dorfzeitung _quer
Sommernachtstraum

Ein Sommernachtstraum – am Schlossberg in Mattsee

Die Schlossbergspiele Mattsee feiern heuer ihr Zehn-Jahre-Jubiläum. Autor und Regisseur Helmut Vitzthum hat lange zugewartet und ist nun heilfroh, dass er die Aufführungen nicht wie so viele andere Sommertheater abgesagt hat. Die Lockerungen der Covid-19-Maßnahmen ermöglichen nun ein volles Programm auf der Freiluftbühne. Neben der für den Schlossberg neu bearbeiteten Shakespeare-Komödie findet auch eine Wiederholung der umjubelten „Jedermann“-Aufführung aus dem Vorjahr statt.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Vor genau zehn Jahren hat Helmut Vitzthum die Schlossbergspiele Mattsee auf den damals noch ziemlich baufälligen Stufen der Freiluftarena aus der Taufe gehoben – mit einer entzückenden Inszenierung von Shakespeares „Ein Sommernachtstraum“ samt reizendem, moosgrünen Puck und vieler kleinen Elfen. Zum Jubiläum überrascht er nun mit einer spektakulären modernen Neuinszenierung, in der Puck als androgyner Zwischengeist in Lack, Leder und Oldtimer-Fliegermütze mit Panorama-Brille sein Unwesen treibt.

Hermia und Helena sind eigentlich beste Freundinnen. Da Hermias Vater mit der Männerwahl seiner Tochter nicht einverstanden ist, beschließt diese, mit ihrem geliebten Lysander zu fliehen. Mit Rucksack, Schlafsack und Isomatte bestens ausgerüstet, nächtigen die beiden im Märchenwald und kommen dabei dem Elfenkönig Oberon in die Quere. Dieser will sich nämlich an seiner untreuen Gattin Titania mit Liebestropfen rächen. Sein Diener Puck verwandelt daher den Handwerker Zettel, der im Wald ein Theaterstück probt, in einen Esel und legt ihn zu Titania ins Bett, woraufhin diese in heißer Liebe entbrennt. Als jedoch noch ein weiteres Pärchen, Helena und ihr unwilliger Freund Demetrius, auftaucht, kommt es zu Komplikationen. Der schusselige Puck bringt da so einiges durcheinander. Das große Happy End bleibt diesmal aus, denn moderne, emanzipierte junge Damen lassen sich eben nicht alles gefallen. So endet das Stück mit der großartigen Aufführung der höchst kläglichen Komödie von „Pyramus und Thisbe“ anlässlich der fürstlichen Hochzeit von Theseus und Hippolyta in Athen. ___STEADY_PAYWALL___

Realität und Märchenwelt sind in dieser Inszenierung klar getrennt. Hans-Jürgen Bertram erscheint als Theseus, König von Athen, im eleganten Anzug, als Oberon hingegen in einem magisch glitzernden Phantasiekostüm. Irene Refela wird von der strengen, eleganten Hippolyta zur liebestollen Titania, die sich mit ihrem Esel im Luxusbett wälzt und von den entzückenden, doch gelangweilten Elfen, Senfsamen (Marianne Lesch), Spinnweb (Hannah Handlechner) und Motte (Francisca Leimgruber), bedienen lässt. Hermia (Melanie Arnezeder) und Helena (Lilian Schaubensteiner) stecken in modernen Flatterkleidchen, Demetrius (Raphael Schallegger) und Lysander (Christian Rainer Leutgeb) in legeren Freizeitoutfits. Squenz (Christoph Mierl) hat es als Regisseur der Laientruppe nicht leicht mit seinen Mitspielern. Während Schnock (Christian Zink) und Flaut (Maximilian Ziedek) mit ihrer Schüchternheit zu kämpfen haben, ist Zettel (Helmut Vitzthum) kaum zu bremsen.

Auf der Bühne sorgen zehn riesige, weiße Blumen mit leuchtenden Stängeln für romantische Stimmung. Hinten im finsteren Wald hockt Puck (großartig Hans Peter Ampferer) und beobachtet amüsiert das sündige Treiben. Vielleicht war das ja wirklich alles nur ein Traum, doch den sollte man sich in dieser perfekten Kulisse nicht entgehen lassen.

