist. Die Situation der offiziell zu verkaufenden Rauchwaren wird in eine Situation überführt, in der Rauch angeboten wird und von “offizieller” Stelle zugeführt und dosiert wird. Das ehemals individuelle Verhalten, mit dem man Freiheit, Cool-sein, In-Sein, aber auch Süchtig-Sein oder Gesundheitsgefährdung assoziiert wandelt sich in ein kollektives, etabliertes Verhalten, bei dem man nicht mehr in dem Maße Entscheidungsträger ist. Entscheidung und Verantwortung wird dem Individuum abgenommen und das oftmals angeprangerte Rauchen scheint sogar wie eine gesundheitsbringende Kur. Selbst die warnenden Hinweise lassen sich wie eine harmlose Packungsbeilage eines heilbringenden Medikaments lesen. Die zwiespältige Rolle der Institution, aber auch der gutgläubige Mensch gelangen ins Blickfeld, sowie die Gesellschaft mit der Kontrolle, mit ihren Rollenführern und Aussteigern, als auch die Vermassung aller Tätigkeit, das bis ins private Leben eingreift- angeblich freiwillig.

Die Umkehrung einer Situation führt in dieser Installation zu einer Pervertierung des Verhaltens und der Gesellschaft, die ganz so utopisch nicht ist, wie sie zunächst ausschaut.

Spätestens seit Beuys ist das Kunstobjekt nicht mehr einziger Gegenstand der Kunst, sondern auch soziale und gesellschaftliche Themen sind Wert, künstlerisch verarbeitet zu werden. Die verwendeten Materialen und ihr Aufbau suggerieren eine Situation, einen Ort, der Anstoß des Denkens wird und provozieren eine Handlung, die ebenso reflektiernd wirkt. “Kunst ist Geist” schreibt Hegel und so soll durch eine fast alptraumhafte Situation menschliches Verhalten bewußt gemacht werden. Freiheit und Individualität sind heute weiterhin gute Werbesprüche.

“WÄHLEN SIE IHREN INDIVIDUELLEN STANDORT, BEWEGEN SIE SICH GANZ FREI UND ATMEN SIE TIEF EIN UND AUS”

“STELLEN SIE SICH BEQUEM VOR DIE WAND SO DASS SIE DAS MUNDSTÜCK ERREICHEN UND ATMEN SIE IN INDIVIDUELLEM TEMPO DURCH DAS ROHR EIN UND FREI WIEDER AUS”

“DER EU- GESUNDHEITSMINISTER : RAUCHEN GEFÄHRDET DIE GESUNDHEIT”

Christiane Pott-Schlager