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Apfelbaumblüte

Jacob Schranz: Der Obstgarten im Gebirge

Autor: Jacob Schranz
Herausgeber: Susanne Rasser
Titel: Der Obstgarten im Gebirge
Verlag : Tauriska (1. Juli 2020)
Taschenbuch : 100 Seiten
ISBN-10 : 3901257608
ISBN-13 : 978-3901257605
Sprache: : Deutsch

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Klappentext

Die Welt des Jacob Schranz ist eine, die längst vergangen ist. Der Autor des hier vorliegenden Buches lebte zu einer Zeit, in der Österreichs Kaiserin Maria Theresia das Zepter in Händen hielt. Der im Pinzgau beheimatete und weit darüber hinaus wirkende Jacob Schranz war Bauer, Buchautor, Obstbau-Lehrer, Vordenker, Wegbereiter und vielleicht auch so etwas wie ein ganz besonderer Naturschutzaktivist, ein Obstbaum-Flüsterer der ersten Stunde.

Die Weltsicht und Vorgehensweise des Jacob Schranz ist eine, die hochaktuell und sehr gefragt ist, denn es geht in ihr um den verantwortungsbewussten Umgang mit der Natur, um eine schonende, gesunde Anbauweise, ums giftfreie Gärtnern, um eine Obstbaubewirtschaftung, in der das Naturnahe oberstes Gebot ist.

Die ebenfalls im Pinzgau beheimatete Autorin Susanne Rasser bearbeitete das Buch des Jacob Schranz und übertrug es in eine zeitgemäße Sprache, denn die längst vergangene Jacob Schranz – Welt birgt und präsentiert einen Wissensschatz, aus dem auch Neues entstehen, wenn nicht gar erblühen kann.

Rezension von Karl Traintinger

Das vorliegende Büchlein gibt einen schönen Überblick über die Veredelung der Obstbäume unter den schwierigen Bedingungen, wie sie im Gebirge zu finden sind.

Liebe Freunde der Obstbaumzucht, ich gebe euch mit diesem Buch eine Anweisung zur fruchtbaren, ertragreichen Obstbaumzucht und ich möchte euch auch zeigen, wie man zu guten Pelzzweigen kommt. Die sorgfältige, bedachte Auswahl von guten, passenden Pelzzweigen ist im Obstbau etwas vom Allerwichtigsten.

Jacob Schwarz

Das vorliegende Buch wurde von Susanne Rasser neu bearbeitet. Neben dem 1836 erstmals publizierten Text von Jacob Schranz enthält es auch Informationen zur Obstpresse in Bramberg sowie eine Auflistung aller Obst- und Gartenbauvereine im Land Salzburg samt Kontaktadressen.

Das Buch kann nicht nur “Gartlern” empfohlen werden!


Ulrike Wurzer

Ulrike Wurzer: Unterwegs mit mir

Ulrike Wurzer: Unterwegs mit mir

Autor: Ulrike Wurzer
Titel: Unterwegs mit mir
Taschenbuch: 84 Seiten
Verlag: INNSALZ
Erschienen am 30. Juni 2020
ISBN-10: 3903321303
ISBN-13: 978-3903321304

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Klappentext

Liebe, Leidenschaft, Verlust – davon handeln die bildreichen Fahrgeschichten von „Unterwegs mit mir“.

Im Rahmen ihrer Altersbilanz erzählt eine Frau während Bahn- Bus- und Autofahrten von ihren Beziehungen zu Männern.

Sie beschäftigt sich mit Trennungen, versucht offene Begegnungen für sich zu beenden und verbindet sich dabei immer mehr mit sich selbst.

Dabei blickt sie auch zurück auf die Prägungen, die sie beeinflussten, versucht Unlösbares anzunehmen und lässt sich den Glauben an die Liebe nicht nehmen.

Peter Reutterer

Rezension von Peter Reutterer

Endstation Sehnsucht brandneu

Frisch aus der Presse kommt ein schmaler, aber lesenswerter Band der Oberndorfer Autorin Ulrike Wurzer. Darin versammelt sie 14 Erzählungen, die alle vom Unterwegssein erzählen.

