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flyer720x1018b-424x600Ab dem Frühjahr 2003 hatte der Tourismusverband Lamprechtshausen eine eigene Homepage, auf der auch ein Stammtisch als Diskussionsforum eingerichtet war.

In der ersten Zeit gab es rege Diskussionen, es wurde unter den unterschiedlichsten Pseudonymen mehr oder weniger heftig gepostet, selbst manche Volksvertreter beteiligten sich.

Nach geraumer Zeit versiegte das Interesse immer mehr und das Diskussionsforum wurde 2010 nach fast 7 Jahren geschlossen.

Aber wie es im Internet halt so ist, geht nichts verloren und die alten Forumsbeiträge sind noch zu finden, wir haben einige der alten Threads  zum Nachlesen zusammengefasst:

26. 02. 2008 Schottergrube in der heißen Phase
06. 02. 2008 Nächstes Jahr wird wieder gewählt
27. 10. 2007 Die Schotterer kommen …
19. 10. 2003 Gemeindeversammlung
19. 09. 2003 Lhausen Page
14. 09. 2003 Landtagswahlen 2004
05. 08. 2003 FDL Lamprechtshausen


Frauenarbeit und Frauenalltag: Ein „ungewöhnliches“ Beispiel aus den Dreißigerjahren.

Lebens- und Arbeitsalltag in einem Kulturzeitmagazin? – Ja. – Denn: Ganz bewußt wird in diesem Beitrag von einem Kulturbegriff ausgegangen, der weiter reicht als bloß hinauf in „Höhen des Schöngeistigen“, in die hehren Gefilde der „großen Werke“. Dagegen gesetzt sei eine Sichtweise, die Kultur als Ausdruck der jeweiligen Lebensbedingungen versteht; als nicht nur ästhetische, sondern vor allem auch lebenspraktische Bewältigung vorgefundener Lebenschancen – und die waren weiß Gott nicht für alle gleich.

Von Ingrid Bauer

Wie wurde und wird alltäglich gelebt und gearbeitet, gewohnt, gegessen, gefeiert und geliebt? Wie werden die Kinder erzogen, wie wird die Freizeit verbracht? Welche Hoffnungen, Gedanken und Wünsche haben die Menschen in ihren Köpfen? – Das sind meine Fragen auf der Suche nach Spuren von Alltagskultur. Und: was entsteht – in Reaktion auf die konkrete, täglich hautnah zu bewältigende Lebenssituation – an Überlebensstrategien und Widerstand, an Solidarität und Zivilcourage, an aufrechtem Gang und Eigen – Willigkeit, an Selbstbewußtsein?

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In der Folge ein – historisches – Beispiel meiner Spurensuche: „Die Tschikweiber sind ja berühmt gewesen …“, heißt es heute noch in Hallein über die Arbeiterinnen der ehemaligen Zigarrenfabrik. Schon 1940 wurde sie von den Nationalsozialisten geschlossen und in einen Rüstungsbetrieb umgewandelt. Trotzdem: Im Bewußtsein der Arbeiterstadt sind die Zigarrenfabrikarbeiterinnen nach wie vor präsent – als „resolute Frauen“, die, so der Halleiner Originalton, bekannt waren für „ihr gutes Mundwerk“.

Als Arbeiterinnen mit solidarischem Zusammenhalt und dichter gewerkschaftlicher Organisierung: „Die waren von allen Betrieben am besten organisiert“, erinnert sich ein alter Halleiner, „und am 1. Mai sind sie aufmarschiert, der ganze Rudel: Es waren ja ein paar hundert Frauen in der Fabrik. Auch wenn es sonst etwas gegeben hat – eine Teuerung eingetreten ist, oder wie das Gerücht aufgetaucht ist, daß die Saline geschlossen werden soll -, ist aufmarschiert worden, mit Kind und Kegel.

Die meisten waren Sozialistinnen, durch und durch. Wenn ich an die Mali denke, die hat – das war dann schon in den Dreißigerjahren, wie die Heimwehr mit `Bajonett auf´ in Hallein herumgeteufelt ist – auf der Stadtbrücke die Bluse aufgerissen und gerufen: ´Das stechts her!´ Und wer hat 1934, wie´s in Wien drunten so gewirbelt hat, bei uns gestreikt? – Wieder die Frauen aus der Zigarrenfabrik ….“

Auch als „Frauen, die Geld gehabt haben“, werden sie erinnert. „Die waren begehrt bei der Männerwelt, weil sie gut verdient haben. Es waren ja alle froh, wenn sie eine erwischt haben, die noch ein paar Groschen heimgebracht hat. Weil sie alle arbeitslos waren, die Männer, und weil sie – in der Zellulosefabrik oder als maurer – oft nur einen Schmarrn verdient haben. Also, wenn einer eine erwischt hat, die in der Zigarrenfabrik war und Geld heimgebracht hat, dann hat er zugegriffen.“

Das paßte so gar nicht zu dem, was damals wie heute – durch die „bürgerliche Brille“ gesehen – als angeblich „natürliche“ Rolle der Frau propagiert wurde und wird. Hier der berufstätige Mann, der die Familie ernährt- Dort die Hausfrau und Mutter, die aufgeht in der Erfüllung „ihrer“ Aufgaben im Haushalt und beim Erziehen der Kinder.

In der Arbeiterstadt Hallein, die – nahe und doch in augenfälligem sozialen Kontrast zur erzbischöflichen – barocken Bürgerstadt Salzburg – einer der wenigen Salzburger Industrieorte war, fehlte für solche Anleihen beim bürgerlichen Familienmodell weitgehend die materielle Basis. Und, die Zustimmung vieler Arbeiterfrauen. Die „Provinzlöhne“ waren niedrig, und das nicht erst in den wirtschaftlichen Notzeiten der Dreißigerjahre. Auch das Gespenst der Kurzarbeit drohte in den krisenanfälligen Halleiner Industriebetrieben recht kontinuierlich. Mit einem – noch dazu stets unsicheren Verdienst – wäre also eine Arbeiterfamilie damals ohnehin nicht über die Runden zu bringen gewesen. Zudem waren es in nicht wenigen Familien das Halleiner Arbeiterschaft die Frauen, die – in seltener Umkehrung der üblichen Erwerbsarbeitsrealität – die besseren Arbeitsplätze hatten. Wie gesagt, jene in der Zigarrenfabrik.

1869 war die Zigarrenproduktion in Hallein aufgenommen worden und die weibliche Arbeitskraft hatte den „Arbeitgeber“ Staat vor allem deshalb interessiert, weil sie billiger war. Und, wie man hoffte, williger und leichter zu disziplinieren. Für das Drehen, Spinnen, Sortieren und Verpacken der Zigarren setzt man seither auf die angeblich geschickteren Hände der Frauen. Die Kontrollpositionen – vom Werkmeister aufwärts – waren natürlich mit Männern besetzt. Also wie gehabt, ein Frauenbetrieb in Männerhand. Auch mit dem üblichen fabrikinternen Gefälle zwischen Männer- und Frauenlöhnen.

Und trotzdem: Mit ihrer geschlossenen und offensiven gewerkschaftlichen Organisation hatten die Arbeiterinnen in den österreichischen Tabakfabriken Arbeitsbedingungen durchgesetzt, die für die zwanziger und frühen dreißiger Jahre relativ privilegiert waren. Nicht selten verdienten sie mehr als ihre Männer in anderen Halleiner Betrieben. „Jede von uns war glücklich, wenn sie in der Tabakfabrik untergekommen ist und so einen guten Arbeitsplatz gibt man nicht so schnell wieder auf „, erzählt eine heute 86 jährige Arbeiterin, die, wie die meisten anderen auch, bis zu ihrer Pensionierung in der Fabrik geblieben ist. Trotz der zusätzlichen Belastungen in Haushalt und Familie. „Ich bin froh, daß ich immer arbeiten gegangen bin. Denn wenn man halt selber einen eigenen Schilling hat, ist man unabhängiger. Man tut sich leichter, man kann sich besser rühren, man steht auf ganz anderen Füßen, als wenn man nur auf den Schilling vom Mann angewiesen ist.“

Meist hatten deshalb schon ihre Mütter und Großmütter in der Fabrik gearbeitet und ganz gezielt versucht, immer auch möglichst viele andere weibliche Verwandte dort unterzubringen. „Meine Schwägerin hat immer gesagt: Ich bring dich auch rein, in die Fabrik. Da verdienst du etwas. Als Zigarrenfabriklerin, da bist wer.“

Dieses Selbstbewußtsein bezog sich auch auf ihr Eingebundensein in jenen solidarischen Zusammenhalt, der seit mehreren Arbeiterinnen Generationen in der Fabrik gewachsen war; als bewußt gesetzte Gegengewicht zum unpersönlichen, konkurrenzhältigen, versachlichten Mit- und Gegeneinander, welches das Fabrikssystem prinzipiell nahelegt. Und: als Abwehr gegen die porenlose Vereinnahmung ihrer Arbeitskraft unter den Bedingungen fremdbestimmter Akkordarbeit. 600 Zigarren pro Tag hatten sie herzustellen, meist noch in Handarbeit. Ein über diese Mindestleistung hinausgehendes „Mehr“ an Zigarren hätte zusätzlichen Lohn gebracht. Nur: „Das hat keine getan, daß sie mehr abgegeben hat.“

Sehr bewußt haben sich die Arbeiterinnen dem individualisierenden Leistungs-Anreiz-System entzogen, wohl wissend, daß ein ständiges Überschreiten der Akkordvorgaben sehr schnell eine – die Arbeitssituation verschärfende – Anhebung der „Normalleistungen“ nach sich gezogen hätte. Aber auch aus aktiver Solidarität mit leistungsschwächeren Kolleginnen wurde die Akkordlogik „Zigarre = Geld“ durchbrochen: “Wenn eine nicht gut beisammen war oder wenn sie ein seelisches Leid gehabt hat und mit der Arbeit nicht zusammengekommen ist, weil der Kopf ganz woanders war, dann ist es oft vorgekommen, daß ihr die Andere aus ihren Vorrat Zigarren geschenkt hat. Oder sie hat gesagt: Geh her, ich dreh die ein paar …“

Hinter dem selbstbewußten, stolzen „Als Zigarrenfabriklerin, da bist du jemand …“ stand also auch diese Netzwerk aus gegenseitigen Hilfestellungen und Rücksichtnahmen, aus heimlichen versuchen, Aufseher und Fabriknormen gemeinsam zu überlisten, und offener gewerkschaftlicher Interessensdurchsetzung: aus vielfältigen, solidarischen Strategien also, Arbeitsbelastungen auszubalancieren und Arbeitszwänge subversiv zu unterlaufen. „Wir sind gern in die Zigarrenfabrik gegangen …“

Dr. Ingrid Bauer ist Historikerin am Ludwig-Boltzmann-Institut für Geschichte der Arbeiterbewegung in Salzburg. Der Artikel wurde im Oktober 2001 erstmals in der Dorfzeitung publiziert.

Buchtips zum Thema:
Ingrid Bauer
„Tschikweiber haum´s uns g´nennt“
Frauenarbeit und Frauenleben an der „Peripherie“: Die Halleiner Zigarrenfabriksarbeiterinnen.
Wien 1988 (Europaverlag)

Ingrid Bauer (Hrsg.)
Von der alten Solidarität zur neuen sozialen Frage.
Ein Salzburger Bilderlesebuch.
Wien – Zürich 1988 (Europaverlag) D


Das Weitmoos, ein Hochmoor,  wurde über viele Jahrzehnte abgebaut und übrig geblieben ist eine brachliegende Industriewüste.

