dorfzeitung _quer

Vor genau 50 Jahren trat die English Drama Group Salzburg mit zwei Einaktern von Edward Albee erstmals öffentlich auf. Mit einem Mini English Drama Festival wird in der ARGEkultur von 5. bis 10. Juni 2017 Geburtstag gefeiert.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Nachdem am 5. Juni die Pennyless Players aus Graz mit Yasmina Rezas Komödie „Art“ zu Gast waren, feierte die engagierte Salzburger Truppe am 6. Juni mit einer schwarzhumorigen Komödie von David Bottrell und Jessie Jones Premiere. Im Anschluss an die Vorstellung versammelten sich ehemalige Mitspieler auf der Bühne und stießen mit den Schauspielern auf weitere 50 Jahre English Drama Group Salzburg an.

___STEADY_PAYWALL___

Während Raynelle ihrem Mann beim Frühstück einen Brief seiner Schwester Marguerite vorliest, trifft diesen der Schlag. Nach 39 geduldig ertragenen Ehejahren hält sich die Trauer der Witwe in Grenzen. Nun heißt es, Vorbereitungen für ein würdiges Begräbnis zu treffen und die Familie um den Sarg zu versammeln. Die stets hungrige, einsilbige Tochter Delightful weicht nicht von der Seite ihrer Mutter, doch Hilfe ist von ihr keine zu erwarten.

Die Familienverhältnisse der beiden Söhne hingegen bergen enormes Konfliktpotential. Während Ray-Bud zum Ärger seiner Frau Lucille gerne einen über den Durst trinkt, ist Junior permanent pleite und muss sich mit seiner nicht zu Unrecht eifersüchtigen Frau Suzanne und drei lebhaften Kindern herumschlagen. Auch der arbeitslose Sohn der bigotten Marguerite ist alles eher als ein Musterknabe. Handfeste Streitereien sind also vorprogrammiert. Zur Totenwache tauchen dann auch noch jede Menge schrullige Nachbarn und Freunde auf. Nur der Reverend lässt auf sich warten.

Die verrückte Geschichte dieser abstrusen Trauerfeierlichkeiten wird von diversen „Commercials“ unterbrochen, in denen aufgedrehte, blondgelockte Damen mit piepsiger Stimme nicht nur für Bestattungsunternehmen werben. Alois Ellmauers minimalistisches Bühnenbild mit seinen verschiebbaren weißen Wänden öffnet immer neue Räumlichkeiten  und gewährt Einblicke in diverse Wohn- und Schlafzimmer, wo ordentlich gestritten und gelästert wird. Leben und Sterben dürfte im Süden Amerikas nicht so einfach sein. Kein Wunder, dass Ray-Bud seine Frau bittet: „Wenn ich sterbe, sag es niemandem, begrabe mich im Hinterhof und sage allen, dass ich dich verlassen habe.“

Michael Darmanin gelingt es, mit seinem engagiert aufspielenden Ensemble (18 Personen!) Südstaaten-Flair auf die Bühne der ARGEkultur zu zaubern, wobei der charakteristische Akzent nicht zu überhören ist. Ein turbulenter, sehr unterhaltsamer Theaterabend. Nochmals „Happy Birthday“ der English Drama Group Salzburg. Zum Abschluss des Mini English Drama Festivals gastiert am 10. Juni das Entity Theatre e.V. aus München mit „Numbers“, einem Drama des spanischen Autors Mar Gómez Glez.

Dearly Departed“ von David Bottrell und Jessie Jones. ARGE theater – Koveranstaltung mit English Drama Group Salzburg. Producer and Director: Michael Darmanin. Assistant to Director: Desireé Frasnelli. Set: Alois Ellmauer. Costumes and Make-up: Hellmut Hölzl. Cast: Sandra Pendlebury Laing, Benjamin Scherer, Shalaine Schamrel, Konstantin Beck-Mannagetta, Claire Glover, Desireé Frasnelli, Kimberly Scherer, Wolfgang Schneeberger, Michael Darmanin, Albert Ertl, Eva Nedwed, Katharina Enzinger, Heike Maria Wild, Barbara Scherer, Samuel Scherer, Abbie Speller, Janna Ramos Violante, Vera Kern. Fotos: ARGEkultur


