dorfzeitung _quer

Auf „Sommerfrische“ am Wartstein

Zur Freude des Publikums deckt Helmut Vitzthum bei den Schlossbergspielen in Mattsee mit seiner flotten Komödie schonungslos die Schwächen von „Ösis“ und „Piefkes“ auf. Familie Hansemann aus Bochum verbringt ihren Urlaub mit ihren beiden halbwüchsigen Kindern in der Pension „Seeblick“ bei Familie Frasinger, da sind Missverständnisse aller Art vorprogrammiert.

elipi_aVon Elisabeth Pichler

Familie Hansemann wird mit einem exklusiven Oldtimer von der „Ferdinand Porsche Erlebniswelt Fahr(t)raum“ in Mattsee auf den Schlossberg chauffiert, doch dann lässt Rüdiger seine Frau Else mit dem Gepäck in Stich. Auch die Kinder Jan Olaf und Katja scheinen nicht zu bemerken, wie sich ihre Mutter abmüht. Die resche Pensionsbesitzerin Traudi (Andrea Ausweger) will den Gästen aus Bochum mit einem vielseitigen Unterhaltungsprogramm einen möglichst abwechslungsreichen Urlaub bieten. Radverleih, Jodelkurs, Kuhattacken-Coaching inklusive Melkkurs sowie eine asiatische Wohlfühlmassage mit Kuhglocken-Meditation für die gestresste Hausfrau versprechen pures Urlaubsvergnügen. Ihr Gatte Karli (Michael Rank) zeigt wenig Begeisterung. Er könnte auf die stressigen Gäste verzichten.

Karsten Grigo überzeugt als „Ruhrpott-Piefke“ mit umwerfend charmantem Befehlston. Sein ständiges „Else, jetzt komm doch!“ und „Else, jetzt mach doch mal!“ lässt vor allem die Damen im Publikum zusammenzucken. Doris Lindner verkörpert Else, „diese dusslige Kuh“, hinreißend. Sie wankt und stolpert hinter ihrem herrischen Mann her, fest davon überzeugt, dass er eigentlich ein ganz lieber, netter Kerl ist. Mit Ohrstöpseln bewaffnet fadisiert sich Melissa Mayr als Katja, die stets schlecht gelaunte Tochter der Hansemanns. Sven Carl als ihr höflicher Bruder Jan Olaf muss ständig gesucht werden, droht er doch, in der „Wildnis“ verloren zu gehen. Brav absolviert Familie Hansemann die angebotenen Kurse, Else lässt sich von der erleuchteten Shira (Julia Mayr) massieren, Rüdiger versucht sich im Jodeln. Bei einer Hochgebirgstour auf den Wartstein wird die Familie allerdings von der Dunkelheit überrascht. Kein Grund zur Aufregung, laut Rüdiger eindeutig ein Fall für die Bergrettung.

LeRoXa-5974_k

Marius Holzer sorgt als Wandercoach und Experte für Kuhattacken für die gewünschte Action, assistiert von Barbara Bonn im Ganzkörper Kuh Kostüm. Waltraud Gregor hat alternierend mit Martina Stiegler ihren großen Auftritt als grüne Landeshauptmannstellvertreterin. Das spielfreudige Ensemble wird komplettiert von Sigi Distl als Tourismuschef und Jörg Neundlinger als „Buagamasta“, die sich redlich bemühen, den Fremdenverkehr anzukurbeln.

Das Volksmusikduo LeRoXa (Lena Scheibner und Alexander Reicher) sorgt mit seinen humorvollen Mundart-Liedern für die stimmungsvolle Untermalung des turbulenten Geschehens auf der Naturbühne am Schlossberg. Helmuth Vitzthum gelingt mit der von ihm verfassten und in Szene gesetzten Komödie Sommertheater im positiven Sinn. Jubel bei Urlaubern und Einheimischen. Weitere Vorstellungen am 19., 20., 21., 23., 26., 27 und 28. August, jeweils um 19.30 Uhr. (Bei Regen entfällt die Vorstellung.)