Dr. Karl Traintinger

Von Karl Traintinger

Durch das Engagement vieler Menschen vor Ort und das Intervenieren auf vielen verschiedenen politischen Ebenen ist es gelungen, das Gebiet weitgehend zu renaturieren und so ein Vogelparadies zu schaffen.

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Einige Daten zur Geschichte:

Torf wurde anfangs in der Glasfabrik von Ignaz Glaser in Bürmoos gebraucht, später in der Ziegelindustrie.

Archiv: Kurt Winkler
Archiv: Kurt Winkler

Von 1947 bis 2000 wurde von den Stickstoffwerken Linz in großem Stil Brenntorf und Torfmull hergestellt.  Es wurde mit der sogenannten “Bockerbahn” vom Weidmoos nach Bürmoos gebracht.

Archiv: Kurt Winkler
Archiv: Kurt Winkler

In der Nachkriegszeit hatten viele Bewohner der Nachbarschaft Torffelder zur Gewinnung von Brennmaterial gepachtet. Im Weidmoos gibt es noch immer vereinzelt Torfstiche, die aber nicht mehr von Bedeutung sind.  Übrig geblieben ist vom ausgedehnten Hochmoorgebiet nur noch ein sehr kleiner Teil.

Foto: KTraintinger
Foto: KTraintinger

Heute findet man von der ehemaligen Bockerlbahn nur noch eingewachsen Reste, die im Zuge der Naturschutzmaßnahmen nicht entfernt wurden. Es sind stille Zeugen der  dahin schreitenden Renaturierung.

Foto: KTraintinger
Foto: KTraintinger

Ein Teil des Weidmooses ist durch einen Rundwanderweg erschlossen. Über 150 verschiedene Vogelarten wurden beobachtet, so auch das Weißsternige Blaukehlchen, um nur einen zu nennen.

Foto: KTraintinger
Foto: KTraintinger

Man findet auch wieder Sonnentau, Rosmarinheide, Mossbeere, Wollgras und weitere typische Hochmoorpflanzen.  Das Mosaik von Wasserflächen, Schilfbeständen und Weidengebüsch verlangt auch in Zukunft noch Pflegen, damit daraus nicht eine einförmige Waldlandschaft entsteht. Aktives Habitatmanagement ist die Voraussetzung dafür, daß das Weidmoos auch in Zukunft ein Vogelparadies bleibt.

Infos zum Weidmoos, zum Themenweg, zu Führungen, etc. finden Sie auf der Weidmoos Homepage >.


Reitlwald

Bürgerinitiative: Lebenswertes Lamprechtshausen
unser bestes Stück ist grün und 15 ha groß.

Liebe Lamprechtshausnerinnen, liebe Lamprechtshausner!
Sehr geehrte Gäste,

Schottergrube13122007
Die Maße des derzeit geplanten Schotterabbaus

In Lamprechtshausen, Siedlungsgebiet Reitlwald und Holzhauserweg soll eine riesige Schotterabbaugrube entstehen.

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Wir kämpfen dagegen an, dass unsere Gemeinde die nächsten Jahrzehnte zur Schotterabbaugemeinde wird. Wald und Wiesenflächen sollen geopfert werden, Staub und Lärmbelastung mitten in der Siedlung, Steigerung des LKW-Verkehrs in einer vom Verkehr schon sehr überlasteten Gemeinde und Zerstörung des Landschaftsbildes über Jahrzehnte. Dagegen wehren wir uns! Kein Schotterabbau 100 m vor unseren Siedlungen.

Hier erfahren Sie die neuesten Ereignisse zur geplanten Schottergrube in Lamprechtshausen.

Beste Grüße
Lebenswertes Lamprechtshausen

Über uns

Wir sind ein Zusammenschluss von Anrainern des Reitlwaldes, der Stadlerseesiedlung und des Holzhauserweges und zugleich Leidtragende der geplanten Schottergrube mitten in unserem schönen Ort Lamprechtshausen.

Wir sind gegen:

200 000 LKWs während der Abbauphase, das sind 10 000 Fahrten pro Jahr und durchschnittlich 40 LKWs zusätzlich pro Tag
Zerstörung des Reitlwaldes als Naherholungsgebietes
Lärmbelastung durch bestehenden und zukünftigen Schotterabbau
Umweltzerstörung, Staub- und Feinstaubbelastung
Verbleib der bestehenden Mülldeponie ohne Absicherung
Verunstaltung des Ortsbildes durch die Schottergrube
weitere Ausbaumöglichkeiten für das Abbaugebietes in der Zukunft
Wertminderung unserer Grundstücke

Wir fordern:

Einstellung des Schotterabbaus
Sicherung der bereits bestehenden Gruben zum Schutz unserer Kinder
Sicherung bzw. Auffüllung der bestehenden Kiesgruben und Renaturalisierung durch den Betreiber
Zukunftssicherung der Umwelt für uns und unsere Kinder
Hochwasserschutz ohne Schotterabbau
1.Erhaltung des Waldes als Naherholungsgebiet

Ansprechpartner: Kurt Ziegler (Sprecher), Lotte Zehentner, Hans-Peter Huber und Helmut Karl (Stellvertreter)

Termine

– Termin mit Gemeindevertretung noch nicht fix –
Dienstag, 13. November 2007, 19.30 Uhr, Ort: Hendi, Lamprechtshausen
Dienstag, 30. Oktober 2007, 19.30 Uhr, Ort: Hendi, Lamprechtshausen
Montag, 29. Oktober 2007, 19.00 Uhr, Ort: Gemeindeamt Lamprechtshausen
(Beschlussfassung: Erweiterung Moosleitner-Duswald Grube steht auf der Tagesordnung!)
Dienstag, 23. Oktober 2007, Ort: Hendi, Lamprechtshausen
Mittwoch, 17. Oktober 2007, Ort: Benediktussaal, Gemeindeamt Lamprechtshausen
Montag, 15. Oktober 2007, Ort: Hendi, Lamprechtshausen

Kurz gemeldet:
Erfolg bei Gesprächen mit Gemeindevertreter
Während den letzten Wochen war die Bürgerinitiative nicht untätig. Es wurden Gespräche mit Gemeindevertretern geführt, welche sehr Erfolgs versprechend verlaufen sind.

Nachricht vom 11. November 2007

Erfolg bei Gesprächen mit Gemeindevertreter

Die Bürgerinitiative hat die letzten Wochen mit allen Fraktionsführern und auch allen Gemeinderatmitgliedern Gespräche geführt. Wir wollten die Politiker überzeugen, dass ein Lamprechtshausen ohne Schotterabbau lebenswerter bleibt, aber wir wollen betonen, dass schon viel erreicht wurde. Die ursprünglich vorgestellte Variante ist nur mehr 1/3 des vorgestellten Projekts (Plan hier ansehen).

Gleichzeitig wurde von der Bürgerinitiative ein Forderungskatalog erstellt, welcher bereits online ist (Forderungskatalog an die Gemeindevertretung). Die wesentlichen Forderungen an die Gemeinde und den Betreiber sind folgende:

– Keine Erweiterung nach der Renaturierung und auch kein Erweiterungsansuchen.
– Der Reitlwald bleibt als Naherholungsgebiet vollständig erhalten.
– Umfangreiches Verkehrskonzept
– Maßnahmen für die Bevölkerung (Schutzweg/Schutzinseln, Lärmschutzwände, Staub und Lärmmessungen, etc)

Die Gemeindevertreter haben uns Ihre Unterstützung zugesagt. Jetzt wird die Gemeinde an die Firma Moosleitner diese Forderungen herantragen. Wir werden weiter informieren.

Stammtischdiskussion (damals in einem Diskussionsforum bei uns in der Dorfzeitung):
Thread26022008 Schottergrube in der heissen Phase
Thread27102007 Die Schotterer kommen …

Die Texte und Fotos stammen von der Homepage der Bürgerinitiative Lebenswertes Lamprechtshausen. Zur Zeit der Artikelübernahme aus dem Dorfschreiber war der Link noch aktiv.


Eigentlich lacht er ja auch, der alte Schmied Michi, wie ihn jeder nennt. Aber mehr inwendig. Wie’s halt die Art der Leut‘ ist, die ein Leben lang hart zupacken haben müssen.

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Von Karl Traintinger

1826 ist der Schmiedgeselle Maderegger vom Königsee nach Lamprechtshausen gekommen und hat die Schmiede in Willenberg übernommen. Früher waren’s spezialisierte Huf- und Wagenschmiede, dann sind die Werkstatt und der Handel mit Landmaschinen dazu kommen. Erfahrung und Tatkraft, vereint in 2 Generationen, das hat den Schmied z‘ Wimmberg zu einer modernen Schlosserei und Portalbauerei gemacht.

Es vergeht noch immer kein Tag, an dem der Seniorchef nicht in der Schlosserei vorbei schaut. In den Wintermonaten ist es immer noch er, der die hölzernen Eisstöcke mit Metallringen ausstattet.

Guat warm miass´ns bein Aufziagn sein, derfn ´s Hoiz aber ned vabrenna, dånn håitn´s guat. A påår Jahrln miass´ns håitn, a ohne da ma de Eisstöck davor eiwassert.

Schmied Michi

Schlosserei, Portalbau Norbert Maderegger
A-5112 Lamprechtshausen, Willenberg 3

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Oberösterreich-Österreich in Geschichte und Literatur mit Geographie 32. Jahrgang, Mai-Juni/Juli-August 1988, Heft ¾. Der Aufsatz wurde als Ergänzung zum Referat von Ludwig Laher für die Veröffentlichung in der Dorfzeitung zur Verfügung gestellt.

Ergänzung einer Ortschronik “Arbeitserziehungslager” und “Zigeuneranhaltelager” Weyer (Innviertel)

drmaislinger100x122bVon Andreas Maislinger.

“In Oberösterreich (Gemeinde St. Pantaleon) existierte vom 5. Juli 1940 bis ca. 7. Jänner 1941 ein Erziehungslager für Arbeitsunwillige und Asoziale. Vom 7. Juli 1940 bis etwa Ende August 1940 war das Lager im Gasthaus Göschl in Moosach {Gemeinde St. Georgen, Bezirk Salzburg) untergebracht, vom Frühherbst 1940 (unterschiedliche Angaben) bis 7. oder 9. Jänner 1941 kam es zur Auflösung des Lagers, angeblich wegen vorgekommener schwerer Misshandlungen von Lagerinsassen, von denen fünf an den Folgen dieser Behandlung starben. In einer Anzeige an die Bezirkshauptmannschaft in Braunau vom 3. Dezember 1952 wird darauf hingewiesen, daß der NS-Gauleiter von ,Oberdonau’, Eigruber, das Lager St. Pantaleon bzw. Weyer illegal einrichten ließ, ohne die Regierungsstellen in Berlin davon informiert zu haben. Die Lagerinsassen zog man zu Entwässerungsarbeiten (Ibm – Waidmoos) heran. Die Bewachung der arbeitsfähigen Zigeuner und deren Transport vom bzw. zum Lager besorgten Organe der Reservegendarmerie.

