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Der Brandner Kaspar und das ewig‘ Leben

Kurt Wilhelm feierte mit der Bearbeitung einer Erzählung seines Vorfahren Franz von Kobell am Residenztheater in München einen sensationellen Erfolg. Seine umjubelte Inszenierung stand 26 Jahre lang am Programm. Gerard Es hat das urbayrische Volksstück nach Österreich verpflanzt und aus dem Brandner Kaspar einen Seehamer gemacht.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Die liebenswerte Komödie unterhält mit einer Mischung aus Komik und Melancholie bestens. Viel Applaus bei der Premiere am 5. Juli 2019, einer Benefizveranstaltung zu Gunsten der Schmetterlingskinder.

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Der „Boandlkramer“ hat einen neuen Auftrag. Er soll den Brandner Kaspar, einen 72-jährigen verwitweten Kleinbauern, abholen. Sein Schuss während der Jagd geht daneben und so muss er den rüstigen Alten zu Hause aufsuchen. Dieser ist absolut nicht bereit mitzukommen und auch die angepriesenen Herrlichkeiten des Himmels können ihn nicht umstimmen.

Etliche Stamperl Kirschgeist später gelingt es dem Brandner Kaspar, den „Boandlkramer“ beim Kartenspielen zu betrügen und ihm 18 weitere Jahre abzuluchsen. Dann nämlich wäre er 90 und käme gerne mit. An seinem 75. Geburtstag folgt seine Enkelin Marei dem Wilderer Flori in die Berge, um ihn zu warnen, wird von einem Gewitter überrascht und stürzt ab. Als Marei im Himmel ankommt, fliegt der Betrug des „Boandlkramers“ auf und er wird dazu verdonnert, den überfälligen Brandner Kaspar herbeizuschaffen. Ob diesen eine Probestunde im Paradies umstimmen kann?

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Hans Sporer überzeugt als schlitzohriger Brandner Kaspar, der sich rührend um sein Enkelkind, die tugendhafte Marei (Astrid Rizner), kümmert. Diese liebt den armen Wilderer Flori (Roman Leobacher), was dem Jägermeister Simmerl (Christian Altendorfer) aber gar nicht gefällt. Manfred Pichler brilliert stimmlich, mimisch und gestisch als zerrupfter, verfrorener „Boandlkramer“, eine jämmerliche Figur, mit der man fast Mitleid haben muss. Ein Scheißjob und nur unzufriedene Kunden, da ist es doch kein Wunder, dass er beim Kirschgeist schwach wird.

Im Himmel geht es urgemütlich zu, verwöhnt doch Hildegard von Bingen (Ulrike Rizner) das Personal und Kardinal Schwarzenberg (Matthias Hemetsberger) mit selbstgemachten Nervenkeksen und gesundem Herzwein. Der vergessliche Erzengel Michael (Lukas Korber) ist ständig auf der Suche nach seinem Flammenschwert, und nach den Jausenzeiten des Hl. Petrus (Franz Hillerzeder) kann man hier die nicht vorhandenen Uhren stellen. Unten in der Hölle (im Schilf des Sees) sitzt Luzifer (Johannes Schimmerl) und ist sauer. Ist ihm doch gerade der Jedermann durch die Lappen gegangen und hier scheint schon wieder etwas schiefzulaufen.

Besonders reizvoll wurde auch diesmal wieder die Seebühne in Szene gesetzt. So lässt sich der „Boandlkramer“ von seinem Fährmann stilgerecht in einem schwarzen Nachen zum Hof des Brandner Kaspar bringen. Der Himmel befindet sich in luftiger Höhe, gleich neben den Gipfeln der hohen Berge, die Marei zum Verhängnis werden (Bühnenbild: Ulrike Rizner). Bis 29. Juni 2019 kann man dies „himmlische Komödie“, laut Regisseur Gerard Es „das beste Volkstheaterstück überhaupt“, in Seeham genießen.

