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Kegelbahn

Dieses Traditionswirtshaus lag am Bürmooser Ortsrand an der Straße nach Obereching und ist schon seit vielen Jahren nicht mehr in Betrieb.

Wolfgang Bauer

Von Wolfgang Bauer

Kriegsschicksale

Gut ein Vierteljahrhundert ist vergangen, seit beim Turnerwirt in Bürmoos das letzte Glas Bier ausgeschenkt wurde. Dieser 1874 eröffnete Wirt wurde gebaut, weil an der direkt neben dem Haus vorbeiführenden Straße die Fuhrwerke mit Sand und Kalk für die 1872 gegründete Glasfabrik vorbeifuhren. Und die Fuhrleute waren immer durstig.

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Werbepostkarte vom Turnerwirt unter Trausinger

Die Geschichte dieses Wirtes ist durch das Entgegenkommen der heutigen Besitzer und durch den überraschenden Fund im Zwischenboden des Trausingerhauses eines der am besten dokumentierten Objekte in der Gemeinde. Erbauer des Trausingerhauses war ein ehemaliger Turnerwirt. Hunderte Lieferscheine, Rechnungen, Einladungen, Fotos usw. aus allen Epochen seines Bestehens zeugen vom Leben im Dorf und dem gesellschaftlichen Mittelpunkt, den der Turnerwirt repräsentierte.

Die Familie Höfer
war der vierte Turnerwirt nach den Familien Dorfleitner, Trausinger
und Erbschwendtner. Gregor Höfer sen. stammte vom Massingergut in
Holzhausen ab. Bevor er heiratete und das Wirtshaus Turnerwirt
übernahm, war er Vorgeher (Knecht) beim Duschlwirt in Obereching.

Zum Wirtshaus gehörte auch eine Ökonomie mit 14 Joch Grund (ca. 8 ha). Auf der anderen Seite der ursprünglich nahe beim Wirtshaus vorbeiführenden Straße hatte man auch eine Kegelbahn gebaut. Diese musste später einer Straßenbegradigung weichen und wurde näher zum Wirtsgarten hin neu aufgebaut. Als Bub habe ich dort viele Stunden Kegel aufgesetzt, um mir ein Taschengeld zu verdienen.

Höfer Elise + 3.10.45 an Typhus

Die erste Frau von Gregor Höfer sen. war Elise Hintermaier, Tochter vom Stacherlkramer in Franking. Die beiden heirateten am 7.12.1936. Gleich zu Beginn des Krieges musste Gregor Höfer einrücken. Während des Krieges kamen zwei Kinder zur Welt. Die Frau versuchte mehrmals, die Freistellung ihres Mannes beim Kompaniechef zumindest während der Erntezeit zu erreichen, weil sie allein mit Wirtshaus, Bauernarbeit und zwei kleinen Kindern überfordert war. Dies wurde aber abgelehnt. Im Jahr 1943 wurde ihr aber ein polnischer Zwangsarbeiter zugeteilt.

Höfer Gregor sen

Der junge Mann
namens Tadeusz Košciowicz blieb
bis Kriegsende als Unterstützung für die Frau beim Turnerwirt. In
einem berührenden Brief aus Polen in recht gutem Deutsch schreibt er
am 1.1.1947 an die Turnerwirtin.

Er denkt noch immer voller Dankbarkeit an sie. Es ist aber nicht seine Schuld, dass er so lange nicht geschrieben hat, denn er war sehr krank. Nach seiner Abreise vom Turnerwirt 1945 lag er zwei Monate in Salzburg in einem Lazarett und kam erst am 25. August nach Hause. Dort erfuhr er schon am ersten Tag, dass seine Braut Elisabeth inzwischen einen anderen geheiratet hatte – es war für ihn niederschmetternd und er wurde todkrank. Seine Mutter ist dann auch schon 1946 gestorben. Jetzt aber geht es ihm wieder gut. Er ist verheiratet und seine Frau erwartet Mitte Jänner ein Kind. Von der Turnerwirtin erwartet er einen genauen Bericht, wie es ihr und ihrer Familie ergangen ist. Er wünscht ihr wahres, dauerhaftes Glück und Gesundheit. Der himmlische Vater wird seine Wünsche und Gebete hoffentlich erhören und sie ein hohes und glückliches Alter erreichen lassen.

Brief des polnischen Zwangsarbeiters 1947

Gregor war 1945 gerade erst 7 Wochen aus der Gefangenschaft zurückgekehrt als seine Frau Elise am 3.10.1945 starb. Sie war eines der Opfer in einer Typhusepidemie, die Bürmoos und Lamprechtshausen nach Kriegsende heimsuchte. Beim Eintreffen des Briefes aus Polen war Elise Höfer also schon 13 Monate tot. Ihr Name ist auf den Typhusdenkmal eingraviert, das Josef Zenzmaier geschaffen hat und das jetzt an der Mauer vor der evangelischen Kirche angebracht ist.

Denkmal mit Namen von Elisabeth (Elise) Höfer

Nicht überall waren aber die
Erinnerungen so positiv wie bei dem Polen vom Turnerwirt. Immerhin
hatte das Naziregime den Zwangsarbeitern und Kriegsgefangenen Jahre
ihres Lebens gestohlen.

Bei Kriegsende, im Mai 1945, bereiteten
im zwei Kilometer entfernten Obereching der NSDAP Bürgermeister Karl
Röck und die Gemeindeangestellten der Gemeinde St. Georgen, zu der
auch der Turnerwirt gehörte, gerade die Übergabe des Amtes an einen
nicht von der Nazi-Vergangenheit belasteten Bürgermeister vor.

Plötzlich standen ein ukrainischer
Kriegsgefangener und ein anderer Zwangsarbeiter bewaffnet in der Tür.
Nach einem kurzen Wortwechsel schoß der Ukrainer den Bürgermeister
in den Kopf und der Andere spaltete ihm noch zusätzlich den Schädel
mit einem Pflugeisen. Welcher Haß wegen der Behandlung, die sie hier
erfahren haben mussten, hatte sich da wohl im Laufe der Zeit
angesammelt?


Bürmoos 1898

In der Vielvölkergemeinde Bürmoos lebten seit der Gründung vor rund 160 Jahren die unterschiedlichsten Nationen zusammen und das meistens relativ konfliktlos. Der derzeitige Stand ist 47 Nationen bei rund 5.000 Einwohnern. Alle sind sie Zuwanderer, denn vorher gab es hier nur Moor und Wälder.

Wolfgang Bauer

Von Wolfgang Bauer

Während heute die Leute durch Auslandsurlaube und Zuzug, sowie auch durch Sprachunterricht in den Schulen mit fremd klingenden Namen vertraut sind, war das früher anders. Ignaz Glaser übernahm die Bürmooser Glashütte 1882 und gründete 1896 auch eine Ziegelei. Er warb die hochspezialisierten Glasmacher in ganz Europa an, speziell aus Böhmen. Torfstecher kamen aus dem Mühlviertel und auch aus Italien. Der Ort wurde damit nicht nur zu einem Schmelztiegel der Nationen, sondern auch zu einer gesellschaftlichen und sprachlichen Insel in der bäuerlichen Umgebung. (Siehe Buch: „Bürmoos – Das Glasbläserdorf im Moor“)

Die sprachliche Integration innerhalb des Ortes passierte dabei auf zwei verschiedene Arten. Zum Einen wurden für die großteils deutschen Zungen schwer auszusprechenden Namen einfach eingedeutscht. Diese eingedeutschten Namen gab man dann auch beim Pfarrer für den Eintrag in Geburts-, Heirats- und Sterbematriken an. Ebenso auch bei Behördengängen. Das Erstaunliche daran: Diese mündlichen Angaben wurden oft ohne weitere Prüfung oder der Vorlage von Dokumenten so übernommen, wie sie angegeben wurden. Dies führte dazu, dass es oft sogar innerhalb der Familien verschiedene Schreibweisen der Familiennamen gab.

Zum Anderen aber hatte es sich rasch
eingebürgert, dass Leute – hauptsächlich Männer – Spitznamen erhielten. Dadurch
konnte man auch eine bestimmte Person mit gleichem Namen innerhalb der oft
vielköpfigen Sippe genau deklarieren. Diese Spitznamen wurden manchmal auch an
Kinder und Enkel weitergegeben, alte Bürmooser verwenden sie heute noch.

Eine nicht ganz so große Rolle spielten die
Hofbezeichnungen bei den Bauernhäusern. Die meisten der einst rund 25 Bauern (praktisch
alle im Nebenerwerb) hatten einen Hofnamen, da aber deren Anzahl inzwischen auf
drei gesunken ist, verschwinden auch diese Hofnamen nach und nach.