Ankommen abgesagt. Die Autorin nimmt uns mit auf eine Reise zu ihr, wie der Titel verspricht, v.a. in ihre Beziehungswelt. Die Geschichten erzählen von Sehnsucht, Sehnsucht nach wirklich zufrieden stellender Liebe, nach der Eigentlichkeit des eigenen Ichs, oft auch von Sehnsucht nach dem eigenen Körper, in dem beglückendes Fühlen zu Hause ist. Die Geschichten werden von Männern bewegt, die unverlässlich sind und davon gehen. Das beginnt bereits in der Erzählung vom Vater, der eine Parallelbeziehung aufrecht hält. Ein verstorbener Mann und ein bereits erwachsener Sohn vervollständigen den familiären Hintergrund. Beziehungen bleiben ungelebt, unabgeschlossen. Wohltuend zwischendurch Gegenentwürfe, wie z.B. der 83jährige Heilpraktiker, der nicht nur einen Alfa fährt, sondern auch aus den „glänzenden Augen eines kleinen wartende Kindes“ zu lachen versteht. Ein „Fernwärmenetz“ dominiert diese Beziehungswelt, die als „Ich“ oder „Sie“ auftretenden Protagonistinnen hoffen auf Magie oder kosmische Konstellationen, um tatsächlich erwärmende Nähe zu erfahren. Aber es bleibt bei Dreiecksbeziehungen in „anderen Städten“. Struktur gebend ist die Hauptfigur durchgehend mit Bahn oder Bus unterwegs. Sehnsüchtig reisend, aber Ankommen abgesagt.  Der Mann in der „anderen Stadt“ verströmt sich parallel in eine andere, jüngere Geliebte.

Dass die Autorin ihren zweiten produktiven Schwerpunkt in der bildenden Kunst hat, bezeugt nicht nur das einnehmende Cover samt den gelungenen Illustrationen, auch sie selbst verweist in der Geschichte „Mit der Linie 180“ darauf. Kunst bedeute Schutzraum und Unvergänglichkeit. Die Bilder aus den Bahnfahrten, einzelne Gegenstände bekommen im Rahmen dieser emotionalen Achterbahn symbolischen Wert, z.B. der Halteknopf, der dem „Haltewunsch“ Ausdruck verleiht. Leben und Liebe bleiben eine Fahrt ins Nirgendwo, reduziert auf einzelne schöne Augenblicke, die bald von negativen Gefühlen verschluckt werden. Zwischendurch Hoffnung, doch trotz allem und der fortgeschrittenen Lebenszeit noch einmal erotisch leicht und lebendig lieben zu dürfen. Zuletzt ein Bekenntnis zum schriftstellerischen Ausdruck. Und der ist vielversprechend in vielen sehr prägnant formulierten Szenen. Vielleicht wird ein Roman folgen, wie es im letzten Text „Ein neuer Tag“ ausgesprochen wird. Die Leserschaft darf sich darauf freuen.


Eva Reichl

Eva Reichl: Mühlviertler Grab

Autorin: Eva Reichl
Titel: Mühlviertler Grab
Kriminalroman
ISBN: 978-3-8392-6606-9
Verlag: Gmeiner – Verlag
Erschienen: 08.07.2020

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Klappentext:

Auf dem St. Oswalder Friedhof werden zwei Leichen gefunden: ein Politiker und ein Landwirt. Ist die geplante Lockerung des Tierschutzgesetzes der Grund, warum die Männer sterben mussten?

Und weshalb wurden die Mordopfer ausgerechnet auf dem Grab von Paula Eckinger abgelegt, die vor einem Jahr bei einem Autounfall ums Leben kam?

Chefinspektor Oskar Stern zweifelt schon bald an der damaligen Unfalltheorie, doch niemand will ihm glauben …

Anni Lemberger

Rezension von Anni Lemberger

Oskar Stern und Mara Grünbrecht ermitteln wieder – bereits in ihrem dritten Fall – und wieder im Mühlviertel.

Der örtliche Totengräber Hans Blöchinger ist jetzt besonders gefordert – gibt es doch seit kurzem immer mehr Tote in St. Oswald, seines Zeichens kleine Mühlviertler Gemeinde mit einer äußerst beliebten Heilquelle. Außerdem ist das Schaufeln eines Grabes in St. Oswald noch immer Handarbeit, für die es eine gute Schaufel braucht.

Und bereits zum dritten Mal nervt die Reporterin der Oö News, die „Winklerin“, die ermittelnden BeamtenInnen.

Zudem hat Stern noch 2 andere Probleme: Zum einen hat er eine streunende Kätzin bei sich zu Hause aufgenommen, die ihm sogleich noch 4 Junge geschenkt hat – die jetzt in seiner Abwesenheit, sein Haus „zur Kampfstätte“ umfunktioniert haben Und zum anderen steht in der Abteilung eine Hochzeit an. Und da beide „Brautleute“ in seiner Abteilung beschäftigt sind, muss Stern sich entscheiden, wer die Abteilung verlassen muss…. ? Sein Vorgesetzter macht schon erheblichen Druck…

Und dann soll Stern auch noch ermitteln – und Fr. Winkler wartet auch noch auf das versprochene Interview….

