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„Romeo und Julia“ – Eine Liebe, die nie altert

Der
Ballettchef des Salzburger Landestheaters, Reginaldo Oliveira, hat
der wohl romantischten Liebesgeschichte der Weltliteratur neues Leben
eingehaucht. Der Ballettklassiker von Sergej Prokofjew verzauberte
das Premierenpublikum am 22. Februar 2020 mit genialer Musik,
überwältigend schönen Bildern und tänzerischen Höchstleistungen.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Romeo und seine Freunde haben gerne Spaß und treiben sich übermütig in den Straßen Veronas herum. Die arroganten Capulets sind für sie eine Provokation und so geraten sie ständig in Streit. Als sie von einem Maskenball in deren Schloss erfahren, schleichen sie sich als Partycrasher ein. Die jungen Damen der feinen Gesellschaft sind von den munteren Knaben schwer begeistert.

Romeo hat jedoch nur Augen für die schöne Julia und folgt ihr in den Garten. Die Eindringlinge werden bald schon als Montagues entlarvt und vertrieben, aber Romeo und Julia lassen sich nicht so leicht trennen. Als Romeo jedoch Julias Cousin Tybalt tötet, schaut es für die jungen Liebenden gar nicht mehr rosig aus. Julia weigert sich vergeblich, den feinen Prinzen Paris zu heiraten, und so kommt ein verhängnisvolles Giftfläschchen zum Einsatz. Die Tragödie nimmt ihren Lauf.

Die flotten Montagues in ihren kessen Jeans und heißen Hotpants erinnern mit temperamentvollen und aggressiven Bewegungen an die Straßengangs aus „West Side Story“. Die Capulets hingegen wirken in ihren prachtvollen Kleidern und edlen Gehröcken steif und distanziert (Kostüme: Judith Adam).

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Am Premierenabend tanzten Márcia Jaqueline als Julia und Flavio Salamanka als Romeo und überzeugten nicht nur als grandiose Tänzer, sondern auch als Schauspieler mit enormer Ausdruckskraft.

Aus dem fröhlichen, unbeschwerten Mädchen wird durch die Liebe zu Romeo eine starke Frau, die um ihre Freiheit kämpft. Leicht hat sie es nicht mit ihrer Familie, denn die strenge Mutter (Harriet Mills) und der farblose Vater (Paulo Muniz) fordern vehement Julias Hochzeit mit Prinz Paris (Klevis Neza) ein. Nur die Amme (Larissa Mota) hat Mitleid mit dem armen Kind, auch wenn ihre List mit dem ganz speziellen Gift leider schiefgeht. Romeos Freunde Mercutio (Iure de Castro) und Benvolio (Diego da Cunha) strotzen nur so vor Energie und so ist es kein Wunder, dass es immer wieder zu Auseinandersetzungen mit den Capulets kommt. Ein Wiedersehen gibt es mit Ballettmeister Alexander Korobko in der Rolle des finsteren Tybalt, der von Romeo niedergestochen wird.

Reginaldo Oliveira hält sich im ersten Akt ziemlich genau an Shakespeares Vorlage. Im zweiten Teil kommt er jedoch ohne Pater Lorenzo aus und das macht die Geschichte besonders intim. Spektakuläre Bilder liefert der schief liegende Renaissance-Palast, den Sebastian Hannak auf die Bühne gelegt hat. Zum tragischen Finale wird dieser zur grauen Ruine, durch die die verzweifelten Liebenden irren, bis sie in der Familiengruft gemeinsam den Tod finden.

Ein opulenter Ballettabend in wundervoller Kulisse und Kostümen, der mit einer perfekten Mischung aus klassischem und modernem Tanz besticht, mit viel Witz im Detail unterhält und mit mitreißenden Ensembleszenen begeistert.

Romeo und Julia“ – Ballett von Reginaldo Oliveira nach William Shakespeare. Musik von Sergej Prokofjew. Szenische Konzeption und Choreographie: Reginaldo Oliveira. Bühne: Sebastian Hannak. Kostüme: Judith Adam. Dramaturgie: Maren Zimmermann. Mit: Flavio Salamanka, Iure de Castro, Klevis Neza, Márcia Jaqueline, Harriet Mills, Mikino Karube, Larissa Mota, Chigusa Fujiyoshi, Paulo Muniz, Cassiano Rodrigues, Lucas Leonardo, Diego da Cunha, Niccoló Masini, Alexander Korobko, Karine de Matos, Valbona Bushkola, Cara Hopkins, Héctor Ortega González. Fotos: Anna-Maria Löfflberger und Admyll Kuyler


„Viva la Diva“ – Die Callas aus Ischl

Andreas Fladvad-Geier hat gemeinsam mit Regisseur Stephen Medcalf für Gaetano Donizettis Opera buffa „Le convenienze ed inconvenienze teatrali“ („Sitten und Unsitten der Leute vom Theater“) eine spezielle „Salzburger Fassung“ erstellt. Die spritzige Parodie auf den Opernbetrieb feierte am 8. Februar 2020 im Salzburger Landestheater Premiere.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Als Vorspiel findet ein Casting für die Oper „Romolo ed Ersilia“ von Galliano Dozzinetti statt. Die desinteressierte Jury gibt bösartige Kommentare ab, schlürft genüsslich Kaffee und unterbricht ständig die Sängerinnen und Sänger. Schließlich wird die ungarische Mezzosopranistin Dorottya Pesty ebenso engagiert wie die Soubrette Luisa Klein. Da Franz-Joseph von Suppersberger unter Stimmproblemen leidet, darf er als Inspizient einspringen.

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Zehn Wochen später wartet die Crew der Opera Lunatica auf der Probebühne auf die Primadonna, Corinna von und zu Hochkrähenstein. Als sie endlich mit ihrem verwöhnten Hündchen Contessa und ihrem Gatten Sergej Prokoloff auftaucht, beginnen die Probleme, denn er alleine besitzt den Draht zum russischen Großsponsor und „Wer das Geld hat, darf bestimmen“. Die kapriziöse Diva macht allen das Leben schwer und so verlässt bald nicht nur der Tenor beleidigt die Bühne: „Ich habe fertig!“ Es finden sich jedoch schnell Einspringer, egal ob die Stimmlage nun passt oder nicht. Kurz vor der Kostümprobe taucht auch noch Luisas Mutter Agatha auf und fordert ein Rondo für ihre Tochter. Außerdem kennt sie die Diva von früher, denn die beiden haben gemeinsam im Chor gesungen und so nennt sie diese verächtlich „Die Callas aus Ischl“. Komponist und Theaterdirektor sind bald schon mit den Nerven am Ende.

Nach der Pause zieren ein riesiger, blauer Römerkopf sowie ein blaues Schwert die Bühne. Man musste mit den ausrangierten Resten aus Oberammergau vorliebnehmen, denn das Geld ist knapp. Als die Soldaten aufmarschieren und alles für die große Opferszene bereit ist, streikt plötzlich das Orchester und Polizei stürmt auf die Bühne. Ob die Premiere von „Romolo ed Ersilia“ jemals stattfinden wird, ist also fraglich.