Einige Beispiele für eingedeutschte Namen:

Rožánek wurde zu Roschanek eingedeutscht. Die Vorfahren stammten aus der Gemeinde Žihobce, deutsch Schihobetz im westlichen Böhmerwald und waren als Torfstecher hierhergekommen. Franz Roschanek wurde der zweite Bürgermeister der Gemeinde Bürmoos. (Siehe Buch: „Damit es nicht verlorengeht“ Band 2 von Wolfgang Bauer)

Matrik Roschanek 1900

Rakůssan wurde zu Rakusan und Rakuschan eingedeutscht. Beide Namen sind heute in der Familie verbreitet. Die Vorfahren stammten aus dem Ort Svatý Jan nad Malší, deutsch Johannisberg bei Budweis und kamen als Torfstecher nach Bürmoos.

Matrik Rakuschan

Kostečka wurde ohne Hatschek eingedeutscht. Ausgesprochen wird er unterschiedlich wie Kostetschka, auch Kostezka oder Kostekka. Die Großeltern mütterlicherseits meiner Frau hießen so, sie waren als Glasmacher gekommen. (Siehe Buch: „Damit es nicht verlorengeht“ Band 2 von Wolfgang Bauer)

Vejvančický erlebte am öftesten eine Veränderung. Auf einem Grabstein sind zwei Variati -onen sichtbar. Oben in Lautschrift Wejwanschitzky unten in amtlicher Schreibweise Vejvancicky – ohne Hatschek. In der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts schrieb man noch Weywančicki und Weyvančickj. Ausgesprochen wurde der Namen bei uns meistens Wewanschitzki. Die Vorfahren kamen als Torfstecher aus Kydlin bei Klattau (heute 85 Einwohner) von Böhmen nach Bürmoos.

Grabstein Vejvancicky 2008

Eine Anekdote: Als Josef und Johanna Vejvancicky – meine Schwiegereltern – einmal einen Ausflug mit dem Fußballverein irgendwo in Österreich mitmachten, übernachtete man in einer Pension. Der Inhaber führte die Teilnehmer an Hand einer Liste zu ihren Zimmern. Als er Vejvancicky lesen sollte, tat er sich die Stotterei mit der Aussprache gleich gar nicht an und befahl: „…und die Jugos kommen mit mir mit.“ Wer gemeint war, stellte sich rasch heraus.

Matrik Weywančicki Jakub geb. 1810

Aber nicht nur Böhmen kamen nach Bürmoos, sondern Leute aus unterschiedlichsten Ländern. Von Alexandrovičz  wurde Alexandrowitsch genannt. Die von Galizischem Landadel abstammende Familie war längst in bürgerlichen Handwerksberufen tätig, als sie über Wien nach Bürmoos kam.

Geburtschein Alexandrovičz

Gervasi: Wird bei uns Gervasi ausgesprochen, obwohl es korrekt in italienisch Dschervasi gesprochen würde. Anton(io) Gervasi kam als Torfstecher aus Nimis bei Udine in Norditalien hierher. Bald übernahm er die Anwerbung von Saisonarbeitern für Torf- und Ziegelarbeiter aus seiner Heimat für den Fabriksherren. (Siehe Buch: „Damit es nicht verlorengeht“ Band 3 von Wolfgang Bauer)

Von den angegebenen Büchern sind noch Restbestände beim Autor erhältlich.


Ignaz Glaser Symposion

Vom 1. bis 23. April 2006 fand im Gemeindezentrum Bürmoos das 1. Ignaz-Glaser-Symposion statt. Das gewählte Thema könnte heute nicht brisanter sein.

Karl Traintinger

Von Karl Traintinger

Der Bürmooser Leiter des Salzburger Bildungswerkes Daniel Krainer organisierte dieses Symposium in Zusammenarbeit mit dem EuRegio-Forum für Intergration, der Gemeinde Bürmoos und dem Land Salzburg. Namensgeber war Ignaz Glaser, der in Bürmoos mit seiner Tafelglasfabrik und der Ziegelei Geschichte schrieb. Schon um 1900 schuf Glaser alle Voraussetzungen, damit Menschen mit unterschiedlicher Herkunft, Mentalität und Sprache eine Gemeinschaft werden konnten.

Daniel Krainer
Bildungswerkleiter Daniel Krainer

Das Symposium beschäftigte sich zusammen dem Projektleiter Dr. Andreas Maislinger mit zwei zentralen Herausforderungen der damaligen Zeit: Arbeitsplätze erhalten beziehungsweise schaffen und die Integration von Zuwanderern.

Sechs Gemeinden aus Österreich und Bayern waren eingeladen, über ihre Erfahrungen zu berichten. In Workshops wurden mehrere Thematiken (z. B.: Religionsgemeinschaften, Schulen, Vereine, Arbeitsplatz) intensiv diskutiert und die Ergebnisse abschließend unter der wissenschaftlichen Leitung von Dr. Bernhard Perchinig von der Österreichischen Akademie der Wissenschaften analysiert.

Die Schlussveranstaltung am Sonntag stand unter dem Motto: Viele Kulturen, Nationen und Sprachen – Eine Gemeinschaft.


Die Dokumentation zum 1. Ignaz-Glaser-Symposion wurde uns dankenswerter Weise von Daniel Krainer zur Veröffentlichung zur Verfügung gestellt. Die Dokumentation als PDF>


Stille Nacht Kapelle Oldtimerbus

In dieser Zeitungsrubrik geht es um lokales Geschehen im nördlichen Salzburger Flachgau, hautnah und bodenverwurzelt. Hier kennt man sich persönlich. Wir berichten über kulturelle Ereignisse im weitesten Sinn des Wortes im Dorf.

Die Berichte kommen in erster Linie aus folgenden Gemeinden: Anthering, Nussdorf, Dorfbeuern, Göming, Oberndorf, Lamprechtshausen, Bürmoos und St. Georgen.

Ein Klick auf die Namen der Gemeinden oder die Postleitzahlen genügt, damit die Artikel aus den Dörfern aufgelistet werden!


Interkulturelles Frühstück in Bürmoos

Seit 2012 findet in Bürmoos ein interkulturelles Frühstück mit dem Motto: „Gemeinsam aufgetischt“ statt.

Wolfgang Bauer

Von Wolfgang Bauer

Begonnen hat es mit dem Projekt „Gesunde Gemeinde“ von AVOS mit der Gemeinde Bürmoos von 2012 bis 2014. In diesem Zeitraum haben 7 Frühstücke mit dazugehörigem Kochkurs stattgefunden, präsentiert von den jeweiligen Gastgeberinnen der verschiedenen Länder.

Nach dem Ende des Projektes wurde die
Aktion von der Gemeinde Bürmoos allein weitergeführt. Aus bescheidenen Anfängen
mit 40 bis 70 Teilnehmern hat es sich zu einem Treffen entwickelt, das schon
fast an die Grenzen der Kapazität im großen Saal des Gemeindezentrums angelangt
ist. Heute nehmen jeweils 170 bis 250 Personen an einem Frühstück teil.

Interkulturelles Frühstück

Der vollbesetzte Saal des Gemeindezentrums am 30.3.2019 | Gastgeberland war Bosnien-Herzegowina

Kinderbetreuung wurde von Beginn an
angeboten. Dieses von den Bürmooser Kinderfreunden angebotene Service musste
aus Platzgründen aber seit einiger Zeit in das Foyer des Gemeindezentrums
verlagert werden.

24 Länder stellten bisher Schmankerl aus
ihren Herkunftsländern vor. Allerdings wird immer auch ein österreichisches
Frühstück mit Kaffee, Semmeln, Brot, Wurst, Käse, Obstsalat, Aufstriche und
Marmelade angeboten, dazu Säfte und Wasser. 4 mal im Jahr ist ein Frühstück
geplant, ein Ende ist so schnell nicht absehbar, leben doch in dieser Gemeinde
derzeit 50 Nationen auf den  knapp sieben
Quadratkilometer Fläche (inklusive Naturraum) zusammen.

Das Frühstück ist völlig unpolitisch,
wenngleich es für Bürgermeister, Vizebürgermeister und zahlreiche
Gemeindevertreter Ehrensache ist, dabei mitzuarbeiten. Ohne die vielen freiwilligen
Helfer wäre es aber nicht zu schaffen.

Bürgermeister Fritz Kralik betreut die Gäste persönlich

Das Frühstück ist völlig gratis. Eine
aufgestellte Spendenbox sammelt allerdings Geld für den Sozialfonds in der
Gemeinde, der unverschuldet in Not geratene Bürmooser unterstützt. Es werden
immer zwischen € 400.– und € 1.000.-.- gespendet, was natürlich noch Luft nach
oben bedeutet.

Die nächste Veranstaltung ist am 18. Mai mit dem Thema USA geplant.

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Wahlen 2019 in Lamprechtshausen

Lamprechtshausen hat gewählt. Hier finden Sie die Wahlergebnisse dieser Salzburger Gemeinde.

Die Flachgauer Gemeinde Lamprechtshausen hat am 10. März 2019 ihre Gemeindepolitiker gewählt. Für Österreich einzigartig war die Tatsache, dass für alle 3 kandidierenden Parteien Frauen die Listenführerinnen und somit Bürgermeisterkandidatinnen waren.