„Sommerfrische“ – Schlossbergspiele Mattsee. Text und Regie: Helmut Vitzthum. Darsteller: Karsten Grigo, Doris Lindner, Melissa Mayr, Sven Carl, Andrea Ausweger, Michael Rank, Hannah Strasser, Sigi Distl, Jörg Neundlinger, Marius Holzer, Julia Mayr, Alexander Reicher, Barbara Bann, Waltraud Gregor / Martina Stiegler. Musik: LeRoXa (Lena Scheibner, Alexander Reicher) Fotos: Freie Bühne Salzburg


„Jedermann“ – vor überwältigender Naturkulisse

Helmut Vitzthum inszeniert Hugo von Hofmannsthals Klassiker im schlossähnlichen Ambiente des Gwandhauses Salzburg. Die Besucher der zweiten Vorstellung am 1. Juli 2015 durften die Vorstellung an einem lauen Sommerabend genießen.

gossl_1

Göll, Tennengebirge und Untersberg glühten im Abendrot und zum Sterben des Jedermanns erschien hinter den mächtigen Bäumen der Vollmond. 

elipi_a

Von Elisabeth Pichler

Elfi Eschke fungiert als Spielansagerin und ermahnt uns, auch wirklich die Lehre aus dem Stück zu ziehen. Vor einer langen, üppig mit Speis und Trank gedeckten Tafel lernt das Publikum den wohlhabenden Herrn Jedermann kennen. Er plant ein luxuriöses Lustschloss für seine Geliebte, für Bettler und Schuldknechte empfindet er kein Mitleid. Er ahnt nicht, dass Gott bereits einen Boten ausgesandt hat, um dem liederlichen Treiben ein Ende zu setzen.

___STEADY_PAYWALL___

Thomas Peschke überzeugt als junger, lebenslustiger Jedermann, dem das unvermeidliche Ende noch unendlich fern scheint. Gabriele Falkner hat es als Mutter nicht leicht mit ihrem Sohn, steht diesem doch der Sinne so gar nicht nach Frömmigkeit. In einer beeindruckenden Szene versucht sie, ihren Sohn auf den rechten Weg zu führen. Nadine Mühlböck bringt als Buhlschaft Leidenschaft und Sinnlichkeit auf die Bühne. Gemeinsam mit der munteren Tischgesellschaft wird kräftig gefeiert und wild getanzt, bis eine eigenwillige Melancholie des Hausherrn die Stimmung trübt. Bàlint Walter tritt als Tod auf und verrichtet majestätisch, ruhig und gelassen sein Amt. Mit seiner souveränen Ausstrahlung würde er auch am Domplatz keine schlechte Figur machen.

gossl_2

Melanie Arnezeder als Mammon umkreist spinnenartig ihren Besitzer, um sich dann – wie alle übrigen – lachend aus dem Staub zu machen. Der Dicke Vetter (Johannes Konrad) und die Base (Sylvia Rohr) sorgen als trinkfreudiges Pärchen stets für gute Stimmung und scheuen nicht davor zurück, sich noch schnell die Taschen zu füllen, bevor es ganz aus ist mit dem lustigen Leben. Dem Verlassenen eilen die Guten Werke (Elisabeth Lidwina Weninger) zu Hilfe und lassen ihn neuen Mut schöpfen.

Jedermann

Irene Geigand, die als Glaube wie eine Rachegöttin auftritt, weiß genau, wie sie Jedermann überzeugen kann. David Ketter hat als Teufel einen kurzen, aber intensiven Auftritt. Fast könnte man Mitleid mit ihm empfinden, wird ihm doch die sichere Beute im letzten Moment abspenstig gemacht. Regisseur Helmut Vitzthum hat das Finale ordentlich entstaubt und lässt Jedermann in einer friedlichen Umarmung sanft entschlummern, bevor er in Begleitung von Tod, Glaube und Guten Werken zwischen den Bäumen verschwindet.

