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Mittwoch, 10. Februar 2016 Salzburg | Nach Graz (2003) und Linz (2009) ist Österreich – gemeinsam mit Estland – im Jahr 2024 wieder an der Reihe, sich um den Titel »Europas Kulturhauptstadt« zu bewerben. Innerhalb des Landes soll es dafür mehrere Kandidaten geben, die mit ihrem jeweiligen Konzept in Konkurrenz treten (siehe Internet-Diskussionsplattform www.kulturhauptstadt2024.at, gegründet an der TU Wien von Elisabeth Leitner, die auch eine österreichweite Initiative startete).

In Salzburg wurde eine mögliche Bewerbung erstmals im März 2014 vom damaligen Vorsitzenden des Dachverband Salzburger Kulturstätten Tomas Friedman thematisiert, danach gab es an der Universität Salzburg im Kooperationsschwerpunkt Wissenschaft & Kunst eine Lehrveranstaltung und das Symposium »Alles Mozart, oder was?« sowie Artikel, Gespräche und zuletzt Ende Oktober 2015 das Kulturfrühstück »Kulturhauptstadt 2024« – stets mit Beteiligung der Vertretung der freien Salzburger Kulturszene.

Für den Salzburger Dachverband geht es nun darum, einen Prozess zu starten, aus dem – bei entsprechender Unterstützung aus Politik, Wirtschaft und Bevölkerung – eine Bewerbung der Region Salzburg (eventuell grenzüberschreitend in den südbayerischen Raum oder mit dem Salzkammergut) entstehen kann. »Wir wollen einen Diskurs in Gang bringen, wie sich Salzburg in den nächsten Jahrzehnten kulturell-zeitgenössisch positionieren soll.« sagt für den Dachverband Salzburger Kulturstätten ihr Kulturhauptstadt-Beauftragter Tomas Friedmann. »Dabei geht es uns vorrangig nicht um Hardware, also neue Bauten, sondern um die Software, wie die Bevölkerung in Zukunft zusammenleben kann: sozial, solidarisch, umweltfreundlich, leistbar usw. mit Zugang zu Bildung und Gegenwartskunst.«

Salzburg sei in erster Linie eine Kultur- und Wissensstadt; als Mozarts Geburtsort habe man einen Tourismusvorteil, von dem die Festspiele und viele Aktivitäten bis heute profitierten, als Kongress-Stadt genieße man einen Standortvorteil. Doch der Dachverband, der 75 Kulturstätten in Stadt und Land Salzburg mit rund 1 Million BesucherInnen jährlich vertritt, ist der Meinung, dass man sich nicht bequem zurücklehnen und auf dem Image Sound of Music ausruhen dürfe. »Wir wünschen uns eine breite Diskussion von Kunst über Soziales bis Verkehr und Wirtschaft, wohin sich die Region Salzburg Richtung 2050 entwickeln soll – mit Einbeziehung kritischer Stimmen aus der Zivilgesellschaft, der freien Szene, engagierter BürgerInnen aus allen Bereichen der Gesellschaft.«

Als Auftakt – im April 2016 wird im Unipark Nonntal die Wanderausstellung »Kulturhauptstadt 2024« eröffnet – lädt der Dachverband EntscheidungsträgerInnen ein, in zwei Diskussionsrunden Mitte Februar (mit VertreterInnen aus Bildung, Kultur, Soziales) und Anfang März (mit Wirtschaft, Politik, Tourismus etc.) in ein Gespräch einzutreten – am Podium mit Elisabeth Leitner (Wissenschafterin, Forschungsschwerpunkt Stadt und Event, Städtebau und Landschaftsarchitektur sowie Initiatorin von www.kulturhauptstadt2024.at), Ursula Spannberger (Architektin und Mediatorin), Gerbert Schwaighofer (Direktor des Kooperationsschwerpunkts Wissenschaft und Kunst der Universität Salzburg/Universität Mozarteum), Stefan Wally (Politikwissenschafter und Forscher, Robert-Jungk-Bibliothek für Zukunftsfragen) und Tomas Friedmann (Leiter des Literaturhauses Salzburg und Kulturhauptstadt-Beauftragter des Dachverbands Salzburger Kulturstätten).

Presseaussendung
Dachverband Salzburger Kulturstätten


Dachverband Salzburger Kulturstätten

Offener Brief

Dr. Heinz Schaden
Bürgermeister der Stadt Salzburg
Schloss Mirabell

Salzburg, 11. Juni 2015

Land Salzburg: Kürzungsklausel bei mehrjährigen Kultur-Förderverträgen

Sehr geehrter Herr Bürgermeister Dr. Heinz Schaden!

Der Vorstand des Dachverbands Salzburger Kulturstätten bedankt sich sehr für Ihren Brief vom 3. d. M. an den Salzburger Kulturlandesrat Dr. Heinrich Schellhorn, den Sie in Kopie an die Geschäftsführung des Dachverbands geschickt haben.

In Ihrem Brief drücken Sie – trotz Erläuterung des Kulturlandesrates, dies sei nur eine theoretische »Notfallsklausel« – Ihr Unbehagen darüber aus, dass Sie nach der Dachverband-Presseaussendung den Medien entnommen haben, dass das Land Salzburg eine neue Klausel in die mehrjährigen Förderverträge mit Kultureinrichtungen aufnehmen wird, der zufolge das Land ermächtigt wäre, im laufenden Kalenderjahr eine 20 prozentige Kürzung der Landessubvention vorzunehmen.

Völlig richtig und in Übereinstimmung mit der Argumentation des Dachverbands schreiben Sie, dass mehrjährige Förderverträge den Sinn haben, den Kultureinrichtungen mit längeren Planungsphasen und strukturellen Verpflichtungen jene Planungssicherheit zu geben, die sie zur Erfüllung ihres Kulturauftrages benötigen.

Wir hoffen, dass das Land Salzburg versteht, dass Kulturstätten und deren jeweils verantwortliche Leitung/Geschäftsführung eine 20 prozentige Kürzungsklausel – bei gleichzeitiger Verpflichtung zur vollständigen Einhaltung von mit der Kulturabteilung abgeschlossenen Zielvereinbarungen laut Fördervertrag – nicht unterschreiben dürfen, weil sie sonst ihre Institution, ihre Arbeit und sich selbst in Frage stellen und gefährden könnten. Ende Juni hat der Vorstand deshalb einen Termin beim Kulturlandesrat Schellhorn, vom hoffentlich positiven Ergebnis des Gesprächs werden wir Sie, die Öffentlichkeit und unsere 74 Mitglieder selbstverständlich informieren.

