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Jedermann in Mattsee

Jedermann – auf Schloss Mattsee

Die Freie Bühne Salzburg zeigt auf der Naturbühne am Schlossberg in Mattsee eine von Regisseur Helmut Vitzthum bearbeitete, moderne Fassung von Hugo von Hofmannsthals Klassiker. Nach rund zwei Stunden darf der Tod einen geläuterten Jedermann, der zu sich selbst gefunden hat, mit sich nehmen. Zurück bleibt ein wütender Teufel: „Die Welt ist dumm, gemein und schlecht!“

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Weiße Designermöbel und goldene Weinbecher machen aus der Naturbühne einen modernen, edlen Wohnsitz. In einem dieser stylischen Sessel schläft Jedermann und wird von schlechten Träumen gequält. Er scheint zu ahnen, dass es mit seinem schönen Leben bald vorbei sein wird. Dem armen Nachbarn jammert er vor, wie kostenintensiv seine Besitztümer sind, und den Schuldknecht kanzelt er kalt ab. Doch irgendwie verderben ihm diese Belästigungen, ebenso wie die Vorhaltungen seiner Mutter, die Stimmung und er verschiebt die Besichtigung seines Lustschlosses auf später.

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Bei der abendlichen Tischgesellschaft schafft es die Buhlschaft, ihn kurz aufzuheitern, doch dann überkommt ihn wieder ahnungsvoll eine Melancholie. Als der Tod erscheint, um ihn mitzunehmen, gerät er in Panik. Ob er in einer Stunde wohl jemanden finden wird, der bereit ist, ihn auf diesem letzten Weg zu begleiten?

Hans-Jürgen Bertram lebt schon über 20 Jahre in Salzburg und schlüpft nun erstmals in die „Kultrolle“ des Jedermanns. In Helmut Vitzthums Inszenierung überzeugt er von Anfang an als ein von Ängsten gequälter und getriebener Lebemann. Ungetrübte Freude bereitet ihm nur seine attraktive Buhle (Lydia Nassall), die die Tischgesellschaft mit einer spektakulären Feuershow zu unterhalten weiß.

Als emotionsloser Tod schreitet Bàlint Walter majestätisch und gelassen durch den nächtlichen Wald und über die Stufen der Bühne. Da wird auch dem Publikum bewusst, dass es im Ernstfall kein Entrinnen geben wird.

Melanie Arnezeder fungiert als cooles Skriptgirl, das als Spielansagerin schnoddrig mahnt, ja die Lehre aus dem Stück zu ziehen. Als Mammon umkreist sie ihren Besitzer als goldene Spinne und lässt ihn als Marionette nach ihrem Willen tanzen. Hermann Lechner gibt als Guter Gesell einen braven Buchhalter, der sich um die Geschäfte kümmert und stets mit Aktentasche unterwegs ist. Base (Silvia Rohr) und Dicker Vetter (Christoph Mierl) sind stets bester Laune und räumen ungeniert das Haus leer, sodass nur mehr drei schwarze Podeste übrig bleiben, die passend zum Schlussbild an Särge erinnern. Gabriele Falkner liest als gläubige Mutter ihrem Sohn gehörig die Leviten und rät ihm zu einer baldigen Hochzeit, denn nur so werde aus Wollust ein Heiligtum.

In letzter Zeit sah man die Guten Werke meist krank und schwächlich über die Bühne wanken, doch Lilian Schaubensteiner überzeugt als absolut positive, gut gelaunte Figur, eine lebensbejahende Abwechslung, die richtig guttut. Bei der Generalprobe, die ich am 30. Juli 2019 besuchen durfte, fiel krankheitsbedingt der Glaube aus und musste eingelesen werden. Der von Selbstzweifeln erfüllte Jedermann schaffte es jedoch auch so, sich selbst anzunehmen. Nach so viel Gläubigkeit sorgt der Auftritt des frustrierten Teufels stets für Heiterkeit. In dieser Rolle pirscht sich Johannes Konrad dämonisch wie ein Höllenhund an. Nach seiner Niederlage versteht er die Welt nicht mehr.

Die wundervollen Kostüme sind eine Leihgabe des Salzburger Landestheaters. Man kann der groß aufspielenden Truppe nur viele so traumhaft schöne Abende wie bei der Generalprobe wünschen. Bei Schlechtwetter findet die Produktion im Diabelli-Saal statt.

