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Ritter Kamenbert

30 Jahre nach der Uraufführung an der Salzburger Elisabethbühne begeistert das schmissige Kindermusical von Peter Blaikner, Cosi M. Goehlert und Ernst Wolfsgruber im nunmehrigen Schauspielhaus Salzburg wiederum ganze Familien. Peter Blaikners Sohn, Ben Pascal, Kritiker der ersten Stunde, kennt den tollpatschigen Käseritter besonders gut und darf nun als Regisseur seine eigenen Ideen einbringen. Ein durchschlagender Erfolg ist garantiert.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Der König von Gorgónzola weiß immer genau, wo er seinen missratenen Sohn finden kann, denn Kamenbert treibt sich nur allzu gerne in der königlichen Speisekammer herum, um Käse zu naschen. Als er seinen „käsesüchtigen Milchbuben“, der absolut nicht kämpfen will, wieder einmal dort erwischt, droht er, ihn zu enterben. Er gibt ihm jedoch noch eine allerletzte Chance. Kamenbert soll ihm das Zauberschwert Romadur besorgen. Dem Waffenschmied, Meister Alberich, fehlt jedoch noch eine magische Zutat für das Zauberschwert: der Drachenkäse. So macht sich Kamenbert auf den Weg zur Drachenhöhle. Zum Glück trifft er im Wald auf die furchtlose, unternehmungslustige Karoline, die ihn nur allzu gerne auf dieser gefährlichen Mission begleitet.

Die Studierenden der hauseigenen Schauspielschule sind diesmal ganz unter sich und überzeugen mit Spielfreude, Temperament, Musikalität und schauspielerischem Können. Lukas Koller gibt den liebenswerten, etwas tollpatschigen Käseritter und Julia Rajsp die unternehmungslustige Karoline. Marco Vlatcovis poltert und humpelt als gestrenger König von Gorgónzola über die Bühne, als Drachenonkel ist aber nur seine raue Stimme zu hören.

Die drei streitbaren Käsedamen (Bianca Farthofer, Lena Steinhuber und Helena May Heber) sind auch als entzückende Drachenkinder zu bewundern, die ständig tanzen und singen und ihren Onkel Draki um den Finger wickeln. Julian Dorner schmiedet als kraftstrotzender Alberich das sagenhafte Zauberschwert. Der Auftritt der zwei Straßenräuber ist stets ein Garant für Heiterkeit, denn Klops (Raphael Steiner) vereitelt als „fleischgewordene Dummheit“ stets die „genialischen“ Ideen seines Kompagnon Quargel (Corinna Bauer). Die schmerzhaften Attacken eines Pferdes mit Tarnkappe auf die beiden Schurken kommen bei den Kindern besonders gut an.

Hellbraune Pappe dominiert das
Bühnenbild (Ausstattung: Agnes Hamvas). Die riesengroße
Käseschachtel weist wie ein Emmentaler viele Löcher auf und die
werden als Fenster und Türen genutzt. Lichteffekte unterstützen die
Phantasie, wenn Prinz Kamenbert und seine Karoline durch den
furchterregenden, dunklen Wald gehen.

Die witzigen Texte, die passende, mitreißende Musik und die spannende Story halten nicht nur das junge Publikum 90 Minuten bei Laune. Das „Schubidu“- Schlusslied ist ein absoluter Ohrwurm, den man auf dem Heimweg nicht mehr aus dem Kopf kriegt. Kein Wunder also, dass der „Ritter Kamenbert“ ein Kindermusical-Klassiker geworden ist.

Ritter Kamenbert“ von Peter Blaikner, Cosi M. Goehlert und Ernst Wolfsgruber. Regie: Ben Pascal. Ausstattung: Agnes Hamvas. Musikalische Einstudierung: Johanna Buchmayer.Mit: Corinna Bauer, Julian Dorner, Bianca Farthofer, Helena May Heber, Lukas Koller, Julia Rajsp, Raphael Steiner, Lena Steinhuber, Marko Vlatcovic. Fotos: Jan Friese/ Schauspielhaus


Idioten

Dostojewskis Roman, dessen erste Folge 1868 in einer russischen Zeitschrift erschien, zählt zur Weltliteratur. Regisseurin Caroline Richards und das Team des Theaters TATU haben das gewaltige Werk auf 80 Minuten eingedampft und ermöglichen so auch Jugendlichen ab 14 Jahren eine Reise durch das zaristische Russland und seine dekadente Gesellschaft. Die Premiere fand am 4. Dezember 2019 im Kleinen Theater statt.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Der 27-jährige Fürst Myschkin, letzter Spross eines verarmten russischen Adelsgeschlechts, hat die letzten Jahre wegen seiner Anfälle von Epilepsie in einem Sanatorium in der Schweiz verbracht. Nun kehrt er nach St. Petersburg zurück, um nach dem Tode seines Onkels eine Erbschaftsangelegenheit zu klären. „Fürsten Myschkin gibt es außer mir gar nicht mehr. Ich glaube, ich bin der Letzte.“ Er sucht eine entfernte Verwandte, die Generalin Jepantschina, auf und lernt ihre drei Töchter kennen.

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Von der Jüngsten, der schönen und klugen Aglaia, ist er fasziniert. Doch auch zu Nastasja, einer „gefallenen“ Frau von überirdischer Schönheit, fühlt er sich hingezogen. Er sieht in ihr eine Frau, die ihr fehlendes Selbstwertgefühl hinter Zynismus, Spott und Hohn verbirgt, war sie doch die Geliebte ihres Pflegevaters, des reichen Großgrundbesitzers Tozkij. Myschkins Gegenspieler im Kampf um Nastasjas Gunst ist der unberechenbare, leidenschaftliche, unsensible Rogoschin. Gegen dessen sinnliche Männlichkeit hat Myschkin mit seiner offenen, kindlich-naiven Art keine Chance.

Andreas Simmer, ehemaliges Ensemblemitglied von Ariane Mnouchkines Théâtre du Soleil, überzeugt nicht nur in der Titelrolle. Er übernimmt mit Hilfe diverser Requisiten auch alle anderen Rollen und wechselt ständig Gestik, Mimik und Tonfall. Nur die Lippenbewegungen der schönen Nastasja, des Objekts der Begierde, kann man auf einer Videowall bewundern.

Der Musiker Yorgos Pervolarakis sorgt für die stimmungsvolle Musikuntermalung. Mit den unterschiedlichsten Geräuschen und Klängen unterstützt er die Phantasie und so sitzt man förmlich mit Myschkin im Zug, wenn er mit seinem späteren Rivalen Rogoschin nach Russland fährt, oder hört auf der Wiese im idyllischen Pawlowsker Park die Grillen zirpen und den Wind rauschen.

„Der Idiot“, das Drama eines naiven, freundlichen Menschen, der von einer korrupten und durchtriebenen Gesellschaft zu Grunde gerichtet wird, hat nichts von seiner Gültigkeit verloren. Ein Theaterabend, an dem man die ganze Bandbreite der dekadenten St. Petersburger Gesellschaft kennenlernt, vom trunksüchtigen Ex-General bis zum skrupellosen Großgrundbesitzer. Auch die Revolutionäre sind schon im Kommen, ob nun als Faschisten, Anarchisten oder Nihilisten.

