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Mozart-Corona

Es ist still geworden

Der Kulturbetrieb im Land ist praktisch nicht mehr existent. Die Osterfestspiele in Salzburg sind schon abgesagt und bis Mitte April wird entschieden, ob es heuer die Pfingstfestspiele geben wird. Selbst die Durchführung der Sommerfestspiele ist mehr als ungewiss.

Doch es geht nicht nur um die Hochkultur! Sehr viele der kleinen Theater und Kulturinitiativen kämpfen um das nackte Überleben. Die Musiker, Schauspieler, Bühnentechniker, Lichttechniker, Tontechniker, etc. haben plötzlich kein Einkommen mehr.

In der jetzigen Zeit ist jede Form der Unterstützung wichtig, sonst kann nach der Krise nichts mehr hochgefahren werden!

Ein Beispiel: Man kann Karten für ein “abgesagtes Festival” kaufen, um das Salzburger OFF-Theater finanziell zu unterstützen. OFF-THEATER >


Jedermann in Mattsee

Jedermann – auf Schloss Mattsee

Die Freie Bühne Salzburg zeigt auf der Naturbühne am Schlossberg in Mattsee eine von Regisseur Helmut Vitzthum bearbeitete, moderne Fassung von Hugo von Hofmannsthals Klassiker. Nach rund zwei Stunden darf der Tod einen geläuterten Jedermann, der zu sich selbst gefunden hat, mit sich nehmen. Zurück bleibt ein wütender Teufel: „Die Welt ist dumm, gemein und schlecht!“

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Weiße Designermöbel und goldene Weinbecher machen aus der Naturbühne einen modernen, edlen Wohnsitz. In einem dieser stylischen Sessel schläft Jedermann und wird von schlechten Träumen gequält. Er scheint zu ahnen, dass es mit seinem schönen Leben bald vorbei sein wird. Dem armen Nachbarn jammert er vor, wie kostenintensiv seine Besitztümer sind, und den Schuldknecht kanzelt er kalt ab. Doch irgendwie verderben ihm diese Belästigungen, ebenso wie die Vorhaltungen seiner Mutter, die Stimmung und er verschiebt die Besichtigung seines Lustschlosses auf später.

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Bei der abendlichen Tischgesellschaft schafft es die Buhlschaft, ihn kurz aufzuheitern, doch dann überkommt ihn wieder ahnungsvoll eine Melancholie. Als der Tod erscheint, um ihn mitzunehmen, gerät er in Panik. Ob er in einer Stunde wohl jemanden finden wird, der bereit ist, ihn auf diesem letzten Weg zu begleiten?

Hans-Jürgen Bertram lebt schon über 20 Jahre in Salzburg und schlüpft nun erstmals in die „Kultrolle“ des Jedermanns. In Helmut Vitzthums Inszenierung überzeugt er von Anfang an als ein von Ängsten gequälter und getriebener Lebemann. Ungetrübte Freude bereitet ihm nur seine attraktive Buhle (Lydia Nassall), die die Tischgesellschaft mit einer spektakulären Feuershow zu unterhalten weiß.

Als emotionsloser Tod schreitet Bàlint Walter majestätisch und gelassen durch den nächtlichen Wald und über die Stufen der Bühne. Da wird auch dem Publikum bewusst, dass es im Ernstfall kein Entrinnen geben wird.

Melanie Arnezeder fungiert als cooles Skriptgirl, das als Spielansagerin schnoddrig mahnt, ja die Lehre aus dem Stück zu ziehen. Als Mammon umkreist sie ihren Besitzer als goldene Spinne und lässt ihn als Marionette nach ihrem Willen tanzen. Hermann Lechner gibt als Guter Gesell einen braven Buchhalter, der sich um die Geschäfte kümmert und stets mit Aktentasche unterwegs ist. Base (Silvia Rohr) und Dicker Vetter (Christoph Mierl) sind stets bester Laune und räumen ungeniert das Haus leer, sodass nur mehr drei schwarze Podeste übrig bleiben, die passend zum Schlussbild an Särge erinnern. Gabriele Falkner liest als gläubige Mutter ihrem Sohn gehörig die Leviten und rät ihm zu einer baldigen Hochzeit, denn nur so werde aus Wollust ein Heiligtum.