Abschließend bitten wir Sie höflich, Ihr Engagement in Sachen Förderung und mittelfristige Sicherheiten auch auf Kulturminister Dr. Josef Ostermayer auszuweiten. In Salzburgs Kulturlandschaft gibt es Befürchtungen und Anzeichen, dass sich der Bund aus seiner Verpflichtung, Kunst und Kultur auch in Gemeinden und Ländern zu fördern, zurückziehen könnte (z.B. gibt es Kürzungen bzw. sind Förderungen seit vielen Jahren eingefroren).
Dem sollten Stadt und Land Salzburg rechtzeitig entgegenwirken – am besten vielleicht gemeinsam.

Mit besten Grüßen!

Tomas Friedmann & Thomas Randisek

Vorsitzender Geschäftsführer

Dachverband Salzburger Kulturstätten
Mag. Thomas Randisek
Dreifaltigkeitsgasse 3/3
5020 Salzburg
Tel: +43 650 970 29 08
http://www.kultur.or.at
http://www.kultplan.at


Sehr geehrter Herr Landeshauptmann Dr. Wilfried Haslauer!

Aus inoffiziellen Kreisen erfuhren Kultur-Fürsprecher kurz vor Weihnachten vom geplanten Projekt »Salzburg 2016« – Events zur 200-jährigen Zugehörigkeit Salzburgs zu Österreich. Einerseits irritiert dies begrifflich wie historisch (»Salzburg« kam im Frieden von Pressburg bereits 1805 an das Kaisertum, dessen westlicher Teil dann Teil des Deutschen Bundes war), andererseits verwundert die hinter verschlossenen Türen getroffene Entscheidung besonders angesichts des angekündigten Sparkurses nach dem Landesfinanzskandal, der bis heute nicht restlos geklärt ist und dessen Folgen weiter unabsehbar sind. Der Dachverband Salzburger Kulturstätten hat dies öffentlich thematisiert und kritisiert, klärende Antworten sind ausständig. In mehreren Gesprächen mit Politikern hören wir stets, es müsse gekürzt werden, kein Bereich bliebe verschont, Vorschläge wie etwa eine zweckgebundene Tourismus-Kulturtaxe (vgl. z.B. Hamburg) werden abgelehnt, man müsse jetzt sparen.

Nun ist in der Wochenend-Ausgabe der Salzburger Nachrichten (15. März 2014, Aus Stadt und Land, S. 11) überraschend zu lesen, dass der 69-jährige, ehemalige ORF-Intendant und TW1-Geschäftsführer Ing. Friedrich Urban – u.a. Vizepräsident der Stiftung Mozarteum, Präsident des Rotary Club Salzburg und Festspiel-Kuratoriumsmitglied (Tourismusfonds) – von LH Wilfried Haslauer (ÖVP) als Intendant für das »Salzburg-Jahr« 2016 bestellt wurde.

Dazu stellen sich Fragen, um deren öffentliche Beantwortung wir Sie als Salzburger Landeshauptmann dringend ersuchen:
1. Wer, welche Personen, welches Gremium hat unter welchen (gesetzlichen) Voraussetzungen, mit welchen Zielen, in wessen Auftrag »Salzburg 2016« beschlossen? Wessen Idee war dies?
2. Was genau bedeutet für Sie »Salzburg 2016«? Wie ist das Konzept und von wem stammt es?
3. Wie wollen Sie »Salzburg 2016« finanzieren? Wie hoch wird der Anteil des Landes Salzburg sein? Aus welchem Topf, von welchen Stellen kommt das Geld dafür? Oder können Sie ausschließen, dass Landesmittel für dieses Projekt ausgegeben werden?
4. Wird das Landeskulturbudget 2015/16 u.a. durch »Salzburg 2016« belastet? Werden für Kultureinrichtungen – die seit Jahren mit gekürzten Mitteln arbeiten müssen – Förderungen steigen? Werden Salzburger Künstler und Kulturschaffende beim Projekt berücksichtigt?
5. Wurde »Salzburg 2016« (Konzept, Budget, Intendanz etc.) mit dem verantwortlichen grünen Kulturlandesrat, Dr. Heinrich Schellhorn, abgesprochen? Waren bzw. sind welche Parteien, Personen und Gremien in Stadt, Land und Bund etc. darüber informiert oder eingebunden?
6. Wurde die Intendanz für »Salzburg 2016« öffentlich ausgeschrieben? Wer, welche (unabhängige) Jury hat die Entscheidung nach welchen Kriterien getroffen? Wie hoch ist die Stelle des Intendanten finanziell dotiert? Woher kommt das Geld dafür?
7. Wenn die Intendanz und das Gesamtprojekt nicht aus dem Kulturbudget bezahlt werden, aus welchem Topf kommen die Aufwendungen? Und welches Budget wird der Intendant insgesamt zur Verfügung haben? Wird der dann 71-jährige beim Land angestellt oder welche (juristische) Konstruktion wird für die Abwicklung von »Salzburg 2016« gewählt?
8. Garantieren Sie als Landeshauptmann, dass ab sofort und laufend alle Geldflüsse, Entscheidungen etc. für »Salzburg 2016« komplett transparent, demokratisch und nachvollziehbar für Salzburgs Bevölkerung und die Öffentlichkeit präsentiert werden?

Nach der Landtagswahl’13 wurde von einem neuen Stil in der Politik, von Transparenz und Offenheit gesprochen. Der Dachverband Salzburger Kulturstätten ersucht Sie nun höflich wie nachdrücklich um rasche öffentliche Beantwortung dieser u.a. Fragen zum Projekt »Salzburg 2016«.

Mit freundlichen Grüßen!
Tomas Friedmann (Vorsitzender Dachverband) e.h.
Thomas Randisek (Geschäftsführer Dachverband) e.h.

Dachverband Salzburger Kulturstätten
Mag. Thomas Randisek
Dreifaltigkeitsgasse 3/3
5020 Salzburg
Tel: 0650 – 970 29 08
Unterstützen Sie die Plattform http://www.kulturland-salzburg.at mit ihrer Unterschrift.


Tomas Friedmann

Gegen sinnloses Sparen, für neue Ideen!

Dachverband Salzburger Kulturstätten und Landeskulturbeirat Salzburg fordern Perspektiven

Salzburg. In den kommenden drei Jahren bis 2016 soll laut dem neuen Landesrat für Kultur Dr. Heinrich Schellhorn das Kulturbudget des Landes um rund 5 Millionen (das sind 10 Prozent des gesamten Kulturjahresbudgets) gekürzt werden – als Folge des Finanzskandals. »Nicht mit uns«, sagen Dachverband Salzburger Kulturstätten und Landeskulturbeirat.