„Der Brandner Kaspar und das ewig’ Leben“ Volksstück von Kurt Wilhelm. Stückbearbeitung und Regie: Gerard Es. Technik: Gerhard Hager, Rainer Niederreiter. Bühnenbild: Ulrike Rizner. Bühnenbau: Franz Angerer, Thomas Herbst und Team. Kostüme: Christine und Irmgard Esterbauer, Katrin Wallner. Mit: Hans Sporer, Astrid Rizner, Roman Leobacher, Christian Altendorfer, Fritz Liebert, Carola Kersten, Sabrina Russinger, Sylvia Oberhauser, Monika Kloud, Jürgen Kloud, Franz Filzmoser, Michael Kirchtag, Manfred Pichler, Franz Hillerzeder, Lukas Korber, Matthias Hemetsberger, Ulrike Rizner, Sabrina Russinger, Franzi und Marlene Kloud. Fotos: Seebühne Seeham

BRANDNERKASPER.AT – ein österreichischer Sturschädl >


Seebühne Seeham

Der Besuch der alten Dame – Seebühne Seeham

Gerard Es hat Friedrich Dürrenmatts tragische Komödie, die deutlich zeigt, dass man für Geld fast alles kaufen kann, speziell für die Seebühne in Seeham bearbeitet. Das turbulente, groteske Stück begeisterte am 5. Juli 2017, einem traumhaft milden Sommerabend, die Besucher der Generalprobe.

Elisabeth PichlerVon Elisabeth Pichler

Der einst blühende Fremdenverkehrsort Güllen am See befindet sich in einer tiefen wirtschaftlichen Krise. Große Hoffnung setzt die Bevölkerung daher auf den bevorstehenden Besuch der Milliardärin Claire Zachanassian, die ihre Jugend als Klara Wäscher in dem malerischen Städtchen verbracht hat und nun für ihre Wohltätigkeit bekannt ist. Die Bürger werden nicht enttäuscht. Claire stellt ihnen eine Milliarde in Aussicht, die Hälfte für das Dorf, die andere Hälfte soll unter seinen Bewohnern aufgeteilt werden.

Die Schenkung ist jedoch an eine Bedingung geknüpft: Claire verlangt Gerechtigkeit und zwar den Kopf ihres ehemaligen Liebhabers Alfred Ill, der sich einst durch bestochene Zeugen um die Vaterschaft gedrückt hat, um die Tochter des reichen Wirts heiraten zu können. Der Bürgermeister schlägt zwar sichtlich empört das verlockende Angebot aus, doch in den Bürgern erwacht die Gier und sie beginnen, das versprochene Geld auszugeben, denn die Bank gewährt ihnen plötzlich großzügig Kredite. Kein Wunder, dass es Alfred Ill allmählich mit der Angst zu tun bekommt. Er wendet sich hilfesuchend an den Pfarrer und an die Polizei. Die können ihm aber auch nur raten, die Stadt möglichst schnell zu verlassen. Wird das der einzige Ausweg sein?

Das Seehamer BühnenbauTEAM hat ganze Arbeit geleistet und einen idyllischen, wenn auch etwas heruntergekommenen Dorfplatz mit Strandcafé, Friseursalon, Blumenladen, Bank, Gasthaus zum Goldenen Apostel, Polizeistation und Kapelle auf die Seebühne gestellt. Hier findet der Empfang für die vermeintliche Wohltäterin statt, die zwar einen Tag zu früh, jedoch stilvoll mit Jacht und großem Gepäck einläuft. Der vorsorglich mitgebrachte Sarg wird auf der Balustrade im 1. Stock platziert, damit nur ja keiner die geforderte Gerechtigkeit aus den Augen verliert.

25 Erwachsene, 16 Kinder, die Musikkapelle Seeham und diverse Oldtimer der Ferdinand Porsche Erlebniswelten sorgen für buntes Treiben auf, vor und neben der Seebühne. Doch ist nicht die Frage, die Dürrenmatt mit seinen Stück an die Zuschauer stellt, eigentlich eine Anklage? Ab welcher Summe ist der Mensch käuflich? Die Güllener Bürger pfeifen auf Moral und Humanität, als das große Geld winkt. Claire Zachanassian schafft es, sie so zu manipulieren, dass sie bereit sind, einen Mord zu begehen und diese Tat als Gerechtigkeit hinzustellen.

