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Dampflok Bürmoos in Lamprechtshausen

Die verschwundenen Bürmooser Industriegleise der Lokalbahn (SETG)

Die Bahn von Salzburg in den nördlichen Flachgau war ursprünglich vor allem als Industriebahn gedacht, weniger zur Personenbeförderung. Der Bürmooser Glasindustrielle Ignaz Glaser war dabei eine treibende Kraft. Er hatte mit der Gesellschaft SETG (Salzburger Eisenbahn und Tramway Gesellschaft), die das Projekt betreiben wollte, so geschickt verhandelt, daß er selbst nichts zu den Kosten beitragen mußte.

Wolfgang Bauer

Von Wolfgang Bauer

Im Jahr 1896 war es dann soweit, daß der Bahnbetrieb aufgenommen werden konnte. Dazu wurden auch zu einzelnen Firmen Industriegleise zum Verladen der Erzeugnisse verlegt. Das erste war ein Gleis in Zehmemoos zur längst aufgelassenen Ziegelei, das die Lamprechtshausener Straße querte. Parallel dazu auch ein Schmalspurgleis der „Bockerlbahn“. Später kam die Verladung von Torfstreu dazu und nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Erzeugnisse des Torfwerkes dort verladen. ___STEADY_PAYWALL___

Normalspur- und Schmalspurgleis vom Torfwerk zur Lokalbahn

Ein Gleis zweigte in Bürmoos zur Ziegelei ab – heute die Firmen Nitsche und Zimmermann. Die Ziegelei war im selben Jahr wie die Lokalbahn gegründet worden. Vorher wäre der Ziegeltransport mit Fuhrwerken zu teuer gewesen. Unseren See, die Loamgruabm (Lehmgrube) verdanken wir der Lehmentnahme durch die Ziegelei. Als die Lehmqualität zu schlecht wurde bezog man den Lehm vom Kohlebergwerk Trimmelkam.

Das Lokalbahngleis in der Ziegelei

Das dritte Industriegleis verlegte man zur Glashütte. Vom Bahnhof ging es in einer engen Kurve mit starker Steigung zur Rückseite der Glashütte und zur Hafenstube. Die Trasse ist heute Pater Felix Platz und Mertensstraße. Auf der linken Seite bei der Steigung stand das Holzhaus des Schusters Ignaz Frei. Es war immer durch Funkenflug gefährdet, die Dampfloks durften dort nur langsam fahren. Auf der rechten Seite, dort wo heute die katholische Kirche und der Pfarrhof stehen, befand sich die bekannte Gänselacke.

Das Glashüttengleis, links das Haus des Schusters Frei, in der Mitte Bommer, rechts Kaufhaus Stadler

Das nächste Haus links war das erste Kaufhaus der Familie Stadler, an der Kreuzung zur Stierlingwaldstraße. Ein Raum diente zeitweise als Notkirche, später wurde es ein Sport- und Modegeschäft.

Das Hüttengleis gleich nach dem Bahnhof. Im Hintergrund die Flaschenbierhandlung Roschanek gegenüber dem Bahnhof. Ca 1940

Am Beginn der Mertensstraße war links der Bauer Bommer. Das Bauernhaus ist interessant, weil die bei uns unübliche Außentreppe ins Obergeschoß auf italienische Maurer hinweist, die bei mehreren Objekten im Ort aktiv waren. Die auch seltene Rampe zur Hochtenne wurde von den Kindern im Winter zum Schlitten- und Schifahren benutzt.

Das ehemalige Bauernhaus Bommer mit Außenstiege und Rampe

An der Straße davor steht ein kleines Häuschen, das schon viele verschiedene Verwendungen fand. Ursprünglich war es die Milchhalle. Hierher brachten die Bauern am Morgen die frisch gemolkene Milch und auch Rahm. Die Bürmooser kamen mit blechernen Milchkannen (Millipitschn) und holten sich, was sie brauchten. Der Rest wurde wohl von einer Käserei abgeholt.

Die (später vergrößerte) Milchhalle

Das nächste Haus rechts an der Straße war die Volksschule. Es wurde aufgestockt und heute sind ein Lokal, Therapeuten und der Fitnessklub darin untergebracht. Die Schule hatte früher keine Zentralheizung, die größeren Kinder durften den Torf zum Heizen der Öfen in den einzelnen Klassen aus der danebenliegenden „Schupfe“ holen und einheizen. Statt des Turnunterrichtes – es gab keine Turnhalle – ging es manchmal zum gegenüberliegenden Erdäpfelacker des Bommer um die schädlichen Kartoffelkäfer einzusammeln.

Weiter der Bahntrasse entlang kam man rechts zur ehemaligen Kistentischlerei der Glashütte, später Tischlerei Braunegger, heute Wohnblock.

Die Rückseite der ehemaligen Kistentischlerei, später Tischlerei Braunegger, heute Wohnblock

Schließlich endete das Industriegleis an der Rückseite der Glashütte, wo das fertige Tafelglas verladen wurde. Hierher wurde mit der Bahn auch das Soda zur Glaserzeugung geliefert.

Links gegenüber war die wichtige Hafenstube. Die Hafenmacher waren Spezialisten, die aus einem speziellen Chamottegemisch die Hafen formten, in denen das Glas bei rund 1500 Grad aus Kalk, Soda und Quarzsand geschmolzen wurde.