FrauKnorr

Die English Drama Group Salzburg garantiert mit Tom Stoppards rasanter Verwirrkomödie, basierend auf Johann Nestroys „Einen Jux will er sich machen“, in der ARGEkultur beste Unterhaltung. Regisseur Michael Darmanin weist vor der Premiere am 17. Mai 2016 darauf hin, dass es nicht einer gewissen Komik entbehre, einem vorwiegend deutschsprachigen Publikum Wiener Volkstheater in englischer Sprache zu servieren.

elipi_aVon Elisabeth Pichler

Der Gemischtwarenhändler Zangler will nach Wien aufbrechen, um mit seiner Verlobten, Madame Knorr, fein auszugehen. Vorsorglich schickt er seine Nichte Marie zu seiner Schwägerin, Frau Blumenblatt, um sie von den Avancen des mittellosen Herrn Sonders fernzuhalten. Leider haben sein Angestellter Weinberl und der Lehrling Christopher so gar keine Lust, das Geschäft zu hüten. Sie beschließen, ebenfalls nach Wien zu fahren, um so richtig einen draufzumachen (engl: to go on the razzle). Natürlich kommt den beiden in der Hauptstadt ständig ihr Chef in die Quere. Fürs Erste gelingt es ihnen zwar, sich in einem Modesalon zu verstecken, doch nun beginnt das Verwechslungsspiel erst richtig. Auch Marie ist mit ihrem Liebsten auf der Flucht und versucht ständig, ihrem Onkel aus dem Weg zu gehen. Schließlich landen sie alle in dem piekfeinen „Imperial Garden Café“, nur durch einen Paravent voneinander getrennt. Trotz aller Turbulenzen finden zum Finale drei Paare zueinander und das ganze Chaos löst sich in Wohlgefallen auf.

opening.christopher

Albert Ertl macht in der Rolle des stets polternden Gemischtwarenhändlers Zangler trotz seiner absolut lächerlichen Uniform eine imposante Figur. Sein schlitzohriger Diener Melchior (Philippos Ioannou) sorgt ständig für Turbulenzen. Weinberl (Benjamin Scherer als unternehmungslustiger Angestellter) und Christopher (entzückend Kristina Ennikl als frischer Lehrbub) schwindeln sich mit List durch jede brenzlige Situation und umschmeicheln die noblen Wiener Damen Madame Knorr (Sandra Pendlebury Laing) und Witwe Fischer (Julia Litzlbauer). Auch kleinere Nebenrollen sind großartig besetzt. So vernascht Irene Sulzbacher als französisches Stubenmädchen jeden Mann, der ihr in die Quere kommt. Florian Friedrich hingegen sorgt als arroganter Kellner für Heiterkeit.

Zangler01

Alois Ellmauer zeichnet verantwortlich für das geschmackvolle und praktikable Bühnenbild, das sich von den Schauspielern, unterstützt von zündenden Rhythmen, immer wieder in Windeseile umbauen lässt. Die edlen, stilvollen Kostüme der Damen sowie die „prachtvolle“ Uniform des Herrn Zangler stammen von Hellmut Hölzl. Michael Darmanin ist es gelungen, mit einem spielfreudigen Ensemble eine schwungvolle Gesellschaftssatire auf die Bühne zu zaubern. Nestroy funktioniert offensichtlich auch in englischer Sprache hervorragend.

On The Razzle“ von Tom Stoppard. Regie: Michael Darmanin. Bühne: Alois Ellmauer. Kostüme: Hellmut Hölzl. Mit: Kristina Ennikl, Katharina Enzinger, Albert Ertl, Mireia Esteban, Desireé Frasnelli, Florian Friedrich, Philippos Ioannou, Julia Litzlbauer, Leonard Messmer, Toralf Neuling, Sandra Pendlebury Laing, Benjamin Remmelberger, Benjamin Scherer, Irene Sulzbacher, Gaëtan Sanchez, Fabian Schober, Elisabeth Enzinger.