„Ein Sommernachtstraum“ nach William Shakespeare. Regie: Helmut Vitzthum. Regieassistenz: Gaby Rindberger. Kostüme: Landestheater Salzburg. Technik: Roland Lederer. Maske: Elisabeth Dehmel, Lisa Rindberger. Mit: Hans-Jürgen Bertram, Irene Refela, Hans Peter Ampferer, Lilian Schaubensteiner, Raphael Schallegger, Marianne Lesch, Christian Rainer Leutgeb, Melanie Arnezeder, Christoph Mierl, Sebastian Martin Rehm, Maximilian Ziedek, Christian Zink, Hannah Handlechner, Francisca Leimgruber. Fotos: Chris Rogl


Jedermann in Mattsee

Jedermann – auf Schloss Mattsee

Die Freie Bühne Salzburg zeigt auf der Naturbühne am Schlossberg in Mattsee eine von Regisseur Helmut Vitzthum bearbeitete, moderne Fassung von Hugo von Hofmannsthals Klassiker. Nach rund zwei Stunden darf der Tod einen geläuterten Jedermann, der zu sich selbst gefunden hat, mit sich nehmen. Zurück bleibt ein wütender Teufel: „Die Welt ist dumm, gemein und schlecht!“

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Weiße Designermöbel und goldene Weinbecher machen aus der Naturbühne einen modernen, edlen Wohnsitz. In einem dieser stylischen Sessel schläft Jedermann und wird von schlechten Träumen gequält. Er scheint zu ahnen, dass es mit seinem schönen Leben bald vorbei sein wird. Dem armen Nachbarn jammert er vor, wie kostenintensiv seine Besitztümer sind, und den Schuldknecht kanzelt er kalt ab. Doch irgendwie verderben ihm diese Belästigungen, ebenso wie die Vorhaltungen seiner Mutter, die Stimmung und er verschiebt die Besichtigung seines Lustschlosses auf später.

___STEADY_PAYWALL___

Bei der abendlichen Tischgesellschaft schafft es die Buhlschaft, ihn kurz aufzuheitern, doch dann überkommt ihn wieder ahnungsvoll eine Melancholie. Als der Tod erscheint, um ihn mitzunehmen, gerät er in Panik. Ob er in einer Stunde wohl jemanden finden wird, der bereit ist, ihn auf diesem letzten Weg zu begleiten?

Hans-Jürgen Bertram lebt schon über 20 Jahre in Salzburg und schlüpft nun erstmals in die „Kultrolle“ des Jedermanns. In Helmut Vitzthums Inszenierung überzeugt er von Anfang an als ein von Ängsten gequälter und getriebener Lebemann. Ungetrübte Freude bereitet ihm nur seine attraktive Buhle (Lydia Nassall), die die Tischgesellschaft mit einer spektakulären Feuershow zu unterhalten weiß.

Als emotionsloser Tod schreitet Bàlint Walter majestätisch und gelassen durch den nächtlichen Wald und über die Stufen der Bühne. Da wird auch dem Publikum bewusst, dass es im Ernstfall kein Entrinnen geben wird.

Melanie Arnezeder fungiert als cooles Skriptgirl, das als Spielansagerin schnoddrig mahnt, ja die Lehre aus dem Stück zu ziehen. Als Mammon umkreist sie ihren Besitzer als goldene Spinne und lässt ihn als Marionette nach ihrem Willen tanzen. Hermann Lechner gibt als Guter Gesell einen braven Buchhalter, der sich um die Geschäfte kümmert und stets mit Aktentasche unterwegs ist. Base (Silvia Rohr) und Dicker Vetter (Christoph Mierl) sind stets bester Laune und räumen ungeniert das Haus leer, sodass nur mehr drei schwarze Podeste übrig bleiben, die passend zum Schlussbild an Särge erinnern. Gabriele Falkner liest als gläubige Mutter ihrem Sohn gehörig die Leviten und rät ihm zu einer baldigen Hochzeit, denn nur so werde aus Wollust ein Heiligtum.

