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Der Stadler steht in Lamprechtshausen mitten im Dorf. An zwei Seiten grenzt er an die B156, früher einmal gab es an der Westseite ein Schlachthaus und im Nordenwesten stand ein großer Stadl und danach die alte Volksschule.

Von Karl Traintinger

In den 70-80iger Jahren des vorigen Jahrhunderts war der Stadler ein beliebter Treffpunkt der Jugend mit einem weitum bekannten Veranstaltungsprogramm. Das alte Schlachthaus gibt es schon lange nicht mehr. Der Stadl der Bereich des ehemaligen Schlachthauses wurde großzügig revitalisiert. Man findet dort einen Supermarkt, mehrere Geschäfte, Büros, eine Apotheke, Ärzte und FachärzteInnen sowie die örtliche Polizeidienststelle.

Der Gasthof Stadler und die Fleischhauerei wurden vor einigen Jahren umgebaut und modernisiert. Der Stadler ist zu einem beliebten Wirtshaus im Dorfzentrum geworden. Die folgende Fotostaffel zeigt Bilder des Gasthofes aus der Nachkriegszeit.

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Der Putsch 1934 ging auch am Gasthaus Stadler nicht spurlos vorbei. Geschichtliche Hintergründe dazu kann man im Artikel:

Die Fotos stammen aus den Archiven von Alois Fuchs, Dr. Andreas Maislinger und Karl Traintinger


Faschingsumzug

Der 25. Februar 2001 war ein sonniger, kalter Wintertag und das ganze Dorf war auf den Beinen. Seit längerer Zeit fand wieder einmal ein Faschingsumzug statt.

Von Karl Traintinger

Zahlreiche bunt geschmückte Wagen lockten viele neugierige Besucher an. Die Trachtenmusikkapelle Lamprechtshausen war eine Damenkapelle geworden, das Raumschiff Enterprise machte auf seinen Reisen durch die unendlichen Weiten des Weltraumes einen Zwischenstopp auf der Hauptstraße und die 3 Scheinheiligen aus Oberndorf erheiterten das Publikum, um nur einige Beispiele zu nennen.

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Der Bereich zwischen dem Gasthaus Stadler und der Bürmooser Kreuzung war schon immer eine Engstelle. Allerdings war das Verkehrsaufkommen in den 50iger und 60iger Jahren deutlich geringer.

Von Karl Traintinger

Unten an der Kreuzung stand noch die Stadlerkapelle. Vom Gastgarten des Gasthauses gab es eine Treppe zur Bundesstraße hinunter. In der Stadlerkurve stand vor dem heutigen China-Restaurant (Han-Asia, früher Fleischhauerei Zehetner) das Kaufhaus Weikl.

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Am Foto sieht man den Straßenverlauf der B156 durch Lamprechtshausen als blaue Linie, der Stadlerberg ist dunkelblau. Das Bild wurde Mitte der 50iger Jahre aufgenommen.

Die folgenden Bilder aus den 60iger Jahren wurden freundlicherweise von Barbara Schwaiger (Zehentner) zur Verfügung gestellt.

Der Verkehr im Dorf >


Verkehr im Dorf

Wenige Tage bevor das umstrittene LKW-Fahrverbot für die großen Überlandbrummer durch Lamprechtshausen in Kraft tritt, möchte ich einige Archiv-Fotos vom 21. Mai 2008 14:30 Uhr zeigen.

Von Karl Traintinger

Es war damals die Zeit, als der Kreisverkehr an der Bürmooser-Kreuzung vor der Fertigstellung stand. Die Stadlerkapelle gab es noch in der ursprünglichen Form. Viele Gemeindebürger waren sehr neugierig, ob so ein Kreisverkehr überhaupt funktionieren kann.

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Die Diskussionen zu einer möglichen Ortsumfahrung waren im Sand verlaufen. Es gab von jeder politischen Partei nur beste Lösungsvorschlägen, die einen wollten das Dorf im Norden, die anderen im Süden umfahren, selbst ein Tunnel war im Gespräch. Die Gemeinde hat sogar im Zuge der Grundzusammenlegung eine mögliche Trasse ausgewiesen.

Seit damals wurde sehr viel gebaut und einige mögliche Trassenführungen sind zwischenzeitlich unmöglich geworden. Mit einer Ortsumfahrung schaut es zur Zeit eher sehr trist aus, dabei wurde über eine Finanzierung noch gar nicht gesprochen.

Fakt ist, dass der Verkehr in den letzten 12 Jahren nicht weniger geworden ist. Bei genauem Hinsehen gibt es heute ein großes Gewerbegebiet von Lampechtshausen bis Braunau hinab. Es wird spannend, welche Probleme mit dem LKW-Fahrverbot wirklich gelöst werden können.


Der längste „Fluss“ in unserer Gemeinde ist der Rottbach, allgemein nur das „Kaiserbacherl“ genannt. Der viel längere Pladenbach stellt zwar auf eine gewisse Länge die Grenze zu den Gemeinden Lamprechtshausen und St. Georgen dar, gehört somit aber nur zur Hälfte nach Bürmoos. Das Kaiserbacherl beginnt in der Wiese zwischen Ortszentrum und Bürmooser See (Loamgruabm).

Wolfgang Bauer

Von Wolfgang Bauer

Vom Kindergarten weg rinnt das Bächlein nach mehrmaligem Richtungswechsel rund um den Kellerwald (Hummerhügel) zur Echingerstraße, unterwegs gespeist von vielen Seitengräben. Ab dort bildet der Bach die Grenze zwischen Bauland und Wald, bis er bei der Pumpstation des Reinhalteverbandes Pladenbach in den Wald abbiegt.

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Dieser Teil des Baches war zwischen 1935 und 1940 in einem Meliorations-Projekt zur Arbeitsbeschaffung begradigt und die Bachsohle eingeebnet worden, die Seiten wurden mit ineinandergesteckten Holzpfosten gesichert, die teilweise heute noch sichtbar sind und noch immer ihren Zweck erfüllen!

Der Ursprung des Kaiserbacherls mitten im Ort

Im Wald unterhalb des Hainzbauers wurde das Bachbett trotz mehrmaligem Richtungswechsel ebenfalls begradigt und mit Steinen gesichert, wohl wegen der Überlaufrohre des Pumpwerkes, die hier, in der Nähe des Steges über den Bach, einmünden. Weiter verläuft der Bach im Wald bis zu einer Wiese und einer Brücke.