Die frühere Hafenstube, heute Wohnungen

An diese Zeit, als die Lokalbahn noch ein wichtiger Transportweg war, erinnert heute kaum mehr etwas. Die Trimmelkamerbahn, die viele Jahre die Kohle aus dem dortigen Bergwerk transportierte, wurde erst 1951 eröffnet. Sie wurde 2014 nach Ostermiething verlängert, aber auch hier gibt es nur mehr Personenverkehr. So bleiben nur mehr einige Fotos als Erinnerung an die Frühzeit unserer Bahn.

Verschubgeleise, Lastwaggons und handbediente Weichen werden schon lange nicht mehr gebraucht

Dampfzüge fahren nur mehr für Nostalgiker

Im Bild rechts das Gleis nach Salzburg, links das nach Ostermiething


Fotos: Karl Traintinger, Dorfbild

Die Salzachbrücke zwischen Oberndorf und Laufen

Die imposante Brücke verbindet die beiden an der Salzachschleife gelegenen, ehemaligen Schiffersiedlungen Oberndorf (Salzburg) und Laufen (Oberbayern). Altach, ein Ortsteil von Oberndorf und Alt-Oberndorf waren einst die Vororte der Stadt Laufen.

Karl Traintinger

Von Karl Traintinger

Die beiden Orte schrieben über 1000 Jahre gemeinsam Geschichte, bis 1816 im Vertrag von München die Salzach zum Grenzfluss wurde. Zu dieser Zeit verband ein Holzbrücke im Bereich des heutigen Europasteges die beiden Städte. Die letzte Holzbrücke wurde 1899 vom katastrophalen Hochwasser fast gänzlich zerstört. ___STEADY_PAYWALL___

Die beiden zuständigen Landesregierungen beschlossen daraufhin, eine neue “stabile Brücke aus Beton und Eisen” etwas flussaufwärts im hochwassersicheren Gebiet zu bauen. Am 24. Oktober 1899 wurde die Ortsverlegung von Oberndorf beschlossen. Die Laufener schliffen die Häuser Nr. 97, 98a, 98b und 99 am Marienplatz, um eine Zufahrt zur neuen Salzachbrücke zu schaffen. Nach 18 Monaten Bauzeit wurde die Brücke am 2. Juni 1903 feierlich eröffnet.

Foto: Karl Traintinger, Dorfbild
Projektion: Das ehemalige Alt-Oberndorf. Kunstprojekt von Thomas Stadler Foto: Karl Traintinger, Dorfbild

Die St. Nikolaus-Kirche in Altoberndorf, am Standort der heutigen Stille Nacht Kapelle, wurde 1909 wegen angeblicher Hochwasserschäden abgerissen. Die Grundsteinlegung der neuen Kirche fand am 19. März 1906 statt, eingeweiht wurde sie am 25. November 1907.

Die neue, generalsanierte Salzachbrücke

Brückensanierung

In den Jahren 2005 – 2007 wurde die Salzachbrücke generalsaniert. Es war wieder ein Gemeinschaftsprojekt von Salzburg und Bayern. Die Brücke hatte erhebliche Korrisionsschäden, auch sollte die Verkehrsbelastung auf 30 Tonnen angehoben werden. Eine zusätzliche Herausforderung war, dass der Verkehr während der Baumaßnahmen an der denkmalgeschützten Brücke aufrecht erhalten werden sollte.

Fast zeitgleich (2005-2006) wurde zwischen Altach (Alt-Oberndorf) und Laufen der neue Europasteg errichtet. Einige Holzpiloten kann man auf der Laufener Salzachseite noch immer sehen.

Das Zweibrückenfest am 23. – 24. Juni 2007 bildete den krönenden Abschluss der Sanierungsarbeiten.

Das ehemalige Grenzhäuschen in Oberndorf wurde jahrelang als Kunststation der Kulturinitiative KNIE genutzt. So nützte zum Beispiel der oö. Künstler Günter Hartl die Salzachbrücke zur Befestigung seiner überdimensionalen “Wäscheleine”.

Günter Hartl – Bunte Tücher unter das Salzachbrücke

Oberndorf in der Dorfzeitung >
Laufen Obb. in der Dorfzeitung >


Rendlhaus-in-St.-Georgener-Au-18.4.2020

Spaziergang in der St. Georgener Au

Nach langer Zeit besuchte ich vor einigen Wochen wieder einmal das nordwestlichste Eck unseres Landes Salzburg. Wenn man in der Gemeinde St. Georgen in Richtung Ostermiething fährt, so kommt man kurz vor der Landesgrenze, die hier von der Moosach gebildet wird, zu einer Straße, die links zur Salzachau abbiegt.

Wolfgang Bauer

Von Wolfgang Bauer

Nach wenigen Metern steht rechts ein gut gepflegtes, wohl proportioniertes Haus. In dem der Pfarre gehörigen Gebäude mit großem Garten wohnte der Maler, Schriftsteller und Imker Georg Rendl bis zu seinem Tod 1972.

Viele Stunden habe ich in diesem Haus nach der Gründung der Georg-Rendl-Gesellschaft im Jahr 2000 verbracht. Der ganze Nachlass an Ölbildern und Hinterglasmalereien sowie die gesamten schriftstellerischen Arbeiten wurden von den fleißigen Vorstandsmitgliedern gesichtet und katalogisiert.

