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Schurz und Schürze – Die kurzen Kleidungsstücke

Kochschürzen

Das Wort Schurz begegnet ab dem 14. Jahrhundert und bezeichnet ein um die Hüften gebundenes kurzes Kleidungsstück, das vorne Unterleib und Beine bedeckt und über der Kleidung getragen wird.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Das Wort Schurz geht zurück auf althochdeutsch scurz, scurt „kurz“, das sich von germanisch *skurta- „kurz“ ableitet. Auf germanisch *skurta- geht auch altenglisch scort „kurz, klein“ zurück, aus dem im heutigen Englischen short „kurz“ wurde. Daher auch shorts „kurze Hosen“. Ebenfalls auf *skurta- geht altenglisch scyrt zurück, woraus sich im Mittelenglischen skirt „Rock“ und schirte, shurte „Hemd“, heute shirt, entwickelte.

Bis Anfang des 17. Jahrhunderts wurde das Wort Schurz für Männer- und für Frauentracht gleichermaßen verwendet. Vor allem die Handwerker trugen einen Schurz, um ihre Kleidung vor Schmutz zu schützen. Mit der Zeit wurde der Schurz ein Teil ihrer Berufstracht. Die unterschiedlichen Gewerke hatten Schurze in unterschiedlichen Farben, die regional variieren konnten. So wird berichtet, die Gerber trugen gelbe Schurze, die Glaser grüne, die Tuchmacher braune oder grüne und die Färber blaue. Diese Unterschiede fanden auch ihren sprachlichen Niederschlag in unterschiedlichen Bezeichnungen. So war der Kochschurz, der Schurz des Koches, der Metzgerschurz, der Schurz des Metzgers, der Schusterschurz, der Schurz des Schusters oder der Töpferschurz, der Schurz des Töpfers, um hier nur einige zu nennen. Bei der Frauentracht wurden die verschiedenen Schurze sprachlich nicht unterschieden, sondern einfach als Frauenschurz bezeichnet.

Ab der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts begegnet als Variante zu Schurz das Wort Schürze, zunächst mit identischer Bedeutung. Mit der Zeit entwickelte sich jedoch ein unterschiedlicher Gebrauch der beiden Worte. Schurz wurde zumeist für die Männertracht verwendet und Schürze für die Frauentracht. Zusätzlich erhielt Schürze auch die Bedeutung „Frauenrock“. Im Lauf des 18. Jahrhunderts wurde Schürze im Sprachgebrauch dominant und verdrängte Schurz. Heute findet sich Schurz zumeist nur noch in der Zusammensetzung Lendenschurz „Kleidungsstück, das Geschlechtsteile und Gesäß bedeckt“.

Durch die Verdrängung von Schurz im Sprachgebrauch wurde das Wort auch in Zusammensetzungen durch Schürze ersetzt. So wurde aus Kochschurz die Kochschürze, aus Metzgerschurz die Metzgerschürze, aus Glaserschurz die Glaserschürze, aus Töpferschurz die Töpferschürze usw.

Da das Wort Schürze zunächst überwiegend für die Frauentracht verwendet wurde, konnte das Wort synonym für Frau werden. Mit der Bedeutung „Frau“ findet sich Schürze auch in früheren Redewendungen, wie beispielsweise er ist in jede Schürze verliebt für „er ist in jede Frau verliebt“ oder jemandem die Schürze streichen „einer Frau schmeicheln, ihr den Hof machen“. Auch in dem Wort Schürzenzins hat Schürze die Bedeutung „Frau“. Der Schürzenzins war eine Abgabe, die Leibeigene dem Gutsherrn zahlen mussten, wenn sie heiraten wollten. Heute findet sich Schürze mit der Bedeutung „Frau“ nur noch in der Zusammensetzung Schürzenjäger „ein Mann, der emsig Frauen nachstellt“.

Ab dem Mittelhochdeutschen begegnet dann eine Tätigkeitsbezeichnung schürzen „kürzen, abkürzen“. So bedeutete die Rede schürzen „die Rede kürzen“, das Leben schürzen „das Leben kürzen“. Im speziellen wurde schürzen vor allem im Zusammenhang mit langen Frauenröcken verwendet. So bedeutete den Rock, das Kleid schürzen „den langen Rock, das Kleid aufheben und um die Hüften festgürten“. Mit der Zeit kam es zu übertragenen Verwendungen von schürzen, wie etwa den Arm schürzen „die Ärmel des Hemds zurückstreifen“. Zusätzlich erhielt schürzen die Bedeutung „winden, schlingen“, wie beispielsweise ein Seil um etwas schürzen „ein Seil um etwas winden“ oder einen Knoten schürzen „einen Knoten schlingen, knüpfen“.


Februar und Hornung – der zweite Monat im Jahr

Oichtenriede

Der Name Februar, für den zweiten Monat im Jahr, leitet sich von der lateinischen Monatsbezeichnung mēnsis februārius ab und wurde im 15. Jahrhundert ins Deutsche übernommen. Davor hatte der Monat den Namen Hornung.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Das Wort Februar geht zurück auf den lateinischen Monatsnamen mēnsis (Monat) februārius „Reinigungsmonat“, der sich von lateinisch februāre „reinigen“ ableitet. Der Februar war im altrömischen Kalender der letzte Monat des Jahres in dem Reinigungs- und Sühneopfer abgehalten wurden. Erst im zweiten vorchristlichen Jahrhundert verlegten die Römer den Jahresbeginn auf den 1. Jänner.

Die Bezeichnung Februar gelangte im 15. Jahrhundert ins Deutsche. Davor wurde der zweite Monat im Jahr Hornung genannt. Diese Bezeichnung geht auf die Einführung einheitlicher deutscher Monatsnamen durch Kaiser Karl den Großen (747/748-814 n. Chr.) zurück und findet sich bis heute in regionalen Dialekten.

Das Wort Hornung leitet sich von Horn „harter Auswuchs am Kopf von Tieren“ ab und hatte in vergangener Zeit auch die Bedeutung „Winkel, Ecke“. Zum althochdeutschen Wort hornung finden sich Entsprechungen in anderen germanischen Sprachen, wie altnordisch hornungr oder altenglisch hornung – beide mit der Bedeutung „Bastard, Winkelkind“. Ein Winkelkind war ein uneheliches Kind, das in einem Winkel oder einer Ecke gezeugt worden war, im Gegensatz zu den im Ehebett gezeugten Kindern. Uneheliche Kinder waren gegenüber den ehelichen Kindern in Bezug auf das Erbe benachteiligt. Die althochdeutsche Bezeichnung hornungmânoth für den Februar hätte demnach die Bedeutung „Bastardmonat“. Die Gründe, warum Karl der Große diese Bezeichnung für den Februar als passend empfand, können nur vermutet werden. Allgemein wird angenommen, diese Bezeichnung für den Februar sei gewählt worden, weil der zweite Monat im Jahr am wenigsten Tage hat und damit quasi der zu kurz gekommene Monat, der benachteiligte Monat ist.

