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Oder: Von der Unkultur des Alltags

Rochus Gratzfeld

Von Rochus Gratzfeld, Salzburg und Sarród

Nein, nein. Früher war nicht alles besser.

Das sagen
nur alte Menschen.

Und du bist
noch nicht alt – bemerken meine Gedanken.

Früher gab
es noch Kultur.

Welche,
fragen meine Gedanken.

Ich stehe an
einer Bushaltestelle. Kiesel. Salzburg Stadt.

Ein junger
Mann ohne Migrationshintergrund stopft einen Döner in sich hinein.

Die weiße
Sauce läuft ihm aus dem Mund und erinnert an schlechte Pornos.

(Wenigstens etwas.)

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Ein anderer
speichelt bei diesem Anblick auf den Gehsteig.

Nein, nein.
Früher war nicht alles besser.

Das sagen
nur alte Menschen.

Und du bist
noch nicht alt – bemerken meine Gedanken.

Ich gehe
durch die Stadt. Durch Salzburg.

Eine junge
Frau schiebt mit einer Hand einen Kinderwagen, mit der anderen handymasturbiert
sie. Das Kleinkind schreit. Nicht lustvoll, by the way.

Eine andere,
ebenfalls junge Frau, lässt im O-Bus Einblicke in ihre Feuchtzonen zu. „Heute
will er mich in den Arsch ficken.“ (Handy.) Hoffentlich verwendet er ein Gummi.

Nein, nein.
Früher war nicht alles besser.

Das sagen
nur alte Menschen.

Und du bist
noch nicht alt – bemerken meine Gedanken.

Ich stehe an
einer Fußgängerampel. Grün. Ein Türken-BMW schafft es gerade noch, das Geschoß
zu stoppen. Der Sound aus den offenen Fenstern ist wohl in ganz
Elisabeth-Vorstadt zu hören.

Nein, nein.
Früher war nicht alles besser.

Das sagen
nur alte Menschen.

Und du bist
noch nicht alt – bemerken meine Gedanken.

Derweil
landen Kippen auf der Straße, wird gerotzt, fliegen Pizzaverpackungen aus
Autos.

Nein, nein.
Früher war nicht alles besser.

Das sagen
nur alte Menschen.

Und du bist
noch nicht alt – bemerken meine Gedanken.

Auf einem
Parkplatz streckt ein Mann der Öffentlichkeit seinen Arsch entgegen.

“Wer eine
Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über das eigene Leben verloren.”
(Karl Lagerfeld)

Karl
Lagerfeld war nicht der Meine. Dennoch konnte und wollte ich mich der Faszination
seines Genies nie ganz entziehen. Auch Mode war nie die Meine. Ich habe meinen
eigenen Stil gefunden. Der ist preisgünstig. Überwiegend. Und durchgängig.
Meist schwarz. Ohne Löcher in den Hosen. Gerne auch Leder. Aber kein
Heimatleder. Mag ja auch nicht dieses Tittenpräsentationsgewand, obwohl ich
Brüste liebe.

Was ich –
wie zu Lebzeiten Karl Lagerfeld – verachte, ist Unkultur. Ist Nachlässigkeit.
In vielen Facetten. Ist Belästigung. Einen Menschen, dem ohne Not der Arsch aus
der Hose rutscht, kann ich jedenfalls nicht ernstnehmen. Genau so wenig
übrigens, wie einen Menschen, der – ohne Not – im Gehen isst, sollte ich besser
sagen frisst? Der auf den Gehsteig rotzt, der mitmenschliche Kommunikation
durch ein Handy ersetzt.

Nein, nein.
Früher war nicht alles besser.

Das sagen
nur alte Menschen.

Und du bist
noch nicht alt – bemerken meine Gedanken.

Früher gab
es noch Kultur.

Welche,
fragen meine Gedanken.


Berlin, Checkpoint Charlie

Meine Gedanken kehren zurück in das Jahr 1989. Ich war Marketing-Manager in einem amerikanischen Unternehmen in Eschwege.

Rochus Gratzfeld

Von Rochus Gratzfeld, Salzburg und Sarród

Direkt an der Grenze zu Ostdeutschland. Noch war diese Grenze nicht gefallen. Dennoch konnte ich als Wessi den Osten besuchen. In gehobenen Restaurants waren Westkonserven der Hit.