„Jedermann“ – Schlossbergspiele Mattsee 2019. Regie: Helmut Vitzthum. Kostüme: Landestheater Salzburg. Technik: Roland Lederer. Maske: Elisabeth Dehmel, Lisa Rindberger. Mit: Hans-Jürgen Bertram, Lydia Nassall, Bálint Walter, Melanie Arnezeder, Johannes Konrad, Hermann Lechner, Lilian Schaubensteiner, Irene Refela, Sylvia Rohr, Christoph Mierl, Gabriele Falkner, Christian Zink, Carina Schmeisser, Francisca Leimgruber, Hannah Handlechner. Fotos: Freie Bühne Salzburg/ Chris Rogl


Les Miserables, Schlossbergspiele Mattsee 2018, Freie Bühne Salzburg

„Les Miserables“ – Schlossbergspiele Mattsee 2018

Auf der romantischen Freiluftbühne am Schlossberg in Mattsee fand am 2. August die Premiere der Theaterfassung von Victor Hugos weltberühmtem Roman (1862) über das tragische Schicksal des Ex-Sträflings Jean Valjean statt. Der Wettergott hatte Mitleid mit dem Publikum und „Den Elenden“ auf der Bühne und so stand nach einer kurzen, nassen Unterbrechung dem spektakulären Finale auf der in Windeseile trockengefegten Naturbühne nichts mehr im Wege.

Elisabeth PichlerVon Elisabeth Pichler

Weil er aus Hunger einen Laib Brot gestohlen hat, landet Jean Valjean im Gefängnis, das er nach mehreren Fluchtversuchen erst nach 19 Jahren als gebrochener Mann verlassen kann. Ein Bischof nimmt ihn bei sich auf, doch er bestiehlt ihn und schlägt ihn kaltblütig nieder. Der gutmütige Seelsorger verzeiht ihm jedoch und nimmt ihm das Versprechen ab, ein besserer Mensch zu werden. Valjean kommt unter dem Namen Monsieur Madeleine schließlich zu Reichtum und Ansehen und wird der für seine Wohltätigkeit geschätzte Bürgermeister einer Kleinstadt. Die Vergangenheit holt ihn jedoch in Gestalt des gnadenlosen Polizeibeamten Javert ein, der in dem ehrenwerten Bürgermeister den ehemaligen Häftling erkennt. Valjean flüchtet mit Cosette, der kleinen Tochter einer in Not geratenen und schließlich in seinen Armen verstorbenen Fabrikarbeiterin, nach Paris. Javert kennt jedoch keine Gnade. Er bleibt ihm ständig auf den Fersen, bis es schließlich bei einer Straßenrevolution in Paris zum endgültig letzten Zusammentreffen der beiden kommt.

Les Miserables, Schlossbergspiele Mattsee 2018, Freie Bühne Salzburg

Bálint Walter beweist als Jean Valjean große Wandlungsfähigkeit. Zu Beginn steht er noch als zerlumpter Sträfling auf der Bühne und erzählt die Geschichte seines verpfuschten Lebens, das durch die Güte eines Bischofs eine positive Wendung erfährt. Er nutzt diese Chance und so hilft er in der nächsten Szene bereits als ehrbarer Bürgermeister der armen, kranken Fantine (Lilian Schaubensteiner) und verspricht ihr, sich um ihre Tochter Cosette zu kümmern. Durch die Verbissenheit von Inspektor Javert (furchterregend Hans-Jürgen Bertram), der ihn unbarmherzig verfolgt und ständig zur Flucht zwingt, wird er schließlich zu einem verbitterten alten Mann, der kein Verständnis für die große Liebe von Cosette (reizend Melanie Arnezeder) zu dem jungen Studenten Marius (Felix Lichtmannegger) aufbringt. Nach der Pause werden Barrikaden aufgestellt und die aufständischen Republikaner, unter ihnen auch der habgierige Gastwirt Thénardier mit seiner fiesen Gemahlin (Johannes Konrad und Sylvia Rohr), warten auf die große Schlacht, in der schließlich der Pariser Gassenjunge Gavroche (Alphons Lechenauer) einen „heldenhaften“ Tod findet.