Friedrich Dürrenmatts Theaterklassiker wird in der Inszenierung von Gerard Es zur spannenden Dorfgroteske, die mit pechschwarzem Humor unterhält. Ein Sommervergnügen, das man sich nicht entgehen lassen sollte.

„Der Besuch der alten Dame“ von Friedrich Dürrenmatt. Bearbeitung: Gerard Es. Regie: Gerard Es. Bühnenbild: Seehamer BühnenbauTEAM. Maske: Michaela Altendorfer. Technik: Christian Greischberger, Rainer Niederreiter, Gerhard Hager. Kostüme: Christine und Irmgard Esterbauer, Katrin Wallner. Öffentlichkeitsarbeit und Fotos: Heinz Georg Tschapka, Ralf Weichselbaumer, Hans Ziller, Arge Erlebnis Kultur Seeham. Darsteller und Mitwirkende: Christian Altendorfer, Christine Altendorfer, Elena Gussnig, Matthias Hemetsberger, Franz Hillerzeder, Bianca Huber, Martina Huthmann, Monika Kloud, Jürgen Kloud, Lukas Korber, Cornelia Macher, Wolfgang Neu, Annegret Neuhofer, Manfred Pichler, Wolfgang Rehm, Astrid Rizner, Ulrike Rizner, Sabrina Russinger, Johannes Schimmerl, Barbara Schwaiger-Modl, Rudolf Waltran, Bruno Ziegler, Musikkapelle Seeham, Seehamer Vereine, Kinder aus Seeham und Umlandgemeinden.


Ein Sommernachtstraum – Liebeswirren in Seeham

Mit William Shakespeares beliebter Komödie, einer unterhaltsamen, phantasievollen Geschichte um Liebe und Eifersucht, verzaubert der Theaterverein „Die Seebühne Seeham“ heuer das Publikum. Der Reinerlös der Premiere (8. Juli 2016) in Höhe von € 4.380 sowie eine gut gefüllte Spendenbox wurden auch heuer wieder an debra (Hilfe für Schmetterlingskinder) übergeben.

Elisabeth PichlerVon Elisabeth Pichler

Schon während das Publikum seine Plätze einnimmt, tänzeln auf der Bühne verspielte, quirlige, kleine Elfen herum. Ein Zeremonienmeister beendet das muntere Treiben. In vier Tagen soll die Hochzeit von Theseus, dem Herzog von Athen, und Hippolyta, der Königin der Amazonen, stattfinden. Die Vorbereitungen laufen auf Hochtouren. Eine Gruppe Handwerker plant eine unterhaltsame Tragödie und ist im nahen Wald schon fleißig am Proben. Auch zwei Liebespaare irren durch den Zauberwald, in dem die seltsamsten Dinge passieren. Der Haussegen zwischen Oberon, dem eifersüchtigen König der Elfen, und seiner widerspenstigen Gattin Titania hängt schief, weigert sie sich doch, auf ihren indischen Knaben zu verzichten. Mit Hilfe eines Zaubersaftes will ihr Oberon eine Lektion erteilen, doch sein schusseliger Diener Puck geht etwas sorglos mit der Droge um und stiftet damit ein heilloses Durcheinander.

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Franz Angerer und Team haben auf der Seebühne einen märchenhaften Zauberwald errichtet, in dem es sich herrlich verstecken, verirren und herumklettern lässt, sowie ein herrschaftliches Schloss, das bei den Hochzeitsfeierlichkeiten mit einigen Überraschungen aufwartet. Bianca Huber brilliert als schusseliger, stets hungriger, boshafter, doch überaus liebenswerter Puck, der sich über die von ihm verursachten Verwirrungen herrlich amüsieren kann: „Gehen die Sachen kraus und bunt, freu ich mich von Herzensgrund.“ Christian Altendorfer führt als rühriger Zimmermann Squenz die unbedarfte Schauspieltruppe der Handwerker an, die mit der spaßhaften Tragödie „Pyramus und Thisbe“ die noble Hochzeitsgesellschaft und das Publikum begeistert. Bewundernswert die Energie der 14 Elfen, die bis zum Ende der Aufführung frisch und munter wirken, obwohl die Kleinsten eigentlich schon längst im Bett sein sollten.

