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1 Aglassing Linde Bühelhaiden

Mein Besuch bei alten Bäumen (4)

Linde bei Aglassing

Wenn man von Oberndorf in Richtung Obereching fährt, dann kommt man einige hundert Meter nach dem Ortsende in Bühelhaiden zu der Abzweigung nach Aglassing. Hier stand bis zum Jahr 2010 eine mächtige alte Linde. Der Stammumfang betrug in einem Meter Höhe 4,50 Meter.

Wolfgang Bauer

Von Wolfgang Bauer

Die Straße macht hier nach einer langen geraden Strecke eine leichte Kurve. Obwohl die Geschwindigkeit dort beschränkt ist, kam es hier manchmal zu Unfällen, davon vierzehn Jahre vorher zu einer tödlichen Frontalkollision mit dem Baum.

Die Linde war davon weder arg beschädigt noch sonst ernsthaft krank. Trotzdem wurde sie umgeschnitten, weil sie für Raser eine Gefahr war. Auch der Wurzelstock wurde später herausgebaggert, der im Jahr darauf noch kräftig aus dem Baumstumpf ausgetrieben hatte.

Heute steht dort ein Buswartehäuschen und einige Meter von der Straße entfernt ein junges Bäumchen.

Die Linde mit einem Stammumfang von 4,50 Meter. Zum Vergleich meine Tochter im Baum

Diese Straße zwischen Oberndorf/Maria Bühel und Obereching bestand seit uralten Zeiten. Wahrscheinlich lebten hier Menschen bald nachdem der Salzachgletscher vor 10.000 Jahren abgeschmolzen und der zurückgelassene See über die Salzach abgeflossen war.

Der Wurzelstock trieb im Jahr nach dem Umschneiden nochmals kräftig aus

Archäologische Funde reichen an diesen Orten zurück bis 1800 v. Chr. Die Siedlungen wurden immer auf Geländeterrassen errichtet, die einigen Schutz boten. Sie waren in der Nähe der Salzach entstanden, meist an einem Bach oder einer Quelle. In Oberndorf war dies auf der Lindachhöhe in der Nähe der Einmündung der Oichten in die Salzach. In Obereching und Untereching an Salzach und Pladenbach.

Bronzezeitliche Funde an der Wand einer Schottergrube

So fand man bei Oberndorf Keramiktöpfe aus 1800 – 1600 v. Chr. von einer kleinen Siedlung und in Obereching vier Depots von Spangenbarren aus Kupfer – insgesamt mehrere hundert Exemplare mit einem Gesamtgewicht von rund 100 kg, die als eine Art Währung gehandelt wurden. Die Besitzer dieser damals sehr wertvollen Stücke konnten sie aber wohl nicht mehr bergen.

Spangenbarren

Aus der Keltenzeit und der Römerzeit liegen in der Nähe ebenfalls zahlreiche Funde vor. Auf der Lindachhöhe bei Oberndorf fand man die Fundamente eines Grabtempels, der zu dem Gräberfeld einer römischen Siedlung gehört hatte. In Obereching wurde ein Hügelgrab aus der 2. Hälfte des 2. Jahrhunderts n. Chr. mit reichen Grabbeigaben gefunden. Es gehörte zu einer villa rustica, die sich in der Nähe befand. Von einer Schmiede, die wegen der Brandgefahr etwas abseits der Wohnhäuser gebaut worden war, grub man unter anderem einen guterhaltenen hölzernen Brunnenschacht aus.

Nach dem Abzug der Römer im Jahr 488 verblieben jedoch viele der römische Siedler im Land. Es erfolgte eine intensive Besiedlung durch die Bajuwaren. So wurde in Untereching ab 1894 ein großes Gräberfeld freigelegt. Auch in der näheren Umgebung um unsere Linde erinnern etliche Ortsnamen mit …ing Endungen an die Bajuwaren. Neben Eching auch Aglassing, Loipferding oder Göming.

Ein Gedenkstein in Untereching erinnert an den Fund eines Bajuwaren-Friedhofes aus der Zeit um 600 n. Chr.
Ein Gedenkstein in Untereching erinnert an den Fund eines Bajuwaren-Friedhofes aus der Zeit um 600 n. Chr.

So hat die Linde nicht nur im Lauf der Jahrhunderte viel gesehen, sondern sie stand an einer Straße, die mindestens seit dreieinhalb Jahrtausenden begangen worden ist.

Die Linde von Aglassing nach Sonnenuntergang im Jahr 2005
Die Linde von Aglassing nach Sonnenuntergang im Jahr 2005


Ignaz-Glaser-Symposion

rückBLICK | Mut tut gut – Zivilcourage auf allen Ebenen

3. Ignaz-Glaser-Symposion in Bürmoos 8. – 9. 10. 2010

Bürgerliches Engagement fördern

Das dritte und letzte Ignaz-Glaser-Symposion hat sich mit Vorträgen und Workshops dem Thema “Zivilcourage” gewidmet. Es war das letzte von Daniel Krainer für das Salzburger Bildungswerk organisierte Symposion in Bürmoos.

Finden Sie im Folgenden die Veranstaltungsbroschüre mit dem Programm und den Grußworten von Landeshauptfrau Mag. Gabi Burgstaller, DI Peter Malata vom W&H Dentalwerk in Bürmoos und Dr. Günther Signitzer vom Salzburger Bildungswerk.

Nach der Fotostaffel mit einem Überblick über die Veranstaltungen finden Sie den Link zum Herunterladen der Broschüre.

Die Dokumentation als PDF-Download >


Oberndorf 1899 Steg weggerissen

Mein Besuch bei alten Bäumen (3) Platane in Laufen/ Obb.

Von der Eichenallee in Weitwörth (siehe 2. Station) ist es mit dem Auto nur eine Minute bis nach Oberndorf, über die Länderbrücke rechts hinunter zum unteren Stadttor kommt man zur Salzach.

Wolfgang Bauer

Von Wolfgang Bauer

Rund einhundert Meter flussabwärts auf halber Hanghöhe steht eine der immer seltener werdenden mächtigen Platanen. Sie ist bestimmt weit über 200 Jahre alt und hat einen Stammumfang von 6,05 Meter in ein Meter Höhe (1990). In ihrem langen Leben konnte sie dort schon viel sehen.