Ein anderer Erklärungsansatz legt dem Wort Hornung die Bedeutung „Geweihabwurf“ zugrunde. Die Benennung des Februars mit Hornung sei deshalb gewählt worden, weil um diese Zeit der Geweihabwurf der Hirsche beginnt. Diese Deutung hat zwei Schönheitsfehler. Erstens gibt es für die Bedeutung „Geweihabwurf“ keine Entsprechung in den anderen germanischen Sprachen und zweitens muss eine nicht belegte Tätigkeitsbezeichnung *hornen „die Hörner abwerfen“ angenommen werden, von der sich Hornung abgeleitet hätte.

Neben Februar und Hornung waren für den zweiten Monat im Jahr auch noch andere Namen in Gebrauch. Der Monat wurde Holzmonat, Fastnachtmonat und Lichtmessmonat genannt.

Die Bezeichnung Holzmonat ergab sich, da diese Zeit als geeignet für das Holzfällen angesehen wurde. Das Holz, das im Februar bei abnehmendem Mond gefällt wird, soll nicht so leicht faulen. So heißt es im Wald-, Forst- und Jägerey-Lexicon von 1764 für den Februar: Im Walde kann man bey guten Wetter und Froste in diesem Monath Bau-, Brenn-, Geschirr- und ander Holz fällen. Das in diesem Monat bey abnehmenden Monden gefällte Bauholz faulet nicht so leicht, und wird auch nicht von den Würmern gefressen.

Die beiden anderen Bezeichnungen Fastnachtmonat und Lichtmessmonat beziehen sich auf ein weltliches und ein kirchliches Fest, die im Februar stattfinden. Der Name Fastnachtmonat bezieht sich auf die Faschingszeit, die zumeist in den Februar fällt und mit dem Aschermittwoch endet. Der Namen Lichtmessmonat geht auf den kirchlichen Feiertag Lichtmess zurück, der am 2. Februar stattfindet. Zu Lichtmess werden in den katholischen Kirchen die Kerzen für die Gottesdienste geweiht. Mit Lichtmess endete früher die Weihnachtszeit, es begann das Bauernjahr und Knechten und Mägden war es möglich, ihren Dienstherren zu wechseln.


Esel – Reittier, Schimpfwort und Geldquelle

Trabrennen in Altheim | Foto: Karl Traintinger, Dorfbild

Das Wort Esel ist seit dem 9. Jahrhundert belegt und geht zurück auf lateinisch asinus „Esel“. Das Wort begegnet nicht nur als Bezeichnung für das Tier, sondern auch in Zusammensetzungen wie Goldesel, Drahtesel, Eselsbrücke oder Eselsohr.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Bei der Übernahme in die germanischen Sprachen wurde lateinisch asinus zu asilus umgeformt. Diese Form findet sich im Gotischen, der ältesten belegten germanischen Sprache aus dem 4. Jahrhundert n. Chr. Im Althochdeutschen verlor das Wort die lateinische Endung und wurde zu esil gewandelt.

In der christlichen Überlieferung ist der Esel positiv bewertet. Er gehört zu den Tieren, die in der Weihnachtskrippe stehen, Jesus ritt bei seinem Einzug in Jerusalem auf einem Esel und er war das Reittier von Maria, der Mutter von Jesus. Gleichzeitig gilt der Esel – so wie viele andere Tiere – als dumm und störrisch. So wird das Wort Esel auch als Schimpfwort mit der Bedeutung „Dummkopf“ gebraucht oder mit einem beigefügten Attribut ausgeschmückt, wie blöder Esel oder sturer Esel. Und auch der Ausdruck Eselei steht für eine dumme Handlung.

Das Wort Esel verwenden wir in mehreren Zusammensetzungen, wie beispielsweise Goldesel, Drahtesel, Eselsbrücke und Eselsohr.

Der Goldesel ist ein Esel, den vermutlich viele von uns gerne hätten. Die Bezeichnung Goldesel geht zurück auf das Märchen Tischlein deck dich, Goldesel und Knüppel aus dem Sack der Gebrüder Grimm und begegnet seit Ende des 18. Jahrhunderts. In diesem Märchen erhält ein Müllergeselle von seinem Meister zum Abschied einen Esel, der vorne und hinten Goldstücke ausspeit. Durch diese Geschichte wurde das Wort Goldesel ein Synonym für eine unerschöpfliche Geldquelle. Zu dem Wort hat der Volksmund eine Variante gebildet – den Geldscheißer.

Der Esel wurde als Arbeitstier in Mühlen eingesetzt, als Sackträger, Packtier (daher die Bezeichnung Packesel) und als Reittier. Als Anfang des 20. Jahrhunderts die ersten Fahrräder auf den Markt kamen, verpasste der Volksmund diesen Gestellen scherzhaft den Namen Drahtesel, eine Bezeichnung, die sich bis heute im unserem Sprachgebrauch erhalten hat.

Das Wort Eselsbrücke begegnet ab dem 18. Jahrhundert und ist eine Übersetzung des lateinischen Ausdrucks pōns asinōrum „Brücke der Esel“ bzw. pōns asini „Brücke des Esels“, der aus der philosophischen und mathematischen Gelehrtensprache des Mittelalters entstammt und dort mit unterschiedlichen Bedeutungen verwendet wurde. Ab Mitte des 18. Jahrhunderts gelangte der Ausdruck in den allgemeinen Sprachgebrauch mit der Bedeutung „Schwierigkeit, vor der Unwissende zurückschrecken“. Diese Bedeutung geht auf eine Textstelle in der Naturalis Historia des römischen Gelehrten Plinius des Älteren (24-79 n. Chr.) zurück, der schreibt, Esel würden nicht über Brücken gehen, wenn sie durch die Brücke hindurch das Wasser unter sich sehen könnten.

Im Lauf des 19. Jahrhunderts löste sich die Bedeutung des Wortes von seinen gelehrten Ursprüngen und wurde uminterpretiert als Hilfsmittel für Schüler. So steht in Meyers Großes Konversationslexikon von 1905-1909 zu lesen: Eselsbrücke, literarisches Hilfsmittel für Träge und Unbegabte, die den Schüler Mühe und Arbeit ersparen, statt ihn zur Arbeit zu erziehen. Heute hat das Wort die wertfreie Bedeutung „Gedächtnisstütze, Verstehenshilfe“. Dazu zählen vor allem die Merkverse, die wir in der Schule gelernt haben, wie beispielsweise 753 Rom schlüpft aus dem Ei für das Gründungsjahr der Stadt Rom im Jahr 753 v. Chr.

Und schließlich findet sich seit Anfang des 17. Jahrhunderts das Wort Eselsohr. Dieser Bezeichnung liegt das Bild eines nach hinten gebogenen Ohres eines Esels zugrunde. Zunächst wurde mit Eselsohr die zum Zweck eines Merkzeichens sorgsam umgebogene Blattecke einer Buchseite bezeichnet. Heute verwenden wir das Wort im Allgemeinen für umgeknickte Blattecken, die durch sorglose Behandlung von Büchern und Heften entstanden sind.


