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Marktweiber

In der Wallerseestadt Seekirchen wurde vor einigen Jahren eine sogenannte Bewegungszone > eingerichtet. Ein Dorfbrunnen und einige nichtkommerzielle Sitzplätze laden zum Verweilen ein.

Karl Traintinger

Von Karl Traintinger

Auf einer der Steinbänke neben dem Brunnen findet man die Marktweiber. Es sind dies zwei sehr schöne Metallplastiken, die Frauen darstellen, die sich auf einen Tratsch nach dem Einkaufen beim Dorfbrunnen getroffen haben. Das ist eine mögliche Deutung. Es kann aber auch heißen, hier trifft man sich, um gemeinsam an der frischen Luft Zeit zu verbringen. Die vorbeigehenden Menschen sollen animiert werden, sich hin zu setzen.

Ich für meinen Teil mag Dorfbrunnen und schätze auch Kunst im öffentlichen Raum. Bemerkenswert in Seekirchen ist, dass man nirgends eine Tafel finden kann, wer die beiden Plastiken geschaffen hat.

Neugierig wie ich bin, habe ich dann eine Email an das Stadtamt geschickt und eine Woche später dort auch angerufen. Man werde sich darum kümmern und sich melden, hat es dann geheißen. Das war vor einem Monat.

Es ist mir schon klar, dass es Wichtigeres zu tun gibt. Mann/ Frau kann auch etwas vergessen. Trotzdem, der Bezug zur Kunst im öffentlichen Raum scheint in Seekirchen eher bescheiden zu sein.

Vielleicht weiß ja einer unserer Leser, von wem die beiden Plastiken sind und hat die Muse, es in einem Kommentar dazuzuschreiben. 🙂


Sislej Xhafa wurde 1970 in Peja/Kosovo geboren und führt ein nomadisches Leben, seit er 1990 sein Land verlassen hat in London, Italien und New York, wo er nunmehr lebt und arbeitet.

Karl Bauer

Von Karl Bauer

Die Bedingungen eines ständig Reisenden setzen ihn einem ständigen Kontakt mit sozialen, ökonomischen und ästhetischen Transformationen in unserer globalen Welt aus. Seine politische und soziale Praxis drückt er vielfach in Zeichnungen, Bildern, Skulpturen und Installationen aus. Dabei benützt er zwar billige Materialien, die aber sehr ausdrucksvoll sind. Im Jahre 2017 repräsentierte er den Kosovo auf der Biennale in Venedig mit der Installation „Lost and found“, womit er die Würde, Gerechtigkeit und Transparenz den Prozessen der Ungerechtigkeit gegenüberstellte. Dabei geht es um die immer noch offenen Wunden der bis heute vermissten Menschen des Kosovokrieges.

In „Woven soil“ (2018) für seine erste Ausstellung in der alten Heimat Kosovo erweiterte er den Ausstellungsraum der Nationalgalerie in Prishtina um einen Blick durch ein Fenster wie in einer ländlichen Idylle in einen realen Kuhstall mit acht Kühen. Die Schweiz unternahm nach dem Krieg große Anstrengungen um zu helfen und lieferte auch über 500 Kühe in den Kosovo. Der Projektplan war ursprünglich, einige dieser Kühe aus Dank in die Schweiz zurückzubringen, um ihre tierischen Verwandten besuchen zu können.

Dieses Vorhaben war aber voller Überraschungen: Die Kühe mussten viele Prozeduren durchlaufen und wurden tagelang außerhalb ihrer natürlichen Umgebung unter Quarantäne gestellt. Aufgrund der Kosten und der Transportschwierigkeiten wurde das Projekt letztlich eingestellt und in der Nationalgalerie 2018 umgesetzt. Dazu wurde anschließend an die Galerie ein zeitlich befristeter, realer Kuhstall gebaut und betrieben, der über ein Fenster besichtigt werden konnte. Eine Art von lebendiger Krippe in unserer Zeit. Diese konzeptuelle Arbeit zur agrarischen Welt in einem städtischen Museum sollte die Besucher zum Widerspruch zu dieser Dislokation herausfordern.