In der Volksoper Wien inszenierte 2015 Rolando Villazón Donizettis Oper unter dem Titel „Viva la Mamma“, denn der eigentliche Star des Abends ist eindeutig der Bariton, der Luisas ehrgeizige Mutter Agatha verkörpert. In Salzburg darf George Humphreys in dieser Rolle sein komödiantisches Talent unter Beweis stellen und er macht das ganz hervorragend. Alle fürchten die Rache der Mutter, und das Töchterchen (Hazel McBain) würde am liebsten die Bühne für immer verlassen. Anne-Fleur Werner treibt als kapriziöse Diva mit ihren Marotten den armen Tenor (Gustavo Quaresma) und den Mezzosopran (Zsófia Mózer) in die Flucht und nervt Theaterdirektor (Yevheniy Kapitula) und Regisseur (Samuel Pantcheff). Raimundas Juzuitis hält als ihr Gatte den russischen Großsponsor bei Laune und so ziert das Bühnenbild schließlich eine riesige Wodkaflasche, die wie eine Rakete gezündet werden kann. Franz Supper hält als Inspizient die Compagnie zusammen, findet schließlich seine Stimme wieder und schmettert zum Beweis eine Arie ins Publikum, die eindeutig nicht von Donizetti stammt. Grandios der Aufmarsch des Männerchors in eigenwilligen Römerkostümen (Bühne und Kostüme: Yannis Thavoris) zu einer mitreißenden Choreographie von Kate Watson. Donizettis virtuose Opernpersiflage garantiert in der mit jeder Menge Lokalkolorit versehenen deutschen Übersetzung von Andreas Fladvad-Geier, humorvoll in Szene gesetzt von Stephen Medcal, reinstes Vergnügen. Eifersüchteleien zwischen Sängern und Machtkämpfe zwischen Regisseuren, Theaterdirektoren und Komponisten gehörten ja schon immer zum Alltag einer Opernproduktion. Ein prickelndes Theatervergnügen, nicht nur für Opernfans.

Viva la Diva“ – Opera buffa in zwei Akten mit Musik von Gaetano Donizetti nach einer Dichtung von Simeone Antonio Sografi. Neue Fassung von Andreas Fladvad-Geier und Stephen Medcalf für das Salzburger Landestheater. Deutsche Übersetzung von Andreas Fladvad-Geier. Musikalische Leitung: Adrian Kelly. Inszenierung: Stephen Medcalf. Bühne und Kostüme: Yannis Thavoris. Choreographie: Kate Watson. Mit: Anne-Fleur Werner, George Humphreys, Hazel McBain/Tamara Ivanis, Raimundas Juzuitis, Yevheniy Kapitula, Samuel Pantcheff, Zsófia Mózer, Gustavo Quaresma/Joseph Doody, Franz Supper, Adrian Kelly, Alexander Hüttner, Birute Ramonaite, Eunjung Lee. Fotos: © SLT/ Tobias Witzgall


„My Fair Lady“ – Es grünt so grün im Haus am Markartplatz

Frederik Loewes Broadwayhit von 1956
zählt zu den beliebtesten und bekanntesten Musicals. Andreas Gergen
bringt die „Bronner-Fassung“ auf die Bühne, in der Eliza
Doolittle und ihr Vater im tiefsten Wiener Dialekt die Ohren des
Phonetikprofessors Henry Higgins beleidigen. Die Premiere dieser
bezaubernden, schwungvollen Inszenierung wurde am 6. Dezember 2019
stürmisch gefeiert.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Der zynische Dialekt-Forscher Professor Henry Higgins geht mit dem Sprachwissenschaftler Oberst Hugh Pickering eine Wette ein. Er will innerhalb eines halben Jahres aus dem einfachen Londoner Blumenmädchen, das „quakt wie ein gallenleidender Frosch“, eine echte Lady machen und sie beim Diplomatenball als Herzogin präsentieren. Es folgen qualvolle, kräftezehrende Sprachübungen, bis Eliza es endlich schafft, „Es grünt so grün, wenn Spaniens Blüten blühen!“ zur Zufriedenheit des Professors auszusprechen: „Ich glaube, jetzt hat sie’s!“

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Die Zeit ist nun reif für einen ersten Versuch, sie in die feine Gesellschaft einzuführen. Leider wird ihr Auftritt beim Pferderennen in Ascot zum Fiasko und so heißt es weiter üben, denn der große Ball steht bevor und so schnell gibt Professor Higgins nicht auf.

Die hohen, grauen Bücherwände im Wohnzimmer von Professor Higgins scheinen sich nicht allzu positiv auf seine Stimmung auszuwirken. Wenn jedoch die Seitenwände aufgeklappt werden, kommt Leben in die staubige Stube und es gibt genügend Platz für einen Blumenmarkt, einen Schanigarten, ja sogar für ein Pferderennen mit „echten“ Pferden (Bühne: Stefan Mayer). Sascha Oskar Weis überzeugt als unsensibles, egoistisches Scheusal, das nur vom gutmütigen Oberst Pickering (Axel Meinhardt) und der Haushälterin Mrs. Pearce (Eva Christine Just) etwas eingebremst werden kann. Kein Wunder also, dass Ilia Staple als Eliza für ihren temperamentvoll vorgetragenen Rachesong „Pass nur auf Henry Higgins, pass nur auf!“ den größten Applaus erntet. Sie überzeugt aber nicht nur als schnippisches, selbstbewusstes Blumenmädchen, sondern auch als feine Lady, die nach ihrem Triumph von ihrem herzlosen Lehrmeister zutiefst gekränkt wird.

Georg Clementi torkelt als Elizas schlitzohriger, trinkfreudiger Vater über die Bühne und bejammert mit Reibeisen-Stimme seinen plötzlichen Reichtum, bedeutet der doch, dass er nun pünktlich vor dem Traualtar zu erscheinen hat. Marco Dott ähnelt als Higgins Mutter verblüffend der unvergesslichen Lotte Tobisch und ist mit dem Benehmen des Sohnes absolut nicht zufrieden. Als verliebter, doch leider zu schüchterner Freddy darf Oliver Floris nur die Straßenlaterne vor Elizas Haus umarmen.

Das Mozarteumorchester Salzburg serviert unter dem Dirigat von Iwan Davies mitreißend und schwungvoll Frederik Loewes unvergessliche Melodien. Ballett und Chor des Salzburger Landestheater füllen den Blumenmarkt, das Rennen in Ascot und den Diplomatenball perfekt choreografiert mit Leben. Ältere Semester haben sicherlich noch die oscarprämierte, opulente Verfilmung des Musicals mit Audrey Hepburn und Rex Harrison aus dem Jahre 1964 im Kopf. Andreas Gergens geschmackvolle Inszenierung überzeugt mit Wiener Schmäh und einer herausragenden Ilia Staple als Eliza. Ein herzerfrischender Musicalabend, der mit pointensicheren Dialogen nicht nur eingefleischte Musicalfans zu verzaubern vermag.