Eine gelungene Inszenierung, die durch ihre neutrale Sichtweise zu überzeugen weiß. Ein ganz außergewöhnlicher Jedermann, in dem bei passendem Wetter die Natur für eine prachtvolle Kulisse sorgt. Viel Applaus für das in edle Gössl-Tracht gekleidete Ensemble und das Trio Violano, das die Aufführung mit irischen Klängen begleitet.

gossl_4

„Jedermann“ – Freie Bühne Salzburg. Regie: Helmut Vitzthum. Musikalische Leitung: Manuel Stocks. Choreografie: Martina Maly. Mit: Elfie Eschke, Thomas Peschke, Bálint Walter, Martina Maly, Christian Schiesser, Johannes Konrad, Johannes Hellinger, Nadine Mühlböck, Johannes Konrad, Sylvia Rohr, Melanie Arnezeder, Elisabeth Lidwina Weninger, Irene Geigand, David Ketter, Musik: TRIO VIOLANJO (Manuel Stocks, Tanja Kronheim, Izabella Egri) Fotos: Freie Bühne Salzburg


Der liebeskranke König

„Der liebeskranke König“ – ein Schlossmärchen

Zum 5-Jahre-Jubiläum der Schlossbergspiele Mattsee unterhält Theatermacher Helmut Vitzthum das Publikum mit einem von ihm selbst verfassten Märchen. Über den einfältigen König, der am liebsten mit seinem Teddybären spielt, amüsieren sich Jung und Alt gleichermaßen. Die Premiere fand am 1. August 2014 bei traumhaftem Sommerwetter statt.

elipi_aVon Elisabeth Pichler

Vier übermütige junge Mädchen tanzen zu Beginn über die bemoosten Steinstufen des Naturtheaters und singen ein fröhliches Liedchen über den einst mächtigen König, der nun leider so schrecklich dumm sei. König Leopold ist über den plötzlichen Tod seiner geliebten Gattin nicht hinweggekommen und hat sich in kindliche Einfältigkeit geflüchtet. Nun sitzt sein Bruder auf dem Thron und kassiert die Steuern, während der völlig verarmte Ex-König von seinem treuen Diener Johann versorgt wird. Dieser täuscht seinen Herrn mit viel Geschick über die wahren Verhältnisse hinweg. Die übrige Dienerschaft hat genug von diesem „Affentheater“ und droht ständig mit Kündigung. Die einzige Rettung aus dieser prekären Situation scheint die Heirat des Königs mit einer reichen Frau zu sein. Frau Sonnenschein von der Partnervermittlung „Lebenslänglich“ ist zuversichtlich, denn für einen König sollte es doch nicht schwierig sein, die passende Dame zu finden. Ob die Gräfin Brunhilde von Salzburg und ihr Töchterchen, die zauberhafte Violetta, wirklich so gut betucht sind, wie sie behaupten, scheint zweifelhaft.

Michael Rank überzeugt als einfältiger, bemitleidenswerter König, der so gar nicht verstehen will, wozu er eine Frau brauchen sollte. Kein Wunder, dass die junge Violetta (Julia Maier) keine rechte Begeisterung für diese gute Partie aufbringen kann. Doch Karin Meingast, hinreißend als geldgierige Mutter, Kupplerin und falsche Gräfin, kennt keine Gnade. Bei einem König heißt es: „Augen zu und durch.“ Marius Holzer, der 2012 als Meier Helmbrecht auf der Schlossbergbühne stand, darf als Diener Johann erneut sein komisches Talent unter Beweis stellen. Mithilfe der aufsässigen Dienerschaft, die nur widerwillig den großen und starken König preist, gelingt es ihm, seinem Herrn und König eine heile Welt vorzugaukeln.

Das wundersame Märchen aus der Feder von Helmut Vitzthum unterhält mit viel Wortwitz und pointierten, intelligenten Seitenhieben, die an beide Geschlechter gleichermaßen ausgeteilt werden. Das rundum gelungene Sommertheater in der einzigartigen Kulisse des Schlossberges Mattsee sollte man sich nicht entgehen lassen. Die Aufführungen finden nur bei Schönwetter statt.