Da das Drama als Jugendstück konzipiert ist, werden die Schüler wohl gut vorbereitet in eine Vorstellung gehen. Auch Erwachsenen wäre eine kurze Vorinformation anzuraten, da die vielen russischen Namen, auch wenn sie an diesem Abend vorsorglich vereinfacht und verkürzt werden, doch eine gewisse Herausforderung sind. Dann kann man diesen Theaterabend der Extraklasse sicher uneingeschränkt genießen.

„IDIOTen“ – frei nach Dostojewski. Theater TATU. Regie: Caroline Richards. Dramaturgie: Eva-Maria Schachenhofer. Ausstattung: Ragna Heiny. Mit: Andreas Simma & Yorgos Pervolarakis. Original Musik: Yorgos Pervolarakis. Video: Tobias Pichler & Ragna Heiny. Fotos (3): Michael Herzog


Charles Dickens‘ Kinderbuchklassiker „A Christmas Carol“ zählt wohl zu den bekanntesten Weihnachtsgeschichten, wurde schon oft verfilmt und auf die Bühne gebracht. Im Schauspielhaus Salzburg inszeniert Robert Pienz die Musical-Fassung, eine wunderbare Einstimmung auf das kommende Fest. Bei der Premiere am 24. November 2019 zeigten sich nicht nur die Kinder begeistert.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Der verbitterte alte Geldverleiher Ebenezer Scrooge sitzt mit seinem unterbezahlten Mitarbeiter Bob Cratchit in seinem bitterkalten Kontor und schimpft auf Weihnachten. Das herzerweichende Gewinsel der rührseligen Weihnachtslieder vor seiner Tür geht ihm fürchterlich auf die Nerven. Mitleid mit einer säumigen Schuldnerin kennt der knausrige Halsabschneider nicht. Auch weigert er sich, den Armen Geld zu spenden. Wozu gibt es denn Armenhäuser und Gefängnisse? Die Einladung seines Neffen zum Weihnachtsessen schlägt er wie jedes Jahr aus und so sitzt er am 24. Dezember alleine bei Kerzenschein in seiner Wohnung.

Da erscheint ihm der Geist seines vor sieben Jahren verstorbenen Geschäftspartners Jacob Marley. Dieser ist mit einer schweren Kette gefesselt, denn für jede Hartherzigkeit in seinem Leben steht ein Glied dieser Kette. Ebenezer Scrooge könne sich wohl ausrechnen, wie schwer seine Kette einmal sein werde.

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Doch Marley will ihm helfen und drei Geister zu ihm schicken, die ihm die Vergangenheit, die Gegenwart und die Zukunft vor Augen führen. Nach dieser Nacht wird Ebenezer Scrooge klar, dass er ein unbeliebter, hartherziger Geizkragen war. Er muss wohl etwas ändern, um nicht nach seinem Tod in alle Ewigkeit dafür zu büßen.

Olaf Salzer darf in der Rolle des gnadenlosen Geldverleihers jeden beleidigen und niedermachen, der ihm in die Quere kommt, denn Weihnachten steht vor der Tür und da ist er besonders geladen. Er schafft es, seinem gutmütigen Angestellten und der armen Mrs. Marsh, die ihre Schulden nicht bezahlen kann, diesen Tag so richtig zu vermiesen. Wolfgang Kandler darf sein komisches Talent voll ausleben.

Mit gestischen Übertreibungen zeichnet er die Karikatur eines unterwürfigen Angestellten sowie eines alten Schullehrers. Johannes Hoffmann hat als Jacob Marleys Geist seinen großen Auftritt, schlüpft aber auch in die Rolle des jungen Ebenezer Scrooge und mimt den armen, kranken Tiny Tim. Bina Blumencron und Larissa Enzi sind nicht nur als Geister unterwegs, sie schlüpfen auch in die Rollen diverser Bittsteller und sämtlicher Damen, die im Leben von Ebenezer Scrooge eine Rolle spielen. Schließlich geht es ja im Schnelldurchlauf durch ein ganzes Menschenleben.

Regisseur Robert Pienz schafft es, das viktorianische London lebendig werden zu lassen und die nostalgische, gesellschaftskritische Geschichte mit viel Witz und Ironie zu erzählen. Mit schwungvollen Melodien sorgt Fabio Buccafusco dafür, dass die Moral dieser geisterhaften Weihnachtsnacht auch für Kinder gut verständlich ist. Das zauberhafte Kindermusical bietet beste Unterhaltung für Jung und Alt.

„Eine Weihnachtsgeschichte“ Kindermusical nach Charles Dickens. Regie: Robert Pienz. Bühne: Victoria Diaz Varas, Franziska Lang. Kostüme: Monika Heigl. Musik: Fabio Buccafusco. Mit: Olaf Salzer, Wolfgang Kandler, Bina Blumencron, Johannes Hoffmann, Larissa Enzi. Fotos: Jan Friese/ SSH


Michael Winterhoff | Foto: Gütersloher Verlagshaus/ privat

Michael Winterhoff Deutschland verdummt

Autor: Michael Winterhoff
Titel: Deutschland verdummt – Wie das Bildungssystem die Zukunft unserer Kinder verbaut – und wie wir das ändern können
ISBN: 978-3-641-24077-6
Verlag: Gütersloher Verlagshaus
Erschienen: 20.05.2019

Klappentext:

Bildung in Deutschland: eine Katastrophe. Kinder und Gesellschaft nehmen Schaden! Michael Winterhoff redet Klartext, zeigt anhand vieler Beispiele aus seiner langjährigen Praxis als Kinder- und Jugendpsychiater, aber auch aus zahlreichen Rückmeldungen zu seinen Büchern und Vorträgen, was heute in Kitas und Schulen falsch läuft – so falsch, dass in seinen Augen die Zukunft unserer Gesellschaft gefährdet ist. Leidtragende sind für ihn die Kinder, die man quasi sich selbst überlässt.

Winterhoff verharrt nicht bei der Bestandsaufnahme und Analyse, er zeigt konkrete Lösungen und Maßnahmen auf und fordert u.a. eine groß angelegte Bildungsoffensive: Weg von Kompetenzorientierung und den unfreiwillig zu Lernbegleitern degradierten Lehrern, hin zu echter Bildung und Pädagogen, die den Kindern wieder ein Gegenüber sein dürfen. Denn nur die Orientierung an Bezugspersonen ermöglicht die Entwicklung von emotionaler und sozialer Psyche

Die aktuelle Bildungskatastrophe: Michael Winterhoff redet Klartext
Konkrete Lösungsvorschläge und Wege aus der Misere
Erschütternde Insiderberichte aus Kita und Schule
Der aufrüttelnde Appell des renommierten Kinder- und Jugendpsychiaters

Anni Lemberger

Rezension: Anni Lemberger

Der Autor, der eine Praxis,
als Kinder- und Jugendpsychiater in Deutschland hat, ist immer häufiger mit
Verhaltensauffälligkeiten von Kindern konfrontiert, die er als Folge des
„neuen“ Lernens in deutschen Schulen vermutet. Obwohl er über Deutschland
berichtet, führt er im Buch auch Beispiele Österreichischer PädagogInnen an.