Alle Tiere brauchen ein Gesundheitszeugnis, um weltweit transportiert werden zu können, Menschen brauchen einen Reisepass. Einzig für die Menschen des Kosovos gilt in Europa eine Visumpflicht, die mit zusätzlichen Hürden einhergeht und die Entwicklung hemmt!


Zhanna Kadyrova, Market, 2017,Ukraine

Die ukrainische Künstlerin Zhanna Kadyrova zeigte auf der Kunstbiennale in Venedig 2019 das Skulpturen- und Installationsexperiment „Market“ mit vorgefertigten Formen und Materialien mit Bezug auf eine spezifische Geschichte.

Karl Bauer

Von Karl Bauer

Sie benützt oft Steine, Ziegel und Fliesen für ihre Mosaike, die sie in renovierten und abgerissenen Gebäuden findet und kombiniert sie mit schweren Konstruktionsmaterialien wie Beton und Zement. Market ist ein Lebensmittelstand, der mit allen Produkten ausgestattet ist, die ein Händler braucht.

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Es werden dabei Würste und Salami aus Beton und Natursteinen gezeigt, wie auch Früchte und Gemüse in groben Mosaiken. Hier trifft der russische Konstruktivismus mit Pop-Art zusammen und geht in einem realistischen Setting auf. Der Stand mit seinen Produkten ermuntert zur Interaktion und erweckt in uns ein Wohlgefühl wie auf einem heimischen Bauernmarkt. Auf einer anderen Ebene spielt Market mit der Rolle des Kunstobjekts als Rohstoff und suggeriert die Möglichkeit einer alltäglichen Kunstökonomie.

Bauernmärkte sind heute Kommunikationsorte, wo sich die Bauern mit den Konsumenten direkt austauschen können. Dieses narrativ geprägte Ambiente vermittelt uns wieder das Gefühl des echten, bodenständigen Lebens und gesunder Lebensmittel, wie es vorindustriell einmal war. Die Marktplätze waren damals Zentren des gesellschaftlichen Lebens in jedem Ort und oft mehrtägig angelegt.

Zhanna Kadyrova, Market, 2017,Ukraine

Die klassischen Kirtage im jahreszeitlichen Ablauf oder nach Schutzpatronen verkommen heute zu inhaltslosen Events und regionale Messen kämpfen um Themen und Besucherzahlen. Einzig die Supermarktketten sind die Gewinner der modernen Entwicklung zur Selbstbedienung und dominieren mit ihren Werbe-, Preis- und Markenstrategien sowohl die Produzenten als auch die Konsumenten. Österreich ist dabei Spitzenreiter dieser Sub-/Un-Kultur, die den örtlichen Kaufmann und den privaten Einzelhandel bereits wegrationalisiert hat und sich gegenseitige Wettbewerbe um Standorte und Flächen am Ortsrand liefert. Damit einhergehende Angebote, zu jeder Zeit alles billig aus vollen Regalen kaufen zu können, belasten das Klima und schaden den lokalen Produzenten.

Zhanna Kadyrova bringt
durch ihre Materialauswahl deutlich zum Ausdruck, dass man ihre
dekorativen Market-Angebote
aus Stein – wie auch Geld – nicht essen kann!


Biennale

Nabuqi´s Ausstellungsprojekt auf der Kunstbiennale in Venedig 2019 mit dem Titel „Geschehen reale Dinge in Momenten der Rationalität?“ zeigte uns ein Setting einer Kunstwelt mit elektronischer Steuerung einer gesprayten Kuh aus Fieberglas auf Schienen, dazu bedruckte Plastikvorhänge aus Vinyl, Säulen, Spiegel-, Licht- und Pflanzenimitationen samt Formschaumsteinen.

Karl Bauer

Von Karl Bauer

Die Kuh bewegte sich ständig im Kreis. Alle verwendeten Materialien sind dekorative Elemente der Natur und bilden die Realität durch eine sie nachahmende Darstellung ab. Die Künstlerin Nabuqi kommt aus China und versucht die ästhetischen und materiellen Aspekte von Skulpturen (readymades) zu untersuchen, ohne sie näher zu interpretieren.