Les Miserables, Schlossbergspiele Mattsee 2018, Freie Bühne Salzburg

Die bildgewaltige Inszenierung von Helmut Vitzthum lässt das Publikum eintauchen in die französische Gesellschaft von der Zeit Napoleons bis zu der des Bürgerkönigs Louis Philippe. Die prachtvollen historischen Kostüme der Oberschicht und die malerisch zerrissenen Fetzen der Unterschicht (eine Leihgabe des Salzburger Landestheaters) kommen auf der urigen Naturbühne besonders gut zur Geltung. Eine berührende Aufführung mit großartigen Schauspielern, der man nur möglichst viele laue Sommerabende wünschen kann, obwohl heuer bei Schlechtwetter der edle Diabellisaal als Ausweichquartier zur Verfügung steht.

Les Miserables, Schlossbergspiele Mattsee 2018, Freie Bühne Salzburg

„Les Miserables“ von Victor Hugo – Schlossbergspiele Mattsee 2018. Regie: Helmut Vitzthum. Regieassistenz: Gaby Rindberger. Kostüme: Landestheater Salzburg. Technik: Roland Lederer. Maske: Elisabeth Dehmel. Mit: Bálint Walter, Hans-Jürgen Bertram, Lilian Schaubensteiner, Melanie Arnezeder, Felix Lichtmannegger, Johannes Konrad, Sylvia Rohr, Stefanie-Elisabeth Herzgsell, Ilvy Rohr, Konstantin Beck-Mannagetta, Maximilian Ziedek, Christian Zink, Bernd Hofrichter, Marianne Lesch, Alphons Lechenauer, Hannah Handlechner, Francisca Leimgruber. Fotos: 2018 Christoph Strom 2018 Freie Bühne Salzburg

 


Schlossberghspiele Mattsee 2017 Sommerfrische #3

„Sommerfrische #3“ – stürmisches Finale

Bei den Schlossbergspielen Mattsee geht es auch heuer wieder turbulent zu. Bereits den dritten Sommer liegen sich die energische Wirtin Traudi und ihr Gatte Karli in den Haaren. Helmut Vitzthum, Regisseur und Autor des deftigen Schwankes, lässt den Streit zum Gaudium des Publikums heuer eskalieren. Tropische Temperaturen heizten bei der Premiere am 3. August 2017 die gute Stimmung zusätzlich auf.

Elisabeth PichlerVon Elisabeth Pichler

Karli werkelt ständig gemeinsam mit Hamid Dschihad in seinem Gemüsegarten. Die resolute Traudi ist sauer, da sich ihr Ehemann lieber um die Gäste kümmern sollte, und Hamids Frau fühlt sich ebenfalls alleingelassen. Am schlimmsten aber hat es den Bürgermeister erwischt. Dessen Frau hat sich neuerdings dem Tierschutz verschrieben, ist zur Veganerin geworden und legt sich mit allen an, den Bauern, dem Metzger, ja selbst den Fischern. Karli hat genug von den ewigen Streitigkeiten, will sich scheiden lassen und zieht kurzentschlossen aus. Hamid schließt sich ihm an und so gründen die beiden eine Männer-WG. Der Bürgermeister würde am liebsten auch bei ihnen einziehen, doch kann er sich das in seiner Position nicht leisten. Schnell jedoch verfliegt bei den Männern die anfängliche Euphorie über die neu gewonnene Freiheit, sie beginnen sich nach einem warmen, guten Essen zu sehnen. Eine mögliche Versöhnung wird ins Auge gefasst. Doch wer wird den ersten Schritt machen?

Schlossberghspiele Mattsee 2017 Sommerfrische #3

Karli Frasinger (Michael Rank) fühlt sich wohl in seiner schmutzigen Stallkleidung und denkt nicht daran, das von seiner Frau (Andrea Ausweger) gewünschte Polohemd überzuziehen. Probleme bereitet den beiden auch das pubertierende Töchterchen Eva (Hannah Strasser). Hamid Dschihad (Ingo Krank) nervt den Bürgermeister (Helmut Vitzthum) ständig mit Fragen nach seinem Asylbescheid. Doch der hat andere Sorgen, denn seine Frau (Marianne Lesch) hat sich mit den unzufriedenen Ehefrauen des Dorfes sowie der eingefleischten Junggesellin Gerti (Sabine Füssl) verbündet und einen Frauenstammtisch gegründet. Die neue bulgarische Haushälterin Ilona (Petra Kreiseder) versorgt den Pfarrer (Siegfried Rizzoll) bestens. Sie weiß, wie man Männer bei Laune hält. Beda (Sigi Distl) und Fatima (Waltraud Gregor), deren Liebe noch jung und frisch ist, schweben im siebten Himmel. Erfrischend die Streitereien zwischen dem extrem intelligenten kleinen Johannes (Kian Panuschka), der mit seiner Besserwisserei seine Schwester Sabine (Elisa Krank) nervt.