So beschreibt er, dass
Kinder keine Schreibschrift mehr erlernen, sondern dass sie aus der erlernten
Druckschrift und den verschiedenen Schreibschriftvorlagen selber einen
individuellen Schreibstil entwickeln sollen.

Selbst die Korrektur der
Hausaufgaben sei diesem Modell zufolge nicht nötig, weil es die Verantwortung
und die Selbständigkeit der Kinder einschränke.

Die Reaktion vieler Kinder
auf dieses völlig „Alleingelassen werden“ sind Lernschwächen
Verhaltensauffälligkeiten (nach neuer Definition als „Verhaltensoriginalität“
bezeichnet), das gerne auf die Schwierigkeiten mit den vielen Kindern, die
nicht Deutsch als Muttersprache haben, geschoben wird, aber auch in nur
„deutschsprachigen“ Klassen auftritt.

Ein erschütterndes und aufrüttelndes
Buch, das leider auch im Österreichischen Schulsystem beobachtet werden kann.

Denn wir mit Volksschul-
bzw. Grundschulkindern lernt, merkt sehr schnell wie weltfremd die neuen
Unterrichtsmaterialien sind und Kinder mit Koordinationsproblemen scheitern
sehr schnell daran (verwechseln einiger Buchstaben, die in der Druckschrift
sehr ähnlich sind = d und b oder g/p)

Beim Lesen dieses Buches hatte ich das eine oder andere „Aha-Erlebnis“ und es wurde mir klar, warum sich einige Kinder derart schwer tun beim Lesen, Schreiben und Rechnen lernen.


Dorfzeitung.com


der kleine vampir

Das Salzburger Landestheater feiert das
40-jährige Jubiläum des Kinderbuchklassikers von Angela Sommer-Bodenburg mit
einem schwungvollen, vampirisch-gruseligen Musical. Kinder ab sechs Jahren und
natürlich auch ihre Begleitpersonen dürfen zum Finale gemeinsam mit dem
Vampir-Ensemble zum „Tanz der Vampire“-Song mitsingen, mitklatschen und
mittanzen.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Anton ist ein braves Kind, das gerne liest. Gruselgeschichten haben es ihm besonders angetan. Eines Samstagnachts sitzt doch tatsächlich ein einsamer, kleiner Vampir auf seiner Fensterbank und jammert: „Allein sein, nein, jetzt reicht es mir!“

Er nennt sich Rüdiger von Schlotterstein und hat heute schon zu Abend gegessen. Daher interessiert er sich mehr für Antons Gruselbücher als für sein Blut. Rüdiger will Anton mit auf den Friedhof nehmen, um ihm seine großartig stinkende, feuchte und schreckliche Familiengruft zu zeigen. Er leiht ihm einen Umhang und schon fliegen die beiden zur Gruft der von Schlottersteins. Rüdigers kleine Schwester, die noch Milch trinkende Anna, ist begeistert vom neuen Freund ihres großen Bruders. Nur gut, dass die bissige Tante Dorothee ständig ihre Zähne suchen muss. Als sie jedoch herausfindet, dass Rüdiger einen Menschenfreund hat, bekommt er Gruftverbot.

Wo soll er jetzt bloß hin? Auf dem Friedhof ist es viel zu gefährlich, denn bewaffnet mit Knoblauch schleicht Friedhofswärter Geiermeier auf der Jagd nach Vampiren ständig zwischen den Gräbern herum. Soll aus dem wunderbar verfallenen Friedhof etwa wirklich ein Park werden? Da bleibt der Vampirfamilie Schlotterstein wohl nichts anderes übrig, als in eine neue Gruft im Jammertal zu ziehen, die aber glücklicherweise nur wenige Flugminuten von Antons Wohnung entfernt ist.

Dass Gregor Schulz nicht nur in tragischen
Rollen überzeugen kann, hat er schon des Öfteren bewiesen. Diesmal begeistert
er die Kinder als charmanter, liebenswerter „kleiner Vampir“, der es mit dem
gestrengen Vampir-Kodex nicht so genau nimmt. Tim Oberließen gibt den begeisterungsfähigen
kleinen Anton, der das Gruseln über alles liebt. Als Rüdigers kleine, quirlige
Schwester Anna schwärmt Patrizia Unger für den neuen Freund ihres Bruders. Die
blutrünstige Tante Dorothee ist bei Genia Maria Karasek gut aufgehoben. Alessandro
Visentin sorgt mit seinen Auftritten als Vampirjäger Geiermeier stets für
Gekreische im Publikum.

Christina Piegger hat die vergnügliche Geschichte temporeich in Szene gesetzt, wobei die Choreographie von Josef Vesely zusätzlich für Schwung sorgt. Für das zauberhafte, windschiefe Kinderzimmer mit den vielen Gruselbüchern und die feuchte Gruft mit den liebevoll arrangierten Utensilien der Bewohner zeichnet Peter Engel (Bühne und Kostüme) verantwortlich.

Am 10. November 2019 gab es statt einer
Pause, die bei einem einstündigen Kinderstück nicht unbedingt nötig ist, für
neugierige und interessierte Kinder nach der Vorstellung ein Künstlergespräch
mit dem Vampir-Ensemble. Alle Fragen konnten zufriedenstellend beantwortet
werden und die Kinder genossen die Nähe zu den Schauspielern sichtlich. Eine
super Idee!

„Der kleine Vampir“ – Angela Sommer-Bodenburg. Komposition von Uwe Vogel. Libretto und Song-Texte von Angela Sommer-Bodenburg, Marcel Gödde und Karl-Heinz March. Inszenierung: Christina Piegger. Choreographie: Josef Vesely. Bühne und Kostüme: Peter Engel. Mit: Gregor Schulz, Tim Oberließen, Patrizia Unger, Genia Maria Karasek, Alessandro Visentin. Fotos: SLT/ © Anna-Maria Löffelberger


Felix Mitterers eindringliche Bühnenfassung von Friedrich Torbergs 1930 erschienenen Roman feierte 1999 in Graz Premiere. Im Schauspielhaus Salzburg inszeniert Harald Fröhlich das beklemmende Stück über die Folgen inhumaner „schwarzer“ Pädagogik mit Studierenden der hauseigenen Schauspielschule und Antony Connor als sadistischem Professor „Gott“ Kupfer.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Kurt Gerber ist ein relativ guter Schüler, er hat eine poetische Ader und seine Deutschprofessorin hält große Stücke von ihm. Im letzten Schuljahr vor der Matura bekommt er jedoch einen neuen Klassenvorstand, den berüchtigten Mathematikprofessor „Gott“ Kupfer. Sein Vater rät ihm sogar, die Schule zu wechseln, doch Kurt „Scheri“ Gerber ist überzeugt davon, dass jemand wie Kupfer keinen Einfluss auf seine Zukunft oder gar auf sein Leben nehmen könnte.