Ganz in der Nähe hatte man eine Holzbrücke errichtet, welche die zu Salzburg gehörende Stadt Laufen mit den Vororten (Alt)Oberndorf und Altach am anderen Salzachufer verband. In den Franzosenkriegen hatte im Dezember 1800 hier, trotz Zerstörung der Brücke, das französische Heer übergesetzt und die österreichische Armee zum Rückzug gezwungen. Niedrigwasser hatte sogar das Überqueren der Salzach durch Reiter ermöglicht.

Platane mit meiner Tochter 1990 | Platane Stamm mit Efeu

Das früher zum selbständigen Erzbistum Salzburg gehörige Laufen war zwischendurch zu Österreich gekommen und kam 1816 endgültig zu Bayern, ebenso wie der gesamte Rupertigau, während das übrige Salzburg Österreich zugeschlagen wurde. Damit hatte die Platane schon in drei Ländern gelebt, ohne sich zu bewegen.

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Eine Holzbrücke verband Laufen mit den Vororten Altach und Oberndorf

Die alte Salzachbrücke wurde in den Franzosenkriegen mehrmals absichtlich unbrauchbar gemacht aber auch durch viele Hochwasser zerstört

Zwei Jahre später, im Jahr 1818, wurde in der in Sichtweite der Platane erbauten Kirche St. Nicola in Oberndorf das heute weltweit bekannte Weihnachtslied „Stille Nacht, heilige Nacht“ zum ersten Mal öffentlich gesungen.

Viele Wallfahrten waren an dem Baum vorbeigezogen um über die am anderen Ufer steil nach oben führende Kalvarienberg-Stiege zur Wallfahrtskirche Maria Bühel zu pilgern. Vielleicht hatten einige ja vorher unter dem Baum gerastet vor dem anstrengenden Aufstieg.

Jahrhunderte hatte der Salztransport flußabwärts und der Transport von anderen Waren in der Gegenrichtung auf der Salzach der Stadt Laufen und deren Vororten Wohlstand gebracht. In der Altach – gegenüber unserer Platane – mußten nämlich die leichten Zillen, die von Hallein kamen, umgeladen werden. Nun konnten die größeren Plätten eingesetzt werden, für die ab hier bis zur Donau die Flüsse schiffbar waren. Der Wohlstand der Schifferfamilien war allerdings zu Ende, als in den 1860er Jahren Eisenbahnen gebaut wurden. Die Schöffleute wurden arbeitslos und verarmten.

Salzachplätte

Aber es gab auch andere schlimme Ereignisse: Im Jahr 1899 suchte ein gewaltiges Hochwasser das Land Salzburg heim. In der Schlinge, die hier die Salzach bildete, stieg das Wasser so hoch, daß wieder einmal viele Häuser von Oberndorf zerstört oder verwüstet wurden und auch die Brücke einstürzte.

Das überschwemmte Altoberndorf 1899

Hochwasserschäden 1899

Jetzt reichte es den Menschen: Man beschloss, den Ort aufzugeben und an einer höheren Stelle neu aufzubauen. In den Jahren 1902 und 1903 entstand das heutige Oberndorf mit der berühmten Brücke über die Salzach. Das Zentrum bildete die Brückenstraße von der Brücke bis zur neuerbauten Kirche St. Nikolaus. Diese wurde gebaut, weil die alte Kirche, in der das Stille-Nacht-Lied uraufgeführt worden war, auch nicht mehr zu retten war. An ihrer Stelle baute man daneben die heutige Stille Nacht Kapelle.

In der St. Nicolakirche wurde das Lied „Stille Nacht, heilige Nacht“ erstmals gesungen

Die Stille Nacht Kapelle. Rechts der alte Wasserturm

Die Häuser im neuen Oberndorf wurden an rechteckig angelegten Straßen errichtet. In jedem dieser Straßenblocks befand sich auch ein Wirtshaus. Einige der damaligen Wirte blieben allerdings an den alten Standorten wie der Bauernbräu und der Noppingerbräu. Auch mein Großvater Josef Wochinger, Maurer und Trafikant, verlor sein Haus in Altoberndorf durch das Hochwasser, das er gemeinsam mit seinem Schwager, dem Tischlermeister Franz Girlinger, dort besessen hatte.

Die Häuser des alten Oberndorf wurden demoliert und an ihrer Stelle ein gewaltiger Damm errichtet, der in Zukunft Hochwasser-Katastrophen verhindern sollte. Ganz dicht war allerdings auch er nicht. Trotz der Eintiefung der Salzach durch fehlenden Nachschub an Geröll, welches durch Stauwerke blockiert war, bildete die Salzach immer noch eine Bedrohung für viele Häuser.

Der neue Steg am Platz der alten Holzbrücke

2013 stieg die Salzach wieder bedrohlich an, aber der Damm hielt

Viele weitere Hochwasser, das größte davon im Jahr 1959 bewiesen, dass die Natur nie komplett beherrschbar ist. Unsere alte Platane aber blieb davon unbeeindruckt und konnte erleben, wie die alte Verbindung zwischen dem alten Oberndorf und Laufen durch einen Steg wieder hergestellt wurde – auch wenn diese Verbindung durch ein winziges Virus derzeit manchmal blockiert wird.

Neuoberndorf: Brückenstraße mit der St. Nikolauskirche am Ende

Brückenstraße mit Länderbrücke

Die Platane trotzt noch immer Wasser, Wind, Hagel, Schnee und Nebel


Eichenallee in Weitwörth

Mein Besuch bei alten Bäumen (2) Weitwörth – Schloss und Allee

Wenn man vom Haunsbergrücken oder von Nußdorf in Richtung Weitwörth fährt, so kommt man auf einer Hügelkuppe in den aus wenigen Häusern bestehenden Ortsteil Gastein.

Wolfgang Bauer

Von Wolfgang Bauer

Von hier, vom Braunstattgut, stammt eine meiner Ur-Ur-Großmütter, Helene Feldsperger (1796 – 1861), die ihren Mann – meinen Ur-Ur-Großvater Johann Baptist Wochinger (1786 – 1828) – im Jahr 1819 geheiratet hatte.

Dieses aus Holz gebaute Braunstattgut konnte ich 1977 noch fotografieren, ein Jahr bevor es abgerissen wurde. Es gehörte einst zum Schloss Weitwörth.