Es waren dies Bgm. Andrea Pabinger für die ÖVP, Marina Kaltenegger für die FDL und Sonja Widmann für die SPÖ.

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Wie zu erwarten war, fiel die Entscheidung zwischen Volkspartei und den Freien Demokraten. Die Bürgermeisterin Andrea Pabinger konnte ihr Amt auf Anhieb erfolgreich verteidigen.

Im Folgenden finden Sie einen Großteil der Wahlwerbung, der in Lamprechtshausen kandidierenden politischen Parteien, gelistet nach dem Wahlergebnis.

Wahlergebnis
Gemeindeinfo >

Wahlwerbung
VP – Einladung zum Informationsabend >
VP – Wahlflyer >
VP – Infofolder mit Wahlprogramm >
FDL – Plakate >

FDL – Aussendung >
FDL – Infofolder mit Wahlprogramm >
SP – Sonja Widmann >

SP – Hallo Salzburg – Lamprechtshausen >

Gratulation an die Wahlsiegerin Bürgermeisterin Andrea Pabinger
Gratulation an die alte neue Bürgermeisterin Andrea Pabinger

 


Gervasi Haus

Am Rande von Bürmoos dämmert ein altes Haus an einem Waldrand dem Verfall entgegen. Es steht seit fast vierzig Jahren leer und hat eine für Bürmoos lange Geschichte. Die einstigen Bewohner starben nach und nach, als letzte Bewohnerin Anna Gervasi im Jahr 1980.

Wolfgang Bauer

Von Wolfgang Bauer

Das um 1890 von unbekannten Maurern erbaute Haus, dem Baustil nach wahrscheinlich Italienern, wurde 1896 von dem aus Nimis in Norditalien stammenden Anton Gervasi (Antonio Davide Gervasi 1856 – 1928) zusammen mit einem größeren Grundstück erworben. Dieses Grundstück lag genau an der Grenze der Katastralgemeinde Lamprechtshausen zu St. Georgen, die mitten durch den Ort Bürmoos verläuft. Das Gervasihaus ist wohl das älteste, original erhalten gebliebene Einfamilienhaus in Bürmoos und eines der am besten dokumentierten.

Kurz nach dem Kauf des Hauses 1896 wurde die Lokalbahn nach Salzburg gebaut, die das Grundstück durchschnitt. Jenen Teil des Grundes, der jetzt auf der anderen Seite der Bahn lag, kaufte der Glasfabriksbesitzer Ignaz Glaser, der dort eine Ziegelei mit Bahnanschluß errichten wollte. Für die Kaufsummen von Bahn und Fabriksherr konnte Gervasi den aufgenommenen Kredit rasch zurückzahlen. S

Das Gervasi-Haus

Anton Gervasi war in jungen Jahren wie viele Andere ins Innviertel gekommen, um hier als Torfstecher oder Ziegelschlager zu arbeiten. Bei uns wurde der Name übrigens immer so ausgesprochen, wie er geschrieben wird, während die korrekte Aussprache Dschervasi wäre.

Zuerst arbeitete er beim Gut Ibm (Gemeinde Eggelsberg), kam dann 1888 oder 1889 nach Bürmoos. Die zweite Tochter Angela ist im Februar 1888 noch in Ibm geboren, die dritte Tochter Ottilia im Dezember 1889 bereits in Bürmoos. Bei der Geburt der ersten Tochter Amalia war die Mutter Ottilia Stachl übrigens erst knapp 17 Jahre alt. Bei der Hochzeit sechs Monate später wurde das Kind legalisiert. Dies dürfte auch der Grund gewesen sein, dass ein italienischer Saisonarbeiter die Chance erhielt, die Tochter eines einheimischen Tischlers und Häuslers zu heiraten. Solche Mischehen waren äußerst selten.

Das Ehepaar Ottilia Stachl aus Ibm, Gemeinde Eggelsberg und der italienische Gastarbeiter Anton Gervasi. Die 17-jährige Braut hatte bei der Hochzeit bereits eine 6 Monate alte Tochter.

In Bürmoos arbeitete Gervasi als Agent
für die Anwerbung italienischer Torfstecher, als deren Dolmetsch und
auch als Vertreter der Bürmooser Glaserzeugnisse in Italien.

Anton Gervasi war lange im Dienst des
Glasfabriksbesitzers, der auch die Ziegelei, je eine Landwirtschaft
in Bürmoos und Ibm und ab 1901 eine zweite Glashütte in Hackenbuch
betrieb. Von seinen sechs Kindern verliert sich die Spur der ältesten
Tochter bald, der Sohn kehrt in die Heimat der Väter in Italien
zurück und die anderen vier Töchter leben bis zur Hochzeit oder bis
an ihr Lebensende in dem Haus in Bürmoos. Gervasi erhielt, ebenso
wie die vier hier lebenden Töchter, 1925 die österreichische
Staatsbürgerschaft.

Die jüngste Tochter Anna (1904 – 1980) besuchte die Frauengewerbeschule für Weißnähen und Kleidermachen in Salzburg. Sie war recht hübsch und hatte in ihrer Jugendzeit eine Menge Verehrer, wie zahlreiche Briefe beweisen. Sie blieb jedoch unverheiratet. Mit dem legendären Bürmooser Pater Felix (Bruno Osendorfer) hatte sie bis zu seinem Tod im Jahr 1971 Kontakt. Ein anderer guter Bekannter von ihr war Dr. Emil Sprenger, Gemeindearzt in Lamprechtshausen, der eine undurchsichtige Rolle im Hintergrund beim Naziputsch 1934 in Lamprechtshausen spielte. Er kam nach dem Krieg in ein Umerziehungslager für Nazis in Bayern, arbeitete später aber als Regierungs-Medizinaldirektor auf der deutschen Insel Fehmarn und starb 1976. Auch mit ihm hatte sie bis zu dessen Tod Kontakt.

Anna Gervasi mit 15 Jahren.  Sie war die jüngste der Schwestern  und hatte auch die beste Ausbildung.
Anna Gervasi mit 15 Jahren. Sie war die jüngste der Schwestern und hatte auch die beste Ausbildung.

Bei den Vorbereitungsarbeiten des
Vereins Geschichte für die Errichtung eines Museums stießen wir im
Jahr 2008 auf dieses Haus. (Das Torf- Glas- Ziegelmuseum in Bürmoos
wurde 2013 eingeweiht). Nach vielen Anrufen und Schreiben gelang es
mir schließlich, von der damaligen Besitzerin, die mit den Gervasi
weder verwandt noch verschwägert war, die Erlaubnis zum Verwerten
des Inventars und aller sonstigen vorgefundenen Sachen zu erhalten –
betreten des Hauses aber auf eigene Gefahr. Ein Glücksfall für uns.
Endlich gelang es, ein Haus zu dokumentieren, ohne daß bereits die
Abrissbagger vor der Türe warteten.

Der Aufwand für die Erlaubnis zur Verwertung hat sich gelohnt! In einer kleinen Gruppe oder von mir allein wurde das Haus dokumentiert, vermessen, fotografiert, die für unseren Verein interessanten Sachen ausgelagert.

Mein Hauptaugenmerk dabei galt vor allem den schriftlichen Sachen, die wild zerstreut im ganzen Haus herumlagen. Manches verstaubt und verdreckt am Boden, vieles im Erdgeschoß war feucht, manches auch in Zeitschriften eingelegt, die dutzendweise herumlagen. Diese letztere Art der Lagerung hat wohl auch so manches Dokument vor Zerstörung oder Diebstahl gerettet, denn in den vielen Jahren, seit das Haus leerstand, haben sich nicht nur Jugendliche darin aufgehalten, sondern sich auch andere „Liebhaber“ alter Sachen reichlich bedient. Das Inventar war wild durcheinander geworfen und bedeckte den Boden teilweise meterhoch.

Ein Teil der ehemaligen Küche. Die Arbeit war nur mit Handschuhen und teilweise mit Atemmaske durchführbar.

Was aber kam da alles zum Vorschein,
nachdem ich die Papiere gereinigt, getrocknet und sortiert hatte: Ein
Stammbaum zurück bis 1770, Reisepässe, Schulzeugnisse, Dokumente,
persönliche Briefe – teilweise in Italienisch, Rechnungen, Fotos,
Testamente…

Auch einfache Möbelstücke und altes
Geschirr waren vorhanden, die wir gut für die Darstellung einer
Arbeiterwohnung im Museum brauchen konnten. Fotoalben und Porzellan
waren aber nicht mehr auffindbar.