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Da hat er sich aber getäuscht. Denn intelligente, rebellische Jugendliche sind Kupfer ein Dorn im Auge. Sie zu brechen bereitet ihm Vergnügen und Genugtuung. Gerbers Mitschüler sind bald so eingeschüchtert, dass sich bei all den Ungerechtigkeiten niemand aufzumucken getraut. Auch privat hat Gerber nur Probleme, denn seine große Liebe, die Schulabbrecherin Lisa Berwald, zeigt ihm die kalte Schulter und sein herzkranker Vater setzt ihn unter Druck, denn der sollte sich nur ja nicht aufregen. So hat sich Kurt Gerber sein letztes Schuljahr wohl nicht vorgestellt.

Antony Connor verleiht „Gott Kupfer“ so
viel Authentizität, dass man Gänsehaut bekommt, da man an die ausgestandenen Ängste
und Schrecken seiner eigenen Schulzeit erinnert wird. Entzückend hingegen die
freundliche, stets gut gelaunte Deutschprofessorin Mattusch (Lena Steinhuber),
die glaubwürdig versichert: „Also durchgefallen ist bei mir noch keiner.“ Mit der
anfänglichen Selbstsicherheit von Kurt Gerber (Lukas Koller) ist es nach diesem
Jahr vorbei, „Gott“ Kupfer hat sein Ziel erreicht. Während sich die sieben
Schüler durch das letzte Schuljahr quälen, hat Lisa Berwald (Julia Rajsp) schon
aufgegeben. Sie arbeitet lieber und widmet sich der Männerwelt, denn sie ist
„schön und ohne Ehrgeiz“, das kommt gut an. Kurt Gerber findet sie zwar rührend
und edel, doch mehr auch nicht. Zwischen den vielen Burschen sitzen auch die zwei
kleine Streberinnen Schönthal (Bianca Farthofer) und Pollak (Helena May Heber),
die es gar nicht gerne sehen, dass Kurt Gerber dank Nachhilfe aufholt. Sie
wollen keine Konkurrenz.

Die riesige Tafel im Hintergrund (Bühne und
Ausstattung: Agnes Hamvas) wird nach und nach mit schwierigen Rechnungen
gefüllt, an denen „Gott“ Kupfer ständig etwas auszusetzen hat.

„In
einer einzigen Woche dieses Winters, vom 17. Januar bis zum 3. Februar 1929,
gelangten durch Zeitungsnotizen zehn Schülerselbstmorde zur Kenntnis des Schreibenden.“

Diese Zeilen stellte Friedrich Torberg seinem Roman voran. Er prangert darin das autoritäre Schulsystem, einen sadistischen Mathematiklehrer und die fehlende Solidarität unter den Mitschülern an. Als Mutter, die drei Kinder bis zur Matura begleiten durfte, muss ich gestehen, dass auch ich vermeintlich göttlichen Professorinnen und Professoren immer wieder begegnet bin. Ein Schulwechsel erweist sich da wirklich oft als einzige Möglichkeit.

„Der Schüler Gerber“ von Friedrich Torberg, für die Bühne bearbeitet von Felix Mitterer. Regie: Harald Fröhlich. Ausstattung: Agnes Hamvas. Licht: Marcel Bus. Dramaturgie: Tabea Baumann: Mit: Lukas Koller, Jakob Kücher, Marko Vlatkovic, Julian Dorner, Manuel Ramminger, Bianca Farthofer, Helena May Heber, Julia Rajsp, Antony Connor, Lena Steinhuber, Raphael Steiner, Corinna Bauer. Grafik: Schauspielhaus Video: Schauspielhaus


Dorfzeitung.com


Die Rechenkaiser

Es ist kaum zu glauben, aber die Zahlen sind eindeutig, unsere Jugend hat sich in Mathematik reifeprüfungstechnisch gesehen im letzten Jahr drastisch verbessert.

Schafften es 2018 noch 22,4 Prozent der Maturanten einer AHS (BHS 18,9%) nicht, die Mathematikprüfung beim ersten Anlauf zu erledigen, so waren es heuer nur noch 11,2%. (BHS 15,5%). Bei der anschließenden Kompensationsprüfung war die Hälfte erfolgreich. Das ist doch gut. Vielleicht haben die unzähligen Schulversuche doch etwas gebracht.

Wäre da nicht dieser fade Beigeschmack. Irgendwie fällt mir dazu dann das Bruchrechnen und der mathematische Begriff des kleinsten gemeinsamen Nenners ein.

Einfache Rechnungen werden mit dem Handyrechner bewältigt, wie man immer wieder beobachten kann. Und die Unis brauchen noch immer Aufnahmeprüfungen, weil sie sich auf die “Universitätsreife” der Maturanten nicht mehr verlassen können.


Krabat

Im Schauspielhaus Salzburg inszeniert
Daniela Meschtscherjakov Otfried Preußlers 1971 erschienenen,
preisgekrönten Jugendbuchklassiker, der auf eine sorbische Sage
zurückgeht. Ein starkes, intensives Stück, das vor den Verlockungen
der Macht warnt.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Ein krächzender Rabe lockt den 14-jährigen Betteljungen Krabat zur Mühle am Koselbruch, wo ihn der Meister als Lehrling aufnimmt. Die Arbeit ist hart und er wundert sich, dass die anderen Mühlknappen nicht schwitzen und nicht müde werden. Er freundet sich mit dem Altgesellen Tonda an und verbringt viel Zeit mit dem angeblich dummen Juro, der kocht, wäscht und die Schweine versorgt. Nach einiger Zeit findet Krabat heraus, dass er sich in einer Schwarzen Schule befindet. Als auch er in der Kunst der Zauberei unterrichtet wird, lernt er ehrgeizig und wissbegierig, denn er ist fasziniert von der Macht, die er dadurch erlangt. Noch ahnt er nicht, dass der Meister kein guter Zauberer ist. In der Silvesternacht kommt Tonda auf mysteriöse Weise ums Leben und bald schon nimmt ein neuer Lehrjunge dessen Platz ein. Als ein Jahr später ein weiterer Geselle stirbt, wird ihm klar, dass der Meister sich dem Bösen verschrieben hat und jedes Jahr einen seiner Schüler opfern muss. Rabat will den Fluch nicht länger hinnehmen und beschließt, gegen den Meister zu kämpfen, dessen Macht zu brechen und sich selbst zu befreien.