Autor Helmut Vitzthum (Freie Bühne Salzburg) spielt zur Freude des Publikums mit gängigen Klischees, lässt die Männer ihren Frust in Bier ertränken und die Damen genüsslich Prosecco schlürfen. Mit Herbert Grönemeyers „Männer“ sowie passenden Eigenkompositionen sorgt das Duo SUNNY (Andrea Graf und Manfred Wambacher) für die musikalische Untermalung. Die luftig-leichte Sommerkomödie, der „krönende Abschluss“ der Sommerfrische-Trilogie, ist noch bis 24. August in der stimmungsvollen Naturkulisse auf dem Schlossberg in Mattsee zu genießen.

„Sommerfrische#3“ – Schlossbergspiele Mattsee 2017 – Text und Regie: Helmut Vitzthum. Musik: SUNNY (Andrea Graf und Manfred Wambacher). Mit: Michael Rank, Andrea Ausweger, Hannah Strasser, Ingo Krank, Doris Lindner, Waltraud Gregor, Helmut Vitzthum, Marianne Lesch, Sigi Distl, Sabine Füssl, Elisa Krank, Kian Panuschka, Siegfried Rizzoll, Petra Kreiseder. Fotos: KTraintinger, Dorfzeitung

Sommerfrische in Mattsee
„Sommerfrische #2“ – Refugees Welcome!
Auf “Sommerfrische” am Wartstein | “Sommerfrische #1”


„Sommerfrische #2“ – Refugees Welcome!

Im Sommer 2015 kamen die „Piefkes“ auf Sommerfrische nach Mattsee und sorgten für Stress. Mit dem Bau einer Moschee wurden heuer zahlungskräftige Araber an den See gelockt und so lässt Autor und Regisseur Helmut Vitzthum auf der romantischen Naturbühne am Schlossberg in seinem neuen Stück zwei Kulturen aufeinanderprallen. Die Premiere der turbulenten Komödie fand am 29. Juli 2016 bei prachtvollem Sommerwetter statt.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Die Idee mit der Moschee stammt vom Schafzüchter Karli Frasinger. Doch jetzt ist er stinksauer, machen sich doch diese Araber überall breit, sogar in seinem Gemüsegarten sind schon welche aufgetaucht. Eigentlich verständlich, gibt doch sein einzigartiger, riesiger Gartenzwerg ein wunderbares Fotomotiv ab. Auch der Bürgermeister ist genervt, die ständige Beschallung durch fremdartige Töne setzt ihm gehörig zu. Jetzt werden zudem noch vier syrische Flüchtlinge aus Wien erwartet, die es einzuquartieren und zu versorgen gilt. Traudi Frasinger hingegen ist begeistert. In ihrem leerstehenden Gasthaus sei genügend Platz und schließlich winke auch Geld. Die charitysüchtige Frau Bürgermeister ist ganz in ihrem Element, fuchtelt ständig mit einem „REFUGEES WELCOME“-Schild herum und verteilt Geschenke. Familie Dschihad mit dem inbrünstig betenden Hamid, seiner kritischen Frau Amina, dem aufmüpfigen Töchterlein Aisha und der freundlichen, etwas schüchternen verwitweten Schwägerin Fatima lässt alle Integrationsversuche mehr oder weniger verständnislos über sich ergehen. Während der Bürgermeister und Karli Frasinger von schleichender Islamisierung und einem subtilen Dschihad fantasieren, kommen sich die Frauen bald näher, stellen sie doch rasch fest, dass ihre Männer sich im Grunde genommen ziemlich ähnlich verhalten: „Sie reden nur und machen nix.“