Nun steht dieses Relikt einer längst
untergegangenen Ära der Bürmooser Geschichte seit fast vierzig
Jahren leer. Undenkbar heute, dass so viele Leute in einem Haus
gewohnt haben, das kein Badezimmer und nur ein jeweils außenliegendes
WC und ein Plumpsklo hatte. Gebaut war es aber stabil. In den
Fenstern waren noch einige mundgeblasene Scheiben der 1930 in Konkurs
gegangenen Glashütte und auf dem Dach Schindeln des 1927 ebenfalls
in Konkurs gegangenen Ringofens (Ziegelei) des Hermann Glaser.

Auch den gewaltigen Hagelsturm aus dem Jahr 2009 überstand das Haus ohne gravierende Schäden. Schlimmer ist der feuchte Untergrund. Im Brunneschacht des Gartens steht das Grundwaser bis einem Meter unter der Erdoberfläche. Der Abfluß des Bürmooser Sees und der Bahn rinnt nahe an dem Haus vorbei zum Pladenbach. Der See, bei den alten Bürmoosern noch immer „Loamgruabm“ genannt, entstand durch die Lehmentnahme für die nahegelegene Ziegelei.

Der Gang im Erdgeschoß. Ein mutwillig 
herbeigeführter Wasserschaden durch 
ungebetene Besucher ließ die Treppe 
ins OG abfaulen.
Der Gang im Erdgeschoß. Ein mutwillig herbeigeführter Wasserschaden durch ungebetene Besucher ließ die Treppe ins OG abfaulen.

Den heutigen Zustand des Hauses könnte
man mit dem Spruch von Karl Valentin beschreiben: „Die Zukunft war
früher auch besser“. Eine wackelige Außentreppe, morsche
Tramdecken mit wurmstichigen Bodenbrettern, eine abgefaulte Stiege
innen, Glassplitter überall und im Hof ein nicht abgedeckter Brunnen
sollte eigentlich Unbefugte vom Besuch abhalten.

In der Erbauungszeit des Hauses lebten
in der Industriesiedlung Bürmoos im Winter nur einige hundert Leute,
hauptsächlich Glasarbeiter mit ihren Familien. Im Sommer stieg die
Zahl durch saisonal beschäftigte Torfstecher, Ziegelarbeiter und
Hopfenpflücker auf bis zu tausend Personen. Heute leben hier rund
5000 Einwohner auf gleichem Raum problemlos zusammen. 650 davon sind
Ausländer aus 50 Nationen und aus allen fünf Erdteilen, wobei sich
die 210 Deutschen ja nur durch die gleiche Sprache unterscheiden.

Weiterführende Infos zur Geschichte von Bürmoos:
(Restexemplare beim Autor erhältlich: wolfgang1.bauer@aon.at )

Damit es nicht verlorengeht. Band 3 – fast vergessen.“ handeln die Seiten 103 bis 202 von diesem Thema (Antonio Davide Gervasi – Agent aus Trient). 263 S, 2012, € 12.–

Mitten unterm Gulaschkochen – heitere und besinnliche Gedichte von Pater Felix Osendorfer“. Mit Kurzbiographie. 92 S, 2012, € 7.–


Vereinsbroschüre

In unserem Bestreben, fast verschwundene Dokumente einem interessierten Publikum wieder zugänglich zu machen, ist es uns gelungen, das Bürmooser Vereinesverzeichnis aus dem Jahre 2000 erstmals online zu stellen.

Unter der Federführung von Daniel Krainer, der damals das Salzburger Bildungswerk in Bürmoos leitete, sammelte ein Arbeitskreis Informationen und Fotos aller in Bürmoos gemeldeten Vereine, der im Ort tätigen Organisationen und der Bildungseinrichtungen.

Entstanden ist dabei ein zeitgeschichtliches Dokument, das breit gefächert das Gemeindeleben im Jahre 2000 in Salzburgs jüngster Gemeinde dokumentiert.

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Die Broschüre finden Sie im Anschluss als PDF zum Download!

Vereinsbroschüre >
(PDF Größe: 5,76 MB)


SBW Bürmoos

Die Bildungswerke sind als überparteiliche, konfessionell unabhängige, gemeinnützige Vereine organisiert und sollen die Erwachenenbildung und die sozialen Entwicklungsprozesse in den Salzburger Gemeinden kordinieren und fördern.

Karl Traintinger

Von Karl Traintinger

Der amtierende Bürgermeister ist der Vorsitzende des örtlichen Bildungswerkes, daher arbeiten sie im Regelfall auch intensiv und gut zusammen. Oft sind die Bildungswerke Organisatoren von örtlichen Bildungswochen und unterschiedlichsten Kulturveranstaltungen.

Da in vielen Gemeinden die Gemeindearchive, obwohl gesetzlich vorgeschrieben, nur sehr dürftig gepflegt werden, möchten wir anhand einer Beispielgemeinde einmal aufzeigen, wieviel gemeinnützige Arbeit von den Bildungswerken und hier speziell von den einzelnen Bildungswerkleitern wirklich geleistet wird.

Bürmoos

Als Beispiel habe ich Bürmoos, Salzburgs jüngste Gemeinde ausgesucht. Das örtliche Bildungswerk wurde am 6. Februar 1973 unter dem Vorsitz von Bürgermeister Karl Zillner gegründet.

Der erste Bildungswerkleiter war Hans Kwich, der den Verein bis 1999 leitete.

Auszüge aus seinem Bildungsprogramm:

1973 “100 Jahre Bürmoos” – 1. Bildungswoche zum Thema Arbeit, Wirtschaft und Kultur
1985 Bürmooser Umwelttage
1992 2. Bildungs- und Kulturwoche mit dem Schwerpunkten Schule und Zukunft, Soziallehre
1994 3. Bildungswoche – Leitbild: Familien- und lebensfreundliche Gemeinde Bürmoos
1998 4. Bildungswoche – Aktivitäten im Rahmen der Eröffnung des Gemeindezentrums

Vom 14, Jänner 2000 bis März 2012 betreute Daniel Krainer das Salzburger Bildungswerk Bürmoos.

Daniel Krainer

Auszüge aus seinem Bildungsprogramm:

2000 Video-Film “Torf, das schwarze Gold des Moores”, Herausgabe einer Bürmooser Vereinsbroschüre

2001 Internet SBW – Gemeindehomepage, Kultur- und Naturführer “Ortsansichten von Bürmoos”

2002 5. Bildungswoche – 35 Jahre Gemeinde Bürmoos 1967-2002, 2 Konzerte (Jazz im Advent, Revivalband im Kinosaal)

2003 Internationaler Frauentag – Erzählkaffee, Bürmooser Vereins-Roas: Zeit für Andere(s)!, 30 Jahre Salzburger Bildungswerk Bürmoos: Gemeinde leben!

2004 EU-Erweiterung – aus der Sicht des Beitrittslandes Slowakei, unserer Wirtschaft und der Arbeitnehmer. Europa geht uns alle an: Miteinander reden, miteinander handeln! Gesellschaftliche Entwicklung im Umfeld der Bürmooser Ziegelindustrie. Workshop: Vereinsgesetz 2002 / Vereine und Steuern

buermoosvereine

2005 Einfluss der Vereine auf die gesellschaftliche Entwicklung in der Gemeinde. Gesunde Gemeinde: Bürmoos isst – Bürmoos läuft! 60 Jahre Frieden – Buchpräsentation: Die braune Trommel

2006 Historischer Rückblick: Bürmooser Torfstecher und Torfindustrie! 1. Ignaz-Glaser-Symposium: Unterschiedliche Herkunft – Gemeinsame Zukunft!

2007 Freiwillige bewegen unsere Gemeinden – Soziales Engagement zählt! 6. Bildungswoche – Intergration: Bürgerliches Engagement. Buchpräsentation: Bürmoos – Eine Dokumentation mit Bildern! Forum Freiwilligenarbeit.

2008 Weisheit des Alters. 2. Ignaz-Glaser-Symposion: Sprachen – Integration! Bürmoos und die Geschichte der Salzburger Lokalbahn

2009 Europäische Politik: Mit den BürgerInnen über Europa reden. Leben auf (zu) großem Fuß. Und wieder lebt das Moor …

2010 Wissenschaft im Wirtshaus: Wasser ist Leben! Chemi der Lebensmittel. 3. Ignaz-Glaser-Symposion: Mut tut gut – Zivilcourage auf allen Ebenen!

2011 Gesunde Gemeinde. Pressearbeit im Vereinsleben. Kraftwerke der Zukunft. Freiwillige im Mittelpunkt.

Nach zwölfjähriger Tätigkeit hat Daniel Krainer die Leitung des örtlichen Salzburger Bildungswerkes im März 2012 aus gesundheitlichen Gründen zurückgelegt.

Der aktuelle Bildungswerkleiter in Bürmoos ist Ing. Thomas Kastner

Wir werden versuchen, alle noch auffindbaren Publikationen und Veranstaltungsprogramme so weit wie möglich, in der nächsten Zeit hier in der Dorfzeitung zu veröffentlichen.