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Unmittelbar nach der Auflösung des Lagers wurde das Gasthaus Geratsdorfer in Weyer in ein Zigeunerlager für in Oberösterreich aufgegriffene Zigeuner umfunktioniert, das allerdings nur vom 18. oder 19.Jänner 1941 bis zum 2. März 1941 existierte und dann aufgelassen wurde, wie einem Erhebungsprotokoll an die Oberösterreichische Landesregierung in Linz vom 18. März 1954 zu entnehmen ist. In einem anderen Akt an die Bezirkshauptmannschaft in Braunau vom 3. August 1959 wird das Auflassungsdatum mit 29. Oktober 1941 angegeben. Es dürfte sich hierbei um den richtigen Termin handeln, da im Lackenbacher Lagertagebuch am 4. November 1941 von einer Einweisung von 301 Zigeunern aus Linz die Rede ist, als vermutlich die Zigeuner von Weyer laut Erhebung allesamt nach Lackenbach überstellt wurden. 1) Als Grund für die rasche und endgültige Auflassung des Lagers wird die geringe Arbeitsleistung der Zigeuner bei der Ibm – Waidmooser Entwässerung angegeben. Die Anzahl der nach Weyer eingewiesenen Zigeuner beträgt laut Protokoll 350, worunter sich auch Kinder befunden haben sollen. Wann allerdings die ersten Zigeuner nach Weyer gebracht wurden, konnte ich nicht eruieren. Außerdem gab es in Oberösterreich in der Nähe von Attnang – Puchheim in Steyrermühl ein NS-Arbeitslager, in dem unter anderem auch Zigeuner untergebracht waren.”2)

Die Gemeinde St. Pantaleon gab 1979 (Anlass: 200 Jahre Innviertel bei Österreich) eine 132 Seiten umfassende Chronik heraus. In dieser Ortschronik findet sich unter anderem eine Geschichte des Gerichtes Wildshut, eine Liste aller Bürgermeister seit 1848, persönliche Erinnerungen einiger Gemeindebürger, Geschichte des Postamtes, Notizen aus der Geschichte des Brauerei- und Gutsbetriebes Wildshut, der Hauptschule, des Schützenvereines und vieles mehr.

Auch der Österreichische Kameradschaftsbund St. Pantaleon kommt zu Wort: ,,1939- 1945 kehrten doppelt so viele Soldaten nicht heim wie im Ersten Weltkrieg: 48 waren gefallen und 16 wurden vermisst. Unsäglicher Schmerz traf die Angehörigen, erschüttert waren Freunde und Bekannte. 1950 wurden diese Helden in einem neuen Kriegerdenkmal verewigt.”3) Von den Ermordeten des Lagers Weyer steht in dieser Ortschronik nichts. 4) Desgleichen findet man darin nichts über die von St. Pantaleon über Salzburg und Lackenbach (Burgenland) nach Auschwitz-Birkenau transportierten Zigeuner.

I

Allgemein fällt auf, daß Ortschroniken in Österreich die Zeit von 1938 bis 1945 aussparen. Dies hat eine Untersuchung der Tiroler Ortschroniken ergeben 5), und der Vergleich mit den Ortschroniken der anderen Bundesländer bestätigt diesen Eindruck. Wenn überhaupt Information über die Zeit des Nationalsozialismus gebracht wird, dann beschränkt sich diese meist auf die Liste der gefallenen “Helden” des Ortes. Gefragt, warum diese Jahre ausgelassen werden, bekommt man meist die Antwort, dies sei noch nicht lange genug zurück, es würden noch zu viele leben. Man kann nicht darüber schreiben. Aber über andere Ereignisse, welche weniger lange zurückliegen, wird ausführlich geschrieben. Weiters wird eingewendet, daß alle Unterlagen aus dieser Zeit verbrannt oder sonst wie vernichtet wurden und man ohne Dokumente nicht berichten könne. Mir fällt allerdings auf, daß über andere Zeitabschnitte oft ebenfalls keine Dokumente vorliegen, über die Ortschroniken sehr wohl berichten, wobei sie sich auf die Erinnerungen einzelner Gemeindebürger verlassen. Nach dieser Methode hätten Bewohner von St. Pantaleon sicher über das Lager berichten können, das haben meine Nachforschungen gezeigt. Sie wurden aber von den Herausgebern der erwähnten Ortschronik nicht danach gefragt, wobei dies aus Unachtsamkeit geschehen sein kann, vielleicht aber auch aus einer falsch verstandenen Sensibilität (“nur nicht daran rühren”). Ortschroniken wollen eine heile Welt vermitteln, und wer will da schon gerne, zumal der Anlass für die Ortschronik St. Pantaleons ein feierlicher war, an die Grausamkeiten der Nazi-Zeit erinnert werden. Neben einem Beitrag über “Fremdenverkehr in St. Pantaleon”, neben einem über ” Theatergesellschaft” ebenda hätten die Erinnerungen Katharina Lindenbauers sicher mehr als ernüchternd gewirkt:

” Wir haben da fürchterlich geweint. Es war ein Novembertag, und da haben sie die Leute bloßfüßig fortgetrieben. Die Kinder haben geschrieen und geweint. Na, die haben auch nur mitnehmen können, was sie in der Tasche haben tragen können. Es war so grauenhaft. Na, und Flöhe haben wir so viele gehabt, daß ich heute, wenn ich daran denke, mich noch oft kratzen muss. Die Flöhe waren von den Zigeunern.”6) Derartige Erinnerungen trüben natürlich jedes harmonische Bild. Verzichten Ortschroniken deshalb auf sie?

II

Spätestens seit dem Fall Reder – Frischenschlager (1985) und den Auseinandersetzungen im Gefolge des Bundespräsidentenwahlkampfes 1986 ist der Eindruck entstanden, daß in Österreich ” Verdränger” in der Mehrheit sind, daß es daran mangelt, Verantwortung für die Beteiligung an den Verbrechen des Nationalsozialismus zu übernehmen. Die Verdrängung eines Teiles der Dorfgeschichte ist Teil der Verdrängung eines Teiles der nationalen Geschichte, die Toten des Arbeitserziehungslagers Weyer wurden vergessen wie die SS-Männer österreichischer Herkunft, die in den Vernichtungslagern mordeten, verdrängt wurden. Bundeskanzler Franz Vranitzky, im September 1987 auf Staatsbesuch in der Volksrepublik Polen, erinnerte im ehemaligen Vernichtungslager Auschwitz- Birkenau an die 30.000 österreichischen Opfer, nicht aber an die Täter österreichischer Herkunft, waren doch Österreicher im Vernichtungsapparat der Nationalsozialisten überproportional vertreten; Simon Wiesenthai hat diese Tatsache in seinem Memorandum für Bundeskanzler Josef Klaus 1966 aufgezeigt.

Neben dieser mangelnden „Trauerarbeit” 7) ist es die gleichgültige bis unterdrückende Politik der Republik Österreich gegenüber Sinti und Roma, weshalb Weyer vergessen wurde. Die Opfer des Lagers Lackenbach haben einen Gedenkstein. Er wurde vor drei Jahren errichtet. Nach jahrelangen Bemühungen der Österreichischen Lagergemeinschaft Auschwitz und anderer Vereinigungen enthüllte Bundespräsident Rudolf Kirchschläger am 6. Oktober 1984 das Denkmal. Bei dieser Denkmalenthüllung kamen Sinti und Roma nicht wesentlich zu Wort. Viele von ihnen fühlten sich zu Recht bevormundet.

III

In Österreich gibt es erst schwache Ansätze einer »Geschichte von unten”, während in der Bundesrepublik bereits viele Forschungsarbeiten über die NS-Zeit nach dieser Methode entstanden sind und entstehen. Obwohl wiederum nur ein Teil dieser Arbeiten veröffentlicht werden konnte, fanden sie oft Eingang in Regionalzeitungen. Auch so genannte Geschichtswerkstätten sind entstanden, und auf Geschichtsfesten werden Forschungsergebnisse aus der Regional-, Lokal- und Ortsgeschichte vorgestellt. In Österreich beschränken sich diese Vorhaben auf kleine, ziemlich abgeschlossene Gruppen von wenigen Interessierten. Von einer neuen Geschichtsbewegung kann keine Rede sein. 1985 förderte das Bundesministerium für Unterricht, Kunst und Sport zwar Schülerarbeiten über  „Heimkehr”, mit dieser Aktion lenkte man das Interesse der Schüler allerdings auf den Zeitraum nach 1945. In St. Pantaleon haben wir uns nicht daran gehalten und auch die NS-Zeit mitbehandelt.

IV

In der Bundesrepublik Deutschland besteht ein Verband Deutscher Sinti und Roma, der in den letzten Jahren viel erreichen konnte. Es sind Bücher über Zigeuner erschienen, Zigeuner haben sich zum ersten Mal auch zusammengeschlossen, um sich zur Wehr zu setzen. In Österreich fehlt dieser Zusammenschluss. Es gibt deshalb auch niemanden, der für die österreichischen Zigeuner sprechen könnte. 8.) Auch bei den ehemaligen Häftlingen des so genannten “Arbeitserziehungslagers” ist es ähnlich. Meist fehlt ihnen das Interesse, sich einem KZ-Verband anzuschließen, und von den ehemaligen KZ-Häftlingen werden sie nicht voll anerkannt. Dies ist jedenfalls mein Eindruck nach zahlreichen Gesprächen mit Angehörigen beider Gruppen. Schließlich hat das Wort „Arbeitserziehungslager“ für einige den Beigeschmack einer berechtigten Strafe. Wer nicht arbeiten wollte, wurde eben von den Nazis dazu erzogen. Dass die meisten Häftlinge dieser Lager wegen Kleinigkeiten oder ihres politischen Widerstandes eingeliefert wurden, scheint weitgehend unbekannt oder unberücksichtigt zu sein und zu bleiben.

Keiner der Verbände der Opfer des NS-Regimes fühlt sich fur diese ehemaligen Häftlinge der Arbeitserziehungslager wirklich verantwortlich. Und den Zigeunern und den ehemaligen Häftlingen fehlt das Vertrauen, sich an diese Verbände zu wenden. Und ohne Druck eines KZ-Verbandes ist kaum zu erwarten, daß eine kleine Gemeinde darauf hinweist, daß es auf ihrem Gebiet ein “kleines Konzentrationslager” gab. In Lackenbach kam die Anregung von außen. 9)

V

Auch die Zeitgeschichtsforschung ist nicht aus der Verantwortung zu entlassen. Ohne eine genaue Analyse der veröffentlichten Forschungsergebnisse geben zu können, fällt doch auf, daß eine gewisse Schwerpunktsetzung bei der Geschichte der Arbeiterbewegung und eine Vernachlässigung der Regional- und Ortsgeschichte zu bemerken ist. Bei der Durchsicht der Veröffentlichungen entsteht der Eindruck, als ob bewusst zwei verschiedene Welten aufrecht erhalten würden: die eine ist die der Zeitgeschichtler, die andere die der Ortschronisten. Inhaltlich bestimmt wird die eine von der Erforschung des Widerstandes gegen den Nationalsozialismus und die andere von der notwendigen “Pflichterfüllung”. Beispiel für die eine sind die Dokumentationen über „Widerstand und Verfolgung 1934-1945″ 10),  Zeugnis für die Tätigkeit der anderen das in jedem Ort errichtete Kriegerdenkmal, mit dem das Gegenteil behauptet wird: Nicht die, die Widerstand leisteten, sondern die, die im Rock der Deutschen Wehrmacht für Adolf Hitler das Leben gaben, sollen in die Geschichte eingehen. Mit ganz wenigen Ausnahmen fehlt der österreichischen Zeitgeschichtsforschung das Bestreben, bis hinein in die kleinste Gemeinde zu wirken. Die Veröffentlichungen wenden sich größtenteils mehr oder weniger bewusst an einen engen Leserkreis. Es gibt Ausnahmen, das steht fest, aber jeder scheint in seiner Welt bleiben zu wollen.