Im Bild erklärt
gerade eine Lehrerin das gestellte Szenario ihren Schulkindern, die vielleicht
noch nie eine echte Kuh gesehen haben und denen die Welt der Landwirtschaft
fremd ist. Damit provoziert die Künstlerin mit ihrer Installation (!)
eine differenzierte externe und interne Umwelt, wie sie uns auch in der Werbung
täglich gezeigt wird. Auch die Werbewelt provoziert uns täglich mit virtuellen
Botschaften und verklärten Formen der Landwirtschaft. Sie versucht damit eine narrative
und glückliche Welt aus der Seinerzeit der modernen entgegenzusetzen, die als
technokratisch, ressourcen- und umweltschädlich vermittelt wird und uns krank
macht. Lebendige Nutztiere werden von unseren (Grossstadt-)Kindern bald nur
noch als Plüschtiere bzw. im Museum und im Tiergarten beobachtet und
gestreichelt, die Haltung zu wirtschaftlichen Zwecken wird abgelehnt. Deren
Produkte sind dadurch ent-emotionalisiert, folglich wertgemindert und sind leichter
austauschbar.

Umso stärker
muss es das Ziel sein, der Entfremdung von Gesellschaft und Landwirtschaft
entgegenzuwirken, damit sich die nächste Generation nicht noch weiter von der
realen Welt und Natur entfernt. Sind also rationale Betrachtungen noch möglich
und nimmt man noch reale Dinge wahr? – Die Künstlerin zeigt einen Spiegel der
auf uns zukommenden sinkenden Realitätswahrnehmung, die uns zum Handeln
aufruft!


Kunstausstellung Oberndorf

Die diesjährige Kunstausstellung in der Stadthalle Oberndorf gibt einen schönen Überblick über Arbeiten von Künstlern, die in der näheren Umgebung wohnen und arbeiten.

Karl Traintinger

Von Karl Traintinger

Der Bogen der ausgestellten Arbeiten spannt sich von Ölbildern und Grafiken über Steinplastiken bis hin zu hochwertigem Kunsthandwerk. Hervorzuheben sind die erstklassigen Keramiken. Die Kunstausstellung (8.-10. November 2019) feiert heuer ihr 30-jähriges Bestandsjubiläum.

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Die ausstellenden Künstler: Brudl Rudolf   –   Acryl |Dullnig Andreas   –  Ölbilder | Eisenböck Renate – Tiffany-Design | Gärtner Silvia   –   Keramik | Frauscher Christine – Keramik | Kohlberger Maria – Mischtechnik | Lecnik Karl   –   Holzkunst | Mikosch Helga   –   Schmuckgestaltung | Mosshammer Carina – Malerei, Keramik | Oberndorfer Brigitte   –   Malerei, Zeichnungen | Rohrmoser Judith  –   Ölmalerei | Romero Blanca – Ölmalerei | Standl Erika   –   Aquarell- und Acryl-Malerei | Steinberger Margit   –   Malerei und Keramikobjekte | Winterleitner Erwin – Steinmetzarbeiten | Wintersteller Martha   –   Porzellanmalerei

Kunstausstellung Oberndorf 2016 >


Friedensweg Stille Nacht

Im Rahmen der “Stille-Nacht-Landesausstellung 2018” entwickelten die Flachgauer Gemeinden Lamprechtshausen, Göming, Laufen und Oberndorf auch einen Friedensweg. Es wird der Weg, den Joseph Mohr und Franz Xaver Gruber einst gegangen sind, nachgezeichnet.

Karl Traintinger

Von Karl Traintinger

Interessant sind vor allem die Metallplastiken, die in den 4 Orten aufgestellt wurden. Gewählt hat man Arbeiten von zeitgenössischen Künstlern. Moderne Kunst hat im öffentlichen Raum Platz gefunden, das ist eine schöne und bemerkenswerte Entwicklung.