Braunstattgut früher – Foto Archiv W. Bauer

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Braunstattgut vor dem Abriß 1977 – Foto Wolfgang Bauer

Auf der rechten Straßenseite, kurz vor der Auffahrt zur Lamprechtshausener Straße, befindet sich die Zufahrt zum Schloss Weitwörth.

Dieses Jagdschloß wurde 1671 unter Fürsterzbischof Graf von Kuenburg erbaut, 1790 umgebaut, war zwischendurch Sitz des Pfleggerichtes, bevor es 1864 von den Fürsten Auersperg gekauft und umgebaut wurde.

Vier Jahre später war sogar Kaiser Franz Josef mit seinen Kindern Kronprinz Rudolf und Erzherzogin Gisela hier zu Gast. Die Familie Auersperg (vor der Abschaffung des Adels Fürsten von Auersperg) hat übrigens auch das Privileg, ihre Verstorbenen an der Kirchenmauer der Wallfahrtskirche Maria Bühel bei Oberndorf zu begraben.

Maria Bühel 2005

Gräber der Auersperg bei der Kirche Maria Bühel

In der Wiese neben dem Schloss mit einem grandiosen Ausblick ist ein uralter Baum weithin sichtbar. Er ist voller Misteln, wie man auf einem Foto vom April dieses Jahres, kurz vor dem Austreiben der Blätter, schön sehen kann. Um welchen Baum es sich handelt konnte ich nicht feststellen, da Park und Schloss vermietet und nicht öffentlich zugänglich sind.

Schloß Weitwörth 2020

Baum mit Misteln im Schloßpark 2020

Fährt man auf der Nußdorfer Straße weiter, so kommt man auf eine der seltenen Eichenalleen in unserer Gegend. Sie beginnt beim Fürwag und endet erst kurz vor der Gemeinde Oberndorf. Allerdings weist sie im Bereich der Industrieanlagen schon große Lücken auf. Laut Auersperg hatte die Allee sein Urgroßvater gepflanzt, der das Gut Weitwörth 1864 gekauft hatte. Laut Salzburgwiki ist die Allee bereits 1860 gepflanzt worden. Bis die neue Straße gebaut wurde, wälzte sich durch diese Allee der gesamte Verkehr des nordwestlichen Flachgaues und des angrenzenden Innviertels. Parallel dazu waren die Gleise der Lokalbahn verlegt.

Straße und Bahn im Fürwag

Diese Trassen von Straße und Bahn waren aber nicht vor Überflutungen sicher. Auf dem alten Bahnhof in Weitwörth waren die Wasserstände der diversen Hochwässer markiert gewesen. Wenn ich mich recht erinnere, so war die höchste Markierung in Kopfhöhe diejenige des Hochwassers 1899, bei dem auch Alt-Oberndorf zerstört wurde. Die zweit höchste Markierung, nicht weit darunter, war vom Hochwasser 1959. Daher wurde, auch wegen des immer mehr zunehmenden Verkehrs, eine höher gelegene Trasse der Straße von Acharting bis fast nach Arnsdorf gebaut und 1994 eröffnet.

Seither war es in der alten Allee ruhiger. Sie war 1980 zum geschützten Landschaftsteil erklärt worden. Die Bäume atmeten auf – bis es 2001 zu einem Eklat kam.

Baumfällung 2001

Grundbesitzer Franz Josef Auersperg, sonst sehr traditionsbewusst,  hatte um eine Rodungsbewilligung für Pappeln an der einen Straßenseite angesucht und diese auch erhalten. Er ließ jedoch auch zwanzig alte Eichen der Allee auf der anderen Straßenseite fällen. Der Fürst war finanziell wohl gerade etwas klamm gewesen.

Eichen Allee

Die Naturschutzabteilung der BH wurde darüber informiert und reagierte sofort. Es wurde eine Strafe verhängt und es mussten alle gefällten Bäume durch Eichen mit einem Stammumfang von 25 cm ersetzt und bis 2002 gepflanzt werden. Der erwartete Gewinn von 100.000.- Schilling für die geschlägerten Eichen wurde dadurch wohl zu einem gewaltigen Defizit.

Der Schmerz wurde aber im Jahr 2016 durch einen Verkauf gelindert. Durch das Land Salzburg wurde, auf Initiative der LH Stellvertreterin Astrid Rössler, von der Familie Auersperg eine Fläche von 127 Hektar Aulandschaft angekauft. Hier sollten in Zukunft alle Bäume bis zu ihrem natürlichen Ende wachsen können.

Weitere Info:

Natur Pur in Weitwörth >
Weitwörther Au >
Renaturtierung der Weitwörther Au fertig >


Fucking

Das war´s mit Fucking

Fucking im oberösterreichischen Innviertel ist ein Ortsteil der Katastralgemeinde Hofstatt in der Gemeinde Tarsdorf. Der Orstname ist seit 1070 belegt.

In einer Zeit, in der es offensichtlich ohne englische Wörter in der deutschen Sprache nicht mehr geht, wurde es zunehmend schwieriger für das alte Wort Fucking [ˈfʊkɪŋ], hat es doch englisch ausgesprochen [ˈfʌkɪŋ] eine ganz andere Bedeutung.

Der Ort erlangte nach und nach eine ganz spezielle Berühmtheit, die so eigentlich niemand haben wollte. Es war keiner stolz darauf, als Fucking auf einer Porno-Plattform zu einem sogenannten „Premium Place” wurde. Auf diese Werbung hätte man gerne verzichtet. Da half es auch nichts, dass Bewohner einen Gratiszugang zum Premium-Abonnement bekommen konnten.

Irgendwann einmal war es dann ganz einfach genug. Wenn regelmäßig die Ortstafel gestohlen wird oder mehr oder weniger bekleidete Personen vor dem Schild posieren, hört sich der Spass auf. Daher beschloss am 17. November 2020 der Gemeinderat von Tarsdorf unter Bürgermeisterin Andrea Holzner die Ortschaft zum 1. Jänner 2021 in Fugging umzubenennen.

Zwischenzeitlich wurden alle Ortstafeln, Hausnummernschilder und Wegweiser ausgetauscht. Für die Einheimischen wird sich nicht viel ändern, [ˈfʊkɪŋ] wird [ˈfʊkɪŋ] bleiben und alles andere wird Geschichte sein.