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Glaswalze fertig geblasen

In der letzten Eiszeit reichten die Ausläufer des Salzachgletschers weit ins Voralpenland bis ins oberösterreichische Innviertel. Vor rund 12.000 Jahren begann eine wärmere Epoche, die Gletscherzungen zogen sich zurück und hinterließen einen gewaltigen See.

Wolfgang BauerVon Wolfgang Bauer

Die Wassermassen suchten sich einen Ablauf über Salzach und Inn in die Donau. In den Senken aber blieben flache Seen und Sümpfe zurück. Durch Torfmoose wuchsen die Gewässer nach und nach von den Rändern her zu und im Laufe der Jahrtausende bildete sich eine dicke Torfschicht. Das Bürmooser Moor, das Weidmoos und das Ibmer Moor bildeten das größte zusammenhängende Moorgebiet Österreichs mit rund 2.000 Hektar.

01 Bürmooser Moor

Bild 1: Ein riesiges Moorgebiet dehnte sich vom Salzburger Flachgau bis ins Innviertel aus

Um die Mitte des 19. Jahrhunderts begann man diese enormen Torfvorräte im Bürmooser Moor auszubeuten. Die bis zu 9 Meter mächtigen Torfschichten bildeten gewaltige Energievorräte, die man nutzen wollte. Die ersten Versuche schlugen allerdings fehl und die Firmen gingen in Konkurs. Im Jahr 1872 wurde die erste Glasfabrik gegründet, die aber ebenfalls nach 6 Jahren wegen technischer und organisatorischer Schwierigkeiten in Konkurs ging.

Im Jahr 1882 kaufte dann der jüdische Unternehmer Ignaz Glaser aus Prag die Konkursmasse, erneuerte die Glasöfen und hatte schließlich Erfolg. Die Glasöfen wurden dabei nicht mit Holz oder Kohle beheizt, sondern mit Torf. Durch das Verbrennen bringt aber der Torf nicht die benötigte Hitze für den Schmelzvorgang von rund 1500 Grad, sondern er muss vergast werden und erst das Gas erzeugt die nötige Hitze.

Die Glasarbeiter warb Ignaz Glaser in Böhmen an, bevorzugt im Böhmerwald. Aber es arbeiteten auch Glasarbeiter aus der Schweiz, dem Saarland, Russisch-Polen, Ungarn, Slowenien oder Serbien. Praktisch die ganze k.k. Monarchie Österreich-Ungarn war vertreten.

Die Torfstecher kamen ebenfalls aus dem Böhmerwald, dem oberösterreichischen Mühlviertel um Schwarzenberg, vor allem aber aus Norditalien, ebenso wie die Ziegelbrenner am Ringofen der 1896 neu errichteten Ziegelei. Dies waren allerdings Saisonarbeiten – die Arbeiter kehrten im Herbst wieder in ihre Dörfer zurück. Nur wenige Familien siedelten sich im Lauf der Zeit hier an.

In Bürmoos wurde nur Tafelglas (Fenster- und Spiegelglas) erzeugt. Die Fabrik war um 1900 eine der größten in Mitteleuropa. Für die Öfen der Glasfabrik, zum Betrieb der Ziegelei und für die Beheizung der Wohnungen und der Küchenöfen benötigte man enorme Mengen an Torf. Allein im Jahr 1900 wurden 100.000 m3 Torf gestochen, der mittels einer Schmalspurbahn (Bockerlbahn) in den Ort und zu den Fabriken gefahren wurde. Nach heutigen Maßstäben eine gewaltige Umweltzerstörung.

Durch den guten Geschäftsgang konnte Ignaz Glaser im Jahr 1900 auch das Gut Ibm im Innviertel mit einer Burgruine und riesigen Moorflächen am anderen Ende des Moorkomplexes erwerben. Er errichtete hier, ebenso wie in Bürmoos, eine Ökonomie und baute Hopfen an. In Hackenbuch, inmitten des Moores, errichtete er eine weitere Glasfabrik (Emmyhütte).

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02 Gruppenbild Glasbläser

Bild 2: Die Glasbläser von Bürmoos – ältere Männer sind wenige dabei

Die Glasarbeiter holte sich Glaser, wie schon erwähnt, aus allen Teilen der Monarchie zusammen. Anfangs herrschte große Wohnungsnot. Die zuerst errichteten „Reihenhäuser“ hat-ten pro Wohnung eine Wohnfläche von 22 m2. Darin mussten die oft vielköpfigen Familien hausen. Später errichtete Wohnblocks brachten es dann auf bis zu 44 m2. Ein Platz für eine Hütte und einen kleinen Gemüsegarten war bei jeder Wohnung dabei. In der Hütte mussten nicht nur die Torfstecherwerkzeuge inkl. eines Radlbockes untergebracht werden, sondern auch eine Badewanne oder ein Zuber und ein Leiterwägelchen. Fast jede Familie hatte die für Bürmoos typischen Gänse (auch im Gemeindewappen), eventuell auch eine Geiß (Ziege) oder ein Schwein. Auch das Futter für die Tiere musste in der Hütte Platz haben. Später kam oft noch ein Fahrrad dazu. Der sich nur knapp über das Niveau des Moores erhebende Hügel des Ortszentrums erlaubte wegen des hohen Grundwasserspiegels nur beim „Herrenhaus“ und beim „Hüttenwirtshaus“, auf dem höchsten Punkt gelegen, einen Keller.

03 Gänse 1934

Bild 3: Gänse beherrschten das Straßenbild von Bürmoos

Um die hochspezialisierten und sehr mobilen Glasmacher zu halten, musste der Fabriksherr einiges anbieten. So war die Wohnung gratis, ebenso das Heizmaterial Torf. Die Fabriksarbeiter hatten auch schon eine Krankenversicherung, in die sie nur 2% des Verdienstes einzahlen mussten. Generell verdienten die Glasmacher gut. Ein Arbeitsbuch aus 1901 von Adolf Schmalzl zeigt einen Verdienst des Glasbläsers von über 200 Kronen monatlich, das war mehr, als Bauernknechte in einem Jahr bekamen.

Bei der Errichtung der späteren Wohnblocks wie dem „Bahnhofhaus“ achtete der Fabriksherr allerdings wenig auf Gemeindegrenzen. Der Ort wurde nämlich beiderseits der sehr verwinkelt verlaufenden Grenze zwischen den Gemeinden Lamprechtshausen und St. Georgen bei Salzburg errichtet. Dabei ergab sich die kuriose Situation, dass beim Bahnhofhaus die Grenze quer durch das Haus ging und sogar mitten durch die Wohnungen. Die Familien wohnten in der Küche in St. Georgen und schliefen in Lamprechtshausen.

04 Bahnhofhaus alte Postkarte

Bild 04 Beim „Bahnhofhaus“ ging die Gemeindegrenze quer durch das Haus

Generell war die Zukunftsvorsorge bei den Glasmachern nicht sehr ausgeprägt, wussten Sie doch um die ihre geringe Lebenserwartung. In einer neuen, noch nicht veröffentlichten, Untersuchung konnte ich aufzeigen, dass die bisher geschätzte Lebenserwartung von 42 Jahren zu hoch gegriffen war. Im Durchschnitt starben Glasmacher (Glasbläser, Glasstrecker, Schmelzer, Hafenmacher, Glasschneider, Schürer=Heizer) im Alter von 39,3 Jahren, während die bäuerliche Bevölkerung in den beiden Stammgemeinden durchschnittlich 53,7 Jahre alt wurde. Bei einem durchschnittlichen Heiratsalter von 28,5 Jahren bei den Männern und 25 Jahren bei den Frauen hatten sie kaum eine Chance, die Großjährigkeit ihrer Kinder zu erleben.

Todesursache waren bei fast 60% der Männer Lungentuberkulose und andere Lungenerkrankungen. Die Weitergabe der Glasbläserpfeife an die Arbeitskollegen bei den Glasmachern, die Hitze und der Gasaustritt am Ofen, der Staub des Gemenges (Grundstoffe) beim Mischen, das Befüllen der Glashafen (Schmelztiegel) und der Staub bei den Hafenmachern waren die Ursache. Dazu kamen die beengten Wohnverhältnisse und die ungenügenden hygienischen Zustände, durch die dann die Krankheit auch auf die ganze Familie übertragen wurde.

Bei den Kindern betrug die Kindersterblichkeit unter 14 Jahren rund 25%, wobei man feststellen kann, dass jene, die das erste Lebensjahr überlebten, gute Chancen hatten, das Erwachsenenalter zu erreichen. Dies betrifft sowohl eheliche wie uneheliche Kinder. Es wurden in Bürmoos weit weniger uneheliche Geburten registriert als bei der bäuerlichen Bevölkerung, davon wurden wiederum mehr als 40 % in den nächsten Jahren als ehelich aner-kannt. Dieser Wert erreicht bei den Bauern und Bürgern nicht einmal die Hälfte.