„ My Fair Lady“ – Musik von Frederick Loewe. Buch und Liedtexte von Alan Jay Lerner. Wiener Fassung von Gerhard Bronner. Musikalische Leitung: Iwan Davies. Dirigat: Ines Kaun, Gabriel Venzago. Inszenierung: Andreas Gergen. Choreographie: Dennis Callahan. Bühne: Stefan Mayer. Kostüme: Regina Schill. Lichtdesign: Daniela Klein. Dramaturgie: Katrin König. Mit: Ilia Staple, Sophie Mefan, Patrizia Unger, Sascha Oskar Weis, Axel Meinhardt, Oliver Floris, Philipp Andreas Sievers, Georg Clementi, Oliver Mülich, Eva Christine Just, Marco Dott, Sylvia Offermans, Alexander Hüttner, Rudolf Pscheidl, Manuel Millonigg, Zsófia Mózer, Desislava Ilieva, Mona Akinola. Ballett des Salzburger Landestheaters. Chor des Salzburger Landestheaters. Mozarteumorchester Salzburg. Fotos: Anna-Maria Löffelberger


„Cyrano de Bergerac“ – der bemitleidenswerte Degenheld

Edmond Rostands romantische, 1897 uraufgeführte Verskomödie feierte am 23. November 2019 im Salzburger Landestheater Premiere. Carl Philip von Maldeghem hat Gender und Theater geschickt verknüpft und der Phantasie somit keine Grenzen gesetzt.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Der Titelheld, ein französischer Dichter des 17. Jahrhunderts, ist wortgewandt, charismatisch, und rauflustig. Er leidet jedoch unter seinem Aussehen, besonders unter der Übergröße seiner Nase. Seine von ihm innig verehrte und geliebte Cousine Roxane sieht in ihm jedoch nur einen „brüderlichen Vetter“. So muss er seine wahren Gefühle verbergen. Um der Angebeteten stets nahe zu sein, hilft er dem zwar hübschen, doch etwas dümmlichen Christian de Neuvillette mit poetischen Liebesbriefen bei seinem Liebeswerben.

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Bei einem Stelldichein im dunklen Garten souffliert er ihm so perfekt, dass der junge Kadett schließlich den ersten Kuss ergattert. Es folgt eine schnelle Hochzeit, bevor es mit den Gascogner Kadetten ab in den Kampf geht. Jeden Tag flattern nun zwei poetische Briefchen zu Roxane, bis diese „vom Geist berauscht“ zu ihrem Mann mitten ins Heereslager eilt. Das Schicksal nimmt seinen Lauf und Cyrano wird Teilhaber von Freud und Leid seiner geliebten Roxane.

In der Titelrolle leidet Christoph Wieschke an unerfüllter Liebe. Doch „leichtgläubig sind wir, wenn wir lieben“, und so fällt seine Angebetete, die schöne Roxane (Tina Eberhardt), auf den eitlen Blender Christian (Nikola Rudle) herein, der wahrlich kein Schöngeist ist. „Cyrano de Bergerac“ gilt als Mantel-und Degen-Romanze. Im Salzburger Landestheater wird daher wild gefochten und gekämpft, wobei die Gascogner Kadetten (junge Damen des Salzburger Festspiele und Theater Kinderchores) voll in ihrem Element sind. Die Romantik kommt bei dem minimalistischen Bühnenbild von Karin Rosemann etwas zu kurz, denn die große Liebesszene im dunklen Garten findet vor einer kahlen, weißen Mauer statt, die Christian nur mit Cyranos Hilfe erklimmen kann, um endlich zu seinem ersten Kuss zu kommen.

Nur gut, dass man heute nicht mehr zur Galanterie verpflichtet ist. Roxanes romantische Ansprüche könnten wohl nur mit Hilfe des Internets befriedigt werden. Eine edle Seele zu erkennen, die sich hinter einer nicht so edlen Fassade versteckt, ist auch heute nicht immer einfach. Bei der Premiere gab es herzlichen Applaus, vor allem für die kapriziöse Roxane, ihren verhinderten Liebhaber Cyrano und den kessen Christian.

„Cyrano de Bergerac“ Romantische Komödie von Edmond Rostand. Inszenierung: Carl Philip von Maldeghem. Ausstattung: Karin Rosemann. Licht: Lukas Breitfuss. Musik: Julius von Maldeghem. Mit: Christoph Wieschke, Nikola Rudle, Janna Ramos-Violante, Tina Eberhardt, Sophie Mefan, Janina Raspe, Walter Sachers, Stefan Janauschek. Als Gascogner Kadetten: Mia Gerl, Muriel Glage, Lara Horvath, Paula Lischent, Melanie Maderegger, Flora Menslin, Franziska Stebler, Clara Stein, Maria Straßl. Fotos: SLT/ © Anna-Maria Löffelberger


der kleine vampir

Der kleine Vampir

Das Salzburger Landestheater feiert das
40-jährige Jubiläum des Kinderbuchklassikers von Angela Sommer-Bodenburg mit
einem schwungvollen, vampirisch-gruseligen Musical. Kinder ab sechs Jahren und
natürlich auch ihre Begleitpersonen dürfen zum Finale gemeinsam mit dem
Vampir-Ensemble zum „Tanz der Vampire“-Song mitsingen, mitklatschen und
mittanzen.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Anton ist ein braves Kind, das gerne liest. Gruselgeschichten haben es ihm besonders angetan. Eines Samstagnachts sitzt doch tatsächlich ein einsamer, kleiner Vampir auf seiner Fensterbank und jammert: „Allein sein, nein, jetzt reicht es mir!“

Er nennt sich Rüdiger von Schlotterstein und hat heute schon zu Abend gegessen. Daher interessiert er sich mehr für Antons Gruselbücher als für sein Blut. Rüdiger will Anton mit auf den Friedhof nehmen, um ihm seine großartig stinkende, feuchte und schreckliche Familiengruft zu zeigen. Er leiht ihm einen Umhang und schon fliegen die beiden zur Gruft der von Schlottersteins. Rüdigers kleine Schwester, die noch Milch trinkende Anna, ist begeistert vom neuen Freund ihres großen Bruders. Nur gut, dass die bissige Tante Dorothee ständig ihre Zähne suchen muss. Als sie jedoch herausfindet, dass Rüdiger einen Menschenfreund hat, bekommt er Gruftverbot.

Wo soll er jetzt bloß hin? Auf dem Friedhof ist es viel zu gefährlich, denn bewaffnet mit Knoblauch schleicht Friedhofswärter Geiermeier auf der Jagd nach Vampiren ständig zwischen den Gräbern herum. Soll aus dem wunderbar verfallenen Friedhof etwa wirklich ein Park werden? Da bleibt der Vampirfamilie Schlotterstein wohl nichts anderes übrig, als in eine neue Gruft im Jammertal zu ziehen, die aber glücklicherweise nur wenige Flugminuten von Antons Wohnung entfernt ist.