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Kaiserbuche

Mein Besuch bei alten Bäumen (1) Die Kaiserbuche auf dem Haunsberg

Wann immer ich in der Natur unterwegs bin, gilt mein besonderes Augenmerk alten Bäumen. Diese Riesen im Pflanzenreich haben oft eine bewegte Geschichte und könnten uns so manches erzählen.

Wolfgang Bauer

Von Wolfgang Bauer

Manche sind ziemlich bekannt und wurden zum Gedenken an besondere Ereignisse gepflanzt, andere fand ich nur durch etwas Glück. Sie hielten oft Jahrhunderte lang Stürmen und Schnee stand und manchmal wurden sie nur durch Zufall vor der Gier der Menschen nach besonderem Holz gerettet.

In ihrem Schutz oder Schatten lagerten Soldaten, Fuhrleute und Bauern, Wanderer die von einem Gewitter überrascht wurden, suchten Schutz darunter weil sie dachten, wenn Jahrhunderte kein Blitz eingeschlagen hatte, konnte es dort nicht so gefährlich sein. Wilderer versteckten sich dahinter und Liebespaare trafen sich dort. Auch so manches Kind ist wohl unter ihrer Krone gezeugt worden.

Das Alter der von mir besuchten Bäume reicht dabei von hundert bis über 4.000 Jahre. Leider sind viele von den Methusalems inzwischen verschwunden: Von Stürmen umgerissen, vom Schnee beschädigt, der Umweltverschmutzung zum Opfer gefallen oder von einem Grundbesitzer umgeschnitten, um zu Bau- oder Möbelholz verarbeitet zu werden.

Die Kaiserbuche auf dem Haunsberg

Wer von der Lamprechtshausener Straße in Weitwörth abfährt, in die Nußdorfer Landesstraße einbiegend, der kommt nach kurzer Strecke zur Abzweigung der Haunsberger Landesstraße. Wenige Meter weiter auf der Nußdorfer Landesstraße würde es nach oben zum Schlößl gehen. In Schlößl steht eine kleine Kirche, die aber trotz ihrer geringen Größe zwei Kanzeln hat. Hinter der Kirche ein Gasthaus. Vom Vorplatz der Kirche hat man einen prächtigen Ausblick bis ins Innviertel.

Ausblick von der Kirche St. Pankraz über das Oichtental, Foto: Wolfgang Bauer

Filialkirche St. Pankraz, Foto: Wolfgang Bauer

Dort wo heute ein Parkplatz ist, stand früher ein Schloß der Haunsperger. das längst verschwunden ist. Von hier aus fraß sich ein mächtiger Steinbruch in den Berg, der eigentlich eine Sandgrube ist. Hier wurde ab 1872 jahrzehntelang Quarzsand für die Glashütte in Bürmoos gewonnen, mit dem man Tafelglas in hervorragender Qualität erzeugen konnte. Eine Viertelstunde dem hier beginnenden Wanderweg entlang laufend kommt man zu einer senkrechten Wand aus der man früher Mühlsteine herausmeißelte, wie noch an den Spuren zu sehen ist.

Spuren von der Mühlsteingewinnung, Foto: Wolfgang Bauer

Wir aber fahren auf der in Serpentinen aufwärts führenden Straße nach einem kurzen Waldstück auf dem Kamm des Haunsberges zu einer Kapelle, einem Gedenkstein und einen kleinen Baum auf 766 Meter Seehöhe. Hier soll Kaiser Joseph II. im Jahr 1779 gestanden sein um das im Frieden zu Teschen von Bayern an Österreich gekommene Innviertel teilweise überblicken zu können. In seinen persönlichen Aufzeichnungen hat der Kaiser zwar jedes Bauerndorf auf seiner Rundreise im Innviertel und einigen Salzburger Orten erwähnt – von welchem Besuch der Landesherr, der Salzburger Erzbischof, nichts wissen sollte – kein Wort jedoch von der beeindruckenden Fernsicht am Kamm des Haunsberges geschrieben.

Von hier aus hat man eine prächtige Aussicht sowohl in das Trumer Seengebiet, wie auch auf der anderen Seite bis ins Bayrische und ins Innviertel.

An diesem Platz stand bis ins Jahr 2004 die weitum wohl allen Leuten bekannte Kaiserbuche. Obwohl „erst“ 225 Jahre alt, (wahrscheinlich aber erst 1791, ein Jahr nach dem Tod des Kaisers Joseph II. gepflanzt) konnte sie sich so alleinstehend ungehindert ausbreiten und wachsen. Sie erreichte einen Stammumfang von 6,75 Metern. 1865 errichtete man neben dem Baum eine Pyramide mit Gedenktafel, die auf den Besuch des Kaisers hinwies. Zum 50jährigen Regierungsjubiläum von Kaiser Franz Josef I. im Jahr 1898 kam dann daneben noch eine kleine Kapelle dazu. 1932 ist die Rotbuche zum Kulturdenkmal erklärt worden.

Die Kaiserbuche 1999, Foto: Karl Traintinger

In einem gewaltigen Sturm im August 2004 wurde die schon länger kränkelnde Kaiserbuche entwurzelt und beschädigte dabei die Gedenk-Pyramide. Das Holz des Baumes wurde an verschiedene Heimatmuseen der Umgebung verteilt und ein Innviertler Tischler fertigte daraus exklusive Tischplatten, wie eine Zeitung berichtet.

Bilder (Wolfgang Bauer): Alte Aufnahme der Kaiserbuche mit Kapelle bei Sonnenaufgang – der Umfang der Kaiserbuche in 1 Meter Höhe betrug 1990 6,75 Meter – in Sturm hatte die Buche entwurzelt – das blieb von der einst mächtigen Rotbuche – Gedenkstein in Pyramidenform – Requiem für einen Baum – viele wollten ein Stück als Andenken mitnehmen

Wer nach dem Besuch der neuen Kaiserbuche noch wandern möchte, kann zum Gipfel des Haunsberges gehen. Vorbei an der Riesenkugel der Radarstation kommt man zu dem unspektakulär aussehenden höchsten Punkt. Diese Bergkuppe war schon um 1300 v. Chr. zumindest zeitweise bewohnt. Wer genau schaut, kann hier noch eine Wall- und Grabenanlage im Gelände erkennen.