Thomas Friedmann. Foto: DV
Tomas Friedmann (Vorsitzender Dachverband Salzburger Kulturstätten). Foto: Dachverband

Auf dem Rücken der Kultur lässt sich kein Budget sanieren, kritisieren Dachverband Salzburger Kulturstätten und Salzburger Landeskulturbeirat, die nach Gesprächen mit dem neuen grünen Kulturlandesrat, Heinrich Schellhorn, jetzt erstmals gemeinsam an die Öffentlichkeit treten. Solange keine tiefgreifenden Reformen passieren, sogar die Bundesratsförderung für Parteien erhöht wird, während in anderen Bereichen gespart wird, solange kein sinnvoller Plan und keine mutigen Perspektiven für die Zukunft öffentlich und mit Betroffenen diskutiert und Sparmaßnahmen auf dem Rücken der Menschen, von Kunst, Sozialem, Bildung etc. ausgetragen werden, kann gegen diese Kürzungspolitik nur aufs Schärfste protestiert werden!

»Sollten die Budgetmittel nicht innerhalb der nächsten Jahre wenigstens an die Inflationsrate angepasst werden, drohen Kündigungen und Produktionskürzungen – und spätestens dann wird der Ruf zur dringend nötigen Umverteilung deutlich hörbar sein«, stellen die beiden Vorsitzenden Tomas Friedmann (Dachverband) und Robert Pienz (Landeskulturbeirat) fest. »Wir brauchen gerade jetzt mutige Ideen und Taten, um aus dem Schlamassel, das die Verantwortlichen dem Land Salzburg und uns allen eingebrockt haben, gestärkt in die Zukunft zu gehen!«

Die Fakten
Der letzte Rechnungsvoranschlag (2013) des Landes Salzburg – vor Bekanntwerden des Finanzskandals – wies Kulturförderungen von 49,6 Millionen Euro aus (das sind 2,12 Prozent des Landeskulturbudgets). Für die freie Kulturszene war rund 1/10, also 4,7 Millionen Euro an Förderungen vorgesehen.

Das Niveau
Vor allem die 4,7 Millionen Euro blieben in den letzten Jahren auf diesem konstant niedrigem Niveau, seit Amtsantritt von LR David Brenner im Jahr 2009 kritisierte die Interessenvertretung der freien Salzburger Kulturszene, der Dachverband Salzburger Kulturstätten mit seinen 75 Mitgliedern, diese Entwicklung. Das politische Totschlagargument über all die Jahre: »Wir müssen sparen.«

Die Kulturagenden gingen mit der Wahl im Mai 2013 in Salzburg erstmals in die Regierungsverantwortung der Grünen.

Salzburgs Landeskulturbeirat und Dachverband Salzburger Kulturstätten haben bereits vor der Landtagswahl darauf hingewiesen, endlich und dringend den Anteil der freien Ermessensausgaben im Kulturbereich jährlich an die Inflationsrate angepasst zu erhöhen. Die Fortschreibung des Fördervolumens, das »Einfrieren«, ist eine reale Kürzung der freien Kunst und Kultur, also all jener Einrichtungen, die nicht im Eigentum des Landes sind.
Und die ersten Richtlinien, die Kultur-Landesrat Schellhorn nun ausgegeben hat, ähneln im wesentlichen der Argumentation der letzten Jahre: »Wir müssen sparen.« Neue Regierung, alte Politik – und die gesamte Salzburger Kulturszene muss wohl weitere Jahre der Kürzungen hinnehmen. Das kann und wird dann für manche das AUS bedeuten.

Die angekündigten Einsparungen im Kulturbereich sollen sich für das Jahr 2014 auf 2 Millionen, in den folgenden Jahren 2015 und 2016 auf je ca. 1,2 Millionen Euro belaufen. Die Kürzungen für 2014 können laut Angaben der Landesregierung aus ressortgebundenen Rücklagen kompensiert werden, damit könne immerhin der Stand von 2013 gehalten werden. Alamierend ist, dass es sich wohl nicht um eine vorübergehende, sondern um eine dauerhafte Maßnahme handeln soll. Landesrat Schellhorn sprach von »strukturellen Einsparungen«. Auf Rückfrage von Robert Pienz bestätigte Schellhorn, dass damit tatsächlich gemeint sei, die Kulturförderung des Landes auf längere Sicht um die weggesparten ca. 4,4 Millionen Euro zu reduzieren. Bemerkenswert dabei:

• Die großkoalitionäre Politik der Ära Haslauer/Brenner war von einer einmaligen Sparpolitik in Kunst- und Kultur geprägt, für noch in Planung befindliche Großprojekte wurden jährliche mehrere hunderttausend Euro aus dem ordentlichen

Robert Pienz. Foto: DV
Robert Pienz (Vorsitzender Salzburger Landeskulturbeirat). Foto: Dachverband

Kulturhaushalt abgezweigt. Einige dieser Großprojekte werden nun realisiert (Domrundgang), andere haben sich aufgrund mangelnder Realisierungskompetenz in Luft aufgelöst.

• Diese Rücklagen, die durch nicht realisierte Projekte vorhanden sind, wurden entgegen der eigentlichen Bestimmung genutzt: Um den Haushalt zu sanieren. Lob kann deshalb der Ankündigung des Landesrates Schellhorn nicht gezollt werden, mit dieser Maßnahme wenigstens 2014 den vorhandenen Förderungsmisstand gleich zu halten, ganz zu schweigen von den Kürzungsabsichten der Folgejahre, für die keine Rücklagen mehr aufzulösen sind.

Der Salzburger Landeskulturbeirat und der Dachverband Salzburger Kulturstätten sind sich in der Einschätzung einig: Der Faktor »Kultur« soll die Konsequenzen verfehlter Spekulationspolitik und fehlender Kontrolle voll mittragen, kann aber als verschwindend kleiner Anteil des Gesamtbudgets zum großen Einsparungsziel nicht wesentlich beitragen. Im Verhältnis ist eine erhebliche Beschädigung und Verödung der Kulturlandschaft Salzburg zu befürchten. Vermisst wird derzeit vor allem: die Formulierung von inhaltlichen und finanziellen Perspektiven.

»Wo konkret soll eingespart werden?«, fragt sich etwa der Vorsitzende des Salzburger Landeskulturbeirates Robert Pienz. »Bei Preisen oder bei der Künstlerförderung? Bei Projektförderungen? Oder gibt es eine generelle Kürzung aller Häuser um einen bestimmten Prozentsatz?«, so Pienz weiter.

Und auch Tomas Friedmann, Vorsitzender des Dachverband Salzburger Kulturstätten, argumentiert in die selbe Richtung: »Eine Kürzung laufender Förderungen unserer Mitglieder werden wir nicht akzeptieren. Ich vermisse Konzepte und Perspektiven sowie die klare politische Ansage: keine Kürzungen im freien Kulturbereich.«

Die Einladung von Landesrat Schellhorn an den Landeskulturbeirat, an einer Strategie für das »Kulturland Salzburg 2020« mitzuarbeiten, wird vor dem Hintergrund dieser Budgetpläne in den Gremien des LKB sehr kritisch gesehen. Solange keine schlüssige, konstruktive Budgetstrategie im Kulturbereich für die Gegenwart und nahe Zukunft vorhanden ist, wird es äußerst schwierig, eine gemeinsame Strategie für eine Zukunftsperspektive der Kultur im Land Salzburg zu entwickeln. Aber genau das wäre das dringende Gebot der Stunde. Die schon aufgestellte Forderung des LKB nach einem Visionsprozess wird immer wichtiger und ist ja Teil des Regierungsabkommens geworden, der Weg dorthin darf nicht durch Realpolitik verbaut werden. Und auch der Dachverband sieht wenig Sinn an einer Diskussion über ein Kulturleitbild, wenn gleichzeitig Förderungen gekürzt, Kulturstätten bedroht und Arbeitsplätze gefährdet werden.

