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Salzburg Anti WEF

Die Anti-WEF-Demonstration
– ein Drama in drei Akten

von Hans-Peter Graß

I

Der Brief

Die Anwesenheit des „World Economic Forums“ (WEF) in Salzburg Anfang Juli hatte schon länger ihren Schatten vorausgeworfen. Protestmaßnahmen inhaltlicher und aktionistischer Art waren in Vorbereitung. Das Team des Friedensbüros Salzburg hatte sich entschieden, vorwiegend die Alternativ-Tagung der Gruppe „ATTAC“ zu unterstützen. Von der anfangs überlegten Mitveranstaltung an der geplanten Kundgebung bzw. der nicht genehmigten Demonstration hatten wir wieder Abstand genommen. Grund dafür, war die u. E. nach zu unklare Behandlung der sog. „Gewalt“-Frage. Ein Brief der Gruppe „Antiwef“ als Antwort auf die Ereignisse in Göteborg bestätigte uns in dieser Einschätzung. Ich schrieb daraufhin im Namen des Friedensbüros einen Brief an die Verfasser einer Aussendung mit dem Titel: „Wer mit Gewalt beherrscht wird, wird sich auch gewaltig wehren“:

An die AktivistInnen von antiwef:

„Wenn ich mir Euren Kommentar zu den Ereignissen in Göteborg zu Gemüte führe, gibt es lediglich einen Argumentationsstrang, der ich inhaltlich nachvollziehen kann und der mir teilweise auch sehr sympathisch ist: Eure Sensibilität gegenüber struktureller Gewalt, der wütende Aufschrei gegenüber der diesbezüglichen Ignoranz der Öffentlichkeit und das Bewusstsein, dass direkte Gewalt wahrscheinlich das wirkungsvollste Mittel ist, medial wahrgenommen oder sogar gehört zu werden. In der Tat stehen die Konferenzen in Göteborg oder die in Salzburg für eine geballte Ladung an struktureller Gewalt. Ihr habt lediglich einige davon thematisiert: Das Schengener Abkommen, die Dominanz der Finanzmärkte über die Politik, Neoliberalismus und Entsolidarisierung stehen für Entwicklungen, die breiten Widerstand provozieren. In Eurem gewaltsamen Protest habt Ihr außerdem ein Janus-Gesicht der Medien (insbesondere des Boulevards) auf Eurer Seite und die Wahrscheinlichkeit ist sehr hoch, dass die mediale Wahrnehmung Eures Protestes eine hohe sein und Aktionen gewaltfreien zivilen Widerstands in den Schatten stellen wird.

Ich muss mich jedoch nicht auf das Glatteis einer moralischen Gewaltdebatte begeben, um mir sicher zu sein, dass der Erfolg Eurer Mittel lediglich ein kurzer sein dürfte, wenn er nicht überhaupt Eurer Sache zuwiderläuft – wovon ich überzeugt bin:

Direkte Gewalt drängt die inhaltliche Konfrontation in den Hintergrund und desavouiert sie. Außerdem schwächt sie den zivilen Widerstand im entscheidenden Kampf um die Bilder.

Dafür gibt sie Personen ein Podium, denen Euer inhaltlicher Protest völlig egal ist und lediglich die Gelegenheit nützen, ihre unpolitische Randale vor einem faszinierten Publikum zu inszenieren.

Eure Stilisierung von legitimer Gegengewalt muss schon im Ansatz scheitern. Diese Positionierung gelingt dem staatlichen Gewaltmonopol weit besser. In dieser Frage habt Ihr die Medien nicht mehr auf Eurer Seite. Gewaltsamer Aufruhr sieht in der Regel  Polizei und Militär als Sieger im Kampf um die öffentliche Gewalt-Legitimation.

Nicht zuletzt wirkt direkte Gewalt phantasielos, angstmachend und unsympathisch. Dieser Verlust an Sympathie in der öffentlichen Meinung schadet der Sache, die breite Unterstützung und Mobilisierung verdient, am nachhaltigsten.

Was wir brauchen ist ein breiter gewaltfreier ziviler Widerstand, der seinen Fokus auf inhaltliche Konfrontation und langfristige strukturelle Änderungen setzt. Ein Widerstand, der auf Gewalt verzichtet, dadurch breite öffentliche Sympathie und Solidarisierung bewirkt und gerade durch diesen Verzicht die Fratze struktureller Gewalt offen legt und schwächt.