Das Entwässerungsprojekt

Entlang
des ganzen Baches gibt es praktisch nirgends einen Weg oder eine Straße. Wer zu
der obengenannten Bücke kommen will, hat zwei Möglichkeiten: kurz vor dem
Hainzbauer rechts in den Waldweg einbiegen und über den Steg ohne Geländer
einige Minuten durch den Wald, o der von der Echingerstraße bei der Pulverfabrik
links einbiegen und auf der linken Straße bis zu den Häusern der Familie
Pieringer. Hier stand früher ein Bauernsachl, das mein Urgroßvater Ferdinand
Bauer von 1894 bis 1900 aufgebaut und die um das Haus erworbenen sumpfigen
Wiesen kultiviert hatte.

Das Bach bildet die Siedlungsgrenze

Wenige Meter weiter danach kommt man zu der erwähnten Brücke und hat vor sich ein längst nicht mehr bewirtschaftetes Bauernhaus – das Haus, das mein Großvater Johann Bauer 1900 erbaut hatte. Auch er mußte erst mühselig die Wiesen kultivieren. Rund um das Haus setzte er 100 Obstbäume, von denen es aber nur mehr wenige gibt. Der Bach am Rande dieser Wiesen meines Großvaters bildet hier die Grenze zwischen den Gemeinden St. Georgen und Bürmoos.

Von der Brücke am Wiesenrand entlang, dann durch den Wald bis zu seinem Austreten in die Wiesen von Jauchsdorf hat sich der Bach tief in Mäandern eingegraben.

Hier gibt es, vom obengenannten Bauernhaus ausgehend, im Wald einen passablen Forstweg. In Jauchsdorf kommt das Bacherl, eingefaßt von Büschen und Bäumen nach wenigen hundert Metern noch zu einem Wehr, kurz bevor es unter der Straße nach Bürmoos durchrinnt und wenig später in den Pladenbach mündet.

Der Steg ohne Geländer über den Bach

Einst
hatte der Bach ein Moor entwässert, das eine bis zu acht Meter mächtige
Torfschicht aufgebaut hatte. Damals bestand keine Hochwassergefahr. Das Moor
speicherte bei Regen das Wasser und gab es nur langsam an das Bächlein weiter. In
meiner Jugend fand man noch zahlreiche Fischarten, Krebse und Muscheln im Bach.

Die Überlaufrohre der Pumpstation

Bevor es ein Kanalnetz gab, leiteten aber die immer zahlreicher werdenden Häuser entlang des Baches alle Abwässer dort hinein. So verschwanden diese Bachbewohner nach und nach, wegen des Wehres in Jauchsdorf können auch keine mehr in das heute wieder saubere Wasser vom Pladenbach nach oben wandern. Einsetzen wird sie aber auch keiner, denn das Fischereirecht liegt bei der Familie Mayr-Melnhof, die kein Interesse hat, hier etwas zu unternehmen.

Die Brücke und das Bauernhaus im Winter

Für Wanderungen bietet sich beim Rückweg eine schmale Straße entlang des Pladenbaches an. Bei der Furt, die mit Traktoren meistens problemlos durchfahren werden kann, biegt man dann links ab und kommt über den Hainzbauern wieder in den Ort.

Der Bach schlängelt sich am Waldrand entlang – er bildet hier die Grenze zwischen Bürmoos und St. Georgen

Man kann in Jauchsdorf aber auch vorher am Waldrand in Richtung Frauenschuh links abbiegen und – vorbei an dem ehemaligen Bauernhaus des letzten Rechenmachers weit und breit – in Richtung Hainz marschieren. Eine weitere Variante wäre in Jauchsdorf über die Brücke des Pladenbaches auf dem Höhenrücken entlangzugehen – mit prächtiger Aussicht auf die Berge.

Beim Anwesen der Familie Höller teilt sich der Weg. Hier geht man links, kommt nach kurzer Wanderung auf dem Forstweg zu der genannten Furt, wobei vorher ein bequemer Steg über den Bach führt. Von dort aus zurück nach Bürmoos auf der Stierlingwaldstraße.


Stierlingkapelle 2006

Wenn man der Bürmooser Landesstraße entlanggeht in Richtung Eching, so zweigt kurz vor der Überquerung der Trimmelkamer Bahn rechts ein Waldweg ab. Nach einigen hundert Metern geht es über einen beschrankten Bahnübergang in Richtung Eching. Dort ist die Grenze zwischen den Gemeinden Bürmoos und St. Georgen.

Wolfgang Bauer

Von Wolfgang Bauer

Nach wenigen Metern wird ein Rinnsal durch ein Rohr unter dem Weg durchgeleitet. Die Quelle für diesen Graben entspringt an der Westseite der Alm (Siehe Artikel 1 der Serie über die „Alm“).

Nach kurzem Marsch taucht rechts im Wald die Stierlingkapelle auf. Heute ist auf der Rückseite eine Waldlichtung, vor zehn Jahren war der Mischwald dort noch dichter. Bis 1956 stand vor der Kapelle noch eine riesige Buche mit 160 cm Durchmesser, die dann ein Sturm umwarf und die Kapelle beschädigte.

Die Kapelle heute

Wann und wieso hier mitten im Wald eine
Kapelle errichtet wurdc, darüber gibt es einige Legenden, genaue
Unterlagen fehlen aber. Eine Tafel an der Kapelle verweist auf ein
Gnadenbild von 1708.

Einige Hinweise über die Kapelle findet man in dem Buch von Hannes Miller „Ad georgii ecclesiam“. Danach soll 1670 jemand mit einer Schrotflinte auf das Gnadenbild geschossen haben, das die Geißelung Jesu darstellte.

Der Text: “Dise unsers begaiselten Hailands Bildnüß, Welche in dem nechsten Wald, stierling genannt den durchwanderern zu Verehren Vorgesetzt worden, ist Anno 1670 auß unmenschlicher Schmach mit Pleyernen Dunst Körnern also Durchschossen worden etwan gewisser oder Laider Vilfältiger selbes zu treffen Vülleicht woll auch als wann diße spät hernach erfundene Schußmarter dem Laiden Christi allain noch war zu ersetzen gewösen. Du, o andechtige Seel, befleiß dich, disen Gottslösterlichen Schuß mit Gottsförchtigen Schußgebettlein zu Verwenden.”