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In der Bühnenfassung von Nina Achminow
werden die elf Mühlknappen der Romanvorlage auf sechs reduziert und
so haben alle in den kleinen Kojen hoch über dem Mühlrad Platz
(Ausstattung: Ragna Heiny). Jakob Kücher nimmt es in der Titelrolle
mit dem großen Meister (dämonisch Wolfgang Kandler) auf. Mit Hilfe
von Juro (Tim Erkert) gelingt es ihm, sich dem Einfluss des Meisters
zu entziehen und auch die anderen Gesellen (Studierende der
hauseigenen Schauspielschule) zu befreien. Sophia Fischbacher liefert
sich in der Rolle des guten Zauberers Pumphutt einen spektakulären
Kampf mit dem Meister. Bianca Farthofer schreitet als Kantorka
engelsgleich über die Bühne. Kein Wunder, dass Krabat die Kraft der
Liebe verspürt, die schließlich die Macht der Teufelsmühle zu
besiegen vermag.

Otfried Preußler schrieb – mit
mehreren Unterbrechungen – zehn Jahre an Krabat. Das Motiv des
Lehrlings, der sich gegen seinen Meister behaupten muss, findet sich
in vielen Sagen, ebenso wie das Motiv der Erlösung durch Liebe.
Preußler sagte über sein Buch: „Krabat ist meine Geschichte, die
Geschichte meiner Generation und die aller jungen Leute, die mit der
Macht und ihren Verlockungen in Berührung kommen und sich darin
verstricken.“

Daniela Meschtscherjakovs atmosphärisch
dichte Inszenierung zog bei der Premiere am 5. Mai 2019 das
größtenteils erwachsene Publikum in ihren Bann. Wie zu beobachten
war, ist das doch etwas düstere Stück für Kinder unter 12 Jahren
eher nicht zu empfehlen.

„Krabat“ von Otfried Preußler. Für die Bühne bearbeitet von Nina Achminow. Regie: Daniela Meschtscherjakov. Ausstattung: Ragna Heiny. Musik: Christian Meschtscherjakov. Mit: Jakob Kücher, Wolfgang Kandler, Bianca Farthofer, Raphael Steiner, Tim Erkert, Lukas Koller, Lena Steinhuber, Marko Vlatkovic, Corinna Bauer, Sophia Fischbacher. Fotos: Jan Friese


Kriegsspiele

Wo liegt der Unterschied? In beiden Fällen wurde die auslösende Ursache von der Konsequenz getrennt. Was wirklich passiert, ist weit weg.

Auch für eine Wurstsemmel muß ganz am Anfang ein Schwein sterben. An den Transport zum Schlachthof, das Vergasen der Tiere, das Zerlegen, die Brätherstellung und das Abfüllen des ehemals lebenden und quitschvergrüten Schweines in einen geputzten Darm denkt niemand, wenn er genüsslich in die Wurstsemmel beißt. Die unterschiedlichen Wurst- und Fleischwaren werden an den Verkaufstheken wunderschön präsentiert, da hat die “Lebensmittelwerdung” keinen Platz.

Computerspiele präsentieren realistische Kriegsspielszenarien, die zwar realistisch zu Spielen, beim Ausschalten des PC´s aber doch mehr oder weniger vorbei sind. Der direkte Zweikampf, bei dem beim Kontrahenten ein Schwert im Bauch steckt und der vor Schmerzen schreit und einem in die Augen schaut, ist längst vorbei. Heute drückt irgendwo weit weg jemand auf einem Joystick auf einen Knopf und den Rest erledigt eine Drohne.

Problematisch wird es moralisch oft dann, wenn die auslösende Ursache von der letztendlichen Wirkung/ Konsequenz getrennt wird. Manches geht dann beunruhigend leicht von der Hand, wenn ich nur an den nicht aufgegessenen Burger denke, der achtlos in den Müll geworfen wird.

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Egoshooter

«Da Kriege im Geist der Menschen entstehen, muss auch der Frieden im Geist der Menschen verankert werden!

(aus der Präambel der UNESCO)

Wie Jochen Siegle in der Neuen Zürcher Zeitung am 16. Februar 2019 schrieb, sollen Videogames nicht gewalttätig machen, habe eine Studie der «University of Oxford» ergeben, auch nicht Kriegsspiel-Games wie «Counter Strike» (Der Gegenschlag) und «Call of Duty» (Der Ruf der Pflicht). (1) (2) (3)

Heinrich Frei

Von Heinrich Frei, Zürich CH

Abgesehen von der Frage ob PC-Kriegs-Video Spiele wirklich nicht gewalttätig machen laut «Oxford Study», sind diese Spiele vor allem für die Gameindustrie ein gutes Geschäft. 2018 betrug der jährliche Umsatz dieser «Industrie» weltweit über 80 Milliarden US-Dollar. Nützlich für Armeen sind speziell Ego-Shooter Games, mit der Spieler mit Schusswaffen und mit allerlei Kriegsgerät den Gegner bekämpfen. Kriege werden in diesen Spielen meist verherrlicht und als etwas Alltägliches dargestellt. Die Rekrutierung von Soldaten wird so erleichtert. Im Games werden auch Feindbilder aufgebaut die notwendig sind, um Kriege überhaupt führen zu können: Einmal sind diese Feinde «Islamisten», «Araber», dann «Chinesen», und wie früher wieder einmal «Russen».

«Counter Strike» darf erst ab 18 Jahren gespielt werden

Das populärste Spiel auf dem Gamemarkt in der Schweiz soll «Counter Strike» sein, ein Schiessspiel, ein Killergame, das wegen der dargestellten Gewalt erst ab 18 Jahren offiziell gespielt werden darf.

Was sind «Counter Strike» und «Call of Duty» für Computer Spiele? Im Game «Counter Strike» kämpfen zwei Gruppen, Terroristen und eine Antiterroreinheit. Durch die Tötung des Gegners oder der Erfüllung von Missionszielen erhält der einzelne Spieler Punkte sowie virtuelles Geld. Die Missionsziele sind meist entweder für die Antiterroreinheit das Befreien von Geiseln oder für die Terroristen das Legen einer Bombe. Für Abschüsse eigener Teammitglieder oder Geiseln werden dem Spieler Geld und Punkte abgezogen. Im Kriegsspiel «Call of Duty» übernimmt der Spieler die Rolle eines Soldaten in einem Kriegsszenario. Die erste Version von 2003 spielte im Zweiten Weltkrieg. In solchen Games werden virtuell in kurzer Zeit mehr Menschen umgebracht, als jetzt bei dem kürzlichen Angriff eines Irren auf zwei Moscheen in Christchurch in Neuseeland oder als Friederich Leibacher am 27. September 2001 im Zuger Kantonsparlament in der Schweiz das Feuer eröffnete und 14 Menschen erschoss.