Januar – Der Monat des Gottes Ianus

Januar

Der Name des ersten Monats im Jahr leitet sich von dem altitalischen Gott Ianus ab und ist seit dem 18. Jahrhundert in Gebrauch. Der ältere Name des Monats ist Jänner.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Das Wort Januar geht zurück auf die lateinische Monatsbezeichnung mēnsis (Monat) Iānuārius. Die Bezeichnung steht in Verbindung mit dem altitalischen Gott Iānus, dem Gott des Jahresanfangs, der Türen und der Durchgänge. Ianus wird mit zwei in entgegengesetzte Richtung blickende Gesichter dargestellt. Er sitzt am Eingangstor des Himmels, trägt einen Schlüssel und entscheidet, wer das Tor passieren darf. Deshalb trägt der Gott den Namen Iānus, da lateinisch iānus „Durchgang, Torbogen“ und lateinisch iānua „Tür“ bedeutet. Der römische Dichter Ovid (43 v. Chr.-17 n. Chr.) lässt in seinem Buch über den römischen Festkalender den Gott selbst zu Wort kommen. Ianus erklärt dem Dichter den Grund für sein Aussehen. Er, Ianus, sei wie ein Pförtner, der am Hauseingang sitzt und das Kommen und Gehen beobachtet. Er ist der Pförtner des Himmelspalastes, der die Gegend der Morgenröte und des Abends gleichzeitig sieht. Damit er nicht Zeit verliere, wenn er den Nacken wende, habe er vorne und hinten ein Gesicht und könne so beide Seiten gleichzeitig sehen.

Bevor die Bezeichnung Januar in Gebrauch kam, wurde der erste Monat im Jahr Jänner genannt. Das Wort Jänner begegnet ab dem 12. Jahrhundert, zunächst in der Schreibung Jennar oder Jenner und geht zurück auf Ienuarius, einer spätlateinischen Variante von Iānuārius. Im Verlauf des 18. Jahrhunderts wurde im deutschsprachigen Raum die Bezeichnung Januar vermehrt verwendet und Jänner im Gebrauch zurückgedrängt. Heute wird Jänner nur mehr in den südlichen Gebieten des deutschen Sprachraums gebraucht und zwar vor allem in Österreich.

Zur Zeit Kaiser Karl des Großen (747/748-814 n. Chr.) waren für die einzelnen Monate teilweise deutsche und teilweise lateinische Bezeichnungen in Gebrauch. Dies gefiel Karl nicht und er führte in seinem Reich eine einheitliche deutsche Namenreihe für die Monate ein. Den ersten Monat im Jahr nannte er wintarmanoth „Wintermonat“. Diese Bezeichnung hielt sich teilweise bis Anfang des 19. Jahrhunderts, jedoch wurde ab dem 12. Jahrhundert in einigen Regionen auch der Monat November Wintermonat genannt. Ab dem 14. Jahrhundert findet sich Wintermonat zusätzlich als Bezeichnung für den Monat Dezember. Hierbei dürfte es sich um eine Kürzung handeln, da sich in einigen Belegen die Bezeichnung der erst wintermonat für November und der ander wintermonat für Dezember findet. Heute verwenden wir Wintermonat als allgemeine Bezeichnung für die Monate im Winter. So sagen wir beispielsweise während der Wintermonate oder in den Wintermonaten und meinen damit zumeist die Monate Dezember, Jänner und Februar.

Für den Jänner waren aber auch andere Namen in Gebrauch. Der Monat wurde Königmonat, Bastianmonat, Fabianmonat oder Paulmonat genannt. Diese Bezeichnungen beziehen sich auf den Kirchenkalender und Heilige, die im Jänner ihren Gedenktag haben. Königmonat nach dem Dreikönigstag am 6. Jänner, Fabian- und Bastianmonat nach Fabian und Sebastian am 20. Jänner und Paulmonat nach Pauls Bekehrung am 25. Jänner.

Der Jänner wurde aber auch Wolfmonat genannt. Die Bezeichnung Wolfmonat teilt sich der Jänner mit dem Monat Dezember. Die Benennung dürfte auf die umherstreifenden Wölfe zurückgehen, die in diesen beiden Monaten für die Viehherden besonders gefährlich waren. Auch wurden in diesen beiden Monaten Wolfsjagden veranstaltet. So schreibt der Meistersinger Hans Sachs im 16. Jahrhundert in seinem Zeitregister zu den zwölf Monaten über den Jänner: Ich mach den wolff zu eynem jeger, der inn dem schnee hat sein geleger. Die hierschen felt er auff den weyern, er heult grausam und thut nit feyern. Wo er kein viech ergreiffen kann, reist er darnider weib und man.


Gans – Nutztier und Festtagsbraten

Gans

Das Wort Gans lässt sich bis in indogermanische Zeit zurückverfolgen und ist daher über 6.000 Jahren alt.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Das Wort Gans geht zurück auf germanisch *gans- „Gans“, das sich von indogermanisch *ghans- „Gans, Schwan“ ableitet. Die Gans wurde schon sehr früh innerhalb der Bauernhöfe und auf Weiden gehalten und war als Nutztier wertvoll, weil sich von ihr Eier, Federn und Fleisch verwerten lassen. Die Federn der Gans dienten als Füllmaterial für Pölster und Decken und wurden später auch als Schreibfedern verwendet, die Gänsekiele genannt wurden. ___STEADY_PAYWALL___

Die Flügel, der Hals und die Innereien der Gans werden Gänseklein genannt. Das Wort begegnet ab dem 18. Jahrhundert und ist eine Kürzung aus Gänsekleinod. Das Wort Kleinod findet sich seit dem 12. Jahrhundert und bezeichnete im Mittelalter kleine Dinge, zierliche und kunstreiche Gegenstände wie Bücher und Goldschmiedearbeiten, Schmuck oder Abzeichen auf Wappen und Helmen. Aus der Bedeutung „klein“ entwickelte sich die Bedeutung „Kleinheit“. Daher verwendeten die Schlachter und Fleischer das Wort Kleinod auch als Bezeichnung für die kleinen Schlachtteile und Innereien von Tieren.

Besonders zum Fest des Hl. Martin am 11. November wird traditionell gerne Gänsebraten gegessen, der entsprechend als Martinsgans oder in unseren Regionen Martinigansl bezeichnet wird. Der 11. November, der Martinstag oder Martini, war im Mittelalter nicht nur ein Festtag, sondern auch ein Markttag, ein Tag, an dem das Herbstgericht stattfand und Verwaltungsposten besetzt wurden. Mit dem 11. November endete das Wirtschaftsjahr und damit waren an diesem Tag Zahlungen und Abgaben fällig, die Martinisteuer, Martinsgeld, Martinigeld oder Martinizins genannt wurden. Oft waren diese Abgaben auch in Form von Naturalien zu leisten, die dann entsprechende Namen trugen, wie zum Beispiel Martinshenne, Martinihuhn, Martinigans, Martinsschaf, Martinshafer oder Martinsbrot.