In letzter Zeit sah man die Guten Werke meist krank und schwächlich über die Bühne wanken, doch Lilian Schaubensteiner überzeugt als absolut positive, gut gelaunte Figur, eine lebensbejahende Abwechslung, die richtig guttut. Bei der Generalprobe, die ich am 30. Juli 2019 besuchen durfte, fiel krankheitsbedingt der Glaube aus und musste eingelesen werden. Der von Selbstzweifeln erfüllte Jedermann schaffte es jedoch auch so, sich selbst anzunehmen. Nach so viel Gläubigkeit sorgt der Auftritt des frustrierten Teufels stets für Heiterkeit. In dieser Rolle pirscht sich Johannes Konrad dämonisch wie ein Höllenhund an. Nach seiner Niederlage versteht er die Welt nicht mehr.

Die wundervollen Kostüme sind eine Leihgabe des Salzburger Landestheaters. Man kann der groß aufspielenden Truppe nur viele so traumhaft schöne Abende wie bei der Generalprobe wünschen. Bei Schlechtwetter findet die Produktion im Diabelli-Saal statt.

„Jedermann“ – Schlossbergspiele Mattsee 2019. Regie: Helmut Vitzthum. Kostüme: Landestheater Salzburg. Technik: Roland Lederer. Maske: Elisabeth Dehmel, Lisa Rindberger. Mit: Hans-Jürgen Bertram, Lydia Nassall, Bálint Walter, Melanie Arnezeder, Johannes Konrad, Hermann Lechner, Lilian Schaubensteiner, Irene Refela, Sylvia Rohr, Christoph Mierl, Gabriele Falkner, Christian Zink, Carina Schmeisser, Francisca Leimgruber, Hannah Handlechner. Fotos: Freie Bühne Salzburg/ Chris Rogl


Les Miserables, Schlossbergspiele Mattsee 2018, Freie Bühne Salzburg

„Les Miserables“ – Schlossbergspiele Mattsee 2018

Auf der romantischen Freiluftbühne am Schlossberg in Mattsee fand am 2. August die Premiere der Theaterfassung von Victor Hugos weltberühmtem Roman (1862) über das tragische Schicksal des Ex-Sträflings Jean Valjean statt. Der Wettergott hatte Mitleid mit dem Publikum und „Den Elenden“ auf der Bühne und so stand nach einer kurzen, nassen Unterbrechung dem spektakulären Finale auf der in Windeseile trockengefegten Naturbühne nichts mehr im Wege.

Elisabeth PichlerVon Elisabeth Pichler

Weil er aus Hunger einen Laib Brot gestohlen hat, landet Jean Valjean im Gefängnis, das er nach mehreren Fluchtversuchen erst nach 19 Jahren als gebrochener Mann verlassen kann. Ein Bischof nimmt ihn bei sich auf, doch er bestiehlt ihn und schlägt ihn kaltblütig nieder. Der gutmütige Seelsorger verzeiht ihm jedoch und nimmt ihm das Versprechen ab, ein besserer Mensch zu werden. Valjean kommt unter dem Namen Monsieur Madeleine schließlich zu Reichtum und Ansehen und wird der für seine Wohltätigkeit geschätzte Bürgermeister einer Kleinstadt. Die Vergangenheit holt ihn jedoch in Gestalt des gnadenlosen Polizeibeamten Javert ein, der in dem ehrenwerten Bürgermeister den ehemaligen Häftling erkennt. Valjean flüchtet mit Cosette, der kleinen Tochter einer in Not geratenen und schließlich in seinen Armen verstorbenen Fabrikarbeiterin, nach Paris. Javert kennt jedoch keine Gnade. Er bleibt ihm ständig auf den Fersen, bis es schließlich bei einer Straßenrevolution in Paris zum endgültig letzten Zusammentreffen der beiden kommt.