Kriegsspiele sollen harmlos sein, wird uns suggeriert

Der Tages Anzeiger, die Neue Zürcher Zeitung, 20 Minuten und andere Medien in der Schweiz stellen seit Jahren regelmäßig die neuesten Games vor, auch Kriegsspielgames. Shooter Games sollen harmlos sein suggerieren uns die Journalisten. Deshalb ist es nicht erstaunlich, dass Postfinance, eine Tochtergesellschaft unserer Post, im letzten Jahr E-Sportler, Computer Kriegsspiel-Gamer, die an Turnieren teilnehmen mit 400’000 Franken unterstützte, wie im Blick zu lesen war. (4)

Game Show in der Messe Zürich-Oerlikon

In den Hallen der Messe Zürich-Oerlikon wurde im letzten September die Zürich Game Show durchgeführt, die 27’000 Besucher anlockte. 300 Meter weit von der Game Show entfernt, an der Thurgauerstrasse befindet sich die Halle 9 des Messezentrums Zürich. In dieser Halle wohnen heute in kleinen Holzhäuschen Flüchtlinge, auch Familien, die aus Kriegsgebieten geflohen sind, aus Syrien, dem Irak, aus Afghanistan aus Somalia, Libyen. Für diese Menschen war der Krieg in ihrer Heimat kein Spaß am Bildschirm wie das Killergame «Counter Strike», in dem durch einen tödlichen Kopfschuss mehr Punkte gemacht werden können als durch einen Schuss in die Beine. Nicht weit von der Game Show an der Birchstrasse in Zürich-Oerlikon produziert der deutsche Rüstungskonzern Kanonen für die in Afghanistan, Syrien, dem Irak und Afrika kriegführende Nato Staaten und für diktatorische Regime im Nahen Osten, die Krieg im Jemen führen. (5)

Ein Kind schildert seine Erlebnisse mit Killergames

«Wenn ich der Geisel den Kopf abschneide dann spritzt Blut aus dem Hals, das sieht geil aus wie echt.» Und ein anderes Kind: «Der Mann kniet vor mir nieder und blickt mir in die Augen, ich muss schauen, dass ich nicht zu viel Munition brauche: Wenn ich genau die Mitte seiner Stirn treffe, gibt es zwei Bonuspunkte.» Dies sind Aussagen von Kindern die das Schweizer Künstlerpaar Philippe Sablonier und Eva-Maria Würth von Interpixel bei ihren Entwaffnungsaktionen in Schulen notiert haben. Sie haben diese Zitate in ihrem Buch «Mega Buster, Kriegsgebiet Kinderzimmer» eingestreut. (6)

Wie Werbung am Fernsehen, beeinflussen Kriegsspiele das Verhalten

Für den Berufsverband der deutschen Psychologinnen und Psychologen (BDP) sind Kriegsspielgames nicht harmlos. Dieser Verband warnte auf der Spielmesse Gamescom 2016 in Köln, die von 345’000 Menschen besucht wurde, vor dem Einfluss von Killerspielen auf die Gewaltbereitschaft von Menschen. «Bei allen Effekten von Medienkonsum gehe man selbstverständlich davon aus, dass ein Einfluss besteht, jedoch nicht bei «Killerspielen». Die deutschen Fachleute sind der Meinung: «Genau wie die Produktwerbung im Fernsehen das Kaufverhalten im Supermarkt beeinflusst, wirkt sich das Töten und Verletzen im Rahmen von Killerspielen auf Gedanken, Gefühle und Verhaltensweisen im echten Leben aus. Gewalterfahrungen im realen Leben und in den Medien verstärken sich gegenseitig und führen nicht nur kurzfristig, sondern auch langfristig zu einer positiven Bewertung von Gewalt». (7)

David Grossmann: Gegen die Abrichtung von Kindern zu Mord- und Totschlag

Auch zu anderen Schlüssen als diese Studie der «University of Oxford», die zum Ergebnis kam Videogames würden Jugendliche nicht gewalttätig machen, ist der Psychologe David Grossmann gekommen, ein pensionierter Oberstleutnant der amerikanischen Streitkräfte. Er kämpft seit Jahren gegen die Konditionierung von Kindern zu Mord und Totschlag durch TV und Videospiele. In seinen Veröffentlichungen beschreibt er auch wie Soldaten heute in der amerikanischen Armee auf Gewalt abgerichtet werden. (8) (9)

Nach Massaker in Florida: Trump diskutiert Gewalt in Computerspielen

Dave Grossman, wurde am 8. März 2018 zusammen mit Mitgliedern des US-Kongresses und führenden Vertretern der Gamebranche ins Weiße Haus eingeladen, um seine Forschungsergebnisse zu Kriegsspielen zu präsentieren. Lange vor seiner Wahl zum US-Präsidenten und wenige Tage nach dem Massaker am 14. Februar 2018 an der Parkland High School in Florida hatte Donald Trump die negativen Auswirkungen von Gewalt auf dem Bildschirm auf Kinder und Jugendliche kommentiert: «Ich höre, dass immer mehr Menschen sagen, dass Gewalt Videos Jugendlichen beeinflussen.»

Donald Trump plädierte früher auch für schärfere US-Waffengesetze. Er warf den Republikanern damals vor, den Waffenfans immer nur nach dem Mund zu reden. Aber schon 2016, vor den Präsidentschaftswahlen, forderte er jedoch genau das Gegenteil – und seine Anhänger jubelten. Trump versprach sogar waffenfreie Zonen abzuschaffen, etwa in Schulen, Bahnhöfen oder Restaurants. (10)

Während dem Treffen im Weißen Haus mit Vertretern der Gamebranche drückte Trump seine Besorgnis über die Gewalttätigkeit in diesen Spielen aus und stellte den Anwesenden laut Washington Post viele Fragen und hörte den Argumenten aller Seiten aufmerksam zu.

Zu Beginn der einstündigen nichtöffentlichen Sitzung präsentierte US-Präsident Trump den Teilnehmern eine kurze Videospielzusammenstellung mit extrem blutigen und brutalen Szenen. (10)
(11) «Violence in Video Games» das im Weißen Haus vorgeführt wurde:
YouTube Link: https://youtu.be/0C_IBSuXIoo

Dieser Supercut wurde später im offiziellen YouTube-Konto des Weißen Hauses veröffentlicht. Nachdem das furchtbare Video zu Ende war, fragte Trump die Gruppe: «Ist das gewalttätig, nicht wahr?» Die Lobbyisten der Spieleindustrie gaben dann zu: «Es gibt Programme, die absolut gewalttätige Gewalt enthalten.»

Das Militärische wird durch Killergames enttabuisiert

Noch einmal zurück zur Frage: «Wem nützen PC-Kriegs-Video Spiele?». Das Militärische wird durch Killergames enttabuisiert. Eine Enttabuisierung des Militärischen forderte schon 2002 der sozialdemokratische Bundeskanzler Gerhard Schröder. Auslandeinsätze der deutschen Bundeswehr können mit einer positiven Einstellung zu militärischen Interventionen, zur angeblichen Sicherung des «Friedens im Ausland», natürlich reibungsloser gestaltet werden. Das ist gerade in Deutschland wichtig, da ungefähr 80 Prozent der Bevölkerung die Beteiligungen der Bundeswehr an Militäroperationen in Ausland nach wie vorher ablehnt.