VI

Soweit meine fünf  Erklärungsversuche. Ermutigt durch meine Arbeiten über den SA-Putschversuch im Juli 1934 in der Nachbargemeinde Lamprechtshausen  11), begann ich mich vor etwa drei Jahren auch mit St. Pantaleon zu beschäftigen. Aus der Literatur über die NS-Zeit in Österreich hatte ich zumindest einige wenige Informationen. In ” Widerstand und Verfolgung in Oberösterreich 1934-1945″ 12) finden sich einige Dokumente über die begangenen Grausamkeiten und Morde, welche eingangs erwähnt wurden. Bei den mir notwendig erscheinenden Ergänzungen ging es jedoch nicht ausschließlich um weitere Fakten, sondern vielmehr um das Wissen der Einwohner dieser Gemeinde und um ihre Fähigkeit und Bereitschaft, sich zu erinnern. Mir wurden immer wieder Beispiele vor Augen gehalten, wonach kaum eine Gemeinde bereit ist, sich ihr “kleines KZ im eigenen Ort” vorzeigen zu lassen. Obwohl mir natürlich auch einige den guten Rat gaben, nicht viel herumzustöbern und die Sache auf sich beruhen zu lassen, bemerkte ich bald ein großes Interesse. Und zwar von verschiedenster Seite: Eine Frau, welche in der Nähe des “Zigeuneranhaltelagers” arbeitete, berichtete offen über ihre schmerzlichen Erinnerungen. Ich habe sie oben bereits kurz zu Wort kommen lassen. Sie war sogar froh, endlich einmal darüber sprechen zu können. Bereitschaft zur Mitarbeit und Unterstützung fand ich auch beim Bürgermeister und beim Direktor der Hauptschule. Im April 1985 konnte daher in der Hauptschule ein vom Unterrichtsministerium unterstütztes Projekt ,,40 Jahre Zeitgeschichte” mit dem Schwerpunkt Nationalsozialismus durchgeführt werden. Im an die Eltern der Schuler weitergegebenen Bericht veröffentlichte ich folgenden Appell, um ein Jahr später eine Ausstellung in der Hauptschule zu organisieren. Ich zitiere diesen Aufruf ganz, weil er eine Art Grundsatzprogramm der folgenden einjährigen Nachforschungen darstellte:

“Beim Wort ,Geschichte’ denkt man entweder an die Geschichte eines Alexander des Großen, Cäsar, Kaiser Maximilian oder Franz Joseph I. Ältere Menschen denken auch an ihre eigenen Erfahrungen im I. oder II. Weltkrieg. Auch bei diesen persönlichen Erinnerungen überwiegen die ,großen Ereignisse’ der Schlachten. Auf die Idee, daß es Geschichte auch bei uns zu entdecken gibt, kommen die meisten nicht.

Die Schüler der Hauptschule St. Pantaleon sind mit ihren Lehrern darauf gekommen. Für sie findet Geschichte nicht mehr nur in den großen Städten statt, sondern auch und gerade in ihrer engsten Umgebung. Dabei ist diese Geschichte nicht nur alltäglich, sondern durchaus auch ,groß’, Jedenfalls bezogen auf das Leid, welches Menschen anderen Menschen zugefügt haben. Um die Gräuel des Nationalsozialismus der Jahre 1938 bis 1945 kennen zu lernen, sind die Schuler zwar in das ehemalige Konzentrationslager Mauthausen gefahren; nichts anderes, nur kleiner (und als ,Arbeitserziehungslager bezeichnet) haben sie auch im benachbarten Weyer vorgefunden. Mit dem Unterschied allerdings, daß diese Geschichte noch nicht geschrieben wurde. Es finden sich über das Lager Weyer nur wenige Aufzeichnungen in den Geschichtsbüchern. Die Geschichte des Zigeunersammellagers ist überhaupt noch nicht geschrieben worden. Dabei sind von Weyer aus einige hundert Zigeuner in den Tod nach Mauthausen und Auschwitz-Birkenau geschickt worden.

Die Geschichte dieser Zigeuner ist noch zu schreiben. Da wahrscheinlich keiner überlebt hat, wird es jedoch sehr schwierig sein. Es geht daher auch. nur, wenn Menschen aus der Nachbarschaft Weyers über Ihre Erinnerungen berichten. Die Arbeit der Schüler und Lehrer aus St. Pantaleon sollte daher nur der Anfang gewesen sein. Ohne Vorwurf an diejenigen, welche damals nichts dagegen getan haben, als ,Asoziale’ beim Verbauen der Moosach geschlagen und ermordet wurden, möchte ich die Burger der Gemeinde St. Pantaleon bitten, uns über diese Zeit zu berichten. Es soll keiner angeklagt, aber über diese Zeit aufgeklärt werden.” 13)

Zu Pfingsten 1986 war diese Aufklärung angesagt. Während der zwei Tage kamen über 200 Personen, und nur wenige meinten, ich sollte mich über andere Diktaturen aufregen und endlich damit aufhören, in der Vergangenheit herumzukramen. Besonders während des Schlussgespräches kam noch eine Fülle von Hinweisen auf die beiden Lager.

Noch Wochen danach beschäftigte diese Veranstaltung die Menschen mehr als vieles andere, was sonst Gesprächsstoff im Dorf bietet. Was die Bereitschaft zur Aufarbeitung und ” Vergangenheitsbewältigung” 14) betrifft, möchte ich jedoch trotzdem noch sehr vorsichtig sein. Es könnte auch ein Strohfeuer gewesen sein. Was jedoch sicherlich bleibt, ist der Umstand, daß einige Menschen zum ersten Mal Gelegenheit hatten, ihre Erinnerungen auszusprechen. Im Gegensatz zu den alten Kameraden der Deutschen Wehrmacht und den alten Parteigenossen haben nämlich Gegner des Nationalsozialismus im Dorf kaum oder gar keine Möglichkeit, ihre Meinung zu äußern. Im Gasthaus dominiert die Erinnerung an den Krieg. Wer nicht an der Front war, kann nicht mitreden. Und wer seine “Pflicht” nicht erfüllte, wird nicht so leicht akzeptiert. War einer gar im KZ, so ist es besser für ihn, den Mund nicht aufzumachen.15) Dabei war St. Pantaleon sicherlich nicht stark nationalsozialistisch eingestellt. Dieser Ort war eher christlich-sozial bis monarchistisch, und der NS-Ortsgruppenleiter und Bürgermeister war eher unbeliebt. Trotzdem entstand nie eine Stimmung gegen den Nationalsozialismus und für den Widerstand. Schon gar nicht nach 1945. Die ehemaligen Soldaten der Deutschen Wehrmacht und der österreichischen Armee des Ersten Weltkrieges haben ihren Kameradschaftsbund mit jährlicher “Heldenehrung” auf dem Friedhof. Der ehemalige KZ-ler kann zu Hause bleiben oder seine Kameraden in Wien besuchen. Im Rahmen der Projektwoche der Hauptschule kam Jaro Dvorak als ehemaliger politischer Häftling des Konzentrationslagers Dachau erstmals im eigenen Ort zu Wort. Und ein Jahr später viele andere, welche wie er gegen den Nationalsozialismus waren.

Das ist schon eine Ergänzung der Ortschronik. Zwar noch nicht geschrieben, aber ausgesprochen. Franz Jägerstätter, welcher nur wenige Kilometer weiter in St. Radegund lebte, hat jedoch bis heute fast nur Gegner. Die meisten St. Pantaleoner können und wollen nicht verstehen, daß Jägerstätter recht hatte, weil er es ablehnte, in einem ungerechten Krieg zu kämpfen und damit dem Terrorregime der Nazis zu dienen.16)

Aber es ist nicht nur dieser Prozess des gemeinsamen Erinnerns in Gang gekommen. Die Ausstellung der Fotos l7) aus dem “Zigeunersammellager” Weyer brachte konkrete neue Informationen, welche den Historikern bis jetzt aus den noch vorhandenen und zugänglichen Akten nicht bekannt waren. Ein Beispiel: Frau Theresia Hamberger arbeitete laut Arbeitsbuch vom 29.Jänner 1941 bis 15. Feber 1942 im Zigeuneranhaltelager Weyer l8) in St. Pantaleon. Wegen dieser Eintragungen ist Frau Hamberger zu glauben, wenn sie berichtet, daß sie mit den etwa 300 Zigeunern aus Weyer über Salzburg nach Lackenbach fuhr. Die Zeitgeschichtsforschung ging immer davon aus, daß der Abtransport über Linz und einige Monate früher geschah. Auch über die Unterschiede in den verschiedenen Lagern war bis jetzt wenig bekannt. Den Eindruck, welchen die Fotos aus dem Lager Weyer im Vergleich zu den Lagern in Salzburg und Lackenbach vermitteln, wurde durch die Schilderung bestätigt. Auch war nicht bekannt, daß Zigeuner aus Auschwitz-Birkenau nach Weyer geliefert wurden. Frau Hamberger beschrieb jedoch die eintätowierten Nummern, welche eindeutig darauf hinweisen, daß diese Menschen tatsächlich in Auschwitz-Birkenau waren. Bei aller Vorsicht beim Umgang mit derartigen mündlichen Quellen kann doch davon ausgegangen werden, daß durch “oral history” 19) das Bild über diese “kleinen KZs” vervollständigt werden kann. Dies besonders dann, wenn die Möglichkeit besteht, die mündlichen Informationen an Hand von Dokumenten zu überprüfen. Außerdem decken sich die voneinander unabhängig gemachten Aussagen über Einzelheiten. So schildert etwa Frau Lindenbauer den Abtransport der Zigeuner ähnlich wie Frau Hamberger. Lindenbauer habe ich bereits eingangs zitiert. Hamberger sagt zum Abtransport:

,Ja, wir haben viel Schnee gehabt, wie wir sie weggebracht haben. Einige hätten ja marschieren müssen bis Bürmoos, weil aber so viel Schnee war, haben wir sie mit Lastwagen hingebracht. Das war im Jänner 1942.” 20)

Hamberger hatte mir aber auch erzählt, daß nach dem Krieg eine Zigeunerfamilie bei ihr war, welche sie aus dem Lager kannte. Einen weiteren Hinweis habe ich von Romani Rose, dem Vorsitzenden des Verbandes Deutscher Sinti und Roma, erhalten: Frau Hildegard Lagrenne soll jemanden auf den Fotos aus dem Lager erkannt haben. Leider habe ich von Frau Lagrenne noch keinen konkreten Hinweis erhalten, 2l) Es scheint jedoch möglich zu sein, Überlebende zu finden. Wenn dies der Fall ist, werde ich das Gespräch über das ehemalige “Zigeuneranhaltelager” fortsetzen und die Überlebenden zu Wort kommen lassen. Diesem Zweck dient auch die Veröffentlichung dieses Aufsatzes im Oberösterreich-Heft dieser Zeitschrift. Ich erhoffe mir Hinweise und bin für eine Nachricht sehr dankbar, 22) 1986 kam erst ein ehemaliger Häftling des “Arbeitserziehungslagers”: Alois Kreil berichtete den Gesprächsteilnehmern über die Unmenschlichkeiten, welche ihm damals von jungen Männern aus der engsten Umgebung angetan wurden. Nur zwei wollten es nicht glauben und begannen über die Schuld der Russen zu sprechen. Für die anderen war es ein Stück Ortsgeschichte, welches sie genau so beachtet sehen wollten wie die bereits niedergeschriebenen Teile.