Davon ist die zivile Gesellschaft derzeit weit entfernt. Eure Kritik an ihrer Wirkungslosigkeit ist berechtigt und wichtig. Aber Euer Ansatz bringt uns diesem Ziel nicht näher. Im Gegenteil: Der Frage der Effizienz müsst auch Ihr Euch stellen und die scheint mir nach den Ereignissen von Göteborg mehr als fragwürdig.

Hans Peter Graß
für das Friedensbüro Salzburg

II

Von „Chaoten“ und anderen „Gewalttätern“

Ich hatte mich privat bewusst dafür entschieden, an der Demonstration gegen das WEF teilzunehmen, weil ich mir durch meine Erfahrungen mit der Berichterstattung über die sog. „Chaostage“ diesmal meine Meinung über die Ereignisse selber machen wollte. Außerdem erachtete ich es als wichtig, dieses Feld nicht der explosiven Mischung aus gewalttätigen Demonstranten, der Polizei und den Medien zu überlassen. Durch meine Teilnahme war es mir möglich, Begriffen aus der Berichterstattung konkrete Bilder zuordnen zu können.

Was habe ich wahrgenommen: Vermummte Demonstranten, deren Parolen mir teilweise sehr zuwider waren.  Vermummte Polizisten, die nach ihren Kurzkommentaren zu schließen nicht minder gewaltbereit waren und sich später auch als durchaus gewalttätig geoutet haben. Journalisten, die sich gebannt auf die Gruppe der sog. gewaltbereiten Chaoten konzentriert haben und denen ein Motiv, das mich sehr fasziniert hat, keine Bilder wert waren: Eine Gruppe junger friedlicher DemonstrantInnen, die sich auf gelockerte Pflastersteine gesetzt hatten, um zu verhindern, dass jemand auf die Idee kommen könnte, diese einzusetzen.

Außerdem konnte ich mich überzeugen, wer die 400 eingekesselten „Chaoten“ waren. Es handelte sich dabei großteils um viele junge und ältere SalzburgerInnen, die durch ihre Geduld und ihre Anwesenheit dazu beigetragen haben, dass die Situation im sog. „Kessel“ nicht schon früher eskaliert ist. Die Bilanz des Abends und die Berichterstattung am nächsten Tag wäre ohne deren Anwesenheit mit Sicherheit noch unerträglicher gewesen.

Auch als die Gruppe von etwa 1000 Personen in dem sog. „Kessel“ eingesperrt war, verwunderte mich die Gelassenheit und Geduld der TeilnehmerInnen. Einzelnen versuchten Provokationen von DemonstrantInnen und Polizisten wurde relativ entschieden entgegengetreten. Nie hatte ich das Gefühl, dass die Stimmung kippen oder eskalieren könnte. Erst nachdem wir ein bis zwei Stunden eingekesselt waren, begannen einzelne Leute unruhig zu werden, insbesonders diejenigen, die den Kessel verlassen wollten, aus privaten oder beruflichen Gründen oder einfach aus Angst. Bis zum Schluss schien mir dieses Problem das drastischste zu sein, was mich bewog, einzelne dabei zu unterstützen. Sehr erfolgreich war ich nicht: Lediglich in einem Fall gelang es mir, einen Polizisten davon zu überzeugen, eine junge Frau, die weinte, weil sie dringend zu ihrer Arbeitsstelle musste, durch die Absperrung zu lassen. Dieselbe wurde jedoch von zwei seiner Kollegen unmittelbar nachher wieder in den Kessel zurückgebracht.

