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Der 130. Geburtstag Stefan Zweigs wird in Salzburg mit einer Reihe von Veranstaltungen unter dem Titel „Zweigherbst“ gefeiert. „Zweig.Stellen – Szenen einer Sehnsucht“, ein Theaterstück von Christa Hassfurther und Franziska Lipp, feierte am Donnerstag, den 24.November 2011, im Europasaal des „Stefan Zweig Centre Salzburg“ Premiere.

Von Elisabeth Pichler

Vier Personen treffen in einer Hotellobby aufeinander: Mathilde, eine Psychotherapeutin, Irene, eine Zweig-Liebhaberin, Alexander, ein Literaturkritiker, und Dimitri, ein junger Schriftsteller aus Kasachstan. Sie nehmen an einem Kongress für Exilliteratur teil und versuchen gemeinsam, der Person Stefan Zweig auf die Spur zu kommen. Sie bedienen sich einer systemischen Familienaufstellung, um mehr Klarheit über die vielschichtige Persönlichkeit des Dichters zu gewinnen, und stellen Schlüsselszenen nach, die grundlegende Wendepunkte in Zweigs Leben darstellen. Abwechselnd darf jeder von ihnen in die Rolle des Dichters schlüpfen, den Damen helfen dabei ein aufgeklebter Bart und ein schwarzes Haarteil.

Christa Hassfurther hat nicht nur gründlich und ungemein arbeitsaufwändig recherchiert, sondern auch Regie geführt. Passende Textpassagen aus Stefan Zweigs Werken, Briefen und Tagebüchern wurden mit wissenschaftlichen Erkenntnissen der neuesten Biografieforschung ergänzt. Hans-Jürgen Bertram (Alexander), Marion Hackl (Mathilde), Sebastian Krawczynski (Dimitri) und Mareike Tiede (Irene) bilden ein homogenes Ensemble, sie überzeugen nicht nur als Stefan Zweig, sondern auch in vielen anderen Rollen. Die wunderschönen alten Reise- und Überseekoffer zeugen von der großen Reiselust des Dichters und sind überaus vielseitig verwendbar. Mit ihnen lassen sich etwa Stefans Zweigs Utopie des gemeinsamen Europas, der Turmbau zu Babel, und das Paschinger Schlössel am Kapuzinerberg nachbauen. In Brasilien dienen sie als Ehebett und schließlich als Totenbahre.

Ein informativer, doch auch unterhaltsamer Abend. Stefan Zweigs Versuche, bei den Salzburger Festspielen Fuß zu fassen, entbehren nicht einer gewissen Komik. Mareike Tiede beweist in dieser Szene ihre Wandlungsfähigkeit, sehr überzeugend spielt sie den sensiblen Macho. Auf einer großen, weißen Leinwand sind anfangs nur ein paar Buchstaben zu sehen, es kommen jedoch im Laufe des Abends immer mehr dazu, sodass schließlich auf der gesamten Bühnenrückseite ein Stefan-Zweig-Text, getippt auf einer alten Schreibmaschine, erscheint. Im eindrucksvollen Schlussbild werden die Schauspieler immer blasser und verschwinden schließlich ganz. Was bleibt, ist ein Text, der mit den Worten „Was könnte da Schlimmes noch geschehen. Da wären meine Bücher….“ beginnt.“

„Zweig.Stellen“ – Szenen einer Sehnsucht. Ein Theaterstück von Christa Hassfurther und Franziska Lipp. Regie/Dramaturgie/Produktionsleitung: Christa Hassfurther. Recherche: Ilse Lackenbauer, Franz Hasenrader. Inhaltliche Beratung: Klemens Renoldner, Karl Müller. Bühnenbild: Alois Ellmauer. Videoinstallation: Tom Halwa. Mit: Hans-Jürgen Bertram, Marion Hackl, Sebastian Krawczynski, Mareike Tiede. Fotos: theater bodi end sole


 

Vor einigen Tagen gastierte im Salzburger OVAL der Schauspieler und Sänger Erwin Steinhauer mit seiner Band.  Als Begrüßung verabschiedete er sich mit seinen Musikern vom Publikum, bedankte sich für das Zuhören. Und das folgende Konzert war quasi die Draufgabe, es war herrlich.