Meine Gedanken kehren zurück in die siebziger Jahre.

Unsere Maturareise führte nach Prag. Mit dem Bus.

An der Grenze grelles Licht. Wachpersonal mit Maschinengewehren.

Es war eine Zeit des Vollrausches. Becharovka zum Frühstück.

Becharovka zum Lunch.

Krimsekt zum Dinner.

DM erlaubte uns alles. Und ich meine, was ich sage. Alles.

In einer Kirche tauschten wir unsere Jeans gegen Währung. Der Erlös zahlte
die gesamte Woche unseres Aufenthaltes. Ins Hotel gingen wir in Unterhosen
zurück.

Im U Fleku wurden wir bevorzugt, Gäste aus Ostdeutschland gar nicht
bedient. Sie zahlten die Zeche für den Prager Frühling.

Rückfahrt mit dem Bus. Vollgeladen mit Krimsekt und Kästen voller Plzeňský Prazdroj – Pilsener Urquell. Einen Kasten gaben wir beim ersten Grenzposten ab. Passieren!

Meine Gedanken kehren zurück in die siebziger Jahre.

Als Studenten reisten wir oft nach Berlin. Stadt ohne Sperrstunde. Mit dem
Auto. Durch die DDR. Wachposten mit Maschinengewehren. Grelles Licht. Angst.
Später erfuhr ich, dass die Autos durch Röntgentunnel geleitet wurden. Absurd.
Am Bahnhof Friedrichstraße wurde ich kurzzeitig verhaftet – ich hatte Fotos
gemacht. Ausziehen. Leibesvisitation. Beschlagnahmung des Films. Bravo!

Ostberlin war anders. Schwarz-weiß-anziehend im Ruß der Braunkohleöfen.
Ohne Werbung aber dafür mit viel menschlicher Wärme.

Westberlin. Alles so schön bunt hier.

Meine Gedanken kehren zurück in das Jahr 1989.

Ich bin in Budapest. Unterhalb meiner Pension sammeln sich Menschen, es
werden stündlich mehr. Immer mehr. Menschen aus der DDR.

Die Grenze ist gefallen.

Ich bin zurück in Eschwege.

Willkommenstransparente stehen in krassem Gegensatz zu der über Nacht
erfolgten Preiserhöhung für Obst und Gemüse. Der Preis für Bananen ist um 300%
gestiegen. Ich denke: Arschlöcher.

Alte sterbenskranke Menschen werden auf Bahren aus Trabis in Banken
getragen. Willkommensgeld.

Ein Trabi steht zur Hälfte auf einem erhöhten Gehsteig. Ostdeutsche beladen
ihn mit Waren. Steigen übergewichtig zu. Achsenbruch.

Die Grenze ist gefallen.

2019

Meine Gedanken denken „scheiße“.

Es hat nicht wirklich geklappt. Mit der Wiedervereinigung.

West hat Ost damals Freiheit gegeben und Identität geraubt.

Außer Rotkäppchensekt ist von der ehemaligen DDR nicht viel übriggelassen
worden. Die faschistische AfD schlägt daraus jetzt Kapital. Und Europa
errichtet neue Mauern. Putin riecht Lunte und hofft auf Spaltungen.

Dennoch. Es war ein riesiger Schritt.


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Grüne Brille

Meine Gedanken schweifen um
die Urnen, in denen jetzt so manche Hoffnung begraben wurde. Wo neues grünes
Gras auf den Gräbern jetzt im Spätsommer zu wachsen begonnen hat.

Rochus Gratzfeld

Von Rochus Gratzfeld,
Salzburg & Sarród

Für die braunen Blauen hat es Watschen gegeben. Gut so. Der Bodensatz an ewig Gestrigen, an Dummen, Hooligans, Fremdenfeindlichen und Heimatversessenen, an solchen, die sich einen Polizei- und Militärstaat wünschen, scheint bei rund 15% zu liegen. Damit muss sich Österreich wohl abfinden.

Der Wendepilz hat ebenfalls seine Rechnung bekommen – purer Egoismus ist kein Argument für Wählerinnen und Wähler.

Ganz schade, dass das Volk die Notwendigkeit einer wirklich starken SPÖ nicht einsieht. Ich sage nur “back to the roots” und klare Positionierungen.