Solche Ereignisse schürten unseren Unmut genauso wie die wiederholten Ankündigungen von Veranstaltern und Einsatzleitung über „verhandelte“ Ergebnisse. Dreimal wurde den Eingeschlossenen angeboten, über einen Korridor zurück zum Bahnhof zu ziehen und dort die Kundgebung gewaltfrei zu beenden. Solche Ankündigungen wurden von den DemonstrantInnen mit Applaus quittiert, jedoch von der Polizei niemals umgesetzt. Dies schien mir besonders unverständlich, zumal ich glaubte, die Stimmung im Kessel so einschätzen zu können, dass, wenn zu diesem Zeitpunkt die Gruppe zum Bahnhof geleitet worden wäre, es mit großer Wahrscheinlichkeit zu keiner Eskalation gekommen wäre. Warum ist das nicht geschehen? Aus meiner Sicht, als einer der in der ersten Reihe zwischen DemonstrantInnen und Polizisten gestanden war und die Verhandlungen, sowie die Reaktionen darauf genau beobachten konnte, ergab sich das Bild eines Polizeiapparats, dessen Führungsstrukturen nicht mehr funktionierten, weil sich ein Teil davon (namentlich die WEGA) nicht mehr an Verhandlungsergebnisse halten wollte und den Abzug der DemonstrantInnen boykottierte.

Ähnlich verhielt es sich anläßlich des Vermittlungsversuchs von Bürgermeister Heinz Schaden. Dieser bot den DemonstrantInnen über ein Megaphon zuerst an, nach einer jeweiligen Perlustrierung den Kessel verlassen zu können. Nachdem dieses Angebot nicht angenommen wurde – einige hatten keinen Ausweis, andere hatten bereits gesehen, wie mit Leuten umgegangen wurde, die freiwillig den Kessel verlassen wollten – handelte der Bürgermeister aus, dass es auch ohne Perlustrierung möglich wäre, den Kessel zu verlassen. Ich befand mich in unmittelbarer Nähe des Bürgermeisters und beobachtete, dass zwei Personen, die das Angebot des Bürgermeisters angenommen hatten, unmittelbar nach Verlassen des Kessels von Beamten der WEGA an die Wand gestellt, perlustriert und in einen Polizeiwagen verfrachtet wurden. Ich versuchte noch BM Schaden nachzurufen: „Herr Bürgemeister, die beiden werden verhaftet!“ als mich bereits ca fünf Polizisten der WEGA bestürmten, mich an die Wand drückten, aus dem Kessel  zerrten, mir äußerst  brutal die Hände ausdrehten und mich fesselten. Ich machte den WEGA-Beamten lauthals klar, dass mir ihre Behandlungsweise körperliche Schmerzen verursachten („Laßt mich aus, das tut mir weh!“), was den einen Polizisten bewegte, den anderen zu fragen: „War das Widerstand gegen die Staatsgewalt?“ und der andere ihm versicherte: „Na sowieso.“ Nachdem ich noch versuchte Cyriak Schwaighofer, Ltabg. der Grünen, mit dem ich in den letzten Minuten vor der Verhaftung, gesprochen hatte, zuzurufen, er möge mir helfen, wurde ich von den WEGA-Beamten mit der Bemerkung „Geh eini, du Scheißer“ in ein Polizeiauto gesperrt. Dort wurden mir meine Dokumente, Geld und Schlüssel abgenommen. Es scheint mir auch besonders wichtig zu bemerken, dass die mich überfallenden und beleidigenden Beamten mehr als eine Stunde Zeit hatten, mich und meine beschriebene Rolle in der Demonstration wahrzunehmen.

Nachdem ich nach etwa einer Stunde in das Salzburger Polizeigefängnis gebracht worden war, machte ich die sehr bereichernde Erfahrung, was man sich so unter elf „festgenommenen Gewalttätern“ vorzustellen hat.

Außer mir waren da auch die beiden jungen Männer dabei, die das Angebot des Bürgermeisters Schaden angenommen hatten, außerdem eine Frau, die versuchte, den Verhafteten eine Telefonnummer einer Rechtshilfeorganisation zukommen zu lassen und dabei selbst mitgenommen wurde. Da gab es auch noch den Journalisten, wobei es wohl eher um dessen Kamera gegangen ist und weitere junge Leute, die ich in der Demonstration als ruhig und gelassen wahrgenommen habe und die sich auch im Polizeigefangenhaus verdächtig zivilisiert verhalten.

Nach äußerst diskriminierenden und demütigenden Behandlungsweisen durch das Personal des Polizeigefangenenhauses Salzburg wurden wir noch in der selben Nacht vernommen und wieder freigesetzt.