In letzter Zeit sah man die Guten Werke meist krank und schwächlich über die Bühne wanken, doch Lilian Schaubensteiner überzeugt als absolut positive, gut gelaunte Figur, eine lebensbejahende Abwechslung, die richtig guttut. Bei der Generalprobe, die ich am 30. Juli 2019 besuchen durfte, fiel krankheitsbedingt der Glaube aus und musste eingelesen werden. Der von Selbstzweifeln erfüllte Jedermann schaffte es jedoch auch so, sich selbst anzunehmen. Nach so viel Gläubigkeit sorgt der Auftritt des frustrierten Teufels stets für Heiterkeit. In dieser Rolle pirscht sich Johannes Konrad dämonisch wie ein Höllenhund an. Nach seiner Niederlage versteht er die Welt nicht mehr.

Die wundervollen Kostüme sind eine Leihgabe des Salzburger Landestheaters. Man kann der groß aufspielenden Truppe nur viele so traumhaft schöne Abende wie bei der Generalprobe wünschen. Bei Schlechtwetter findet die Produktion im Diabelli-Saal statt.

„Jedermann“ – Schlossbergspiele Mattsee 2019. Regie: Helmut Vitzthum. Kostüme: Landestheater Salzburg. Technik: Roland Lederer. Maske: Elisabeth Dehmel, Lisa Rindberger. Mit: Hans-Jürgen Bertram, Lydia Nassall, Bálint Walter, Melanie Arnezeder, Johannes Konrad, Hermann Lechner, Lilian Schaubensteiner, Irene Refela, Sylvia Rohr, Christoph Mierl, Gabriele Falkner, Christian Zink, Carina Schmeisser, Francisca Leimgruber, Hannah Handlechner. Fotos: Freie Bühne Salzburg/ Chris Rogl


salzburger strassentheater

„König der Herzen“ – Very British!

Das Straßentheater der Salzburger Kulturvereinigung ist heuer mit einer Politkomödie des populären britischen Satirikers Alistair Beaton in Stadt und Land Salzburg unterwegs. Der bissige, humorvolle Blick ins Zentrum politischer Macht wurde vom künstlerischen Leiter Georg Clementi gewohnt schwungvoll in Szene gesetzt und unterhielt am 27.7. 2018 in Hallwang Jung und Alt bestens.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Auch heuer zahlt es sich wieder aus, etwas früher zur Vorstellung zu erscheinen. Nicht nur der Aufbau der Bühne wird so zum Erlebnis auch zwei martialisch aussehende, Handtaschen kontrollierende Sicherheitsbeamten sorgen für Heiterkeit beim Publikum. Sicherheit geht eben vor, schließlich befinden wir uns im Garten des königlichen Jagdschlosses. Der König ringt nach einem Unfall mit dem Tode, die lebenserhaltenden Geräte sollen am Nachmittag abgeschaltet werden. Premierminister und Oppositionsführerin sind bereits dabei, die Nachfolge zu regeln. Wie gut, dass es den patenten Prinz Richard gibt, denn mit dessen jüngeren Bruder Prinz Arthur, einem trinkfreudigen Rassisten und Faschisten, gäbe es wohl ernsthafte Probleme.

Dem Geheimdienst ist jedoch entgangen, dass der junge Thronfolger eine neue Freundin hat, die junge, hübsche, gebildete Nasreen, eine Muslima.

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Der Prinz ist fest entschlossen, die junge Frau zu ehelichen und zur Königin zu machen. Er erwägt sogar, zum Islam zu konvertieren. Premierminister, Oppositionsführerin und der Erzbischof von Canterbury sind sich einig: Diese Verbindung muss unter allen Umständen verhindert werden.

Mit dem Auftauchen von Prinz Richards Freundin hat wohl niemand gerechnet und so wird Nasreen auch gleich beim Betreten des Jagdschlosses vom übereiligen Geheimdienstchef (Alex Linse) verhaftet. Eigentlich gäben ja der sanfte Richard (Thomas Pfertner) und die hübsche Nasreen (Larissa Enzi) ein reizendes Paar ab. Bei einer Eheschließung käme es jedoch unweigerlich zu einem Kampf der Kulturen. Der Premierminister (Georg Clementi) findet Multikulti zwar ganz schön, aber nur, wenn es nach seinen Spielregeln geht.

Die Oppositionsführerin (Christiane Warnecke) hingegen versucht trickreich, die Situation zu ihren Gunsten zu nutzen. Ihr schwebt eine „Partei der Toleranz und Liebe“ vor, mit der wohl die nächste Wahl zu gewinnen sein könnte. Die unsauberen Tricks und abstrusen Ideen, mit denen  nun versucht wird, den wohl größten Skandal in der Geschichte des britischen Königshauses abzuwenden, lassen schaudern.