Die NEOS. Ich kann mit denen nichts anfangen. Aber o.k..

Die GRÜNEN. Bravo. Ich freue mich wirklich sehr und sage von Herzen: Glückwunsch

Nun zum neuen Altkanzler. SMART. Nicht greifbar. Sich drehend und wendend. Über „Leichen gehend“. Aber wohl genau die Figur, nach der sich der Mainstream sehnt. Irgendwie repräsentiert er das „schleimigschmalzige Österreich, welches ich als Deutscher nie gemocht habe. Nun ist er wieder da, wo er nicht hingehört. Wie wird er weiter machen? Wann ist sein Charme ausgereizt?

Welche Koalition wird
zustande kommen? SMARTbraun? Kann ich mir ehrlich gesagt nicht mehr vorstellen.
Und dennoch: Hofer ist jetzt nicht mehr größer als sein Gehstock. Dies könnte
für Kurz verlockend sein, die eigene Macht noch weiter auszubauen. SMARTrot? Da
müsste Rendi eine sehr devote Haltung einnehmen. Das wäre dann schon BDSM auf
Politebene. Mir wäre Rot lieber als sich neu findende Kraft in der Opposition!
SMARTgrün? Warum eigentlich nicht! Anders: Verdammt noch mal, drückt euch nicht
um die Verantwortung, nehmt die Chance in eure Hände, liebe GRÜNE, sagen meine
Gedanken.

Schaun wir mal! Ich durfte ja eh nur schauen.


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Rechtswalzer

Vorwort

Ich sitze in Sarród an einem meiner Lieblingsplätze und lese einen Krimi. Manche Leiche unterhält mich.

Rochus Gratzfeld

Von Rochus Gratzfeld, Salzburg und Sarród

Da mischen sich meine Gedanken ein. Sie meinen, ich müsse ein Buch empfehlen. Unbedingt noch vor den nächsten Wahlen. Nun gut.

So empfehle ich gerne allen Hartgesottenen den Kriminalroman von FRANZOBEL. RECHTSWALZER. Alle Fotos sind von bzw. Zitate aus dem Buch.

Wieder einmal stehen in Österreich Nationalratswahlen vor der Tür. Gehen mich nichts an. Ich darf nicht wählen.

Gehen dich nichts an? Du lebst doch in Österreich, in der EU.

Wird eh
wieder alles wie vorher.

Wie
vorher? Ja, so denken viele Menschen. Und weil sie so denken, wird alles
vielleicht noch viel schlimmer!

So wie in
dem Buch, was du doch gerade gelesen hast.

Welches
Buch?

Das von
FRANZOBEL. RECHTSWALZER.

Der Krimi?

           
„Tatsächlich erinnerte die Haut des Toten an Kochschinken.“

(FRANZOBEL, RECHTSWALZER, Paul Zsolnay Verlag, Seite 49)

Ach was.
Von wegen Krimi.

Du hast
es doch gelesen. Diese Horrorvision von einer Diktatur in Österreich.

„Als der Meister ausstieg und gönnerhaft die Hand hob,
applaudierten alle…Meister!-Meister!-Rufe wurden skandiert. Der Meister, eine
Symbiose aus Machiavelli, Führer und Pabst, lächelte. (Ob er wirklich ein in
Alkohol getränktes Tampon im Dickdarm trug?) Ihm folgten Minister, Staatsgäste,
der Kardinal und zwei Bischöfe.“

(FRANZOBEL, RECHTSWALZER, Paul Zsolnay Verlag, Seite 359)

Aber das
wird doch niemals möglich sein!

„Ihr
werdet euch noch wundern, was alles möglich ist.“

Wer hat das
gesagt? Dieser Kreidefresser?

Egal.

Jedenfalls
sagt der Möchtegernreiter schon wieder ganz laut, ja er brüllt geradezu, wie er
sich die Zukunft Österreichs vorstellt. Und der junge Möchtegernmeister lügt
dazu.

Rechtswalzer.


Gedanken aus Bleistift

Meine Gedanken schweifen
um eine Kapitänin. Sie wurde verhaftet, weil sie Menschen vor dem Ertrinken
bewahrte. Nein, nicht die Täter wurden verhaftet. Das helfende Opfer.