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Das Haus liegt im Überschwemmungsgebiet der Salzach und wurde öfters bis zu den Fenstern unter Wasser gesetzt. Alles was nicht rechtzeitig in das obere Stockwerk evakuiert oder auf Tischen und Kästen in Sicherheit gebracht wurde, war verloren.

Georg Rendl (mitte) vor dem überfluteten Haus 1959

Georg Rendl nahm es mit Galgenhumor und ließ sich beim Hochwasser 1959 mit Freunden im Wasser vor dem Haus stehend fotografieren – mit einem Gläschen Wein in der Hand.

Erneutes Hochwasser 2002

Neben seinem Haus hatte der begeisterte Imker eine Reihe von Pappeln gepflanzt, denen er sogar ein eigenes Gedicht gewidmet hatte. Die Pappeln neben dem Haus stehen immer noch.

Weil die Pappeln hochaufstreben

Wer von euch, ihr unbekannten,
geliebten Menschen, geliebt
vielleicht nur, weil unbekannt,
aber trotz des Bekanntseins geliebt,
weiß, welch eine Freude mir
das vielleicht nur zehnstimmige,
aber vielleicht auch fünfzigstimmige
Festkonzert, Festorchester,
Jubelquaken der Frösche und Unken
und der Versuch des Behauptens der Wildente
und das Gesinge der nächtlichen Rohrammer
und das hinter den wandernden Wolken
Aufleuchten der Sterne
und das von regenkündenden Schleiern
zuweilen preisgegebene Licht des Monds macht.
Ich preise, lobe diese Mondnacht,
ich empfange dankend ihre Herrlichkeit,
so sehr empfang ich sie dankend,
daß es mir leicht wird,
denen, die mich verachten,
und, was bitterer ist, gering achten,
zutrinke: Lebet!
Ob des Blühens der Mohnblume
und der blauen Iris
und der Akelei,
und weil die Pappeln,
und nicht nur sie, die von mir
gepflanzt sind,
hoch, hoch aufstreben,
will ich Frieden haben. Und ich hab ihn.
Euch alle schließe ich ein
in mein: Lebet!
Ich lebe, ihr Unbekannten, ihr Bekannten, ihr Freunde,
aber ich weiß nicht,
wie lange ich lebe
und den Gesang meiner Frösche
und meiner Schilfammer
noch anhören darf.

Georg Rendl

Wenn man die Straße beim Haus vorbei weiter in Richtung Au fährt, dann kommt man auf der linken Seite in das Natura 2000 Gebiet Irlacher Au. Hier ist der nordwestlichste und tiefste Punkt des Landes Salzburg mit 380 Meter ü.d.M.

Gleich am Anfang sind dicke Baumstämme gestapelt, wohl von den letzten Stürmen geworfene Pappeln und Eschen.

Leider findet man hier auch trotz Verbotsschilder eine Menge Ablagerungen von Gartenabfällen und Rasenschnitt. Auch die angeschlagenen Hinweise darauf, dass jetzt das Wild seine Jungen zur Welt gebracht hat, sollten eigentlich überflüssig sein.

Wer in einem Schutzgebiet lärmt und durch den Wald trampelt, hat dort nichts verloren. Hinweise auf die Natur in der Au findet man allerdings kaum.

Auffällig sind hier die zahlreichen Kanzeln und Hochsitze der Jäger. Bei dem kurzen Spaziergang fand ich rund ein Dutzend davon, beinahe in Rufweite voneinander. Sozusagen ein KZ für das jagdbare Wild.

An Altersschwäche stirbt hier kein Rehbock.

Der Pladenbach mit einer begonnenen Biberburg

Nach wenigen Metern auf  einem Gehweg kommt man zu einem Steg ohne Geländer über den Pladenbach. Am Ufer steht eine gewaltige Pappel, die man einem Biber offenbar nicht gegönnt hat. Er hatte sie schon so angenagt, dass sie ins Wasser fallen sollte, aber ein Maschenzaun verhinderte wohl seine weitere Arbeit.

Hier war der Biber als Holzfäller am Werk

Der Pladenbach ist hier begradigt und vereinigt sich später, bereits auf oberösterreichischem Gebiet, mit der Moosach, die bei Wildshut in die Salzach mündet. Dieser Pladenbach bildet ungezähmt die gesamte Grenze zwischen den Gemeinden  Lamprechtshausen und Bürmoos und wird erst ab Eching bis zu seiner Mündung in ein gerades Bett gezwängt. Trotzdem schwimmen im Augebiet eine Menge Fische darinnen herum, wie man schön beobachten kann.

Pappeln und Traubenkirschen

Gewaltige Bäume mit Misteln, dazwischen die blühenden Traubenkirschen
Gewaltige Bäume mit Misteln, dazwischen die blühenden Traubenkirschen

Es war gerade der Höhepunkt der Corona Pandemie. Bei meinem Besuch waren zwar einige Autos auf dem Parkplatz, bei dem einstündigen Rundgang begegnete ich jedoch keinem Menschen. Es wäre aber sowieso überall genügend Platz zum Ausweichen gewesen.

Kürzlich konnte man in der Zeitung lesen, dass in dieser Gegend verstärkt Wilderer aktiv gewesen sein mussten. Man hatte erschossene Rehe gefunden, die einfach liegengelassen worden waren. Im Gegensatz zu jenen Wildschützen in den 1930er Jahren, die für ihre hungernden Familien etwas Fleisch wollten, geht es heute offenbar nur ums Schießen. Das passt gut zu jenen Meldungen, dass 300 ausländische Jagdpächter ohne jede Kontrolle einreisen dürfen, weil die einheimischen Jäger sonst ihre Abschußquoten von einigen zehntausend Rehen und Hirschen nicht erfüllen könnten, wie der Landesjägermeister im Fernsehen erklärte.