Karl TraintingerVon Karl Traintinger

Steinhauer führte das Publikum musikalisch durch seine sechs durchlebten Jahrzehnte, der Bogen spannte sich dabei vom Wienerlied über den Schlager und Popsong bis hin zum Swing und Blues. Die Texte freilich wurden da und dort dem politischen Zeitgeist entsprechend verändert und angepasst, bitterböse und treffend zugleich. Zudem standen Texte von HC. Artmann, Georg Kreisler, usw. am Programm.

Es war ein sehr unterhaltsamer Konzertabend mit zahlreichen kabarettistischen Gustostückerln und einem überzeugenden Erwin Steinhauer, begleitet von virtuos aufspielenden Musikern. Steinhauer bewies einmal mehr, wie gut er als Schauspieler auch singen kann. Nach mehreren Zugaben bedankte sich das begeisterte Publikum mit viel Applaus bei Erwin Steinhauer & seinen Lieben.

OVAL Salzburg. 24. November 2011. Feier. Abend! Steinhauer und seine Lieben. Besetzung: Erwin Steinhauer – Gesang. Georg Graf – Saxophone, Klarinetten, Gitarre. Joe Pinkl – Keyboard, Posaune, Tuba. Peter Rosmanith – Perkussion, Hang. Alle Fotos: KTraintinger


Das Winterfest geht bereits in die 11. Saison. Am Donnerstag, den 24.11.2011 hieß es wieder: „Vorhang auf“ bzw. „Manege frei“ für ein Zirkusfestival, bei dem stets die innovativsten Gruppen des „Cirque nouveau“ auftreten. Die kanadische Compagnie „The 7 Fingers“ nimmt das Publikum mit auf einen gefährlichen Flug, auf eine Reise ins Ungewisse.

Von Elisabeth Pichler.

Ein diabolischer Zeremonien-Meister informiert uns über den Absturz unserer Maschine und die Landung in der Vorhölle, dem Fegefeuer. Unsere Nummern, die wir am Eingang erhalten haben, sind in Karteikästen verwahrt.

Keiner darf sich sicher fühlen, die Strafe kann jeden von uns treffen, denn es ist der große Tag der Abrechnung. Und wer von uns ist schon völlig ohne Schuld? Zum Glück irren bereits ein paar verlorene Seelen durchs Publikum und der arme Pilot, der unser Flugzeug zum Absturz gebracht hat, stürzt nun selbst vom Himmel und landet geräuschvoll auf der Bühne. Mephisto ist erst mal beschäftigt, das Publikum darf aufatmen.

Das klingt fürs Erste gar nicht so lustig, doch kann man sich der Komik mit ihren makabren Späßen nicht entziehen. Schwarzen Humor vom Feinsten und artistische Höchstleistungen bietet die Show-Nummer eines Gelähmten auf seinem Rollstuhl. Eine arme Irre in Zwangsjacke wiederum bemüht sich verzweifelt um Entfesselung. Morbide Nummern, denen eine ganz eigenartige Poesie innewohnt. Der zweistündige Abend erzählt aber nicht nur von diesen armen, gequälten Seelen, die Compagnie überrascht mit grandiosen Slapstick-Einlagen, erotischen Tanzszenen, etwas Striptease, selbst Klamauk darf nicht fehlen. Für die musikalische Untermalung sorgt DJ Pocket mit einem Mix, der vom französischen Rap bis zu Edith Piafs „Je ne regrette rien“ reicht, absolut passend für diesen höllischen Ort.

Das Publikum war von der bunten Mischung aus schrägem Witz, akrobatischen Höchstleistungen, leidenschaftlicher Erotik gemixt mit einem Hauch Poesie so begeistert, dass es – in Salzburg eine Seltenheit – Standing Ovations für die Compagnie gab. Eines ist sicher, diese Show ist wirklich innovativ und einzigartig, kein Wunder, dass „ La Vie“ in New York drei Monate lang vor ausverkauftem Haus gespielt wurde.