Die deutsche Beteiligung am Krieg in Afghanistan wurde seinerzeit vom Deutschen Bundestag in zwei Abstimmungen Ende 2001 auf Antrag der von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) geführten rot-grünen Bundesregierung beschlossen. Schon 1999 beteiligte sich Deutschland als Natomitglied unter der Mitte-Links-Regierung von Gerhard Schröder ohne Uno Mandat am Krieg in Jugoslawien, die unter dem Deckmantel einer humanitären Intervention gestartet wurde. Weder Afghanistan noch Jugoslawien hatten Deutschland vorher angegriffen. (12)

EUROPA IM KRIEG – vor 20 Jahren NATO-Überfall auf die Bundesrepublik Jugoslawien

Von Regards Croisés / KAOS Kunst- und Video-Archiv
http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=25751

«Unter den Bomben der NATO» ist ein Dokumentarfilm über den Krieg der NATO gegen Jugoslawien von «Regards Croisés» produziert worden. Die Kollegen dieser Gruppe waren im Frühjahr 1999 in Jugoslawien und haben dort den Film gedreht, der allem widerspricht, was die Massenmedien in den NATO-Ländern berichten durften.

Zusammenarbeit von Armeen mit der Game- und der Rüstungsindustrie

Videospiel-Hersteller kooperieren oft auch mit dem Militär- und Rüstungsunternehmen. Einige dieser Firmen stellen für das Militär Trainingsvideos her. Videos die für Armeen produziert wurden, werden für Freizeitgamer angepasst und umgekehrt werden zivile Games für das militärische Training umgearbeitet. Die Softwareentwickler bei der virtuellen Darstellung der Games greifen gern auch auf reales Militärgerät zurück, in Deutschland auf den Panzer «Leopard», den «Eurofighter» usw. Auch der Düsseldorfer Rheinmetall-Konzern, der auch in Zürich-Oerlikon Kriegsgeräte produziert, ist mit seinen Fahrzeugen mit Rheinmetall-Logo dabei.

Schon Kriegsfilme wurden früher, und heute noch, oft in Zusammenarbeit mit Armeen produziert. (13) Das Ziel: Armeen sollen bei ihren Einsätzen möglichst in Filmen und Games positiv dargestellt werden. Die Akzeptanz für den Kriegsdienst soll dadurch gefördert und die Rekrutierung erleichtert werden, nicht nur in den USA, auch in vielen anderen Ländern. Heute hofft man auch zur Steuerung von Drohnen, die für aussgerichtliche Hinrichtungen weltweit zum Einsatz kommen, geschicktes Personal in den Game Gemeinden zu finden. – Auf der anderen Seite wird die zunehmende Gewalt von Jugendlichen beklagt. In Schulen werden Alarmsysteme gegen Angriffe von mit Schießeisen bewaffneten Amokläufern eingerichtet. Ein solcher Amoklauf ereignete sich am 26. April 2002 am Gutenberg-Gymnasium in Erfurt. Dabei erschoss der 19-jährige Robert Steinhäuser elf Lehrer, eine Referendarin, eine Sekretärin, zwei Schüler und einen Polizeibeamten. Anschließend tötete er sich selbst. Robert Steinhäuser hatte sich mit Ballerspielen unterhalten, bevor er im Jahr 2002 16 Menschen erschoss.

«America’s Army“: Propaganda und Rekrutierungs-Video

«America’s Army“ ist ein solches Computer-Kriegsspiel das von der US-Armee, ausschließlich zur Propaganda und Rekrutierung entwickelt wurde. Die US-Armee will mit diesem Spiel junge, intelligente Menschen anwerben, die der modernen Kriegsführung gewachsen sind. Die erfolgreichsten Spieler des Spiels werden per E-Mail von Rekrutierungsangestellten des Heeres angeschrieben. (14)
Auch die deutsche Bundeswehr präsentiert sich auf Messen der Gamebrache und hofft so Soldaten rekrutieren zu können.

Trotz Propaganda der Armee wollen viele Jugendliche nicht töten lernen

Der Kriegsdienst wird den 13 – 15-jährigen Schülern in Zürich auch an der jährlichen Berufsmesse in rosa Farben nähergebracht. Die Schweizer Armee hat an dieser Berufsmesse immer einer der größten Stände. Trotz der Propaganda der Swiss Army ziehen es immer mehr junge Männer vor einen anderthalb länger dauernden Zivildienst zu absolvieren, statt ins Militär einzurücken um dort töten zu lernen. Dieser Armeemüdigkeit wird entgegengewirkt. Die Aufnahmebedingungen für den Zivildienst werden jetzt verschärft. Bevor 1996 ein Zivildienst in der Schweiz eingeführt wurde, hat man im Zeitraum von 1970 bis und mit 1990 10.236 Militärverweigerer ins Gefängnis gesteckt. (15) Diese jungen Männer wurden häufig zusätzlich mit Berufsverboten und Jobverlusten bestraft. Einige Inhaftierte Kriegsdienstverweigerer nahmen sich in der Haft das Leben oder wurden psychisch und körperlich krank. Eine Rehabilitation dieser politischen Gefangenen hat bis heute in der Schweiz nicht stattgefunden.

Swiss Army: Frieden fördern – unser Aufgabe, 13 – 15-jährige Schülerinnen und Schüler an der Berufsmesse in Zürich, (2 Fotos Heinrich Frei)

Frieden muss im Geist der Menschen verankert werden

Zum Schluss sei noch einmal an die Präambel der UNESCO, der Uno Organisation für Bildung, Wissenschaft und Kultur erinnert, die lautet: «Da Kriege im Geist der Menschen entstehen, muss auch der Frieden im Geist der Menschen verankert werden.» (16) Aus der Erfahrung des Zweiten Weltkrieges wurde diese Lehre gezogen. Die massenhafte Verbreitung von Games die Kriege Verherrlichen und als etwas Alltägliches, als Spaß darstellen steht diesem Anliegen der UNESCO krass entgegen.
Partner an der Game Show in der Messe Zürich-Oerlikon, an dieser Spielmesse mit Killergames, waren 2018 neben Firmen wie Coca-Cola, das Schweizer Radio SRF Virus und Pro Helvetia. Pro Helvetia fördert, «angeblich», Schweizer Kunst und Kultur mit Blick auf Vielfalt und hohe Qualität. «Als Förderinstitution des Bundes unterstützen wir (Pro Helvetia) Vorhaben von gesamtschweizerischem Interesse»…