Trotz allem ist ein Besuch dieses Schutzgebietes für alle interessant, die sich einen ruhigen Spaziergang oder Radausflug gönnen möchten.


Pladenbach

Am Ufer des Pladenbaches

Wer am längsten „Fluss“ der Gemeinde Bürmoos einen Spaziergang in absoluter Ruhe genießen will, braucht nicht allzuweit gehen oder mit dem Fahrrad fahren: Bei der katholischen Kirche geradeaus, beim Heinzbauer und dem letzten Rechenmacher der Gegend, dem Sepp Frauenschuh, vorbei in Richtung Jauchsdorf. Beim Pladenbach angekommen dann bachaufwärts wandern.

Wolfgang Bauer

Von Wolfgang Bauer

Entlang eines Forstweges geht es vorbei an einem Bahnwaggon, der früher als Bienenhaus diente. Im Bach sind tiefe Tümpel ausgeschwemmt, in denen sich Fische tummeln, deren Urgroßeltern wir als Kinder mit der Angel, mit selbstgebastelten Netzen oder mit der Hand gefangen haben. Das ging aber nur bei langer Trockenheit, wenn die Tümpel nur mehr durch Rinnsale oder gar nicht mehr verbunden waren.

Leider ist auch hier überall das Eschensterben stark sichtbar. Baumstrünke und liegende Stämme zeigen, dass nur mehr ein spärlicher Rest überlebt hat. Die Stürme haben auch den Fichten arg zugesetzt, so dass jetzt ein schöner Mischwald entstehen könnte.

Das Bett des Baches schlängelt sich durch die tief eingegrabene Schlucht. Auf der gegenüberliegenden Hangseite ist auf halber Höhe eine kleine Quelle, die früher das darüber liegende Höller-Anwesen mit Wasser versorgte. Kurz darauf schwenkt der Bach nach Norden. Hier treffen die Gemeindegrenzen von Bürmoos, Lamprechtshausen und St. Georgen zusammen.

Weiter geht es zu einem Steg, der den Wanderweg von Bürmoos nach Aglassing verbindet und dabei innerhalb einiger hundert Meter alle drei Gemeinden berührt. Gleich neben dem Steg befindet sich die einzige mir bekannte Furt durch den Bach, bei der man jetzt bei Niedrigwasser locker durchfahren kann. Bei Hochwasser sind die Fluten aber leicht einmal einen Meter höher und ziemlich reißend.

Von hier aus geht es links durch einen Waldweg zu der schon bekannten Straße und wieder zurück in den Ort.


Alles schon dagewesen

Epidemien in Bürmoos

Der Corona-Virus schränkt derzeit unser Leben sehr ein. Es wird alles unternommen, um eine Ausbreitung zu verhindern. Dabei gerät die Grippeepidemie, die gleichzeitig grassiert, fast in Vergessenheit. Dabei sind von der Grippe weit mehr Leute betroffen, bei gleicher Risikogruppe. An der Grippe erkrankten bis Anfang März 2020 rund 245.000 Menschen und es gab bereits 640 Tote.

Von Wolfgang Bauer

Grippe- und Coronavirus werden aber bei
weitem nicht die Epidemien mit den meisten Opfern in Bürmoos werden.  Am Schicksal meines Vaters Alois Bauer,
Jahrgang 1899, kann ich die Seuchen darstellen, die unseren jungen Ort Bürmoos
im Laufe der Zeit heimsuchten.

Seit 1872 gab es hier mitten im Moor eine
Glasfabrik. Eine häufige Todesursache bei den Glasmachern war Tuberkulose. Die
Glasbläserpfeife wurde in den Arbeitsgruppen von Mund zu Mund weitergegeben und
so der Nächste angesteckt. Diese wiederum übertrugen sie zu Hause an die
Familie usw.

Das Haus meines Großvaters lag abgelegen im Wald. Auch er arbeitete in der Glashütte. Zeitweise wohnte mein Großonkel, der Glasbläser Jordan Pfeiffer, im Bauernhaus meines Urgroßvaters, nur hundert Meter entfernt vom Haus des Großvaters. Jordan Pfeiffer starb mit 32 Jahren an TBC und hinterließ eine Frau und fünf Kinder, die beim Urgroßvater weiter wohnen konnten. Mein Vater und seine Geschwister spielten oft mit den Pfeifferkindern, wurden aber nicht angesteckt. Später starb aber Jordans Tochter Maridel Pfeiffer, die Braut des Malers und Schriftstellers Georg Rendl, ebenfalls an TBC.

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Georg Rendl am Krankenbett von Maridel Pfeiffer

Im Jahr 1913 wurde der Hauptsitz der
Glashütte nach Brüx in Nordböhmen verlegt. Die Ortsbevölkerung schrumpfte, weil
viele Glasmacher ebenfalls dorthin zogen.

Dann kam der Erste Weltkrieg, die nächste
lebensbedrohliche Seuche die uns heimsuchte. Als mein Vater 18 Jahre alt war,
„durfte“ er ebenfalls einrücken. Er überstand dieses gegenseitige Abschlachten unverletzt,
aber aus unserem Ort starben 29 Soldaten auf dem „Feld der Ehre“.