Die Löcher, welche die Schrotkörner verursacht hatten, waren noch lange zu sehen. Erst um das Jahr 1895 wurde das Bild restauriert und die Löcher wurden verschlossen.

Das Gnadenbild im Original befindet sich bei der Familie Oberwimmer.

In einem anderen Kapitel über die Kapellen im Gemeindegebiet berichtet Hannes Miller:

Um diese Kapelle ranken sich so manche Legenden. Die einen sagen, sie wäre in der Pestzeit entstanden, andere sagen, sie stamme aus der Franzosenzeit. Auf dem alten Gnadenbild der “Schmerzhaften Muttergottes von der Stierling Kapelle” stehen fünf Jahreszahlen: Die älteste ist 1708. Damals war Blasius Schnaitl Besitzer des Lacknergutes in Untereching Nr. 8 und damit auch der Stierling-Kapelle. Das Gut reicht mütterlicherseits bis 1688 zurück. Ab 1798 scheint als Familienname des Besitzers Niederreiter und von 1870 bis 1949 Ramböck auf. 5 Söhne und 6 Töchter gab es am Lacknergut. Die jüngste Tochter erbte den Hof und verheiratete sich mit Adolf Oberwimmer.

Die Lacknerfamilie Adolf und Eva Oberwimmer haben die Kapelle dann neu aufgemauert und renoviert. Das Gnadenbild hat man wegen der Gefahr eines Diebstahls nach Hause genommen. Matthäus Niedermüller, der Sohn der ehemaligen Kreilwirtin von Untereching, die eine Lacknertochter war, hat im Dezember 1987 das Originalbild kopiert. Die heutigen Besitzer sind Engelbert und Christine Oberwimmer….

Auch
später hatte die Kapelle öfters unter Vandalismus zu leiden. So
wurde seit 1990 ein Marienbild gestohlen und die Kapelle verwüstet,
eine Fatimastatue entwendet und eine andere verbrannt.

Im Jahr 1993 errichteten Georg Thalmaier (vulgo Sigl Schorsch) und Johann Giglmayr (vulgo Spitzauer Hans) einen Sühnekreuzweg mit 15 Stationen zur Stierlingkapelle. Die Stationen sind entlang eines Waldweges von Eching her aufgestellt. Das anfangs erwähnte Rinnsal fließt in der Nähe dieses Weges, inzwischen zu einem Bächlein geworden, in einem tief eingegrabenen Bachbett, das man Teufelsschlucht nennt.

Der
Weg verläßt den Stierlingwald in der Nähe des Echinger
Sportplatzes. Hier biegt der Bach, der auch Krebsenbach genannt wird,
in Richtung Norden und fließt entlang der Geländekante gegen St.
Georgen. Von dort biegt er nach Westen ab, füllt den Fischweiher
beim Sporer, rinnt unter der Oberechinger Landesstraße durch und in
die St. Georgener Au. Die letzte Strecke führt den Bach vorbei an
dem ehemaligen Wohnhaus des Dichters und Malers Georg Rendl und
vereinigt sich in der Au mit dem Pladenbach.

Fotos: Wolfgang Bauer, Hannes Miller (2)


Almbauer mit Obstbäumen

Hier sollen in unregelmäßigen Abständen Orte vorgestellt werden, die trotz der geringen Größe der Gemeinde (7 km2) nur wenigen Bürmoosern bekannt sind. Es wurden dabei auch Plätze aufgenommen, die knapp außerhalb der Gemeindegrenze liegen, aber für Bürmooser interessant sein könnten. Auch an die alten Flur- und auch Spitznamen wird dabei erinnert.

Wolfgang Bauer

Von Wolfgang Bauer

Wenn man von der Ortsmitte in Richtung Eching marschiert und beim Turnerwirt abbiegt, dann kommt man auf einer asphaltierten Straße durch den Wald. Bei Häusern vorbei sieht man dann auf der Hügelkuppe den Almbauer, der auf der höchsten Stelle dieses Moränenhügels steht, den vor zwölftausend Jahren der Salzachgletscher bei seinem Rückzug hinterließ.

Einst gehörte dieses Anwesen dem Fabriksherren Ignaz Glaser, dessen Zugochsen und Arbeitspferde hier gehalten wurden, während die Pferde für die Kutschen bei der Glashütte untergebracht waren.

Die Bezeichnung Alm ist in der flachsten
Gemeinde des Landes Salzburg etwas übertrieben, aber immerhin ist sie mit fast
446 Meter über NN nur 5 Meter niedriger als der höchste Punkt auf dem
Laubschachen und immerhin 23 Meter höher als der tiefste Punkt.

Vom der Alm hat man einen großartigen Ausblick in Richtung Ortsmitte. Im Hintergrund schaut der Kirchturm der Gemeinde Lamprechtshausen hervor und den Abschluß bildet die Hügelkette des Haunsberges.

Die Senke unterhalb der Alm nannte man früher „Hasenmutter“. Hier wurde nach einem alten Plan die größte Torfmächtigkeit des Bürmooser Moores mit 25 Fuß = fast 9 Meter gemessen. Es war eines der ersten Gebiete, in denen man mit dem Torfabbau begann. Dort fand ich 1992 auch eine alleinstehende mächtige Birke – die größte, die mir je untergekommen ist: Stammumfang in 1 Meter Höhe genau zwei Meter.

Blick von der Alm zum Ortszentrum. Links hinten die Kirche von Lamprechtshausen

In der Nähe des Almbauern findet man im
Wald auch eine verwachsene Schottergrube. In meiner Jugend war sie teilweise
mit reinem Wasser gefüllt. Hier erfrischten sich viele Leute aus der Umgebung
nach der Arbeit und an den Wochenenden, viele wie ich lernten hier auch das
Schwimmen. Sie ist längst ausgetrocknet und verwachsen.