Es gibt auch schon Geständnisse, nur sein Bauchgefühl glaubt nicht daran.

Letztlich kommt aber sowieso alles völlig anders und auch der Humor kommt auch nicht zu kurz.

Auch der dritte Fall von Stern und Co ist sehr gut gelungen. Aber lest selber….


Goiserer

Hubert Achleitner: Flüchtig

Hubert Achleitner: Flüchtig

Autor: Hubert Achleitner („Hubert von Goisern“)
Titel: Flüchtig
ISBN: 978-3-552-05957-3
Verlag: Paul Zsolnay Verlag
Erschienen: 25.05. 2020

Klappentext:

Maria ist verschwunden. Seit Monaten hat Herwig, mit dem sie seit fast dreißig Jahren verheiratet ist, nichts von ihr gehört.

Dass sie ihren Job gekündigt und seinen Volvo mitgenommen hat, lässt zumindest hoffen, dass sie noch am Leben ist.

Doch was ist passiert, mit ihrer Ehe, ihrer Liebe, ihrem gemeinsamen Leben? Hubert Achleitner schickt seine Protagonisten auf eine abenteuerliche Reise, die sie von den österreichischen Bergen quer durch Europa bis nach Griechenland führt.

Und die für beide doch in erster Linie eine hoch emotionale Reise in ihr Inneres bedeutet.

Ein weiser und sehr musikalischer Roman über Liebe und Sehnsucht, das Schicksal und das flüchtige Glück … “Flüchtig wie die angezupften Töne der Bouzouki waren die Begegnungen mit diesen Menschen. Dennoch hinterließ jeder von ihnen eine Melodie in meinem Herzen, die weiterschwingt“

Anni Lemberger

Rezension von Anni Lemberger

Marias und Herwigs Ehe ist an einem jahrelangen Gleichmut, nach einer Fehlgeburt von Maria und dem Wissen, nie wieder Kinder bekommen zu können, zerschlissen.

In dieser Situation erfährt Maria unter dem Pseudonym „Nordlicht“ am Handy ihres Ehemannes dass „eine“ Nora (von ihm?) schwanger ist.

Sie beschließt dem Glück ihres „Noch-Ehemanns“ nicht im Wege zu stehen und macht sich auf einen neuen Weg, indem sie die Flucht ergreift.

Dieser Fluchtweg führt in erster Linie zu sich selbst – und zu Menschen, die ihr Wege zum elementaren „Innern Ich“ aufzeigen.

Der Autor, bisher vielen Menschen durch seine einfühlsame Musik bekannt, versteht es meisterhaft mit Worten zu spielen. Mit viel Einfühlungsvermögen nimmt er in diesem Roman eine weibliche Position ein, aus deren Sicht er die Welt beschreibt.

Menschen, die den Weg von Maria säumen, werden mit einer kurzen Lebensbeschreibung vorgestellt und somit aus der Anonymität geholt.

Wer sich auf diese Art des Schreibens einlässt, schafft es fast nicht, das Buch wegzulegen, bevor es zu Ende gelesen ist.


Vanta* Vest, eine Kunstlehrerin mit einem Faible für gewöhnungsbedürftigen Wortwitz und einer Schwäche für gescheiterte Existenzen, schreibt den Alltag auf und ab und zu erfindet sie. Wo Drama ist, ist Vanta Vest. Oder umgekehrt? Na freilich. Die Gossendiva inszeniert. Zum Beispiel bei Axel, ihrem deutlich älteren Partner, dem intellektuellen Künstler, der an chronischem Selbstmitleid laboriert - seine Affären, die möglicherweise überinterpretiert sind. Hat er jetzt? Der Axel? Der schlaksige Kerl mit dem Walbauch, ihr persönlicher Hertz 52? Und was ist dementsprechend ein Vanta schwarzes „Happy End“?

Helena Adler: Die Infantin trägt den Scheitel links

Autor: Helena Adler
Titel: Die Infantin trägt den Scheitel links
Verlag: Jung und Jung Verlag; Auflage: 1 (28. Februar 2020)
ISBN/EAN: 978-3-9902724-2-8

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Klappentext

Dass sie, die jüngste Tochter, das zarte Kind, den Bauernhof ihrer Eltern abfackelt, ist nicht nur ein Versehen, es ist auch Notwehr. Ein Akt der Selbstbehauptung gegen die Zumutungen des Heranwachsens unter dem Regime der Eltern, einer frömmelnden, bigotten Mutter und eines Vaters mit einem fatalen Hang zu Alkohol, Pyrotechnik und Esoterik.