Dass Gregor Schulz nicht nur in tragischen
Rollen überzeugen kann, hat er schon des Öfteren bewiesen. Diesmal begeistert
er die Kinder als charmanter, liebenswerter „kleiner Vampir“, der es mit dem
gestrengen Vampir-Kodex nicht so genau nimmt. Tim Oberließen gibt den begeisterungsfähigen
kleinen Anton, der das Gruseln über alles liebt. Als Rüdigers kleine, quirlige
Schwester Anna schwärmt Patrizia Unger für den neuen Freund ihres Bruders. Die
blutrünstige Tante Dorothee ist bei Genia Maria Karasek gut aufgehoben. Alessandro
Visentin sorgt mit seinen Auftritten als Vampirjäger Geiermeier stets für
Gekreische im Publikum.

Christina Piegger hat die vergnügliche Geschichte temporeich in Szene gesetzt, wobei die Choreographie von Josef Vesely zusätzlich für Schwung sorgt. Für das zauberhafte, windschiefe Kinderzimmer mit den vielen Gruselbüchern und die feuchte Gruft mit den liebevoll arrangierten Utensilien der Bewohner zeichnet Peter Engel (Bühne und Kostüme) verantwortlich.

Am 10. November 2019 gab es statt einer
Pause, die bei einem einstündigen Kinderstück nicht unbedingt nötig ist, für
neugierige und interessierte Kinder nach der Vorstellung ein Künstlergespräch
mit dem Vampir-Ensemble. Alle Fragen konnten zufriedenstellend beantwortet
werden und die Kinder genossen die Nähe zu den Schauspielern sichtlich. Eine
super Idee!

„Der kleine Vampir“ – Angela Sommer-Bodenburg. Komposition von Uwe Vogel. Libretto und Song-Texte von Angela Sommer-Bodenburg, Marcel Gödde und Karl-Heinz March. Inszenierung: Christina Piegger. Choreographie: Josef Vesely. Bühne und Kostüme: Peter Engel. Mit: Gregor Schulz, Tim Oberließen, Patrizia Unger, Genia Maria Karasek, Alessandro Visentin. Fotos: SLT/ © Anna-Maria Löffelberger


Lohengrin

„Lohengrin“ – Richard Wagners romantische Oper als düstere Parabel

Die märchenhafte, tragische Liebesgeschichte zwischen dem „strahlenden Schwanenritter“ und seiner reinen, doch etwas naiven Elsa findet bei Regisseur Roland Schwab in und vor dem Wrack eines in der Felsenreitschule abgestürzten Flugzeugs statt. Bei der Premiere am 2. November 2019 gab es nach viereinhalb Stunden neben vielen Bravos dann doch auch einige Buhs.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Zu den sphärischen Streicherklängen des Vorspiels taumeln die traumatisierten Bürger von Brabant nach einem Flugzeugabsturz um den zerborstenen Jet. Als der blinde König Heinrich erscheint, um die Erbfolge im Herrscherhaus zu regeln, beansprucht Telramund den Thron für sich und beschuldigt die rechtmäßige Erbin Elsa des Brudermordes. Ein Gottesurteil soll Klarheit bringen, doch niemand will gegen Telramund antreten. Da erscheint auf einem Schwan ein gottgesandter Ritter, eine überirdische Erscheinung, und rettet Elsa aus höchster Not. Die Hochzeit der beiden ist beschlossene Sache, doch muss Elsa ihm versprechen, nie nach seinem Namen, seiner Herkunft oder seiner Art zu fragen. Das kann nicht gut gehen, denn Telramund und seine fiese Gattin, die heidnische Zauberin Ortrud, schmieden Rachepläne.

Lohengrins tragische Geschichte ließ Richard Jones 2009 in München auf einer Baustelle stattfinden und der Bayreuther „Ratten-Lohengrin“ von Hans Neuenfels aus dem Jahre 2010 mutierte vom Skandalstück zum kultigen Klassiker. Warum also sollten Lohengrin und Elsa nicht auf einem Trümmerfeld rund um ein Flugzeugwrack aufeinandertreffen? In den dreigeschossig übereinander angelegten Arkaden der Felsenreitschule hingegen wird kräftig gefeiert.

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Hier vergnügt sich die feine Gesellschaft, die Herren in schwarzen Anzügen, die Damen in eleganten Glitzerkleidern (Kostüme: Gabriele Rupprecht). Mit Vorfreude auf das nahende Unheil bereiten zu den Klängen des Brautmarsches Telramund und Ortrud das Hochzeitslager für Elsa und ihren Ritter. Damit sicher nichts schiefgeht, werden vorsorglich noch ein paar Sprengsätze angebracht.

Leslie Suganandarajah gibt in der Felsenreitschule sein Debüt als Musikdirektor des Salzburger Landestheaters und darf bei dieser Produktion mit wirklich großartigen Sängerinnen und Sängern zusammenarbeiten. Dass Benjamin Bruns (Lohengrin) und Jacqueline Wagner (Elsa) auch Mozartsänger sind, kommt ihm sehr entgegen, bevorzugt er doch leichte Stimmen und Durchlässigkeit. Im Gegensatz zu den feinen, doch ausdrucksstarken Klangfarben dieser Lichtgestalten überzeugen die beiden Bösewichte, Alexander Krasnov als Telramund und Mina-Liisa Värelä als Ortrud, mit Stimmstärke, kraftvoller Vitalität und enormer Bühnenpräsenz, er als bärenstarker Muskelmann und sie als intrigantes Energiebündel.

Lohengrin wird oft auch als Choroper bezeichnet und so werden Chor und Extrachor des Salzburger Landestheaters durch den Philharmonia Chor Wien verstärkt. Platz ist in der riesigen Felsenreitschule genügend vorhanden und der wird auch voll ausgenützt. Das brillant musizierende Mozarteumorchester Salzburg folgt dem lustvollen Dirigat von Leslie Suganandarajah mit Präzision und Dynamik, ein eindrucksvolles Klangerlebnis. Regisseur Roland Schwab und seine langjährigen Weggefährten, Kostümbildnerin Gabriele Rupprecht und Bühnenbildner Piero Vinciguerra, bieten mit dieser Inszenierung ein ganz großes Opernerlebnis, wie man es in Salzburg normalerweise nur zur Festspielzeit geboten bekommt.

„Lohengrin“ – Romantische Oper in drei Aufzügen von Richard Wagner. Dichtung vom Komponisten. Musikalische Leitung: Leslie Suganandarajah. Inszenierung: Roland Schwab. Bühne: Piero Vinciguerra. Kostüme: Gabriele Rupprecht. Musikalische Einstudierung: Wolfgang Götz. Musikalische Assistenz: Gabriel Venzago. Mit: Benjamin Bruns         , Pavel Kudinov, Jacquelyn Wagner, Alexander Krasnov, Miina-Liisa Värelä/Khatuna Mikaberidze, Raimundas Juzuitis, Nicolas Podlogar/Tobias Reischl, Franz Supper, Samuel Pantcheff, Manuel Millonigg, Chong Sun, Hazel McBain, Anne-Fleur Werner, Zsófia Mózer, Mona Akinola. Chor und Extrachor des Salzburger Landestheaters. Philharmonia Chor Wien. Mozarteumorchester Salzburg. Fotos: SLT/ © Anna-Maria Löffelberger


The Rocky Horror Show

The Rocky Horror Show – der Genuss verbotener Früchte

Richard O’Briens Kultmusical aus dem Jahre 1973 lädt im Salzburger Landestheater zum Mitfeiern, Mitsingen und Mittanzen ein, wobei sich der Fanbag mit Wasserpistole, Knicklichtern, Luftschlangen etc. als höchst hilfreich erweist und die Stimmung anheizt.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Regisseur Marco Dott hat das Spektakel als freche, transsilvanisch-galaktische Show inszeniert, ein Garant für gute Laune und jede Menge Spaß.