Mit schwarzem Humor werden die Schwächen der Einheimischen und der Fremden gegenübergestellt. Die Frasingers führen eine ganz normale, glückliche Ehe. Während die resolute Traudi (Andrea Ausweger) anschafft, poltert ihr Karli (Michael Rank) relativ erfolglos herum. Auch dem Bürgermeister (Helmut Vitzthum) geht es mit seiner umtriebigen Gattin (Marianne Lesch) nicht viel besser. Bei den Dschihads läuft es ähnlich. Hamid (Ingo Krank) kann sich gegen seine Frau Amina (Doris Lindner) nicht so recht durchsetzen. Beide Familien haben Probleme mit ihren pubertierenden Kindern. Während sich Eva (Hannah Strasser) mit ihrer Freundin Sabine (Elisa Krank) im Kopftuchbinden übt, hat Aisha (Cassandra Rühmling) ein Auge auf den esoterisch angehauchten Charly (David Batra) geworfen. Zudem unterstützt die Jugend nach Kräften die zarten Liebesbande, die sich zwischen dem Tourismuschef Beda (Sigi Distl) und der höflichen Fatima (Waltraud Gregor) entspinnen.

Andrea Graf (Gesang, Piano) und Manfred Wambacher (Gesang, Saxophon, Schlagzeug) begeistern mit ironisch heiteren Mundartliedern. Ein unterhaltsamer Sommertheaterabend, der durch Aktualität, Wortwitz und schwarzen Humor besticht.

„Sommerfrische #2“ – Schlossbergspiele Mattsee 2016. Text und Regie: Helmut Vitzthum. Musik: SUNNY (Andrea Graf und Manfred Wambacher). Mit: Michael Rank, Andrea Ausweger, Hannah Strasser, Ingo Krank, Doris Lindner, Cassandra Rühmling, Waltraud Gregor, Helmut Vitzthum, Marianne Lesch, Sigi Distl, Sabine Fussl, David Batra, Elisa Krank.Grafik: Schlossbergspiele Mattsee


Auf „Sommerfrische“ am Wartstein

Zur Freude des Publikums deckt Helmut Vitzthum bei den Schlossbergspielen in Mattsee mit seiner flotten Komödie schonungslos die Schwächen von „Ösis“ und „Piefkes“ auf. Familie Hansemann aus Bochum verbringt ihren Urlaub mit ihren beiden halbwüchsigen Kindern in der Pension „Seeblick“ bei Familie Frasinger, da sind Missverständnisse aller Art vorprogrammiert.

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Familie Hansemann wird mit einem exklusiven Oldtimer von der „Ferdinand Porsche Erlebniswelt Fahr(t)raum“ in Mattsee auf den Schlossberg chauffiert, doch dann lässt Rüdiger seine Frau Else mit dem Gepäck in Stich. Auch die Kinder Jan Olaf und Katja scheinen nicht zu bemerken, wie sich ihre Mutter abmüht. Die resche Pensionsbesitzerin Traudi (Andrea Ausweger) will den Gästen aus Bochum mit einem vielseitigen Unterhaltungsprogramm einen möglichst abwechslungsreichen Urlaub bieten. Radverleih, Jodelkurs, Kuhattacken-Coaching inklusive Melkkurs sowie eine asiatische Wohlfühlmassage mit Kuhglocken-Meditation für die gestresste Hausfrau versprechen pures Urlaubsvergnügen. Ihr Gatte Karli (Michael Rank) zeigt wenig Begeisterung. Er könnte auf die stressigen Gäste verzichten.

Karsten Grigo überzeugt als „Ruhrpott-Piefke“ mit umwerfend charmantem Befehlston. Sein ständiges „Else, jetzt komm doch!“ und „Else, jetzt mach doch mal!“ lässt vor allem die Damen im Publikum zusammenzucken. Doris Lindner verkörpert Else, „diese dusslige Kuh“, hinreißend. Sie wankt und stolpert hinter ihrem herrischen Mann her, fest davon überzeugt, dass er eigentlich ein ganz lieber, netter Kerl ist. Mit Ohrstöpseln bewaffnet fadisiert sich Melissa Mayr als Katja, die stets schlecht gelaunte Tochter der Hansemanns. Sven Carl als ihr höflicher Bruder Jan Olaf muss ständig gesucht werden, droht er doch, in der „Wildnis“ verloren zu gehen. Brav absolviert Familie Hansemann die angebotenen Kurse, Else lässt sich von der erleuchteten Shira (Julia Mayr) massieren, Rüdiger versucht sich im Jodeln. Bei einer Hochgebirgstour auf den Wartstein wird die Familie allerdings von der Dunkelheit überrascht. Kein Grund zur Aufregung, laut Rüdiger eindeutig ein Fall für die Bergrettung.

