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Idioten

Dostojewskis Roman, dessen erste Folge 1868 in einer russischen Zeitschrift erschien, zählt zur Weltliteratur. Regisseurin Caroline Richards und das Team des Theaters TATU haben das gewaltige Werk auf 80 Minuten eingedampft und ermöglichen so auch Jugendlichen ab 14 Jahren eine Reise durch das zaristische Russland und seine dekadente Gesellschaft. Die Premiere fand am 4. Dezember 2019 im Kleinen Theater statt.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Der 27-jährige Fürst Myschkin, letzter Spross eines verarmten russischen Adelsgeschlechts, hat die letzten Jahre wegen seiner Anfälle von Epilepsie in einem Sanatorium in der Schweiz verbracht. Nun kehrt er nach St. Petersburg zurück, um nach dem Tode seines Onkels eine Erbschaftsangelegenheit zu klären. „Fürsten Myschkin gibt es außer mir gar nicht mehr. Ich glaube, ich bin der Letzte.“ Er sucht eine entfernte Verwandte, die Generalin Jepantschina, auf und lernt ihre drei Töchter kennen.

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Von der Jüngsten, der schönen und klugen Aglaia, ist er fasziniert. Doch auch zu Nastasja, einer „gefallenen“ Frau von überirdischer Schönheit, fühlt er sich hingezogen. Er sieht in ihr eine Frau, die ihr fehlendes Selbstwertgefühl hinter Zynismus, Spott und Hohn verbirgt, war sie doch die Geliebte ihres Pflegevaters, des reichen Großgrundbesitzers Tozkij. Myschkins Gegenspieler im Kampf um Nastasjas Gunst ist der unberechenbare, leidenschaftliche, unsensible Rogoschin. Gegen dessen sinnliche Männlichkeit hat Myschkin mit seiner offenen, kindlich-naiven Art keine Chance.

Andreas Simmer, ehemaliges Ensemblemitglied von Ariane Mnouchkines Théâtre du Soleil, überzeugt nicht nur in der Titelrolle. Er übernimmt mit Hilfe diverser Requisiten auch alle anderen Rollen und wechselt ständig Gestik, Mimik und Tonfall. Nur die Lippenbewegungen der schönen Nastasja, des Objekts der Begierde, kann man auf einer Videowall bewundern.

Der Musiker Yorgos Pervolarakis sorgt für die stimmungsvolle Musikuntermalung. Mit den unterschiedlichsten Geräuschen und Klängen unterstützt er die Phantasie und so sitzt man förmlich mit Myschkin im Zug, wenn er mit seinem späteren Rivalen Rogoschin nach Russland fährt, oder hört auf der Wiese im idyllischen Pawlowsker Park die Grillen zirpen und den Wind rauschen.

„Der Idiot“, das Drama eines naiven, freundlichen Menschen, der von einer korrupten und durchtriebenen Gesellschaft zu Grunde gerichtet wird, hat nichts von seiner Gültigkeit verloren. Ein Theaterabend, an dem man die ganze Bandbreite der dekadenten St. Petersburger Gesellschaft kennenlernt, vom trunksüchtigen Ex-General bis zum skrupellosen Großgrundbesitzer. Auch die Revolutionäre sind schon im Kommen, ob nun als Faschisten, Anarchisten oder Nihilisten.

Da das Drama als Jugendstück konzipiert ist, werden die Schüler wohl gut vorbereitet in eine Vorstellung gehen. Auch Erwachsenen wäre eine kurze Vorinformation anzuraten, da die vielen russischen Namen, auch wenn sie an diesem Abend vorsorglich vereinfacht und verkürzt werden, doch eine gewisse Herausforderung sind. Dann kann man diesen Theaterabend der Extraklasse sicher uneingeschränkt genießen.

„IDIOTen“ – frei nach Dostojewski. Theater TATU. Regie: Caroline Richards. Dramaturgie: Eva-Maria Schachenhofer. Ausstattung: Ragna Heiny. Mit: Andreas Simma & Yorgos Pervolarakis. Original Musik: Yorgos Pervolarakis. Video: Tobias Pichler & Ragna Heiny. Fotos (3): Michael Herzog


Im Kleinen Theater fand am 25. Oktober 2019 die Österreichische Erstaufführung eines Monodramas des Ärzte- und Autorenehepaars Ana-Maria und Christoph Bamberger statt.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Edi Jäger brilliert als krisengebeutelter Bankangestellter, der von einem riesigen Stein daran gehindert wird, mit seinem SUV das Haus zu verlassen, um pünktlich zu einem wichtigen Meeting zu erscheinen.

„Was ist denn das, verdammt noch mal?“ Fritz Habermann ist entsetzt, liegt doch ein tonnenschwerer, grauer Stein vor seiner Ausfahrt und versperrt ihm den Weg. Und das gerade heute, wo sein Chef, Herr Wullbrand, in der Bank auf ihn wartet. Er ruft sofort die Feuerwehr an. Da es weder brennt noch jemand verletzt ist, weigert sich der unfreundliche Herr am Telefon, jemanden los zu schicken. Habermanns Mutter ist ebenfalls keine große Hilfe, da ihr Auto in der Werkstatt steht. Und selbst der kontaktierte Taxiunternehmer vertröstet ihn auf später.