Mir ging es darum, an Hand dieser Gemeinde einige Strukturmerkmale der Zeitgeschichtsforschung und der Vergangenheitsbewältigung auf unterster geographischer Ebene aufzuzeigen.

Trotz der vielfach auftauchenden Behinderungen bei der Erforschung des Nationalsozialismus “vor Ort” scheint es zumindest einige wenige Ausnahmen zu geben. Nicht alle Bürgermeister sind gegen diese Beschäftigung. Dies sei deshalb betont, weil einige Bürgermeister bekannt wurden, welche sich gegen eine derartige Aufarbeitung zur Wehr setzten. Vielleicht gelingt es jedoch in St. Pantaleon beispielhaft, die Ortschronik für die Jahre 1938 bis 1945 zu ergänzen?

Dies wäre nicht nur für diese Gemeinde zu wünschen, sondern auch ein Beispiel für tausende andere Gemeinden Österreichs.

Nach der Ergänzung der Ortschronik müsste dann noch das Kriegerdenkmal ergänzt werden: Ergänzt um die Opfer, welcher der örtliche Kriegerverein in den seltensten Fällen gedenkt. Ich schreibe bewusst ergänzt und nicht ersetzt, weil ich nicht davon ausgehe, daß es uns weiterhilft, wenn die bestehenden Denkmäler abgerissen werden. Ein Denkmal kann auch als Mahnung dienen, gerade wenn es auf ein fragwürdiges Lob von “Heldentum” hinweist. Es handelt sich ja bei der überwiegenden Zahl schlicht um in die Irre geführte Opfer eines verbrecherischen Krieges. Wir können nur hoffen, daß problematische Begleiterscheinungen in den Diskussionen um den österreichischen Bundespräsidenten das Verständnis für diese Fragen nicht beeinträchtigen, denn gerade auf lokaler Ebene würde sich die Fortsetzung dieser Arbeiten sehr lohnen.

Fußnoten

1) Zum Lager Lackenbach: Erika Thurner: Nationalsozialismus und Zigeuner in Österreich. (Veröffentlichungen der Zeitgeschichte, 2. Band.) Wien-Salzburg (Geyer) 1983. Dies.: Kurzgeschichte des Nationalsozialistischen Zigeunerlagers in Lackenbach (1940 bis 1945), Eisenstadt 1984.

2) Herbert Michael Burggasser: Zigeuner in Österreich, Diplomarbeit Universität. Wien 1980/81.

3) St. Pantaleon -200 Jahre Innviertel bei Österreich, St. Pantaleon 1979, S. 120.

4) Siegwald Ganglmair: Das “Arbeitserziehungslager” Weyer im Bezirk Braunau am lnn 1940-1941 Ein Beitrag zur Zeitgeschichte Oberösterreichs, in: Oberösterreichische Heimatblättter, 37. Jg. 1983, Heft 1.

5) Andreas Maislinger: ” Tirol am Atlantischen Ozean” -Die Jahre 1938 bis 1945, in: Andreas Maislinger-

Anton Pelinka (Hg.): Handbuch zur Geschichte Tirols, Band 4, Zeitgeschichte, Innsbruck (in Vorbereitung).

6) Gespräch mit Katharina Lindenbauer am 17. März 1985. Archiv Andreas Maislinger SNS 10.

7) Alexander und Margarete Mitscherlich: Die Unfähigkeit zu trauern. Grundlagen kollektiven Verhaltens. München 1967. Margarete Mitscherlich: Erinnerungsarbeit – Zur Psychoanalyse der Unfähigkeit zu trauern. Frankfurt am Main 1987.

8.) Erste Ansätze zu einer Organisierung gab es während der Tagung “Minderheitenpolitik -Vom Umgang mit Ausländern und ethnischen Minderheiten” der Gesellschaft für Politikwissenschaft im Juni 1987, Dr. Karl Renner-Institut, im Arbeitskreis Sinti und Roma.

9) Vom Bundesministerium für Inneres und der Österreichischen Lagergemeinschaft Auschwitz.

10) Bis jetzt sind Dokumentationen über Wien (3 Bände), Burgenland (1 Band), Oberösterreich (2 Bände), Tirol (2 Bände) und Niederösterreich (3 Bände) erschienen. In Bearbeitung ist die Dokumentation über Salzburg. Für Vorarlberg hat die Johann-August-Malin-Gesellschaft “Von Herren und Menschen -Verfolgung und Widerstand in Vorarlberg 1933-1945”, Bregenz (Fink) 1985, herausgegeben.

11) Andreas Maislinger:Spuren in die Vergangenheit, in: Oberösterreichische Heimatblätter, 40.Jg. 1986, Heft 2; ders. :Zeugen eines Putsches -Lamprechtshausen im Juli 1934 (in Vorbereitung).

12) Widerstand und Verfolgung in Oberösterreich 1934-1945, hgg. vom Dokumentationsarchiv des Österreichischen Widerstandes, Wien 1982, Band 2, S. 493- 504.

13) 40 Jahre Zeitgeschichte, Hauptschule St. Pantaleon 15.-19.4. 1985. Direktor Karlheinz Schönswetter, 5120 St. Pantaleon, Oberösterreich.

14) Informationen zur Vergangenheitsbewältigung sind erhältlich bei der Gesellschaft für politische Aufklärung (GfpA), Innsbrucker Sekretariat, Mag. Reinhold Gärtner, Innrain 52, 6020 Innsbruck, (0512) 724-3099. Unter anderem organisiert dee GfpA jedes Jahr zu Ostern eine Fahrt in die Gedenkstätte Auschwitz- Birkenau.

15) Andreas Maislinger: “‘, ‘eigentlich hatte ich schon alles bewältigt”, Gespräch mit Jaro Dvorak! 62 Jahre, 5 Jahre politischer Häftling Im KZ Dachau, lebt als Künstler in St. Georgen bei Salzburg; in: Jugendliche & Rechtsextremismus, Schulheft 31/1983.

16) Erna Putz: Franz Jägerstätter. “, ..besser die Hände als der Wille gefesselt. ..”, Linz-Wien (Veritas) 1985.

17) Die von Tischlermeister Georg Felber zur Verfügung gestellten Fotos wurden von der Gesellschaft für politische Aufklärung zu einer kleinen Ausstellung zusammengestellt. Diese kann vom Wiener Sekretariat,

Dr. Andreas Pribersky, Stumpergasse 56, 1060 Wien, (0222) 59991-169, angefordert werden.

18) Archiv Andreas Maislinger SNS 15/2.

19) Zur “oral history”: Gerhard Botz – Josef Weidenholzer: Mündliche Geschichte und Arbeiterbewegung. Eine Einführung in Arbeitsweisen und Themenbereiche der Geschichte “geschichtloser Sozialgruppen, Wien-Köln (Böhlau) 1984. Hubert Ehalt (Hg.): Geschichte von unten. Fragestellungen, Methoden und Projekte einer Geschichte des Alltags, Wien-Köln (Böhlau) 1984.

20) Gespräch mit Theresia Hamberger, Archiv Andreas Maislinger SNS 15/2.

21) Wer sich für die Situation der Sinti und Roma im deutschen Sprachraum interessiert, kann sich an folgende Adressen wenden: Gesellschaft für bedrohte Völker, Postfach 2024, D-3400 Göttingen. Verband Deutscher Sinti und Roma, Bergheimer Straße 26, D-6900 Heidelberg 1.

22) Dr. Andreas Maislinger, Institut für Politikwissenschaft der Universität Innsbruck, Innrain 100, 6020 Innsbruck.


Pferde müssen bewegt werden, dachten sich diese Kinder und nahmen die beiden Ponys kurzerhand auf einem längeren Spaziergang mit und alle Beteiligten hatten offensichtlich Spaß daran.


wegerWar früher unter anderem das Asphaltbahn-Stockschiessen die Hauptarbeit des rüstigen Weger – Großvaters, so hat er jetzt eine neue Beschäftigung gefunden.

Beeindruckend sind die Geburtsdaten dieses Holzhausener Gespannes!

Karl Kaltenegger
Austragsbauer vom Wegergut
in Holzhausen, St. Georgen
31. 12. 1912

Karina Kaltenegger
Urgroßenkerl
29. 10. 2001


Zahlreiche Besucher sind am 9. Mai 2002 zur Pferdesegnung nach Arnsdorf in Lamprechtshausen gekommen und konnten bei herrlichen Sonnenschein Reitergruppen und Gespanne bewundern.

Es waren sowohl einheimische, als auch Gruppen aus benachbarten Gemeinden zu dieser Brauchtumsveranstaltung gekommen.

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Die Pferde und Reiter präsentierten sich von ihrer besten Seite, Sepp Fersterer aus Bürmoos, selber ein begeisterter Haflingerzüchter begrüßte alle Beteiligten. Bürgermeister Ing. Johann Grtiessner sprach einige Grußworte und Pater Leopold segnete die Pferde.


Das Geschlecht der Edelfreien von Haunsberg  und seine politische Wirksamkeit läßt sich durch vier Generationen in der Zeit von ca. 1100 – 1215 verfolgen.

Friedrich I. von Haunsberg

Der erste bekannte Vertreter des Geschlechtes, war Burggraf des Erzbischofes Konrad I. auf Hohensalzburg.  1111 planten die Salzburger Ministerialen einen Aufstand gegen den Erzbischof, und ihr Anführer, der „prepositus“ Albwin, reiste nach Rom, um beim Papst Beschwerde gegen den Erzbischof zu führen. Bei seiner Rückkehr nach Salzburg wollte er sich nachts heimlich über die Salzachbrücke schleichen, aber Friedrich von Haunsberg, der als Kastellan den militärischen Oberbefehl hatte, ließ Albwin ergreifen und gemäß den rohen und grausamen Praktiken dieser Zeit blenden.

Wir finden Friedrich aber auch in enger Verbindung mit dem Marktgrafen von Österreich und Steiermark. Er beschenkte besonders die Klöster Garsten und St. Peter und tritt gemeinsam mit den stammesgleichen Freien von Bruckberg und den verwandten  Wilhering- Wachsenbergern auf.

Friedrichs ältester Sohn, Gottschalk I. von Haunsberg, war mit Ottilia, einer Tochter des Freien Ulrich von Wilhering, vermählt Als Mitgift der Ottilie dürfte die Herrschaft Wildberg nördlich von Linz an die Haunsberger gekommen sein. Auch die engen Bindungen an das Hochstift Passau, die erstmals bei Gottschalk I. festzustellen sind, dürften  durch die Wilhering- Wachsenberger vermittelt worden sein, übte doch dieses Geschlecht die Vogtei über den Passauer Besitz an der Donau aus, so dass auch die Erwerbung von Burg und Herrschaft Linz durch die Wilheringer vermittelt worden sein kann.