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Regisseurin Lisa Hanöffner hat seit März dieses Jahres ca. 40 Proben mit einem hochmotivierten Ensemble hinter sich gebracht. Das sehenswerte Ergebnis ist noch bis 1. August jeden Sonntag, Mittwoch und Freitag auf der Seebühne in Seeham zu bewundern.

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„Ein Sommernachtstraum“ von William Shakespeare. Regie: Lisa Hanöffner. Regieassistenz: Margret Tress. Bühnenbild und Bühnenbau: Franz Angerer und Team. Mit: Wolfgang Neu, Christine Altendorfer, Sabrina Russinger, Ossy Korber, Julia Otte, Astrid Rizner, Roman Leobacher, Thomas Herbst, Manfred Pichler, Ulrike Rizner, Sebastian Altendorfer, Bianca Huber, Cornelia Macher, Lisa Rizner und den entzückenden Elfen: Vanessa Altendorfer, Lea Emminger, Pia Gschaider, Elena Gussnig, Nicole Kastenauer, Marlene Kloud, Sophie Krieger, Carina Lechner, Christina Modl, Alina Mödlhammer, Hanna Wallner. Fotos: Seebühne Seeham/ Ralf Weichselbaumer


Seebühne Seeham: „Die drei Musketiere“ – Einer für alle! Alle für einen!

Auf der Seebühne Seeham werden diesen Sommer wilde Degenkämpfe ausgefochten. In der Bearbeitung des amerikanischen Erfolgsautors Ken Ludwig wird aus Alexandre Dumas’ Roman eine spannende, unterhaltsame Komödie, die das Publikum bei der Premiere am 10. Juli 2015 begeisterte. Der Reinerlös dieser Benefizveranstaltung kommt auch heuer wieder den Schmetterlingskindern zugute.

elipi_aVon Elisabeth Pichler

Der 18-jährige d’Artagnan aus der Gascogne bricht nach Paris auf, um Musketier zu werden und König Ludwig XIII. zu beschützen. Mit Butterblume, einem alten, lahmen Pferd, und seiner unternehmungslustigen Schwerster im Schlepptau macht er sich auf den Weg. Sein erstes, etwas unglückliches Zusammentreffen mit den Musketieren Athos, Porthos und Aramis bringt ihm gleich drei Duelle ein. Auch Rochefort und Milady de Winter, Agenten des gefürchteten, unbarmherzigen und machtgierigen Kardinals Richelieu, machen ihm das Leben schwer. Wird der Grünschnabel all diesen Herausforderungen gewachsen sein?

Thomas Herbst spielt die Titelfigur mit jugendlicher Unbekümmertheit, überzeugt davon, dass er für die Gerechtigkeit kämpft. Liebenswert Sabrina Russinger als seine kleine Schwester Sabine, die sich in ihrer Klosterschule nicht wohlfühlt, würde sie doch lieber an der Seite ihres Bruders fechten und aufregende Abenteuer erleben. Athos (Alexander Eberl), Porthos (Franz Hillerzeder) und Aramis (Lukas Korber) sind drei liebenswerte Halunken, die für jeden Schabernack zu haben sind. So stehlen sie Kardinal Richelieu dessen Schlafmütze und genießen die anschließende Auseinandersetzung mit seinen Wachen. Um Kardinal Richelieu (wortgewaltig Fritz Liebert) scharen sich dunkle Gestalten: der einäugige Rochefort (Wolfgang Neu) und die skrupellose Milady de Winter (Bianca Huber). Von all den finsteren Machenschaften bekommt der naive, etwas verwirrte König Ludwig XIII. (überaus liebenswert Christian Altendorfer) kaum etwas mit. Als ihm jedoch zugetragen wird, dass ihn seine Gattin, Königin Anna (Annegret Neuhofer), angeblich betrügt, zieht er kaltblütig sogar ihre Hinrichtung in Betracht.

Gerard Es hat den kurzweiligen, vergnüglichen Abend mit einem großartig aufspielenden Ensemble (20 Personen!) temporeich in Szene gesetzt. Trotz aller Intrigen und Entführungen, diverser Mordanschläge und einem Attentat auf den König kommt der Humor nie zu kurz. Hinreißend König Ludwig XIII. als „König der Löwen“ auf einem Maskenball. Spektakulär das Seebühnen-Bild von Fritz Lindner, Franz Angerer und Team. Während auf der einen Seite König und Kardinal vornehm residieren, geht es auf der anderen Seite, in einer urigen Schenke, feuchtfröhlich zu. Mitreißend auch die vielen Fechtszenen, da hat Choreograph Thomas Pfertner ganze Arbeit geleistet.