Tomas Friedmann und Robert Pienz verweisen in diesem Zusammenhang auch auf die Wahlversprechen der Grünen – etwa: »Wir wollen, dass KünstlerInnen von ihrer Arbeit leben können« oder, weil es so schön radikal klingt: »eine Umverteilung der Fördermittel«.

Die Auflösung der genannten Rücklagen wird wohl nur einmalig – also für 2014 – ausreichen, um den bestehenden Unterfinanzierungsstand zu halten. 2015 und 2016 wird das Kulturbudget dann wohl auch nominell schrumpfen. Die freien Ermessensausgaben werden, als einziger wesentlicher realpolitischer Gestaltungsspielraum, besonders von Kürzung bedroht sein. In diesem Fall würde die bestehende und zukünftige Kulturlandschaft im Land Salzburg massiv geschädigt und in ihrer Vielfalt eingeengt werden!

Presseaussendung
Dachverband Salzburger Kulturstätten
Mag. Thomas Randisek

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Mag. Thomas Randisek

Die designierte Landesregierung verspricht einen »Neustart für Salzburg« – auch für die Kultur?

Salzburg wird ab 19. Juni 2013 von einer neuen Konstellation aus ÖVP, Grünen & Team Stronach regiert werden. Das Arbeitsübereinkommen der designierten Salzburger Landesregierung umfasst natürlich auch den Bereich der kulturellen Agenden – erstmals seit 1945 wechselt das Ressort von SPÖ/ÖVP hin zu den Grünen, Heinrich Schellhorn soll der neue Kulturlandesrat werden.
 
Ein Blick in das Arbeitsübereinkommen zeigt, dass einige der »Elf Punkte zur Reform der Landeskulturpolitik« (Herbst 2012) des Dachverband Salzburger Kulturstätten – er vertritt aktuell im Bundesland Salzburg 75 zeitgenössische Kulturhäuser mit rund einer Million Besuchern jährlich – Eingang in das Regierungsprogramm gefunden haben, z.B. Kultur in eine Hand, Aufwertung des Landeskulturbeirats, Kunsthaus für Lungau, mittelfristige Fördervereinbarungen. Was bedeutet dies konkret?
 
Eine zentrale Dachverband-Forderung war »Kultur in eine Hand« an Stelle der Aufteilung auf vier Regierungsressorts. Dies soll jetzt passieren – allein die Agenden der Festspiele bleiben in der Hand des Landeshauptmannes. Erstaunlich, dass die ÖVP nicht nur die Volkskultur loslässt sondern auch die »Kulturellen Sonderprojekte«, deren Leitung zuletzt ohne Ausschreibung ÖVP-intern nachbesetzt worden war und deren Sonderbudget (390.000 Euro) als Topf für willkommene Projekte galt. Dies dürfte vorerst auch so bleiben, denn im Arbeitsübereinkommen wird dezidiert auf deren Wichtigkeit hingewiesen, die Sinnhaftigkeit einer Parallelstruktur könnte jedoch im Zuge einer Amtsreform kritisch hinterfragt werden. Hier wäre vielleicht Geld zu sparen, die dringend für Kultur benötigt wird.
 
Die Frage der Kulturfinanzierung bleibt im Arbeitsübereinkommen unerwähnt; gerade dies ist aber wohl der bedeutendste Punkt, denn noch immer investiert das Land Salzburg von 10 Kultureuros nicht einmal 1 Euro in die so genannte »Freie Kunst und Kultur« (also 45 von insgesamt 50 Millionen fließen in Festspiele, Landestheater, Museen, Burgen etc.). Befürchtet wird gar, dass jemand auf die Idee kommen könnte, auf Grund des noch nicht aufgeklärten Finanzskandals im »Ermessensbereich« zu sparen, für den Dachverband absolut ausgeschlossen und inakzeptabel, ja, im Gegenteil wird seit langem eine Aufstockung des Kulturbudgets zugunsten der bedarfsgerechten Förderung der Freien gefordert; sollte dies nicht geschehen, droht ein Umverteilungskampf. Gespannt blickt der Dachverband auf den nächsten Budgetvoranschlag 2014!
 
»Unter anderem mittelfristige Förder- und Zielvereinbarungen« definiert das Arbeitsübereinkommen als ein Vorhaben. Die Interessensvertretung begrüßt dies grundsätzlich, rät jedoch erneut klar zu »mittelfristigen Fördervereinbarungen« an Stelle von Zielvereinbarungen – am besten synchron zum erfolgreichen Modell der Stadt Salzburg.

Die Volkskultur erhält ein eigenes Haus – ein eigenständiges Kulturhaus im Lungau will man zumindest »nochmal prüfen« (zuletzt hatte sich die ortansässige ÖVP/FPÖ quergelegt). Der Dachverband Salzburger Kulturstätten rät hier wirklich dazu, den »Neustart-Knopf« zu drücken und in diesem politischen Verwaltungsbezirk unbedingt ein eigenes zeitgenössisches Kulturhaus zu errichten. Zwischenzeitlich sollte der Lungauer Kulturvereinigung als Ersatz der allzu oft im Depot befindliche »White Noise« als temporärer Veranstaltungsort umsonst zur Verfügung gestellt werden.
 
Erstaunlich, dass drei konkrete Vorhaben im Museumsbereich – bislang in der politischen Zuständigkeit des Ex-Landeshautfrau-Stellvertreters und nun kommenden Landeshauptmannes Wilfried Haslauer (ÖVP) – eine detaillierte Auflistung finden, die im »freien Kulturbereich« jedoch nicht zu finden sind. Das Fehlen solcher konkreter Ziele in diesem Bereich (etwa Neustrukturierung des Kulturbugets, Förderung freier Medien, Transparenz der Fördermittel, Bezahlung der KulturarbeiterInnen nach bekanntem »fair pay-Schema« etc.) soll wohl erst durch den anvisierten Aktionsplan »Kultur Salzburg 2012« bewerkstelligt werden. Heißt das, es kommt ein Kulturleitbild?
 