Gottschalk, der erste Haunsberger von Wildenberg und von Riedegg

Gottschalk erscheint als erster Haunsberger mit den Prädikaten „von Wildberg“ und „von Riedegg“, der zweiten großen Herrschaft im oberösterreichischen Mühlviertel. Gottschalk I. starb im hohem Alter von etwa 60 Jahren am 9. Nov. 1167 und liegt im Salzburger Dom begraben. Unter ihm erreichte das Haus Haunsberg den Höhepunkt seiner Machtentfaltung, doch schon unter seinen Söhnen setzte eine Stagnation ein – der langsame, aber unaufhaltsame Niedergang des mächtigen Geschlechtes stand bevor! Gottschalks Bruder Meginhard bekam nach Besitzteilung der Herrschaft Haunsberg die Güter im Mattiggau mit der „oberen“ Burg zugesprochen.

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Gottschalks jüngerer Bruder Friedrich II. von Haunsberg begegnete uns 1134 als Salmann (Testamentvollstrecker) einige Ministerialen des Babenbergers Otto, des späteren Bischofs Freising. Er tritt in den folgenden Jahren fast durchwegs im Gefolge des Salzburger Erzbischofs Konrad I. auf, verfiel aber aus nicht näher genannten Gründen dem Kirchenbann. Um die Lösung der Exkommunikation zu erreichen, reiste er 1144 nach Rom. Um 1150 entschloß er sich zu einer Pilgerfahrt nach Santiago de Compostella (in Spanien), auf der er den Tod gefunden haben dürfte. Als Schwestern konnten wir eine Benedikta, eine Luitgard und eine Gertrud ermitteln.

Das Geschlecht der Haunsberger wurde in der Dritten Generation durch die Söhne Gottschalks I., Friedrich III. und Ulrich I. von Hainsberg fortgepflanzt. Von Friedrich III., der zuerst als Gefolgsmann der Salzburger Erzbischöfe erscheint, wird berichtet, da er um1166 gemeinsam mit den Freien von Bruckberg und den Söhnen des Grafen Siboto IV. von Neuburg-Falkenstein seine Ansprüche auf das „Handgemal“ das Gut Geiselbach bei Erding in Oberbayern, durchsetzten bzw. behaupten konnte. Er taucht 1171 ein letztes Mal bei Herzog Friedrich von Österreich auf. Sei Sterbetag ist im Wilheringer Totenbuch mit 28. März angegeben.

Friedrichs älterer Bruder, Ulrich I. von Haunsberg, nannte sich auch nach Wildberg und seine Witwe Adelheid ließ im Verlauf von Besitzstreitigkeiten mit ihrer Verwandten Elisabeth von Griesbach – Wachsenberge um 1197 die Grenzen zwischen den Herrschaften Wildberg und Wachsenberg feststellen. Um 1180 ist Ulrich in Michaelbeuern in Traditionsurkunden bezeugt, wobei er hier mit seinem Sohn Heinrich eine Schenkung der Nußdorfer – den ritterlichen Gefolgsleuten der Haunsberger – an das Kloster Michaelbeuern gewährt. Um 1182 gab er als Entschädigung für geraubte Güter vier Höfe zu Stritzing (wahrscheinlich bei Offenhausen, OÖ) an das Kloster Mondsee und beschenkte auf seinem Totenbett die Klöster St. Peter (Gut Kettenbach bei Tittmoning) und Raitenhaslach (Hof Holzhausen). In den Nekrologien von Nonnberg, St. Peter und Wilhering ist sein Gedenktag am 20. April. Die Schwester Judith war mit einem Freien von Haselbach – Wolfsbach vermählt.

Die Edle Mechthild von Haunsberg und ihr Bruder, deren Platz in der Genealogie der Haunsberger nicht näher geklärt ist, verwendeten ihren reichen Besitz samt der Burg in St. Georgen an der Salzach zur Stiftung und Ausstattung der dortigen Pfarre. Die Güter reichten von Laufen bis Tarsdorf bei Ostermiething! Damit wurde St. Georgen zu einer überaus reichen Pfarre, die über ungewöhnliche Herrschafts-und Gerichtsrechte („Freie Herrschaft“ oder Hofmark) verfügte.

Der Bruderkampf der letzten Haunsberger

Der Sage nach endete das Geschlecht der Haunsberger auf tragische Weise, denn schon am Beginn des 13. Jahrhunderts schmolz dieses Geschlecht auf zwei Brüder zusammen, und die Sage erzählt von einem schrecklichen Ende der beiden Brüder Harthold und Dypold, den letzten beiden Haunsbergern und Besitzer der unteren Burg, welche sich verfeindeten  und bei einem Zusammentreffen am Eingangstor bzw. an der noch heute sichtbaren Schwelle der Schloßkapelle einander im Zweikampf töteten. Daraufhin sei die Felsenburg noch 1211 vom Erzbischof „zur Strafe dieser Greueltat“ eingezogen worden. Vermutlich kam es um 1200 zu dem Streit der beiden Brüder. Als Ursache hiefür gelten – wie die Sage anführt – eine sträfliche Neigung zur eigenen Schwester und im besonderen der Zwist um die Anrechte auf die Erbgüter.

Auch König Ludwig von Bayern, der 1813 als Kronprinz mit dem bayrischen Heer vor Laufen stand und sich im Schloß Weitwörth mit der jungen Kronprinzessin Therese von Bayern aufhielt, hat von dem dramatischen Geschehen auf der nahegelegenen Bergruine gehört. In poetischer und – seiner Zeit entsprechend – romantischer Form gibt es das dort oben geschehene „schröckliche Endt“ der letzten Haunsberger in seiner Ballade wieder:

Sehet dort auf jenen Höhen
An des Klausners Zell vorbei,
Trümmerndes Gemäuern stehen,
Ragen in die Lüfte frei.

Gräßlich tuts dort oben hausen
Dumpfes Stöhnen wird gehört,
Schaudervoll vernimmt man´s sausen,
Wo das Bergschloß liegt zerstört.

Lang in dieses Schlosses Mitte
Hohen Muthes ungeschwächt,
Treu der alten biedern Sitte
War ein ritterlich Geschlecht;

Lebte froh und lebte bieder,
Bis von Habsucht arg gefaßt,
Die zwei letzten, welche Brüder,
Mordbegierig sich gehaßt.

Unfern von den grünen Wiesen,
Die hindurch ein Bach sich schmiegt,
Sich die Brüder niederstießen,
Wo die schmale Stelle liegt.

Drum verweilet tiefe Trauer,
Wehet immer grausend da,
In den Lüften Geisterschauer
Wo die blut´ge Tat geschah.

Jährlich an demselben Tage
Flammen werden zwei geseh´n:
Mit dem mitternächt´gen Schlage
Gräulich hört man dort es geh´n.

Und die Flammen kommen wieder,
Wo geschah der Brudermord,
Bis gegenseitig Brüder
Einst das Leben retten dort.

Das dem Streit folgende Ende der Haunsberger wird damit bildhaft durch den Zweikampf geschildert und besonders durch das „Auseinanderfallen im Tode“  („ … daß der ain hinein und der andere heraus todter gefallen ist.“) dargestellt.

In der Legende endet der Streit für beide tödlich. In Wahrheit unterlag nur einer, nämlich Heinrich, der nach 1200 in den Quellen nicht mehr genannt wird und in der Versenkung verschwand. Entweder geriet er in die Gefangenschaft seines Bruders und mußt Unfehde schwören, oder er fiel tatsächlich im Zweikampf, wie die Sage meint. Dem Sieger, Gottschalk, wurde in der Sage der Name Dypold (Theobald; Theo = lat. Gott) gegeben, und des Verlierers Name Heinrich in Harthold verändert. Wahrscheinlich wurde diese Angleichung der Namen vorgenommen, um dadurch die Vorstellung von Zwillingsbrüdern und also besonders naher Verbundenheit zu erwecken.

Der letzte Haunsberger

Gottschalk II. von Haunsberg, der jüngere Sohn Ulrichs I., ist der letzte Vertreter seines Geschlechtes und bis 1215 beurkundet. Zu seinen Lebzeiten vollzog sich der rasche und völlige Niedergang der Familie. Er starb 1215 oder bald darauf kinderlos.

Gottschalk muß das Ende seiner Familie schon viele Jahre vor seinem Tode vorausgesehen haben, denn um 1190 hat er seine Hoheitsrechte an die benachbarten Grafen von Lebenau abgetreten. Darüber wurde zwar keine eigene Urkunde ausgestellt, aber seit dieser Zeit treten die einstigen Haunsberger Dienstmannen und Burggrafen im Gefolge der Grafen von Lebenau auf, von denen auch die Gerichtsrechte im Haunsberger Gericht östlich der Salzach wahrgenommen wurden.

Die große Eigenherrschaft Wildberg ging 1198 als Ausstattung von Gottschalks Schwester Adelheid an deren Gemahl Gundakar von Steyr – Starhemberg, einem Ministerialen der Babenberger, über. Bei dieser Gelegenheit wurde die Herrschaft von Gottschalk dem Bischof Wolfger von Passau aufgetragen, und der Bischof verlieh Wildberg als Lehen dem Gundakar von Steyr. An das Hochstift Passau fiel auch Riedegg, die zweite große Nordwaldherrschaft der Haunsberger in Österreich ob der Enns. Das Gebiet von Linz kam an Herzog >Leopold VI. von Österreich (um 1206), wobei die Eintragung im Landbuch von Österreich  und Steyr an einen erzwungenen Übergang denken läßt.

Gottschalk dürfte sich in seinen letzten Lebensjahren auf die Burg Haunsberg bei St. Pankraz, den alten Stammsitz des Geschlechtes, zurückgezogen haben. Nachdem schon seine Eltern die „obere Burg“ dem Erzbischof von Salzburg übergeben hatten, verkaufte Gottschalk II. am 6. Juli 1211 die „untere Burg“ zu St. Pankraz mit den Burgmannen und den ritterlichen Eigenleuten beim „Rinderholz“ um 100 Pfund dem Salzburger Erzbischof Eberhard II. Jedoch hat sich der Haunsberger das lebenslängliche Wohn- und Nutzungsrecht und die Bestimmung des Burggrafen (Marquard von Haunsberg) ausdrücklich vorbehalten.

Aus dieser Zeit sind nur mehr einige fast verwehte Spuren des Andenkens an ein großes untergegangenes Geschlecht geblieben, die uns nur mehr einen Hauch von vergangener Macht und Größe erahnen lassen. Die einst zinnen- und wappengekrönte Burgruine Haunsberg von St. Pankraz erinnert an die entschwundene Zeit des einstigen alten Stammsitzes der Haunsberger. Doch das Geschlecht ist längst ausgestorben; ihre Wappenschilder sind zerbrochen und mit Gottschalk II., der in einer Michaelbeuerer  Urkunde von 1215 einletztes mal bezeugt ist, wurde der letzte Haunsberger ins Grab gelegt. Mit ihm erlöscht das Geschlecht.

Die Haunsberger haben damit – trotz der relativ kurzen Blüte des edelfreien Geschlechtes – die Geschichte Oberösterreichs und Salzburgs nachhaltig beeinflußt. Die Babenberger konnten aus dem Besitz der Haunsberger Linz übernehmen, das später zur Landeshauptstadt von Oberösterreich wurde, und die Westgrenze in diesem Gebiet (Salzach) und die Nordgrenze des heutigen Bundeslandes Salzburg von St. Georgen über Michaelbeuern bis in die Gegend von Straßwalchen („Rinderholz“) geht im Wesentlichen auf den Besitz der Edelfreien von Haunsberg zurück, der im 13. Jahrhundert an die Salzburger Erzbischöfe gefallen ist. Auch in den Ruinen ihrer Burgen – steinerne zeugen ihrer einstigen Macht und Größe – , in den Grabsteinen der alten Stifter (vorzüglich Michaelbeuern) und einigen wenigen, noch auf unsere Tage übernommenen Stiftungen, scheint sich ihr Andenken erhalten zu haben.