Während die emsigen Referenten des Premierministers (Anja Clementi und Max Pfnür) ständig am Handy hängend hektisch über die Bühne hasten und bereits das Begräbnis des Königs vorbereiten, gibt sich der Erzbischof von Canterbury (Olaf Salzer) gelassen. Wirklich Sorgen um den sterbenden Vater macht sich wohl nur der junge, wilde Prinz Arthur (Paul Clementi).

Georg Clementi hat Alistair Beatons satirische Komödie, in der mit viel schwarzem Humor karrieregeile Politiker bloßgestellt und ihre unsauberen Machenschaften und Praktiken aufgedeckt werden, mit einem großartigen Ensemble turbulent und rasant in Szene gesetzt. Auch wenn die Kinder im Publikum die politischen Seitenhiebe sicher nicht verstanden haben, zeigten sie sich doch von „der vielen Action“ und der Nähe zu Schauspielerinnen und Schauspielern total begeistert.

„König der Herzen“ – Eine Politkomödie von Alistair Beaton. Inszenierung: Georg Clementi. Ausstattung: Alex Linse, Andrea Linse, Harald Schöllbauer. Bühnenbau: Harald Schöllbauer. Arrangements und musikalische Leitung: Marc Seitz. Mit: Georg Clementi, Christiane Warnecke, Anja Clementi, Olaf Salzer, Michael Nowack, Alex Linse, Max Pfnür, Thomas Pfertner, Paul Clementi, Larissa Enzi. Fotos: Wolfgang Lienbacher/ Sbg. Straßentheater


Leonce & Lena – Dekadenz und Langeweile am Fürstenhof

Die Theaterachse präsentiert als Sommertheater Georg Büchners märchenhafte Komödie, hinter der sich eine bitterböse politische Satire verbirgt.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Im Rahmen des GartenLaubenFestes des Odeïon Kulturforms Salzburg konnten zwei Aufführungen bei traumhaftem Sommerwetter im freien Gelände stattfinden.

Auf dem Golfplatz langweilt sich Prinz Leonce, dieser entsetzliche Müßiggang macht ihn depressiv. Um der Hochzeit mit Prinzessin Lena aus dem benachbarten Königreich zu entgehen, bricht er mit seinem Freund und Diener Valerio nach Italien auf, vielleicht vermögen ja die legendären Bunga-Bunga-Partys, ihn etwas aufzuheitern. Auch Lena ist von der bevorstehenden Hochzeit alles andere als begeistert und fühlt sich als Opferlamm: „Heiraten heißt einen Ziehbrunnen leer trinken“. Nur zu gerne lässt sie sich von ihrer resoluten Gouvernante zur Flucht überreden.

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In Italien treffen die beiden Königskinder aufeinander und verlieben sich in Unkenntnis ihrer Identität. Maskiert erscheinen sie am Hof und lassen sich dort verheiraten. Die Königin verkündet ihren Rücktritt und überlässt die Regentschaft über das apathische Volk ihrem Sohn Leonce, der revolutionäre Ideen umsetzen möchte: „Wir lassen alle Uhren zerschlagen, alle Kalender verbieten und zählen Stunden und Monden nur nach der Blumenuhr, nur nach Blüthe und Frucht.“

Die Rückwand des Odeïons sowie ein romantischer Brunnen sorgen für die eindrucksvolle Kulisse dieser Freiluftveranstaltung, da reicht die kleine Bühne – ein grüner Hügel mit silberner Rückwand, hinter der sich diverse Requisiten verbergen – völlig aus. Prinz Leonce (Herwig Ofner) ist nicht zu beneiden, enttäuscht von der Welt steht er stets knapp vor dem Selbstmord. Die weisen Sprüche seines Freundes Valerio (Sebastian Brummer) vermögen jedoch, das Schlimmste zu verhindern.

Die drei Damen des Ensembles (Elisabeth Nelhiebel, Anna Paumgartner und Claudia Schächl) schwirren in den unterschiedlichsten Rollen um diese zwei sonderbaren Herren herum. In den von Regisseur Mathias Schuh eingebauten Slapstick-Szenen dürfen sie ihre Dialekt-Kompetenz unter Beweis stellen. Elisabeth Nelhiebel wechselt ständig zwischen Hochdeutsch und Wienerisch, je nachdem ob sie als arroganter Präsident, als gestrenge Gouvernante oder gar als Grenzpolizist unterwegs ist. Claudia Schächl überzeugt in der Rolle der verwirrten Königin.

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Auch das Publikum darf dem neuen Königspaar huldigen und wird zu „Vivat“-Rufen aufgefordert. Georg Büchners Komödie unterhält mit klugem Wortwitz, der in seiner Absurdität überaus modern wirkt. In dieser flotten Inszenierung ist das Stück ein Garant für einen vergnüglichen Sommertheater-Abend.

