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Masken

corona. oder dieUNvernunft

Die Coronapandemie ist noch nicht vorbei. Die Vorsichtsmaßnahmen werden von vielen Mitbürgern in letzter Zeit nicht mehr sehr ernst genommen. Hoffentlich müssen wir diesen Leichtsinn nicht noch bereuen. Die aktuellen Lockerungen sind nur möglich, solange die Infektionszahlen überschaubar bleiben.

Karl Traintinger

corona.
oder. dieUNvernunft.

Rochus Gratzfeld

Von Rochus Gratzfeld, Salzburg & Sarród

Heute war ich mal wieder im grenznahen Österreich. Land der Burgen, Land der Blöden.

APOTHEKE
dem bekannt geizigen über 70 Jahre alten Herrn Apotheker baumelt die Maske ums Kinn. sein ausschliesslich weibliches Hilfspersonal. Masken Fehlanzeige.
Handschuhe. Ist ja keine Gärtnerei.
HaHaHa.

SPARwallern
ach watt.
hier ist Corona vergessen.
Beim Personal. Bei den KäuferInnen.
der Kaas geht wieder von schwitziger Hand über die Theke.
das Fleisch ist wieder richtiges Fleisch.
angefasst gehört.
die Ware und die Menschen.
und lustig ists.
sich prustend und schniefend an der Kassa anlachen ist halt nur ohne Masken echt menschlich.

corona

(
heutige Meldung: die Anzahl der Neuinfektionen in Österreich steigt wieder deutlich an.
)


bella, bella, bella

Bella, bella, bella….

Vor 300 Jahren. Die Pest.
Karneval in Venedig. Menschen tragen Masken. Vor allem die des Pestarztes.
Schnabelförmig. In sie steckte man Watte mit ätherischen Ölen. Zudem trug ein
Pestarzt – und demnach auch der Karnevalist – einen langen Stock, um die Patienten
auf Distanz zu halten.

Rochus Gratzfeld

Gedanken aus Bleistift von Rochus Gratzfeld
Salzburg & Sarród

1912. Der Text von Thomas
Mann, Tod in Venedig, wird veröffentlicht.

2020. Der venezianische
Karneval wurde abgesagt. Menschen sterben. Massenhaft. Fische kehren zurück in
die Kanäle. Menschen tragen Masken. Zwei Meter Abstand zum Gegenüber. Weltweit.

1975. Die „Generation Vico
Torriani“ macht sich auf an die Seen Oberitaliens. So auch meine Eltern. Sie
kratzen Geld zusammen und erwerben ein Steinhaus in einem abgelegenen Dorf
oberhalb des Lago Maggiores. Wurde mir Heimat. Auch meinen Kindern. Von
Katastrophen blieben wir verschont. Weitgehend.

1986. Roberto. Erst wurde
ihm übel, die Knie wurden weich. “Dann konnte ich nichts mehr sehen und
kaum noch atmen”, klagte er. Die Ursache: Methylalkohol, in Wein gemischt.
Andere sind noch schlimmer dran. Bruna wurde in tiefem Koma in das Mailänder
Krankenhaus “Fatebenefratelli” eingeliefert. Alvaro starb auf der
Intensivstation des städtischen Krankenhauses “Niguarda”. Ich
erinnere mich, wie wir jedes Glas Rotwein vor dem Trinken testeten. War da ein
blauer Schimmer im Glas – weg damit und die ganze Flasche gleich hinterher.

Im selben Jahr. Frühling.
Es ist ungewöhnlich heiß. Suchen Abkühlung in der eiskalten Maggia. Die Mutter
meiner Kinder, mein Sohn, der in diesem Jahr 40 wird, und ich. Wissen nicht,
dass der Wind gerade eine unselige Fracht zu uns trägt. Aus Tschernobyl.

1975. Eine hochbetagte Frau
schafft Holz in eine Kiepe. Sie geht in die Knie, lädt ohne fremde Hilfe die
Last auf den längst gebeugten Rücken. Transportiert sie in ihr Haus. Entzündet
den Ofen im einzigen beheizten Raum. Der Küche. Davor steht ein Bett.
Ruhestätte für sie und ihre Tochter.