Die Mehrzahl von Gans, das Wort Gänse, begegnet uns heute auch in verschiedenen Zusammensetzungen, wie Gänsehaut, Gänsemarsch, Gänseblümchen und Gänsefüßchen.

Das Wort Gänsehaut ist seit dem 16. Jahrhundert belegt und bezeichnet die menschliche Haut, die bei Schreck oder bei Kälte optisch an die Haut einer gerupften Gans erinnert.

Mit dem Wort Gänsemarsch wurde ursprünglich der für die Gänse typische Marsch bezeichnet, die eine hinter der andern hergeht. Ungefähr ab Mitte des 19. Jahrhunderts wurde das Wort dann auch für andere Tiere oder Menschen verwendet, wenn sie so wie Gänse hintereinander hergehen.

Das Wort Gänseblümchen geht zurück auf die ältere mittelhochdeutsche Form gensebluome mit der die weiße Glockenblume bezeichnet wurde. Das Benennungsmotiv dürfte wahrscheinlich die Farbe gewesen sein, die die weißen Glockenblumen mit den Gänsen gemeinsam haben. Ab dem 16. Jahrhundert begegnet das Wort Gänseblümchen als Bezeichnung für die weißen Blumen, deren wissenschaftlicher Name Bellis perennis lautet. Als Benennungsmotiv für diese Blume kann ebenfalls die weiße Farbe angenommen werden. Da diese Blume häufig auf dem Gänseanger wuchs, könnte dies ebenfalls zu der Bezeichnung Gänseblümchen geführt haben.

Das Wort Gänsefüßchen hingegen entstammt der Sprache der Buchdrucker und begegnet erstmals im 18. Jahrhundert. Die Drucker übersetzten den lateinischen Ausdruck signum citationis „Zitierzeichen“ zuerst mit dem Wort Anführungszeichen. Wohl aufgrund der Form der Füße oder der Fährte einer Gans nannten sie die Anführungszeichen dann auch Gänsefüßchen. Alternative ältere Bezeichnungen waren auch Gänseaugen oder Hasenöhrchen. Diese beiden Ausdrücke verwenden wir heute nicht mehr als Bezeichnung für Zitierzeichen. Anführungszeichen und Gänsefüßchen jedoch sind bis heute in unserem Sprachgebrauch lebendig.

Weitere Infos:


Grab – Die letzte Ruhestätte im Sprachgebrauch

Massengrab Friedhof Lamprechtshausen

Das Wort Grab verwenden wir nicht nur als Bezeichnung für die letzte Ruhestätte, sondern auch in umschreibenden Redewendungen für den Tod und das Schweigen.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Das Wort Grab geht zurück auf das germanische Wort *graba- „graben“ und ist seit dem 8. Jahrhundert belegt. Im Althochdeutschen konnte mit Grab eine einzelne Grabstätte oder eine Gruft bezeichnet werden, ein Felsengrab, ein Grabhügel oder ein Grabmal über einem Grab oder ein größerer Begräbnisplatz.

Mit der Zeit wurde der Bedeutungsumfang von Grab erweitert. So bezeichnete das Wort nicht mehr nur die letzte Ruhestätte in der Erde, sondern auch die letzte Ruhestätte im Wasser. Da dies oft das Schicksal von Seeleuten war, wird diese Ruhestätte auch als Seemannsgrab bezeichnet. ___STEADY_PAYWALL___

In der altgermanischen Vorstellung und speziell in der Vorstellung der altnordischen Seefahrer sammelte Rán, die Tochter des Meerriesen Ægir, mit ihrem Netz schiffbrüchige und verunglückte Ertrunkene ein. Später entwickelte sich daraus die Vorstellung eines ihr unterstellten Totenreiches, in dem die Ertrunkenen bewirtet wurden.

Jene, die an Land starben, kamen zu Hel, der Totengöttin. Das Wort bedeutet eigentlich „die Verbergende, die Verhüllende“ und bezeichnete ursprünglich einen unterirdischen Raum, in dem die Toten bestattet wurden. In der Steinzeit begruben die germanischen Stämme ihre Toten in erdbedeckten steinernen Riesengräbern, die zumeist nicht für einen Einzelnen ausgelegt waren, sondern für die gesamte Sippe. Dadurch konnte sich im Laufe der Zeit die Bedeutung von Hel zu „Aufenthaltsort der Toten“ erweitern, der mit der Göttin Hel personifiziert wurde. Die christlichen Missionare übernahmen die Bezeichnung Hel für das Totenreich und deuteten es im christlichen Sinne um. So wurde aus Hel, dem Aufenthaltsort der Toten, ein Ort der Strafe, die Hölle.

Neben dem Totenreich des Meeres und dem Totenreich der Erde gab es in der germanischen Vorstellungswelt einen eigenen Ort für die Krieger, die in einer Schlacht starben. Sie kamen in die Walhalla, in die Halle der auf einem Schlachtfeld getöteten Krieger, in der sie zusammensaßen und gemeinsam Met tranken.

Ab dem ausgehenden Mittelalter wird die Bedeutung von Grab um die Elemente „Tod, Verderben, Untergang“ erweitert. So findet sich im Frühneuhochdeutschen die Redewendung jemandem etwas bei dem Grabe verbieten „jemandem etwas bei Androhung der Todesstrafe verbieten“. Auch in unserem heutigen Sprachgebrauch finden sich Redewendungen, in denen Grab für den Tod oder das Sterben steht. Die Redewendung mit einem Bein im Grab stehen ist ein Ausdruck für „dem Tod sehr nahe sein“. Ein frühes Grab finden ist ein Ausdruck für „jung sterben“. Wenn zwei Menschen innerhalb kurzer Zeit hintereinander sterben, umschreiben wir das mit jemand ist ihm/ihr ins Grab gefolgt.

Mit dem Grab sind auch Schweigen und Stille verbunden. Dies spiegelt sich in den Redewendungen still sein wie ein Grab „ruhig sein, schweigen“ und schweigen wie ein Grab „verschwiegen sein; kein Geheimnis preisgeben“ wider. Und auch die Redewendung etwas mit ins Grab nehmen „ein Geheimnis bis zum Tod wahren“ ist ein Ausdruck für Verschwiegenheit.

Wir verwenden aber auch Redewendungen mit dem Wort Grab, bei denen die Bedeutung nichts mehr oder nur noch wenig mit dem ursprünglichen Kontext zu tun hat. Bei der Redewendung jemanden ins Grab bringen hat sich zwar die ursprüngliche Bedeutung „schuld am Tod eines anderen sein“ noch erhalten. Zumeist verwenden wir jedoch diesen Ausdruck für „jemanden zur Verzweiflung bringen, jemanden völlig entnerven“. Und auch die Redewendung sein eigenes Grab schaufeln wird zumeist nur noch in der übertragenen Bedeutung „seinen Untergang selbst herbeiführen“ verwendet.