Alter Plan von Bürmoos
Alter Plan von Bürmoos

Wenn man den Weg beim Almbauern vorbei
weitergeht, dann kommt man auf Forstwegen nach Ölling oder nach Untereching.
Wer wandern will, kann über den rechten Weg nach  Ölling kommen, dort abbiegen und über die
Kellerwaldstraße wieder ins Ortszentrum zurückkehren oder etwas weiter
marschieren und von Ölling nach Moospirach, kommt man dann über die
Rodingerstraße wieder zurück in das Zentrum.


Turnerwirt

Der Grund für den Ankauf dieser Lichtung (Einfang) 1874 für die Errichtung eines Wirtshauses direkt am Rand des großen Bürmooser Moores dürfte die Gründung der Bürmooser Glasfabrik, der Benedikthütte, im Jahr 1972 gewesen sein.

Wolfgang Bauer

Von Wolfgang Bauer

Das Haus liegt direkt an der damals schon bestehenden Straße zwischen dem neuen Ort Bürmoos und dem 2 Kilometer entfernten Obereching. Hier kamen die Fuhrwerke vorbei, die den für die Glaserzeugung nötigen Quarzsand vom Schlößl am Haunsberg und die Kalksteine dafür von der Salzach zur Hütte fuhren – und die Fuhrleute waren oft durstig.

Wann die Gasthauskonzession erteilt
wurde, konnte nicht festgestellt werden, der Amtskalender für ländliche Gebiete
existiert erst seit 1886 und da bestand der Turnerwirt bereits. Die Größe der
dazugehörigen Landwirtschaft von 12 Joch Wiese und Acker (Korn, Gerste, Hafer,
Weizen, Erdäpfel) sowie 2 Joch Wald reichte für 5 Kühe, 2 Stiere und bis zu 12
Schweine.

Bei dem Kaufvertrag ist interessant, daß
bereits ab 1871, verbindlich ab 1876, das metrische Maßsystem eingeführt wurde,
welches Joch (5755 m2) und Quadratklafter (3,597 m2) ablöste. Sie wurden aber
noch jahrzehntelang verwendet.

Das Haus befand sich nach der
Grundbucheintragung von 1874 bis 1896 im Besitz von Karl und Elise Dorfleitner
je zur Hälfte. Verkäufer waren Jakob und Walburga Schnaitl vom Massingergut in
Obereching, die den Einfang um 200 Gulden Österr. Währung verkauften.
Kaufvertrag vom 5. 1. 1874.

Vom Turnerwirt Dorfleitner ist nicht allzuviel bekannt. 1879 bekam er die Hausnummer Obereching 34.

Ein Steuerbüchel belegt jedenfalls die
Bewirtschaftung von 1891 bis 1896. Am 5. Juni 1894 starb der in Eggelsberg
geborene Turnerwirt Karl Dorfleitner in Bürmoos 34 mit 61 Jahren. Er ist also
1833 geboren. Seine Frau wird am 5. 11. 1894 Alleinbesitzerin. Sie führte das
Wirtshaus zumindest noch zwei Jahre allein weiter, bevor sie es an Josef
Trausinger verkaufte.

Steuerbüchel von Karl und Elise Dorfleitner

Steuer 1891:  
Grundsteuer: 3 Fl 39 Kr.
Hausklassensteuer     3 Fl 07 Kr

Steuer 1896:  
Grundsteuer: 2 Fl 36 Kr
Hausklassensteuer: Ohne Bezeichnung     2 Fl 05 Kr

*Fl = Florin/Gulden, Kr = Kreuzer

Josef Trausinger

Josef und Theresia Trausinger

Der zweite Turnerwirt Josef Trausinger ist am 27. 2. 1862 in Senftenbach, Bezirk Ried geboren worden, seine Frau Theresia, geb. Auer, am 7. 8. 1873 in Obernberg, OÖ als Tochter des Anton Auer, Schuhmacher in Obernberg und der Karolina geb. Berger.

Die Hochzeit fand am 18. 11. 1896 in St. Georgen statt (die Braut war bereits schwanger) Sie wurde für die Hochzeit großjährig erklärt. Das Paar wurde am 6. 11. 1896 durch Kauf Eigentümer des Turnerwirtes.

Josef Trausinger war ein lediges Kind der
Wirtschafterin Katharina Trausinger aus Ufer 229, Pfarre Obernberg. Er war
früher Kutscher in Hallein, wohnte aber bei der Hochzeit bereits beim
Turnerwirt und wird als angehender Besitzer des „Thurnerwirts Gasthauses“
bezeichnet.

Tochter Maria wird am 26. Juli 1897 in Obereching 34 geboren.

Geburtseintragung in der St. Georgener Taufmatrik:

Es folgen weitere Kinder:
Am 25. 4. 1899 wird am gleichen Ort die Tochter Josefa geboren. Am 11. 7. 1903 wird die nächste Tochter Anna Theresia geboren. Das jüngste Kind und Erbe des elterlichen Anwesens ist der einzige Sohn Karl Borrom. Geb. 29. 12. 1906 ebenfalls in Obereching 34.

Die vielen Belege von den verschiedenen
Besitzern des Turnerwirts sind oft in sehr schlechtem Zustand. Kamen sie doch
erst bei der Räumung des Turnerwirts und beim Teilabbruch des Trausingerhauses
im Zwischenboden ans Tageslicht, wo sie als Isoliermaterial dienten – durchnäßt
und von Mäusen angefressen.

Viele Firmen haben erst sehr spät von der
Gulden (Fl.) und Kreuzerwährung auf Kronen und Heller umgestellt. Die
Währungsreform erfolgte 1892 und die Umstellung mußte bis 1900 erfolgen (1
Gulden = 2 Kronen).

Um die Jahrhundertwende vom 19. zum 20. Jahrhundert hat, jedenfalls nach den geretteten Rechnungen und Lieferscheinen, der Schnapsverkauf eine größere Rolle gespielt als der Wein. Es gab eine ganze Reihe von Händlern und Fabriken, die Spirituosen herstellten und vertrieben.