Les Miserables, Schlossbergspiele Mattsee 2018, Freie Bühne Salzburg

Bálint Walter beweist als Jean Valjean große Wandlungsfähigkeit. Zu Beginn steht er noch als zerlumpter Sträfling auf der Bühne und erzählt die Geschichte seines verpfuschten Lebens, das durch die Güte eines Bischofs eine positive Wendung erfährt. Er nutzt diese Chance und so hilft er in der nächsten Szene bereits als ehrbarer Bürgermeister der armen, kranken Fantine (Lilian Schaubensteiner) und verspricht ihr, sich um ihre Tochter Cosette zu kümmern. Durch die Verbissenheit von Inspektor Javert (furchterregend Hans-Jürgen Bertram), der ihn unbarmherzig verfolgt und ständig zur Flucht zwingt, wird er schließlich zu einem verbitterten alten Mann, der kein Verständnis für die große Liebe von Cosette (reizend Melanie Arnezeder) zu dem jungen Studenten Marius (Felix Lichtmannegger) aufbringt. Nach der Pause werden Barrikaden aufgestellt und die aufständischen Republikaner, unter ihnen auch der habgierige Gastwirt Thénardier mit seiner fiesen Gemahlin (Johannes Konrad und Sylvia Rohr), warten auf die große Schlacht, in der schließlich der Pariser Gassenjunge Gavroche (Alphons Lechenauer) einen „heldenhaften“ Tod findet.

Les Miserables, Schlossbergspiele Mattsee 2018, Freie Bühne Salzburg

Die bildgewaltige Inszenierung von Helmut Vitzthum lässt das Publikum eintauchen in die französische Gesellschaft von der Zeit Napoleons bis zu der des Bürgerkönigs Louis Philippe. Die prachtvollen historischen Kostüme der Oberschicht und die malerisch zerrissenen Fetzen der Unterschicht (eine Leihgabe des Salzburger Landestheaters) kommen auf der urigen Naturbühne besonders gut zur Geltung. Eine berührende Aufführung mit großartigen Schauspielern, der man nur möglichst viele laue Sommerabende wünschen kann, obwohl heuer bei Schlechtwetter der edle Diabellisaal als Ausweichquartier zur Verfügung steht.

Les Miserables, Schlossbergspiele Mattsee 2018, Freie Bühne Salzburg

„Les Miserables“ von Victor Hugo – Schlossbergspiele Mattsee 2018. Regie: Helmut Vitzthum. Regieassistenz: Gaby Rindberger. Kostüme: Landestheater Salzburg. Technik: Roland Lederer. Maske: Elisabeth Dehmel. Mit: Bálint Walter, Hans-Jürgen Bertram, Lilian Schaubensteiner, Melanie Arnezeder, Felix Lichtmannegger, Johannes Konrad, Sylvia Rohr, Stefanie-Elisabeth Herzgsell, Ilvy Rohr, Konstantin Beck-Mannagetta, Maximilian Ziedek, Christian Zink, Bernd Hofrichter, Marianne Lesch, Alphons Lechenauer, Hannah Handlechner, Francisca Leimgruber. Fotos: 2018 Christoph Strom 2018 Freie Bühne Salzburg

 


Schlossberghspiele Mattsee 2017 Sommerfrische #3

„Sommerfrische #3“ – stürmisches Finale

Bei den Schlossbergspielen Mattsee geht es auch heuer wieder turbulent zu. Bereits den dritten Sommer liegen sich die energische Wirtin Traudi und ihr Gatte Karli in den Haaren. Helmut Vitzthum, Regisseur und Autor des deftigen Schwankes, lässt den Streit zum Gaudium des Publikums heuer eskalieren. Tropische Temperaturen heizten bei der Premiere am 3. August 2017 die gute Stimmung zusätzlich auf.

Elisabeth PichlerVon Elisabeth Pichler

Karli werkelt ständig gemeinsam mit Hamid Dschihad in seinem Gemüsegarten. Die resolute Traudi ist sauer, da sich ihr Ehemann lieber um die Gäste kümmern sollte, und Hamids Frau fühlt sich ebenfalls alleingelassen. Am schlimmsten aber hat es den Bürgermeister erwischt. Dessen Frau hat sich neuerdings dem Tierschutz verschrieben, ist zur Veganerin geworden und legt sich mit allen an, den Bauern, dem Metzger, ja selbst den Fischern. Karli hat genug von den ewigen Streitigkeiten, will sich scheiden lassen und zieht kurzentschlossen aus. Hamid schließt sich ihm an und so gründen die beiden eine Männer-WG. Der Bürgermeister würde am liebsten auch bei ihnen einziehen, doch kann er sich das in seiner Position nicht leisten. Schnell jedoch verfliegt bei den Männern die anfängliche Euphorie über die neu gewonnene Freiheit, sie beginnen sich nach einem warmen, guten Essen zu sehnen. Eine mögliche Versöhnung wird ins Auge gefasst. Doch wer wird den ersten Schritt machen?