„La Vie“ – The 7 Fingers. Künstlerische Leitung, Inszenierung und Choreographie: The 7 Fingers. Rigging: Peter Wellington. Auf der Bühne: Evelyne Allard, Emilie Bonnavaud, Isabelle Chassé, Krin Haglund, Patrick Léonard, Sébastien Soldevila, Samuel Tétreault, DJ Pocket.


Das Theater ecce wählte bereits zum dritten Mal eine Geschichte des russischen Märchen-Autors Jewgenij Schwarz für seine Kinder- und Jugendproduktion. Der böse, hinterlistige Zar Wasserwirbel, Wassertod I., hält Marja wegen ihre Kochkünste gefangen. Ihr Sohn Wanja ist verzweifelt und macht sich auf die Suche nach seiner Mutter.

Von Elisabeth Pichler.

Dimitrij, ein verabschiedeter Soldat, befindet sich auf dem Heimweg. Er kämpft sich durch einen Wald voll seltsamer Geräusche, verdächtig laut rauscht das Wasser, die Frösche quaken um die Wetter, er ist im Reich des mächtigen und gefürchteten Zar Wasserwirbel gelandet. Als er auf den verzweifelten Wanja trifft, beschließt er sofort, ihm zu helfen. Eine riesige, furchteinflößende Gestalt, die mit verschiedenen Stimmen spricht, stellt sich ihnen in den Weg und will mit ihnen die Kräfte messen. Trickreich gelingt es dem Soldaten, den Kampf zu gewinnen und er wird ins Schloss des Zaren eingeladen. Hier trifft er auf eine unglückliche Prinzessin, die es langweilig findet, immer nur mit Kaulquappen zu spielen. Gerne ist sie bereit, bei der Befreiung der Köchin Marja mitzuhelfen, denn sie hat genug von ihrem bösartigen Vater und will so schnell wie möglich diese Wasserwelt verlassen.

Eine phantasievolle Geschichte, die zauber- und märchenhaft von Reinhold Tritscher in Szene gesetzt wurde. Mit einfachsten Mitteln gelingen traumhaft schöne Bilder. Eine riesige Silberfolie genügt, um mit der richtigen Beleuchtung einen Wasserwirbel auf die Bühne zu zaubern, der die Kinder staunen lässt. Stefan Wartbichler von den Blauen Hunden, der Theatergruppe der Lebenshilfe, beweist wieder einmal seine Bühnenpräsenz, er schwenkt die Folie für den Wasserwirbel mit großem Rhythmusgefühl, er beißt als Hund Cäsar gefährlich um sich und überzeugt als witziger, kleiner Diener des Froschministers. Jurij Diez kämpft unerschrocken als tapferer Soldat gegen alle Gefahren der Wasserwelt an. Gerard Es als Zar Wasserwirbel begeistert die Kinder mit seiner Gießkannen-Krone und einem Wasserschlauch-Bart, wirklich gefährlich sieht er also nicht aus.  Hildegard Starlinger muss als Köchin Marja meist blicklos, da verzaubert, über die Bühne stolpern. Jurek Milewski ist in mehreren Rollen im Einsatz, als Frosch-Minister des bösen Zaren hat er wenig zu lachen. Anna Baumgartner sieht als frustrierte Prinzessin die Gelegenheit zur Flucht gekommen und fegt plötzlich frisch und munter über die Bühne.

Bei einer Produktion des Theaters ecce ist die musikalische Untermalung durch Rupert Bopp stets etwas ganz Besonderes. Er versteht es, auf seinen unzähligen Instrumenten und sonstigen Geräuschkörpern, wundersame Klangteppiche zu zaubern, die den Geschichten einen ganz besonderen Reiz verleihen. Diesmal leiht er auch den erfundenen Freunden des Soldaten seine Stimme, eine musikalische Reise um die ganze Welt. Die Kinder waren begeistert von der phantasievollen Geschichte und den vielen witzigen Figuren, die im Wasserreich herumschwirrten. Für Kinder ab 6 Jahren ist dieses Märchen sehr zu empfehlen.