Fußnoten
(1) «Videogames machen nicht gewalttätig» Jochen Siegle, Neue Zürcher Zeitung 16. Februar 2019
(2) https://de.wikipedia.org/wiki/Counter-Strike
(3) https://de.wikipedia.org/wiki/Call_of_Duty
(4) http://ifor-mir.ch/postfinance-finanziert-kriegsspieler/
(5) http://ifor-mir.ch/zuerich-game-show-mit-killergames-nebenan-kriegsfluechtlinge-und-ruestungsproduktion/
(6) «Omega Buster, Kriegsgebiet Kinderzimmer, eine Intervention zu Gewalt, Gesellschaft und Entwaffnung» Interpixel (Eva-Maria Würth und Philippe Sablonier)
(7) Das virtuelle Schlachtfeld, Videospiele, Militär und Rüstungsindustrie, Michael Schulze von Glasser
(8) David Grossmann: http://www.killology.com)
(9) Donald Trump on Violence in Video Games: “This Is Violent, Isn’t It?” Is There a Connection Between “Video Game Violence” and “Real Violence”? by Dr. Rudolf Hänsel
https://www.globalresearch.ca/president-trump-on-violence-in-video-games-this-is-violent-isnt-itis-there-a-connection-between-video-game-violence-and-real-violence/5633129
(10) http://www.spiegel.de/politik/ausland/donald-trump-bei-der-nra-waffen-pakt-gegen-clinton-a-1093433.html
(11) https://www.heise.de/newsticker/meldung/Nach-Massaker-in-Florida-Trump-diskutiert-Gewalt-in-Computerspielen-3989615.html
(12) «Violence in Video Games» das im Weißen Haus vorgeführt wurde:
YouTube Link: https://youtu.be/0C_IBSuXIoo
(13) Games’n’Politics: https://www.youtube.com/user/gamesandpolitics
(14) U.S. Movies and T.V. Shows Have U.S. Army Ratings https://www.globalresearch.ca/u-s-movies-and-t-v-shows-have-u-s-army-ratings/5467173
(15) https://www.americasarmy.com/
(16) Josef Lang, «10’000 politische Gefangene, Tages Anzeiger 23. September 2018
(17) https://www.unesco.de/mediathek/dokumente/verfassung-der-organisation-fuer-bildung-wissenschaft-und-kultur

Zu Killergames hat Dr. Rudolf Hänsel aus Lindau (BRD) verschiedene Bücher veröffentlicht, zu der Computerspielmesse 2017 in Köln den Text: «Aufmarsch prominenter Politiker bei Kölner Computerspielmesse Gamescom 2017, Milliardenschwere Spieleindustrie von Politik hofiert». http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=24092

Literatur:

Rudolf Hänsel: «Game over! », Wie Killerspiele unsere Kinder manipulieren, Kai Homilius Verlag, Berlin 2011


Kerry-Drewery-and-Luther

Kerry-Drewery-Marthas-MissionAutor: Kerry Drewery
Titel: Marthas Mission
ISBN: 978-3-8466-0062-7
Verlag: One Verlag

Klappentext:
Auge um Auge
Zelle um Zelle
Das Volk ist dein Richter

Entgegen aller Hochrechnungen konnte Martha dem sicheren Tod in Zelle 7 entkommen. Doch ausgerechnet ihr Freund Isaac hat die Schuld auf sich genommen und sitzt nun im Todestrakt. Von nun an wird in der Show „Death is Justice“ über sein Leben abgestimmt. Marthas Chancen, Isaac zu befreien, verringern sich mit jedem Tag. Auch sie ist noch lange nicht in Sicherheit, den die korrupte Regierung verfolgt jeden ihrer Schritte. Sie muss Isaac unbedingt retten, auch wenn das bedeutet, dass sie ihr eigenes Leben aufs Spiel setzt,

Sonja SchönleitnerRezension von Sonja Schönleitner
Die mitreißende Geschichte fängt die einzelnen Sichtweisen der Personen wunderbar ein, die bei dem Versuch ein System zu stürzen, das weder Liebe noch Mitgefühl zulässt, über immer neue Hindernisse stolpern und dabei von der unfassbaren Herzlosigkeit und Gleichgültigkeit der Menschen immer wieder neu überrascht werden.

Das Buch veranlasst einen zum Nachdenken und man lernt die Grauzonen unserer Welt zu schätzen.

Bei meinem Weg durch das Buch bekam ich einen Einblick in Martha, die immer wieder neuen Mut fasst und nie aufzugeben scheint trotz der selbstsüchtigen Politiker und der machtgierigen Menschen, die mit allen Mitteln versuchen sie und ihre Freunde zum Schweigen zu bringen.


Der Salzburger Jungautor befasste sich 2014 in seinem Debütstück „After Sunset“ mit der Problematik von Videospielen. In „Lisa“ stehen Mobbing, jugendliche Gewalt und die Gefahren der sozialen Netzwerke im Zentrum. Die Uraufführung fand am 7. Dezember 2016 in der ARGEkultur statt.

Elisabeth PichlerVon Elisabeth Pichler

Am Beginn der Vorstellung muss das Publikum mitansehen, wie ein junges Mädchen von drei Gleichaltrigen wüst beschimpft und misshandelt wird. Schnell wird klar, dass man sich mit Kathie, der Anführerin der Clique, besser nicht anlegen sollte, denn „die zuckt ständig aus“. Ein Foto von der blutenden Babsi wird geschossen, hochgeladen und schon befindet sich das kompromittierende Bild im Netz. Unter schallendem Gelächter werden nun die „Likes“ auf Facebook gezählt. Während Clara Kathie in nichts nachsteht und hemmungslos über ihre Mitschüler lästert, fühlt sich Lisa nicht so richtig wohl in dieser Clique. Sie hat ein schlechtes Gewissen und gibt sich die Schuld an Babsis Misere. Diese musste die Schule wechseln, kommt mit dem Leben kaum mehr zurecht und hat sogar schon einen Selbstmordversuch hinter sich. Lisas Freund Tomas, mit dem sie nach der Schule gerne abhängt, kennt auch ihre weiche Seite, denn bei ihm gibt sie sich nachdenklich, ja sogar romantisch. Da er ihren Umgang absolut nicht in Ordnung findet, zieht er sich nach und nach von ihr zurück. Videospiele machen eben weniger Probleme als Mädchen. Als Lisa jede Nacht von Albträumen gequält aufschreckt, kommt es endlich zu einer Aussprache mit ihren bisher ahnungslosen Eltern.

Gerard Es hat das Jugendstück mit zwei professionellen Schauspielern (Elisabeth Breckner und Wolfgang Kandler als überfordertes Elternpaar) und gecasteten Jungschauspielern in Szene gesetzt. Ein kluges Stück, eine kluge Inszenierung, denn neben den coolen Clique-Treffen, in denen in Jugendslang jede und jeder heruntergemacht wird, überzeugen vor allem die ruhigen Szenen, in denen die Jugendlichen erzählen, was sie wirklich bedrückt und wonach sie sich sehnen. Ein Theaterstück, das Jugendliche für die Gefahren der sozialen Netzwerke sensibilisieren soll und die Eltern dazu auffordert, ihren Kindern wirklich zuzuhören, auch wenn es sich scheinbar nur um „alberne Teenagersorgen“ handelt.

„Lisa“ von Dominik Nießl. Mobbing und jugendliche Gewalt. Uraufführung. Eine Koveranstaltung von Es Theater und ARGEkultur. Regie: Gerard Es. Mit: Elisabeth Breckner, Wolfgang Kandler, Johanna Lindner, Clara Kammeringer, Lucia Schöndorfer, Eva Schwaiger, Ludwig Weißenberger, Simon Nagl. Fotos: ARGEkultur/ Sigrid Riepl