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So versucht es Herr Habermann abermals bei der Feuerwehr und behauptet nun, es brenne und Verletzte gäbe es auch. Als das nicht funktioniert, weil wiederum derselbe unfreundliche Herr am Apparat ist, rastet er völlig aus, wird ausfallend und beleidigend. Es bleibt ihm wohl nichts anderes übrig, als in der Bank anzurufen und sich krank zu melden. So übt er Dialoge mit seiner Sekretärin, seinem Freund Oli, seiner Frau Iris und schließlich sogar mit seinem Chef. Beim Telefonat sollte dann jeder Ton richtig sitzen und seine Zerknirschung echt klingen.

Schließlich vertraut er sich dem von ihm
liebevoll Pietro genannten Stein an und schildert ihm seine missliche Lage.
Wegen diverser Beratungsdefizite und Entgleisungen gegen Kunden steht ihm
nämlich die Kündigung bevor. Sein Chef hat ihm zu allem Überfluss auch noch
seine Frau Iris ausgespannt. Pietro erweist sich wirklich als grandioser
Psychiater, denn er schweigt und kann gut zuhören. Fritz Habermann fühlt sich
schließlich befreit und erleichtert. Als er den Stein auf Reisen schickt, weiß
er bereits, dass er ihn vermissen wird.

Edi Jäger ist nicht nur ein großartiger
Komödiant, sondern auch ein begnadeter Schauspieler. Dieser Monolog bietet ihm
die perfekte Möglichkeit, beide Talente voll auszuschöpfen. Man empfindet
Mitleid mit dem gestressten, von einer „Vorstandshyäne“ unter Druck gesetzten
Bankbeamten, der zu Wutausbrüchen neigt.

Die skurrile Metapher über die gelungene Befreiung aus einer schier ausweglosen Situation wurde 2013 im Theater Paderborn Westfälische Kammerspiele uraufgeführt und ging seitdem erfolgreich in Paris, Bukarest, London und Brighton über die Bühne. Im Kleinen Theater hat Michael Kolnberger die absurd-tragikomische Geschichte mit großem Einfühlungsvermögen in Szene gesetzt. Wer wissen möchte, wo der Stein ein neues Zuhause finden wird, sollte sich unbedingt das Stück ansehen. Weitere Termine: www.kleinestheater.at

„Der Stein“ von Ana-Maria & Christoph Bamberger. Regie: Michael Kolnberger. Mit: Edi Jäger. Fotos: Ernest Stierschneider


Der Begleiter

Jurek Milewski hat Anna Burzynskas in Polen vielgespielte, schwarze Komödie ins Deutsche übersetzt und glänzt nun in der Titelrolle. Für Regisseurin Susanna Szameit sind er und Judith Brandstätter die Idealbesetzung für dieses rasante Zwei-Personen-Stück, in dem es um eine fast krankhaft große Leidenschaft geht.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Die Deutsche Erstaufführung fand in Anwesenheit der Autorin am 19. September 2019 im Kleinen Theater statt.

Im eleganten Anzug mit passender „Klavier-Krawatte“ erscheint der Korrepetitor im Probenraum und bereitet alles penibel vor, ein Glas Wasser für die zu erwartende Sängerin, sowie die passende Notenblätter. Als wenig später die Diva hereinrauscht und ohne ihn eines Blickes zu würdigen mit ihren Stimmübungen beginnt, bekennt er: „Ich bin unglücklich.“ Das verwirrt die Diva, denn gesprochen hat ihre Klavierbegleitung noch nie.

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Der Begleiter

Doch heute wird alles anders, denn nach 30 Jahren Schweigen, hat er ihr so Einiges zu sagen. Sie schenkt ihm großzügig zwei Minuten ihrer kostbaren Zeit, denn sie ist wie immer in großer Eile und will endlich mit den Proben beginnen. Schüchtern und verklemmt gesteht ihr der „gewöhnliche Tastenhandwerker“ seine Liebe und bekennt nach und nach, was er die letzten 30 Jahre alles getrieben hat, um sie genauer zu studieren. Dass er die Noten stets auswendig konnte, um so ungestört ihren wohlgeformten Resonanzkörper zu bewundern, ist noch am unverfänglichsten. Sehr geschickt unterbricht die Pause seine Geständnisse und das Publikum fragt sich, ob der Begleiter von seiner Angebeteten jemals wieder die Worte „Morgen, wie immer!“ zu hören bekommen wird.

Jurek Milewsi hat schon öfters in der Rolle
des verklemmten Liebhabers geglänzt. Großartig die hinreißend komische
Beziehungskomödie „Vier linke Hände“ von Pierre Chesnot, in der er ebenfalls
mit Judith Brandstätter das Publikum begeisterte. Diesmal darf er sich auch von
einer anderen, fast dämonischen Seite zeigen. Wenn seine Leidenschaft mit ihm
durchgeht wird er gefährlich und ist 
nicht mehr zu bremsen. Judith Brandstätter glänzt als abgehobene, nicht
mehr ganz so junge Operndiva, die sich anfangs zwar schockiert zeigt, doch dann
auf perfide Art zurückschlägt.

Alois Ellmauer hat auf die schwarze Bühne
ein filigranes, nur angedeutetes Klavier gestellt sowie einen weißen
Fensternahmen, der sich für Mord oder Selbstmord anbietet. Judith
Brandstätters  elegantes Kleid gewährt
großzügig Einblick auf ihren Resonanzkörper (Kostüme: Lili Pfeifer). Kein
Wunder dass ihr armer Begleiter da schwach wurde.