„Zar Wasserwirbel“ – Märchenkomödie für die ganze Familie von Jewgenij Schwarz. Odeïon Kulturforum Salzburg. Emailwerk Seekirchen. Kunsthaus Nexus Saalfelden. Sparkassen-Stadtsaal Ried. Inszenierung: Reinhold Tritscher. Kostüme: Nora Fankhauser, Musik: Rupert Bopp. Lichtgestaltung: Heide Tömpe. Choreographie: Wolf Junger. mit Jurij Diez, Gerard Es, Jurek Milewski, Anna Paumgartner, Stefan Wartbichler, Constantin Brandner/Magdalena Brandauer. Fotos: ECCE/ Hauch

 

 


Jahreshauptversammlung des TVB Hallein – Bad Dürrnberg

Bei der am Montag, den 21. November 2011, stattgefundenen Jahreshauptversammlung des Tourismusverbands (TVB) Hallein – Bad Dürrnberg konnte der Vorsitzende Ernst Kronreif auf ein erfolgreiches Jahr zurückblicken.

Die Besucherzahlen des „Stille Nacht Museums“, das in den Wohnräumen des Komponisten des „Stille-Nacht“-Lieds, Franz Xaver Gruber, zu Hause ist, nahmen wiederum einen erfreulichen Aufschwung. Waren es 2006 noch weniger als 2 000 Besucher gewesen, sahen im letzten Jahr bereits über 4 000 Gäste die Ausstellung und 2011 werden es sogar fast 5 000 sein.

Kronreif skizzierte in seinem Bericht die Vielfalt der Veranstaltungen, die in der Salz- und Keltenstadt Hallein 2011 stattfanden. So feierte die Bergknappenmusik-Kapelle ihr 425-Jahr-Jubiläum, die Halleiner Festwochen im Juni und die Salzburger Festspiele auf der Pernerinsel fanden überregionale Beachtung. Der vom TVB anlässlich der italienischen Tage Anfang August eingeladene umbrische Chor „Armonia e Tradizione“ war einer der weiteren Höhepunkte in der Veranstaltungsszene Hallein. Erstmals gab es dieses Jahr auch ein „Oktoberfest“.

Der von Kronreif initiierte Imagefilm über Hallein, der unter anderem im hauseigenen Fernsehkanal des Kurzentrums Bad Vigaun gezeigt wird, fand großen Anklang bei den Mitgliedern des TVB.  Der ORF hatte 2011 zwei Fernsehfrühschoppen in Hallein aufgezeichnet, die weit über die Landesgrenzen hinaus gesehen wurden, wie Kronreif aus Erzählungen von Hallein-Gästen berichten konnte.  Kronreif wies in diesem Zusammenhang auf die Bedeutung der kontinuierlichen Berichterstattung in den Medien hin, die für Hallein einen unschätzbaren Werbewert darstellen.

Die Kooperation mit dem Verein „Gemeinsam für Hallein“ der Halleiner Wirtschaft, die der TVB mit  50.000,– Euro unterstützt, bietet für beide Seiten Vorteile. So verlost der Verein  „Gemeinsam für Hallein“ in der Vorweihnachtszeit im Rahmen eines Weihnachtsgewinnspiels sechs Mal je 250 Keltentaler, eine vom TVB ins Leben gerufenen Halleiner „Lokalwährung“, die in über 90 Geschäften als Zahlungsmittel akzeptiert wird.

Franz Pölzleitner, Geschäftsführer des Gästeservice Tennengau, konnte von einigen gemeinsamen Aktionen berichten. So drehte im Frühjahr ein italienisches Fernsehteam im Tennengau und besuchte dabei auch u. a. das „Stille Nacht Museum“.

Dass Hallein eine attraktive Stadt mit vielen Facetten ist, zeigte eine Präsentation „Hallein in seinen Farben“ mit 180 Bildern aus allen Stadtteilen und allen Jahreszeiten,  die vom Anifer PR-Berater  und Fotografen Peter Krackowizer zusammengestellt war.