Prähistorische Wall und Grabenanlage ist auf dem Gipfel noch sichtbar, Foto: Wolfgang Bauer

Die Kaiserbuche am Hausberg 2016 >
Die Kaiserbuche stirbt >
Die Haunsberger >

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100 Jahre liegen dazwischen | B156 Hausmoning

Um etwa 1920-1930 dürften diese zwei Bilder entstanden sein. Sie zeigen im Hintergrund die Pfarrkirche. Aufgenommen wurden sie an der B156 in Hausmoning auf der Höhe vom Fliesen Huber bzw. der OMV Tankstelle. ___STEADY_PAYWALL___ Die historischen Fotos werden mit aktuellen Bildern vom Oktober 2020 ergänzt.

Links hinter dem Zaun ist der Garten vom heutigen Fliesen Huber. Etwas weiter vorne rechts ist die Einfahrt nach Hausmoning im Bereich des ehemaligen Transportunternehmens Roman Gschaider.

Links sieht man den Parkplatz der Firma Fliesen Huber

Rechts kann man die Einfahrt nach Hausmoning erkennen.


Deutsche Sprache – schwere Sprache

Etwas zu diskutieren

Wenn man heute von jemanden hört oder liest, von dem man nicht weiß ob männlich oder weiblich, so ist die Einordnung durch die vielen verkürzten oder exotischen Vornamen oft schwierig.

Wolfgang Bauer

Von Wolfgang Bauer

Hier wäre eine Unterscheidung hilfreich wie im tschechischen oder in anderen slawischen Sprachen üblich. Dort hängt man bei weiblichen Familiennamen die Endung …ova an.

Auch bei uns war es in den kirchlichen Matriken bis lange nach 1800 durchaus üblich, bei Frauen ein …in anzuhängen, wie es heute in Umgangssprache und Dialekt noch oftmals üblich ist.

Anna Maria wurde 1791 als Tochter von Johann Bauer und Johanna Wolfin geboren

Theresia Stadlerin starb 1807 im Alter von 1 Jahr, Magdalena Bauerin starb mit 76 Jahren

Aus meiner Ahnenforschung:

Mehrere Umbenennungen mußte Theresia Baier mitmachen: Geboren wurde sie 1898 in Fürstenhut im Böhmerwald als Theresia Baier. Bei der Hochzeit 1923 wurde sie zur Theresia Bauer. Als sie mit ihrer Familie 1946 von Haus und Hof vertrieben wurde, wobei jeder Erwachsene 50 kg Gepäck mitnehmen durfte, wurde sie zur Terezie Bauerova. Nach der Ankunft in Bayern, wo sie 1981 in Grafenau starb, wurde sie wieder zu Theresia Bauer.

Ausweisung
Therezie Bauerova (mit Mann Ferdinand) und ihre Tochter Anna Bauerova (mit Bruder Jan = Hans) aus Bucina (Buchwald) 15 werden aufgefordert, sich am 25.3.1946 um 7 Uhr zum Abtransport einzufinden. Theoretisch durften sie 50 kg von ihren Habseligkeiten mitnehmen, meistens wurde aber auch davon noch viel von den Aufsehern abgezweigt.

Ein anderes Problem für unsere Sprache sind heute die Sprachverhunzer und Emanzen, die mit Brachialgewalt allen gendern wollen. Sie bekämpfen das Generische Masculinum und verlangen überall eine weibliche Form. Sie übersehen dabei, dass sich heute Menschen zu Dutzenden verschiedenen Geschlechtsidentitäten bekennen. Seit einiger Zeit aber möchten fanatische Genderisten unbedingt überall eine weibliche Form einführen. Alle diese Bindestriche, Sternchen, Unterstreichungen und …innen führen aber nur dazu, daß der Text unleserlich und unaussprechlich wird. Den Vogel schoß ein Fernsehmoderator ab, der Krankenschwesterinnen begrüßte.

Ich habe aber noch nie von einer Frau gehört, die durch diese „Sichtbarmachung des Weiblichen“ leichter Karriere gemacht oder mehr verdient hätte. Man hat oft den Eindruck, hier will sich jemand durch Sprachverhunzung profilieren, der sonst nichts zu sagen hat.

Man sollte daher bei der bewährten Form unserer Sprache bleiben, sonst werden in absehbarer Zeit alle Bücher und schriftlichen Aufzeichnungen für nachkommende Generationen unleserlich werden.

Die deutsche Hochsprache (Die Bezeichnung Schriftsprache ist ungenau, weil es auch viele Texte und Schriften in Dialekt gibt) ist ja eigentlich als eine künstliche Sprache eingeführt worden, um allen Dialekten und Mundarten untereinander eine Verständigung zu ermöglichen. Von Norddeutschland bis Südtirol und von der Schweiz bis Siebenbürgen sollte sie jeder verstehen. Die meisten von uns wuchsen also praktisch zweisprachig auf, denn unser Dialekt unterscheidet sich doch teilweise erheblich von der Hochsprache.

Ein weiteres Problem ist die sehr beliebte Verwendung von Denglisch. Leute, die sich nicht exakt in deutsch ausdrücken können, flechten englische Wörter ein – oftmals sogar total unpassende – für die es mehrere allgemeinverständliche deutsche Ausdrücke gibt. Finde ich nicht cool.

Ein eigenes Kapitel sind wiederum die heute besonders von Politikern und Redakteuren verwendeten Phrasen wie „zeitnah“, „vor Ort“, „macht Sinn“ usw.

Bei einem solchen Niedergang unserer Muttersprache braucht man sich nicht wundern, wenn zwanzig Prozent unserer Pflichtschulabgänger nicht sinnerfassend lesen und schreiben können, wobei das Schulsystem wie auch die Medien zu einem gehörigen Anteil mitschuldig sind.

Vielleicht bringt mein Artikel einige Leser dazu, über die Sprache zu diskutieren und nicht etwas nachzuplappern, das ihnen vorgesagt oder vorgeschrieben wurde.


Gedenkfeier St. Pantaleon 2020

20 Jahre Erinnerungsstätte St. Pantaleon

Jubiläumsgedenkfeier am 4. Oktober 2020

Vor 20 Jahren, im Sommer 2000, wurde die Erinnerungsstätte für die Opfer der beiden NS-Lager Weyer – St. Pantaleon an der heutigen Moosachstraße eröffnet. Sie ist längst zu einem weithin bekannten, jedes Jahr von vielen absichtlich oder zufällig Vorbeikommenden besuchten Gedenkort geworden.