Deutsche Sprache – schwere Sprache

Etwas zu diskutieren

Wenn man heute von jemanden hört oder liest, von dem man nicht weiß ob männlich oder weiblich, so ist die Einordnung durch die vielen verkürzten oder exotischen Vornamen oft schwierig.

Wolfgang Bauer

Von Wolfgang Bauer

Hier wäre eine Unterscheidung hilfreich wie im tschechischen oder in anderen slawischen Sprachen üblich. Dort hängt man bei weiblichen Familiennamen die Endung …ova an.

Auch bei uns war es in den kirchlichen Matriken bis lange nach 1800 durchaus üblich, bei Frauen ein …in anzuhängen, wie es heute in Umgangssprache und Dialekt noch oftmals üblich ist.

Anna Maria wurde 1791 als Tochter von Johann Bauer und Johanna Wolfin geboren
Theresia Stadlerin starb 1807 im Alter von 1 Jahr, Magdalena Bauerin starb mit 76 Jahren

Aus meiner Ahnenforschung:

Mehrere Umbenennungen mußte Theresia Baier mitmachen: Geboren wurde sie 1898 in Fürstenhut im Böhmerwald als Theresia Baier. Bei der Hochzeit 1923 wurde sie zur Theresia Bauer. Als sie mit ihrer Familie 1946 von Haus und Hof vertrieben wurde, wobei jeder Erwachsene 50 kg Gepäck mitnehmen durfte, wurde sie zur Terezie Bauerova. Nach der Ankunft in Bayern, wo sie 1981 in Grafenau starb, wurde sie wieder zu Theresia Bauer.

Ausweisung
Therezie Bauerova (mit Mann Ferdinand) und ihre Tochter Anna Bauerova (mit Bruder Jan = Hans) aus Bucina (Buchwald) 15 werden aufgefordert, sich am 25.3.1946 um 7 Uhr zum Abtransport einzufinden. Theoretisch durften sie 50 kg von ihren Habseligkeiten mitnehmen, meistens wurde aber auch davon noch viel von den Aufsehern abgezweigt.

Ein anderes Problem für unsere Sprache sind heute die Sprachverhunzer und Emanzen, die mit Brachialgewalt allen gendern wollen. Sie bekämpfen das Generische Masculinum und verlangen überall eine weibliche Form. Sie übersehen dabei, dass sich heute Menschen zu Dutzenden verschiedenen Geschlechtsidentitäten bekennen. Seit einiger Zeit aber möchten fanatische Genderisten unbedingt überall eine weibliche Form einführen. Alle diese Bindestriche, Sternchen, Unterstreichungen und …innen führen aber nur dazu, daß der Text unleserlich und unaussprechlich wird. Den Vogel schoß ein Fernsehmoderator ab, der Krankenschwesterinnen begrüßte.

Ich habe aber noch nie von einer Frau gehört, die durch diese „Sichtbarmachung des Weiblichen“ leichter Karriere gemacht oder mehr verdient hätte. Man hat oft den Eindruck, hier will sich jemand durch Sprachverhunzung profilieren, der sonst nichts zu sagen hat.

Man sollte daher bei der bewährten Form unserer Sprache bleiben, sonst werden in absehbarer Zeit alle Bücher und schriftlichen Aufzeichnungen für nachkommende Generationen unleserlich werden.

Die deutsche Hochsprache (Die Bezeichnung Schriftsprache ist ungenau, weil es auch viele Texte und Schriften in Dialekt gibt) ist ja eigentlich als eine künstliche Sprache eingeführt worden, um allen Dialekten und Mundarten untereinander eine Verständigung zu ermöglichen. Von Norddeutschland bis Südtirol und von der Schweiz bis Siebenbürgen sollte sie jeder verstehen. Die meisten von uns wuchsen also praktisch zweisprachig auf, denn unser Dialekt unterscheidet sich doch teilweise erheblich von der Hochsprache.

Ein weiteres Problem ist die sehr beliebte Verwendung von Denglisch. Leute, die sich nicht exakt in deutsch ausdrücken können, flechten englische Wörter ein – oftmals sogar total unpassende – für die es mehrere allgemeinverständliche deutsche Ausdrücke gibt. Finde ich nicht cool.

Ein eigenes Kapitel sind wiederum die heute besonders von Politikern und Redakteuren verwendeten Phrasen wie „zeitnah“, „vor Ort“, „macht Sinn“ usw.

Bei einem solchen Niedergang unserer Muttersprache braucht man sich nicht wundern, wenn zwanzig Prozent unserer Pflichtschulabgänger nicht sinnerfassend lesen und schreiben können, wobei das Schulsystem wie auch die Medien zu einem gehörigen Anteil mitschuldig sind.

Vielleicht bringt mein Artikel einige Leser dazu, über die Sprache zu diskutieren und nicht etwas nachzuplappern, das ihnen vorgesagt oder vorgeschrieben wurde.


Frucht und Früchte – Obst, Kind und ein Lied

Orangenfilets mit Käse

Das Wort Frucht bezeichnete ursprünglich die Produkte des Ackerbaues. Später wurde das Wort auch zu einer Bezeichnung für Nachkommen, zu einem Sammelbegriff für Produkte der Landwirtschaft und zu einer Bezeichnung für Meerestiere.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Das Wort Frucht geht zurück auf das lateinische Wort frūctus „Nutzen, Genuss, Ertrag, (Feld-)Frucht, Einkünfte“, das sich von der Tätigkeitsbezeichnung fruor „von etwas Genuss haben, etwas genießen, die Nutznießung von etwas haben“ ableitet. Im Althochdeutschen begegnet das Wort ab dem 9. Jahrhundert und bezeichnete die Produkte des Acker- und Gartenbaues. Im übertragenen Sinn wurde althochdeutsch fruht auch für „Erfolg, gutes Ergebnis, Verdienst“ verwendet.

In mittelhochdeutscher Zeit hatte sich der Bedeutungsumfang von vruht erweitert und beinhaltete nun nicht mehr nur Feldfrüchte, sondern auch Baumfrüchte. Ebenso konnte vruht das Kind, die Nachkommenschaft oder die Familie bezeichnen. So bedeutete er ist von hôher vruht „er ist von hoher Geburt, er entstammt einer vornehmen Familie“ und bevangen mit der vrühte „umfasst mit der Frucht“ schwanger sein. Ab dem 16. Jahrhundert findet sich dann auch die Bezeichnung Leibesfrucht für das ungeborene Kind im Mutterleib. Das Wort ist eine Zusammenziehung des Ausdrucks des Leibes Frucht. Ab dem 17. Jahrhundert wurde mit Leibesfrucht nicht mehr nur das ungeborene Kind bezeichnet, sondern auch das geborene Kind. Das Wort Fruchtwasser begegnet ab dem 18. Jahrhundert und bezeichnet die Flüssigkeit, in die der Embryo im Mutterleib eingebettet ist.