Bei den Arbeiten war mein Archiv mit der Ahnenforschung mit mittlerweile 23.000 Namen sehr hilfreich. Bei diesen Leuten aus dem Moor gab man sich bei den Eintragungen in die Matrikenbücher nicht allzuviel Mühe. Die Namen und Herkunftsorte wurden oft verstümmelt oder in Lautschrift geschrieben oder tschechische Namen eingedeutscht. Auch bei den Adressen begnügte man sich oft mit „Bürmoos“. Starben Kinder waren manchmal nicht einmal die Namen der Eltern eingetragen. Bei den vielen Familien gleichen Namens eine zusätzliche Erschwernis.

05 Ja das Schreiben und das Lesen

Bild 5: Pfarrer und Kooperatoren hatten oft Schwierigkeiten mit tschechischen Namen

War die Zukunftsvorsorge bei den Arbeitern auch nicht besonders ausgeprägt, so gab es doch immerhin in der nächsten Umgebung des Ortes über 25 Bauernhöfe, die zwischen 2 und 4 Kühe besaßen, manche sogar mehr. Diese Bauern betrieben ihre Sölden im Nebenerwerb neben der Arbeit in der Fabrik oder auf den Torffeldern. Meist reichte es zur Selbstversorgung der Familie, teilweise auch zum Verkauf von Milch oder Erdäpfeln (Kartoffeln). Besonders letztere gediehen vorzüglich in der torfhaltigen Erde. Oft waren diese Bauern auch schon in den Herkunftsgebieten in der Landwirtschaft tätig gewesen.

Diese Herkunftsorte und Namen sind für die Kenner des Böhmerwaldes sehr vertraut. Wenn man die Grabsteine der Friedhöfe ansieht oder in die Pfarrmatriken von Obermoldau/Horni Vltavice, Außergefild/Kvilda, Buchwald/Bucina, Kaltenbach/Nove Hute oder Neugebäu/Novy Svet liest und dann diejenigen von Bürmoos, so findet man viele gleiche Namen. Zeitweise hat man den Eindruck, dass manche Gemeinden im Böhmerwald in den 1880-1900er Jahren fast entvölkert gewesen sein müssen. Einiges darüber habe ich in meinem Buch „Es begann im Böhmerwald“ geschrieben.
Durch die guten Verdienstmöglichkeiten in Bürmoos versäumten es viele Familien aber, sich in der neuen Heimat um das Heimatrecht zu bewerben. Auf dieses hatte man nach 10 Jahren in der neuen Gemeinde ein Anrecht. Es verpflichtete die Gemeinde, jene, die das Heimatrecht besaßen, zu unterstützen, wenn sie in Not gerieten.

6 Bauer Franz (Tschank) Heimatschein

Bild 6: Der Heimatschein war ein wichtiges Dokument

Das Problem war, dass die Familien öfters innerhalb des Ortes die Wohnung wechselten und dabei in der anderen Gemeinde landeten. Oder sie wurden in der Glashütte in Hackenbuch gebraucht. Dann begann die Wartezeit für die 10 Jahre wieder bei Null.

Diese Unterstützungen für Heimatberechtigte durch die Gemeinde waren meistens mehr als ungenügend. Bei den nicht Heimatberechtigten traf der Bann der Gemeinde immer auch die gesamte Familie.

Einige Beispiele:
Der Witwe K., die das Heimatrecht besaß und deren aus Schüttenhofen/Susice stammender Mann Selbstmord verübt hatte, erhielt 1912 für vier Minderjährige ihrer noch lebenden 10 Kinder je 4 Kronen monatlich. Da blieb wohl nur betteln gehen um zu überleben.

07 1912 Unterstützung Kopelent + Kinder

Bild 7: Unterstützung der Gemeinde für die Witwe Kopelent

Die Witwe Theresa Hirsch aus Bürmoos wurde 1905 wegen gänzlicher Subsistenzlosigkeit und wiederholter Inanspruchnahme der öffentlichen Armenpflege aus dem Gemeindegebiet ausgewiesen.

08 1905 Ausweisung Theresa Hirsch

Bild 8: Ausweisung der Witwe Hirsch wegen gänzlicher Subsistenzlosigkeit und wiederhol-ter Inanspruchnahme der öffentlichen Armenpflege

Konnte jemand nicht mehr arbeiten, so wurde er als Einleger von einem Bauern zum anderen weitergereicht, je nach Größe des Hofes verschieden lang. Wenn es ein Armenhaus gab, so wurden die Leute dort untergebracht. Ein solches gab es aber in beiden Gemeinden nicht, auch nicht in Bürmoos, wo der Fabriksherr dafür aufkommen hätte müssen. Dieses Armenhaus war geplant, wurde aber nie gebaut. Die Leute durften bei Verarmung aber weiterhin in ihren Wohnungen bleiben.

Ignaz Glaser setzte sich sonst immer für seine Leute ein und vertrat „seinen“ Ort bei den Obrigkeiten. Es gab ja laufend Reibereien. Zu unterschiedlich war die Lebensweise auf den seit Jahrhunderten bestehenden Bauernhöfen und den eher leichtlebigen Industriearbeitern. Die Bauern nannten sie „Moosgfrast“ und die Arbeiter konterten mit „Gscherte“.

09 Glaser Ignaz Portrait Gemeinde

Bild 9: Ignaz Glaser, Glasfabriksbesitzer und Patriarch der Siedlung im Moor

Schlimm wurde es für jene, die kein Heimatrecht besaßen, wenn sie invalide wurden, der Familienvater starb oder jemand straffällig wurde. Sogar Raufereien oder kleine Diebstähle genügten da schon.

Sie wurden per Gemeindeausschuss-Beschluß der Gemeinde verwiesen und mußten notfalls in ihre Herkunftsgemeinden zurückwandern:
Adam K., abgestraft „wegen Majestätsbeleidigung, Wachebeleidigung, Betteln und Land-streicherei, letzthin in gerichtliche Untersuchung gezogen wegen Diebstahl“, wurde samt Familie 1906 aus dem Gemeindegebiet ausgewiesen.

Oft war dies Jahrzehnte nach ihrer Auswanderung oder die Kinder hatten noch nie etwas von diesen Herkunftsorten gehört. Daß die nicht gerade wohlhabenden Gemeinden z. B. im Böhmerwald keine Freude mit diesen Rückkehrern hatten, versteht sich von selbst.

Witwen, oft noch mit kleinen Kindern suchten sich möglichst schnell einen neuen Mann, oft einen Witwer, der selbst noch kleine Kinder hatte. Andere wieder wechselten die Gemeinde, ohne den Ort oder den Arbeitgeber verlassen zu müssen. Einige der ausgewiesenen Familien findet man heute noch hier.

Als sich das Ende des Torfvorrates auf den Gründen des Ignaz Glaser abzeichnete, kaufte dieser 1913 in Brüx/Most in Nordböhmen eine stillgelegte Zucker-Fabrik und verlegte das Hauptwerk der Glashütte dorthin. Dort gab es als Energielieferant Kohle, die im Tagebau gewonnen wurde. Da war man witterungsunabhängig, während es in Bürmoos in verregneten Sommern oft Probleme gegeben hatte, weil man zuwenig trockenen Torf einfahren konnte und als Ersatz Holz kaufen musste.

Zwar lief die Glasproduktion in Bürmoos weiter, viele der guten Glasmacher hatte man jedoch zu einen Umzug nach Brüx bewegen können. Das bedeutete für den Ort einen bedeu-tenden Rückgang der Bevölkerungszahl. Ein Jahr später aber war sowieso alles anders: Der Erste Weltkrieg begann, viele der Männer wurden eingezogen und die Glashütte, die Ziegelei und die Torfstecherei in großem Umfang wurden stillgelegt. Die verbliebenen, meist alten, Männer durften mit Frauen und größeren Kindern, oft für mehrere Familien, den nötigen Torf für Heizung und Kochen auf Firmengrund stechen. Jedes Stück Garten wurde für den Anbau von Gemüse und Kartoffeln genutzt.

In den jetzt leerstehenden Baracken der Torfstecher und Ziegelarbeiter wurden Internierte Personen aus russisch-Polen untergebracht, hauptsächlich wohl Frauen und alte Männer. In diesen zugigen Baracken brachten vier Frauen von Oktober bis Dezember 1914 ihre Kinder zur Welt. Sie waren so arm, dass bei zwei Kindern die Hebamme als Patin fungierte. Dann verliert sich die Spur dieser Leute, sie werden in andere Lager verlegt worden sein.
Danach kamen galizische Juden in die Baracken. Sie hatten kaum genug zu essen und bettel-ten in der Umgebung. Auch sie wurde bald in andere Lager verlegt.