Die Anlage mit der beeindruckenden Figurengruppe des deutschen Bildhauers Dieter Schmidt im Zentrum steht mittlerweile unter Denkmalschutz.

(Verein Erinnerungsstätte Lager Weyer/ Innviertel)

Obmann Ludwig Laher begrüßte die Gäste und es gab anschließend Grussadressen von Bgm. Valentin David (St. Pantaleon), OÖ LtgAbg. Ferdinand Trifnig, Sbg. Ltg.Präs. Dr. Sebastian Huber und Willi Mernyi, dem Vorsitzenden des Österr. Mauthausen Komitees.

Es war ja nicht nur Mauthausen, sondern es gab noch 20-30 weitere ähnliche Lager …

Willi Mernyi

Musikalisch umrahmt wurde die Feier von Erwin Hörl an der Klarinette und Alfred Aichinger an der Gitarre. Matthias Aichinger präsentierte sein Lied: “I hobs so satt”.

Der zweite Teil der Veranstaltung fand in der Mittelschule in St. Pantaleon statt. Alfred Aichinger gab einen kurzen Überblick über die Gedenkarbeit um die beiden NS-Lager Weyer – St. Pantaleon. Valentin David, Franz Saxinger (Kollerschlag) und Johann Prillhofer (Neukirchen an der Enknach) gaben einen Überblick darüber, wie in ihren Gemeinden mit den Opfern der Lager Weyer umgegangen wird. Welche Initiativen haben sie gesetzt, was ist ihnen auch zukünftig wichtig?

Nachdem ich das 2001 erschienene Buch “Herzfleischentartung” von Ludwig Laher gelesen hatte, fragte ich alte Bäuerinnen und Bauern aus der Gegend, ob sie denn von dem Lager unten in der Moosach gewusst haben. Nach einigem Zögern kam meist die Antwort, freilich, wir haben ja auch Menschen schreien gehört.

Karl Traintinger

Abschließend las Ludwig Laher aus seinem kürzlich erschienen Buch: Schauplatzwunden. Über zwölf ungewollt verknüpfte Leben.

Dieses Buch porträtiert Opfer, Täter und anderweitig von den Ereignissen rund um die Lager Weyer nachhaltig Betroffene. Daraus entsteht ein breites Panorama aus Willkür, Ohnmacht, verbrecherischer Energie, roher Gewalt, politischem Kalkül, aber auch absurder, oft lebensentscheidender Zufälle.

Weitere Infos:

Ludwig Laher in der Dorfzeitung >

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Dampflok Bürmoos in Lamprechtshausen

Die verschwundenen Bürmooser Industriegleise der Lokalbahn (SETG)

Die Bahn von Salzburg in den nördlichen Flachgau war ursprünglich vor allem als Industriebahn gedacht, weniger zur Personenbeförderung. Der Bürmooser Glasindustrielle Ignaz Glaser war dabei eine treibende Kraft. Er hatte mit der Gesellschaft SETG (Salzburger Eisenbahn und Tramway Gesellschaft), die das Projekt betreiben wollte, so geschickt verhandelt, daß er selbst nichts zu den Kosten beitragen mußte.

Wolfgang Bauer

Von Wolfgang Bauer

Im Jahr 1896 war es dann soweit, daß der Bahnbetrieb aufgenommen werden konnte. Dazu wurden auch zu einzelnen Firmen Industriegleise zum Verladen der Erzeugnisse verlegt. Das erste war ein Gleis in Zehmemoos zur längst aufgelassenen Ziegelei, das die Lamprechtshausener Straße querte. Parallel dazu auch ein Schmalspurgleis der „Bockerlbahn“. Später kam die Verladung von Torfstreu dazu und nach dem Zweiten Weltkrieg wurden die Erzeugnisse des Torfwerkes dort verladen. ___STEADY_PAYWALL___

Normalspur- und Schmalspurgleis vom Torfwerk zur Lokalbahn

Ein Gleis zweigte in Bürmoos zur Ziegelei ab – heute die Firmen Nitsche und Zimmermann. Die Ziegelei war im selben Jahr wie die Lokalbahn gegründet worden. Vorher wäre der Ziegeltransport mit Fuhrwerken zu teuer gewesen. Unseren See, die Loamgruabm (Lehmgrube) verdanken wir der Lehmentnahme durch die Ziegelei. Als die Lehmqualität zu schlecht wurde bezog man den Lehm vom Kohlebergwerk Trimmelkam.

Das Lokalbahngleis in der Ziegelei

Das dritte Industriegleis verlegte man zur Glashütte. Vom Bahnhof ging es in einer engen Kurve mit starker Steigung zur Rückseite der Glashütte und zur Hafenstube. Die Trasse ist heute Pater Felix Platz und Mertensstraße. Auf der linken Seite bei der Steigung stand das Holzhaus des Schusters Ignaz Frei. Es war immer durch Funkenflug gefährdet, die Dampfloks durften dort nur langsam fahren. Auf der rechten Seite, dort wo heute die katholische Kirche und der Pfarrhof stehen, befand sich die bekannte Gänselacke.

Das Glashüttengleis, links das Haus des Schusters Frei, in der Mitte Bommer, rechts Kaufhaus Stadler

Das nächste Haus links war das erste Kaufhaus der Familie Stadler, an der Kreuzung zur Stierlingwaldstraße. Ein Raum diente zeitweise als Notkirche, später wurde es ein Sport- und Modegeschäft.

Das Hüttengleis gleich nach dem Bahnhof. Im Hintergrund die Flaschenbierhandlung Roschanek gegenüber dem Bahnhof. Ca 1940

Am Beginn der Mertensstraße war links der Bauer Bommer. Das Bauernhaus ist interessant, weil die bei uns unübliche Außentreppe ins Obergeschoß auf italienische Maurer hinweist, die bei mehreren Objekten im Ort aktiv waren. Die auch seltene Rampe zur Hochtenne wurde von den Kindern im Winter zum Schlitten- und Schifahren benutzt.

Das ehemalige Bauernhaus Bommer mit Außenstiege und Rampe

An der Straße davor steht ein kleines Häuschen, das schon viele verschiedene Verwendungen fand. Ursprünglich war es die Milchhalle. Hierher brachten die Bauern am Morgen die frisch gemolkene Milch und auch Rahm. Die Bürmooser kamen mit blechernen Milchkannen (Millipitschn) und holten sich, was sie brauchten. Der Rest wurde wohl von einer Käserei abgeholt.