.

 


edg_09

2014 feiert William Shakespeare seinen 450. Geburtstag. The English Drama Group Salzburg hat weder Kosten noch Mühen gescheut und in der ARGEkultur mit einem großartigen Ensemble (16 Personen!) diese frühe Komödie des Dichters zur Aufführung gebracht. Die Liebeswirren in „Bella Italia“, in Szene gesetzt von Michael Darmanin, begeisterten das Publikum.

elipi_aVon Elisabeth Pichler.

Der vermögende Baptista Minola hat es nicht leicht mit seinen Töchtern. Während der jüngeren, der hübschen und braven Bianca, die Männer zu Füßen liegen, schaut es für die ältere, die ruppige, kratzbürstige Katharina, nicht so rosig aus. Doch bevor diese nicht verheiratet ist, kann auch ihre Schwester nicht vor den Traualtar treten. Da trifft es sich gut, dass Petruchio auftaucht, der auf der Suche nach einer reichen Partie ist. Er erweist sich als ebenbürtiger Gegner für Katharina und erzwingt schließlich eine Heirat. Nach der Hochzeit, zu der er sich verspätet und in einem unbeschreiblich peinlichen Kostüm erscheint, schleppt er sie in sein Landhaus. Er lässt sie hungern und nicht einmal zum Schlafen kommen. Er nimmt ihr so lange alle Freuden, bis sie schließlich klein beigibt und selbst die Sonne für den Mond hält, wenn er es so wünscht.

Vor dem Haus der schönen Bianca (Ninna Pohjola) ist mächtig was los. Wer wird der Glückliche sein? Während sich die Nachbarn, der alte Gremio (Judith Winter mit Mut zur Hässlichkeit) und Hortensio (Katharina Enzinger) große Chancen ausrechnen, flirtet Bianca ganz ungeniert mit dem jungen Lucentio (Kira Freyer). Desireé Frasnelli darf als wilde Katharina das Nudelholz schwingen und sich in ein hinreißend voluminöses Hochzeitskleid quälen. Albert Ertl verströmt als wilder Petruchio anfangs einen gewissen Charme, doch nach der Hochzeit ist es aus mit seinen Manieren. Er führt sich auf wie ein Rüpel und verbreitet Angst und Schrecken, nicht nur bei Katharina, sondern auch bei seiner Dienerschaft. Köstlich Verena Holztrattner und Caroline Viktoria Kranzl als hochnäsige Modeschöpfer, die ebenfalls unter Petruchios Wutanfällen zu leiden haben. Köstlich auch Scarlett de Bontin als vorlauter, frecher kleiner Diener Biondello.

Zwischen den einzelnen Szenen sorgen schmalzige „Canzoni Italiane“ für die passende romantische Stimmung. Drei hohe, weiße Hauswände und ein kleiner Balkon vermitteln italienisches Flair. Phantasievoll und stimmig die Kostüme, die reizenden Petticoat-Kleider der 50er-Jahre, die edlen Anzüge der Brautwerber und das leicht schmuddelige Outfit der Dienerschaft. Auch die Maske war schwer im Einsatz, waren doch zehn Damen in mehr oder weniger edle Herren zu verwandeln.

Für diesen fast dreistündigen wunderbaren Shakespeare-Theaterabend sind keine perfekten Englischkenntnisse von Nöten. Man muss nicht unbedingt jedes Wort verstehen, um diese hinreißende Inszenierung eines Klassikers zu genießen.

 „The Taming oft the Shrew – a comedy by William Shakespeare. Eine Ko-Veranstaltung von EDGS und ARGEkultur. Producer Director: Michael Darmanin. Cast: Daniel Freyer, Desireé Frasnelli, Ninna Pohjola, Kira Freyer, Daniel Schoeppl, Scarlett de Bontin, Julia Litzlbauer, Judith Winter, Katharina Enzinger, Albert Ertl, Michael Darmanin, Lisa Picker, Verena Holztrattner, Caroline Viktoria Kranzl, Sandra Pendlebury Laing, Theresa Dornstädter. Fotos: © Sabine Jacobs