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Marius Holzer sorgt als Wandercoach und Experte für Kuhattacken für die gewünschte Action, assistiert von Barbara Bonn im Ganzkörper Kuh Kostüm. Waltraud Gregor hat alternierend mit Martina Stiegler ihren großen Auftritt als grüne Landeshauptmannstellvertreterin. Das spielfreudige Ensemble wird komplettiert von Sigi Distl als Tourismuschef und Jörg Neundlinger als „Buagamasta“, die sich redlich bemühen, den Fremdenverkehr anzukurbeln.

Das Volksmusikduo LeRoXa (Lena Scheibner und Alexander Reicher) sorgt mit seinen humorvollen Mundart-Liedern für die stimmungsvolle Untermalung des turbulenten Geschehens auf der Naturbühne am Schlossberg. Helmuth Vitzthum gelingt mit der von ihm verfassten und in Szene gesetzten Komödie Sommertheater im positiven Sinn. Jubel bei Urlaubern und Einheimischen. Weitere Vorstellungen am 19., 20., 21., 23., 26., 27 und 28. August, jeweils um 19.30 Uhr. (Bei Regen entfällt die Vorstellung.)

„Sommerfrische“ – Schlossbergspiele Mattsee. Text und Regie: Helmut Vitzthum. Darsteller: Karsten Grigo, Doris Lindner, Melissa Mayr, Sven Carl, Andrea Ausweger, Michael Rank, Hannah Strasser, Sigi Distl, Jörg Neundlinger, Marius Holzer, Julia Mayr, Alexander Reicher, Barbara Bann, Waltraud Gregor / Martina Stiegler. Musik: LeRoXa (Lena Scheibner, Alexander Reicher) Fotos: Freie Bühne Salzburg


Der liebeskranke König

„Der liebeskranke König“ – ein Schlossmärchen

Zum 5-Jahre-Jubiläum der Schlossbergspiele Mattsee unterhält Theatermacher Helmut Vitzthum das Publikum mit einem von ihm selbst verfassten Märchen. Über den einfältigen König, der am liebsten mit seinem Teddybären spielt, amüsieren sich Jung und Alt gleichermaßen. Die Premiere fand am 1. August 2014 bei traumhaftem Sommerwetter statt.

elipi_aVon Elisabeth Pichler

Vier übermütige junge Mädchen tanzen zu Beginn über die bemoosten Steinstufen des Naturtheaters und singen ein fröhliches Liedchen über den einst mächtigen König, der nun leider so schrecklich dumm sei. König Leopold ist über den plötzlichen Tod seiner geliebten Gattin nicht hinweggekommen und hat sich in kindliche Einfältigkeit geflüchtet. Nun sitzt sein Bruder auf dem Thron und kassiert die Steuern, während der völlig verarmte Ex-König von seinem treuen Diener Johann versorgt wird. Dieser täuscht seinen Herrn mit viel Geschick über die wahren Verhältnisse hinweg. Die übrige Dienerschaft hat genug von diesem „Affentheater“ und droht ständig mit Kündigung. Die einzige Rettung aus dieser prekären Situation scheint die Heirat des Königs mit einer reichen Frau zu sein. Frau Sonnenschein von der Partnervermittlung „Lebenslänglich“ ist zuversichtlich, denn für einen König sollte es doch nicht schwierig sein, die passende Dame zu finden. Ob die Gräfin Brunhilde von Salzburg und ihr Töchterchen, die zauberhafte Violetta, wirklich so gut betucht sind, wie sie behaupten, scheint zweifelhaft.

Michael Rank überzeugt als einfältiger, bemitleidenswerter König, der so gar nicht verstehen will, wozu er eine Frau brauchen sollte. Kein Wunder, dass die junge Violetta (Julia Maier) keine rechte Begeisterung für diese gute Partie aufbringen kann. Doch Karin Meingast, hinreißend als geldgierige Mutter, Kupplerin und falsche Gräfin, kennt keine Gnade. Bei einem König heißt es: „Augen zu und durch.“ Marius Holzer, der 2012 als Meier Helmbrecht auf der Schlossbergbühne stand, darf als Diener Johann erneut sein komisches Talent unter Beweis stellen. Mithilfe der aufsässigen Dienerschaft, die nur widerwillig den großen und starken König preist, gelingt es ihm, seinem Herrn und König eine heile Welt vorzugaukeln.