Die (später vergrößerte) Milchhalle

Das nächste Haus rechts an der Straße war die Volksschule. Es wurde aufgestockt und heute sind ein Lokal, Therapeuten und der Fitnessklub darin untergebracht. Die Schule hatte früher keine Zentralheizung, die größeren Kinder durften den Torf zum Heizen der Öfen in den einzelnen Klassen aus der danebenliegenden „Schupfe“ holen und einheizen. Statt des Turnunterrichtes – es gab keine Turnhalle – ging es manchmal zum gegenüberliegenden Erdäpfelacker des Bommer um die schädlichen Kartoffelkäfer einzusammeln.

Weiter der Bahntrasse entlang kam man rechts zur ehemaligen Kistentischlerei der Glashütte, später Tischlerei Braunegger, heute Wohnblock.

Die Rückseite der ehemaligen Kistentischlerei, später Tischlerei Braunegger, heute Wohnblock

Schließlich endete das Industriegleis an der Rückseite der Glashütte, wo das fertige Tafelglas verladen wurde. Hierher wurde mit der Bahn auch das Soda zur Glaserzeugung geliefert.

Links gegenüber war die wichtige Hafenstube. Die Hafenmacher waren Spezialisten, die aus einem speziellen Chamottegemisch die Hafen formten, in denen das Glas bei rund 1500 Grad aus Kalk, Soda und Quarzsand geschmolzen wurde.

Die frühere Hafenstube, heute Wohnungen

An diese Zeit, als die Lokalbahn noch ein wichtiger Transportweg war, erinnert heute kaum mehr etwas. Die Trimmelkamerbahn, die viele Jahre die Kohle aus dem dortigen Bergwerk transportierte, wurde erst 1951 eröffnet. Sie wurde 2014 nach Ostermiething verlängert, aber auch hier gibt es nur mehr Personenverkehr. So bleiben nur mehr einige Fotos als Erinnerung an die Frühzeit unserer Bahn.

Verschubgeleise, Lastwaggons und handbediente Weichen werden schon lange nicht mehr gebraucht

Dampfzüge fahren nur mehr für Nostalgiker

Im Bild rechts das Gleis nach Salzburg, links das nach Ostermiething


Fotos: Karl Traintinger, Dorfbild

Die Salzachbrücke zwischen Oberndorf und Laufen

Die imposante Brücke verbindet die beiden an der Salzachschleife gelegenen, ehemaligen Schiffersiedlungen Oberndorf (Salzburg) und Laufen (Oberbayern). Altach, ein Ortsteil von Oberndorf und Alt-Oberndorf waren einst die Vororte der Stadt Laufen.

Karl Traintinger

Von Karl Traintinger

Die beiden Orte schrieben über 1000 Jahre gemeinsam Geschichte, bis 1816 im Vertrag von München die Salzach zum Grenzfluss wurde. Zu dieser Zeit verband ein Holzbrücke im Bereich des heutigen Europasteges die beiden Städte. Die letzte Holzbrücke wurde 1899 vom katastrophalen Hochwasser fast gänzlich zerstört. ___STEADY_PAYWALL___

Die beiden zuständigen Landesregierungen beschlossen daraufhin, eine neue “stabile Brücke aus Beton und Eisen” etwas flussaufwärts im hochwassersicheren Gebiet zu bauen. Am 24. Oktober 1899 wurde die Ortsverlegung von Oberndorf beschlossen. Die Laufener schliffen die Häuser Nr. 97, 98a, 98b und 99 am Marienplatz, um eine Zufahrt zur neuen Salzachbrücke zu schaffen. Nach 18 Monaten Bauzeit wurde die Brücke am 2. Juni 1903 feierlich eröffnet.

Foto: Karl Traintinger, Dorfbild
Projektion: Das ehemalige Alt-Oberndorf. Kunstprojekt von Thomas Stadler Foto: Karl Traintinger, Dorfbild

Die St. Nikolaus-Kirche in Altoberndorf, am Standort der heutigen Stille Nacht Kapelle, wurde 1909 wegen angeblicher Hochwasserschäden abgerissen. Die Grundsteinlegung der neuen Kirche fand am 19. März 1906 statt, eingeweiht wurde sie am 25. November 1907.

Die neue, generalsanierte Salzachbrücke

Brückensanierung

In den Jahren 2005 – 2007 wurde die Salzachbrücke generalsaniert. Es war wieder ein Gemeinschaftsprojekt von Salzburg und Bayern. Die Brücke hatte erhebliche Korrisionsschäden, auch sollte die Verkehrsbelastung auf 30 Tonnen angehoben werden. Eine zusätzliche Herausforderung war, dass der Verkehr während der Baumaßnahmen an der denkmalgeschützten Brücke aufrecht erhalten werden sollte.

Fast zeitgleich (2005-2006) wurde zwischen Altach (Alt-Oberndorf) und Laufen der neue Europasteg errichtet. Einige Holzpiloten kann man auf der Laufener Salzachseite noch immer sehen.

Das Zweibrückenfest am 23. – 24. Juni 2007 bildete den krönenden Abschluss der Sanierungsarbeiten.

Das ehemalige Grenzhäuschen in Oberndorf wurde jahrelang als Kunststation der Kulturinitiative KNIE genutzt. So nützte zum Beispiel der oö. Künstler Günter Hartl die Salzachbrücke zur Befestigung seiner überdimensionalen “Wäscheleine”.

Günter Hartl – Bunte Tücher unter das Salzachbrücke

Oberndorf in der Dorfzeitung >
Laufen Obb. in der Dorfzeitung >


Rendlhaus-in-St.-Georgener-Au-18.4.2020

Spaziergang in der St. Georgener Au

Nach langer Zeit besuchte ich vor einigen Wochen wieder einmal das nordwestlichste Eck unseres Landes Salzburg. Wenn man in der Gemeinde St. Georgen in Richtung Ostermiething fährt, so kommt man kurz vor der Landesgrenze, die hier von der Moosach gebildet wird, zu einer Straße, die links zur Salzachau abbiegt.

Wolfgang Bauer

Von Wolfgang Bauer

Nach wenigen Metern steht rechts ein gut gepflegtes, wohl proportioniertes Haus. In dem der Pfarre gehörigen Gebäude mit großem Garten wohnte der Maler, Schriftsteller und Imker Georg Rendl bis zu seinem Tod 1972.