Als mein Vater aus dem Krieg heimkam wütete hier bereits die nächste Epidemie. Von 1918 bis 1920 verursachte die Spanische Grippe weltweit 35 bis 50 Millionen Tote – weit mehr als der Erste Weltkrieg Opfer gefordert hatte. Genaue Daten liegen für unsere Gemeinde nicht vor. Zahlreiche Todesfälle unter der ausgehungerten und unterversorgten Bevölkerung wurden wohl nicht nur als Grippe, sondern auch als Pneumonie, Altersschwäche oder bei Kindern als Lebensschwäche in den Pfarrmatriken registriert.

Matrikeneintrag: Rosa Hofbauer, gest. 15.11.1918 an Lungenentzündung nach Grippe

Im zweiten Weltkrieg hatte mein Vater
wieder die Ehre, für den verbrecherischen Kriegstreiber aus Braunau die Uniform
anziehen zu dürfen. Auch diese Seuche überstand er mit viel Glück. Sein Bruder
Hermann hatte weniger Glück, er starb in einem Lazarett. Unser kleiner Ort aber
mußte an achtzig gefallene Soldaten auf einer Gedenktafel erinnern.

Die nächste Epidemie traf uns wiederum nach
Ende eines Krieges. Kurz nach dem Zweiten Weltkrieg waren die Menschen wieder unterernährt,
geschwächt und daher anfällig. Dieses Mal war es Typhus, der uns traf. Woher
die Krankheitserreger eingeschleppt wurden, läßt sich nicht feststellen. Es
könnten heimkehrende Soldaten gewesen sein, Flüchtlinge oder Vertriebene, aber
auch Besatzungssoldaten.

Rund 300 Leute erkrankten hier 1945 an Typhus. Sie wurden in zwei etwas abseits gelegenen Baracken untergebracht und isoliert, in denen vorher Fremdarbeiter interniert waren. Auch hier gab es keine wirksamen Medikamente zur Behandlung. Zwanzig erkrankte Personen  starben an der Seuche. Darunter auch Annelise Nusser, geb. Schmidt, eine 24 Jahre alte Großkusine von mir, die eine dreijährige Tochter hatte.

Typhusdenkmal in Bürmoos – jetzt an der evangelischen Kirche

So hatte mein Vater die „Ehre“, alle großen
Seuchen des 20. Jahrhunderts, die unseren Ort heimsuchten, miterleben zu
dürfen.

Jetzt (Mitte März 2020) haben uns mit der
abflauenden Grippewelle und der noch immer steigenden Corona Pandemie gleich
zwei Seuchen gleichzeitig heimgesucht. Mit Galgenhumor könnte man mit einem
alten Spruch feststellen: „Die Lage ist hoffnungslos aber nicht ernst“ oder mit
Angela Merkel: „Wir schaffen das“. Mit Vorsicht, Disziplin und etwas Glück
könnte Bürmoos diese Zeit sogar ohne seuchenbedingte Todesfälle überstehen.


Die steingewordene Stadlerkapelle

Früher einmal standen an vielen Straßen und Wegen Kapellen. Im Zuge von Straßenerneuerungen, Wegverlegungen und auch landwirtschaftlichen Grundzusammenlegungen hatten manche plötzlich keinen Platz mehr.

Von Karl Traintinger

Ein Beispiel für die Umsiedlung, den späteren Abriss und letztendlich die Errichtung eines Erinnerungsdenkmals ist die Stadlerkapelle in Lamprechtshausen.

In der kleinen Verkehrsinsel an der Kreuzung Lamprechtshausener Bundesstraße (B156) und Bürmooser Landesstraße stand immer schon eine kleine, unscheinbare Kapelle. Warum dieser Standort zur Kapellenerrichtung gewählt wurde, ist nicht bekannt. Überliefert ist nur der Name Stadlerkapelle. ___STEADY_PAYWALL___

In den Jahren 1961/62 wurde die neue Abzweigung der Bürmooser Landesstraße gebaut, die ursprüngliche Stadlerkapelle weichen musste.

Bildarchiv Alois Fuchs, Bürmoos

Im ehemaligen Streuobstgarten der Familie Stadler wurde die Kapelle direkt an der B156 wieder neu aufgebaut. Eine größere Marienstatue, ein Kreuz und zwei Bilder zierten lange diese kleine Kapelle. Im Dezember 1990 wurden die Statue und auch die Bilder gestohlen.

Fotos: Manfred Weiß, Gemeinde

Im Jahr 2008 wurde der Kreisverkehr an der B156 gebaut und die Kapelle musste der Modernisierung weichen. Es war ganz einfach kein Platz mehr und die künstlerische Qualität zu gering, um sie zu erhalten. Zudem war sie schon sehr baufällig.

Im Jahr 2010 errichtete der Lamprechtshausener Künstler Erwin Schleindl die “Neue Stadler Kapelle”.


Das Gasthaus Stadler in Lamprechtshausen

Der Stadler steht in Lamprechtshausen mitten im Dorf. An zwei Seiten grenzt er an die B156, früher einmal gab es an der Westseite ein Schlachthaus und im Nordenwesten stand ein großer Stadl und danach die alte Volksschule.