Das wundersame Märchen aus der Feder von Helmut Vitzthum unterhält mit viel Wortwitz und pointierten, intelligenten Seitenhieben, die an beide Geschlechter gleichermaßen ausgeteilt werden. Das rundum gelungene Sommertheater in der einzigartigen Kulisse des Schlossberges Mattsee sollte man sich nicht entgehen lassen. Die Aufführungen finden nur bei Schönwetter statt.

 „Der liebeskranke König“ – Text & Regie: Helmut Vitzthum. Technik: Roland Lederer. Mit: Michael Rank, Marius Holzer, Doris Lindner, Karin Meingast, Julia Maier, Helmut Vitzthum, Gaby Rindberger, Thomas Peschke, Sandra Österbauer, Sarah Maislinger, Hedwig Reschreiter, Isabella Meingast, Meike Asen, Angelika Meingast, Emma Gassner.


„Der Meineidbauer“
Schlossbergspiele Mattsee 2013

Die Freie Bühne Salzburg präsentiert vor der wildromantischen Kulisse des Theaters am Schlossberg Ludwig Anzengrubers Volksstück mit Gesang, uraufgeführt 1871 in Wien. Das mehrfach verfilmte Bauerndrama um moralische Verfehlungen und deren fatale Auswirkungen wurde von Helmut Vitzthum, der auch die Rolle des Kreuzweghofbauern übernimmt, in Szene gesetzt.

Von Elisabeth Pichler.

Nach dem plötzlichen Tod seines Bruders öffnet Franz heimlich dessen Testament. Als er erfahren muss, dass dieser den Hof seiner Lebensgefährtin, einer einfachen Magd, und seinen unehelichen Kindern vermachen will, verbrennt er das Schriftstück. Er wird dabei von seinem 12-jährigen Sohn Franz überrascht, den er daraufhin zum Studieren wegschickt. Vor Gericht schwört er einen Meineid, der ihm den Kreuzweghof sichert. Vroni, Marie und deren Mutter müssen den Hof verlassen, sie suchen Zuflucht bei der Großmutter in der „Ahnlhütte“ in Ottenschlag. Als Vroni acht Jahre später ein Beweisstück in die Hände fällt, welches ihre Ansprüche auf den Hof untermauert, wird die Situation dramatisch, denn der Kreuzweghofbauer schreckt vor nichts zurück, um sich den verräterischen Brief zurückzuholen.

Das schlechte Gewissen setzt dem Kreuzweghofbauern (Helmut Vitzthum) schwer zu. Er wirkt mürrisch und verbittert, da helfen weder der Besitz des größten Bauernhofes weit und breit noch seine aufgesetzte Frömmigkeit. Schwer enttäuscht ihn sein Sohn Franz (Marius Holzer), als dieser sich weigert, Geistlicher zu werden, denn in ihm wollte er einen Fürsprecher beim Herrn finden. Selbstbewusst tritt Vroni (Doris Lindner) dem Großbauern gegenüber. Sie haben die Schicksalsschläge stark gemacht, während ihre Schwester Maria nach einem Leben voller Not und Schande früh sterben musste.

Auf der Naturbühne wurden zwei rustikale Wohnstuben errichtet. In der „Ahnlhütte“ wohnt die Großmutter, die „Burgerlies“, die den Glauben an Gott verloren hat. In der guten Stube des Kreuzweghofs findet die dramatische Auseinandersetzung zwischen dem Meineidbauern und seinem Sohn Franz statt. Das Volkmusikduo LeRoXa sorgt mit zeitgenössischen Heimatliedern für die passende Untermalung.

Die Premiere am 1. August 2013 fand bei sommerlichen Temperaturen statt. Wie bestellt, fielen zum Finale im leichten Abendwind Blätter auf die Bühne. Viel Applaus für das packende Drama und das engagierte Ensemble der Freien Bühne Salzburg.

„Der Meineidbauer“ – Österreichisches Volksstück von Ludwig Anzengruber mit Livemusik vom Volxmusikduo LeRoXa. Regie: Helmut Vitzthum. Musik: Volxmusikduo LeRoXa – Lena Scheibner: Gesang, Gitarre, Alexander Reicher: Gesang, Gitarre, Mundharmonika, Nasenflöte. Mit: Doris Lindner, Helmut Vitzthum, Sylvia Rohr, Marius Holzer, Johannes Konrad, Florian Friedrich, Karin Meingast, Julia Mayr, Christian Kopecek, Helena Veitl, Alisia Young, Nina Gastager, Daniel Schröckenfuchs.