Auszug aus der Weinviertler Kulturzeitung “ZEITGEIST” Ausgabe 4/89.
Mag. phil. Gerhard Michalek, geb. 1951 in Salzburg. Dissertation bei Prof. Dopsch: “Die Edelfreien von Haunsberg – Wildberg – Riedegg – Linz. Herkunft, Aufstieg und Herrschaftsbildung eines führenden bayerisch-salzburgischen Adelsgeschlechtes im Hochmittelalter”

Übersicht:
Gerhard Michalek: Die Haunsberger, ein vergessenes österreichisches Geschlecht. Teil 1/ 3

Gerhard Michalek: Herkunft und Aufstieg der Haunsberger. Teil 2/ 3
Gerhard Michalek: Das Ende der Haunsberger. Teil 3/ 3


Die Abkunft der Haunsberger wird bis in die Zeit König Karls des Großen und Bischof Arnos, also bis ins ausgehende 8. Jahrhundert, zurückgeführt. Verliert sich auch der erste Besitzvorgänger der Haunsberger im mythischen Dunkel der beginnenden Karolingerzeit, so führt doch eine schmale Brücke besitzgeschichtlich – genealogischer Nachrichten von jenen Anfängen im 8. Jahrhundert bis zu dem ersten namentlich beurkundeten Haunsberger, Friedrich I. von Haunsberg. Jedoch müssen schon Friedrichs Vorfahren rüstig am Werk gewesen sein, einen solchen Besitzstand zu begründen. Mit einem Worte: Alles erinnert an die ruhmvolle Zeit Kaiser Heinrich III., da das Deutsche Reich seine größte Ausdehnung nach Osten erhielt.

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Bereits im Jahre 798 erscheint erstmals der Name Haunsberg in den „Breves Notitiae“ als Mons Hunsperch: „Donatio Liuperti ad Nuzdorf (erste Nennung von Nußdorf am Haunsberg!) iuxta montem qui vocatur Hunsperch“.  Der Name „Haunsberg“ ist wohl von dem althochdeutschen Personennamen Huno („Hühne“) abzuleiten, heißt als Berg des Huno, von welchem sich auch der Familienname der späteren Haunsberger  ableitete. Dieser Edle Huno, dessen Name auch auf den Volksnamen der „Hunnen“ (Awaren!) hinweist, dürfte am Haunsberg einen Sitz gehabt haben, und war auch zu Heining („Huning“, nahe Laufen) und in der Gegend von Köstendorf begütert, wo er um 800 mehrere Höfe an das Kloster Mondsee vergab, wie der Traditionsindex berichtet.

Wir können hier also folgendes festhalten: Trotz einiger früherer Nennungen (aus dem späten 8. Jahrhundert) läßt sich quellenmäßig keine sichere genealogische Verbindung zu den später hier auftretenden Haunsbergern nachweisen. Die Edelfreien von Haunsberg, die gegen Ende des 11. Jahrhundert erstmals in den Quellen auftauchen, haben den Namen dieses Berges angenommen, auf dem sie ihre namengebende Stammburg erbauten (die Felsenburg „Haunsberg“, die auf dem vorspringenden Felshöcker oberhalb der heutigen Pankrazenkirche einst stolz in das Oichten- und Salzachtal herniederragte) und nannten sich fortan nach diesem Berg und dieser Burg „von Haunsberg“.

Als Indiz für die Herkunft der Haunsberger wurde bisher allgemein die „Hantgemalnotiz“ aus dem berühmten „Codex Falkensteinensis“ der Grafen von Neuburg-Falkenstein (an der Mangfall und am Inn) herangezogen, wonach die Haunsberger und die Bruckberger mit den Grafen von Falkenstein  das Falkenstein´sche Handgmal (praedium libertatis) –ein gekennzeichnetes Sondergrundstück – in Geiselbach (bei Erding in Oberbayern) besessen hatten. Eine Abkunft von den Falkensteinern, die auch Besitztümer in Niederösterreich hatten, läßt sich daraus aber nicht ableiten, eher schon eine Verwandtschaft mit den Herren von Bruckberg, deren Leitname auch Friedrich war.

Von maßgeblicher Bedeutung für den Aufstieg der Haunsberger ab dem späten 11. Jahrhundert dürfte eine Verbindung zu den Grafen von Tengling aus der Sippe der Sighartinger im unteren Salzburggau gewesen sein; so hatten die Haunsberger ihre Familiengrabstätte und Kapelle („Haunsberger- oder Marienkapelle“) im Sighartinger Hauskloster Michaelbeuern. Dazu paßt, daß ein gewisser Engelschalk – ein Edler aus der Umbebung – bei der Michaelbeurer Einweihungszeremonie von 1072 zugegen war. Jener Engelschalk, der wahrscheinlich eine Sighardingerin zur Frau nahm, welche ihm den reichlichen Besitz nördlich und westlich der Oichten bis über die Moosach hinaus in die Ehe mitbrachte, könnte als der Vater Friedrichs I. von Haunsberg angesehen werden. Aus dieser Verbindung ließe sich erstens der riesige haunsbergische Besitzkomplex zwischen Oichten und Weilhartforst  und zweitens der haunsbergische Leitname Friedrich, der auch bei den Grafen von Tengling üblich war, plausibel erklären.

Nun die weitere Entwicklung: Im 11. Jahrhundert vollzogen sich gravierende Umwälzungen, die den Ausbau der Herrschaft Haunsberg und damit letztlich auch den Aufstieg des Hauses Haunsberg ermöglichten. Damit sind wir in ein entscheidendes Entwicklungsstadium getreten, in welchem die Weichen für die folgenden Jahrhunderte gestellt wurden.

Es erhebt sich die Frage, wie diese Dynastie ihren Aufstieg geschafft hat. Die Ausgangslage für die Haunsberger hatte sich inzwischen grundlegend geändert, und zwar zugunsten derselben. Mit der 1040 erfolgten Abtretung des weitläufigen Reichsbezirkes zwischen Haunsberg und Buchberg an Passau, welcher von Mattsee aus verwaltet wurde, eröffnete sich den Haunsbergern im Osten ein extensives Aktionsfeld, wobei diese durch einen schrankenlosen Expansionsdrang in Erscheinung traten. Gegen Ende des 11. Jahrhunderts wurden die Grundlagen geschaffen, auf denen Friedrich I. und seine Nachfahren weiterzubauen vermochten.

Es ist faszinierend zu beobachten, wie es den frühen Haunsbergern gelang, aus doch dürftigen Anfängen heraus eine bedeutende Machtstellung zu erringen. Die Haunsberger haben zunächst den Hebel ihrer Macht vor allem an der Westseite des Haunsberges (besonders um ihre Herrschaftszentrum mit der Burg Hausberg zu St. Pankraz) – also im Oichtental – angesetzt, gründeten dann als Passauer Vögte in ihrer neuen Einflußzone an der Ostseite des Haunsberges eine weiter Burg, die „obere Burg“ zu Au bei Obertrum und haben aus der Schar der hier hausenden kleineren Edelfreien einen verhältnismäßig geschlossenen Bezirk herausgesprengt und botmäßig gemacht (so zum Beispiel die Nußdorfer auf der westlichen Seite des Haunsberges). Überdies vermag uns die räumliche Verteilung ihrer Dienstmannen wichtige Aufschlüsse über den Machtbereich zu geben. Soviel kann bereits gesagt werden: Es zeigt sich, daß dieser Machtbereich bis ins frühe 13. Jahrhundert hinein im Großen und Ganzen gehalten werden konnte und daß sich ihre Ministeralität besonders im Oichtental verdichtete.

Vor 1000 rieseln die historischen Quellen dünn; von den Haunsbergern kennen wir bis dahin kaum mehr als ihre Namen. Das ändert sich erst, als der energische Friedrich I. das Ruder ergriffen hatte, welcher das angesehene Burggrafenamt auf der Festung Hohensalzburg gewann. In zahlreichen Urkunden aus Klöstern und (Hoch)-Stiften von der Salzach bis zur Donau finden wir seinen Namen verzeichnet und häufig auch einige Leute aus seinem Gefolge.

Diese Dienstmannen oder Ministerialen sind niedere Adelige, die zum Führen von Waffen berechtigt sind, also ritterlichen Standes, dabei aber unfrei, also „Eigentum“ ihres Herrn, der sie zu verschiedenen Diensten abkommandieren konnte. Sie waren zu strengem Gehorsam verpflichtet, stellten die Kampftruppe, verteidigten die Burgen, verwalteten die Herrschaftsräume und stellten ihrem Herrn die engsten Vertrauten.

Bezeichnend für die Zielstrebigkeit der Haunsberger war der Versuch, „ihr“ Gebiet unter Kontrolle zu bringen, es also machtmäßig zu durchdringen. Dabei bedienten sie sich der damals üblichen und durchaus nicht zimperlichen Machtmittel, die sie ohne viel Federlesens konsequent und kompromißlos Handzuhaben wußten. Die Vogtei mit ihren damit verbundenen Gerichts- und herrschaftsrechten stellte dabei den Ansatzpunkt dar, die abhängigen Ritter (milites) und Ministerialen, mit denen dort die Machtpolitik fortgesetzt wurde, wo die Rechte endeten, den Machthebel, und das Ergebnis war eben jene Herrschaft Haunsberg, wie sie – zusammengewachsen aus verschiedenen Komplexen – um 1100 vor uns lag und dabei für lange Zeit den tonangebenden Machtfaktor zwischen Salzach und Mattig darstellte.

Werfen wir noch einen kurzen Blick zurück. Wir haben nun gesehen, welche Aufstiegsmöglichkeiten sich da einem energischen und unablässig auf seinen Vorteil bedachten Geschlecht aufgetan haben. Die >Haunsberger sind auf hochstiftischem Besitz, nämlich auf Passauer Besitz, groß geworden. Als Vasallen und Vögte auf altem Passauer Besitz bauten sie konsequent ihre Adelsherrschaft auf. Hiezu kam noch reiches erbe aus ehelichen Verbindungen (zum Beispiel das Sighartinger Erbe). So stellte sich nun das Bild haunsbergischer Macht im ausgehenden 11. jahrhundert als ein komplexes Ineinander verschiedener Rechte dar, so daß neben „quasigräflichen“ Rechten, die die Haunsberger im Norden der Stadt Salzburg und östlich der Salzach ausübten, auch die militärische Schlagkraft des anwachsenden ritterlichen Gefolges in Betracht zu ziehen ist.

Waren um diese Zeit im haunsbergischen Raum andere ernstzunehmende Rivalen nahezu ausgeschaltet, so bot doch das nähere Umland – besonders der Raum nördlich des Oichtenflusses – gute Expansionsmöglichkeiten. Rücksichtslose Machtpolitik, die günstige Konstellation der Machtverhältnisse, sowie jegliche Ausnützung der Gunst der Verhältnisse waren hierbei die tragenden Momente. Denn jenes Herrschaftsgebilde, das sich in den letzten Jahrzehnten des 11. Jahrhunderts um den Haunsberg entwickelte, erhielt nun unter Friedrich I. von Haunsberg eine neue historische Dimension.