Susanna Szameit hat die skurrile Komödie der
polnischen Literaturtheoretikerin und Stückeschreiberin Anna Burzynska mit dem
richtigen Tempo inszeniert, sodass sich Unterhaltung und Spannung die Waage
halten. Ein Theaterabend wie geschaffen für das Publikum des Kleinen Theaters,
das niveauvolle Unterhaltung zu schätzen weiß.

„Der Begleiter“ von Anna Burzynska. Regie: Susanna Szameit. Bühne: Alois Ellmauer. Kostüme: Lili Pfeifer. Mit: Judith Brandstätter und Jurek Milewski. Foto: Kleines Therater / Christian Treweller


Die junge Salzburger Schauspielerin Sonja Zobel hat auch heuer wieder in Ried am Wolfgangsee ein leichtes und luftiges Sommertheater für Einheimische und Touristen organisiert.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Nun ist die Komödie des französischen Autors Clément Michel im Kleinen Theater gelandet und sorgte am 13. August 2019 für beste Stimmung.

Paul gesteht seinem Freund Martin, dass er sich von Sophie, mit der er vor vier Monaten in eine gemeinsame Wohnung gezogen ist, trennen möchte. Er liebt sie nicht mehr, kann sie einfach nicht mehr ertragen und träumt jede Nacht von einem tonnenschweren Laster, der dieses Problem für ihn lösen könnte. Paul übt ständig an einer Trennungsrede, doch wenn ihn Sophie mit unschuldigem Blick anhimmelt, bringt er kein Wort heraus. Sie ist zwar sympathisch, sexy und schrecklich nett, doch geht sie ihm nur noch auf die Nerven. Er überredet Martin, für kurze Zeit bei ihm einzuziehen und sich so danebenzubenehmen, dass ihn Sophie hoffentlich bald vor die Wahl stellt: „Entweder er oder ich!“ Damit wäre das Problem elegant gelöst.

Martin ist zwar absolut nicht begeistert,
doch Paul behauptet einfach, die Mutter seines Freundes wäre plötzlich
verstorben und er bräuchte nun seelischen Beistand. Sophie zerfließt vor
Mitleid und setzt alles daran, den armen Martin zu trösten. Dieser tut sich
jedoch sehr schwer, den „Ungustl“ zu spielen, ist er doch eigentlich ein
überaus höflicher, korrekter und ordentlicher junger Mann. Paul ist entsetzt,
als er bemerkt, dass sein Freund durch seine Kochkünste und handwerklichen
Fähigkeiten bei Sophie ständig Glückshormone freisetzt. Diese Ménage-à-trois
kann auf Dauer wirklich nicht gut gehen.

Bálint Walter überzeugt als nüchterner,
feiger Paul, der nicht in der Lage ist, mit seiner Freundin Schluss zu machen.
Wolfgang Kandler gibt seinen gutmütigen, etwas verklemmten Freund Martin, der
sich Mühe geben muss, das von ihm geforderte Chaos zu verbreiten. Sonja Zobel
umsorgt als gutmütige Sophie liebevoll den armen Martin, um ihm über den
Verlust seiner Mutter hinwegzuhelfen.

Aberwitzige Missverständnisse und schräge
Situationskomik prägen diese typisch französische Komödie. Caroline Richards
hat das Dreipersonenstück mit viel Tempo und Witz in Szene gesetzt. Das
Publikum reagierte von Anfang an mit schallendem Gelächter und die gute Laune
hielt bis zum überraschenden Ende an. Ein Theaterabend, der nicht nur an einem
heißen Sommertag für Erfrischung sorgt. Wer bissigen Humor liebt, sollte sich
die Herbst- und Wintertermine vormerken. (Weitere Vorstellungen am 3. Oktober,
20. November, 7., 29., 30. Dezember im Kleinen Theater)

„Trennung für Feiglinge“ – Komödie von Clément Michel. Regie: Caroline Richards. Dramaturgie: Eva Maria Schachenhofer. Mit: Sonja Zobel, Bálint Walter, Wolfgang Kandler. Fotos: Christian Streili/ Kleines Theater


Doppelfehler

In der spritzigen Komödie des australischen Autors, Regisseurs und Schauspielers Barry Creyton versucht ein Ex-Ehepaar, die alte Liebe wieder aufleben zu lassen.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Daniela Enzi inszeniert den ganz normalen Beziehungswahnsinn als großartig durchchoreografiertes, turbulentes Spektakel. Das sommerliche Theatervergnügen feierte am 12. Juni 2019 im Kleinen Theater Premiere.

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Nur wenige Minuten brauchen Larissa Enzi (Alex) und Torsten Hermentin (George), um zehn Ehejahre – von der Hochzeit bis zur Trennung – mimisch, gestisch und tänzerisch, grotesk-komisch zu durchleben. Fünf Jahre nach der Scheidung treffen die Streithähne in einem Restaurant zufällig wieder aufeinander. Dass Alex nun mit einem knackigen jungen Mann verheiratet ist und George mit einer „Ganovenbraut mit Atombusen“ unterwegs ist, führt zu den üblichen Beleidigungen, die man während der Ehe, die angeblich eine einzige Schlammschlacht gewesen ist, kultiviert hat.