Janet und Brad, ein frisch verlobtes, etwas biederes Pärchen, fahren aufs Land, um einen gemeinsamen Freund, den Naturwissenschaftler Dr. Everett Scott, zu besuchen. Eine Reifenpanne zwingt sie, sich bei strömendem Regen auf die Suche nach einem Telefon zu machen. In einem alten Schloss finden sie Unterschlupf und werden dort von einem etwas schrulligen Diener zur Soiree seines „Meisters“ eingeladen.

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Dieser Dr. Frank’n’Furter, ein Außerirdischer vom Planeten Transsexual, ist gerade dabei, in seinem Labor einen Menschen ganz nach seinem Geschmack künstlich herzustellen. Zur „Geburt“ dieses Lustknaben sind die gesamte exzentrischen Dienerschaft und natürlich auch die gerade angekommenen Gäste geladen. Der muskulöse kleine Rocky erweist sich als ein wahrer Adonis, ist zwar nicht besonders schlau, dafür sehr anlehnungs- und liebesbedürftig. Es folgt eine lustbetonte Nacht, die Janet und Brad nicht so schnell vergessen werden.

Den Kultfilm „The Rocky Horror Picture Show“ aus dem Jahre 1975 hatte ich nur noch grob im Kopf, doch dank Internet ließ sich Vergessenes schnell wieder auffrischen und so waren die vielen Parallelen in der Inszenierung von Marco Dott leicht herauszufinden. Dieser schlüpft, wie einst Richard O’Brien, in die Rolle des finsteren Dieners Riff-Raff. Die musicalerprobte Anja Clementi steht ihm als seine Schwester Magenta zur Seite. Als blondgelockter Dr. Frank’n’Furter überzeugt Benjamin Oeser nicht nur stimmlich, sondern auch mit dem Selbstbewusstsein und der Bühnenpräsenz eines großen Popstars. Janet (Patrizia Unger) und Brad (Martin Trippensee) fühlen sich zwar anfangs ziemlich unwohl in dem sittenlosen Schloss, doch nach der legendären Übernachtung in getrennten Zimmern, die das Publikum als Schattenspiel miterleben darf, sind sie kaum wiederzuerkennen. Sebastian Smulder ist ein liebenswerter, sensibler kleiner Muskelmann mit großer Stimme und umwerfend naivem Lächeln. Axel Meinhardt trifft als langweiligen Erzähler das härteste Los, denn sobald er in seiner Loge auftaucht, wird er vom Publikum niedergemacht. „Boring!“ ist dabei noch der harmloseste Zwischenruf.

„The Rocky Horror Show“ ist ein Mitmach-
und Mitsingtheater und so kommt das Publikum kaum zur Ruhe. Man sollte sich
jedoch vor Beginn der Vorstellung mit dem Inhalt des Fanbags vertraut machen,
denn der Einsatz der Spritzpistolen, die zwar klein, doch äußerst effektiv
sind, sorgt gleich zu Beginn für größte Verwirrung und Heiterkeit. Da sollte
man die Sonderausgabe der Salzburger Nachrichten als Schutz schnell zur Hand
haben.

Das Salzburger Landestheater war bei der von mir besuchten Vorstellung am 11. Oktober 2019 bis auf den letzten Platz gefüllt und die Stimmung einzigartig, auch wenn zum „Zeitsprung“ bei dem Hit „Let‘s do the time warp again“ leider der nötige Platz fehlte. Hinter den Kulissen sorgt die Rocky Horror Salzburg Band für den passenden Sound. „The Rocky Horror Show“ ist absoluter Kult und so reist das Publikum von weit her, um sich diese Inszenierung nicht entgehen zu lassen. Wer dabei sein möchte, muss sich deshalb beeilen, denn die noch zur Verfügung stehenden Plätze sind rar. Diese Erfolgsproduktion schreit schon jetzt nach Zusatzvorstellungen.

Richard O’Briens „The Rocky Horror Show“ – Musikalische Leitung: Wolfgang Götz. Inszenierung: Marco Dott. Choreographie: Josef Vesely und Kate Watson. Bühne: Christian Floeren. Kostüme: Conny Lüders. Lichtdesign: Martin Nussbaumer. Mit: Benjamin Oeser, Patrizia Unger, Martin Trippensee, Marco Dott, Anja Clementi, Sophie Mefan, Christoph Wieschke, Sebastian Smulders, Axel Meinhardt. Phantome: Melanie Haberlander, Anna Knott, Oliver Mülich, Cassiano Rodrigues, Philipp Andreas Sievers, Josef Vesely, Kate Watson, Anna Yanchuk. Rocky Horror Salzburg Band: Kurt Gersdorf (Saxophon), Franz Trattner (Schlagzeug), Klaus Kircher (E-Bass), Tom Reif (E-Gitarre), Isabella Trießnig/Iwan Davies/Eunjung Lee (Keyboard). Fotos: SLT/ © Anna-Maria Löffelberger


Karl Valentin

„Eine Nacht im Theater: Ein Karl-Valentin-Abend“

In den Kammerspielen schlüpfen zwei Schauspielerinnen und zwei Schauspieler in die Rolle des bayrischen Sprachkünstlers Karl Valentin (1882-1948), der sich selbst als Humorist, Komiker und Stückschreiber sah.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Eine Hommage an einen Wortkünstler, der mit seinem Humor und Sprachwitz zahlreiche nachfolgende Künstler beeinflusst hat, darunter Bertolt Brecht, Loriot und Gerhard Polt.

Erschöpft reißen sich vier Schauspieler die Perücken vom Kopf und beginnen sich abzuschminken. Die Vorstellung ist vorbei, sie sind hungrig und müde und wollen nur noch nach Hause. Doch irgendwer hat die Türe versperrt und so sind sie gezwungen, die Nacht in der kalten, ungemütlichen Künstlergarderobe, eigentlich mehr einer zugemüllten Abstellkammer, zu verbringen.

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Zank und Streit sind also vorprogrammiert. Alles beginnt mit einem „Streit mit schönen Worten“ zwischen den Jungen (Nikola Jaritz-Rudle und Jakob Egger), bevor der grantige, über die Temperatur der Suppe mosernde Ehemann (Walter Sachers) von seinem Eheweib (Britta Bayer) endlich den nun leider verbrannten „Hasenbraten“ serviert bekommt. Es ist genügend Zeit, die Szene so oft zu wiederholen, bis wirklich alles passt. Nachdem die armen Wirtshaussemmeln ihr unerträgliches Leid eindrucksvoll geschildert haben, wird philosophiert, denn „Pessimistischer Optimismus“ ist angesagt. Einer der wirklich großen „Erleuchtungsmomente“ ist die Idee der Einführung einer Theaterpflicht, nach dem Muster der Schulpflicht. Der Mensch wäre also gezwungen, 365 Mal im Jahr ins Theater zu gehen, ob es ihm nun vor dem Theater graust oder nicht. Einem Schüler graust es ja auch, in die Schule zu gehen, aber er geht gern hinein, weil er muss.