Die Mineralölgesellschaft verlangt Vorauszahlung

Trausinger als Turnerwirt war sehr aktiv.
Bereits 1902 dürfte er sich einen
Benzinmotor angeschafft haben, wie eine Rechnung aus diesem Jahr und auch
Benzinrechnungen aus späteren Jahren beweisen:

Schreiben vom 13. Oktober 1902 von der Wien-Floridsdorfer Mineralölfabrik an Josef Trausinger: Bestätigung über die Bestellung eines Ballons Gasoline 640/50 zum Preis von K 65.—ab Bahn Wien gegen Vorauskasse von K 25.–, der Rest per Nachnahme.

1902 war Trausinger Mitbegründer und Schriftführer des Bürmooser Radfahrvereines, Obmann bei der Statuteneinreichung war der Lehrer August Schiechtle, von dem auch ein Plan von Bürmoos aus dem Jahr 1901 existiert.

Vereinsabzeichen, Stempel und Mitgliedsbuch des Radfahrverein Bürmoos

Auch einen kleineren Um- oder Ausbau tätigte Trausinger 1900. Von einer Rechnung ist allerdings nur mehr ein kleineres Fragment erhalten. Die zweite Rechnung für 1100 Stück Maschinziegel belegt, daß 1000 Stück Maschinziegel 24 Kreuzer kosteten. Diese Rechnung wurde nicht bezahlt, sondern durch eine Leistung des Turnerwirts gegengerechnet.

Rechnung der Firma Ignaz Glaser

Der Briefkopf der Firma Ignaz Glaser aus dieser Zeit ist beeindruckend.  Er zeigt, welches Imperium sich Glaser in dieser Zeit der Hochblüte der Firma über ganz Europa aufgebaut hatte.

Die Geschäftsbeziehungen von Trausinger
waren erstaunlich vielseitig. Bei den Mengen, die da gekauft wurden, fällt es
schwer zu glauben, dass alles für ihn allein gewesen sein sollte. Vielleicht
hat er für andere Bürmooser Wirte mit eingekauft, was allen Frachtkosten
sparte.

So bezog er Bier von der Brauerei
Kaltenhausen, später auch von Hans Tiefenthaler, Bräuer in Wendberg
bei Mattsee.

Schnaps lieferte Martin Gadermaier,
Branntwein – Brennerei und Spirituosen-Erzeugung in Salzburg mit großes Lager
an echtem alten Bierbranntwein eigener Brennerei, oberösterreichischer, steirischer
und ungarischer Sliwowitz, Wachauer, Kornbranntwein etc. Alle Gattungen Rum,
Cognac und Liquere. Spezialität in echtem Gebirgsbranntwein, Vorzüglichen
Weinessig und Essigsprit und Zwetschkener wie es auf der Rechnung heißt. Auch von
der Firma Schider in Salzburg bezog Trausinger Slibowitz.

Wein bezog er vor allem von der Weinhandlung
Ignaz Weikl in Salzburg. Aber auch vom Salzburger Weinhändler Alessandrini ist
eine Lieferung von 360 Liter rotem Friulerwein belegt. Die Weingroßhandlung
Joh. & Flor. Vonmetz in Waidbruck in Süd-Tirol hat ebenfalls nach Bürmoos
geliefert.

Manche der
Geschäftspartner des Turnerwirts hatten oft ein seltsames Sortiment: P. M. Pickel
in Triest bot Naturweine und Viehfutter aus Reiskleie an. Ein 50 Liter Fassl Wein
kostet frei Station 15.—Gulden (=30 Kronen) Reisabfall kostet pro 70 kg je Sack
9,80 K., bei 5 Säcken je 9,50 K, bei 10 Säcken 9.—K.

Werbezettel der Firma Pickel in Triest

Noch bunter ist
das Angebot der Firma Zezi in Salzburg (aus dem Briefkopf):

Jos. Ant. Zezi in
Salzburg Getreidegasse Nr. 5, Hauptdepot für Mattoni´s Giesshübler, Biliner
Sauerbrunn, Nataliequelle-Preblauer-Salvator, Hunyadi Janos-Bitterwasser,
eigenes Farben- und Lack-Werk, Fußboden-Lackfarbe, Firniss, Lacke, Kitte,
Stahlspäne, Fußbodenwichse, Wachspasta, Stoff Farben, Fleckputzmittel,
Chemikalien; Eigene Gewürzmühlen, feinste Bourbon Vanille, naturreinen
Himbeersaft, Backpulver, Vanille-Zucker, Cacao in allen feinen Marken,
Chocolade, feinste chinesische Thee´s, Echten Jamaika Rum, Cognac, Arac, Spanische
Weine, Wermuth-Wein!

Rindfleisch in größeren Mengen wurde von
Max Wößner in Ried gekauft. Von ihm bezog er des öfteren ganze
Schweine oder Rinderviertel. Auch
ein Werbeschreiben der Firma Jerabek aus Holoschowitz bei Prag fand sich. Sie
bietet besten Milchmastschinken an und verweist auf eine künstliche maschinelle
Kühlvorrichtung.

Dinge
des täglichen Bedarfes wie Zündhölzer, Nudeln und Braunschweigerwurst lieferte
Zauner in Salzburg, während Tabak, Kerzen, Virginier, Zucker, Spielkarten und
Caffee von Florian Gastager, Manufaktur, Tuch- und Colonialwaarenhandlung
geliefert wurden.

Lederer in Untereching lieferte Haushaltswaren

Kleinere Mangen bezog er aber auch in der näheren Umgebung: Rechnung von Johann Lederer, Krämer in Untereching über 19 Kilo ??? á .60 K, Bund Tabak um 2.—und 5 Kilo Würfelzucker für ges. 2,10 Kr. bezahlt am 3. 10. 1908.

Eine weitere
Rechnung von Lederer vom 13. 9. 1908: Bund Tabak 2.–, 5 kg Würfelzucker ges.
2,10 K, 60 Stück Kerzen ges. 1.—

So kaufte Trausinger Schnäpse und Liköre
bei Johann Hochhäusl in Salzburg, Branntwein-, Likör- und Rumfabrik in der
Linzergasse 52. Er kaufte dort 10 Liter Kümmel…. á 1,04 K.

Joh. Forstner,
Branntwein- Liquer u. Essigsprit Fabrik Salzburg, Jamaika Rum, Cognac,
Chiemseegasse 3 schickt am 9. Juli 1908 für Josef Trausinger, Turnerwirt eine
Rechnung über 116 Kr. 10 H. für 61 8/10 Rum á 1.– und 54
3/10 Rum á 1.–.