Wie schon bei der Hochzeit muss Alex ihren Ex auf einen Toilettefehler hinweisen, wodurch sie sich allerdings wieder näherkommen. Die alte Liebe ist scheinbar noch nicht gänzlich eingerostet und so wird aus der Zufallsbegegnung eine Affäre. Schnell brechen jedoch alte Muster wieder durch und auf einer gemeinsamen Europareise läuft nicht alles wirklich harmonisch ab. George, der leicht verpeilte, gefühlsarme Wissenschaftler, ein Hypochonder ersten Ranges, zieht mit seinen ständigen Wehwehchen Alex herunter und schafft es, „das Böse“ in ihr zu wecken. Die beiden nehmen sich zwar ständig vor, nie mehr über kleine, unwichtige Dinge zu streiten, doch ob ihnen das wirklich gelingen wird?

Larissa Enzi und Torsten Hermentin
überzeugen mit großer Präsenz als beziehungsgestresstes Duo, mit dem man fast
Mitleid haben möchte. Es gibt eben Paare, die sich zwar lieben, aber den
Ehealltag gemeinsam nur schwer ertragen könne. So schwanken die mit viel
Wortwitz vorgebrachten Beleidigungen und Beschuldigungen stets zwischen Tragik
und grotesker Komik.

Daniela Enzi hat die witzig-ironischen
Wortgefechte sowie die Monologe mit unsichtbaren Therapeuten ungemein
schwungvoll und geschickt in Szene gesetzt. Zwei Stunden amüsantes, brillant
gespieltes Theater, das auch bei sommerlichen Temperaturen sehr bekömmlich ist.

„Doppelfehler“ von Barry Creyton. Regie: Daniela Enzi. Mit: Larissa Enzi und Torsten Hermentin. Fotos: Michael Klimt


Die goldene Axt

Der Salzburger Schauspieler, Regisseur,
Autor und Musiker Ben Pascal hat dem Antheringer Schauspieler Gerhard
Greiner die Geschichte eines gestrandeten Holzhackers auf den Leib
geschrieben. Als „neuer Herr Karl“ wettert er als echter
Naturbursche gegen „die Borkenkäfer, die den Wald infiltriert
haben“, und schwingt die goldene Axt als Zeichen des Aufruhrs und
des Widerstandes. Die Premiere fand am 24. Mai 2019 im Kleinen
Theater statt.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Der Holzhans, ein naturverbundener Mann und echter Kraftlackl, sieht sich als Holzhacker der Herzen. Dumme Fragen von fein gekleideten Menschen, die ihm im Wald begegnen und ihn nach seinem „echten“ Beruf fragen, ignoriert er einfach, denn „es gibt nichts Blöderes als die Leut“. Er ist jetzt 47 Jahre alt, seine Frau hat ihn verlassen und ist mit den beiden gemeinsamen Kindern zu einem Rechtsanwalt gezogen. Wie es dazu gekommen ist und wie er die nachfolgende Zeit der Einsamkeit überwinden konnte, erzählt der Holzhans in einem kernigen Monolog.

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Als er die Anni wegen des erwarteten Kindes heiraten musste, hatte er nichts gelernt, war aber stark und liebte die Natur. Er entdeckte eine Marktlücke, verkaufte unter dem Motto „Wir machen Handarbeit!“ Brennholz und so hatte die Familie lange Zeit ein bescheidenes Auskommen.

Bei den Kunden und insbesondere bei den Kundinnen war er sehr beliebt, setzte er sich doch immer gerne auf ein Bier oder einen Schnaps zu ihnen. Doch leider verschlief er die Zukunft, blieb seinen Prinzipien treu und verzichtete auf von ihm verabscheute Motorsägen.

Ein ausländisches Unternehmen machte sich in der Gegend breit und bot alles „schneller, besser und billiger“ an. So verlor er nach und nach seine Kunden. Als man ihm die Stelle eines Verkaufsleiters anbot, rastete er völlig aus und ging auf den „Saupreiß“, einen schönen Mann im Anzug, los. So lernte schließlich seine Gattin den Anwalt kennen und für den Holzhans begann die Zeit der Einsamkeit.

Ein Urlaub in Oberösterreich sollte jedoch seine Rettung sein, denn dank eines Wirtes lernt er den etwas obskuren Austro-Maskulinismus kennen, eine Bewegung zur Förderung der österreichischen Männer. Das brachte ihm neuen Lebensmut und nun kann er wieder selbstbewusst, doch leider auch bedrohlich die goldene Axt schwingen.

Gerhard Greiners hackt auch privat
gerne Holz und das sieht man ihm an. Sein Vater, ein gebürtiger
Pongauer, war Holzhacker und so ist er praktisch „mit der Hacke in
der Hand“ aufgewachsen. Kein Wunder also, dass er in der Rolle des
Holzhans eine ungeheure Authentizität ausstrahlt. Mit einer
wuchtigen Axt spaltet er auf der Bühne kraftvoll Holzblöcke, bevor
er sich auf einem Hackklotz niederlässt, um mit derselben Axt und
viel Gefühl einen Apfel zu schälen. Auch die Intensität, mit der
er die Geschichte eines „patscherten“ Lebens im tiefsten
Salzburger Dialekt erzählt, berührt. Das passende Outfit hat ihm
Norbert Gruber verpasst. Wer jemals selbst Holz gehackt hat, kennt
die meditative Wirkung, die von dieser Tätigkeit ausgeht.
„Holzhacken ist wichtig. Mehr braucht man nicht.“ Vielleicht
sollte man das auch einmal versuchen, die Lust dazu ist nach diesem
Theaterabend jedenfalls groß.