Von Karl Traintinger

In den 70-80iger Jahren des vorigen Jahrhunderts war der Stadler ein beliebter Treffpunkt der Jugend mit einem weitum bekannten Veranstaltungsprogramm. Das alte Schlachthaus gibt es schon lange nicht mehr. Der Stadl der Bereich des ehemaligen Schlachthauses wurde großzügig revitalisiert. Man findet dort einen Supermarkt, mehrere Geschäfte, Büros, eine Apotheke, Ärzte und FachärzteInnen sowie die örtliche Polizeidienststelle.

Der Gasthof Stadler und die Fleischhauerei wurden vor einigen Jahren umgebaut und modernisiert. Der Stadler ist zu einem beliebten Wirtshaus im Dorfzentrum geworden. Die folgende Fotostaffel zeigt Bilder des Gasthofes aus der Nachkriegszeit.

Der Putsch 1934 ging auch am Gasthaus Stadler nicht spurlos vorbei. Geschichtliche Hintergründe dazu kann man im Artikel: Die dunkelste Stunde der Gemeinde > hier in der Dorfzeitung nachlesen.

Der Stadlerberg in alten Ansichten >
Die “MUGL-Company” live beim Stadler >
Peter Blaikner im kleinen Stadlersaal>
Querschläger auf GRÜN-Wahltour im großen Stadlersaal>

Die alten Fotos stammen aus den Bild-Archiven von Alois Fuchs, Dr. Andreas Maislinger und Karl Traintinger



Faschingsumzug

Faschingsumzug in Lamprechtshausen

Der 25. Februar 2001 war ein sonniger, kalter Wintertag und das ganze Dorf war auf den Beinen. Seit längerer Zeit fand wieder einmal ein Faschingsumzug statt.

Von Karl Traintinger

Zahlreiche bunt geschmückte Wagen lockten viele neugierige Besucher an. Die Trachtenmusikkapelle Lamprechtshausen war eine Damenkapelle geworden, das Raumschiff Enterprise machte auf seinen Reisen durch die unendlichen Weiten des Weltraumes einen Zwischenstopp auf der Hauptstraße und die 3 Scheinheiligen aus Oberndorf erheiterten das Publikum, um nur einige Beispiele zu nennen.



Die B156 beim Stadlerberg in alten Ansichten

Der Bereich zwischen dem Gasthaus Stadler und der Bürmooser Kreuzung war schon immer eine Engstelle. Allerdings war das Verkehrsaufkommen in den 50iger und 60iger Jahren deutlich geringer.

Von Karl Traintinger

Unten an der Kreuzung stand noch die Stadlerkapelle. Vom Gastgarten des Gasthauses gab es eine Treppe zur Bundesstraße hinunter. In der Stadlerkurve stand vor dem heutigen China-Restaurant (Han-Asia, früher Fleischhauerei Zehetner) das Kaufhaus Weikl.

Am Foto sieht man den Straßenverlauf der B156 durch Lamprechtshausen als blaue Linie, der Stadlerberg ist dunkelblau. Das Bild wurde Mitte der 50iger Jahre aufgenommen.

Die folgenden Bilder aus den 60iger Jahren wurden freundlicherweise von Barbara Schwaiger (Zehentner) zur Verfügung gestellt.

Der Verkehr im Dorf >



Verkehr im Dorf

Der Verkehr im Dorf

Wenige Tage bevor das umstrittene LKW-Fahrverbot für die großen Überlandbrummer durch Lamprechtshausen in Kraft tritt, möchte ich einige Archiv-Fotos vom 21. Mai 2008 14:30 Uhr zeigen.

Von Karl Traintinger

Es war damals die Zeit, als der Kreisverkehr an der Bürmooser-Kreuzung vor der Fertigstellung stand. Die Stadlerkapelle gab es noch in der ursprünglichen Form. Viele Gemeindebürger waren sehr neugierig, ob so ein Kreisverkehr überhaupt funktionieren kann.

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Die Diskussionen zu einer möglichen Ortsumfahrung waren im Sand verlaufen. Es gab von jeder politischen Partei nur beste Lösungsvorschlägen, die einen wollten das Dorf im Norden, die anderen im Süden umfahren, selbst ein Tunnel war im Gespräch. Die Gemeinde hat sogar im Zuge der Grundzusammenlegung eine mögliche Trasse ausgewiesen.

Seit damals wurde sehr viel gebaut und einige mögliche Trassenführungen sind zwischenzeitlich unmöglich geworden. Mit einer Ortsumfahrung schaut es zur Zeit eher sehr trist aus, dabei wurde über eine Finanzierung noch gar nicht gesprochen.

Fakt ist, dass der Verkehr in den letzten 12 Jahren nicht weniger geworden ist. Bei genauem Hinsehen gibt es heute ein großes Gewerbegebiet von Lampechtshausen bis Braunau hinab. Es wird spannend, welche Probleme mit dem LKW-Fahrverbot wirklich gelöst werden können.


Das Kaiserbacherl (Rottbach)

Der längste „Fluss“ in unserer Gemeinde ist der Rottbach, allgemein nur das „Kaiserbacherl“ genannt. Der viel längere Pladenbach stellt zwar auf eine gewisse Länge die Grenze zu den Gemeinden Lamprechtshausen und St. Georgen dar, gehört somit aber nur zur Hälfte nach Bürmoos. Das Kaiserbacherl beginnt in der Wiese zwischen Ortszentrum und Bürmooser See (Loamgruabm).