Dringlichste kulturpolitische Aufgabe ist zur Zeit die Nachbesetzung der Abteilungsleitung im Bereich Kultur. Frau Monika Kalista geht mit Ende Juni in den Ruhestand, der Dachverband Salzburger Kulturstätten verlangt eine sofortige öffentliche Ausschreibung dieses Führungspostens. Solch eine Vorgangsweise ist im Arbeitsübereinkommen angekündigt, dies soll allerdings rasch geschehen, so die Interessenvertretung, die daran erinnert, dass zuletzt ein Leitungsposten im Kulturbereich drei Monate nicht nachbesetzt worden war.
 
Gefordert werden vom Dachverband von der neuen Regierung also dringend nötige Reformen im Kulturbereich und vor allem die Anhebung des Kulturbudgets, für konstruktive Gespräche und Beratung steht man zur Verfügung.

Das Arbeitsübereinkommen (Teil: Kultur) von Salzburger Volkspartei, Grünen und Team Stronach finden Sie unter:
http://www.kultur.or.at/news/arbeitspapier_regierung_2013

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Dachverband Salzburger Kulturstätten
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Eine weitere »erfreuliche« Bilanz im siebten Jahr nach der Einführung des Kulturpasses in Salzburg?

Mit rund 1.600 Salzburgerinnen und Salzburgen, die aktuell einen Kulturpass besitzen und über 6.561 besuchten Kulturveranstaltungen im Jahr 2012 kann der Kulturpass ein sattes Plus an ausgegeben Pässen und besuchten Veranstaltungen verzeichnen. Die Kulturpässe werden von mehr als 60 sozialen Einrichtungen in Stadt & Land Salzburg vergeben.

Diese 1.600 Kulturpass-Besitzerinnen haben im Vorjahr 6.561 Kulturveranstaltungen im Bundesland Salzburg besucht – eine prägnante Steigerung von 7% im Vergleich zum Vorjahr. Der errechnete Gegenwert der Karten, welche an Inhaber eines  Kulturpasses ausgegeben wurden, stieg um satte 24% und betrug im Jahr 2012 beeindruckende € 70.000,23

Hier zeigt sich der hohe Anteil und das hohe gesellschaftspolitische Engagement der rund 60 Kulturstätten und Kulturinstitutionen, welche die Aktion in Salzburg mittragen. Die Aktion »Hunger auf Kunst & Kultur« wird von Stadt (€ 7.000,-) und Land Salzburg (€ 5.000.-) unterstützt.

»Ich nutze den Kulturpass seit meiner Trennung vor drei Jahren regelmäßig und gern mit meiner minderjährigen Tochter. Auf Grund meiner Behinderung kann ich nur mehr halbtags arbeiten und wenig andere Freizeitaktivitäten unternehmen. Kultur war bisher Luxus für mich und daher freue ich mich sehr über diese Aktion und danke denen, die es ermöglichen, dass wir am Kulturleben teilhaben können!« – so eine Kulturpass-Inhaberin.

Aufgrund der relativ niedrigen Einkünfte ist für die Finanzierung der Aktion »Hunger auf Kunst & Kultur« das Engagement des Biobäckers Jakob Itzlinger umso wichtiger, der ein eigenes »Kulturlaiberl« produziert und einen Verkaufsanteil an diesem Gebäck der Aktion für einen barrierefreien Zugang zu Kunst & Kultur überlässt.

Anspruch auf einen Salzburger Kulturpass haben all jene, deren monatliches Haushaltseinkommen unter der Armutsgrenze liegt. Laut Berechnungen der Armutskonferenz sind mindestens 10% der Bevölkerung, rund 53.000 Personen im Bundesland Salzburg armutsgefährdet. Die Armutsgrenze beträgt aktuell für eine allein stehende Person € 1.066,– Dieser Betrag errechnet sich aus dem Jahreszwölftel aller finanziellen Einkünfte.

Besonders stark betroffene Gruppen von Armut sind: Erwerbslosenhaushalte, Langzeitarbeitslose, Working Poor und Ein-Eltern-Haushalte.


              Karten    Gegenwert    Spenden
2012        6.561    € 70.000        € 1.039
2011        6.127    € 56.164        € 2.109
2010        5.145    € 47.073        € 725
2009        4.143    € 44.706        € 1.287
2008        2.278    € 26.081        € 2.116
2007        2.489    € 32.000        € 230
2006        1.907    € 19.400        € 786


Presseaussendeung
Dachverband Salzburger Kulturstätten
Mag. Thomas Randisek
http://www.kultur.or.at
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Dachverband Salzburger Kulturstätten

Erste Zischenbilanz zum Salzburger Landtagswahlkampf 2013

Kulturpolitische Themen gibt es im »Feststpielland Salzburg« wohl zur genüge: z.B. der Osterfestspielskandal, die aktuellen Auseinandersetzungen bei den Salzburger Festspielen (inkl. ausgeladene Festredner), das zu niedrig dotierte Kulturbudget (Fressen die »großen Acht« die Freien?), die Neuordnung der Museumslandschaft (inklusive teurem Rundgang), fehlende Mittelfristige Förderverträge, behäbige Verwaltungsabläufe, die schlechte Bezahlung in der freien Kunst und Kultur (fehlende Valorisierungen), das nach jahrelangen Verhandlungen noch immer fehlende Kulturhaus im Lungau, die ständige Abwertung des Landeskulturbeirats und jene elf Reformpunkte zur Landeskulturpolitik, die der Dachverband Salzburger Kulturstätten – er vertritt 75 Mitglieder im Bundesland mit rund einer Million BesucherInnen – bereits vor Monaten vorgelegt hat.

Themen zuhauf, aber wer möchte diese öffentlich diskutieren? Wie in Wahlkämpfen üblich, versuchte die Interessenvertretung der freien Kulturszene eine Diskussion mit den SpitzenkandidatInnen der Landtagsparteien zu organisieren, nahm Kontakt auf, lud ein – und scheiterte schließlich. Lediglich Landeshauptfrau Burgstaller (SPÖ) und die Salzburger Grünen (mit Kultursprecher Cyriak Schwaighofer, der die zur Zeit im Untersuchungsausschuss beschäftigte Spitzenkandidatin Astrid Rössler vertritt) konnten sich mit einer öffentlichen Diskussion zum Thema »Kulturpolitik« sofort anfreunden und stimmten zu.

Wenig Bedarf an einer kulturpolitischen Auseinandersetzung ist hingegen auf der politisch rechten Seite zu finden: Von der FPÖ kam eine Absage (angeblich überbeschäftigte Mandadare) – und ÖVP-Spitzenkandidat und Kulturchef seiner Partei, Wilfried Haslauer, bleibt trotz wiederholter Nachfrage verhindert, bietet weder Ersatztermine oder ein Gespräch; so entsteht der Eindruck, der Landeshauptfrau-Stellvertreter scheut die direkte Auseinandersetzung mit seinen Konkurrent/inn/en. Oder ist der ÖVP die Kunst und Kultur nicht so wichtig? Denn die Volkspartei wollte für die Kulturdiskussion einen Vertreter schicken, der nicht einmal für den kommenden Landtag kandidieren wird. Das konnte nicht akzeptiert werden, die geplante Veranstaltung Anfang April wird also abgesagt, bevor noch die Einladungen verschickt sind.