Die Premiere dieser aufwendigen Produktion des Theatervereins „Die Seebühne Seeham“ konnte bei strahlendem Sommerwetter über die Bühne gehen. Gratulation an das gesamte Team und mögen die nächsten Vorstellungen ebenfalls vom Wettergott begünstigt sein.

Seebühne Seeham. „Die drei Musketiere“ von Ken Ludwig nach einem Roman von Alexandre Dumas. Regie: Gerard Es. Fechtchoreographie: Thomas Pfertner. Bühnenbild: Fritz Lindner, Franz Angerer. Bühnenbau: Franz Angerer und Team. Kostüme: Christine und Irmgard Esterbauer, Karin Wallner. Mit: Thomas Herbst, Alexander Eberl, Franz Hillerzeder, Lukas Korber, Fritz Liebert, Bianca Huber, Wolfgang Neu, Sabrina Russinger, Julia Otte, Christian Altendorfer, Annegret Neuhofer, Christine Altendorfer, Roman Leobacher, Ulrike Rizner, Werner Dallinger, Carola Kersten, Bruno Ziegler, Cornelia Macher, Rudi Waltran, Carolin Hollweger.


Seebühne Seeham

Einen Jux will er sich machen

Der Theaterverein Seeham verabschiedet sich mit Johann Nepomuk Nestroys 1842 entstandener Posse mit Gesang von der bewährten, doch im Laufe von 17 Jahren stark beanspruchten Bühnenkonstruktion der Seebühne.

Vor der traumhaften Kulisse des Obertrumer Sees feierte die turbulente Verwechslungskomödie am 28. Juni 2013, dem „wettermäßig schönsten Tag der Woche“, Premiere.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Gewürzkrämer Zangler stellt seinem Handlungsdiener Weinberl eine Beförderung in Aussicht. Dieser ist außer sich vor Freude, dass „das Berufsglück sein ganzes Füllhorn ausschüttet über mich“ und beschließt, sich „an der Grenze zwischen Knechtschaft und Herrschaft“ einen Jux zu machen. Als sein Herr für drei Tage in die Stadt fährt, um seine Zukünftige zu besuchen, schließt der ach so zuverlässige Weinberl kurzerhand das „Gwölb“ zu und macht sich mit seinem Lehrjungen, dem gutmütigen Christopherl, auf in die sündige Stadt, um einmal auch „ein verfluchter Kerl“ zu sein. Ständig auf der Flucht vor ihrem Dienstherrn, stolpern die Beiden von einer skurrilen Situation in die nächste. Sich einen Jux zu machen, erweist sich als gar nicht so einfach.

Bewaffnet mit einer Weinflasche schleicht Bianca Huber, die Geierwally aus dem Vorjahr, als musizierende Landstreicherin Elvira über die Bühne und singt – statt der gewohnten Couplets – mit rauchiger Stimme zu bekannten Wienerlied- und Schlagermelodien von Midlife-Crisis und anderen Problemen. Alexander Eberl tyrannisiert als Gewürzkrämer Zangler sein armes Mündel Marie, das sich erlaubt, den mittellosen August Sonders zu lieben. Michaela Schwab schüttelt als unschuldige Marie ihre Stoppellocken und versichert dabei ständig: „Das schickt sich nicht“, bevor sie mit ihrem Herzallerliebsten durchbrennt. Franz Hillerzeder als einst biederer Handlungsdiener Weinberl gewinnt durch seine Beförderung beträchtlich an Selbstvertrauen. An seiner Seite brilliert Thomas Herbst als Christopherl mit rührender Naivität, aber auch einer gehörigen Portion Gewitztheit. Als äußerst plastisch gezeichnete Charaktere erweisen sich Annegret Neuhofer als Auserwählte des Gewürzkrämers, Madame Knorr, und Christine Altendorfer als lustige Witwe, Frau von Fischer.