Wolfgang Bauer

Von Wolfgang Bauer

Vom Kindergarten weg rinnt das Bächlein nach mehrmaligem Richtungswechsel rund um den Kellerwald (Hummerhügel) zur Echingerstraße, unterwegs gespeist von vielen Seitengräben. Ab dort bildet der Bach die Grenze zwischen Bauland und Wald, bis er bei der Pumpstation des Reinhalteverbandes Pladenbach in den Wald abbiegt.

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Dieser Teil des Baches war zwischen 1935 und 1940 in einem Meliorations-Projekt zur Arbeitsbeschaffung begradigt und die Bachsohle eingeebnet worden, die Seiten wurden mit ineinandergesteckten Holzpfosten gesichert, die teilweise heute noch sichtbar sind und noch immer ihren Zweck erfüllen!

Der Ursprung des Kaiserbacherls mitten im Ort

Im Wald unterhalb des Hainzbauers wurde das Bachbett trotz mehrmaligem Richtungswechsel ebenfalls begradigt und mit Steinen gesichert, wohl wegen der Überlaufrohre des Pumpwerkes, die hier, in der Nähe des Steges über den Bach, einmünden. Weiter verläuft der Bach im Wald bis zu einer Wiese und einer Brücke.

Das Entwässerungsprojekt

Entlang
des ganzen Baches gibt es praktisch nirgends einen Weg oder eine Straße. Wer zu
der obengenannten Bücke kommen will, hat zwei Möglichkeiten: kurz vor dem
Hainzbauer rechts in den Waldweg einbiegen und über den Steg ohne Geländer
einige Minuten durch den Wald, o der von der Echingerstraße bei der Pulverfabrik
links einbiegen und auf der linken Straße bis zu den Häusern der Familie
Pieringer. Hier stand früher ein Bauernsachl, das mein Urgroßvater Ferdinand
Bauer von 1894 bis 1900 aufgebaut und die um das Haus erworbenen sumpfigen
Wiesen kultiviert hatte.

Das Bach bildet die Siedlungsgrenze

Wenige Meter weiter danach kommt man zu der erwähnten Brücke und hat vor sich ein längst nicht mehr bewirtschaftetes Bauernhaus – das Haus, das mein Großvater Johann Bauer 1900 erbaut hatte. Auch er mußte erst mühselig die Wiesen kultivieren. Rund um das Haus setzte er 100 Obstbäume, von denen es aber nur mehr wenige gibt. Der Bach am Rande dieser Wiesen meines Großvaters bildet hier die Grenze zwischen den Gemeinden St. Georgen und Bürmoos.

Von der Brücke am Wiesenrand entlang, dann durch den Wald bis zu seinem Austreten in die Wiesen von Jauchsdorf hat sich der Bach tief in Mäandern eingegraben.

Hier gibt es, vom obengenannten Bauernhaus ausgehend, im Wald einen passablen Forstweg. In Jauchsdorf kommt das Bacherl, eingefaßt von Büschen und Bäumen nach wenigen hundert Metern noch zu einem Wehr, kurz bevor es unter der Straße nach Bürmoos durchrinnt und wenig später in den Pladenbach mündet.

Der Steg ohne Geländer über den Bach

Einst
hatte der Bach ein Moor entwässert, das eine bis zu acht Meter mächtige
Torfschicht aufgebaut hatte. Damals bestand keine Hochwassergefahr. Das Moor
speicherte bei Regen das Wasser und gab es nur langsam an das Bächlein weiter. In
meiner Jugend fand man noch zahlreiche Fischarten, Krebse und Muscheln im Bach.

Die Überlaufrohre der Pumpstation

Bevor es ein Kanalnetz gab, leiteten aber die immer zahlreicher werdenden Häuser entlang des Baches alle Abwässer dort hinein. So verschwanden diese Bachbewohner nach und nach, wegen des Wehres in Jauchsdorf können auch keine mehr in das heute wieder saubere Wasser vom Pladenbach nach oben wandern. Einsetzen wird sie aber auch keiner, denn das Fischereirecht liegt bei der Familie Mayr-Melnhof, die kein Interesse hat, hier etwas zu unternehmen.

Die Brücke und das Bauernhaus im Winter

Für Wanderungen bietet sich beim Rückweg eine schmale Straße entlang des Pladenbaches an. Bei der Furt, die mit Traktoren meistens problemlos durchfahren werden kann, biegt man dann links ab und kommt über den Hainzbauern wieder in den Ort.

Der Bach schlängelt sich am Waldrand entlang – er bildet hier die Grenze zwischen Bürmoos und St. Georgen

Man kann in Jauchsdorf aber auch vorher am Waldrand in Richtung Frauenschuh links abbiegen und – vorbei an dem ehemaligen Bauernhaus des letzten Rechenmachers weit und breit – in Richtung Hainz marschieren. Eine weitere Variante wäre in Jauchsdorf über die Brücke des Pladenbaches auf dem Höhenrücken entlangzugehen – mit prächtiger Aussicht auf die Berge.

Beim Anwesen der Familie Höller teilt sich der Weg. Hier geht man links, kommt nach kurzer Wanderung auf dem Forstweg zu der genannten Furt, wobei vorher ein bequemer Steg über den Bach führt. Von dort aus zurück nach Bürmoos auf der Stierlingwaldstraße.