Mit der Zeit dehnte sich der Bedeutungsumfang von Frucht weiter aus und die Mehrzahl Früchte entwickelte sich zu einem Sammelbegriff. Zur Unterscheidung der verschiedenen Arten von Früchten wurden Zusammensetzungen gebildet. So finden sich heute Baumfrüchte, Erdfrüchte, Feldfrüchte, Gartenfrüchte, Halmfrüchte, Hülsenfrüchte, Steinfrüchte, Südfrüchte oder Trockenfrüchte.

Eine bunte Auswahl an Früchten | Foto: Karl Traintinger

Neben diesen Bezeichnungen für pflanzliche Nahrungsmittel findet sich Früchte auch in der Zusammensetzung Meeresfrüchte. Das Wort ist eine Übersetzung des italienischen Ausdrucks Frutti di Mare „Früchte des Meeres“ und bezeichnet Meerestiere, wie Tintenfische, Muscheln oder Garnelen, die wir als Nahrungsmittel essen.

Weiters wurde in mittelhochdeutscher Zeit von vruht auch die Tätigkeitsbezeichnung vruhten oder vrühten gebildet mit der Bedeutung „Frucht tragen, fruchtbar machen“. Auch Zusammensetzungen begegnen ab dem Mittelhochdeutschen, wie ervrühten „befruchten“, durchvrühten „durch und durch fruchtbar machen“ oder bevrühtigen „den Acker besäen“.  In unserem heutigen Sprachgebrauch verwenden wir das Wort fruchten mit der Bedeutung „nützen, helfen, von Erfolg sein“. So sagen wir beispielsweise die Ermahnungen haben gefruchtet für „die Ermahnungen haben genützt“. Oder wir sagen es hat alles nichts gefruchtet für „es hat alles nichts geholfen“.

Von Frucht wurde auch eine Verkleinerungsform gebildet: das Früchtchen. Zunächst bezeichnete das Wort lediglich kleine Früchte. Aber schon im 17. Jahrhundert wurde Früchtchen als abfällige Bezeichnung für einen ungeratenen jungen Menschen verwendet oder für einen Taugenichts.

Und schließlich haben wir noch die Redewendung die süßesten Früchte fressen nur die großen Tiere. In den 1950er Jahren wurde mit dieser Redewendung ein Lied geschrieben, das sich als zeitlos erwiesen hat, und den wir unseren Lesern und Leserinnen nicht vorenthalten wollen.


Schrank und Schranken – Abgeschlossener Raum und Absperrung

Drösing Schutzdamm

Die Worte Schrank und Schranken bezeichneten ursprünglich eine Absperrung, ein Gitter oder eine Einfriedung und gehen auf die Tätigkeitsbezeichnung schränken zurück.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Das Wort schränken hatte ursprünglich die Bedeutung „etwas über Kreuz setzen, schräg stellen, flechten“. Da Absperrungen und Zäune oft aus gekreuzten Ästen errichtet wurden, Gitter aus übereinanderliegenden Einzelteilen bestehen, erhielten diese Absperrungen die Bezeichnung Schrank oder Schranke mit der eigentlichen Bedeutung „etwas über Kreuz gesetztes, Geflochtenes, das zur Absperrung, Abgrenzung dient“. So konnten mittelhochdeutsch schranc und schranke eine Absperrung, die Abgrenzung der Kampfbahnen am Turnierplatz, ein Gitter, eine Einfriedung, einen abgeschlossenen Raum oder Ort, aber auch eine Umarmung bezeichnen. ___STEDY_PAYWALL___

Die Bedeutung „abgeschlossener Raum, Ort“ wurde auch auf Gegenstände übertragen, in die etwas eingeschlossen werden kann. So erhielt das Wort Schrank die Bedeutung „(abgeschlossenes) Behältnis“. Heute finden sich in unserem Sprachgebrauch eine Vielzahl von Schränken, wie beispielsweise Aktenschrank, Bücherschrank, Einbauschrank, Geldschrank, Giftschrank, Kleiderschrank, Küchenschrank, Kühlschrank, Wandschrank oder Wäscheschrank.

Das Wort Schranke und die Variante Schranken bezeichnen in unserem heutigen Sprachgebrauch lange Stangen oder Gatter, die waagrecht oder senkrecht bewegbar sind und Durchgänge und Übergänge absperren. Die alte Bedeutung von Schranke bzw. Schranken hat sich jedoch bis heute in verschiedenen Redewendungen erhalten.

Die Redewendung jemanden in seine Schranken weisen für „jemanden zurechtweisen, jemanden seine Grenzen zeigen“ entstammt dem Sprachgebrauch vor Gericht. In germanischer Zeit fanden Gerichtsverhandlungen unter freiem Himmel statt. Die Gerichtsorte wurden vor den Zusammenkünften mit Zäunen aus Zweigen, Ästen und Geländern abgegrenzt, die Schranken genannt wurden. Die Zuschauer mussten hinter diesen Absperrungen bleiben und durften die Schranken nicht übertreten. Wenn die Zuschauer nicht hinter den Schranken blieben, wurden sie von den Richtern in die Schranken verwiesen. Eine Variante dazu ist die Redewendung jemandem oder einer Sache Schranken setzen für „jemandem oder einer Sache Grenzen setzen, etwas verhindern oder unterbinden“.

Anders als die Worte Schrank und Schranke ist das Wort schränken aus unserem allgemeinen Sprachgebrauch weitgehend verschwunden, hat jedoch in Zusammensetzungen wie verschränken, einschränken, beschränken oder beschränkt überlebt.

In dem Wort verschränken hat sich die alte Bedeutung „etwas schräg übereinander legen, flechten“ erhalten. So sagen wir heute die Arme verschränken oder die Beine verschränken, wenn wir Arme oder Beine übereinander legen.

Das Bedeutungselement des Begrenzens hat sich in dem Wort einschränken erhalten. Ursprünglich bedeutete einschränken „mit Schranken zurückhalten“. Im 18. Jahrhundert entstand die übertragene Bedeutung „einengen, sich begnügen“. So sagen wir heute wir müssen uns einschränken für „sich mit weniger begnügen, bescheidener leben“.

Das Wort beschränken hatte im Mittelalter die Bedeutung „mit Schranken umgeben, umklammern, versperren, verstopfen“. Erst im 18. Jahrhundert kam für beschränken die Bedeutung „einengen, begrenzen, sich begnügen“ dazu. Für das Wort beschränkt entwickelte sich daraus die Bedeutung „engstirnig, geistig unbeweglich“.