Von den älteren Zwillingsschwestern nicht zu reden, zwei Eisprinzessinnen, die einem bösen Märchen entsprungen sind und ihr, der Infantin in Stallstiefeln, übel mitspielen, wo sie nur können. Und natürlich fehlen auch Jäger, Pfarrer und Bürgermeister nicht in dieser Heuboden- und Heimatidylle, die in den schönsten Höllenfarben gemalt ist und in der es so handfest und herzhaft zugeht wie lange nicht.

Dieses Buch ist ein Fanal, ein Feuerwerk nach dem Jüngsten Gericht unter dem Watschenbaum. Es erzählt von Dingen, als gingen sie auf keine Kuhhaut. Schrill, derb, ungeschminkt, rotzfrech und hart wie das Landleben nach dem Zeltfest und vor der Morgenmesse. Eine sehr ernste Angelegenheit, ein sehr großer Spaß!

Peter Reutterer

Rezension von Peter Reutterer

Die schönste Literatur erwächst aus der Wirklichkeit

Eine neue Generation ambitioniert Schreibender erobert derzeit die Literaturszene Österreichs. Helena Adler, Birgit Birnbacher, Anna Herzig, Regine Koth Afzelius oder auch Martin Peichl haben bemerkenswerte Romane vorgelegt. In vorderster Reihe hat sich dabei wohl Helena Adler mit ihrem Debut „Die Infantin“ (erschienen bei Jung und Jung) positioniert.

So farbenprächtig wie die Hügel des Flachgaus leuchten ihre Sätze und verweben sich zu einer sprachgewaltigen, mehr oder weniger biographischen Erzählung.

„Wir essen schwarze Regensuppe zum Nachtmahl. Der grüne Kachelofen brütet in der Ecke, in der Stube dampft es, doch mir ist kalt.“ So beginnt der fulminante Text und nimmt den Leser gleich mitten hinein in diese Bauernfamilie, in der die Infantin ihre Kinder- und Jugendjahre zu durchleben hat. Dennoch läge man falsch, wollte man das mit einer spontan erzählten Lebensgeschichte verwechseln, was Helena Adler in diesem Buch vorgelegt hat. Sie selbst deutet die Hintergründigkeit der Gestaltung mit dem vorangestellten Satz an: „Nehmen Sie ein Gemälde von Pieter Bruegel. Nun animieren sie es.“ Dieser so wunderbar dahinsprudelnde Text ist also trotz aller Spontaneität als artifizielles Gebilde angelegt und zu verstehen. Die Welt auf einem Flachgauer Bauernhof in all seiner Intensität, Brutalität, Kuriosität als phantastisches Gemälde. Brutal, wie die Geschwister miteinander verfahren, naturgemäß die Gewalt, die den Tieren in der bäuerlichen Welt widerfährt. Dazu kommt noch das Aufeinander-Prallen verschiedener Generationen: Die bäuerliche Tradition der Urgroßeltern und Großeltern trifft auf die alternativen Lebensentwürfe der Eltern und deren Kinder. Besonders die Infantin, die Ich-Erzählerin, gilt bald mit ihren künstlerischen Neigungen im Dorf als „Satansbrut“. Doch irgendwie schafft sie es, als ursprünglich schwächstes Glied in dieser archaischen Bauernwelt sich zu wehren, nicht zuletzt dank ihrer kraftvollen Phantasie und der daraus entspringenden mentalen Helfer.

Das Leben „dampft“, es macht Angst und verlockt. Überbordende Sinnlichkeit, alles leuchtet, riecht, tönt, ist fühlbar. Von Anfang an ist der Tod präsent, wenn der geliebte Urgroßvater gehen muss, ohne Venedig gesehen zu haben. Ebenso blitzt von Beginn an verborgene Lust aus allen Ecken. Verlust und Lust setzen sich während der Jugendzeit fort, es geht heftig zur Sache, u.a. mit dem Drogentod „eines Mädchens aus unserem kranken Kollektiv“ oder mit der Geschichte über die Schwarze Anna, „die sich für die Schweinereien der Nacht schämt“. Schließlich spannt sich der Erzählbogen im letzten Teil bis zum Verlust des so ambivalenten bäuerlichen Paradieses und zum Schmerz über die endgültige Vertreibung aus dem heimatlichen Gehöft. Ganz am Ende versöhnliche Töne, als die Infantin selbst Mutter wird und sich mit der eigenen Mutter ausspricht.