Stierlingkapelle 2006

Die Stirlingkapelle

Wenn man der Bürmooser Landesstraße entlanggeht in Richtung Eching, so zweigt kurz vor der Überquerung der Trimmelkamer Bahn rechts ein Waldweg ab. Nach einigen hundert Metern geht es über einen beschrankten Bahnübergang in Richtung Eching. Dort ist die Grenze zwischen den Gemeinden Bürmoos und St. Georgen.

Wolfgang Bauer

Von Wolfgang Bauer

Nach wenigen Metern wird ein Rinnsal durch ein Rohr unter dem Weg durchgeleitet. Die Quelle für diesen Graben entspringt an der Westseite der Alm (Siehe Artikel 1 der Serie über die „Alm“).

Nach kurzem Marsch taucht rechts im Wald die Stierlingkapelle auf. Heute ist auf der Rückseite eine Waldlichtung, vor zehn Jahren war der Mischwald dort noch dichter. Bis 1956 stand vor der Kapelle noch eine riesige Buche mit 160 cm Durchmesser, die dann ein Sturm umwarf und die Kapelle beschädigte.

Die Kapelle heute

Wann und wieso hier mitten im Wald eine
Kapelle errichtet wurdc, darüber gibt es einige Legenden, genaue
Unterlagen fehlen aber. Eine Tafel an der Kapelle verweist auf ein
Gnadenbild von 1708.

Einige Hinweise über die Kapelle findet man in dem Buch von Hannes Miller „Ad georgii ecclesiam“. Danach soll 1670 jemand mit einer Schrotflinte auf das Gnadenbild geschossen haben, das die Geißelung Jesu darstellte.

Der Text: “Dise unsers begaiselten Hailands Bildnüß, Welche in dem nechsten Wald, stierling genannt den durchwanderern zu Verehren Vorgesetzt worden, ist Anno 1670 auß unmenschlicher Schmach mit Pleyernen Dunst Körnern also Durchschossen worden etwan gewisser oder Laider Vilfältiger selbes zu treffen Vülleicht woll auch als wann diße spät hernach erfundene Schußmarter dem Laiden Christi allain noch war zu ersetzen gewösen. Du, o andechtige Seel, befleiß dich, disen Gottslösterlichen Schuß mit Gottsförchtigen Schußgebettlein zu Verwenden.”

Die Löcher, welche die Schrotkörner verursacht hatten, waren noch lange zu sehen. Erst um das Jahr 1895 wurde das Bild restauriert und die Löcher wurden verschlossen.

Das Gnadenbild im Original befindet sich bei der Familie Oberwimmer.

In einem anderen Kapitel über die Kapellen im Gemeindegebiet berichtet Hannes Miller:

Um diese Kapelle ranken sich so manche Legenden. Die einen sagen, sie wäre in der Pestzeit entstanden, andere sagen, sie stamme aus der Franzosenzeit. Auf dem alten Gnadenbild der “Schmerzhaften Muttergottes von der Stierling Kapelle” stehen fünf Jahreszahlen: Die älteste ist 1708. Damals war Blasius Schnaitl Besitzer des Lacknergutes in Untereching Nr. 8 und damit auch der Stierling-Kapelle. Das Gut reicht mütterlicherseits bis 1688 zurück. Ab 1798 scheint als Familienname des Besitzers Niederreiter und von 1870 bis 1949 Ramböck auf. 5 Söhne und 6 Töchter gab es am Lacknergut. Die jüngste Tochter erbte den Hof und verheiratete sich mit Adolf Oberwimmer.

Die Lacknerfamilie Adolf und Eva Oberwimmer haben die Kapelle dann neu aufgemauert und renoviert. Das Gnadenbild hat man wegen der Gefahr eines Diebstahls nach Hause genommen. Matthäus Niedermüller, der Sohn der ehemaligen Kreilwirtin von Untereching, die eine Lacknertochter war, hat im Dezember 1987 das Originalbild kopiert. Die heutigen Besitzer sind Engelbert und Christine Oberwimmer….

Auch
später hatte die Kapelle öfters unter Vandalismus zu leiden. So
wurde seit 1990 ein Marienbild gestohlen und die Kapelle verwüstet,
eine Fatimastatue entwendet und eine andere verbrannt.

Im Jahr 1993 errichteten Georg Thalmaier (vulgo Sigl Schorsch) und Johann Giglmayr (vulgo Spitzauer Hans) einen Sühnekreuzweg mit 15 Stationen zur Stierlingkapelle. Die Stationen sind entlang eines Waldweges von Eching her aufgestellt. Das anfangs erwähnte Rinnsal fließt in der Nähe dieses Weges, inzwischen zu einem Bächlein geworden, in einem tief eingegrabenen Bachbett, das man Teufelsschlucht nennt.

Der
Weg verläßt den Stierlingwald in der Nähe des Echinger
Sportplatzes. Hier biegt der Bach, der auch Krebsenbach genannt wird,
in Richtung Norden und fließt entlang der Geländekante gegen St.
Georgen. Von dort biegt er nach Westen ab, füllt den Fischweiher
beim Sporer, rinnt unter der Oberechinger Landesstraße durch und in
die St. Georgener Au. Die letzte Strecke führt den Bach vorbei an
dem ehemaligen Wohnhaus des Dichters und Malers Georg Rendl und
vereinigt sich in der Au mit dem Pladenbach.

Fotos: Wolfgang Bauer, Hannes Miller (2)