2020. Habe das Dorf vor
Jahren verlassen, das wunderbare Steinhaus verkauft, die Erinnerungen behalten.
Behalten habe ich auch eine Kiepe. Die Kiepe. Sie steht heute neben dem
Kachelofen in unserem Haus in Ungarn. Wieder ein See. Keine Berge. Meine Frau
und ich befinden uns zusammen mit unseren zwei Hündinnen in selbstgewählter
Isolation. Hier in Pannonien. Die Grenzen sind geschlossen. Angst ist spürbar.
Mit Menschen aus dem Dorf am großen See bin ich in Kontakt. Es geht ihnen
weitgehend gut. Wieder Frühling.

Bella, bella, bella….

(Erstmalig veröffentlicht auf story.one)


Wer ist Dieter M.?

„rechte gröler aus dem fansektor von #redbull #salzburg während #hanau-schweigeminute? passt zu #mateschitz

(Bernhard Jenny auf FB)

Dieter M. gehört, folge ich meinen
Gedanken, zu den am meisten überschätzten Personen Österreichs, ja Europas.
Global gibt es andere überschätzte Kaliber.

Rochus Gratzfeld

Gedanken aus Bleistift von Rochus Gratzfeld
Salzburg & Sarród

Dieter M. ist Milliardär. So what?

Dieter M. hat
sein Marketing-Handwerk bei Blendax gelernt. Gute Schule. Lernte ihn damals auf
einem Seminar kennen. Vor gefühlten hundert Jahren. Er bei Blendax, ich bei
American Home. Später habe ich ihn nie wieder getroffen. Dafür seine Exfrau.
Irgendwie skurril und doch unendlich lustig. Sie barbusig und ich, umgeben von
Kühen, die ihren Kreis um uns immer enger zogen, bis wir beschlossen, zu
weichen. Am Prebersee.

Nach Blendax
folgte wenig. Dann fing er sich einen Virus ein. In Asien. Genau genommen in
Thailand. Den gabs in Flaschen und in Dosen. Krating Daeng.

Und Dieter M. verstand die virale
Kraft dieses ansteckenden Gebräus. Das war der Schlüssel zu seinem Erfolg. Mit
dem Wissen der Zahnpasta im Rucksack tat er nichts weiter, als das asiatische
Konzept auf Europa zu übertragen. Mit einem neuen Namen. Hochprofessionell. Mit
extremen PR-Ansätzen.

Ja, und das ist schon seine Erfolgsgeschichte.
Nicht weniger. Nicht mehr.

Dieter M. ist nicht politisch, lieber
hochgeschätzter Bernhard. Dieter M. tut einfach alles, sein persönliches Virus
zu verbreiten, tut alles für die Marke. Dazu gehört auch, den rechten Rand
seiner Infizierten abhängig zu halten. Der Rest geht ihm am Arsch vorbei.
Dieter M. ist kein „Gutmensch“, denn seine Zielgruppe sind primär keine
„Gutmenschen“. Deshalb auch sein Festhalten an Felix, dem Unseligen. Dieter M.
tut jedoch durchaus Menschen Gutes, die Hilfe benötigen. Da dies aber der Marke
nicht dient, lässt er darüber auch nicht reden. Ich kenne dafür Beispiele.

Dieter M. ist ein fanatischer
Vermarkter, der unter Millionen das Glück hatte, damit Erfolg zu haben. Kein
Genie. Kein Übermensch. Keiner, der sich auch nur irgendwie politisch
engagiert. Er genießt einfach seinen Erfolg, seinen unendlichen finanziellen
Reichtum.

Keiner, der mich interessiert.

Sagen meine Gedanken.


Autobahn

Schluss mit Tempo 140 – Ein Anschlag?

Meine Gedanken schweifen um Sprache.
Sprache enthüllt. Sprache zieht Vorhänge zur Seite. Sprache macht sichtbar.

Rochus Gratzfeld

Von Rochus Gratzfeld, Salzburg & Sarród

Words cut deeper than a knife…
Worte sind Taten.

Norbert Hofer bezeichnet die mögliche Abschaffung der Teststrecken als “Anschlag auf die Autofahrer”. Anschlag sagen meine Gedanken. Anschlag.

Weiß Hofer eigentlich, was das Wort ANSCHLAG in der deutschen Sprache bedeutet?

Wenn nicht, helfe ich ihm gerne.
Nach Duden bedeutet Anschlag “gewalttätiger, auf Vernichtung, Zerstörung zielender Angriff”.

Diesen Akt unterstellt er den Grünen in der neuen Regierung.