Gerard Es inszeniert das „Paradestück der österreichischen Nationalliteratur“ im Gegensatz zur modernen, gekürzten Fassung, die heuer im Schauspielhaus Salzburg zu sehen war, eher konventionell. Dazu passen das liebevoll gestaltete Bühnenbild sowie die prachtvollen Kostüme. Nestroys viel gespielte Posse spiegelt kritisch die gesellschaftlichen Zustände der guten alten Zeit wider und unterhält das Publikum mit wortgewaltigem Witz, der stets mit leicht bitteren Untertönen serviert wird. Viel Applaus für eine gelungene Aufführung und das engagiert aufspielende Laienensemble. Der Reinerlös der Premiere kommt wie jedes Jahr den Schmetterlingskindern zugute und wurde in Form eines Schecks über 3.200 Euro an „debra-austria“ übergeben.

„Einen Jux will er sich machen“ von Johann Nepomuk Nestroy. Regie: Gerard Es. Musikbearbeitung: Bianca Huber, Gerard Es, Technik: Christian Greischberger, Rainer Niederreiter. Bühnenbild, Bühnenaufbau: Franz Angerer und Team. Kostüme: Christine und Irmgard Esterbauer, Katrin Wallner. Mit: Alexander Eberl, Michaela Schwab, Franz Hillerzeder, Thomas Herbst, Rudi Waltran, Cornelia Macher, Lukas Korber, Christian Altendorfer, Wolfgang Neu, Annegret Neuhofer, Christine Altendorfer, Ulli Rizner, Lisa Rizner, Sabrina Russinger, Maria Gappmaier, Werner Dallinger.


„Geierwally“ – auf der Seebühne Seeham

Die tragische Geschichte der rebellischen Wally, die sich gegen die Bevormundung durch ihren störrischen Vater zur Wehr setzt, ist 1875 erstmals in Romanform erschienen. Die Bühnenfassung von Hans Gnant überzeugt durch archaische Kraft. Viel Applaus für das packende Bauerndrama und die beeindruckende Ensembleleistung.

Elisabeth PichlerVon Elisabeth Pichler

Anfangs ist der Strominger-Bauer stolz auf seine verwegene, starke Tochter, die einen jungen Geier aus einer Felsspalte rettet, in die sich kein Mann hinabzusteigen wagt. Als sie sich jedoch weigert, den vom Vater bestimmten, etwas mürrischen Vinzenz zu heiraten, ist der Konflikt vorprogrammiert. Er schickt seine Tochter erst mal aufs Hochjoch in die Verbannung. Als sie sich nach ihrer Heimkehr weiterhin widersetzt, will sie der dickköpfige Vater in den Keller sperren.

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In ihrer Verzweiflung zündet sie die Scheune an und muss fliehen. In dieser schweren Zeit gibt ihr nur die Liebe zum „Bärenjosef“ Kraft. Als dieser jedoch auf Grund eines Missverständnisses ihre Liebe verschmäht, fühlt sie sich zutiefst gedemütigt und sehnt sich nur noch nach Rache.

Steil ragen die schneebedeckten Felsen auf der Seebühne in den Himmel, sie ermöglichen gefährliche Klettertouren und dienen als Fluchtwege. Wenn es dahinter blitzt und donnert wie am Sonntag, dem 8. Juli 2012, mag das zwar sehr imposant sein, ein Sternenhimmel wäre aber beruhigender gewesen. Imposant ist das Bühnenbild von Franz Angerer und Team, in dem weder Bauernstuben noch Marterl fehlen, aber auf alle Fälle. Bianca Huber überzeugt in der Rolle der „Geierwally“, die sich kraftvoll gegen ihren sturen, bösartigen Vater auflehnt, aber auch nach dessen Tod als herrische und rachsüchtige Großbäuerin. Christian Altendorfer, heuer erstmals Obmann des Theatervereins Seebühne, gelingt es als „Bärenjosef“, das Herz der stolzen Wally zu erobern. Franz Hillerzeder tobt als alter Strominger-Bauer furchteinflößend über die Bühne. Michaela Schwab als Magd Regerl und Thomas Herbst als Hüterbub Anderl überzeugen durch Herzensgüte und rührende Naivität. Das gesamte Ensemble besticht durch eine homogene und authentische Leistung, auch die Nebenrollen sind bestens besetzt, vom hilfsbereiten Nachbarbauern Benedikt (Lukas Korber) bis zum alten Knecht (Rudi Waltran).