Sogar der Teufel erscheint in dem Sketch „Ich komme von der Hölle rauf“ und
beklagt sich über die Überfüllung seines Reviers, verwendet man doch in Bayern
den Spruch „den oder die soll der Teufel holen“ viel zu oft. Nach der Pause
erklärt der Vater dem Sohn den Krieg, wie er entsteht und wie er zu verhindern
wäre. Natürlich darf auch der legendäre „Buchbinder
Wanninger“
in der Mixtur aus Texten, Sketchen und Liedern nicht fehlen.

Der junge, im bayerischen Chiemgau aufgewachsene Regisseur Alessandro Visentin hat Originaltexte von Karl Valentin mit eigenen Texten kombiniert und Eva Musil (Bühne und Kostüme) hat mit einer ungemütlichen Künstlergarderobe den passenden Rahmen für die nostalgische Hommage an einen Ausnahmekünstler geschaffen. Karl Valentin musste nämlich bei einem Gastspiel im „Bunten Würfel“ in einer ungeheizten Garderobe übernachten und holte sich dabei buchstäblich den Tod.

„Eine Nacht im Theater: Ein Karl-Valentin-Abend“ mit Originaltexten von Karl Valentin und zusätzlichen Texten von Alessandro Visentin. Kammerspiele. Inszenierung: Alessandro Visentin. Bühne und Kostüme: Eva Musil. Dramaturgie: Friederike Bernau. Mit Britta Bayer, Jakob Egger, Nikola Jaritz-Rudle und Walter Sachers. Fotoss: SLT/ Tobias Witzgall


Oberon

„Oberon“ – und sein unbedachter „Schreckensschwur“

Mit Carl Maria von Webers romantischer Feenoper startet das Salzburger Landestheater in die neue Saison und bringt alle drei Sparten, Musiktheater, Schauspiel und Ballett auf die Bühne des großen Hauses.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Regisseur Volkmar Kamm hat die 1826 in London uraufgeführte Oper mit viel Witz und Ironie in Szene gesetzt. Die phantastische Reise in den Orient verzauberte bei der Premiere am 21.September 2019 das Publikum.

Schon während der Ouvertüre mit ihrer geheimnisvollen Einleitung und dem prägnanten Hornruf treibt Puck seine Späße. Sein Herr und Gebieter, der König des Feenreiches, ist jedoch total unglücklich, denn wieder einmal hat er sich mit seiner Gattin Titania gestritten und einen verhängnisvollen Schwur geleistet. Er muss ein Paar finden, dass sich nicht nur unendlich liebt, sondern auch noch die widrigsten Prüfungen besteht und großen Versuchungen widerstehen kann, sonst gibt es keine Versöhnung.

Puck ist begeistert und macht sich sofort auf die Suche. In dem fränkischen Ritter Hüon und der Kalifentochter Reza, die von ihrem Vater wie eine Gefangene gehalten wird, findet er die geeigneten Kandidaten. Als Straßensänger verkleidet gelingt es Hüon und seinem Diener Scherasmin die Geliebte und deren Dienerin Fatima zu befreien und mit ihnen auf einem Schiff zu fliehen. Der vorprogrammierte Schiffsbruch verheißt nichts Gutes, denn Seeräuber sind zur Stelle und nehmen die kostbare Fracht an sich, um sie in Tunis als Sklaven zu verkaufen.

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Wenn gar nichts mehr geht, schickt Oberon eben seine Geister zu Hilfe und so landen die Verliebten schließlich bei Kaiser Karl dem Großen und Oberon darf seine Titania in die Arme schließen, zumindest bis zum nächsten Streit.

Während Franz Supper als Oberon seine Depressionen pflegt, geht sein Diener Puck (hervorragend Gregor Schulz) ganz in seiner Rolle auf, denn er ist fasziniert von der spannenden Liebesgeschichte, die sich zwischen Orient und Okzident abspielt. Seine Lieblingsnymphe Arethusa (entzückend Verena Rendtorff) weicht nicht von seiner Seite. Das Liebespaar Hüon (Roman Payer) und Rezia (Anne-Fleur Werner) sowie deren Diener Scherasmin (George Humphreys) und Fatima (Shahar Lavi) haben Ballettdoubles, die ihren Emotionen tänzerisch Ausdruck verleihen. Der junge finnische Choreograf Kristian Lever beeindruckt aber auch mit kraftvollen, sehr maskulinen Gefängnisszenen. Der Höhepunkt des Abends ist sicherlich die große Ozean-Arie der Rezia, deren Text durch Aktualität besticht. Sascha Oskar Weis darf als finsterer Bösewicht glänzen, verkörpert er doch den Kalif von Bagdad, einen finsteren, völlig durchgeknallten Despoten, den Piratenkapitän und den Emir von Tunis, einen modernen, skrupellosen Politiker. Chor und Extrachor des Salzburger Landestheaters wurden von Katja Schindowski mit eleganten, extravaganten, transparenten Kostümen ausgestattet, in denen die nicht mehr ganz so jungen Elfen und Geister fast schwerelos über die Bühnen zu schwirren vermögen.

Die Bühne überragt ein riesiger Mond mit künstlerischen Projektionen, die die gespenstische, übernatürliche Atmosphäre des Geschehens betonen (Konrad Kulke). Der amerikanisch-israelische Dirigent Ido Arad hat den musikalisch kunterbunten Mix aus romantischen Klängen und arabischen Themen mit dem Mozarteumorchester Salzburg locker und doch souverän serviert. Ein Opernabend, der zu begeistern vermag, weil er sowohl den Freunden des Sprechtheaters, der Oper sowie des Balletts etwas bietet. Zur Pause hörte ich eine begeisterte Stimme hinter mir: „Das ist ja um Häuser besser als in Wien!“ Dem ist nichts hinzuzufügen.