Schlossberghspiele Mattsee 2017 Sommerfrische #3

Karli Frasinger (Michael Rank) fühlt sich wohl in seiner schmutzigen Stallkleidung und denkt nicht daran, das von seiner Frau (Andrea Ausweger) gewünschte Polohemd überzuziehen. Probleme bereitet den beiden auch das pubertierende Töchterchen Eva (Hannah Strasser). Hamid Dschihad (Ingo Krank) nervt den Bürgermeister (Helmut Vitzthum) ständig mit Fragen nach seinem Asylbescheid. Doch der hat andere Sorgen, denn seine Frau (Marianne Lesch) hat sich mit den unzufriedenen Ehefrauen des Dorfes sowie der eingefleischten Junggesellin Gerti (Sabine Füssl) verbündet und einen Frauenstammtisch gegründet. Die neue bulgarische Haushälterin Ilona (Petra Kreiseder) versorgt den Pfarrer (Siegfried Rizzoll) bestens. Sie weiß, wie man Männer bei Laune hält. Beda (Sigi Distl) und Fatima (Waltraud Gregor), deren Liebe noch jung und frisch ist, schweben im siebten Himmel. Erfrischend die Streitereien zwischen dem extrem intelligenten kleinen Johannes (Kian Panuschka), der mit seiner Besserwisserei seine Schwester Sabine (Elisa Krank) nervt.

Autor Helmut Vitzthum (Freie Bühne Salzburg) spielt zur Freude des Publikums mit gängigen Klischees, lässt die Männer ihren Frust in Bier ertränken und die Damen genüsslich Prosecco schlürfen. Mit Herbert Grönemeyers „Männer“ sowie passenden Eigenkompositionen sorgt das Duo SUNNY (Andrea Graf und Manfred Wambacher) für die musikalische Untermalung. Die luftig-leichte Sommerkomödie, der „krönende Abschluss“ der Sommerfrische-Trilogie, ist noch bis 24. August in der stimmungsvollen Naturkulisse auf dem Schlossberg in Mattsee zu genießen.

„Sommerfrische#3“ – Schlossbergspiele Mattsee 2017 – Text und Regie: Helmut Vitzthum. Musik: SUNNY (Andrea Graf und Manfred Wambacher). Mit: Michael Rank, Andrea Ausweger, Hannah Strasser, Ingo Krank, Doris Lindner, Waltraud Gregor, Helmut Vitzthum, Marianne Lesch, Sigi Distl, Sabine Füssl, Elisa Krank, Kian Panuschka, Siegfried Rizzoll, Petra Kreiseder. Fotos: KTraintinger, Dorfzeitung

Sommerfrische in Mattsee
„Sommerfrische #2“ – Refugees Welcome!
Auf “Sommerfrische” am Wartstein | “Sommerfrische #1”


Auf „Sommerfrische“ am Wartstein

Zur Freude des Publikums deckt Helmut Vitzthum bei den Schlossbergspielen in Mattsee mit seiner flotten Komödie schonungslos die Schwächen von „Ösis“ und „Piefkes“ auf. Familie Hansemann aus Bochum verbringt ihren Urlaub mit ihren beiden halbwüchsigen Kindern in der Pension „Seeblick“ bei Familie Frasinger, da sind Missverständnisse aller Art vorprogrammiert.