Mit „Die Infantin“ schlägt Helena Adler ein neues Kapitel der in Österreich so gut entwickelten neueren „Provinzliteratur“ auf und bereichert das Genre: Sie setzt fort, was Franz Innerhofer oder Josef Winkler beeindruckend grundgelegt haben und erweitert diese Gattung mit einem sehr individuellen, sowohl bild- als auch klanggewaltigen literarischen Ton, der von einem analytischen Blick begleitet wird. Dafür könnte von jeder Seite dieses berückenden Buches einen Beleg angeführt werden. Im Schlussteil des Bruegel-Panoramas heißt es z.B.: „In der Bauernstube ächzen Verwaiste. Der Besorgte kümmert sich um den Geschundenen. Und der Geschundene um die Geschändeten…Der Blinde erzählt dem Verstummten und der Verstummte findet Besänftigung im geschriebenen Wort.“ Poesie, aus erlebter Wirklichkeit geschöpft, ein Gewebe aus Worten und Sätzen, das vom Anfang bis zum Schluss in seinen Bann zieht. Nicht nur der Autorin, auch der österreichischen Literatur darf zu dieser kraftvollen Neuerscheinung gratuliert werden.

Helena Este Adler: HERTZ 52


Claudia Rossbacher

Claudia Rossbacher: Steirerstern

Steirerstern

Autorin: Claudia Rossbacher
Titel: Steirerstern – Kriminalroman
ISBN: 978-3-8392-2593-6
Verlag: Gmeiner Verlag GmbH
Erschienen: 2020

Klappentext:

In ihrem zehnten Fall werden die LKA-Ermittler Sandra Mohr und Sascha Bergmann ins Murtal gerufen, um den tödlichen Treppensturz eines Bassisten zu klären. Ist Luigi bei einem bedauerlichen Unfall ums Leben gekommen? War es Mord oder Totschlag?

Die junge Sängerin, in deren Band er spielte, gerät im Fokus der Medien unter Tatverdacht und wird schließlich vermisst. Hat Jessica Wind ihren Freund im Streit getötet und ist nach dem »Volx Open Air« in Spielberg untergetaucht?

Oder wurde sie Opfer eines Verbrechens? Neider und Feinde gibt es genug. Und einen besessenen Fan, der sie stalkt.

Anni Lemberger

Rezension von Anni Lemberger

David Lintschinger, der Sohn von Chefinspektor Bergmann wendet sich in eigener Sache hilfesuchend an seinen Vater. Sein bester Freund und Bandkollege wurde unterhalb einer Treppe tot aufgefunden. Und David ist überzeugt, dass bei dem Sturz nachgeholfen wurde.

Eigentlich müsste Bergmann die Ermittlungen wegen Befangenheit abgeben. Er kann ja nicht ausschließen, dass sein Sohn in einem eventuellen Mordfall verwickelt ist. Aber wer Bergmann kennt (und mittlerweile ist es ja sein 10. Fall), weiß, dass er selbstverständlich seinen Vorgesetzten, die Tatsache, dass David sein Sohn ist, verschweigt und Sandra Mohr, seine Abteilungsinspektorin, loyal hinter ihm steht und dieses Geheimnis mit ihm teilt.

Der Kriminalroman entführt den Leser in die Welt des Musikbusiness und zeigt die unschönen Seite davon auf.

Ein bodenständiger, steirischer Heimatkrimi, der spannend und gut lesbar ist. Nachdem der Roman offen lässt, wie es mit dem schwer erkrankten Chefinspektor weitergeht, warte ich auf den nächsten Steirerkrimi……?


Susanne Wiesinger mit Jan Thies: Machtkampf im Ministerium

Autor(en): Susanne Wiesinger mit Jan Thies
Titel: Machtkampf im Ministerium – Wie Parteipolitik unsere Schulen zerstört
ISDN: 978-3-200-06697-7
Verlag: EditionQVV (Quo Vadis Veritas RedaktionsGmbH)
Erschienen: Jänner 2020

Klappentext:

In vielen österreichischen Klassenzimmern herrscht Ausnahmezustand. Kulturelle Konflikte, schlechte Deutschkenntnisse der Schüler und deren Ablehnung mancher Lehrinhalte machen normalen Unterricht oft unmöglich.

In ihrem aufsehenerregenden Buch „Kulturkampf im Klassenzimmer“ schilderte die Lehrerin Susanne Wiesinger die Missstände an Wiener Brennpunktschulen und prangerte das Wegschauen der Behörden an.

Im Februar 2019 wurde sie als Ombudsfrau für Wertefragen und Kulturkonflikte ans Bildungsministerium berufen. In dieser Funktion war sie ein Jahr lang in ganz Österreich unterwegs und stellte fest: Die Probleme, die sie erlebt hat, sind kein Einzelfall und weiten sich zunehmend aus.