„Oberon“ Romantische Feenoper von Carl Maria von Weber. Libretto von James Robinson Planché nach Wielands epischer Dichtung „Oberon“. Dialogergänzungen von Volkmar Kamm. Musikalische Leitung: Ido Arad. Inszenierung: Volkmar Kamm. Szenische Choreographie: Verena Rendtorff. Choreographie: Kristian Lever. Bühne: Konrad Kulke. Kostüme: Katja Schindowski, Lichtdesign: Michael Seemann. Mit: Franz Supper, Gregor Schulz, Roman Payer, George Humphreys, Anne-Fleur Werner, Shahar Lavi/Tamara Gura, Tamara Ivaniš, Hazel McBain, Sascha Oskar Weis, Verena Rendtorff, Mona Akinola, Ballett des Salzburger Landestheaters, Chor und Extrachor des Salzburger Landestheaters. Mozarteumorchester Salzburg. Fotos: SLT/ © Anna-Maria Löffelberger


Aquarium

„Aquarium“ – ein faszinierendes Experiment

Drei Männer und vier Frauen in knallbunter
Schwimmkleidung üben in den Salzburger Kammerspielen Synchronschwimmen. Ihre
Lippen bewegen sich ebenfalls synchron und zwar zu den eingespielten
Original-Stimmen älterer Menschen. Das bereits in Haifa erprobte
Theater-Experiment der israelischen Regisseurin Ronnie Brodetzky bescherte auch
dem Salzburger Premierenpublikum am 19. Mai 2019 einen beschwingten, sehr vergnüglichen
Abend.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Im Oktober 2018 suchte das Salzburger Landestheater für die Produktion „Aquarium“ Menschen des „dritten und vierten Alters“, Männer und Frauen, die bereit wären, im Rahmen eines Interviews über grundsätzliche Fragen des Lebens und des Alters zu sprechen. Wie im Programmheft nachzulesen, meldeten sich viele Seniorinnen und Senioren sowie Gesprächsrunden von Seniorenresidenzen – und sie alle waren mit Feuereifer dabei. Aus den aufgezeichneten Tonaufnahmen wurden Sequenzen ausgewählt und diese Geschichten und Aussagen erzählen die bildhübschen, blutjungen und ständig lächelnden Synchronschwimmer während ihrer Trainingsstunde im Hallenbad. Wenn ein junger, gelenkiger Mann mit brüchiger Stimme von seinem eleganten, schmalen Schwimmstil schwärmt, so klingt das anfangs leicht irritierend.

Die Schwimmerinnen und Schwimmer tanzen „im Wasser“ zu schwungvollen Walzerklängen eine hinreißende Ballettchoreografie. Das ständige Plätschern schafft Hallenbad-Atmosphäre. Besonders munter erklingen die Stimmen der alten Herrschaften, wenn es darum geht, Witze zu erzählen. Wenn jemand nicht mehr weiter weiß, wird ihm gerne geholfen, nur den legendären „Wirtschaftswitz“ bringen sie auch gemeinsam nicht mehr zusammen. Natürlich wird auch über die heutige Jugend und ihren Handy-Wahn geschimpft. Das waren halt noch Zeiten, als man sich mit Heubodenspringen die Zeit vertrieb.

Von großer Liebe, schlimmen Erfahrungen,
dem Erwachen und altersbedingtem Verschwinden der Sexualität wird gesprochen.
Die Stimmen sind zittrig, doch Mimik und Gestik der Schwimmerinnen und
Schwimmer energieladen und exaltiert. Aus dieser Diskrepanz entsteht eine so
anrührende Komik, dass man sich fast nicht zu lachen getraut.

Tänzerisch leisten die von Tal Cohn gecoachten Damen und Herren Großartiges, sie meistern die schwierige Choreographie, eigentlich ein graziöses Ballett, mit ansteckend guter Laune. Das von Ruth Miller (Bühne und Kostüme) auf die Bühne gezauberte, hellgrün verflieste Hallenbad verfügt über einen Duschraum, in den man bei richtiger Beleuchtung hineinspähen und Gespräche belauschen kann. Zum Finale wird schließlich der Tod thematisiert. Eine ältere Dame mit starkem Akzent nimmt es gelassen: „Warum soll man denken über Tod? Ich denken über Leben.“ Der von Ronnie Brodetzky in Szene gesetzte, experimentelle Theaterabend steht noch bis 16. Juni in den Kammerspielen auf dem Programm und ist wirklich sehenswert.

„Aquarium“ von Ronnie Brodetzky. Deutsche Spielfassung von Lea Mantel. Uraufführung. Inszenierung: Ronnie Brodetzky. Bühne und Kostüme: Ruth Miller. Choreographie: Tal Cohn. Sounddesign, Ton und Schmitt: Dan Hirsch. Mit: Elisa Afie Agbaglah, Genia Maria Karasek, Lilian Mazbouh, Jaqueline Bergrós Reinhold, Tim Oberließen, Gregor Schulz, Hanno Waldner. Fotos: SLT/ Tobias Witzgall


Die Volksfeindin

„Die Volksfeindin“ – Gift im Thermalbad oder doch nur Geschwisterstreit?

Amélie Niermeyer inszeniert am Salzburger Landestheater Henrik Ibsens gesellschaftskritisches Drama „Ein Volksfeind“ in einer modernen Fassung. Juliane Köhler vom Residenztheater München wird als Badeärztin Katrine Stockmann für ihre sensationelle Entdeckung nicht gefeiert, sondern von einer „kompakten Mehrheit“ zur Volksfeindin erklärt. Viel Applaus für das erschreckend aktuelle Stück bei der Premiere am 11. Mai 2019.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Für die Eröffnung des neuen Kurhauses
plant das kleine, idyllisch in den Bergen gelegene Städtchen ein
dreitägiges Fest unter dem Motto „vom Burn-out zum Burn-flow“.
Die Schwester des Bürgermeisters, Badeärztin Dr. Katrin Stockmann,
hat jedoch eine chemische Analyse machen lassen und es wurden
verfaulte organische Stoffe im hochgepriesenen Thermalwasser
entdeckt. Sie hat schon immer gewusst, dass die billige Variante, für
die „die Lodenfraktion und die Holzköpfe“ plädiert hatten, eine
Fehlentscheidung gewesen ist, denn der Zufluss ist zu tief verlegt
worden, er hätte höher sein müssen. Der Redakteur des „Volksboten“
Hovstadt verspricht, den Bericht gleich am nächsten Tag zu
veröffentlichen. Auch Aslaksen, die Vorsitzende der
Hausbesitzervereinigung, steht als besonnene Bürgerin voll hinter
der Ärztin. Bürgermeister Peter Stockmann hat jedoch schwere
Bedenken. Die Sanierung würde die Stadtkasse Millionen kosten und
eine monatelange Schließung des Kurbades erfordern. Der Bankrott
wäre unvermeidlich und der gute Ruf als Heilbad für immer
beschädigt. Frau Dr. Stockmann kann es einfach nicht fassen, dass
man die Wahrheit aus wirtschaftlichen Gründen vertuschen möchte,
und beginnt gegen Presse, Politiker und das gemeine Volk zu wüten.
In der TV-Sendung „Talk in the City“ treffen die Kontrahenten
schließlich aufeinander und das Publikum wird aufgefordert
abzustimmen. Ist Frau Dr. Stockmann nun eine Volksfreundin oder doch
eine Volksfeindin?

Als alleinerziehende Mutter einer
erwachsenen Tochter lebt Frau Dr. Stockmann ganz für die
Wissenschaft. In dieser Rolle darf Juliane Köhler Emotionen zeigen.
Erst euphorisch über ihre grandiose Entdeckung, später gekränkt,
verbittert, wütend und leicht hysterisch ob der Manipulierbarkeit
der kompakten Mehrheit. Christoph Wieschke als ihr Bruder und
Arbeitgeber will die Wahrheit nicht akzeptieren und die Medien sind
ihm dabei eine große Hilfe, denn Hovstadt vom „Volksboten“ (Max
Koch) will seinen Job nicht verlieren und dreht sich ebenso wie
Aslaksen (Britta Bayer) nach dem günstigsten Wind. Statt einer
Bürgerversammlung findet nach der Pause eine Talk Show statt, in der
Thomas Huber als schmieriger Moderator, assistiert von seiner
reizenden Online-Korrespondentin Nikki (Nikola Rudle), brilliert. Als
es fast zu Handgreiflichkeiten kommt, geht man zwar schnell in die
Werbung, aber das bringt Quoten.