elipi_aVon Elisabeth Pichler

Familie Hansemann wird mit einem exklusiven Oldtimer von der „Ferdinand Porsche Erlebniswelt Fahr(t)raum“ in Mattsee auf den Schlossberg chauffiert, doch dann lässt Rüdiger seine Frau Else mit dem Gepäck in Stich. Auch die Kinder Jan Olaf und Katja scheinen nicht zu bemerken, wie sich ihre Mutter abmüht. Die resche Pensionsbesitzerin Traudi (Andrea Ausweger) will den Gästen aus Bochum mit einem vielseitigen Unterhaltungsprogramm einen möglichst abwechslungsreichen Urlaub bieten. Radverleih, Jodelkurs, Kuhattacken-Coaching inklusive Melkkurs sowie eine asiatische Wohlfühlmassage mit Kuhglocken-Meditation für die gestresste Hausfrau versprechen pures Urlaubsvergnügen. Ihr Gatte Karli (Michael Rank) zeigt wenig Begeisterung. Er könnte auf die stressigen Gäste verzichten.

Karsten Grigo überzeugt als „Ruhrpott-Piefke“ mit umwerfend charmantem Befehlston. Sein ständiges „Else, jetzt komm doch!“ und „Else, jetzt mach doch mal!“ lässt vor allem die Damen im Publikum zusammenzucken. Doris Lindner verkörpert Else, „diese dusslige Kuh“, hinreißend. Sie wankt und stolpert hinter ihrem herrischen Mann her, fest davon überzeugt, dass er eigentlich ein ganz lieber, netter Kerl ist. Mit Ohrstöpseln bewaffnet fadisiert sich Melissa Mayr als Katja, die stets schlecht gelaunte Tochter der Hansemanns. Sven Carl als ihr höflicher Bruder Jan Olaf muss ständig gesucht werden, droht er doch, in der „Wildnis“ verloren zu gehen. Brav absolviert Familie Hansemann die angebotenen Kurse, Else lässt sich von der erleuchteten Shira (Julia Mayr) massieren, Rüdiger versucht sich im Jodeln. Bei einer Hochgebirgstour auf den Wartstein wird die Familie allerdings von der Dunkelheit überrascht. Kein Grund zur Aufregung, laut Rüdiger eindeutig ein Fall für die Bergrettung.

LeRoXa-5974_k

Marius Holzer sorgt als Wandercoach und Experte für Kuhattacken für die gewünschte Action, assistiert von Barbara Bonn im Ganzkörper Kuh Kostüm. Waltraud Gregor hat alternierend mit Martina Stiegler ihren großen Auftritt als grüne Landeshauptmannstellvertreterin. Das spielfreudige Ensemble wird komplettiert von Sigi Distl als Tourismuschef und Jörg Neundlinger als „Buagamasta“, die sich redlich bemühen, den Fremdenverkehr anzukurbeln.

Das Volksmusikduo LeRoXa (Lena Scheibner und Alexander Reicher) sorgt mit seinen humorvollen Mundart-Liedern für die stimmungsvolle Untermalung des turbulenten Geschehens auf der Naturbühne am Schlossberg. Helmuth Vitzthum gelingt mit der von ihm verfassten und in Szene gesetzten Komödie Sommertheater im positiven Sinn. Jubel bei Urlaubern und Einheimischen. Weitere Vorstellungen am 19., 20., 21., 23., 26., 27 und 28. August, jeweils um 19.30 Uhr. (Bei Regen entfällt die Vorstellung.)

„Sommerfrische“ – Schlossbergspiele Mattsee. Text und Regie: Helmut Vitzthum. Darsteller: Karsten Grigo, Doris Lindner, Melissa Mayr, Sven Carl, Andrea Ausweger, Michael Rank, Hannah Strasser, Sigi Distl, Jörg Neundlinger, Marius Holzer, Julia Mayr, Alexander Reicher, Barbara Bann, Waltraud Gregor / Martina Stiegler. Musik: LeRoXa (Lena Scheibner, Alexander Reicher) Fotos: Freie Bühne Salzburg


alpenkönig

„Der Alpenkönig und der Menschenfeind“ – Schlossbergspiele Mattsee 2011

Das romantische Naturtheater am Schlossberg bietet die ideale Kulisse für Ferdinand Raimunds Zauberposse, in der ein mit der ganzen Welt verkrachter Menschenfeind schließlich zum Menschenfreund wird. Ein zauberhaftes, doch auch sehr tiefgründiges Märchen voll Witz und Charme.