Am 17. Dez. 1908
liefert Forstner nochmals 1 Faßl Rum, ges. 78 kg, 1 Kiste Flaschen mit Rum und
Likör, ges. 107 kg, 1 Korbflasche Kaiserbirne Likör.

Ein Piano
Orchestrion, für das bereits 1903 ein Werbeschreiben vorliegt wurde mit Strom
betrieben. Aus dem Jahr 1908 gibt es eine Rechnung für Grammophonplatten. Sie
kosteten zwischen Kr. 4.— bis Kr. 6.—. Hans Dauner, Schallplattenvertrieb in
Salzburg, Westbahnstraße 12 schickte nämlich am 13.10.1908 eine Rechnung über
10,32 Kr. für 9 Schallplatten.

Kaffee
dürfte damals auch eine größere Rolle gespielt haben und der Markt war heiß
umkämpft. Ein Werbeschreiben aus Trautenau in Böhmen bietet Roggenkaffee an als
Ersatz für den „schädlichen und teuren Bohnenkaffee“. Als Zuckerl gibt es
Werbegeschenke.

Die Erste Kukuser Korn- und Malzkaffee-Erzeugung bietet ebenfalls großzügige Geschenke: Wer 6 Pakete Kornkaffee „Hausfrau`s Liebling“ á K 4.—oder 6 Pakete Malzkaffee á K 4,50 bestellt, kann sich ein großzügiges Geschenk aussuchen.

1910 war das Jahr, in dem der Turnerwirt wieder den
Besitzer wechselte. Franz und Elise Erbschwendtner kaufen den Turnerwirt am 28.
5. 1910 samt Gasthauskonzession um 23.100 Kronen je zur Hälfte von der Familie
Trausinger.

Die Trausinger bauten sich 200 Meter entfernt eine kleine Sölde mit rund 1,3 ha Grund auf. Nach der Jahreszahl in der Fassade des Trausingerhauses wurde dieses neue Haus auch 1910 erbaut. Er betrieb dort eine kleine Landwirtschaft mit 2 Kühen.

Auf dem Trausingerhaus befand sich die Jahreszahl 1910 und J.T.T (Josef und Theresia Trausinger)

Das Turnerwirtshaus selbst mit dem Wirt
Erbschwendtner ist im Jahr 1916 abgebrannt, wurde später mehrmals umgebaut und
erweitert. Aber das ist wieder eine andere Geschichte.


Lamprechtshausen

Nr. 78 September 1979

Wahlbroschüre der ÖVP Lamprechtshausen zur Gemeinderatswahl am 14. Oktober 1979, die als Postwurf an alle Haushalte verschickt wurde. Am Artikelende können Sie die gesamte Broschüre downloaden!

Bemerkenswert ist, dass es die drei Gasthäuser, in denen die Wahllokale untergebracht wurden, schon lange nicht mehr gibt!

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Wahlsprengel 1: Lamprechtshausen, Amtsgebäude
Wahlsprengel 2: Arnsdorf, Gasthof “Bruckmoser”
Wahlsprengel 3: Schwerting, Gasthaus “Wörndl-Mayr”
Wahlsprengel 4: Riedlkam, Gasthaus “Neuwirt”

Auf der Titelseite geht es um den Kanalbau im Dorf. Auf den Seiten 2 – 4 werden die Kandidaten mit Bild vorgestellt. Auf Seite 5 präsentiert der Ortsparteiobmann Georg Junger die Ideen der ÖVP für die Zukunft und Bürgermeister Größlhuber überreicht der Gewinnerin eines Preisausschreibens ein Damenfahrrad.

Auf der Seite 6 präsentiert der Obmann der Jungen ÖVP Harald Vitzthum den Tätigkeitsbericht der Jugendorganisation. Die Seite 7 beinhaltet ein Bilderrätsel zum Dorf und die Glosse: “Da Wetzstoa!” Die letzte Seite ist eine Wahlempfehlung.

Download der Broschüre >


Ignaz-Glaser-Symposion

Am 19. April 2008 fand in der Flachgauer Gemeinde Bürmoos das 2. Ignaz-Glaser-Symposion, organisiert vom Salzburger Bildungswerk (Daniel Krainer), statt.

Die Drucksorten, die im Rahmen dieser Veranstaltung publiziert wurden, stellte dankenswerte Weise der damalige Bildungswerkleiter Daniel Krainer zur Verfügung. Sie wurden von uns eingescannt und können nach den Bildblöcken heruntergeladen werden!

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Die unterschiedliche Herkunft und gemeinsame Zukunft, konzentriert auf die gemeinsame Sprache als unverzichtbares Mittel der Integration, steht im Mittelpunkt dieses Symposions.

Im Zusammenhang mit dem Thema “Sprache und Integration” wird häufig auf die geringe Sprachkenntnis der Zuwanderer hingewiesen. Und es ist völlig richtig, dass Integration nur über die gemeinsame Sprache in unserem Land, also Deutsch möglich ist.

Das 2. Ignaz-Glaser-Symposion will aber nicht nur dieses Faktum zur Sprache bringen, sondern den Blick auf die “andere Seite” richten. Wie ist das eigentlich, wenn man in eine völlig fremde Umgebung kommt, niemand versteht und doch irgendwie zurechtkommen muss? Bürmoos entstand durch Zuwanderung nach der Gründung der Glasfabrik durch Ignaz Glaser in den 1880er Jahren. Die Arbeiter kamen aus den verschiedensten Gebieten der Donau-Monarchie. Bürmoos konnte als Gemeinschaft nur durch die Aneignung der gemeinsamen Sprache entstehen.

BürgerInnen verschiedenster Herkunft und Muttersprache werden über ihre Erfahrungen bei der Aneignung der deutschen Sprache berichten.

Wir freuen uns auf interessante Beiträge und Diskussionen, viele BesucherInnen und danken allen, die zum guten Gelingen der Veranstaltung beigetragen haben.