Im Mai 1915, nach dem Eintritt Italiens in den Krieg gegen die Mittelmächte trafen überra-schend über 300 Flüchtlinge aus dem Trentino ein, dem südlichsten, italienischsprachigen Teil von Südtirol. Der größte Teil kam aus Trambilleno in der Nähe des Nordufers des Gardasees, wo die Front verlief. Rasch mussten Notquartiere organisiert werden. Erst nach und nach konnte ein Teil der Leute auf die umliegenden Gemeinden verteilt werden. Sie erhielten von der Kirche und von Bauern kleine Grundstücke, wo sie selbst etwas anbauen durften. Nach Kriegsende kehrten alle wieder in ihre Bergdörfer zurück.

11 Russen beim Torfstechen

Bild 11: Russische Kriegsgefangene werden beim Torfstechen eingesetzt

Ebenfalls im Mai 1915 kamen die ersten russischen Kriegsgefangenen. Sie wurden bei den Bauern in St. Georgen und Lamprechtshausen verteilt, um die eingerückten Männer als Arbeitskräfte zu ersetzen. Nach und nach ersetzten einige von ihnen aber nicht nur die an der Front stehenden Ehemänner und Verlobten bei der Arbeit, sondern auch in den Betten von Bäuerinnen und Mägden, wie der Dechant von St. Georgen in seinen Aufzeichnungen missbilligend feststellte. Bürmoos hatte in diesem Krieg nach dem Wegzug von Glasmacherfamilien nach Brüx nochmals einen gewaltigen Aderlass an Gefallenen zu verkraften.

Diesen Abschnitt der Geschichte habe ich in einem Bändchen mit dem Titel „Flüchtlinge, Internierte und Kriegsgefangene 1914 – 1918 im nordwestlichen Flachgau“ beschrieben.

Während des Krieges, im Jahr 1916, starb Ignaz Glaser, der Patriarch dieses Imperiums im Moor. Sein einziger Sohn Dr. Hermann Glaser übernahm die Leitung der Betriebe. Nach dem Krieg wurden die Firmen wieder in Gang gesetzt. Durch die Ausbesserung der Kriegsschäden gab es eine kurze Hochblüte des Geschäftes mit Glas und Ziegeln. Anfang der zwanziger Jahre kaufte Hermann Glaser noch eine große Fläche Moorgrund dazu. Die Schwierigkeit der Glashütte war jedoch, dass jetzt in verschiedenen Staaten produziert wurde. Der Hauptsitz war in der Tschechoslowakei, die restlichen Öfen in dem kleinen Restösterreich, dem die riesigen Absatzmärkte der Habsburger k.k. Monarchie fehlten. Dazu kam die technische Entwicklung bei der Tafelglasproduktion. Die gutverdienenden Glasbläser wurden in modernen Fabriken durch Maschinen ersetzt, die ein vielfaches an Glas mit weit weniger Arbeitern erzeugen konnten.

12 Glasfabrik Bürmoos 1899

Bild 12: Die Glashütte von Bürmoos um 1900

Diese Entwicklung hatte man verschlafen. Die Firma kam in finanzielle Schwierigkeiten und mußte 1926 Konkurs anmelden. Ein Konkurrent kaufte die Glasfabrik und betrieb sie weiter bis Ende 1929. Dann war endgültig Schluß mit der Glasproduktion.

Mit einem Schlag herrschte in Bürmoos eine Arbeitslosigkeit von 80 Prozent. Arbeiten bei anderen Glashütten gab es kaum. Die 1930er Jahre waren eine Katastrophe. Die einst so stolzen Glasmacher mussten sich als Arbeiter beim Bau der Großglockner-Hochalpenstraße verdingen, beim Autobahnbau in Bayern arbeiten oder sonstige Taglöhnerarbeiten suchen. Die Familien pflückten im Sommer und Herbst Beeren, suchten Schwämme, die Männer gingen in mondhellen Nächten wildern oder schwarzfischen. Sie konnten auch auf Landes-grund Torf stechen und diesen verkaufen, mussten aber ein Drittel davon dem Land abliefern.

Die Arbeitslosigkeit war dann schlagartig vorbei, als der „Führer“ die Österreicher heim ins Reich holte. Seinem Größenwahn waren bis 1945 80 Bürmooser Soldaten zum Opfer gefallen.

13 Herrenhaus, Jagerhaus 40er Jahre

Bild 13: Das Herrenhaus mit Büros der Glashütte (re.) und das frühere Hüttenkaufhaus (li.) das heute das „Torf- Glas- Ziegelmuseum“ beherbergt

Auch aus der großen Sippe des früheren Glasfabrikbesitzers hatten nur wenige überlebt. Dr. Hermann Glaser war schon in ein KZ eingeliefert worden, kam durch Glück aber nochmals frei und konnte mit dem letzten Schiff nach Shanghai fliehen. Seiner Frau mit den drei Kindern war vorher schon die Flucht über England nach Amerika geglückt. Im Jahr 2014 gelang es mir, durch das Internet und mit Hilfe von Dr. Gert Kerschbaumer, mit den Enkeln Hermann Glasers Kontakt aufzunehmen. 2016 besuchten sechs dieser Nachkommen Bürmoos und wurden mit der Geschichte ihrer Vorfahren bekannt gemacht.

Von den übrigen Verwandten der Glaser Familie überlebten nur wenige das „Tausendjährige Reich“. Sie wurden von den Nazis gnadenlos in den KZs ermordet. Nur einer entkam durch den Eintrag in „Schindlers Liste“ (verfilmt von Steven Spielberg).

Nach dem Zweiten Weltkrieg ging es mit dem Ort Bürmoos langsam wieder aufwärts. Es entstanden neue Arbeitsplätze und durch viel Nachbarschaftshilfe bauten sich viele Familien ein eigenes Häuschen. Probleme zwischen den zwei Gemeinden gab es aber immer dann, wenn Geld in den zweigeteilten Ort zu investieren war. Ob bei Kindergarten, Friedhof oder Schule, man wollte möglichst wenig dafür ausgeben.

14 Bürmoos Luft Ziegelei 1964 VS

Bild 14: Bürmoos 1964 kurz vor der Gemeindegründung

Als dann aber die schnell wachsende, überwiegend rot (sozialdemorkratisch) wählende Bürmooser Bevölkerung bewirkte, dass nach der Wahl 1964 in beiden Gemeinden erstmals ein roter Bürgermeister aus Bürmoos gewählt wurde, handelte die schwarz (konservativ) dominierte Landesregierung. Mit 1. Juli 1967 wurde eine eigene Gemeinde Bürmoos gegründet. Die Gemeindefläche sollte nicht ganz 7 km2 betragen, zusammengesetzt aus Teilen der vier Katastralgemeinden (= Steuergemeinden) St. Georgen, Holzhausen, Lamprechtshausen und Arnsdorf. Sie bestand praktisch nur aus dem Ort selbst und dem umgebenden Natur-raum, hauptsächlich Moorgrund.

In diesem Arnsdorf wurde übrigens vor genau 200 Jahren das heute weltberühmte Weihnachtslied „Stille Nacht, heilige Nacht“ komponiert. Im Schulhaus neben der Wallfahrtskirche „Maria im Mösl“ in Arnsdorf lebte und arbeitete der Lehrer Franz Xaver Gruber, der die Melodie für seinen Freund Joseph Mohr in dem 2 km entfernten Oberndorf schrieb, der den Text verfasst hatte. Das Lied für zwei Singstimmen und Gitarre wurde 1818 in der Pfarrkir-che St. Nikolaus in Oberndorf von den Beiden uraufgeführt.

Wider erwarten entwickelte sich die jüngste Gemeinde des Landes Salzburg prächtig. Industrie und Gewerbebetriebe siedelten sich an. Der Torf wurde weiterhin in großem Umfang abgebaut. Riesige Maschinen frästen ihn ab und im Torfwerk wurde er zu Dünger und Gar-tenerde verarbeitet. Erst im Jahr 2000 wurde der Abbau endgültig eingestellt. Ein Verein bemühte sich um die Renaturierung der Flächen und war so erfolgreich, dass ein großer Teil inzwischen zum Naturschutzgebiet erklärt worden ist. Ursprüngliches Moor gibt es allerdings nur mehr auf kleinen Flächen am Rande der Abbaugebiete.

15 Torfabbau mit riesigen Maschinen

Bild 15: Mit riesigen Maschinen wird der abgefräste Torf zusammengeschoben

Die Nachkommen der Glasmacher, Ziegelbrenner, Torfstecher und die vielen Zugezogenen leben heute in einer modernen Industriegemeinde mit viel Naturraum und einem Badesee, entstanden aus den Lehmgruben, aus denen die Ziegelei den Rohstoff entnahm. Unter den rund 5000 Einwohnern befinden sich Menschen aus 42 Nationen. Es ist trotz vieler Widrig-keiten eine Erfolgsgeschichte an gelebter Integration.