Auszug aus der Weinviertler Kulturzeitung “ZEITGEIST” Ausgabe 3/89.
Mag. phil. Gerhard Michalek, geb. 1951 in Salzburg. Dissertation bei Prof. Dopsch: “Die Edelfreien von Haunsberg – Wildberg – Riedegg – Linz. Herkunft, Aufstieg und Herrschaftsbildung eines führenden bayerisch-salzburgischen Adelsgeschlechtes im Hochmittelalter”

Übersicht:
Gerhard Michalek: Die Haunsberger, ein vergessenes österreichisches Geschlecht. Teil 1/ 3

Gerhard Michalek: Herkunft und Aufstieg der Haunsberger. Teil 2/ 3
Gerhard Michalek: Das Ende der Haunsberger. Teil 3/ 3


Der Haunsberg

Der 835 m hohe Haunsberg, bekannt durch die „Kaiserbuche“, ist ein lang gezogener Höhenrücken aus Flyschstein nördlich der Stadt Salzburg. Hier war die Stammheimat der Haunsberger, die dem Berg den Namen gaben.

Das Geschlecht der Haunsberger teilte das Schicksal der meisten Edelgeschlechter dieser Zeit, es wurde Opfer der zielstrebigen Territorialpolitik der großen Fürsten in diesem Raum: Der Salzburger Erzbischöfe, der Bischöfe von Passau, sowie der Herzöge von Österreich und der Steiermark.

Als um 1200 der rasche Niedergang einsetzte, war kaum ein halbes Jahrhundert vergangen, seit unter Gottschalk I. Besitz, Macht und Ansehen der Familie ihren Höhepunkt erreicht hatte. Bereits in der Generation nach Friedrich I., dem erstgenannten Haunsberger um 1100, standen die Haunsberger auf dem Gipfel ihrer Macht.

Der Raum, den sie kontrollierten, wird im Salzburgischen etwa durch den nördlichen Flachgau umschrieben, wie er heute noch in der Grenzziehung des Landes Salzburg zum Ausdruck kommt. So reichte das riesige Herrschaftsgebiet von der Gegend des sogenannten „Rinderholzes“ – der Grenzscheide bei Straßwalchen – im Osten, bis zur Salzach im Westen und dem Weilhartforst im Nordwesten (Tarsdorf) und schließlich bist in die Gegend der oberen Oichten bei Michaelbeuern im Norden.

Das Stammschloß Haunsberg, einst Mittel- und Ausgangspunkt der Herrschaft Haunsberg, lag am Westfuß des Haunsberges in beherrschender Lage auf einem Felssporn bei St. Pankraz. In ihrer Herrschaft befanden sich zahlreiche Rittersitze, wie etwa Nußdorf, Eberharten, Reitsberg, Eitelsberg, Willenberg, Riedlkam, Bruck, Lamprechtshausen, Schwerting, Stockham, Jedendorf, Elling, Eglsee, Nopping, Göming, Oberndorf, Eching, Holzhausen, Roding, Weidenthal, Weidach, Steinbach, etc. Diese Ritterfamilien, die in befestigten Höfen wohnten, sorgten letztlich dafür, daß der Wille ihres Herrn überall in dessen Machtbereich galt.

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Die bedeutenden Besitzungen der Haunsberger reichten über den Attergau und Traungau hinaus bis zur Donau, wo sie die Stadt und Herrschaft Linz besaßen. Im Mühlviertel gründeten sie die Rodungsherrschaften Wildberg und Riedegg, die von der Donau bis zur böhmischen Grenze, der Moldau, reichten. Ihre zerstreuten Besitzungen reichten weit nach Bayern, Tirol, Kärnten, Steiermark und Oberösterreich. Auch im Pinzgau und im Pongau waren sie begütert. Sie waren auch Eigentümer vieler Zehentrechte, des „Bades in der Gastein“ (Wildbad) und dem „Heilprunner Mittereck“ (heute „Hotel Straubinger“).

Der Grundriß

Die “Capella regia” zu St. Pankraz/ Haunsberg wurde als Nachfolgerin der alten Haunsberger Burgkapelle unter Erzbischof Johann Ernst Graf von Thun erbaut und vom feb. Koadjutor Franz Anton Graf von Harrach, dem nachfolgenden Fürsterzbischof, im Jahre 1707 geweiht. Die Kirche stellt ein Schulbeispiel für einen hochbarocken Sakralbau dar, wobei der italienische Einfluß unverkennbar ist. Als Besonderheit gelten die beiden Kanzeln, sowie die alte Orgel und das Chorgestühl. Auch kann auf eine kunsthistorisch reiche und interessante Innenausstattung hingewiesen werden.

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Außer den zwei Hauptburgen auf dem Haunsberg, der „oberen“ Burg beim Gasthof Au (nahe der Kaiserbuche), weiters der in den Ruinen noch erkennbaren Stammburg zu St. Pankraz bei Nußdorf („untere“ Burg) und den Burgen bei Arnsdorf und St. Georgen, hatte diese Familie entsprechend ihrer bedeutenden Stellung im Lande auch einen zinnenbekrönten Wohnturm in der Stadt Salzburg, eine Art „Stadtpalais“. Dieser „Haunspergerhof“ stand an der Stelle des Hauses „Mozartplatz 4.“ Es ist auf der „Schedelschen Weltchronik“ von 1493 noch deutlich zu erkennen und war direkt an der Salzach gelegen, die damals noch wild und uneingedämmt in voller Breite bis zum Steintor floß. Er erhob sich ebenso wie das mittelalterliche Rathaus durch seine wehrhafte Form deutlich von den bürgerlichen Häusern ab. Ein letzter Rest dieser feudalen Wohntürme ist noch am „Bankhaus Daghofer“ zu erkennen, das einst den Frauen von Lamberg gehörte.

Der Salzach zu hatte der Haunspergerhof wegen der Hochwassergefahr kein Tor. Aber er hatte ein nicht von einer Wache besetztes großes Fenster, durch das „man bei Tag und Nacht ein- und ausgehet.“ Der Verkehr durch dieses Fenster zur Salzach hin entzog sich also mit all seinen Konsequenzen der erzbischöflichen Stadtaufsicht. Man wird das Fenster dort mit gutem Grund angebracht haben, um eigenen Salzachschiffe besteigen zu können. Die Hausberger, die auch Stadtkommandanten auf der Festung Hohensalzburg waren, waren „Erbhausfergen“. So bezeichnete man die Inhaber des einträglichen Rechts, das Halleiner Salz per Schiff nach Laufen zu verfrachten. So brauchten die Schiffe nur an der Flußseite des Stadtsitzes dieser Familie anzulegen, damit das Frachtgut ohne Kenntnis der erzbischöflichen Behörden abgewickelt werden konnte. Daß der Haunsberger Wohnturm in der Stadt Salzburg das so seltene Recht der „Kaiserlichen Freiheit“ hatte, beweist, welch hohes Ansehen diese Familie hatte. Das Privileg lautet: „Wer einen in das Haus Geflohenen heimsucht, das heißt, mit Gewalt dort eindringt, um ihn zum Duell zu fordern oder zu verhaften, dem sei die Hand abgehackt. Es soll auch kein Richter diesen aus dem Haus nehmen (abführen)“.

Der Tod Friedrichs II. um 1160 und Gottschalks I. 1167 brachte noch keinen grundlegenden Einschnitt. Gottschalks Sohn Ulrich I. war der unbestrittene Herr. Dann aber trat eine dramatische Wende ein, die beinahe in ein Finale furioso ausmündete. Die Zahl der Schenkungen ging stark zurück. Noch vor der Jahrhundertwende zeichnete sich mangels einer legitimen Nachkommenschaft des letzten Haunsbergers, Gottschalk II., das Ende der Dynastie Haunsberg ab. Das bedeutete aber eine abermalige Wendung der Herrschaftspolitik. Nicht mehr Gewinn von neuen Stützpunkten, weitere Ausdehnung der Macht war jetzt das Ziel, sondern Konzentration auf die Hauptzentren, Sicherung und Erhaltung des Besitzstandes, und wenn dies nicht mehr möglich schien, möglichst günstige Veräußerung derselben.

Hand in Hand mit dem Machtverlust begann auch der Zerfall der Dienstmannschaft. Niemand wußte genau, was nach dem Ende der Haunsberger folgen würde, also galt es, sich abzusichern. Ein Teil der Dienstmannen scheint sich mit dem Erzbischof, ein anderer mit den Grafen von Lebenau – den westlichen Nachbarn – arrangiert zu haben, indem sie in die Gefolgschaft eines neuen Herrn traten. Wer aber harte Strafen und Sanktionen der Haunsberger Herren fürchtete oder im ritterlichen Dienst keine Zukunft für sich sah, der legte das Schwert aus der Hand und stellte sich als Zensuale (Zinsbauer) unter den Schutz eines Klosters.

Die Herren von Haunsberg hatten in machtpolitischer Hinsicht über ihre Verhältnisse gewirtschaftet – sie hatten sich schlichtweg übernommen. Die Herrschaft Haunsberg glich fast einem Heerlager angesichts der großen Zahl der Ritter. Der Aufruf zum dritten Kreuzzug mochte vielen von ihnen als willkommenes Absprugbrett gedient haben. So mancher Ritter oder edle Knecht, der Zuhause nichts mehr zu erhoffen hatte, schloß sich an.

Es beginnt nun das letzte Kapitel des Hauses Haunsberg, der „Schwanengesang“. Gottschalk II. von Haunsberg war der letzte  seines Geschlechtes. Er hatte alle Hände voll zu tun, die Besitzungen zusammen zuhalten, die von der Moldau im Norden bis zu den Alpen im Süden reichten. Wie hätte er da noch Zeit und Gelegenheit finden sollen, seine Macht zu erweitern? Schweigen breitete sich aus, noch ehe es mit der Dynastie zu Ende ging.

Das Ende kam auf Raten: 1198  trug Gottschalk II. seine große Mühlviertler Herrschaft Wildberg dem Passauer Bischof auf, damit dieser seinen Schwager Gundaker von Steyr-Starhemberg, der Gottschalks Schwester Adelheid geehelicht hatte, damit belehnte. Um 1206 verkaufte Gottschalk II. die Stadt Linz mit ihrer wehrhaften Burg dem Babenbergerherzog Leopold VI. von Österreich. Das Jahr 1211 bildete mit dem Verkauf der Stammburg Haunsberg (zu St. Pankraz) an den Erzbischof einen wichtigen Markierungspunkt, und das Jahr 1215 setzte mit dem Tod Gottschalks II. den Schlußpunkt in der langen Ahnenreihe der Haunsberger. Es war ein Ende in jeder Hinsicht – das stolze Geschlecht war erloschen.

Auszug aus der Weinviertler Kulturzeitung “ZEITGEIST” Ausgabe 2/89.
Mag. phil. Gerhard Michalek, geb. 1951 in Salzburg. Dissertation bei Prof. Dopsch: “Die Edelfreien von Haunsberg – Wildberg – Riedegg – Linz. Herkunft, Aufstieg und Herrschaftsbildung eines führenden bayerisch-salzburgischen Adelsgeschlechtes im Hochmittelalter”

Übersicht:
Gerhard Michalek: Die Haunsberger, ein vergessenes österreichisches Geschlecht. Teil 1/ 3

Gerhard Michalek: Herkunft und Aufstieg der Haunsberger. Teil 2/ 3
Gerhard Michalek: Das Ende der Haunsberger. Teil 3/ 3