Elisabeth PichlerVon Elisabeth Pichler

Das Textbuch fordert eine „reizende Gegend am Fuß einer Alpe“. Der Steingarten vor dem Schloss Mattsee mit seinen moosigen Stufen stellt somit die ideale Kulisse dar, auch wenn der Schlossberg nicht ganz die Höhe einer Alpe erreicht. Viele kleine Alpengeister, eine muntere Schar von Kindern in weißen Kostümchen, warten ungeduldig auf den Beginn der Vorstellung und ihren großen Auftritt. Sie stellen uns im Chor den guten Alpenkönig vor, der immer dann eingreift, wenn die armen Menschenkinder Hilfe nötig haben. So verspricht er,

Malchen, die gegen den Willen ihres Vaters den jungen Kunstmaler August liebt, zu ihrem Glück zu verhelfen. Der Herr Papa, der Gutsbesitzer Rappelkopf, glaubt sich um sein Geld betrogen und ist so verbittert, dass er nicht nur seine Dienerschaft, sondern auch Frau und Tochter schikaniert. Als er den Diener Habakuk mit einem Messer in der Hand erblickt, vermutet er ein Mordkomplott, verdächtigt seine Gattin und flieht in den Wald. Dort trifft er auf den Alpenkönig, der ihm einen Rollentausch vorschlägt. In der Gestalt seines Schwagers kehrt er in sein eigenes Haus zurück und erfährt, wie sehr seine Frau und Tochter ihn trotz allem lieben. Es wir ihm auch vor Augen geführt, was für ein unausstehlicher Menschenfeind er wirklich war.

Helmut Vitzthum hat dieses viel gespielte und vor allen bei Freiluft-Theatern sehr beliebte Stück Ferdinand Raimunds flott in Szene gesetzt. Der Alpenkönig erscheint ganz rustikal in zünftiger Lederhose. Johannes Hellinger gibt sich erst sehr weise und würdevoll, als Rappelkopf ahmt er dessen Bösartigkeit so gekonnt nach, dass man als Zuschauer fast glauben könnte, den grantigen, aufbrausenden Widerling vor sich zu haben. Johannes Konrad als Original-Rappelkopf ist zu Recht über so viel Gemeinheit entsetzt. Nadine Mühlböck als liebende Gattin versteht es, herzerweichend zu jammern und zu klagen. Sylvia Rohr und Marius Holzer entzücken als naives, verliebtes junges Paar. Lilian Schaubensteiner als hysterisches Lischen und Michael Rank als einfältiger Habakuk sowie die übrige schräge Dienerschaft sorgen in ihren bunten, phantasievollen Kostümen für viel Heiterkeit.

Am Premierenabend (2.August 2011) zeigte sich der Sommer von seiner besseren Seite. Eine sternenklare, wenn auch etwas kühle Nacht meinte es gut mit den Schauspielern und dem Publikum. Da die Aufführungen bei Regen entfallen – der Diabelli-Saal ist wohl doch nicht der richtige Ersatz für diese wunderbare Natur-Kulisse – kann man dem Regisseur Helmut Vitzthum und der Freien Bühne Salzburg nur viele solche Nächte wünschen. Das Stück bietet Spaß und Vergnügen für Jung und Alt, für Einheimische und Touristen.

Der Alpenkönig und der Menschenfeind“ Komödie von Ferdinand Raimund. Regie: Helmut Vitzthum. Mit: Johannes Hellinger, Johannes Konrad, Nadine Mühlböck, Silvia Rohr, Marius Holzer, Lilian Schaubensteiner, Michael Rank, Karsten Grigo, Sarah Maislinger, Florian Friedrich, Ingrid Steinacher, Florian Friedrich, Chiara Balla, Katharina Oberholzer, Elena Balla, Helene Veitl, Carina Schiel, Miriam Auer.