Eine Ungeheuerlichkeit, wenn er die Bedeutung des Wortes kennt. Eine ungeheure Dummheit, wenn er, der sich ja einmal zum Glück vergeblich, um das höchste Amt in Österreich beworben hat, die Bedeutung nicht kennt.

Und ein weiterer Beweis dafür, dass die FPÖ und deren Chef mit den Themen Umweltschutz und Verkehrssicherheit nichts am Hut haben. Gedankenlos sind, sagen meine Gedanken.

Ohne jede Rücksicht.

Ewig gestrig.

Weiterführende Info:

Dorfzeitung.com


Auschwitz

75. Gedenktag zur Befreiung von Auschwitz – Birkenau

Auschwitz

Nein, diese Menschen kamen nicht nach Europa.
Sie lebten in Europa.
Europa war ihre Heimat.
Damals.

Es waren Juden, es waren behinderte Menschen, es waren Lesben und Schwule.
Es waren Gegnerinnen und Gegner des Regimes.
Es waren Roma und Sinti.
Es wurden unerwünschte Menschen.

Sie wurden in den Vernichtungslagern ermordet.
Brutal.
Rücksichtslos.
Kinder. Frauen. Männer. Heute.

Sie kommen nicht aus Europa.
Sie leben nicht in Europa.
Europa ist nicht ihre Heimat.

Sie suchen Sicherheit.
Vor Kriegen.
Vor Verfolgungen.
In Europa.

Es sind Kinder, Frauen, Männer.
Sie sind unerwünscht.
Europa lässt sie ersaufen.
Sperrt sie in Lager.
Schickt sie zurück in Kriegsgebiete.

Auschwitz?

Rochus Gratzfeld

Gedanken aus Bleistift
von Rochus Gratzfeld
Salzburg und Sarod


Dorfzeitung.com


“Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über das eigene Leben verloren.” (Karl Lagerfeld)

Oder: Von der Unkultur des Alltags

Rochus Gratzfeld

Von Rochus Gratzfeld, Salzburg und Sarród

Nein, nein. Früher war nicht alles besser.

Das sagen
nur alte Menschen.

Und du bist
noch nicht alt – bemerken meine Gedanken.

Früher gab
es noch Kultur.

Welche,
fragen meine Gedanken.

Ich stehe an
einer Bushaltestelle. Kiesel. Salzburg Stadt.

Ein junger
Mann ohne Migrationshintergrund stopft einen Döner in sich hinein.

Die weiße
Sauce läuft ihm aus dem Mund und erinnert an schlechte Pornos.

(Wenigstens etwas.)

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Ein anderer
speichelt bei diesem Anblick auf den Gehsteig.

Nein, nein.
Früher war nicht alles besser.

Das sagen
nur alte Menschen.

Und du bist
noch nicht alt – bemerken meine Gedanken.

Ich gehe
durch die Stadt. Durch Salzburg.

Eine junge
Frau schiebt mit einer Hand einen Kinderwagen, mit der anderen handymasturbiert
sie. Das Kleinkind schreit. Nicht lustvoll, by the way.

Eine andere,
ebenfalls junge Frau, lässt im O-Bus Einblicke in ihre Feuchtzonen zu. „Heute
will er mich in den Arsch ficken.“ (Handy.) Hoffentlich verwendet er ein Gummi.

Nein, nein.
Früher war nicht alles besser.

Das sagen
nur alte Menschen.

Und du bist
noch nicht alt – bemerken meine Gedanken.

Ich stehe an
einer Fußgängerampel. Grün. Ein Türken-BMW schafft es gerade noch, das Geschoß
zu stoppen. Der Sound aus den offenen Fenstern ist wohl in ganz
Elisabeth-Vorstadt zu hören.

Nein, nein.
Früher war nicht alles besser.

Das sagen
nur alte Menschen.

Und du bist
noch nicht alt – bemerken meine Gedanken.

Derweil
landen Kippen auf der Straße, wird gerotzt, fliegen Pizzaverpackungen aus
Autos.

Nein, nein.
Früher war nicht alles besser.

Das sagen
nur alte Menschen.

Und du bist
noch nicht alt – bemerken meine Gedanken.

Auf einem
Parkplatz streckt ein Mann der Öffentlichkeit seinen Arsch entgegen.