Rochus Gratzfeld

Von Rochus Gratzfeld,
Salzburg und Sarród

„Ich habe die
Balkanroute geschlossen.“

In einem Land, in dem ein
faschistischer Minister vom Balkon Mussolinis Reden schwingt.

In einem Land, in dem ein
faschistischer Minister Roma und Sinti kastrieren lassen möchte.

In einem Land, in dem ein
faschistischer Minister Menschen ertrinken lassen möchte.

„Ich habe die
Balkanroute geschlossen.“

Meine Gedanken schweifen um einen ehemaligen Innenminister Österreichs. Der mit dem Rückenwind einer beispiellosen Fremdenfeindlichkeit eine GESTAPO aufbauen wollte. Dürfen meine Gedanken die Schutztruppe für ausschließlich Ministerinnen und Minister der FPÖ so nennen? Und was sagte der damalige Kanzler hierzu und zu all den anderen Versuchen Kickl´s und der FPÖ, die Meinungsfreiheit und die bürgerlichen Rechte in Österreich zu beschränken? Was sagte er zu „Strachismus“, bevor dieser unterging?

„Ich habe die
Balkanroute geschlossen.“

Meine Gedanken schweifen um das Gespräch am vergangenen Sonntag, welches Stöckl mit Sebastian Kurz führte. Selbstzweifel? Reue? Fehlanzeige. Als das Thema des wundersamen Auftretens des jungen Altkanzlers im Rahmen einer Sektenveranstaltung aufkam, da zeigte sich der „Heilige Sebastian“ ergriffen. Das Gebet für ihn. Seine Überraschung. Ja, fast erstarrt soll er gewesen sein. Und natürlich habe er dies nie gewollt. Welch eine Heuchlerei. Wäre es übrigens keine, dann wäre es unglaubliche Dummheit gewesen. Eine Dummheit, die alleine Sebastian Kurz jede Befähigung abgesprochen hätte, noch einmal Kanzler Österreichs zu sein. So aber war es ein kalkulierter PR-Gag, der jedoch nach hinten los ging.

„Ich habe die
Balkanroute geschlossen.“

Meine Gedanken kehren
zurück zur mutigen und tapferen Kapitänin. Höre ich von Sebastian Kurz
irgendetwas über sie? Höre ich ein „So darf das nicht weitergehen“? Höre ich
etwas von Kurskorrekturen von einem, der sich aufgemacht hat, wieder Kanzler
Österreichs zu werden? Ich höre nichts, oder doch:

„Ich habe die
Balkanroute geschlossen.“

Nie wieder Sebastian Kurz!


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Rochus Gratzfeld

Vom
Heim ins Bräu.

Über die braune Brühe der Salzach, die meine trüben Gedanken reflektiert.
Mit gezoomtem Blick auf Maria Plain, als könne die Kirche Hoffnung vermitteln.

Rochus Gratzfeld

Von
Rochus Gratzfeld, Salzburg & Sarród

Mit geschärften Sinnen entlang von Dingen, die ich fast täglich sehe und solchen, die ich noch nie wahrgenommen habe.
Darunter auch das Schild „Pflegeanstalt“.
Wir schreiben das Jahr 2019 und ich lese mitten in der Stadt Salzburg „Pflegeanstalt“.

Zum
Ziel.

Bei Hendl und Bier reden wir.
Über Stricke, die gedreht werden.
Über die Abneigung eines Stadtoberhauptes gegen bestimmte Minderheiten.
Über Armutsreisende, die fast alle denselben ethnischen Ursprung haben.
Über den Einsatz, diesen Minderheiten eine Anlaufstelle zu sein. In der Hitze
des Sommers, in der beißenden Kälte des Winters. Ihnen Arbeit zu beschaffen.
Darüber, welchen Einsatz dieser Kampf benötigt.
Mein Gesprächspartner und Freund ist Widerstand gewohnt. Widerstand gegen
Widerstand ist Teil seines gesamten Lebens.

Die Vorwürfe gegen ihn wiegen
schwer. Der Strick scheint gedreht, „sein“ Verein wohl am Ende.
Über Schuld und Unschuld kann ich nicht urteilen.
Wohl aber über einen Freund.