„Leonce & Lena“ Komödie von Georg Büchner. Inszenierung: Mathias Schuh. Ausstattung: Rafaela Wenzel. Mit: Sebastian Brummer, Elisabeth Nelhiebel, Herwig Ofner, Anna Paumgartner, Claudia Schächl. Fotos: © Markus Steinwender


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„Der Alpenkönig und der Menschenfeind“ – Schlossbergspiele Mattsee 2011

Das romantische Naturtheater am Schlossberg bietet die ideale Kulisse für Ferdinand Raimunds Zauberposse, in der ein mit der ganzen Welt verkrachter Menschenfeind schließlich zum Menschenfreund wird. Ein zauberhaftes, doch auch sehr tiefgründiges Märchen voll Witz und Charme.

Elisabeth PichlerVon Elisabeth Pichler

Das Textbuch fordert eine „reizende Gegend am Fuß einer Alpe“. Der Steingarten vor dem Schloss Mattsee mit seinen moosigen Stufen stellt somit die ideale Kulisse dar, auch wenn der Schlossberg nicht ganz die Höhe einer Alpe erreicht. Viele kleine Alpengeister, eine muntere Schar von Kindern in weißen Kostümchen, warten ungeduldig auf den Beginn der Vorstellung und ihren großen Auftritt. Sie stellen uns im Chor den guten Alpenkönig vor, der immer dann eingreift, wenn die armen Menschenkinder Hilfe nötig haben. So verspricht er,

Malchen, die gegen den Willen ihres Vaters den jungen Kunstmaler August liebt, zu ihrem Glück zu verhelfen. Der Herr Papa, der Gutsbesitzer Rappelkopf, glaubt sich um sein Geld betrogen und ist so verbittert, dass er nicht nur seine Dienerschaft, sondern auch Frau und Tochter schikaniert. Als er den Diener Habakuk mit einem Messer in der Hand erblickt, vermutet er ein Mordkomplott, verdächtigt seine Gattin und flieht in den Wald. Dort trifft er auf den Alpenkönig, der ihm einen Rollentausch vorschlägt. In der Gestalt seines Schwagers kehrt er in sein eigenes Haus zurück und erfährt, wie sehr seine Frau und Tochter ihn trotz allem lieben. Es wir ihm auch vor Augen geführt, was für ein unausstehlicher Menschenfeind er wirklich war.

Helmut Vitzthum hat dieses viel gespielte und vor allen bei Freiluft-Theatern sehr beliebte Stück Ferdinand Raimunds flott in Szene gesetzt. Der Alpenkönig erscheint ganz rustikal in zünftiger Lederhose. Johannes Hellinger gibt sich erst sehr weise und würdevoll, als Rappelkopf ahmt er dessen Bösartigkeit so gekonnt nach, dass man als Zuschauer fast glauben könnte, den grantigen, aufbrausenden Widerling vor sich zu haben. Johannes Konrad als Original-Rappelkopf ist zu Recht über so viel Gemeinheit entsetzt. Nadine Mühlböck als liebende Gattin versteht es, herzerweichend zu jammern und zu klagen. Sylvia Rohr und Marius Holzer entzücken als naives, verliebtes junges Paar. Lilian Schaubensteiner als hysterisches Lischen und Michael Rank als einfältiger Habakuk sowie die übrige schräge Dienerschaft sorgen in ihren bunten, phantasievollen Kostümen für viel Heiterkeit.

Am Premierenabend (2.August 2011) zeigte sich der Sommer von seiner besseren Seite. Eine sternenklare, wenn auch etwas kühle Nacht meinte es gut mit den Schauspielern und dem Publikum. Da die Aufführungen bei Regen entfallen – der Diabelli-Saal ist wohl doch nicht der richtige Ersatz für diese wunderbare Natur-Kulisse – kann man dem Regisseur Helmut Vitzthum und der Freien Bühne Salzburg nur viele solche Nächte wünschen. Das Stück bietet Spaß und Vergnügen für Jung und Alt, für Einheimische und Touristen.

Der Alpenkönig und der Menschenfeind“ Komödie von Ferdinand Raimund. Regie: Helmut Vitzthum. Mit: Johannes Hellinger, Johannes Konrad, Nadine Mühlböck, Silvia Rohr, Marius Holzer, Lilian Schaubensteiner, Michael Rank, Karsten Grigo, Sarah Maislinger, Florian Friedrich, Ingrid Steinacher, Florian Friedrich, Chiara Balla, Katharina Oberholzer, Elena Balla, Helene Veitl, Carina Schiel, Miriam Auer.