„Die goldene Axt“ von Ben Pascal. Regie: Ben Pascal. Mit: Gerhard Greiner. Weitere Termine: 8. und 28. Juni sowie als Sommertheater am 22. und 25. August 2019. Foto: Edin Mustafic


Glück im Kleinen Theater

Der französische Autor Eric Assous ist ein Garant für leichte, doch niveauvolle Komödien, die mit raffinierter Handlung und ausgefeiltem Wortwitz überzeugen. In „Glück“ müssen Alexandre und Louise am Morgen nach einer spontan verbrachten Nacht feststellen, dass sie eigentlich absolut nicht zueinander passen.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Das spritzige Theatervergnügen begeisterte bei der Premiere am 26. April 2019 das Publikum im Kleinen Theater.

Nach einer heißen Liebesnacht serviert Louise
am Morgen ihrem Lover zur Stärkung Toast und Kaffee, doch der will so schnell
wie möglich weg. Er verspricht zwar, sich im Laufe der nächsten Woche
telefonisch zu melden, doch wie soll das funktionieren, wenn er ihre Nummer gar
nicht hat. Daher versteckt sie in einem unbeobachteten Moment die
Wohnungsschlüssel und Alexandre sitzt fest. „Reinschneien, konsumieren und
abhauen“, so was mag Louise gar nicht. Sie will mehr über ihn erfahren, denn
die Reihenfolge war eindeutig falsch. Man sollte sich wohl zuerst kennenlernen
und dann erst miteinander schlafen. Alexandre behauptet, dass er unbedingt
seine Eltern pünktlich vom Bahnhof abholen müsse, und ist von ihrem Vorschlag,
ihn zu begleiteten, überhaupt nicht begeistert. Trotz dieses chaotischen
Beginns geht die Beziehung weiter, doch die Probleme werden auch nicht weniger.
Er hat für ihre Arbeit als Autorin von Kinderbüchern nur ein müdes Lächeln über
und sie wirft ihm völlige Interesselosigkeit vor, lebt er doch nur für sein
Restaurant. Als er mit einem Koffer vor der Tür steht und den Wunsch äußert,
bei ihr einzuziehen, sieht sie ihre Unabhängigkeit – sie ist seit 17 Jahren
glücklich geschieden – in Gefahr.

Anita Köchl überzeugt als starke,
selbstbewusste, doch auch dickköpfige Louise, die weiß, was sie will, doch vor
allem, was sie nicht will. Richard Saringer spielt den erfolgreichen
Restaurantbesitzer, einen Sklave seines Handys, gequält von der ständigen
Angst, eine Reservierung zu verpassen. Grandios sein verzweifelter Versuch,
durch Fassadenkletterei der Geiselnahme durch Louise zu entkommen. Seine
Bemerkung, dass man ab einem gewissen Alter nicht mehr so wählerisch sein
dürfe, weil da „die Züge nicht mehr so oft fahren“, kommt bei Louise gar nicht
gut an.

Edi Jäger fungiert diesmal als Regisseur
und bringt diese amüsante Reflexion über die Schwierigkeiten
zwischenmenschlicher Beziehungen sehr charmant auf die Bühne. Ein Theaterabend,
an dem zwei sehr unterschiedliche Vorstellungen von „Glück“ aufeinanderprallen.
Gib es für Glück ein Rezept? Dostojewski scheint die Antwort zu kennen:

„Alles
ist gut. Der Mensch ist unglücklich, weil er nicht weiß, dass er glücklich ist.
Nur deshalb. Das ist alles, alles! Wer das erkennt, der wird gleich glücklich
sein, sofort, im selben Augenblick.“

„Glück“ – „Le Bonheur“ Komödie von Eric Assous. Regie: Edi Jäger. Mit: Anita Köchl und Richard Saringer. Foto: Kleines Theater/ Christian Hartmann, Aisha Animashaun


Es war die Lerche

Im Kleinen Theater inszeniert Helmut
Vitzthum Ephraim Kishons meisterhafte Satire über das größte
Liebespaar aller Zeiten. Romeo und Julia haben überlebt und nach
fast 30 Ehejahren hängt der Himmel nicht mehr voller Geigen. Bei der
Premiere am 24. April 2019 gab es viel Applaus für ein „heiteres
Trauerspiel“ und ein groß aufspielendes Ensemble.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Ballettlehrer Romeo und seine frustrierte Julia leben in einer schäbigen, kleinen Wohnung und müssen sich mit ihrer pubertierenden Tochter Lucretia herumschlagen. Liebe und Leidenschaft sind „ wie Frühlingsschnee dahingeschmolzen“, die finanzielle Notlage und die täglichen Streitereien um die fehlende Dienerschaft bestimmen den Ehealltag und vergiften die Atmosphäre. Romeo versucht, die uralte, geschwätzige Amme, die ständig über Julia lästert, zu überreden, bei ihrer kranken Herrin etwas nachzuhelfen. Er ist nur scharf auf die Erbschaft und beabsichtigt, sich dann natürlich sofort von Julia scheiden zu lassen.

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Julia beichtet Pater Lorenzo, der sich als alter Lustgreis entpuppt, ihren Kummer: „Ich liebe meinen Mann nicht mehr, ja, ich kann ihn nicht ausstehen.“ Auch sie will sich von Romeo, der nur sich selbst, seine Wärmflasche Lisa und Rettich liebt, scheiden lassen. Das kann sich ihr Schöpfer William Shakespeare nicht bieten lassen. Er steigt aus dem Grab und will das zerstrittene Paar zu „Sitt‘ und Anstand“ gemahnen. Der geplante Doppelselbstmord sollte auch endlich klappen.