“Wer eine
Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über das eigene Leben verloren.”
(Karl Lagerfeld)

Karl
Lagerfeld war nicht der Meine. Dennoch konnte und wollte ich mich der Faszination
seines Genies nie ganz entziehen. Auch Mode war nie die Meine. Ich habe meinen
eigenen Stil gefunden. Der ist preisgünstig. Überwiegend. Und durchgängig.
Meist schwarz. Ohne Löcher in den Hosen. Gerne auch Leder. Aber kein
Heimatleder. Mag ja auch nicht dieses Tittenpräsentationsgewand, obwohl ich
Brüste liebe.

Was ich –
wie zu Lebzeiten Karl Lagerfeld – verachte, ist Unkultur. Ist Nachlässigkeit.
In vielen Facetten. Ist Belästigung. Einen Menschen, dem ohne Not der Arsch aus
der Hose rutscht, kann ich jedenfalls nicht ernstnehmen. Genau so wenig
übrigens, wie einen Menschen, der – ohne Not – im Gehen isst, sollte ich besser
sagen frisst? Der auf den Gehsteig rotzt, der mitmenschliche Kommunikation
durch ein Handy ersetzt.

Nein, nein.
Früher war nicht alles besser.

Das sagen
nur alte Menschen.

Und du bist
noch nicht alt – bemerken meine Gedanken.

Früher gab
es noch Kultur.

Welche,
fragen meine Gedanken.


Berlin, Checkpoint Charlie

9. November 1989 MAUERFALL

Meine Gedanken kehren zurück in das Jahr 1989. Ich war Marketing-Manager in einem amerikanischen Unternehmen in Eschwege.

Rochus Gratzfeld

Von Rochus Gratzfeld, Salzburg und Sarród

Direkt an der Grenze zu Ostdeutschland. Noch war diese Grenze nicht gefallen. Dennoch konnte ich als Wessi den Osten besuchen. In gehobenen Restaurants waren Westkonserven der Hit.

Meine Gedanken kehren zurück in die siebziger Jahre.

Unsere Maturareise führte nach Prag. Mit dem Bus.

An der Grenze grelles Licht. Wachpersonal mit Maschinengewehren.

Es war eine Zeit des Vollrausches. Becharovka zum Frühstück.

Becharovka zum Lunch.

Krimsekt zum Dinner.

DM erlaubte uns alles. Und ich meine, was ich sage. Alles.

In einer Kirche tauschten wir unsere Jeans gegen Währung. Der Erlös zahlte
die gesamte Woche unseres Aufenthaltes. Ins Hotel gingen wir in Unterhosen
zurück.

Im U Fleku wurden wir bevorzugt, Gäste aus Ostdeutschland gar nicht
bedient. Sie zahlten die Zeche für den Prager Frühling.

Rückfahrt mit dem Bus. Vollgeladen mit Krimsekt und Kästen voller Plzeňský Prazdroj – Pilsener Urquell. Einen Kasten gaben wir beim ersten Grenzposten ab. Passieren!

Meine Gedanken kehren zurück in die siebziger Jahre.

Als Studenten reisten wir oft nach Berlin. Stadt ohne Sperrstunde. Mit dem
Auto. Durch die DDR. Wachposten mit Maschinengewehren. Grelles Licht. Angst.
Später erfuhr ich, dass die Autos durch Röntgentunnel geleitet wurden. Absurd.
Am Bahnhof Friedrichstraße wurde ich kurzzeitig verhaftet – ich hatte Fotos
gemacht. Ausziehen. Leibesvisitation. Beschlagnahmung des Films. Bravo!

Ostberlin war anders. Schwarz-weiß-anziehend im Ruß der Braunkohleöfen.
Ohne Werbung aber dafür mit viel menschlicher Wärme.

Westberlin. Alles so schön bunt hier.

Meine Gedanken kehren zurück in das Jahr 1989.

Ich bin in Budapest. Unterhalb meiner Pension sammeln sich Menschen, es
werden stündlich mehr. Immer mehr. Menschen aus der DDR.

Die Grenze ist gefallen.

Ich bin zurück in Eschwege.

Willkommenstransparente stehen in krassem Gegensatz zu der über Nacht
erfolgten Preiserhöhung für Obst und Gemüse. Der Preis für Bananen ist um 300%
gestiegen. Ich denke: Arschlöcher.

Alte sterbenskranke Menschen werden auf Bahren aus Trabis in Banken
getragen. Willkommensgeld.