Ich wünsche ihm alles erdenklich Gute, umarme ihn und verlasse satt, aber unzufrieden, das heimische Brauhaus.


odin rune

Meine Gedanken schweifen um Kunst in Österreich. Namen in der Gedankenwelt. Egon Schiele. Friedensreich Hundertwasser. Hermann Nitsch. Gottfried Helnwein. Valie Export. Marina Abramovic. Gelitin. 7. Weil die Zahl so magisch ist. Repräsentativ für freies und innovatives Kunstschaffen in Österreich.

Rochus Gratzfeld

Von Rochus Gratzfeld, Salzburg und Sarród

Dann ziehen Wolken auf. Dunkle Wolken. Ein weiterer Name erscheint: Manfred Odin Wiesinger. Wer bitte verwirrt da meine Gedanken?

Es erscheinen Runen. Es erscheinen Burschenschaftler. Es erscheinen Szenen aus dem Dritten Reich.

Und Stimmen erscheinen. Stimmen aus dem rechten Lager. Sie machen sich stark für Odin.

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Eine dieser Stimmen wollte Bundespräsident werden. Will es immer noch. Da sei Gott vor – welcher auch immer. Oder eine Göttin. Welche auch immer.

Sebastian Kurz, wann
bekennen Sie sich zu Manfred Odin Wiesinger? Passt der nicht hervorragend zu
der Klientel, die Sie rechtaußen bedienen möchten? Sind Sie vielleicht sogar
selbst ein Fan Odins? Hat er Sie gemalt? An den Außengrenzen in heldischer Pose
mit Natodraht im Hintergrund? Oder am Mittelmeer? Vielleicht sogar bei Ihnen
zuhause, ganz versunken in das Spiel „Schiffe versenken“?

Entschuldigen Sie bitte, Sebastian Kurz. Es sind die manchmal etwas verwirrten Gedanken eines nicht mehr jungen Mannes. Der immer noch träumt. Auch und gerade von der Freiheit der Kunst. Davon, dass der Begriff „entartet“ für immer der Vergangenheit angehört.

Wiesinger hat Sie nicht gemalt. Das wäre absurd. Und natürlich werden Sie sich bekennen. Zur Freiheit der Kunst. Gegen das Gestrige. Sie werden die Ernennung Manfred Odin Wiesingers zum Kulturbeirat eines Bundeslandes scharf kritisieren.

Sie werden auf Bundesebene Zeichen setzen. Moderne, liberale, innovative zeitgenössische Kunst großzügig unterstützen. Ja, unter Ihrer weisen Führung wird sich die gesamte ÖVP distanzieren von einem möglichen Trend zur „Reichskunst“. Oder?


Einkaufswagen vor einem Supermarkt | Foto: Karl Traintinger

Meine Gedanken schweifen um Wärme im kalten Klima der Gesellschaft. Hier. In Felix Austria. Wo nicht Felix regiert, sondern Sebastian. Hoffentlich nur kurz. Aber schon zu lange.

Rochus Gratzfeld

Von Rochus Gratzfeld, Salzburg und Sarród

Auch frischer Wind kann stinken. Meine Gedanken schweifen um die Menschen, die als Notreisende ein wenig Wohl hier bei uns suchen.

Im reichen Salzburg. Darum, wie mit ihnen umgegangen wird, wie immer wieder versucht wird, sie zu kriminalisieren.

Um diejenigen, die mit dem Verkauf der wunderbaren Straßenzeitung APROPOS ihr Leben finanzieren können. Aufdringliche Verkäuferinnen oder Verkäufer habe ich noch nie erlebt. Ich betone: nie!

Seit 5 Jahren stand er beim Lidl. Ruhig. Unaufdringlich. Bei einem Gespräch offen und herzlich. Jetzt ist er weg. Ich traf ihn wieder an irgendeiner Ecke. Ruhig. Unaufdringlich. Ja, fröhlich. Obwohl ihm zum Kotzen zumute sein musste. Wir sprechen miteinander. Ich frage. Und er erklärt. „Neuer Chef hat verboten.“

Meine Gedanken sagen: Auch frischer Wind kann stinken!

Immer stand sie beim Hofer. Unscheinbar, bescheiden, dankbar, wenn man ihr APROPOS abkaufte. Heute stand sie an der Straße. Nahe zum Hofer. In der Sonne der Kälte. Ich begrüßte sie und natürlich kaufte ich APROPOS. Ich frage und sie erklärt. „Neue Cheffin hat verboten.“

Meine Gedanken sagen: Auch frischer Wind kann stinken!