„Porca Miseria“ keift Romeo, als
ihn der Hahn weckt. Julia, ein richtiger Morgenmuffel, ist auch nicht
besser drauf. Dass die beiden bald ihren 30. Hochzeitstag feiern,
ändert nichts an den tristen Tatsachen. Sie weiß nun, dass sie
einen Versager, einen Vollkretin, einen degenerierten Montague
geheiratet hat, und er ist genervt von seiner ständig keifenden,
frigiden Frau. Hans-Jürgen Bertram und Tanja Kuntze schenken sich
als in die Jahre gekommenes ehemaliges Liebespaar wirklich nichts,
Mord und Totschlag liegen stets in der Luft. In Windeseile müssen
sie sich aber auch noch verwandeln. So wird aus Romeo ein tattriger
alter Pater Lorenzo und aus Julia die alte Amme und eine freche,
rappende Göre mit blauen Haaren. Nur Bálint Walter darf seiner
Rolle als William Shakespeare treu bleiben. Die wunderbar rezitierten
Original- Zitate führen das Publikum durch viele der klassischen
Werke. Oft weiß er selbst nicht mehr, wen er da eigentlich vor sich
hat. Ist das jetzt wirklich Julia, oder doch Ophelia oder gar
Desdemona? Kein Wunder, gibt er doch schließlich zu, dass die großen
Dramen von einem Doppelgänger geschrieben worden sind.

Franz Holzschuh hat mit viel Liebe zum
Detail ein entzückendes Kämmerlein mit riesigem Ehebett auf die
Bühne gestellt. Auch ein altmodischer Leibstuhl kommt dank Pater
Lorenzos schwacher Blase kurz zum Einsatz. Die edlen Kostüme
(Ausstattung: Nicole Horn) sind eine Leihgabe des Salzburger
Landestheaters. Helmut Vitzthum hat die „beklagenswerte“ Komödie
mit viel Schwung in Szene gesetzt und die für Shakespeare so
typische Derbheit gekonnt eingesetzt. Ein turbulenter Theaterabend,
der fast drei Stunden lang beste Unterhaltung bietet.

Es war die Lerche

Es war die Lerche“ Heiteres Trauerspiel von Ephraim Kishon. Regie: Helmut Vitzthum. Regieassistenz: Melanie Arnezeder. Ausstattung: Nicole Horn. Bühnenbild: Franz Holzschuh. Kostüme: Landestheater Salzburg. Mit: Hans-Jürgen Bertram, Tanja Kuntze, Bálint Walter. Fotos: Christoph Strom


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Ein Vater wartet in einem Tattoo- und Piercingstudio auf seine Tochter, die sich dort unbedingt „verschandeln“ lassen will. Edi Jäger erzählt, unterstützt von seiner Tochter Magdalena Köchl, vom oft frustrierenden Zusammenleben mit pubertierenden Kindern. Josefina Vázquez Arco, die Autorin des Stücks, widmet sich dem Thema „Pubertät“ einfühlsam, doch auch mit viel Humor.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Heinz Feldmann dürfte von der Schranne kommen, denn sein Einkaufskorb ist mit Obst und Gemüse prall gefüllt. Die schrecklichen Bilder von diversen Tattoos und Piercings, die im Wartezimmer des Studios hängen, dürften ihm jedoch den Appetit verderben. Für diese seltsamen Bräuche, die es hier zu bewundern gibt, hat er kein Verständnis. „Das ist nicht unsere Kultur!“ Seiner Meinung nach gehören freiwillig und mutwillig zerstochene Gesichter und Körperteile in die Wildnis, oder gleich nach Bora Bora, wo sich Männer zur Luststeigerung sogar Federn einpflanzen lassen.

Edi Jäger
Edi Jäger

Wie hatte es nur so weit kommen können?
Schuld war die ach so coole Oma, die ihre Enkelin ganz harmlos fragte: „Was
wünscht du dir eigentlich zu Weihnachten, mein Kind?“ Gegen den Wunsch nach
einem Piercing hatte sie nichts einzuwenden und so zogen auch die
vernünftigsten Argumente der Eltern nicht mehr. Aus dem einst so lieben,
kleinen Mädchen war eine freche, unberechenbare, grausame Kreatur geworden, die
ihren Vater stets mit einer Mischung aus Abscheu und Mitleid mustert. Was hat
er nur falsch gemacht? Nur allzu gerne rächt er sich, indem er ihr das
Ladekabel für ihr geliebtes Handy versteckt. Auch droht er ständig damit, mit
einem vergessenen Jausenbrot in der Schule aufzutauchen und sie vor all ihren
Mitschülern so richtig schön zu blamieren. Das wäre dann wirklich peinlich. Wie
lief die komplizierte Zeit der Pubertät wohl früher ab? Seine Mutter hat dazu
eine ganz simple Erklärung: „Da war man ein bisschen frech, hat eine Watsche
bekommen und schon war die Pubertät vorbei.“

Zwei weiß gekleidete Herren (Robert Kainar
und Chris Neuschmid), die Ärzten in einem Tollhaus ähneln, sorgen für eine
stimmungsvolle musikalische Untermalung und eine eindrucksvolle
Geräuschkulisse. Magdalena Köchl überzeugt mit kräftiger Stimme und ist auch
einem Duett mit ihrem Vater nicht abgeneigt. Edi Jäger spielt den Vater am
Rande eines Nervenzusammenbruchs mit enormem körperlichen Einsatz, schlüpft
jedoch auch in diverse andere Rollen. So versteht er es etwa als
hormongesteuerter, vorlauter, frecher Jüngling, seine arme Lehrerin im
Biologieunterricht so richtig fertig zu machen.