16 Gleislacke im Herbst

Bild 16: Das abgebaute Moorgebiet ist heute Naturschutzgebiet

Wer sich noch näher informieren möchte, kann sich die Ortschronik vom Gemeindeamt Bürmoos senden lassen:
Wolfgang Bauer – Reinhard Kaiser „50 Jahre Bürmoos – das Glasbläserdorf im Moor 1967 -2017“ Preis € 20.– plus Porto.
Die DVD „Die Glasbläser von Bürmoos“ kann direkt beim Autor bestellt werden E 15.– plus Porto.
Das Büchlein „Flüchtlinge, Internierte und Kriegsgefangene 1914 – 1918 im nordwestlichen Flachgau“ gibt es ebenfalls beim Autor für € 6.– plus Porto

Wolfgang Bauer
Julius Fritschegasse 29
5111 Bürmoos
Österreich
Mail: wolfgang1.bauer@aon.at


Johann Grießner

Mein Weg nach Lamprechtshausen

Johann GrießnerAls Bauernsohn und “Spätberufener” – aus dem Pinzgau kommend – schloss ich sehr erfolgreich die Höhere Bundeslehranstalt für Alpenländische Landwirtschaft in Raumberg Gumpenstein Steiermark im Jahr 1972 ab. Das geplante Tierarztstudium ist leider aus privaten Gründen ins Wasser gefallen, so entschloss ich mich an einem späten Abend – auf einem Traktor Ford 7000 sitzend, bei der Heimfahrt von der Feldarbeit zur “Wellington Farm” in der Nähe von Cambridge England – meine Dienste beim Raiffeisenverband Salzburg zu beginnen. Mir wurde die Leitung des neu zu bauenden Bezirkslagerhauses im Pinzgau in Aussicht gestellt.

Auf Initiative von Ökonomierat Hans Eder kam es anders. 1974 beauftragte man mich mit dem Neubau des Lagerhauses Lamprechtshausen – dem ich als Lagerhausleiter 25 Jahre, bis 1999 vorstand.

Das politische Engagement

Schon 1979 haben mich der damalige Bürgermeister Franz Größlhuber, der spätere Bürgermeister Georg Junger und der Gemeindevertreter Hans Fersterer, der Hanslbauer in Außerfürth, gebeten, dass ich mich einer Vorwahl für die Gemeindevertretungswahl stelle – ich landete “relativ weit vorne”, sodass ich mich aufgrund dieses Vertrauensbeweises nicht mehr getraute “Nein” zu sagen – somit war ich als Gemeindevertreter dabei.
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Meine Zeit als Bürgermeister der Gemeinde

Von 1986 bis 1999 war ich aufgrund entsprechender Wahlergebnisse der ÖVP Vizebürgermeister und von 1999 bis 24. 09. 2017 der Bürgermeister der Gemeinde Lamprechtshausen. Meine Frau Roswitha, die Kinder Barbara und Hans Georg hatten großes Verständnis, dass ich einen Großteil meiner knappen Freizeit der Gemeindepolitik widmete – ich bedanke mich ausdrücklich bei meiner Familie. Die Familie war mein “wahres Daheim” und Rückzugsgebiet in meiner neuen Heimat, wenn so manches “daher kam!” Auch in der Gemeindepolitik ist für mich ein neues Heimatgefühl gewachsen! Siehe da – ich bin ein Flachgauer, ein Lamprechtshausener und woran ich niemals gedacht hätte – Bürgermeister geworden!

1999 formulierte ich mir ein Ziel: Lamprechtshausen soll noch schöner und lebenswerter werden! Arbeiten und nicht streiten.

Vielleicht ist mir das gelungen? Ein hervorragendes Miteinander hat mich mit meinem Team begleitet – danke dafür! Wir sind so gut zusammengewachsen – mir fehlt diese Gemeinschaft sehr!

Ein herzliches “Danke” auch an die Gemeindevertretungen, dem Pfarramt, allen Vereinigungen, Vereinen, den Verantwortlichen unserer Bildungsstätten, den Sicherheits- und Hilfsorganisationen und dem Gesundheitswesen für die gute kameradschaftliche Zusdammenschau! So konnte unsere Dorfgemeinschaft weitergeführt und ausgebaut werden – sie kann sich sehen lassen.

So manches haben wir gemeinsam umgesetzt – im Anhang können Sie sich ein Bild machen!

Ich bin froh, eine tüchtige Nachfolgerin in der Frau Bürgermeisterin Andrea Pabinger gefunden zu haben – sie ist schon “voll im Geschäft!”
Alles Gute weiterhin – ich blicke mit Dankbarkeit und Demut zufrieden zurück!

Ing. Hans Grießner, Bürgermeister a.D.
Lamprechtshausen, im Frühjahr 2018

 

Anhang – Zeittafel

Persönliches

Ing. Johann Grießner – Geb. 16. 03. 1947 Zell/ See

Eltern: Barbara und Johann Grießner / Landw. Gutspachtung der Eltern am Walchergut Gries/ Pzg. – dort aufgewachsen – Pinzgauer Rinderzuchtbetrieb – wurde hier bäuerlich geprägt mit Freude an der Landwirtschaft, Natur, Umwelt und an historischen Bauten

1963 – 1965 Landw. Berufsschule St. Georgen Pzg.

1965 – 1967 Landw. Fachschule Bruck / Glstr.

1968 – 1972 Höhere Bundeslehranstalt f. Alpenländische Land. – u. Forstwirtschaft Raumberg Gumpenstein Stmk.

1972 – 2004 Tätigkeit Raiffeisenverband Salzburg Ware

1974 – 1999 Lagerhausleiter Lamprechtshausen

1999 – 2004 Verkaufsberater Baustoffverkauf Großfirmen

Ab 2004 – 2018 “Full time” Bürgermeister

Seit 1979 in der Gemeindepolitik

1986 – 1999 Vizebürgermeister

1999 – 24. 9. 2017 Bürgermeister

Seit 2000 Obmann Torferneuerungsverein Weidmoos

Seit 2005 Beeidetes Berg- u. Naturschutzorgan SBNW

2005 – 2015 Beeidetes Jagdschutzorgan

Seit 1981 Mitglied Lamprechtshausener Jägerchor

Seit 2015 Kräuterpädagoge

Seit 2003 Natur- und Landschaftsführer

Kommunales

1999 – 2001 Fertigstellung Mehrzweckgebäude FF Zentrale RK Zentrale

2000 Gründung Torferneuerungsverein Weidmoos

2001 Umbau Musikhauptschule

2001 Ankauf “Gisser Haus” (f. spätere Dorfplatzgestaltung)

2002 Initiator zum Ankauf Weidmoos für die Gemeinden Lamprechtshausen / St. Georgen

2003 – 2007 Beitrag zur Umsetzung “Life Projekt Europa Vogelschutzgebiet Weidmoos”

2003 Ankauf Gewerbegebiet Ehring 17 ha durch die Gemeinde

2005 Adaptierung Volksschule

2007 Fertigstellung Dorfplatzgestaltung

2007 Neubau Betreutes Wohnen mit 17 Wohneinheiten

2009 Adaptierung Kindergarten

2012 Umsetzung “Barrierefreies Weidmoos” Leader Plus Projekt

2012 Zubau und Adaptierung Neue Mittelschule

2014 Erweiterung Volksschule

2015 Adaptierung Barrierefreies Amtgebäude

105/ 2016 Sanierung Kanal Reitlwald

Hobbies

Botanik, Lesen, Singen, früher: Klettern – heute Bergwandern, Jagd, Holzarbeit im eigenen Wald


Steyr Motorwagen

Vergangenes in Erinnerung behalten ist das Motto dieser Fotoserie über das im Jahr 1947 von den Österr. Stickstoffwerken in Zehmemoos/ Bürmoos angesiedelte Torfwerk.

Daniel KrainerVon Daniel Krainer

Technischer Leiter im Torfwerk war vom Jahr 1947 bis 1963 Ing. Wilhelm Lustig. Alle eingesetzten Maschinen wurden nach seinen Anleitungen von Salzburger Firmen (Palfinger, Rendl) zusammengebaut.

Dank seiner technischen Begabung wurde unter Anderem auch ein alter “Steyrer” moortauglich umgebaut um die körperlich anstrengende Arbeit zu erleichtern. Erzeugt wurde aus dem abgeräumten Trockentorf unter Beimengung von Ammoniak ein Kunstdünger, der unter dem Namen “Vollhumon” verkauft wurde. Die Abfüllanlage für das Düngemittel “Vollhumon” war eine Vorrichtung zu gleichzeitigen Pressen und Verpacken. In der Patenschrift Nr.: 188277 vom Jänner 1957 ist Ing. Wilhelm Lustg als Erfinder genannt.
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umgestürzte Lok

Auf dem oorigen Boden kam es immer wieder einmal zu Unfällen mit der Bockerlbahn

Maschine-zum-auflesen-der-Torfwasen

Maschine zum Auflesen der Torfwasen

Bildarchiv Daniel Krainer Maschinisten

Maschinisten

Detail-der-Abfüllanlage

Detail der Abfüllanlage

Ammoniak Tankwagen ÖBB

Ammoniak Tankwagen ÖBB

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