Meinungsfreiheit

Meine Gedanken schweifen um die in Österreich bedrohte Freiheit des Journalismus. Damit tritt dieses Land, tritt meine Wahlheimat, unter Billigung eines machtgeilen Kanzlerchens, in die Fußstapfen aller autoritären Regime.

Rochus Gratzfeld

Von Rochus Gratzfeld, Salzburg und Sarród

Sei es China, sei es Russland, sei es die Türkei, sei es in. Die Freiheit der Presse gehört in den Kerker. So droht aktuell der Spitzenkandidat für die Europawahlen, der FPÖler Vilimsky – würde man ihm eine SS-Uniform anziehen – er könnte nicht besser gekleidet sein – dem ORF-Journalisten Armin Wolf mit Rauswurf.

Dreckig. Da sind wir angekommen, wo ich glaubte, wo meine Gedanken sicher waren, wir niemals mehr ankommen würden. Im braunen Sumpf giftigen Schlamms der Vergangenheit. Einer Vergangenheit, die zur Gegenwart zu drohen wird.

Zum Hohn druckt dann am heutigen Sonntag, dem 28. April 2019, die Kronenzeitung ein sogenanntes Interview mit dem ehemaligen Wehrsportler und heutigen Vizekanzler ab.

Meine Gedanken lachen weinend. Das ist kein Interview, das sind die rechtsextremen Statements, die Strache schon seit Tagen verbreitet. Getarnt als Interview. Gipfelnd in der gerne von allen rechtsextremen Vertreterinnen und Vertretern angeführten Verschwörungstheorie der Bevölkerungsvermischung, des Austausches von Christinnen und Christen gegen Muslime und Muslima.

Eben das ist keine freie Presse. Das ist Manipulation. Das macht Göbbels, den Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, wieder präsent.

Nein, wir brauchen einen freien Journalismus, wir brauchen Journalisten und Journalistinnen wie Armin Wolf und ja, wir brauchen keine Krone der Zeitungen, die sich Unfreiheit verschreibt, verhuurt, wie es im niederländischen heißt.

Aber Achtung. Vielleicht hat sogar dieses Blatt die Zeichen der Zeit erkannt. In der bereits zitierten Ausgabe findet sich sehr zur Überraschung meiner Gedanken ein Artikel mit viel Kritik am Kanzlerchen.

Schaun wir mal.


das leben geniessen

Heute habe ich zusammen mit einer Freundin und einem Freund den Winter offiziell beendet. Mit unserem obligatorischen wöchentlichen Saunabesuch. Jetzt muss die Sauna bis Oktober Seen und Pool weichen.

Rochus Gratzfeld

Von Rochus Gratzfeld Salzburg und Sarród

Ich schau mich um. Ja, ich schaue. Bin schließlich ein sehender Mann. Künstler. Fotograf. Ich schaue zurück. Lasse den Saunawinter Revue passieren. Lasse die Gedanken schweifen.

Bei 99% der Männer reicht der Penis nicht bis zu den Kniekehlen. Er endet weit früher in fröhlicher Zurückgezogenheit. Auch „Stierhoden“ sind mehr als Mangelware.

Sixpacks: Fehlanzeige. Dafür gut entwickelte Bäuche.

Bei 99% der Frauen strecken sich die Brüste – soweit in entsprechender Größe vorhanden – nicht zum Kinn. Sie scheinen sich eher am Bauchnabel zu orientieren. Auch um die Hüften präsentieren sie sich speckig. Lasse die Gedanken schweifen.

Frage mich: Warum. Warum hat die Werbung so viel Erfolg mit Produkten, die eine Körperveränderung versprechen? Ein längerer Penis. Pralle Brüste. Six Packs. Volle Lippen, oben wie unten.

Warum, denken meine Gedanken, akzeptieren sich Frauen und Männer nicht so, wie sie sind? Fühlen sich einfach wohl in ihrer Haut.

Und scheißen auf die Werbung.


Am zugefrorenen Neusiedlersee. © Rochus Gratzfeld Sarród - Salzburg

DER RECHTE. Er steht mit beiden Beinen auf dem Boden dessen, was er als festes Recht empfindet. Dabei merkt er nicht, dass er mit diesen beiden Beinen bereits im Schlamm steckt.