Leider handelt es sich beim Stille-Nacht-Friedensweg um keinen Rundwanderweg, am sinnvollsten sind die knapp 6 km mit einem Fahrrad zu bewältigen.

Lamprechtshausen – Arnsdorf

Das “Kreuz des Friedens” befindet sich am Ortsausgang von Arnsdorf in Richtung Gunsering/ Göming und stammt von der Lamprechtshausener Künstlerin Christiane Pott-Schlager. An einer gedrehten Metallsäule befindet sich als Querbalken eine weiße Schriftrolle aus Metall, in die in mehreren Sprachen das Wort Frieden geschrieben wurde.

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Göming

Zwischen dem Gemeindeamt und dem Hellbauerhaus findet man die Plastik “Die Unschuld” des Wiener Künstlers Rudolf Schmidt. Gegossen wurde die Skulptur vom Göminger Metallgießer Friedrich Beck.

Laufen

Eine vier Meter hohe Stele mit dem Namen “Entwicklung”, geschaffen vom Burghausener Künstler Hermann Böhm, ragt in Laufen in den Himmel. Das Kunstwerk steht unweit des Rathauses, von wo aus man einen schönen Blick auf die Salzach, den Europasteg, die Kalvarienberggruppe und den ehemaligen Oberndorfer Schiffervorort Altach hat.

Oberndorf

Zwischen dem Stille Nacht Museum und der Stille Nacht Kapelle befindet sich eine Plastik mit dem Namen: “Die drei Stille-Nacht-Gemeinden tragen die Friedensbotschaft in die Welt hinaus!” 3 stilisierte Engel tragen die Weltkugel auf den Schultern, so interpretiert die Adneter Künstlerin Gabriela Struber-Edmayer die Botschaft des weltberühmten Weihnachtsliedes.

Der Friedensweg ist auf jeden Fall einen Besuch wert. In Oberndorf wird die Metallplastik sehr gut mit einer erklärenden Infotafel präsentiert. In allen anderen Gemeinden fehlt der Hinweis auf den oder die Künstlerin. Der Standort in Göming gleich neben dem Gastgarten ist zu hinterfragen. Eine Informationsbroschüre zum Friedensweg wäre wünschenswert.


Thomas Selinger, der Cartoonist der Dorfzeitung, stellt zur Zeit im Salzburger Traditionsgasthof “Weiserhof” bei Jules Grössinger aus.

Karl Traintinger

Von Karl Traintinger

Thomas Selinger ist ein “expressionistischer Maler des narrativen Genres und der sequentiellen Art”, wie er sich selbst bezeichnet, ein “Illustrator und Designer für plakative Werke, ein Humorist mit der Hand des Lächelns, dem einzigartigem Duktus und Witz.”

Er zeigt im Weiserhof einen Zyklus bestehend aus 11 Werken mit dem Titel: Löffel und Pinsel. In kräftigen Farben bringt er die unterschiedlichsten Gerichte und Getränke auf die Leinwand.

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Der Künstler und der Wirt

Jules Grössinger ist ein Gastronom der alten Schule, der traditionelle Gerichte neu interpretiert. Solides Handwerk und Regionalität liegen ihm am Herzen. Sein Motto: “Der Kaiser ist das Produkt, der Koch kann nur der König sein.” Der Weiserhof ist schon seit langer Zeit ein Geheimtipp für eine gute, regionale Küche mit dem gewissen Etwas.


Vernissage arte-Hotel Krems

Unter dem Motto: “Kunst ist Teil unserer DNA” hat das arte-Hotel das Projekt “artist´s place” ins Leben gerufen. Künstler haben hier die Möglichkeit, ihre Werke einem größeren Publikum zu präsentieren.

Karl Traintinger

Von Karl Traintinger

Seit 11. September 2019 zeigt Thomas Selinger, der Cartoonist der Dorfzeitung, knapp 80 seiner Werke mit unterschiedlichen Themen in verschiedenen Techniken und Formaten. In sehr vielen Bildern kann man die Liebe des Künstlers zum Wein erkennen. Bevor er sich hauptberuflich der Kunst verschrieb, arbeitete er als Diplom-Sommelier in der Spitzengastronomie. Seit über 5 Jahren ist Thomas Selinger freischaffender Künstler im Andräviertel in der Stadt Salzburg.