„Meier Helmbrecht“ – Schlossbergspiele Mattsee 2012

Das von Helmut Vitzthum inszenierte mittelalterliche Dorfdrama über einen unzufriedenen Bauernsohn, der als Raubritter sein Glück versucht und für seine Schandtaten grausam bestraft wird, basiert auf der gleichnamigen Versnovelle von Wernher dem Gartenaere (Ritter zu Burghausen). Das Stück spielt im Innviertel und ist als Beitrag zur Bayerisch-Oberösterreichische Landesausstellung 2012 zu verstehen.

Elisabeth PichlerVon Elisabeth Pichler

Das Publikum wird von einem zwar furchterregend aussehenden, doch sehr freundlichen – an Quasimodo gemahnenden – buckligen Gesellen empfangen und zu den moosigen Stufen des kleinen Amphitheaters am Schlossberg geleitet. Für die etwas spartanischen, harten Sitzgelegenheiten (ein Tipp: Polster oder Decke mitnehmen) entschädigt der prachtvolle Ausblick auf den See und das alte, renovierte Schlossgebäude. Eine mittelalterlich adjustierte Schauspiel- und Gauklertruppe betritt den Vorplatz, das Spiel kann beginnen. Durch die Geschichte führt ein bunt gekleideter Narr, der das bittere Ende bereits kennt und stets mit mahnenden Worten den moralisierenden Inhalt bekräftigt. Es sei zwar sehr verwerflich, dass sich der ungestüme, junge Bauernsohn anmaße, sich zum Raubritter aufzuschwingen, doch dass er Vater und Mutter nicht gehorche und es an dem nötigen Respekt mangeln lasse, sei noch viel schändlicher.

Die Sitten waren rau im Mittelalter: „Rauben und Morden, das ist keine Schand, das tun die Besten im ganzen Land“. So singen die brutalen Raubritter und genießen ihr freies Leben in vollen Zügen. Das Publikum darf Aufstieg und Fall des jungen Meier Helmbrecht miterleben und muss sogar bei seiner grausamen Bestrafung (Blendung und Abhacken eines Armes und eines Beines) dabei sein. Zur Beruhigung der strapazierten Nerven tritt zwischendurch eine Bauchtänzerin (Verena Shira Aziz) auf, die mit ihren weichen, schlangenhaften Bewegungen und hoher Körperbeherrschung begeistert. Zum krönenden Abschluss präsentiert sie eine Fächer Feuershow. Mitglieder des Paul Hofhaimer Consorts Salzburg und Schülerinnen des Musikum Mattsee sorgen für die musikalische Umrahmung. Sie entlocken mittelalterlichen Instrumenten (Fidel, Saz, Drehleier, Gemshorn, Krummhorn, Pommer etc.) die passenden Töne.

Helmut Vitzthum ist es gelungen, das tragische Stück absolut publikumstauglich zu inszenieren, denn Gaukler und Musikanten lenken von den Grausamkeiten ab, die man sich lieber gar nicht vorstellen möchte. Das spielfreudige Ensemble überzeugt durch eine homogene Leistung, bemerkenswert auch die Kostüme aus dem Fundus des Salzburger Landestheaters. Ein Abend, der viel zu bieten hat: Musik, Tanz, Theater und viel „Mittelalter-Feeling“.

„Meier Helmbrecht“. Veranstalter: Bildungswerk Mattsee. Konzept und Regie: Helmut Vitzthum, Musikalische Leitung: Natalie Gal. Technik: Roland Lederer, Kostüme: Salzburger Landestheater. Tanz: Verena Shira Aziz, Alexandra Schröckenfuchs, Helene Veitl. Musik: Natalie Gal, Ulrike Baumann, Bernhard Girardi, Severin Kral, Nina-Maria Schuster, Lea Neumayer, Markus Eder, Alexander Woschitz. Schauspiel: Nadine Mühlböck, Marius Holzer, Michael Rank, Theresia Friedl, Thomas Peschke, Florian Friedrich, Karsten Grigo, Thomas Pilz, Martina Maly, Heidi Hochreiter, Daniel Köckerbauer, Helena Veitl, Alexandra Schröckenfuchs. Fotos: Schlossbergspiele Mattsee