Ein Trabi steht zur Hälfte auf einem erhöhten Gehsteig. Ostdeutsche beladen
ihn mit Waren. Steigen übergewichtig zu. Achsenbruch.

Die Grenze ist gefallen.

2019

Meine Gedanken denken „scheiße“.

Es hat nicht wirklich geklappt. Mit der Wiedervereinigung.

West hat Ost damals Freiheit gegeben und Identität geraubt.

Außer Rotkäppchensekt ist von der ehemaligen DDR nicht viel übriggelassen
worden. Die faschistische AfD schlägt daraus jetzt Kapital. Und Europa
errichtet neue Mauern. Putin riecht Lunte und hofft auf Spaltungen.

Dennoch. Es war ein riesiger Schritt.


Dorfzeitung.com


Grüne Brille

Österreich hat gewählt: SMART & GRÜN

Meine Gedanken schweifen um
die Urnen, in denen jetzt so manche Hoffnung begraben wurde. Wo neues grünes
Gras auf den Gräbern jetzt im Spätsommer zu wachsen begonnen hat.

Rochus Gratzfeld

Von Rochus Gratzfeld,
Salzburg & Sarród

Für die braunen Blauen hat es Watschen gegeben. Gut so. Der Bodensatz an ewig Gestrigen, an Dummen, Hooligans, Fremdenfeindlichen und Heimatversessenen, an solchen, die sich einen Polizei- und Militärstaat wünschen, scheint bei rund 15% zu liegen. Damit muss sich Österreich wohl abfinden.

Der Wendepilz hat ebenfalls seine Rechnung bekommen – purer Egoismus ist kein Argument für Wählerinnen und Wähler.

Ganz schade, dass das Volk die Notwendigkeit einer wirklich starken SPÖ nicht einsieht. Ich sage nur “back to the roots” und klare Positionierungen.

Die NEOS. Ich kann mit denen nichts anfangen. Aber o.k..

Die GRÜNEN. Bravo. Ich freue mich wirklich sehr und sage von Herzen: Glückwunsch

Nun zum neuen Altkanzler. SMART. Nicht greifbar. Sich drehend und wendend. Über „Leichen gehend“. Aber wohl genau die Figur, nach der sich der Mainstream sehnt. Irgendwie repräsentiert er das „schleimigschmalzige Österreich, welches ich als Deutscher nie gemocht habe. Nun ist er wieder da, wo er nicht hingehört. Wie wird er weiter machen? Wann ist sein Charme ausgereizt?

Welche Koalition wird
zustande kommen? SMARTbraun? Kann ich mir ehrlich gesagt nicht mehr vorstellen.
Und dennoch: Hofer ist jetzt nicht mehr größer als sein Gehstock. Dies könnte
für Kurz verlockend sein, die eigene Macht noch weiter auszubauen. SMARTrot? Da
müsste Rendi eine sehr devote Haltung einnehmen. Das wäre dann schon BDSM auf
Politebene. Mir wäre Rot lieber als sich neu findende Kraft in der Opposition!
SMARTgrün? Warum eigentlich nicht! Anders: Verdammt noch mal, drückt euch nicht
um die Verantwortung, nehmt die Chance in eure Hände, liebe GRÜNE, sagen meine
Gedanken.

Schaun wir mal! Ich durfte ja eh nur schauen.


Dorfzeitung.com


Rechtswalzer

Rechtswalzer

Vorwort

Ich sitze in Sarród an einem meiner Lieblingsplätze und lese einen Krimi. Manche Leiche unterhält mich.

Rochus Gratzfeld

Von Rochus Gratzfeld, Salzburg und Sarród

Da mischen sich meine Gedanken ein. Sie meinen, ich müsse ein Buch empfehlen. Unbedingt noch vor den nächsten Wahlen. Nun gut.

So empfehle ich gerne allen Hartgesottenen den Kriminalroman von FRANZOBEL. RECHTSWALZER. Alle Fotos sind von bzw. Zitate aus dem Buch.

Wieder einmal stehen in Österreich Nationalratswahlen vor der Tür. Gehen mich nichts an. Ich darf nicht wählen.

Gehen dich nichts an? Du lebst doch in Österreich, in der EU.

Wird eh
wieder alles wie vorher.

Wie
vorher? Ja, so denken viele Menschen. Und weil sie so denken, wird alles
vielleicht noch viel schlimmer!