Es wurden aber auch Zusammensetzungen mit schränken gebildet, die das Gegenteil von Grenzen setzen oder eingrenzen ausdrücken, nämlich die Worte unbeschränkt, unumschränkt und uneingeschränkt. Diese drei Worte sind Ausdrücke, die Unbegrenztheit und Schrankenlosigkeit (!) ausdrücken und in beliebigen Kontexten verwendbar sind, wie zum Beispiel unbeschränkte Macht, unbeschränkte Kapazitäten, unbeschränkte Dauer, unumschränkte Vollmacht, unumschränkte Herrschaft, uneingeschränktes Vertrauen, uneingeschränktes Recht und uneingeschränkte Freiheit.


Bock – Tier, Untergestell und Fehlschuss

Ziege

Das Wort Bock bezeichnet nicht nur horntragende männliche Tiere, sondern auch einen Sitz, ein Untergestell, ein Bier, eine Wurst und einen Fehlschuss.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Das Wort Bock ist seit dem 9. Jahrhundert belegt und bezeichnete ursprünglich nur den Ziegenbock. Schon in althochdeutscher Zeit wurde das Wort in Zusammensetzungen auch als Bezeichnung für jagdbare männliche Tiere verwendet, wie zum Beispiel rêhboc „Rehbock“ oder steinboc „Steinbock“. Im weiteren Zeitverlauf wurde Bock auch eine Bezeichnung für andere horntragende männliche Tiere. So finden sich in unserem heutigen Sprachgebrauch neben Rehbock und Steinbock auch Gamsbock, Geißbock, Schafbock und Ziegenbock.

Das Wort Bock wird jedoch nicht nur als Bezeichnung für männliche Tiere verwendet, sondern auch für Gegenstände wie Kutschbock, Bockmühle, Rammbock, Bockbier oder Bockwurst. ___STEADY_PAYWALL___

Schon im Mittelalter findet sich eine übertragene Verwendung des Wortes Bock für ein vierbeiniges hölzernes Gestell. Daraus entwickelte sich die Bezeichnung für den Sitz des Kutschers auf der Kutsche, der Kutscherbock oder Kutschbock genannt wird. Später Nachklang dieser Bezeichnung ist bis heute die Redewendung auf dem Bock sitzen für “ein Motorrad fahren, einen LKW fahren”. Auch die Untergestelle von Windmühlen, die dadurch gedreht werden können, werden Bock genannt – daher auch die Bezeichnung Bockwindmühle oder Bockmühle.

Das Wort Rammbock „Gerät zum Durchstoßen von Befestigungen“ begegnet ab der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts und geht zurück auf althochdeutsch ram „Widder, Schafbock“, ebenso wie unser heutiges Wort Ramme „Gerät zum Durchstoßen“. Die Bezeichnung beruht auf dem Vergleich mit Widdern, die mit gesenktem Kopf gegen etwas anrennen.

Eine ganz andere Geschichte liegt dem Wort Bockbier zugrunde. Dieses Wort hat nichts mit der Tierbezeichnung zu tun, sondern geht auf das Starkbier der niedersächsischen Stadt Einbeck zurück. Das Einbecker Bier war berühmt und wurde überregional verkauft und exportiert. Die ältere Bezeichnung der Stadt lautete Eimbeck. Im bayerischen Sprachraum, vor allem in München, wurde Eimbeck zu Aimbock oder Oambock umgewandelt. Später wurde das Wort zu Bock gekürzt. Die Zusammensetzung mit dem Wort Bier zu Bockbier erfolgte in Analogie zu anderen Bierbezeichnungen wie Starkbier, Weizenbier, Hopfenbier usw.

Mit dem Bockbier hängt auch das Wort Bockwurst zusammen. Das Wort begegnet ab dem 19. Jahrhundert und bezeichnete ursprünglich eine Wurst, die zum Bockbier dazu gegessen wurde. Das Wort Bockwurst ist daher eine Kürzung aus der Zusammensetzung Bockbierwurst.

Und schließlich findet sich das Wort Bock auch in den Redewendungen einen Bock schießen, auf etwas Bock haben, keinen Bock haben und Null Bock haben.

Die Redewendung einen Bock schießen „einen Fehler machen“ stammt aus dem Sprachgebrauch der Schützengilden des 16. Jahrhunderts und ist eine Variante zu dem älteren Ausdruck einen Fehler schießen. Mancherorts erhielten die schlechtesten Schützen bei Schützenfesten als Trostpreis einen Ziegenbock. So konnte das Wort Bock die Bedeutung „Fehler“ erhalten. Einen Bock schießen war daher ursprünglich ein Ausdruck für einen Fehlschuss.

Die Ausdrücke auf etwas Bock haben, keinen Bock haben und Null Bock haben entstammen der Jugendsprache und gehen auf die Redewendung geil wie ein Bock zurück. Geil steht hier mit der Bedeutung „sexuell erregt“. Davon entwickelte sich für Bock die Bedeutung „Lust haben”. Auf etwas Bock haben konnte somit zu einem allgemeinen Ausdruck für „auf etwas Lust haben; zu etwas Lust haben“ werden. Die Ausdrücke keinen Bock haben oder die Variante Null Bock haben stehen dementsprechend für das Gegenteil.


Grut und Kofent – Das gewürzte und das dünne Bier

Bier

Die Worte Grut und Kofent bezeichneten in vergangener Zeit zwei unterschiedliche Biere. Das mit Kräutern gewürzte Bier wurde Grut genannt. Kofent war die Bezeichnung für Dünnbier, das aus einer zweiten Abkochung der Rückstände des Biermalzes hergestellt wurde.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Vor dem 8. Jahrhundert wurde Bier nicht mit Hopfen gebraut, sondern mit Kräutermischungen gewürzt, die im Althochdeutschen grûz genannt wurden. Mit der Zeit wurde mit grûz nicht mehr nur die Kräutermischung bezeichnet, sondern auch das damit hergestellte Produkt, das Weizen- und das Gerstenbier. Alternativ wurden diese Biere auch grûzinc genannt. Im Mittelhochdeutschen verengte sich der Gebrauch des Wortes und wurde nur noch für das gewürzte Weizenbier verwendet. ___STEADY_PAYWALL___

Im ausgehenden Mittelalter erhielt das Wort grûz die Form Grut. Das Grutbier wurde noch bis ins 15. Jahrhundert gebraut, vor allem in Gegenden, in denen kein Hopfen angebaut wurde und dieser teuer angekauft werden musste. Das Wort Grut überlebte noch länger, vor allem in niederdeutschen Gebieten. Bis Ende des 16. Jahrhunderts findet sich dort Grut mit einer allgemeinen Bedeutung „Bier“. Davon abgeleitet stand gruten für „Bier brauen“, grûthere für „Ratsherr, der die Aufsicht über das Bier hat“ und grûthaus für „Brauhaus“.

Die Herstellung von Bier mit Zugabe von Hopfen ist ab dem 8. Jahrhundert belegt. Der früheste Anbau von Hopfen fand in den Ländereien fränkischer Klöster im nördlichen Frankreich statt. Von dort breitete sich der Hopfenanbau über Bayern nach Deutschland aus. Mit Hopfen gebrautes Bier wurde in den fränkischen Klosterbrauereien entwickelt. Da Hopfen das Bier haltbar macht, konnte ab dieser Zeit Bier in größeren Mengen hergestellt und eingelagert werden.