Amélie Niermeyer ist es mit dieser
modernen Fassung des originalen Textes von 1882 gelungen, die
Aktualität des Stückes deutlich aufzuzeigen. Sie hat für ein
ausgewogenes Geschlechterverhältnis gesorgt und die Rolle der Medien
und sozialen Netzwerke betont. Das herrliche Alpenpanorama ist nur
kurz zu sehen, dann beherrschen die hässlichen Rückseiten der
Plakatwände die Bühne (Bühne: Maria-Alice Bahra).

Im Original verhält sich Dr. Stockmann auf einer Bürgerversammlung so undiplomatisch und provokant, dass ihm die Fensterscheiben eingeschmissen werden. Frau Dr. Stockmann hingegen wird nach der Talk Show, in der sie mit einer Quote von 99% untergeht, einfach nur gekündigt. Sie aber gibt nicht auf, sie macht weiter und vertraut darauf, dass sich die Wahrheit und das Recht durchsetzen werden.

„Die Volksfeindin“ Nach Henrik Ibsen. Deutsch von Angelika Gundlach. Fassung für das Salzburger Landestheater von Amélie Niermeyer und Frank Max Müller: Mitarbeit: Hannah Bader. Vierter Akt: Thomas Huber. Inszenierung: Amélie Niermeyer. Bühne: Maria-Alice Bahra. Kostüme: Nicole von Graevenitz. Mit: Juliane Köhler, Anna Seeberger, Christoph Wieschke, Max Koch, Marco Dott, Britta Bayer, Nikola Rudle, Thomas Huber. Fotos: SLT/ © Anna-Maria Löffelberger


Moonwalk

„Moonwalk“ – ein tänzerisches Feuerwerk

Mitreißende Tanzshows über Popgrößen sind neben klassischen Ballettabenden eine Spezialität von Peter Breuer, dem ehemaligen Ballett-Chef des Salzburger Landestheaters. Seine Hommage an Michael Jackson, den größten und einflussreichsten Entertainer unserer Zeit, kam am 3. Mai 2019 im Probenzentrum Aigen zur Uraufführung und wurde mit Standing Ovations stürmisch gefeiert.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Michaels Song „The way you make me feel“ bringt seine Fans zum Jubeln und Kreischen. Kaum allein gelassen ändert sich die Stimmung, der große Star wirkt plötzlich verängstigt. Es sind die Erinnerungen an seine Kindheit, die sich nicht verdrängen lassen und ihn ständig quälen. Schon als kleiner Junge wurde er als Mitglied der legendären „Jackson 5“ auf der Bühne umjubelt und gefeiert, doch die Schläge seines brutalen Vaters hinterließen tiefe Wunden in der kindlichen Seele. Das wütende Aufstampfen gegen die ständige Unterdrückung kennzeichnet auch seinen unverwechselbaren Tanzstil.

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Romantische Love Songs folgen auf Megahits wie „Thriller“, dem bestverkauften Album aller Zeiten. Spektakulär die Szene über den Dreh eines Pepsi-Werbespots zu „Billie Jean“, bei dem Jackson 1984 starke Verbrennungen an der Kopfhaut davontrug. Nach der Pause liegt er bandagiert in einem Krankenhausbett und bettelt den Arzt um Schmerzmittel an, der Beginn einer verhängnisvollen Sucht. Der selbsternannte „King of Pop“ hatte aber auch seine Schattenseiten und so steht er schließlich vor Gericht und wird des Kindesmissbrauchs bezichtigt. Zum versöhnlichen Finale erklingt die Popballade „Heal the World“, die Michael Jacksons wohltätiges Engagement aufzeigt, für das der Künstler zweimal für den Friedensnobelpreis nominiert wurde.

Diego da Cunha behauptet zwar, dass er nur
so ähnlich tanzen könne wie das Tanzgenie Michael Jackson. Das Publikum zeigte
sich jedoch begeistert, ist doch die Ähnlichkeit mit der Pop-Ikone verblüffend
und auch das gewinnende, fast schüchterne Lächeln weckt Erinnerungen. Das
hervorragende Ballettensemble des Salzburger Landestheaters glänzt in den
bekannten, atemberaubenden Tanzperformances, hat aber auch solistisch einiges
zu bieten, Pedro Pires als „Blue“, dem „inneren Ich“ von Michael Jackson,
Larissa Mota als „Music“ und Anna Yanchuk als unerreichbare Traumfrau „Angel“. Karine
de Matos darf in Pullunder und Schlaghose als entzückender kleine Jacko die
Bühne rocken. Für die Einstudierung der originalgetreuen Choreografien zu
„Triller“, „ Beat It“, „ Robot Dance“ und „Smooth Criminal“ konnte Peter Breuer
den durch seine Performance „Nobulus – Out of the Shadow“ bekannten Choreografen,
Komponisten, Regisseur und Tänzer Alexander Wengler gewinnen. „Es war eine
wirkliche Teamarbeit“ schwärmt Peter Breuer, denn der gebürtige Salzburger war
auch am Konzept beteiligt, sorgte für musikalische Arrangements und komponierte
die schwierigen Übergänge.

Peter Breuers Handlungsballett „Moonwalk“
zeigt den King of Pop von vielen Seiten, wobei auch die tragischen Momente
nicht ausgelassen werden. Als Entertainer zog er die Menschen mit seiner Musik,
seinen Songtexten, aufwendigen Choreographien und Aufsehen erregenden
Bühnenspektakel in seinen Bann. Privat sorgte er mit seinem exzentrischen
Lebensstil jedoch immer wieder für negative Schlagzeilen und das hat sich bis
heute nicht geändert. Doch Michael Jackson ist und bleibt der größte
Entertainer unserer Zeit und seine Musik wird unvergessen bleiben.

„Moonwalk“ von Peter Breuer. Uraufführung. Szenische Konzeption, Choreographie, Licht: Prof. Peter Breuer. Bühne und Kostüme: Bettina Richter. Video und Lichtdesign: Felix Kiesel. Choreographie, Showtanz und Musikalische Arrangements: Alexander Wengler. Dramaturgie: Maren Zimmermann. Choreographische Assistenz: Alexander Korobko. Step-Coach Kate Watson. Mit: Diego da Cunha, Karine de Matos, Pedro Pires, Iure de Castro, Paulo Muniz, Larissa Mota, Anna Yanchuk, Paulo Muniz, Lúcio Kalbusch, Naila Fiol, Chigusa Fujiyoshi, Gabrielly Juvêncio, Mikino Karube, Lucas Leonardo, Nicolò Masini. Fotos: © Anna-Maria Löffelberger