Martin Seeleithner, Bürgermeister
Dr. Andreas Maislinger, Projektleiter
Daniel Krainer, Bildungswerkleiter

Die Programmbroschüre als PDF-Download >

Schlussfolgerung nach dem Symposion

Die unterschiedlichen Aspekte der verschiedenen Präsentationen ergaben ein sehr geschlossenes Mosaik zum gegenständlichen Thema. Die sehr offene Struktur der Veranstaltung trug dazu bei, Grenzen zwischen den unterschiedlichen Lebensbereichen fließend zu gestalten und ein Eingehen auf einander zu ermöglichen (aus der Abschlussdokumentation).

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Kegelbahn

Dieses Traditionswirtshaus lag am Bürmooser Ortsrand an der Straße nach Obereching und ist schon seit vielen Jahren nicht mehr in Betrieb.

Wolfgang Bauer

Von Wolfgang Bauer

Kriegsschicksale

Gut ein Vierteljahrhundert ist vergangen, seit beim Turnerwirt in Bürmoos das letzte Glas Bier ausgeschenkt wurde. Dieser 1874 eröffnete Wirt wurde gebaut, weil an der direkt neben dem Haus vorbeiführenden Straße die Fuhrwerke mit Sand und Kalk für die 1872 gegründete Glasfabrik vorbeifuhren. Und die Fuhrleute waren immer durstig.

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Werbepostkarte vom Turnerwirt unter Trausinger

Die Geschichte dieses Wirtes ist durch das Entgegenkommen der heutigen Besitzer und durch den überraschenden Fund im Zwischenboden des Trausingerhauses eines der am besten dokumentierten Objekte in der Gemeinde. Erbauer des Trausingerhauses war ein ehemaliger Turnerwirt. Hunderte Lieferscheine, Rechnungen, Einladungen, Fotos usw. aus allen Epochen seines Bestehens zeugen vom Leben im Dorf und dem gesellschaftlichen Mittelpunkt, den der Turnerwirt repräsentierte.

Die Familie Höfer
war der vierte Turnerwirt nach den Familien Dorfleitner, Trausinger
und Erbschwendtner. Gregor Höfer sen. stammte vom Massingergut in
Holzhausen ab. Bevor er heiratete und das Wirtshaus Turnerwirt
übernahm, war er Vorgeher (Knecht) beim Duschlwirt in Obereching.

Zum Wirtshaus gehörte auch eine Ökonomie mit 14 Joch Grund (ca. 8 ha). Auf der anderen Seite der ursprünglich nahe beim Wirtshaus vorbeiführenden Straße hatte man auch eine Kegelbahn gebaut. Diese musste später einer Straßenbegradigung weichen und wurde näher zum Wirtsgarten hin neu aufgebaut. Als Bub habe ich dort viele Stunden Kegel aufgesetzt, um mir ein Taschengeld zu verdienen.

Höfer Elise + 3.10.45 an Typhus

Die erste Frau von Gregor Höfer sen. war Elise Hintermaier, Tochter vom Stacherlkramer in Franking. Die beiden heirateten am 7.12.1936. Gleich zu Beginn des Krieges musste Gregor Höfer einrücken. Während des Krieges kamen zwei Kinder zur Welt. Die Frau versuchte mehrmals, die Freistellung ihres Mannes beim Kompaniechef zumindest während der Erntezeit zu erreichen, weil sie allein mit Wirtshaus, Bauernarbeit und zwei kleinen Kindern überfordert war. Dies wurde aber abgelehnt. Im Jahr 1943 wurde ihr aber ein polnischer Zwangsarbeiter zugeteilt.

Höfer Gregor sen

Der junge Mann
namens Tadeusz Košciowicz blieb
bis Kriegsende als Unterstützung für die Frau beim Turnerwirt. In
einem berührenden Brief aus Polen in recht gutem Deutsch schreibt er
am 1.1.1947 an die Turnerwirtin.

Er denkt noch immer voller Dankbarkeit an sie. Es ist aber nicht seine Schuld, dass er so lange nicht geschrieben hat, denn er war sehr krank. Nach seiner Abreise vom Turnerwirt 1945 lag er zwei Monate in Salzburg in einem Lazarett und kam erst am 25. August nach Hause. Dort erfuhr er schon am ersten Tag, dass seine Braut Elisabeth inzwischen einen anderen geheiratet hatte – es war für ihn niederschmetternd und er wurde todkrank. Seine Mutter ist dann auch schon 1946 gestorben. Jetzt aber geht es ihm wieder gut. Er ist verheiratet und seine Frau erwartet Mitte Jänner ein Kind. Von der Turnerwirtin erwartet er einen genauen Bericht, wie es ihr und ihrer Familie ergangen ist. Er wünscht ihr wahres, dauerhaftes Glück und Gesundheit. Der himmlische Vater wird seine Wünsche und Gebete hoffentlich erhören und sie ein hohes und glückliches Alter erreichen lassen.

Brief des polnischen Zwangsarbeiters 1947

Gregor war 1945 gerade erst 7 Wochen aus der Gefangenschaft zurückgekehrt als seine Frau Elise am 3.10.1945 starb. Sie war eines der Opfer in einer Typhusepidemie, die Bürmoos und Lamprechtshausen nach Kriegsende heimsuchte. Beim Eintreffen des Briefes aus Polen war Elise Höfer also schon 13 Monate tot. Ihr Name ist auf den Typhusdenkmal eingraviert, das Josef Zenzmaier geschaffen hat und das jetzt an der Mauer vor der evangelischen Kirche angebracht ist.

Denkmal mit Namen von Elisabeth (Elise) Höfer

Nicht überall waren aber die
Erinnerungen so positiv wie bei dem Polen vom Turnerwirt. Immerhin
hatte das Naziregime den Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen Jahre
ihres Lebens gestohlen.

Bei Kriegsende, im Mai 1945, bereiteten
im zwei Kilometer entfernten Obereching der NSDAP Bürgermeister Karl
Röck und die Gemeindeangestellten der Gemeinde St. Georgen, zu der
auch der Turnerwirt gehörte, gerade die Übergabe des Amtes an einen
nicht von der Nazi-Vergangenheit belasteten Bürgermeister vor.

Plötzlich standen ein ukrainischer
Kriegsgefangener und ein anderer Zwangsarbeiter bewaffnet in der Tür.
Nach einem kurzen Wortwechsel schoß der Ukrainer den Bürgermeister
in den Kopf und der Andere spaltete ihm noch zusätzlich den Schädel
mit einem Pflugeisen. Welcher Haß wegen der Behandlung, die sie hier
erfahren haben mussten, hatte sich da wohl im Laufe der Zeit
angesammelt?