Ein Bericht aus dem Inneren der österreichischen Bildungspolitik, die von Machtkämpfen, ideologischen Blockaden und Message Control geprägt ist.

Anni Lemberger

Rezension von Anni Lemberger

Wer dachte, dass die engagierte Lehrerin Fr. Susanne Wiesinger dadurch Mundtod gemacht wird, dass sie als Beamtin ins Bildungsministerium geholt wurde, der hat sich, genau wie ich, geirrt.

In diesem zweiten Buch zeigt sie erneut auf, dass in unseren Schulen in erster Linie die Kinder als „Kolateralschaden“ auf der Strecke bleiben. Es geht um Parteipolitik und um Macht, vor allem steht in erster Linie die Ideologie einer Partei. Steht diese Ideologie den Bedürfnissen der Kinder im Wege, werden diese ignoriert.

Sie beschreibt, dass viele BeamtInnen im Ministerium, wenig, bis gar keine Ahnung von der Arbeit in den Klassenzimmern und mit den Kindern, haben. Aufgrund des häufigen Wechsels der Parteien in den Ministerien der letzten Jahre glaubt jede Partei, sie würde die bessere Bildungspolitik machen.

Die Autorin berichtet davon, dass viele in Österreich geborenen Migrantenkinder in dritter Generation immer noch schlecht die deutsche Sprache beherrschen.

Eigentlich war Wiesingers Auftrag als parteiunabhängige Ombudsfrau für die Interessen von Schülern und Lehrern durch direkten Kontakt mit den Schulen, einen Bericht zu verfassen, wo die Probleme im Österreichischen Schulsystem bestehen und wo sie Ansätze zur Verbesserung sieht.

In der Praxis erlebte sie die starren und rigiden Strukturen der Österreichischen Parteipolitik, die keinerlei Änderung zulassen und damit jeder echten Reformbestrebung im Wege stehen.

Ein erschütterndes Buch über die Parteihierarchie im Österreichischen Staat – und keine Partei weicht davon ab.

Die Autorin wurde einen Tag nach Erscheinen des Buches aus dem Dienst der Ministeriums entlassen.


Andrea Wolfmayr

Andrea Wolfmayr: Rückfall

Autorin: Andrea Wolfmayr
Titel: Rückfall / ein Roman aus der Provinz
ISBN: 978-3-903144-88-0
Verlag: Edition Keiper
Erschienen:  1. Oktober 2019

Klappentext:

Noch ist es ländlich in der Provinz, doch man spürt den unbändigen Drang, sich städtisch zu geben und sich persönlich wie auch wirtschaftlich zu entwickeln. Die Familien, deren Schicksale sich untereinander ver- und wieder entflechten, sind einander verbunden, sie kennen einander von klein auf – und es kommen immer wieder neue Leute hinzu, von außen.

Sie alle haben ihre Beziehungen, Ehen, Affären, sie finden sich, manche trennen sich wieder, einige sterben weg, an Alter, Unfällen, Krankheiten. Und sie alle haben ehrgeizigen Nachwuchs, der es weit bringt. 

Es geht um Gefühle, um Liebe und Hass. Um Wut und Verzweiflung, um Lebensfreude und Sinnverlust. Es geht um die Frauen, die es mit einem alten, gewachsenen patriarchalischen Rollenbild zu tun haben, und es geht um die Männer, die sich schwer tun mit der Veränderung der Rollenbilder, gegen die sie rebellieren oder in die sie sich einfügen oder anpassen.

Ein Wimmelbild, ein Sittenbild ist dieser Roman, und er zeigt das Leben, wie es eben spielt. Jede Menge Wünsche, Erwartungen, Hoffnungen, Sehnsüchte, Enttäuschungen. Menschen, die miteinander zu tun haben. Wir schauen ihnen dabei zu. Es könnten wir selbst sein.

Anna Lemberger

Rezension von Anni
Lemberger

Ein Buch, das sich in viele
Geschichten aufgliedert und doch eine einzige Erzählung ist. Vieles ist anders
als es auf den ersten Blick scheint. Die scheinbar kleinstädtische Idylle
zerfällt immer mehr, je weiter der Leser in sie vordringt.

Um den Zusammenhang der
Handlung nicht zu verlieren erforderte das Lesen ein wiederholtes Rück- bzw.
Vorblättern in dem Buch. Denn im Anhang des Buches sind die
Familienzusammenhänge sehr gut dargestellt.