Vernissage arte-Hotel Krems | Thomas Selinger, Hoteldirektor Michael Frödrich

Die gut besuchte Vernissage war ein unterhaltsamer Abend mit vielen interessanten Gesprächen in einem ansprechenden Ambiente. Auch die Kulinarik kam nicht zu kurz.


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Carmelo Lopez Weitblick

Am Eingang in die Gläsernen Gärten von Frauenau, unweit der Glashütte Valentin Eisch befinden sich 4 Figuren von Carmelo Lopez.

Carmelo Lopez

Geboren 1964 auf Gran Canaria, Spanien. Ab 1985 Studium der Freien Kunst an den Kunstakadem,ien Las Palmas und Barcelona, seit 1996 freischaffender Künstler in Barcelona, später in Köln mit Schwerpunkt Glasplastik und Installation.

Weiter Info:

Carmelo Lopez – Homepage>
Die Gläsernen Gärten von Frauenau>
Glasmuseum Frauenau >


Gebundene von Dieter Schmidt | Foto: Karl Traintinger

Erinnerungsstätte Lager Weyer / St. Pantaleon, Innviertel, OÖ

Diesmal habe ich eine Skulptur mit einem aktuellen geschichtlichen Hintergrund (vor 80 Jahren begann der 2. Weltkrieg) ausgewählt. Knapp vor der Moosachbrücke in St. Pantaleon befindet sich ein Denkmal zur Erinnerung an die hier stattgefundenen Gräueltaten zur NS-Zeit.

Karl Traintinger

Von Karl Traintinger

Das unaufdringliche und dennoch sehr beeindruckende Denkmal lädt den Besucher zum Innehalten und Nachdenken ein. Im Gemeindeamt von St. Pantaleon ist eine kostenlose Broschüre mit geschichtlichen Erläuterungen rund um die Erinnerungsstätte vorrätig.

Ich habe Ludwig Laher >, den in St. Pantaleon lebenden Schriftsteller und sehr guten Kenner der Lagergeschichte (Herzfleischentartung >) von Weyer gefragt, wie es zur Errichtung dieser Erinnerungsstätte gekommen ist. Hier seine Antwort:

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Es gab zur Jahrtausendwende eine regionale Ausschreibung für einen Wettbewerb, das Denkmal betreffend. Eine Jury wählte den Entwurf des bayerischen Bildhauers Dieter Schmidt, der damals in Fridolfing lebte und arbeitete und später in den Bayerischen Wald übersiedelte. Die anderen Einreichungen wiesen allesamt einen allzu hohen Grad an Abstraktion auf. Begründet wurde die Wahl Dieter Schmidts mit der Zugänglichkeit seines Werkes, das stilisiert, aber nicht abstrakt, menschliche Gestalten zeigt, die als „Gebundene“ (so nennt Schmidt sein Kunstwerk) dem Betrachter den Rücken zukehren, also nur noch innerhalb des (Stachel-)Drahtes existieren, von der Welt isoliert. Man kann das Werk umkreisen und hat von überall unterschiedliche Blickwinkel auf einzelne Gesichter. Die Untersicht (das Auge muss nach oben blicken) gibt den Dargestellten eine Würde, die sie gleichzeitig der Schwere ihres Leids ein wenig enthebt.

Die Gestaltung lehnt sich überdies an die österreichische Marterlkultur (von Martyrium) an, die am Land besten bekannt ist. Die Bronzeplastik ruht auf einer Mühlviertler Granitsäule (Assoziation zu Mauthausen). Auf hervorragende Weise kontrastiert das bescheidene Denkmal auch größenmäßig, vor allem aber was die Behandlung der menschlichen Gestalt anlangt, mit dem martialischen Kriegerdenkmal bei der Kirche von St. Pantaleon. Dieter Schmidts Werk für die Erinnerungsstätte hat in den vergangenen 19 Jahren verbreitet große Anerkennung gefunden. Finanziert wurde es übrigens zu gleichen Teilen von der Gemeinde St. Pantaleon und dem Land Oberösterreich (die NS-Lager Weyer waren Reichsgaulager von Oberdonau, nicht exterritoriale KZ).