Viele Stunden habe ich in diesem Haus nach der Gründung der Georg-Rendl-Gesellschaft im Jahr 2000 verbracht. Der ganze Nachlass an Ölbildern und Hinterglasmalereien sowie die gesamten schriftstellerischen Arbeiten wurden von den fleißigen Vorstandsmitgliedern gesichtet und katalogisiert.

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Das Haus liegt im Überschwemmungsgebiet der Salzach und wurde öfters bis zu den Fenstern unter Wasser gesetzt. Alles was nicht rechtzeitig in das obere Stockwerk evakuiert oder auf Tischen und Kästen in Sicherheit gebracht wurde, war verloren.

Georg Rendl (mitte) vor dem überfluteten Haus 1959

Georg Rendl nahm es mit Galgenhumor und ließ sich beim Hochwasser 1959 mit Freunden im Wasser vor dem Haus stehend fotografieren – mit einem Gläschen Wein in der Hand.

Erneutes Hochwasser 2002

Neben seinem Haus hatte der begeisterte Imker eine Reihe von Pappeln gepflanzt, denen er sogar ein eigenes Gedicht gewidmet hatte. Die Pappeln neben dem Haus stehen immer noch.

Weil die Pappeln hochaufstreben

Wer von euch, ihr unbekannten,
geliebten Menschen, geliebt
vielleicht nur, weil unbekannt,
aber trotz des Bekanntseins geliebt,
weiß, welch eine Freude mir
das vielleicht nur zehnstimmige,
aber vielleicht auch fünfzigstimmige
Festkonzert, Festorchester,
Jubelquaken der Frösche und Unken
und der Versuch des Behauptens der Wildente
und das Gesinge der nächtlichen Rohrammer
und das hinter den wandernden Wolken
Aufleuchten der Sterne
und das von regenkündenden Schleiern
zuweilen preisgegebene Licht des Monds macht.
Ich preise, lobe diese Mondnacht,
ich empfange dankend ihre Herrlichkeit,
so sehr empfang ich sie dankend,
daß es mir leicht wird,
denen, die mich verachten,
und, was bitterer ist, gering achten,
zutrinke: Lebet!
Ob des Blühens der Mohnblume
und der blauen Iris
und der Akelei,
und weil die Pappeln,
und nicht nur sie, die von mir
gepflanzt sind,
hoch, hoch aufstreben,
will ich Frieden haben. Und ich hab ihn.
Euch alle schließe ich ein
in mein: Lebet!
Ich lebe, ihr Unbekannten, ihr Bekannten, ihr Freunde,
aber ich weiß nicht,
wie lange ich lebe
und den Gesang meiner Frösche
und meiner Schilfammer
noch anhören darf.

Georg Rendl

Wenn man die Straße beim Haus vorbei weiter in Richtung Au fährt, dann kommt man auf der linken Seite in das Natura 2000 Gebiet Irlacher Au. Hier ist der nordwestlichste und tiefste Punkt des Landes Salzburg mit 380 Meter ü.d.M.

Gleich am Anfang sind dicke Baumstämme gestapelt, wohl von den letzten Stürmen geworfene Pappeln und Eschen.

Leider findet man hier auch trotz Verbotsschilder eine Menge Ablagerungen von Gartenabfällen und Rasenschnitt. Auch die angeschlagenen Hinweise darauf, dass jetzt das Wild seine Jungen zur Welt gebracht hat, sollten eigentlich überflüssig sein.

Wer in einem Schutzgebiet lärmt und durch den Wald trampelt, hat dort nichts verloren. Hinweise auf die Natur in der Au findet man allerdings kaum.

Auffällig sind hier die zahlreichen Kanzeln und Hochsitze der Jäger. Bei dem kurzen Spaziergang fand ich rund ein Dutzend davon, beinahe in Rufweite voneinander. Sozusagen ein KZ für das jagdbare Wild.

An Altersschwäche stirbt hier kein Rehbock.

Der Pladenbach mit einer begonnenen Biberburg

Nach wenigen Metern auf  einem Gehweg kommt man zu einem Steg ohne Geländer über den Pladenbach. Am Ufer steht eine gewaltige Pappel, die man einem Biber offenbar nicht gegönnt hat. Er hatte sie schon so angenagt, dass sie ins Wasser fallen sollte, aber ein Maschenzaun verhinderte wohl seine weitere Arbeit.

Hier war der Biber als Holzfäller am Werk

Der Pladenbach ist hier begradigt und vereinigt sich später, bereits auf oberösterreichischem Gebiet, mit der Moosach, die bei Wildshut in die Salzach mündet. Dieser Pladenbach bildet ungezähmt die gesamte Grenze zwischen den Gemeinden  Lamprechtshausen und Bürmoos und wird erst ab Eching bis zu seiner Mündung in ein gerades Bett gezwängt. Trotzdem schwimmen im Augebiet eine Menge Fische darinnen herum, wie man schön beobachten kann.

Pappeln und Traubenkirschen

Gewaltige Bäume mit Misteln, dazwischen die blühenden Traubenkirschen
Gewaltige Bäume mit Misteln, dazwischen die blühenden Traubenkirschen

Es war gerade der Höhepunkt der Corona Pandemie. Bei meinem Besuch waren zwar einige Autos auf dem Parkplatz, bei dem einstündigen Rundgang begegnete ich jedoch keinem Menschen. Es wäre aber sowieso überall genügend Platz zum Ausweichen gewesen.

Kürzlich konnte man in der Zeitung lesen, dass in dieser Gegend verstärkt Wilderer aktiv gewesen sein mussten. Man hatte erschossene Rehe gefunden, die einfach liegengelassen worden waren. Im Gegensatz zu jenen Wildschützen in den 1930er Jahren, die für ihre hungernden Familien etwas Fleisch wollten, geht es heute offenbar nur ums Schießen. Das passt gut zu jenen Meldungen, dass 300 ausländische Jagdpächter ohne jede Kontrolle einreisen dürfen, weil die einheimischen Jäger sonst ihre Abschußquoten von einigen zehntausend Rehen und Hirschen nicht erfüllen könnten, wie der Landesjägermeister im Fernsehen erklärte.

Trotz allem ist ein Besuch dieses Schutzgebietes für alle interessant, die sich einen ruhigen Spaziergang oder Radausflug gönnen möchten.