»Der Faktor Kultur wird auch in Zukunft in Salzburg eine zentrale Rolle spielen«, so Dachverband-Vorsitzender Tomas Friedmann, »umso bedauerlicher und unverständlicher, dass Teile der wahlwerbenden Gruppen die öffentliche Diskussion scheuen«. Verwundert zeigt sich der Dachverband Salzburger Kulturstätten auch, dass sich die vier wahlwerbenen Parteien noch immer nicht schriftlich zu den seit Oktober 2012 vorliegenden »Elf Punkte zur Reform der Landeskulturpolitik« geäußert haben. Mit der Landeshauptfrau gab es auf Dachverband-Vorschlag immerhin eine einstündige Diskussion einer Kultur-Delegation mit VertreterInnen aller Sparten. Breiter Konsens scheint bisher nur in einem Punkt zu herrschen: Kultur soll künftig in einer (politischen) Hand sein, so eine zentrale Dachverband-Forderung, und nicht mehr auf vier Ressorts (zwei SPÖ, zwei ÖVP) aufgeteilt werden. Ansonsten spielt die Kulturpolitik wieder einmal eine Statistenrolle …

»Die Elf Punkte«, so Dachverband-Geschäftsführer Thomas Randisek, »wurden aus Unzufriedenheit mit der Kulturpoltik der vergangenen Jahre formuliert – und sie sind topaktuell. Eine Diskussion aller Anliegen sollte demokratiepolitische Pflicht sein!« Der Dachverband wird nach Ostern alle Parteien zu einer neuen Auseinandersetzung einladen, dann bleibt noch ein Monat bis zur Landtagswahl am 5. Mai 2013.

 

Informationen zu »Elf Punkte zur Reform der Landeskulturpolitik«:
http://www.kultplan.at/download/172

Presseaussendung
Dachverband Salzburger Kulturstätten
Mag. Thomas Randisek


Dachverband Salzburger Kulturstätten

Mag. Thomas Randisek

Dachverband Salzburger Kulturstätten
Mag. Thomas Randisek

Die Turbulenzen rund um den Finanzskandal beim Land Salzburg beschäftigen seit Anfang Dezember 2012 Politiker, Journalisten und Betroffene. Nun wurde Mitte Jänner 2013 offiziell bekannt gegeben, das Land hätte bei Spekulationsgeschäften sogar einen Gewinn in Millionenhöhe eingefahren, dem widersprechen anderweitige Aussagen, die vor hohen Verlusten warnen.

Wenig bis gar nicht wurde bisher von der Öffentlichkeit thematisiert, dass auch Kunst und Kultur von den aktuellen Geschehnissen betroffen sind, allein der Dachverband Salzburger Kulturstätten hat bereits am 19. Dezember 2012 in einer Presse-Aussendung darauf ausdrücklich hingewiesen und Landeshauptfrau Gabi Burgstaller aufgefordert, Kultur zur “Chefin-Sache” zur erklären. (Heute heißt es nun, dass der frühere SPÖ-Bürgermeister von Zell am See, Georg Maltschnig, als Finanzreferent Landeshauptmann-Stellvertreter David Brenner nachfolgen soll.) Bereits um Weihnachten wurde seitens des Landes in Briefen an Kulturschaffende versprochen, dass 1/12 der Jahresförderung des Vorjahres im Jänner 2013 ausbezahlt werden – allerdings warten die Einrichtungen zehn Tage vor Ablauf der Frist immer noch auf das zugesagte Geld, Konten müssen überzogen, Kredite aufgenommen, die Stadt um Hilfe angegangenen werden; Unsicherheit macht sich breit.

Mit etwas Verspätung sind nun via Kulturabteilung auch die – vergangenen Herbst zwischen Kulturstätten und der Kulturabteilung des Landes vereinbarten und von Kulturlandesrat David Brenner unterschriebenen – Zielvereinbarungen für 2013 und 2014 ausgeschickt worden – und wo bleibt das Geld? Noch schlimmer als manche Kulturstätten sind einzelne Projekte und Künstler betroffen, die aufgrund mündlicher Zusagen Verpflichtungen eingegangenen sind, persönlich haften und nun auf angewiesene Zuschüsse warten. »Wir brauchen dringend Rechtsicherheit«, betont Tomas Friedmann, Vorsitzender des Dachverbands Salzburger Kulturstätten namens seiner Mitglieder und der gesamten Kulturszene, und fordert die Verantwortlichen auf, dringend offene Fragen zu beantworten:

  1. Wer wird Nachfolger von David Brenner als Kulturlandesrat, falls er auch demnächst von dieser Funktion zurücktritt?
    Vorschlag Dachverband: Bis zur Neuwahl soll Landeshauptfrau Gabi Burgstaller die Abteilung leiten, Kultur zur Chefin-Sache erklären.
  2. Werden alle Zusagen des Landes Salzburg gegenüber Künstlern, Kulturstätten und Projekten 2013 und 2014 eingehalten?
    Forderung Dachverband: Selbstverständlich sind alle Zusagen einzuhalten, es ist rasch Rechtssicherheit herzustellen.

  3. Werden die Landesbudgets 2013 und 2014 gegenüber dem Entwurf verändert und betrifft dies auch die (freie) Kultur?
    Anregung Dachverband: Jetzt die Chance nutzen, das Kulturbudget zugunsten der freien Szene aufwerten und bei langjährigen Einrichtungen wenigstens die Abgeltung der jährlichen Inflationsrate gewährleisten.

Der Dachverband Salzburger Kulturstätten verlangt bessere Kommunikation und erwartet Antworten bei einem Kulturgipfel von Künstlern und Kultureinrichtungen mit Vertretern der Salzburger Landespolitik. Als Termin wird Ende Februar/Anfang März 2013 empfohlen. Dabei soll auch klar gestellt werden, dass Spekulationen – auch über mögliche Kürzungen in der Kultur bei eventuellen Verlustgeschäften des Landes – eine klare Absage erteilt wird!

»Der Frust bei engagierten Künstlern und Kulturvermittlern hat eine Grenze erreicht«, stellt Dachverband-Geschäftsführer Thomas Randisek fest: »Ärger macht sich breit, dass für Events und repräsentative Player immer (mehr) Geld da ist, dass verstärkt Geld in Heimatpflege, Schlösser und Museen fließt, aber bei vielen engagierten freien Kulturstätten seit Jahren nicht einmal die Inflationsrate abgegolten wird. Ja, mit dem Argument, man müsse sparen, wird gekürzt.«

Der Dachverband Salzburger Kulturstätten kann diese Verteilungspolitik nicht akzeptieren, im Gegenteil, man wird künftig verstärkt für mehr Fairness kämpfen und erinnert an die elf Punkte zur Reform der Landeskulturpolitik vom Oktober 2012.