Die Erinnerungsstätte ist mittlerweile selbstverständlicher Teil der Ortsgeschichte. War sie am Anfang durchaus umstritten, so gilt sie mittlerweile als Wahrzeichen von St. Pantaleon. Der offizielle Ortsplan zeigt unter ‚Sehenswürdigkeiten‘ zuerst das Schmidt-Denkmal und dann erst die Pfarrkirche, die Prospekte der Urlaubsregion Oberes Innviertel / Seelentium bewerben St. Pantaleon zentral mit dem abgebildeten Denkmal Dieter Schmidts. Der Pfarrer setzt sich mit den Firmlingen auf die Steinbänke rund um das Denkmal und erläutert, was damals passierte. Immer wieder werden Grablichter an der Erinnerungsstätte angezündet. Zu Beschädigungen der Anlage ist es Gott sei Dank bisher nie gekommen.

Die Erinnerungsstätte in der Dorfzeitung >
Verein Erinnerungsstätte >
Dorfbild – Download Fotos Weyer >


Gemeindebrunnen Göming Günter Veichtlbauer

Im Zuge des Neubaus des Gemeindezentrums in der kleinen Flachgauer Gemeinde Göming in den Jahren 2005/ 2006 wurde auch ein neuer Dorfbrunnen errichtet.

Karl Traintinger

Von Karl Traintinger

Dorfbrunnen waren schon immer im Dorfleben wichtig. Leider wird in der heutigen Zeit beim Neubau eines Gemeindeamtes des öfteren auf die Errichtung eines Dorfbrunnens verzichtet, nicht jedoch in Göming.

Den Auftrag für die Gestaltung des neuen Gemeindebrunnens erhielt Günter Veichtbauer >, ein Künstler aus der Nachbargemeinde Nußdorf am Haunsberg. Im großzügigen Brunnenbecken befindet sich ein alter Mühlstein, der von der Familie Hennermann, Obermühle in Dreimühlen, Göming, zur Verfügung gestellt wurde. Der Mühlstein ist inmitten einer Steinspirale aus Flusssteinen platziert. Darüber erhebt sich eine wasserführende Edelstahlspirale. Die einzelnen Metallblätter haben eine Länge von 9 Metern.

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Kunst im öffentlichen Raum ist uns wichtig, weil das ein Weg ist, den Bürgern moderne Kunst nahezubringen.

Werner Fritz, Bürgermeister

Gemeindeamt Göming

Göming > erhielt mit dem neuen Gemeindezentrum und dem dort neu errichteten Dorfbrunnen erstmals einen wirklichen Dorfmittelpunkt. Das alte Hellbauerhaus >, das originalgetreu neben dem Amtsgebäude aufgebaut wurde, dient jetzt als Museum und Gasthaus.


Dorfbrunnen in der Dorfzeitung >
Göming in der Dorfzeitung >


Glasarche II

Die von Ronald Fischer geschaffene Glasarche steht vor dem Glasmuseum in Frauenau und soll an das Sterben der Glashütten im Bayrischen Wald erinnern.

Ronald Fischer

Geboren 1966 in Zwiesel, ab 1981 Ausbildung zum Glasschleifer und Glasmaler, 1988-90 Weiterbildung zum Glasgestalter im Staatl. Berufsbildungszentrum für Glas in Zwiesel, 1992-2004 Mitglied der Werkstattgruppe “Atelier Männerhaut” (Glas, Metall und Malerei), seit 2001 Auftragsarbeiten für Kunst im öffentlichen Raum.

Weiterführende Infos

Das Projekt Glasarche >
Glasarche II >
Ronald Fischer >
Glasmuseum Frauenau >