„Aktion Schaf“ – Kirchenkabarett

Schloss Mattsee. „In der Kirche sind nicht so viele Leute.“ So begrüßt Günther Lainer das Publikum im vollbesetzten Diabelli-Saal im Schloss Mattsee und stellt zufrieden fest, dass zwei Plätze frei gelassen wurden, für den Bischof uns seine Freundin, falls die doch noch kommen sollten. Dieses zweite Kirchenkabarett verdanken wir einer Berufung, doch keiner göttlichen, nein, es war nur der Ruf der Ehefrauen. Ernst Aigner ist Religionslehrer in seiner Heimatstadt Freistadt, Günther Lainer ausgebildeter Pastoralassistent und Betriebsseelsorger sowie freischaffender Künstler und Kabarettist. Die beiden kennen also die kirchlichen Hierarchien und sie sparen nicht mit Kritik, die sie oftmals in freche Lieder verpacken. Ein Song-Contest zieht sich wie ein roter Faden durch das Programm, denn bei KSDS („Kirche sucht den Supersong“) stehen die Siegertitel fest und wir dürfen die fünf bestplatzierten hören. Paul McCartney hat sein „Yesterday“ in ein Loblied für „Benedikt“ umgeschrieben, der Ministrantenchor aus Stein singt eine Eloge auf einen Weih-Weih-Weihbischof und auch die Firmgruppe aus Windischgasten ist vertreten.

Natürlich kommt auch das brisante Thema Kirche und Sexualität zur Sprache und da haben die beiden wirklich Sensationelles zu bieten. Aus einem verstaubten Koffer zaubern sie hochaktuelle „kirchliche Verlautbarungen“ zu diesem Thema und kommen schließlich zu dem Schluss: „Alles, was Lust macht, ist verboten.“ Da darf man ja froh sein, dass dieses wunderbare Kabarettprogramm nicht verboten wurde. Doch die Kirchenschafe sind heute nicht mehr so folgsam und brav, wie sie sein sollten. Nein, sie proben den Aufstand und begeben sich unter Revolutionsgesängen ins nächstgelegene Gasthaus: „Schaf, Kindlein, Schaf, wir sind nicht lahm und brav, wir gehen gern zum Wirten her und brauchen keinen Hirten mehr.“ Doch sie stellen schließlich fest, dass sie es gar nicht so schlecht getroffen haben, denn „der Herrgott is a guater Chef, weil man net siagt“.

Über zwei Stunden wird der Kirchenalltag in all seinen Facetten beleuchtet, es wird nicht mit Kritik an der konservativen Haltung der Institution gespart und viele Missstände angesprochen. Doch an diesem Abend darf endlich „moralisch völlig bedenkenlos“ gelacht werden und die Kirche hat nichts dagegen. Ein tolles Programm, zwei urige Kabarettisten, ein absolut vergnüglicher Abend.

Elisabeth Pichler, Dorfzeitung


Kaffee und Kuchen auf der Schloßterasse

Der schöne Herbsttag hat mich noch einmal aus dem Haus gelockt und ich bin zu Fuß vom Bootsverleih entlang des Mattsees zum Schloß gewandert.

Der Touristenauflauf ist vorbei, die Seen gehören wieder den Einheimischen. Beim Schloß angekommen war mir klar, dass ich mir ganz sicher einen Kuchen verdient habe.

___STEADY_PAYWALL___

Ich fand auf der wunderschönen Terrasse mit Blick auf die in der Weyerbucht vertäuten Segelboote einen Platz und genoss die herrliche Aussicht. Bei den sehr aufmerksamen Kellnerinnen konnte ich schnell meine Bestellung aufgeben: Eine Passionsfruchttorte mit Ananas und einen Cappuccino; ich weiß schon, die Italiener trinken den nur am Vormittag.

Das Kalorienbömbchen
Das Kalorienbömbchen

Die Torte war geschmacklich eine Sensation, nur leider viel zu klein; das ist aber bei mir jede Torte, leider. Der Cappuccino schmeckte ausgezeichnet, der Schaum hielt bis zum Schluss. Auch das Bezahlen, in vielen Kaffeehäusern eine nicht unerhebliche Geduldsprobe, ging flott.

Alles in allem eine empfehlenswerte Adresse, wenngleich die Torte nicht in Plastik eingepackt serviert hätte werden müssen, meint ein sehr zufriedener Spaziergänger. Ich komme wieder. Das nächste Mal werde ich ein Frühstück probieren, das liest sich in der Speisekarte auch sehr verlockend.