Generationskonflikte sorgen nicht nur im bäuerlichen Milieu für Zwist und Streit und so ist es kein Wunder, dass dieses stets aktuelle Thema nach der Romanvorlage von Wilhelmine von Hillern bereits mehrfach verfilmt wurde, zuletzt 2005 mit Christine Neubauer in der Titelrolle. Die Seebühne Seeham mit ihren Naturgewalten bietet für dieses packende Drama in der bewährten Regie von Gerard Es einen absolut passenden Rahmen. Für Touristen und Einheimische ein sehenswerter Theaterabend.

„Die Geierwally“ für die Bühne bearbeitet von Hans Gnant. Regie: Gerard Es. Mit: Bianca Huber, Franz Hillerzeder, Rudi Waltran, Lukas Korber, Christian Altendorfer, Cornelia Macher, Wolfgang Neu, Thomas Herbst, Annegret Neuhofer, Michaela Schwab, Werner Dallinger, Christine Altendorfer, Bruno Ziegler. Fotos: Manfred Siebinger


„Jedermann“ stirbt nun auch auf der Seebühne in Seeham

Die traumhafte Kulisse, das imposante Bühnenbild auf der Seebühne direkt am Obertrumer See, die perfekte Inszenierung einer teilweise volkstümlichen Fassung von Hugo von Hofmannsthals Mysterienspiel durch Gerard Es und die überzeugende Ensembleleistung begeisterten das Premierenpublikum am 9. Juli 2010.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Seit dem Mittelalter wird das Mysterienspiel auf den Theaterbühnen gezeigt und trotzdem hat das Stück nichts von seiner Aktualität eingebüßt. Hofmannsthal schrieb: „Der eigentliche Kern des Inhalts offenbart sich immer mehr als menschlich absolut, keiner bestimmten Zeit angehörig, nicht einmal mit dem christlichen Dogma unlöslich verbunden.“

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Der „Seehamer Jedermann“ lebt nicht schlecht auf seinem Schiff. Da wird in Saus und Braus gefeiert, die Tischgesellschaft schätzt seine Gastfreundschaft. Geld ist genug vorhanden, die Wirtschaftskrise noch weit. Nur die Mutter macht Stress, denn ihr gefällt das liederliche Leben ihres Sohnes gar nicht, sie möchte lieber eine nette Schwiegertochter und ein paar Enkelkinder, die Zeit drängt, sie ist nicht mehr die Jüngste.

Tod (Fritz Liebert). Foto: KTraintinger

Noch bevor der Tod persönlich in Erscheinung tritt, sind bei „Jedermann“ deutliche Zeichen eines sich anbahnenden Herzinfarkts zu erkennen, das gute Leben rächt sich. Als ihm sein nahendes Ende angekündigt wird, versucht er verzweifelt, jemanden zu finden, der ihn auf seinem letzten Weg begleitet, doch sogar sein geliebter Mammon zeigt ihm die kalte Schulter. Schließlich bereut er und kann mit seinen – wenn auch wenigen – guten Werken und dem Glauben dem Teufel entkommen und zur Zufriedenheit seiner alten Mutter die Treppen zur ewigen Seligkeit hinaufsteigen.

Gerard Es inszeniert den „Jedermann am See“ in einer Mischung aus Dialektfassung und Hofmannsthal-Fassung (die allegorischen Figuren). Franz Hillerzeder gibt einen jungen, sehr kernigen „Jedermann“ ab, der aber von Anfang an auch seine weichen Seiten zeigt. So lässt er die „Arme Frau“ mit ihren Kindern nicht in den Kerker werfen, obwohl er seine Schwäche vor seinen Kumpanen nicht so recht zugeben will. Zum Lohn steht sie ihm gegen Ende in der Figur der „Guten Werke“ zur Seite. Die Tischgesellschaft (verstärkt durch den Seehamer Kirchenchor) feiert ein prachtvolles barockes Fest, auf dem das ganze Schiff betanzt wird, doch verlässt diese schon bald das scheinbar sinkende Schiff.