Presseaussendung Tourismusverband Hallein/Bad Dürrnberg
Fotos: Peter Krackowizer/ Tourismusverband Hallein-Bad Dürrnberg


Der französische Schriftsteller und Philosoph Jean-Paul Sartre vertritt die Ansicht: „Die Hölle, das sind die anderen.“ Dieses Drama führt vor Augen, wie man sich das vorzustellen hat: drei Menschen in einem geschlossenen Raum ohne Fenster, die sich gegenseitig damit quälen, dass sie die Wünsche und Begierden des jeweils anderen ablehnen.

Von Elisabeth Pichler.

Auf den ersten Blick wirkt dieses riesige Separee (Bühne: Tobias Kreft) mit der geschmacklosen Tapete gar nicht so ungemütlich. Es stellt sich jedoch heraus, dass es hier keine Tageszeiten gibt, keine Möglichkeit für einen entspannenden Schlaf und kein Entrinnen vor den Mitbewohnern. War es Zufall oder Absicht, dass ausgerechnet der Journalist und Literat Garcin, die lesbische Postbeamtin Inés und die extravagante Estelle in dieser Hölle aufeinandertreffen? Warum sind sie eigentlich hier gelandet? Obwohl sie es selbst ganz genau wissen, wollen oder können sie nicht darüber sprechen. Doch nach und nach merken sie, dass Lügen an diesem Ort wenig Sinn machen und rücken mit der Wahrheit heraus. Dieses ewige Leben ohne Unterbrechung, in unerträglicher Enge mit begehrten oder gehassten Personen, empfinden die drei bald schon als so unerträglich, dass sie sich nach echten Folterknechten sehnen.

Oliver Hildebrandt als feiger Garcin ist nicht zu beneiden, denn die beiden Damen setzen im gehörig zu. Ist das die Strafe dafür, dass er fünf Jahre lang seine Frau tyrannisiert hat? Während ihm Christiane Warnecke als extravagante Estelle eindeutig Avancen macht, fühlt er sich zu Constanze Passin, der intellektuellen Inés, hingezogen. Eine bewundernswerte Leistung aller drei, denn sie schaffen auf der Bühne eine bedrückende Atmosphäre, die zeigt, dass die Hölle auch so funktioniert, ganz ohne Schwefel, Scheiterhaufen und Rost, die Bestie Mensch reicht völlig.

Christoph Batscheider hat dieses Konversationsstück, ein Zentralwerk des französischen Existentialismus, sehr klar als Gesellschaftsanalyse in Szene gesetzt. Wirft doch dieses Drama die Frage auf, ob nicht das gewöhnliche Leben schon die Hölle sei. Trotz der eher deprimierenden Thematik wurde das Stück vom Publikum überaus positiv aufgenommen. Viel Applaus.

 „Geschlossene Gesellschaft“ – Jean-Paul Sartre. Schauspielhaus Salzburg. Studio. Regie: Christoph Batscheider. Ausstattung: Tobias Kreft. Dramaturgie: Birgit Lindermayer. Mit: Constanze Passin, Christiane Warnecke und Oliver Hildebrandt. Fotos: Schauspielhaus-Salzburg


Michael Cooney, der Sohn von Ray Cooney, einem der erfolgreichsten zeitgenössischen Komödien-Autoren, beweist mit diesem Stück, dass auch er dieses Handwerk perfekt beherrscht. Seine aberwitzige Verwechslungs- und Vertuschungskomödie, auch bekannt unter dem Titel „Und ewig rauschen die Gelder“, garantiert zwei Stunden ungetrübte Heiterkeit.

Von Elisabeth Pichler.

Linda Swan hat keine Ahnung, dass ihr Gatte Eric bereits seit zwei Jahren arbeitslos ist und seitdem die finanziellen Segnungen der großzügigen britischen Sozialverwaltung genießt. Als Erics Untermieter nach Kanada auswandert, nimmt er den wöchentlichen Scheck des Sozialamtes nur allzu gerne entgegen. Nach und nach erfindet er zusätzliche Familienmitglieder, die alle eine Alters-, Invaliden- oder Unfallrente beziehen. Schließlich kommen ihm aber doch Bedenken und er beschließt, wenigstens einen dieser nicht existierenden Mitbewohner sterben zu lassen. Seine Einsicht kommt jedoch zu spät, das Sozialamt ist bereits misstrauisch geworden und so steht eines Tages Mr. Jenkins von der Außenprüfungsstelle vor seiner Tür und lässt sich durch nichts abwimmeln.