Außerdem findet der
interessierte „kochende Leser“ im Anhang auch noch die  Rezepte der im Buch angeführten Speisen und
„Mixzutaten“ der angeführten Getränke

Ein fiktiver Roman, deren Handlungen sich überall in Österreich´s Provinz so oder so ähnlich abspielen könnte.


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DietmarFuesslJakobPreiss

Dietmar Füssel: Mondgezeiten

Liebe Freunde, Kollegen und Wegbegleiter, soeben ist im Mitgift Verlag mein neuer Lyrikband ‚Mondgezeiten‘ erschienen, auf den ich auch mächtig stolz bin.

Dietmar Füssel: Mondgezeiten

Je älter ich werde, desto weiser werde ich. Und je weiser ich werde, desto besser werden meine Gedichte. Möglicherweise ist es sogar so, dass die Weisheit eines Mannes sich indirekt proportional zu seiner Testosteronproduktion verhält.

Das wäre zumindest eine sehr plausible Erklärung dafür, warum die meisten pubertären Liebesgedichte so unerträglich schlecht sind wie meine eigenen.

So gesehen hat das Alter also durchaus auch seine Vorteile – bis einem die gnadenlose Dämonin der Demenz Sprache, Bewusstsein und Gegenwart raubt. Umso wichtiger ist es, den Tag zu nutzen. Umso wichtiger ist es, das Leben zu lieben.

Erhältlich ist mein Lyrikband ‚Mondgezeiten‘ zum Preis von 12,90 € überall im Buchhandel, aber natürlich auch bei mir in meinem Shop, auf Wunsch gerne auch signiert oder mit Widmung.
Eine kleine Textprobe gibt es unter https://www.dietmarfuessel.com/buecher/ auf meiner Homepage.

Liebe Grüße Dietmar Füssel


Andreas Pittler

Andreas Pittler: Bronstein

Autor: Andreas Pittler
Titel: Bronstein – Sein vergessener Fall
ISBN:978-3-8392-2436-6
Erschienen: 17.04.2019
Verlag: Gmeiner Verlag GmbH

Klappentext:

Wien 1936: Während Oberst Bronstein den Mord an einem Arbeiter aufklären will, wird er auf Weisung von oben als vermeintliches „Publikum“ zum Politprozess gegen führende Oppositionelle abkommandiert. Gegenüber dem Ausland will das herrschende Regime einen Zustand der Normalität vortäuschen.

Das mutige Verhalten der Oppositionellen veranlasst Bronstein, mit anderen Augen auf seinen Fall zu blicken. Er setzt alles daran, die Mordsache, anders als von der Diktatur gewünscht, wahrheitsgemäß zu lösen. Die Spur führt direkt zu den im Untergrund tätigen Nazis.

Rezension von Rebecca Schönleitner

Bronstein, ein gemütlich, behäbiger Ermittler, kurz vor der Pensionierung und in einer Zeit, in der kein Stein auf dem anderen bleibt. Die Nazis sind im Anmarsch, die Sozis haben keine Chance mehr noch dagegen zu wirken.

Ein Arbeiter wird ermordet,
Bronstein soll nicht ermitteln, denn wen interessiert schon ein kleiner,
sozialistischer Arbeiter. Statt dessen soll er bei einem Schauprozess gegen Sozialisten
die Stellung halten. Während des Prozesses erkennt er die unendliche Farce, die
hier statt findet und außerdem lässt er sich das Ermitteln sowieso nicht verbieten.
Denn  auch ein Sozi hat das Recht auf die
lückenlose Aufklärung seiner Ermordung.

Endlich einmal wieder ein richtig österreichischer Roman, (die spezifischen Wörter werden im Anhang erklärt), ich habe mein erstes Buch von Andreas Pittler sehr genossen.

Weitere Info:
Lesung von Andreas P. Pittler aus Goodbye
Avalon.Kultur
zum Nachhören >


Ludwig Laher | Foto: 2017 Karl Traintinger, Dorfbild.com

Ludwig Laher: Wo nur die Wiege stand

Ludwig Laher: Wo nur die Wiege stand

Autor: Ludwig Laher
Titel: Wo nur die Wiege stand – Über die Anziehungskraft früh verlassener Geburtsorte
ISBN: 978-3-7013-1265-8
Verlag: Otto Müller Verlag Salzburg
Erschienen: 2019

Klappentext:

Was verbindet Benedikt XVI. und Hitler, Einstein und Musil, Luther und Brecht, jean Paul und Dollfuß, Rosa Luxemburg und Paul Klee?

Sie alle verzogen mit der Familie innerhalb der ersten Jahre nach ihrer Geburt. Wie geht man am Windel- und Wiegenort um damit? Was hat es mit seiner vielbeschworenen, aber kaum je erläuterten Aura auf sich? Und was bedeutet den nachmals Berühmten und Berüchtigten ihr erstes Zuhause?