Ein höchst amüsanter Theaterabend, der jede
Altersgruppe zu unterhalten vermag. Die Jugend wird sich sagen: „So schlimm
sind wir doch gar nicht!“ Eltern werden mitleiden oder froh sein, dass sie
diese anstrengende Zeit mit ihren Kindern schon hinter sich haben. „Pubertät“
steht noch am 19. Jänner und 15. März 2019 im Kleinen Theater auf dem Programm.

„Pubertät“ von Josefina Vázquez Arco. Regie: Fabian Kametz. Musik: Robert Kainar, Chris Neuschmid und Magdalena Köchl. Mit: Edi Jäger. Spieldauer ca. 90 min. Foto: Christian Hartmann (sixtlK.at)


Das von der jungen Salzburger Schauspielerin Sonja Zobel gegründete „Wolfgangseer Theater“ bespielte im August den Stadl beim Leopoldhof in Ried am Wolfgangsee. Nun ist die amüsante Verwechslungskomödie von Alan Ayckborn ins Kleine Theater nach Schallmoos übersiedelt und beweist dort, dass Sommertheater auch im Herbst bestens funktioniert.

Elisabeth PichlerVon Elisabeth Pichler

Eines Morgens findet der junge Gregor ein Paar fremde, „männliche“ Hausschuhe unter dem Bett seiner geliebten Ginny. Auch die vielen Blumensträuße, Bonbonieren und verdächtigen Telefonanrufe wecken seine Eifersucht. Er weiß zwar von seinem Vorgänger, einem 30 Jahre älteren „Sugar-Daddy“, doch ist diese Affäre wirklich vorbei? Er beschließt, Ginny heimlich zum Haus ihrer Eltern zu folgen und dort um ihre Hand anzuhalten. Dummerweise trifft er vor ihr ein und unterbreitet einem verblüfften, da kinderlosen Ehepaar seine Heiratsabsichten. Der Hausherr hält Gregor für den Liebhaber seiner Frau und ist einigermaßen erschüttert über die Unverfrorenheit des jungen Mannes. Als dieser auch noch behauptet, nicht der Erste gewesen zu sein, und von drei bis vier Vorgängern erzählt, ist er fassungslos. Das hätte er seiner Frau nicht zugetraut. Als schließlich auch noch Ginny auftaucht, beginnen die Missverständnisse zu eskalieren.

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Ginny (Sonja Zobel) und Gregor (Stefan Wunder) sind zwar frisch verliebt, doch scheint es die junge Dame mit der Wahrheit nicht so genau zu nehmen, sie begnügt sich mit der halben. Mit den fatalen Folgen ihrer Lügengeschichten hat sie wohl nicht gerechnet. Auch das frustrierte ältere Ehepaar, Dodo und Philip (großartig Anita Köchl und Volker Wahl), gibt sich mit der halben Wahrheit zufrieden. Köstlich zu beobachten, wie die beiden versuchen, sich gegenseitig an einem Sonntagvormittag loszuwerden. Er will nicht auf den Golfplatz, sie nicht in die Kirche, da bleibt den beiden nichts anderes übrig, als einander anzugiften. Das ändert sich jedoch schlagartig als der junge Mann mit seinen Heiratsabsichten auftaucht.

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Regisseurin Caroline Richards verpflanzt den englischen Verwechslungsklassiker, der Alan Ayckbourn 1965 den Durchbruch als erfolgreicher Dramatiker bescherte, an den idyllischen Wolfgangsee und setzt ihn mit viel Situationskomik in Szene. Ein amüsanter Theaterabend voll Verwechslungen, Missverständnissen und Irritationen, der mit bestem Dialogwitz unterhält.

„Halbe Wahrheiten“ Komödie von Alan Ayckbourn. Regie: Caroline Richards. Kostüme: Vasitti Magnus. Mit: Anita Köchl, Volker Wahl, Stefan Wunder, Sonja Zobel. Fotos: Christian Streili

 

 

 

 


Unter dem Titel „Versuch’s doch mal mit meiner Frau!“ kam die amerikanische Komödie mit Jack Lemmon und Peter Falk in den Hauptrollen 1967 in die Kinos. Die aberwitzige Story über zwei alte Studienkollegen und ihre Probleme mit Frauen strapazierte am 26. September 2018 die Lachmuskeln des Premierenpublikums im Kleinen Theater.

Elisabeth PichlerVon Elisabeth Pichler

Harry ist ein sichtlich verzweifelter Mann und trifft umständlich Vorbereitungen für seinen Selbstmord. Er beabsichtigt, sich mit einer Schlinge um den Hals von einer Brücke in den Hudson River zu stürzen. Im letzten Moment wird er von seinem alten Schulkollegen Milt aufgehalten. Dieser nimmt kaum Notiz von der misslichen Lage seines ehemaligen Freundes, er prahlt lieber mit seinen Erfolgen als Börsenmakler. Damals in der Schule war er der Versager und Harry der Musterschüler, der Medizin studieren wollte. Da kommt Milt die rettende Idee. Er fragt seinen lebensmüden Freund: „Wie wär‘s mit Liebe?“, und bietet ihm gleich seine eigene, leider scheidungsunwillige Frau Ellen an.