Eric Swan (Sascha Oskar Weis) sitzt anfangs ganz alleine auf einem Sofa und versucht zu telefonieren. Erst stört ihn seine Gattin (Ulrike Walther), dann sein neuer Untermieter Norman (Sebastian Fischer). Nach und nach tauchen immer mehr ungebetene Besucher auf: die Trauerberaterin Sally (Shantia Ullmann), der Leichenbestatter (Tim Oberließen), seine Gattin Linda mit ihrem auf Eheprobleme spezialisierten Psychiater (Marco Dott) und schließlich der einzige, der über die dunklen Machenschaften von Eric Bescheid weiß: Onkel George (Axel Meinhard). Um den Herrn vom Sozialamt zu täuschen, beginnt nun ein äußerst schräges Verwirrspiel mit den irrwitzigsten Situationen. Sascha Oskar Weis teilt als Eric den Personen ihre jeweiligen Rollen zu und beweist absolute Nervenstärke, ein Wunder, dass er nie die Übersicht verliert. An seiner Seite glänzt bzw. leidet Sebastian Fischer als Norman. Eigentlich gehört er ins Bett, denn eine Verkühlung, die so echt klingt, dass man sich selbst im Publikum fast vor einer Ansteckung fürchtet, macht ihm zu schaffen und doch muss er sich gegen seinen Willen den ganzen Abend manipulieren lassen, bis er schließlich selbst davon überzeugt ist, ein arbeitsloser, tauber Klavierstimmer zu sein.

Das Bühnenbild (Friedrich Despalmes), ein freundliches, helles Wohnzimmer mit vielen weißen Türen, die in die verschiedensten Räumlichkeiten führen, eignet sich hervorragend für diese skurrile Tür-auf-Tür-zu-Komödie. Regisseur Georg Clementi ist es zu danken, dass trotz des hohen Tempos kleine Verschnaufpausen eingebaut sind. Eine Leiche auf der Flucht zu beobachten ist erholsam nach all den Lügen und Verwechslungen.

In jeder Landestheater-Saison steht ein Stück auf dem Spielplan, das einfach nur unterhalten will. Michael Cooneys Farce scheint nicht nur dem Publikum, sondern auch dem Ensemble großen Spaß gemacht zu haben. Ich habe selten so viele fröhliche Gesichter nach einer Premiere gesehen wie am Samstag, dem 19.11.2011. Ein Stück, das sich hervorragend für die Silvesternacht und natürlich auch den kommenden Fasching eignet.

„Bei Anruf: Geld“ – eine Farce von Michael Cooney. Inszenierung: Georg Clementi. Bühne: Friedrich Despalmes. Kostüme: Manuela Weilguni. Dramaturgie: Tobias Hill. Mit: Sascha Oskar Weis, Ulrike Walther, Sebastian Fischer, Gero Nievelstein, Axel Meinhardt, Shantia Ullmann, Marco Dott, Tim Oberließen, Britta Bayer, Claudia Carus. Fotos: Christian Schneider


HEIMAT.
Oder. Was hat Schuld mit Heimat zu tun?
HEIMAT Oder Unschuld?
Und kann Heimat schuldig sein?
Oder unschuldig?
Und was ist überhaupt Heimat?
Und warum haben diese Nutten ihre Heimat verlassen?
Wollen doch nur ans große Geld!
Spreizen die Beine für Kohle. Scheißen auf Heimat!

Heimat. Ruhrpottheimat.
Meine Gedanken schweifen 40 Jahre zurück.
Die Polen waren schon lange da.

Grabowski. Podulski. Namen meiner Schulkameraden.
Schimanski wurde dann ein Held. Als Kunstfigur.

Dann kamen die Spaghettifresser, wie wir sie in jugendbandlichen Heimatkämpfen nannten.