Gute Werke (Annegret Neuhofer). Foto: KTraintinger

Carola Kersten, eine liebreizende Buhlschaft in einem besonders prachtvollen Kostüm, lässt ihren Liebhaber zwar etwas zögerlich, aber schließlich doch auch im Stich. Fritz Liebert, als Tod im schwarzen Ledermantel, umschleicht das Schiff mit einer brennenden Fackel und ist so ständig präsent. Manfred Pichler ist ein äußert markanter Teufel, der Furcht erregend auf seinen Pferdefüßen herumstolziert, umgeben von allerliebsten kleinen Teufelchen, die sich erfolglos bemühen, das Publikum mit Fauchen und Zischen zu erschrecken. Szenenapplaus ist ihnen aber gewiss. „Jedermanns“ letzter Gang ist leider nicht so bühnenwirksam wie das farbenprächtige, pyromanische Spektakel, mit dem der frustrierte Teufel samt seinem Nachwuchs zur Hölle fährt.

Teufel und Teufelskinder (Manfred Pichler, Tobias Ritzner, Anna Dürager, Julia Mühlfellner, Melanie Eibl, David Eliasch). Foto: KTraintinger

Es ist immer wieder spannend, eine neue Version des „Jedermann“ zu erleben. Seeham braucht mit dieser beeindruckenden Produktion einen Vergleich nicht zu scheuen: Hingehen, anschauen und genießen.

Jedermann“ nach Hugo von Hofmannsthal, Regie: Gerard Es, Leitung Chor: Burgi Hemetsberger, Studio: Robert Kainar, Choreographie: Angela Nassall, Technik: Christian Greischberger, Rainer Niederreiter, Bühnenbild: Franz Angerer, Kostüme: Katrin, Christine und Irmgard Esterbauer, Maske: Christina Schausberger, mit: Franz Hillerzeder, Robert Rosenstatter, Carola Kersten, Irmgard Korber, Alexander Eberl, Annegret Neuhofer, Magdalena Soelkner, Sabrina Russinger, Wolfgang Neu, Bruno Ziegler, Thomas Herbst, Rudi Waltran, Fritz Liebert, Manfred Pichler, Christine Altendorfer, Michaela Wieder und den Kindern: Carolin Hollweger, Magdalena Neuhofer, Lisa Rizner, Selina Fischinger, Magdalena Soelker, Sabrina Russinger, Wolfgang Neu, Bruno Ziegler, Thomas Herbst, Tobias Rizner, Anna Dürager, Julia Mühlfellner, Melanie Eibl, David Eliasch

Aufführungstermine (Beginn  jeweils 21.00 Uhr):  Sonntag, Mittwoch und Freitag, letzte Vorstellung: Montag 2. August 2010


Lungauer Querschläger

Die Lungauer Querschläger und meine ersten Pressefotos

Das Konzert der Lungauer Querschläger auf der Seebühne Seeham war mein erster Einsatz als Pressefotograf. Es war ganz witzig, anfangs beobachtete ich eine Frau, wie sie ganz vor die Bühne ging und Fotos schoß. Als sie weg war, wagte ich auch den Schritt nach vorne, so nach und nach immer näher.

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Von Matthias Traintinger

Erst als ich vom Sänger über das Mikrophon wieder weggeschickt wurde, zog ich ab. Ich hatte keine so große Kamera wie die Frau und mußte mich aber auch nicht so verbiegen wie sie, um Fotos zu machen. Vielleicht war ich ihm auch nicht so wichtig wie die Frau, wer weiß das schon.

Es war trotzdem ein ganz witziges Erlebnis, wie ich mich beim Wegschicken gefühlt habe, zeigt das letzte Foto. Das Konzert hat mir ganz gut gefallen, obwohl ich eigentlich auf ganz andere Musik stehe.

Auf meinem iPod habe ich für die Querschläger leider keinen Platz mehr frei. Wenn mein Papa wieder einmal die Querschläger anhören wird, glaube ich, werde ich wieder mitgehen. Fotos mache ich keine mehr, das hat mir der Sänger vermiest.

Meine Konzertfotos:


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