Viele Menschen brauchen feste Regeln, an die sie sich klammern können. Hinterfragen ist lästig, tut so gar oft weh. Dies erklärt, warum die Menschen 1938, als die POLITIK ÜBER DAS RECHT gestellt wurde, weiterhin fest an den Glauben sich klammerten, alles sei rechtens.

Es war damals wie heute so einfach, so bequem. Und deshalb greift ein Kickl wieder zu den Mitteln von damals, versucht es zumindest.

Die Deportationen von damals sind mit denen von heute nicht zu vergleichen. Die Greuel hatten eine andere Dimension.

Aber Menschen sehendes Auges in ein unkalkulierbares – oder eben doch kalkulierbares – Unglück abzuschieben, das ist ein Anfang zurück zu viel größeren Greueltaten.

Dagegen muss sich die Gesellschaft wehren.
Aufstehen. Die Stimmen erheben.


Rochus Gratzfeld

Warum ich so lange brauchte, auf dieses unselige Ereignis zu reagieren?
Nun. Meine Gedanken warteten auf eine Audienz bei Goethe.
Sie haben sie schließlich nach langer Zeit bekommen. „Ihr habt ja auch lange in Frankfurt gelebt. Nun denn“, waren seine Worte, als er meine Gedanken empfing.
Ein freundlicher Toter mit immer noch wachem Geist.

Rochus Gratzfeld

Von Rochus Gratzfeld, Salzburg und Sarród

Über Faust hat er sich mit meinen Gedanken ausgetauscht. Über den Pakt mit dem Teufel. Einen Pakt, den Frau oder Mann eingeht, um zu erreichen, was Frau oder Mann sonst aus eigenen Kräften nicht erreichen kann. Der Preis dafür: die Seele.

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Über Putin haben sich meine Gedanken und Goethe unterhalten. Er fand klare Worte: „Einer, der über Leichen geht, um seine Macht zu stabilisieren. Einer, der Konkurrenz in sibirische Konzentrationslager verdammt. Einer, der dem vielleicht größten Despoten der Gegenwart militärisch das Überleben sichert.“ Aber er sagte auch „gegen Putin wird Europa nicht überleben. Dazu braucht es aber keine Teufelspakte, sondern klare Vereinbarungen auf Augenhöhe. Dazu braucht es die Einbindung Russlands in vielerlei Hinsicht“.

Die Hochzeit. Nun, wir wissen, gerade im Mittelalter war die Hochzeit ein beliebtes Instrument, um Machtstrukturen zu festigen. In vielen Ländern dieser heutigen Welt ist das auch heute noch so. Auch in Österreich?

Was hat die aktuelle Außenministerin Österreichs, Karin Kneissl, dazu bewogen. Putin zu ihrer Hochzeit eizuladen? Zu diesem doch eigentlich intimen Ereignis. Einen Despoten. Kneissel ist hochgebildet, hochintelligent. Alles, was sie als Argumente für diese Untat vorgegeben hat, ist dummes Zeug. Sie macht einen Knicks vor Putin. Warum? Und war nicht diese ganze beschämende Aktion bis ins Detail mit Kurz und Strache abgesprochen? Wofür hat Kneissl ihre Seele verkauft? Und warum folgte Putin der Einladung einer global völlig unbedeutenden Politikerin, zu der er keinen persönlichen Bezug hat und die ihn sexuell sicher nicht interessiert?

Goethe hat auch auf diese Fragen Antworten: „Kneissel ist machtgeil. Kneissel will ihre Stellung festigen. Kneissel ist regierungstreu…solange es ihr dient. Dafür betreibt sie sogar die Prostitution ihrer Seele. Kurz und Strache zieht es in Richtung Russland. Sie folgen damit Orbán. Hoffen auf eine Unabhängigkeit vom westlichen Europa. Fatal. Putin will Europa teilen und somit ohne Waffeneinsatz Einfluss zurückgewinnen. Schlafen wird er aber für dieses Ziel mit Kneissel nicht.“ Das wäre aus seiner Sicht zu viel verlangt.

Meine Gedanken haben sich dankend von Goethe verabschiedet. Mein Kopf schüttelt sich. Vor so viel Dreck in unserer Gesellschaft, in Europa, in der Welt. In unserem Österreich.