Und die Türken.
Alles Männer, die die Scheißjobs machten, die meine Elterngeneration nicht mehr machen wollte.
Und die Kohle zusammenhielten, um sie am Monatsende in wahreHEIMAT zu schicken.
Später kamen die Frauen der Männer nach. Familien.
UNheimat wurde zuHEIMAT.

SCHNITT
1989 Schluss ist mit Kommunismus.
Ein ungarischer Oberarzt verdient umgerechnet 150 EURO im Monat.
Seine Tochter ist 24 und studiert. Und ist bildhübsch.
Sie bietetSEX und verdient umgerechnet 150 EURO die Nacht.

SCHNITT
2011 Noch immer ist das Gefälle zwischen Ost und West gewaltig.
Verlassen Polinnen, Russinnen, Rumäninnen, Ungarinnen temporär ihre Heimat, um als 24Stunden-Pflegerinnen zu arbeiten.
Hier bei uns.

Zurück bleiben Familien inHEIMAT, zurück bleiben Männer mit Identitätskrisen, Kinder ohne Mütter.
Fallen junge Frauen auf Versprechungen herein. Oder sind einfach nur dumm.

Am Ende wird Gegenwart zur Hölle. Und die Erinnerung an Heimat zur einzigen Hoffnung. Mamas lenken das Geschäft mit afrikanischen Sexarbeiterinnen. Woodoo stellt sicher, dass sich die Mädchen und Frauen fügen. Denn wenn sie sich nicht hier ficken lassen, dann sollen die in derHEIMAT dafür bitter büßen.

Und der Messebesucher im Trachtenoutfit freut sich auf braunes Vergnügen ohne Gummi. Heimat. Schuld?


präsenterInnen
* gisela heindl
* christiane sauer
* otmar pregetter
* alois halbmayr
* rochus gratzfeld
* alexander dill
* sophia shivarova
* tobias plettenbacher
* mark salzburg

gestern fand die pecha kucha night vol10 special edition unter leitung von bernhard jenny and team, musikalisch begleitet vom JOHN BRUNO QUARTETT, im rahmen des OPEN MIND FESTIVALS der arge kultur, salzburg, statt. der saal konnte tatsächlich fast gefüllt werden. dieses mal stand die night unter einem thema: FREI VON SCHULDEN. also, keine überraschung, dass die mehrheit der präsenterInnen sich dem thema geld widmete. und einheitlich zu dem schluss kam: es ist schluss mit lustig.

das system der bereicherung weniger auf dem weg der verschuldung vieler ist am ende. neo-liberaler kapitalismus ist ein bereits abgelaufenes modell. es besteht dringender handlungsbedarf, wollen wir die welt nicht ins mittelalter zurückbeamen, in eine zeit superreicher feudalherscher und einem bitterarmen volk. in ein neues mittelalter, in dem geld die funktion von religion übernommen hat.

 

magistra sophia shivarova widmete sich in ihrem vortrag ebenso wie der künstler und autor rochus gratzfeld, eindrucksvoll begleitet von der performerin vakinore – sie unterlegte die präsentierten fotos aus dem publikum heraus mit gesang -, dem thema sexarbeiterinnen. auch hier spielt geld eine rolle, ebenso wie die gesetze des kapitalismus. rochus gratzfeld und vakinore setzten die problematik in den zusammenhang mit heimat. mit heimat verlassen, heimat verlieren, heimat aufgeben.

Donnerstag, 17. November um 20:00
ARGEkultur Salzburg


Bericht + Foto: Rochus Gratzfeld

 


Innsbruck, am 10. November 2011.Gestern fand in der Innsbrucker Stadtbücherei die Preisverleihung der Innsbrucker Literaturstipendien statt. Christoph W. Bauer erhält dieses Jahr das Große Literaturstipendium (dotiert mit 7.000 EUR), Martin Fritz das Förderstipendium (dotiert mit 3.000 EUR) der Stadt Innsbruck. Wir gratulieren beiden Autoren! In der Funktion als Jurymitglieder agierten in diesem Jahr Nils Jensen (Chefredakteur der Zeitschrift „Buchkultur“), Martin Sailer (ORF) und die in Südtirol geborene und in Deutschland lebende Autorin Maria E. Brunner.