Bürmoos 1898

In der Vielvölkergemeinde Bürmoos lebten seit der Gründung vor rund 160 Jahren die unterschiedlichsten Nationen zusammen und das meistens relativ konfliktlos. Der derzeitige Stand ist 47 Nationen bei rund 5.000 Einwohnern. Alle sind sie Zuwanderer, denn vorher gab es hier nur Moor und Wälder.

Wolfgang Bauer

Von Wolfgang Bauer

Während heute die Leute durch Auslandsurlaube und Zuzug, sowie auch durch Sprachunterricht in den Schulen mit fremd klingenden Namen vertraut sind, war das früher anders. Ignaz Glaser übernahm die Bürmooser Glashütte 1882 und gründete 1896 auch eine Ziegelei. Er warb die hochspezialisierten Glasmacher in ganz Europa an, speziell aus Böhmen. Torfstecher kamen aus dem Mühlviertel und auch aus Italien. Der Ort wurde damit nicht nur zu einem Schmelztiegel der Nationen, sondern auch zu einer gesellschaftlichen und sprachlichen Insel in der bäuerlichen Umgebung. (Siehe Buch: „Bürmoos – Das Glasbläserdorf im Moor“)

Die sprachliche Integration innerhalb des Ortes passierte dabei auf zwei verschiedene Arten. Zum Einen wurden für die großteils deutschen Zungen schwer auszusprechenden Namen einfach eingedeutscht. Diese eingedeutschten Namen gab man dann auch beim Pfarrer für den Eintrag in Geburts-, Heirats- und Sterbematriken an. Ebenso auch bei Behördengängen. Das Erstaunliche daran: Diese mündlichen Angaben wurden oft ohne weitere Prüfung oder der Vorlage von Dokumenten so übernommen, wie sie angegeben wurden. Dies führte dazu, dass es oft sogar innerhalb der Familien verschiedene Schreibweisen der Familiennamen gab.

Zum Anderen aber hatte es sich rasch
eingebürgert, dass Leute – hauptsächlich Männer – Spitznamen erhielten. Dadurch
konnte man auch eine bestimmte Person mit gleichem Namen innerhalb der oft
vielköpfigen Sippe genau deklarieren. Diese Spitznamen wurden manchmal auch an
Kinder und Enkel weitergegeben, alte Bürmooser verwenden sie heute noch.

Eine nicht ganz so große Rolle spielten die
Hofbezeichnungen bei den Bauernhäusern. Die meisten der einst rund 25 Bauern (praktisch
alle im Nebenerwerb) hatten einen Hofnamen, da aber deren Anzahl inzwischen auf
drei gesunken ist, verschwinden auch diese Hofnamen nach und nach.

Einige Beispiele für eingedeutschte Namen:

Rožánek wurde zu Roschanek eingedeutscht. Die Vorfahren stammten aus der Gemeinde Žihobce, deutsch Schihobetz im westlichen Böhmerwald und waren als Torfstecher hierhergekommen. Franz Roschanek wurde der zweite Bürgermeister der Gemeinde Bürmoos. (Siehe Buch: „Damit es nicht verlorengeht“ Band 2 von Wolfgang Bauer)

Matrik Roschanek 1900

Rakůssan wurde zu Rakusan und Rakuschan eingedeutscht. Beide Namen sind heute in der Familie verbreitet. Die Vorfahren stammten aus dem Ort Svatý Jan nad Malší, deutsch Johannisberg bei Budweis und kamen als Torfstecher nach Bürmoos.

Matrik Rakuschan

Kostečka wurde ohne Hatschek eingedeutscht. Ausgesprochen wird er unterschiedlich wie Kostetschka, auch Kostezka oder Kostekka. Die Großeltern mütterlicherseits meiner Frau hießen so, sie waren als Glasmacher gekommen. (Siehe Buch: „Damit es nicht verlorengeht“ Band 2 von Wolfgang Bauer)

Vejvančický erlebte am öftesten eine Veränderung. Auf einem Grabstein sind zwei Variati -onen sichtbar. Oben in Lautschrift Wejwanschitzky unten in amtlicher Schreibweise Vejvancicky – ohne Hatschek. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts schrieb man noch Weywančicki und Weyvančickj. Ausgesprochen wurde der Namen bei uns meistens Wewanschitzki. Die Vorfahren kamen als Torfstecher aus Kydlin bei Klattau (heute 85 Einwohner) von Böhmen nach Bürmoos.

Grabstein Vejvancicky 2008

Eine Anekdote: Als Josef und Johanna Vejvancicky – meine Schwiegereltern – einmal einen Ausflug mit dem Fußballverein irgendwo in Österreich mitmachten, übernachtete man in einer Pension. Der Inhaber führte die Teilnehmer an Hand einer Liste zu ihren Zimmern. Als er Vejvancicky lesen sollte, tat er sich die Stotterei mit der Aussprache gleich gar nicht an und befahl: „…und die Jugos kommen mit mir mit.“ Wer gemeint war, stellte sich rasch heraus.

Matrik Weywančicki Jakub geb. 1810

Aber nicht nur Böhmen kamen nach Bürmoos, sondern Leute aus unterschiedlichsten Ländern. Von Alexandrovičz  wurde Alexandrowitsch genannt. Die von Galizischem Landadel abstammende Familie war längst in bürgerlichen Handwerksberufen tätig, als sie über Wien nach Bürmoos kam.

Geburtschein Alexandrovičz

Gervasi: Wird bei uns Gervasi ausgesprochen, obwohl es korrekt in italienisch Dschervasi gesprochen würde. Anton(io) Gervasi kam als Torfstecher aus Nimis bei Udine in Norditalien hierher. Bald übernahm er die Anwerbung von Saisonarbeitern für Torf- und Ziegelarbeiter aus seiner Heimat für den Fabriksherren. (Siehe Buch: „Damit es nicht verlorengeht“ Band 3 von Wolfgang Bauer)

Von den angegebenen Büchern sind noch Restbestände beim Autor erhältlich.