So wie in
dem Buch, was du doch gerade gelesen hast.

Welches
Buch?

Das von
FRANZOBEL. RECHTSWALZER.

Der Krimi?

           
„Tatsächlich erinnerte die Haut des Toten an Kochschinken.“

(FRANZOBEL, RECHTSWALZER, Paul Zsolnay Verlag, Seite 49)

Ach was.
Von wegen Krimi.

Du hast
es doch gelesen. Diese Horrorvision von einer Diktatur in Österreich.

„Als der Meister ausstieg und gönnerhaft die Hand hob,
applaudierten alle…Meister!-Meister!-Rufe wurden skandiert. Der Meister, eine
Symbiose aus Machiavelli, Führer und Pabst, lächelte. (Ob er wirklich ein in
Alkohol getränktes Tampon im Dickdarm trug?) Ihm folgten Minister, Staatsgäste,
der Kardinal und zwei Bischöfe.“

(FRANZOBEL, RECHTSWALZER, Paul Zsolnay Verlag, Seite 359)

Aber das
wird doch niemals möglich sein!

„Ihr
werdet euch noch wundern, was alles möglich ist.“

Wer hat das
gesagt? Dieser Kreidefresser?

Egal.

Jedenfalls
sagt der Möchtegernreiter schon wieder ganz laut, ja er brüllt geradezu, wie er
sich die Zukunft Österreichs vorstellt. Und der junge Möchtegernmeister lügt
dazu.

Rechtswalzer.


Gedanken aus Bleistift

Nie wieder Sebastian Kurz

Meine Gedanken schweifen
um eine Kapitänin. Sie wurde verhaftet, weil sie Menschen vor dem Ertrinken
bewahrte. Nein, nicht die Täter wurden verhaftet. Das helfende Opfer.

Rochus Gratzfeld

Von Rochus Gratzfeld,
Salzburg und Sarród

„Ich habe die
Balkanroute geschlossen.“

In einem Land, in dem ein
faschistischer Minister vom Balkon Mussolinis Reden schwingt.

In einem Land, in dem ein
faschistischer Minister Roma und Sinti kastrieren lassen möchte.

In einem Land, in dem ein
faschistischer Minister Menschen ertrinken lassen möchte.

„Ich habe die
Balkanroute geschlossen.“

Meine Gedanken schweifen um einen ehemaligen Innenminister Österreichs. Der mit dem Rückenwind einer beispiellosen Fremdenfeindlichkeit eine GESTAPO aufbauen wollte. Dürfen meine Gedanken die Schutztruppe für ausschließlich Ministerinnen und Minister der FPÖ so nennen? Und was sagte der damalige Kanzler hierzu und zu all den anderen Versuchen Kickl´s und der FPÖ, die Meinungsfreiheit und die bürgerlichen Rechte in Österreich zu beschränken? Was sagte er zu „Strachismus“, bevor dieser unterging?

„Ich habe die
Balkanroute geschlossen.“

Meine Gedanken schweifen um das Gespräch am vergangenen Sonntag, welches Stöckl mit Sebastian Kurz führte. Selbstzweifel? Reue? Fehlanzeige. Als das Thema des wundersamen Auftretens des jungen Altkanzlers im Rahmen einer Sektenveranstaltung aufkam, da zeigte sich der „Heilige Sebastian“ ergriffen. Das Gebet für ihn. Seine Überraschung. Ja, fast erstarrt soll er gewesen sein. Und natürlich habe er dies nie gewollt. Welch eine Heuchlerei. Wäre es übrigens keine, dann wäre es unglaubliche Dummheit gewesen. Eine Dummheit, die alleine Sebastian Kurz jede Befähigung abgesprochen hätte, noch einmal Kanzler Österreichs zu sein. So aber war es ein kalkulierter PR-Gag, der jedoch nach hinten los ging.

„Ich habe die
Balkanroute geschlossen.“

Meine Gedanken kehren
zurück zur mutigen und tapferen Kapitänin. Höre ich von Sebastian Kurz
irgendetwas über sie? Höre ich ein „So darf das nicht weitergehen“? Höre ich
etwas von Kurskorrekturen von einem, der sich aufgemacht hat, wieder Kanzler
Österreichs zu werden? Ich höre nichts, oder doch:

„Ich habe die
Balkanroute geschlossen.“

Nie wieder Sebastian Kurz!