Juror Martin Sailer fand in seiner Laudatio sehr persönliche und lobende Worte: „Dass Christoph W. Bauer auch ‚cewebe‘ gerufen wird, ist ebenso Adelsprädikat, wie es das ‚H.C.‘ für den einzig legitimen Träger dieser Abkürzung war, nämlich für Hans Carl Artmann. Und wie dieser große H.C., der Bauer für dessen jüngsten Lyrikband wohl umarmen und herzen würde, so ist auch ‚cewebe‘ fintenreicher Vermittler des Wortes, ein Compositeur der Sprache, ein kundiger Verführer zur Literatur hin.“

Christoph W. Bauer las zunächst aus seinem Gedichtband mein lieben mein hassen mein mittendrin du, beeindruckte aber ganz besonders mit seiner Gedenkrede, die er zuvor am Jüdischen Friedhof in Innsbruck anlässlich des Pogromgedenkens vorgetragen hatte. Bauer bezog sich in seinen Ausführungen auf seinen 2008 erschienenen Roman Graubart Boulevard, in welchem er sich anhand von Originaldokumenten, Briefen und Archivmaterialien auf eine literarische Spurensuche durch die Lebens- und Leidenswege der jüdischen Innsbrucker Familie Graubart begibt.

Download: Gedenkrede von Christoph W. Bauer Gedenkrede_Christoph_Bauer

Presseaussendung
Haymon Verlag Innsbruck


Rechtschreiben ist im Zeitalter vom SMS und Email für viele Jugendliche zum Problem geworden, heißt es. Bei den Aufnahmetests zur Lehrerausbildung kamen die Mängel zutage. Die Unis beklagen schon länger die schlechte Lese- und Schreibkompetenz der Studenten. Und die Politiker brauchen ein Bildungsvolksbegehren eines Ex-Politikers, dass sie es glauben. Der schiefe Turm steht offensichtlich schon lange in Wien!

Lauda wechselt vom FlyNIKI Chef in den Aufsichtsrat der Air Berlin, nachdem er ihr seine Airline verkauft hat. Kommen jetzt Schrippen anstelle der Kaisersemmerl in die Kombüsen? Zeigen sich erste Ermüdungserscheinungen beim erfolgreichen Airliner?

Der ORF arbeitet mit den alten Chefs am unberauschenden, vor sich hindümpelnden Programm weiter und der Staat drückt wieder einmal auf die Schuldenbremse. In beiden Fällen sieht man die frustrane und trostlose Situation: Der öffentlich rechtliche Fernsehsender lebt von den verpflichtenden Gebühren und der Staat schröpft die Steuerzahler. (kat)


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Vor 20 Jahren, am 28. November 1991 wurde Peter Blaikners Kindermusical „Ritter Kamenbert“ (Musik: Cosi M. Goehlert und Ernst Wolfsgruber) zum ersten Mal aufgeführt.

Die Uraufführung fand in Salzburg an der alten Elisabethbühne unter der Elisabethkirche statt. Seither hatte das Stück im deutschen Sprachraum ungefähr eine Million Besucher.

In der Spielzeit 1995/96 landete „Ritter Kamenbert“ auf Platz 19 der Theaterstücke mit den höchsten Aufführungszahlen im deutschen Sprachraum (zwischen Goethes „Faust 1“ und Brechts „Dreigroschenoper“).

Die deutsche Erstaufführung fand 1993 am Saarländischen Staatstheater in Saarbrücken statt, die Schweizer Erstaufführung 1993 am Schauspielhaus Zürich.

Auch Peter Blaikners andere Kindermusicals (u. a. „Das Hausgeisterhaus“, „Alex, die Piratenratte“, „Till Eulenspiegel“, „König Badeschwamm“) sind sehr beliebt. Peter Blaikners Theaterstücke zählen zu den am häufigsten gespielten Theaterstücken eines österreichischen Autors der Gegenwart.

(Quelle: Medieninfo Blaikner, Fotos: Joachim Bergauer, Herbert Huber)