Ludwig Lahers ebenso nachdenklicher wie unterhaltsamer Essay schaut sich um, geht diesen und anderen Fragen auf den Grund, fördert Erstaunliches, ja Unglaubliches zutage.

Anna Lemberger

Rezension von Anni Lemberger

15 km liegen zwischen Braunau in Österreich und Marktl in Bayern. Beides sind die Geburtsstätten von Prominenten, die unterschiedlicher nicht sein könnten.

Zwei Tage nachdem der weiße Rauch in Rom signalisierte,
dass ein neuer Papst gewählt wurde, war Marktl als Geburtsort von
Josef Ratzinger, der als der 16. Benedikt gewählt wurde, bereit mit
ihrem großen Sohn Werbung zu machen. Es gab Papstbier und dazu eine
Benediktschnitte, in Erinnerung an ihren berühmten Sohn, der noch
vor dem 2. Lebensjahr mit seinen Eltern wegzog.

Ganz anders Braunau. Dort wird alles unternommen, um die Erinnerung an Hitler zu vergessen. Nichts, aber auch gar nichts sollte daran erinnern, dass das unschuldige Kind Adolf dort die Windeln vollgemacht, und mit 3 Jahren mit seinen Eltern Braunau verließ. Als Diktator glorifizierte er, ganz im Sinne der Naziideologie, seinen Geburtsort als Grenzstadt zu Deutschland. Er sah die Grenzstadt Braunau als Verbindungsglied zwischen den zwei großen wiedervereinten Reichen.

Eine interessant, spannend und teilweise auch witzig geschriebenes Büchlein. Lediglich der philosophische Erklärungsansatz, was die Aura der „Windelorte“ ausmache, war schwieriger zu verstehen und machte ein mehrmaliges Lesen notwendig. Trotz allem lesenswert.


Klaus Ranzenberger Onkel Franz

Neues vom Onkel Franz oder die Odyssee eines Innviertlers

onkelfranz

Autor: Klaus Ranzenberger
Titel: Neues vom Onkel Franz oder die Odyssee eines Innviertlers
ISBN: 978-3-7025-0900-2
Erschienen: 23.07.2018
Verlag: Verlag Anton Pustet

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Klappentext:

Er ist wieder da der Onkel Franz…

… und muss auch schon wieder weg. „Auf“ Wien geht seine Reise in einer Erbschaftsangelegenheit. Eine Reise, die ihm so gar keine rechte Freude machen will. Denn nur ungern entfernt er sich allzu weit von seinem geliebten Innviertel, seinem gewohnten Biotop.

Und weil ihm seit seinem Busausflug nach Jesolo dieses Transportmittel ein Graus ist, reist der Onkel Franz mit der Bahn. Was allerdings zu einer veritablen Odyssee gerät. Denn mehr als einmal verpasst er den Anschluss und seltsam sind die Erlebnisse und Typen, die ihm auf seinen Etappen begegnen. Oft kommt es dem Onkel Franz gar so vor, als wäre er zu Besuch auf einem fremden Planeten.

Meist kopfschüttelnd, selten ärgerlich und oft belustigt sieht er sich mit den Auswüchsen der modernen Gesellschaft 4.0 konfrontiert, und es wäre nicht der Onkel Franz, würde er dabei dem Mainstream nicht ein paar Felsblöcke in den Weg legen …

Dass der Onkel Franz ein Schelm ist, wissen wir spätestens seit Klaus Ranzenbergers „Der Onkel Franz oder die Typologie des Innviertlers“. Begleiten Sie das Innviertler Urgestein bei seinem neuen Abenteuer!

Rebecca Schönleitner

 Rezension von Rebecca Schönleitner

Eigentlich hatte ich keine so rechte Freude mit dem Buch, das mir zur Rezension vorgelegt wurde. Das Cover – schon etwas seltsam – und irgendwie nicht mein Geschmack.

ABER!!!!

Ich begann zu lesen und konnte nicht mehr aufhören. Was für ein bezauberndes, wunderbares, sentimentales, zum lauten Lachen animierendes Büchlein. Ich habe Tränen gelacht, der Onkel Franz ist ein richtiges Unikat, liebenswert, a bisserl stur, vielleicht kein „Studierter“, aber mit einem gesunden Hausverstand und alles andere als intolerant. So einen Onkel möchte man gerne haben.

Das Buch ist absolut lesenswert, ich möchte es auf diesem Wege allen sehr ans Herz legen.


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