 


Dachverband Salzburger Kulturstätten

Der Dachverband Salzburger Kulturstätten fordert dringend Reformen und bessere Förderungen

Die Turbulenzen rund um den Finanzskandal beim Land Salzburg schlagen hohe Wellen, der Ausgang ist ungewiss, klar sind derzeit vorgezogene Neuwahlen im kommenden Frühjahr sowie – aus menschlichen Gründen durchaus mit einem Bedauern – der Rückzug von Landeshauptfrau-Stellvertreter David Brenner, zuständig für Finanzen, Sport und Kultur im Jänner 2013. Landeshauptfrau Gabi Burgstaller hat angekündigt, die Position von Brenner in der laufenden Legislaturperiode nicht nachzubesetzen, sondern die Ressortagenden (Finanzen, Sport und Kultur) auf die Riege der SPÖ-Mitglieder aufzuteilen. Näheres ist nicht bekannt.

Nun fordert der Dachverband Salzburger Kulturstätten die Salzburger Landeshauptfrau auf, Kunst und Kultur zur Chefin-Sache zu machen. „Vor allem die freie Kunst und Kultur braucht dringend Stabilität und verlässliche Partner, die vorausschauend arbeiten und bedarfsgerecht fördern“, sagt Tomas Friedmann, seit 2005 Vorsitzender des Dachverbands von 75 Salzburger Kulturstätten. In diesen Tagen kam vom Land die Information, dass aufgrund des fehlenden Budgets – geplant war ein Doppelbudget für 2013 und 2014 (darüber gab es mit allen großen Einrichtungen Gespräche und Abmachungen) – kulturelle Einrichtungen im nächsten Monat 1/12 der Jahresförderung 2012 erhalten werden, alles andere sei offen, da für 2013 kein Budget beschlossen ist. Doch auch ohne die gegenwärtigen Turbulenzen ist es Mitte Dezember viel zu spät, um die kaufmännische Sorgfalt für laufende Ausgaben, Gehälter, Verträge, Mieten etc. übernehmen zu können. Dazu Dachverband-Geschäftsführer Thomas Randisek: „Bereits das geplante Kulturbudget ist inakzeptabel, da nach Jahren der Stagnation in vielen Bereichen Feuer am Dach ist. Sollte es nun im neuen Budget ein Nachbeben geben, dann müsse das Land Salzburg die volle Verantwortung dafür tragen.“

Der Dachverband stellt klar, dass mündliche Vereinbarungen – von leitenden KulturbeamtInnen – ebenso gültig seien wie schriftliche, verlangt aber mehr als die Einhaltung der ungenügenden Vorgaben, denn jetzt sei die Chance, das freie Kulturbudget an die Notwendigkeiten anzupassen: „Salzburgs freie Kultur braucht dringend eine politische Führung, der Kunst nicht nur eine Herzensangelegenheit ist, sondern die endlich die Förderungen wenigstens wieder an das Niveau wie vor zehn Jahren (2003) heranführt, als das Land von 100 Kultureuros wenigstens 13 Euro in die freie Szene gesteckt hat, derzeit sind es nicht einmal 10 Euro,“ so der Dachverband. Aktuell sollen auf Kosten der Kulturstätten verstärkt Heimatpflege, Burgen, Schlösser und Museen finanziert werden, während die freie Kultur einen historischen Tiefstand erreicht. „Der Frust bei engagierten Künstlern und Kulturvermittlern hat eine Grenze erreicht“, stellen Thomas Randisek und Thomas Friedmann übereinstimmend fest: „Ärger macht sich breit, dass für Events und repräsentative Player Geld da ist, aber bei vielen engagierten freien Kulturstätten seit Jahren nicht einmal die Inflationsrate abgegolten wird, das sind wieder Kürzungen – mit dem Argument, man müsse sparen.“ Die Kulturpolitik des Landes scheint an die Wand zu fahren, der Dachverband verlangt vorausschauende Reformen und ein Krisengespräch von Vertretern der Kunst und Kultur mit verantwortlichen Politikern und zuständigen Beamten.

Pressemitteilung vom 19. 12. 2012
Dachverband Salzburger Kulturstätten
Mag. Thomas Randisek


Mag. Thomas Randisek

Dachverband Salzburger Kulturstätten erwartet positives Signal vom Land

Herbstzeit ist Klausurzeit. Neben der Kulturabteilung der Stadt Salzburg werden in den kommenden Tagen auch die Weichen für die Kulturförderungen 2013 und 2014 bei einer Klausur des Landes Salzburg gestellt. Diesem Doppelbudget gilt das besondere Augenmerk des Dachverband Salzburger Kulturstätten, der aktuell 76 freie Kulturstätten in Stadt und Land Salzburg mit insgesamt eine Million Besuchern pro Jahr vertritt. Besonderes Augenmerk deshalb, weil die Kulturförderung in Österreich vor allem zu den Aufgaben der Bundesländer gehört. Außerdem hat eine unbefriedigende Fördersituation der freien Szene in Salzburg bereits in den Vorjahren zu teils heftiger Kritik – manchmal noch hinter vorgehaltener Hand – geführt; der Dachverband hat dies gegenüber den Verantwortlichen artikuliert.

»Es gibt Unmut und Unzufriedenheit über die Förderpolitik der freien Szene im Bundesland Salzburg«, sagt Thomas Randisek, Geschäftsführer des Dachverbands Salzburger Kulturstätten, der dringend eine Valorisierung (Indexanpassung zwecks Wertsicherung) des Kulturbudgets fordert. Tomas Friedmann, Vorsitzender des Dachverbands, ergänzt: »Künstlerische Qualität, Engagement und breite Akzeptanz sprechen für die freie Szene.« Dies sei auch anerkannt, müsse sich aber in den Förderungen des Landes zeigen, denn das Budget sei bekanntlich die in Zahlen gegossene Politik. Gesprächsbasis ist für den Dachverband eine automatische jährliche Inflationsrateabgeltung, doch das reicht nicht mehr. Darum betonen Geschäftsführung und Vorsitzender: »Nach Jahren weitgehend gleich bleibender Förderungen und solidarischer Sparbereitschaft erwarten die Kulturstätten, die KulturarbeiterInnen und KünstlerInnen ein deutliches Signal, sprich FAIR PAY – also eine Erhöhung des freien Kulturbudgets, bedarfsgerechte Förderungen und Investitionen.«

Gegenwärtig beträgt das freie Kulturbudget des Landes Salzburg nicht einmal 10 Prozent des gesamten Kulturbudgets, konkret nur 4,6 Millionen Euro für alle Sparten, KünstlerInnen, Projekte etc. zusammen. Der Dachverband geht nach Berechnungen von einem Mehrbedarf von insgesamt rund 1,3 Millionen Euro im Budget aus. Sicher ist bisher, dass das Gesamt-Kulturbudget des Landes Salzburg – 2012 betrug es 47,6 Millionen Euro – in den beiden nächsten Jahren steigen wird, z.B. durch Übernahme der Ausfallshaftung für die Osterfestspiele. Und die freie Kunst & Kultur? Wird ihr Anteil am Landesbudget weiterhin lediglich 0,21 Prozent betragen? Werden also auch künftig von 100 Euro in Salzburg nur 21 Cent in die freie Kultur investiert?