 „Der liebeskranke König“ – Text & Regie: Helmut Vitzthum. Technik: Roland Lederer. Mit: Michael Rank, Marius Holzer, Doris Lindner, Karin Meingast, Julia Maier, Helmut Vitzthum, Gaby Rindberger, Thomas Peschke, Sandra Österbauer, Sarah Maislinger, Hedwig Reschreiter, Isabella Meingast, Meike Asen, Angelika Meingast, Emma Gassner.


„Der Meineidbauer“
Schlossbergspiele Mattsee 2013

Die Freie Bühne Salzburg präsentiert vor der wildromantischen Kulisse des Theaters am Schlossberg Ludwig Anzengrubers Volksstück mit Gesang, uraufgeführt 1871 in Wien. Das mehrfach verfilmte Bauerndrama um moralische Verfehlungen und deren fatale Auswirkungen wurde von Helmut Vitzthum, der auch die Rolle des Kreuzweghofbauern übernimmt, in Szene gesetzt.

Von Elisabeth Pichler.

Nach dem plötzlichen Tod seines Bruders öffnet Franz heimlich dessen Testament. Als er erfahren muss, dass dieser den Hof seiner Lebensgefährtin, einer einfachen Magd, und seinen unehelichen Kindern vermachen will, verbrennt er das Schriftstück. Er wird dabei von seinem 12-jährigen Sohn Franz überrascht, den er daraufhin zum Studieren wegschickt. Vor Gericht schwört er einen Meineid, der ihm den Kreuzweghof sichert. Vroni, Marie und deren Mutter müssen den Hof verlassen, sie suchen Zuflucht bei der Großmutter in der „Ahnlhütte“ in Ottenschlag. Als Vroni acht Jahre später ein Beweisstück in die Hände fällt, welches ihre Ansprüche auf den Hof untermauert, wird die Situation dramatisch, denn der Kreuzweghofbauer schreckt vor nichts zurück, um sich den verräterischen Brief zurückzuholen.

Das schlechte Gewissen setzt dem Kreuzweghofbauern (Helmut Vitzthum) schwer zu. Er wirkt mürrisch und verbittert, da helfen weder der Besitz des größten Bauernhofes weit und breit noch seine aufgesetzte Frömmigkeit. Schwer enttäuscht ihn sein Sohn Franz (Marius Holzer), als dieser sich weigert, Geistlicher zu werden, denn in ihm wollte er einen Fürsprecher beim Herrn finden. Selbstbewusst tritt Vroni (Doris Lindner) dem Großbauern gegenüber. Sie haben die Schicksalsschläge stark gemacht, während ihre Schwester Maria nach einem Leben voller Not und Schande früh sterben musste.

Auf der Naturbühne wurden zwei rustikale Wohnstuben errichtet. In der „Ahnlhütte“ wohnt die Großmutter, die „Burgerlies“, die den Glauben an Gott verloren hat. In der guten Stube des Kreuzweghofs findet die dramatische Auseinandersetzung zwischen dem Meineidbauern und seinem Sohn Franz statt. Das Volkmusikduo LeRoXa sorgt mit zeitgenössischen Heimatliedern für die passende Untermalung.

Die Premiere am 1. August 2013 fand bei sommerlichen Temperaturen statt. Wie bestellt, fielen zum Finale im leichten Abendwind Blätter auf die Bühne. Viel Applaus für das packende Drama und das engagierte Ensemble der Freien Bühne Salzburg.

„Der Meineidbauer“ – Österreichisches Volksstück von Ludwig Anzengruber mit Livemusik vom Volxmusikduo LeRoXa. Regie: Helmut Vitzthum. Musik: Volxmusikduo LeRoXa – Lena Scheibner: Gesang, Gitarre, Alexander Reicher: Gesang, Gitarre, Mundharmonika, Nasenflöte. Mit: Doris Lindner, Helmut Vitzthum, Sylvia Rohr, Marius Holzer, Johannes Konrad, Florian Friedrich, Karin Meingast, Julia Mayr, Christian Kopecek, Helena Veitl, Alisia Young, Nina Gastager, Daniel Schröckenfuchs.