Rochus Gratzfeld

Schließlich geht es um einen Freund

Vom
Heim ins Bräu.

Über die braune Brühe der Salzach, die meine trüben Gedanken reflektiert.
Mit gezoomtem Blick auf Maria Plain, als könne die Kirche Hoffnung vermitteln.

Rochus Gratzfeld

Von
Rochus Gratzfeld, Salzburg & Sarród

Mit geschärften Sinnen entlang von Dingen, die ich fast täglich sehe und solchen, die ich noch nie wahrgenommen habe.
Darunter auch das Schild „Pflegeanstalt“.
Wir schreiben das Jahr 2019 und ich lese mitten in der Stadt Salzburg „Pflegeanstalt“.

Zum
Ziel.

Bei Hendl und Bier reden wir.
Über Stricke, die gedreht werden.
Über die Abneigung eines Stadtoberhauptes gegen bestimmte Minderheiten.
Über Armutsreisende, die fast alle denselben ethnischen Ursprung haben.
Über den Einsatz, diesen Minderheiten eine Anlaufstelle zu sein. In der Hitze
des Sommers, in der beißenden Kälte des Winters. Ihnen Arbeit zu beschaffen.
Darüber, welchen Einsatz dieser Kampf benötigt.
Mein Gesprächspartner und Freund ist Widerstand gewohnt. Widerstand gegen
Widerstand ist Teil seines gesamten Lebens.

Die Vorwürfe gegen ihn wiegen
schwer. Der Strick scheint gedreht, „sein“ Verein wohl am Ende.
Über Schuld und Unschuld kann ich nicht urteilen.
Wohl aber über einen Freund.

Ich wünsche ihm alles erdenklich Gute, umarme ihn und verlasse satt, aber unzufrieden, das heimische Brauhaus.


odin rune

Bekennen Sie sich, Sebastian Kurz

Meine Gedanken schweifen um Kunst in Österreich. Namen in der Gedankenwelt. Egon Schiele. Friedensreich Hundertwasser. Hermann Nitsch. Gottfried Helnwein. Valie Export. Marina Abramovic. Gelitin. 7. Weil die Zahl so magisch ist. Repräsentativ für freies und innovatives Kunstschaffen in Österreich.

Rochus Gratzfeld

Von Rochus Gratzfeld, Salzburg und Sarród

Dann ziehen Wolken auf. Dunkle Wolken. Ein weiterer Name erscheint: Manfred Odin Wiesinger. Wer bitte verwirrt da meine Gedanken?

Es erscheinen Runen. Es erscheinen Burschenschaftler. Es erscheinen Szenen aus dem Dritten Reich.

Und Stimmen erscheinen. Stimmen aus dem rechten Lager. Sie machen sich stark für Odin.

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Eine dieser Stimmen wollte Bundespräsident werden. Will es immer noch. Da sei Gott vor – welcher auch immer. Oder eine Göttin. Welche auch immer.

Sebastian Kurz, wann
bekennen Sie sich zu Manfred Odin Wiesinger? Passt der nicht hervorragend zu
der Klientel, die Sie rechtaußen bedienen möchten? Sind Sie vielleicht sogar
selbst ein Fan Odins? Hat er Sie gemalt? An den Außengrenzen in heldischer Pose
mit Natodraht im Hintergrund? Oder am Mittelmeer? Vielleicht sogar bei Ihnen
zuhause, ganz versunken in das Spiel „Schiffe versenken“?

Entschuldigen Sie bitte, Sebastian Kurz. Es sind die manchmal etwas verwirrten Gedanken eines nicht mehr jungen Mannes. Der immer noch träumt. Auch und gerade von der Freiheit der Kunst. Davon, dass der Begriff „entartet“ für immer der Vergangenheit angehört.

Wiesinger hat Sie nicht gemalt. Das wäre absurd. Und natürlich werden Sie sich bekennen. Zur Freiheit der Kunst. Gegen das Gestrige. Sie werden die Ernennung Manfred Odin Wiesingers zum Kulturbeirat eines Bundeslandes scharf kritisieren.

Sie werden auf Bundesebene Zeichen setzen. Moderne, liberale, innovative zeitgenössische Kunst großzügig unterstützen. Ja, unter Ihrer weisen Führung wird sich die gesamte ÖVP distanzieren von einem möglichen Trend zur „Reichskunst“. Oder?