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Der Coup gelingt, denn Harry ist fasziniert von Ellen, in deren Ehe es schon lange nicht mehr richtig klappt. Der Tausch ist rasch perfekt und Milt frei für seine neue, junge Liebe Linda. Nach einem Jahr treffen sich die drei wieder auf der Brücke, doch irgendetwas dürfte da schief gelaufen sein, denn so richtig glücklich wirkt nur Harry.

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Die typisch amerikanische Komödie lebt vom humoristischen Talent der drei Darsteller. Jurek Milewski lässt als völliger Versager und Hypochonder seinen Macken gekonnt und überzeugend freien Lauf. Ob die hochintelligente, doch zickige und kontrollsüchtige Ellen (Judith Brandstätter) mit diesem Loser wohl das große Los gezogen hat? Wolfgang Kandler hingegen strotzt als erfolgreicher Geschäftsmann nur so vor Selbstvertrauen, hat er sich doch aus ärmsten Verhältnissen hochgearbeitet. Jetzt fehlt ihm eigentlich nur noch die passende junge Ehefrau und die glaubt er in Linda gefunden zu haben.

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Torsten Hermentin hat die schräge, makabre Komödie abwechslungsreich mit viel Slapstick garniert und mit enormem Tempo inszeniert. Das bestens gelaunte Premierenpublikum bekam, was es sich vom Kleinen Theater stets erhofft: Zwei Stunden beste Unterhaltung und viel zu lachen.

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„Liiiebe!“ Versuch’s doch mal mit meiner Frau! – Witzig-böse Komödie von Murray Schisgal. Miluna Theater. Regie: Torsten Hermentin. Bühne: Alois Ellmauer. Kostüme: Lili Pfeiffer. Mit: Judith Brandstätter, Wolfgang Kandler und Jurek Milewski. Fotos: Christian Trewelle


Bei den Schlossbergspielen Mattsee sorgten die Turbulenzen des Ehepaars Frasinger in den drei „Sommerfrische“-Produktionen des Autors und Regisseurs Helmut Vitzthum für beste Unterhaltung. Nun stehen Traudi und Karli im Kleinen Theater auf der Bühne, wo am 2. Mai 2018 die Premiere einer reduzierten Fassung stattfand.

Elisabeth PichlerVon Elisabeth Pichler

Der Nebenerwerbsbauer Karli ist sauer. Will doch seine Frau Traudi, des leicht verdienten Geldes wegen, in ihrer etwas heruntergekommenen Pension Flüchtlinge einquartieren. Als die überaus engagierte Frau Bürgermeister mit dem Ehepaar Amina und Hamid Al Sayd vor der Türe steht, kann sich Karli kaum zu einer Begrüßung aufraffen. Um das Zusammenleben zu erleichtern, findet tags darauf ein Integrationskurs statt. Dabei werden so sensible Themen wie die Benützung einer Toilette, die Gleichberechtigung von Frauen und das bei uns unübliche Handeln angesprochen. Bald schon sieht Karli seine schlimmsten Befürchtungen bestätigt. Taucht doch Hamid mit einem Gebetsteppich in seiner guten Stube auf, um bei Sonnenaufgang das morgendliche Gebet zu verrichten. Ein Kulturclash ist also vorprogrammiert. Auch beziehungstechnisch schaut es bei den Frasingers nicht rosig aus, denn Traudi hat genug von ihrem sturen Mann, der nur im Stallgewand herumsitzt und Bier trinkt. Sie möchte wieder einmal ausgehen, um Pension und Kühe für kurze Zeit zu vergessen. Ob da eine Paartherapie wirklich helfen kann? Auch bei Familie Al Sayd ist Stress vorprogrammiert, denn das Warten auf den Asylbescheid zieht sich in die Länge und eigentlich haben die beiden nur den einen Wunsch: Sie wollen ihr altes Leben zurück.

Traudi Frasinger (Andrea Graf) hat es wirklich nicht leicht mit ihrem ständig nörgelnden, islamfeindlichen Gatten (sehr überzeugend Helmut Vitzthum). Kein Wunder, dass es zwischen ihm und Hamid (Hans Jürgen Bertram) ständig kracht. Amina (Yarina Gurtner) leidet still, sie hat sich daran gewöhnt als „Dienerin ihres Mannes“ im Schatten zu stehen. Für gehörigen Schwung sorgt Katja Hoffmann als resolute, schrille Frau Bürgermeister. Die Differenzen zwischen dem österreichischen und dem arabisch- islamischen Ehepaar werden in der guten Stube, die von einem überdimensionalen Gartenzwerg bewacht wird, ausgetragen (Ausstattung: Nicole Horn).

Das wie angekündigt „politisch nicht ganz korrekte Stück“ von Helmut Vitzthum zeigt mit viel Humor die Vorurteile und Klischees auf, mit denen die beiden Ehepaare zu kämpfen haben. Eine erfolgreiche Integration ist eben nicht so leicht, wenn die Sehnsucht nach der Heimat ständig mitschwingt.

„Welcome! Welcome! Welcome!“ – Tragikomödie von Helmut Vitzthum. Freie Bühne Salzburg. Regie, Text: Helmut Vitzthum. Regieassistenz: Melanie Arnezeder. Ausstattung: Nicole Horn. Mit: Andrea Graf, Helmut Vitzthum, Yarina Gurtner, Hans Jürgen Bertram, Katja Hoffmann. Foto: Chris Rogl