Dieses neue Bier und das Rezept seiner Herstellung verbreitete sich vermutlich über die Klöster in Europa, die untereinander in regem Kontakt standen. Mit der neuen Rezeptur kommt im Althochdeutschen die Bezeichnung bior „Bier“ in Umlauf, die seit dem 9. Jahrhundert belegt ist. Die Herkunft von althochdeutsch bior ist nicht völlig geklärt, jedoch wird eine Verwandtschaft mit dem Wort brauen angenommen, das ursprünglich die Bedeutung „wallen, sieden, kochen“ hatte. Als das gehopfte Bier das gewürzte Bier verdrängte, wurde das Wort Bier zur dominanten Bezeichnung des Getränks und verdrängte das ältere Grut, das sich heute in unserem allgemeinen Sprachgebrauch nicht mehr findet.

Ebenfalls aus dem Sprachgebrauch verschwunden ist das Wort Kofent für Dünnbier, das ab dem ausgehenden Mittelalter belegt ist. Dünnbier wurde durch ein nochmaliges Aufkochen der Rückstände des Biermalzes hergestellt. Dieses Bier wurde auch Nachbier, Speisebier, Tafelbier, Tischbier oder Afterbier genannt. After ist hier mit seiner alten Bedeutung „hinten, nach“ zu lesen und war in vergangener Zeit ein allgemeiner Ausdruck. Die Einengung der Bedeutung auf „Ausgang des Mastdarms“ ist eine spätere Entwicklung.

Die Bezeichnung Kofent geht zurück auf das lateinische Wort conventus „Zusammenkunft, Versammlung“, das später auch die Bedeutung „Kloster“ erhielt. In den Klöstern war das Starkbier den Mönchen vorbehalten, das daher auch Patersbier genannt wurde. Die Laienbrüder erhielten das Dünnbier. Das Dünnbier oder Konventsbier wurde auch an die Armen ausgegeben und verschenkt. So gelangte das Wort Konventsbier in den allgemeinen Sprachgebrauch, wurde zu Konvent gekürzt und im Volksmund zu Kofent umgewandelt.


Herbst – Die Zeit der Ernte und Weinlese

Weinernte

Das Wort Herbst leitet sich von germanisch *harbista- ab und bezeichnet die dritte Jahreszeit, die Zeit der Ernte und die Weinlese.

Michaela Essler

Von Michaela Essler

Das Wort Herbst ist seit dem 8. Jahrhundert belegt. Das Wort geht zurück auf germanisch *harbista- „Herbst“, für das eine ältere Bedeutung „Ernte“ angenommen wird. Althochdeutsch herbist bezeichnete die dritte Jahreszeit, die Zeit der Ernte und die Monate September, Oktober, November. Noch im Mittelhochdeutschen sind die Bezeichnungen der erst herbst für September, der ander herbst für Oktober und der drit herbst für November belegt.

Mit Herbst wurde jedoch nicht nur die dritte Jahreszeit benannt, sondern auch die Zeit und der Vorgang der Ernte. Im speziellen stand Herbst für die Weinlese, die im 16. Jahrhundert auch Herbstung genannt wurde. In den Wörtern Weinlese und Traubenlese hat sich die ursprüngliche Bedeutung von lesen „sammeln“ erhalten. Die heutige Verwendung von lesen „ein Buch, einen Text, usw. lesen“ entwickelte sich aus der Bedeutung „den Schriftzeichen folgen, die Schriftzeichen auflesen“. Schon im Mittelhochdeutschen wurde das Traubenlesen mit dem Wort herbesten „herbsten“ bezeichnet. In der deutschen Winzersprache ist das Wort herbsten mit der Bedeutung „Wein lesen, Trauben lesen“ bis heute lebendig. ___STEADY_PAYWALL___

Die Grundherren beaufsichtigten die Weinlese oft nicht selbst, sondern schickten einen Vertreter, der Herbstherr genannt wurde. Der Herbstherr musste von den Pächtern verpflegt oder mit Naturalabgaben bezahlt werden. Ab dem 16. Jahrhundert begegnet das Wort Herbster „Traubenleser, Weinleser“ als Bezeichnung für Personen, die Trauben ernten. In der deutschen Winzersprache ist das Wort Herbster bis heute im Gebrauch, ebenso wie das Wort Herbsthelfer „Weinlesehelfer“. Und auch bei den Bezeichnungen der Gerätschaften, die bei der Weinlese verwendet werden, begegnet das Wort Herbst in Zusammensetzungen bis heute in der Bedeutung „Ernte, Lese“, wie beispielsweise Herbstkübel und Herbsteimer „Gefäß, in das die geernteten Trauben hineingegeben werden“, Herbstschere „Schere zum Abschneiden der Trauben“ oder Herbstleiter „Leiter am Lesewagen“.

Mancherorts waren im Herbst auch Naturalabgaben zu erbringen. Diese Abgaben wurden nach der Jahreszeit benannt, in der sie abzuliefern waren. So finden sich in den Belegen Herbstgans, Herbsthahn, Herbsthuhn oder Herbsthenne, Herbsthammel, Herbstschaf, Herbstschwein, Herbstsau und Herbstkuh.

Und schließlich begegnet in den Schiffordnungen des Landes Salzburg das Wort Herbstmeister. Die Schiffordnungen waren Regelwerke für die Salzschifffahrt auf der Salzach und der Abnahme der Salzlieferungen in Laufen und Bayern. Mit Meister oder Meistersalz wurde ein bestimmte Menge Salz bezeichnet, die im Schiffskonvoi von Hallein nach Laufen gebracht wurde.

Die Erneuerte Schiffordnung des Erzstifts Salzburg vom 1. März 1616 findet sich in der Sammlung des bairischen Bergrechts, die der Hof-Münz und Bergrat Johann Georg Lori im Jahr 1764 zusammenstellte. Hier steht zu lesen: Es ist von Alters hero die Ordnung des salzburgischen Schifrechts gewesen […], daß der gehenden Schif, so salzburgerische erzbischöfliche Schif genennet werden, […], zu allerzeit in einer richtigen und gewissen Anzahl auf die Hallfarthen, und Meistersalz gewiedmet seyn sollen […].

Eine genaue Definition von Meistersalz und Herbstmeister findet sich dann im angehängten dritten Register, in dem Lori Sonderbare baierische Bergwörter erklärt. Meistersalz bezeichnete 15 Fahrten von Hallein nach Laufen, die Hallfahrten genannt wurden, und im Sommer bis zum St. Rupertsfest am 24. September stattfanden. Diese Fahrten wurden auch Sommermeister oder Sommersalz genannt. Mit Herbstmeister oder Wintersalz wurden die 12 Hallfahrten bezeichnet, die zwischen St. Rupert und Weihnachten durchgeführt wurden.