Besonderen Nachholbedarf wird in drei Detailbereichen geortet:

Freie Theater
Der Dachverband fordert die deutliche Anhebung des beschämenden Budgetsansatzes von nur 160.000 Euro für 28 Theatergruppen und Projekte.

Freie Filmproduktionen
Der Dachverband stellt ein Auseinanderklaffen von kommerzieller Filmförderung und der Förderung des Salzburger Filmschaffens fest und verlangt das Zurechtrücken der Relationen (wiewohl man sich nicht der auf Tourismus ausgerichteten Filmwirtschaftsförderung verschließt).

• Freie Medien
Auch in diesem Förderbereich sollte das Land Salzburg mit den Förderungen der Stadt Salzburg gleichziehen. Dies gilt insbesondere für die Förderung von Radiofabrik und FS1 Community TV, beide sind unterdotiert.

Daten und Fakten zu den Kulturbudgets von Stadt und Land Salzburg finden Sie unter http://www.kultplan.at/material


Presseaussendung
Dachverband Salzburger Kulturstätten
Mag. Thomas Randisek


Das Salzburger Landeskulturbudget von 1996 bis 2012 in einer Übersicht.

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Braucht Salzburg eine Landesbeauftragte für kulturelle Sonderprojekte?
Der Dachverband Salzburger Kulturstätten sieht ungenutztes Sparpotential und fordert Reformen

In Sachen Schnelligkeit macht der ÖVP Salzburg keiner so schnell etwas vor. Bereits drei Wochen vor dem offiziellen Ausscheiden von Prof. Alfred Winter mit Ende Dezember 2011 als »Landesbeauftragter für kulturelle Sonderprojekte« wurde von Landeshauptmann-Stellvertreter Dr. Wilfried Haslauer (ÖVP) die Nachfolgerin präsentiert. Die SPÖ benötigte drei Monate für die Nachbesetzung der Abteilungsleitung »Referat Kunstförderung« Anfang Oktober 2011 nach der Pensionierung von Dr. Berginz.

Eine Frage muss in Zusammenhang mit der Winter-Nachfolge allerdings gestellt werden: Braucht die Verwaltung des Landes Salzburg, deren Kosten 2012 laut Voranschlag um 2,5 Prozent auf rund 250 Millionen Euro steigen werden (bei gleichzeitiger Kürzung von Kulturförderungen), überhaupt einen derartigen Posten – noch dazu ohne Ausschreibung? Genau hier liegt Einsparungspotential, stellt der Dachverband Salzburger Kulturstätten fest. »In diesem Fall hätte etwas Entschleunigung durchaus gut getan«, sagt Tomas Friedmann, Vorsitzender der Interessensvertretung an die Adresse von Haslauer: »Besser vorher laut nachdenken und dann erst sinnvoll handeln – das könnte Geld sparen helfen, Geld, das andere dringend benötigen.«

Dachverband-Geschäftsführer Thomas Randisek fragt konkret nach: »Würde die Auslagerung der Agenden an einen Kulturmanager bzw. eine Kulturmanagerin dem Steuerzahler nicht wesentlich günstiger kommen? Welche Aufgaben werden denn in einer derartigen gut dotierten Beamtenfunktion im Detail ausgeübt? Braucht das Land überhaupt eine eigene Stelle für kulturelle Sonderprojekte?«
Fragen, die sich aufdrängen, denn: Landesausstellungen gibt es im Bundesland Salzburg – aus guten Gründen – keine mehr. Was macht also die neue Landesbeauftragte? Seinerzeit entstand das Büro »Kulturelle Sonderprojekte« ja in Zusammenhang mit einem umfassenden Projekt zur kulturellen Regionalisierung, das bei der Schaffung des Nationalparks Hohe Tauern (1984) initiiert wurde. Wer jedoch heute unter aktuellen Veranstaltungen auf der Homepage des Landes Salzburg sucht, der findet als jüngste Eintragung die Ankündigung einer Veranstaltung vom Oktober 2010, sowie – zweitaktuell – eine Ankündigung des »Haydn Jahr 2006«.

Allerdings: Das Büro für kulturelle Sonderprojekte vergibt auch Förderungen. Nur: Nach welchen Kriterien wird wieviel an wen ausgeschüttet? Zuletzt betrugen die Mitteln aus dem Topf »Kulturelle Sonderprojekte« im Jahr 2010 laut Landes-Rechungsabschluss 349.000 Euro. Der Dachverband kritisiert, dass – im Unterschied zu allen anderen Kulturförderungen – nicht öffentlich nachvollziehbar ist, an welche Institutionen oder Personen welche Förderungen zu welchem Zweck ausbezahlt wurden bzw. werden. Oder gibt es in irgendeiner Schublade eine Dokumentation?

Die Interessenvertretung von 75 zeitgenössischen Kulturveranstaltern im Bundesland Salzburg mit insgesamt rund 1 Million Besuchern appelliert an die Regierungsparteien SPÖ und ÖVP im Sinne einer sparsamen Nutzung von öffentlichen Geldern:

1. Das Büro für Kulturelle Sonderprojekte soll mit Beginn des Ruhestandes von Alfred Winter per 1. Jänner 2012 ersatzlos geschlossen werden.

2. Alle in diesem Zusammenhang frei werdenden, budgetierten finanziellen Mitteln sollen zur Erhöhung des »freien Kulturbudgets« verwendet werden – für dringend notwendige Valorisierungen, für Künstlerprojekte, für Strukturförderungen und vor allem für die unterdotierten Bereiche Freie Theatergruppen und Freie Filmförderung sowie zur Installierung eines Topfes »Landesfonds für Alternativ-Medien«.

3. Die Fördermittelvergabe der frei werdenden 350.000 Euro soll künftig an das bestehende Referat für Kunstförderung angegliedert und öffentlich dokumentiert werden.

Für Beratungsgespräche steht man grundsätzlich zur Verfügung, so der Dachverband Salzburger Kulturstätten abschließend.


Presseaussendung
Dachverband Salzburger Kulturstätten
Mag. Thomas Randisek
Dreifaltigkeitsgasse 3/3
5020 Salzburg
Tel: 0662 – 87 99 57
Mobil: 0650 – 970 29 08
http://www.kultur.or.at
http://www.kultplan.at
fair pay für kulturarbeit: kultur muss sich lohnen