III

…und das nächste Mal?“

Die Umstände meiner Verhaftung und deren Veröffentlichung mögen dazu beigetragen haben, eine Gegenöffentlichkeit zu schaffen, die der massiven skandalisierenden und eskalierenden Berichterstattung über die Anti-WEF-Demonstration eine subjektive und audentische Erfahrung entgegenzusetzen vermochte. Zudem bewirkten sie – zumindest bei den Beteiligten – eine enorme Sensibilisierung gegenüber den Gefahren sich verselbständigender polizeistaatlicher Apparate und inhumanen Formen von Kriminalisierung und Inhaftierung.

Doch trotz dieser nicht beabsichtigten Nebenwirkungen kann man nicht darüber hinwegsehen, dass wohl keiner der Inhaftierten ähnliche Erfahrungen noch einmal machen möchte. Nicht nur aus diesem Grund erscheint es mir besonders wichtig, bereits zum einem Zeitpunkt, in dem die Betroffenheit noch merklich spürbar ist, darüber nachzudenken, was zu tun sei, um ähnliches in Zukunft vermeiden zu können. Nachdem bereits die Entscheidung gefallen ist, das WEF auch in den nächsten fünf Jahren in Salzburg zu beherbergen, wird uns auch nichts anderes übrig bleiben.

Nachzudenken empfehle ich jedoch nicht nur den scheinbaren Hauptakteuren, der Exekutive und gewaltbereiten Demonstranten, sondern auch den Veranstaltern, den Medien, der Kommunalpolitik und der Salzburger Bevölkerung.

  • Die künftigen Veranstalter von Protestaktionen werden sich noch viel mehr damit zu beschäftigen haben, phantasievolle und betont gewaltfreie Aktionsformen zu entwickeln, denen es gelingt, breite Sympathie und Verständnis für ihr Anliegen in der Öffentlichkeit zu schaffen. Zudem wird man nicht umhin kommen, sich auf Störungen oder Provokationen von innen und außen vorzubereiten, um entsprechend darauf reagieren zu können. Dazu gab es bereits heuer kreative Ansätze, die jedoch offensichtlich nicht ausgereicht haben, auch von Medien, der Exekutive, der Öffentlichkeit und einem Teil der TeilnehmerInnen wahrgenommen zu werden.
  • Die angekündigte Deeskalationsstrategie der Polizei scheint im Nachhinein entweder nicht existiert zu haben oder kläglich gescheitert zu sein. Die offensichtlichen Mängel in Bezug auf einheitliche Befehlsstrukturen, vertrauensbildende Maßnahmen und verbindliche Kommunikationsformen mit den DemonstrantInnen gipfelten in der offenbar bewusst inszenierten Eskalationsmeldung über den verletzten Exekutivbeamten. Die Polizisten in den ersten Reihen wurden durch diese Meldung über ein „Schädel-Hirn-Trauma“ eines ihrer Kollegen unnötig emotionalisiert und radikalisiert (im Polizei-Gefängnis wußte man ihn  bereits im Koma; am nächsten Vormittag befand er sich jedoch weitgehende genesen wieder in der Einheit – und gleichzeitig auf allen Titelblättern der Salzburger Tagespresse). Auch wenn die Nachricht gestimmt hätte, müsste man sie im Sinne einer ernst zu nehmenden Deeskalierungsstrategie zurückhalten. Die neue Führung der Salzburger Exekutive ist aufgerufen, ihre BeamtInnen in dieser Frage besser vorzubereiten und auszubilden. Erleichtert würde eine Deeskalation allein schon durch die Maßnahme, auf Hilfe von unberechenbaren und unkontrollierbaren Einheiten (z. d der WEGA) das nächsten mal zu verzichten.
  • Die Salzburger Medienlandschaft hat sich zwar anfangs – wohl inspiriert vom Desaster um die „Chaos-Tage“-Berichterstattung – sehr zurückgehalten. Die letzten Tage vor und die ersten nach der Demonstration waren jedoch ein Tiefpunkt an Medienkultur – und nicht nur die des sog. „Boulevards“. Bilder mit auffahrenden KFOR-Panzern vor dem Kongresshaus, offensichtliche Persiflagen aus dem Internet als Tatsachenmeldungen präsentiert, die Kriminalisierung einer großen Anzahl von DemonstrantInnen, die Reduzierung der Berichterstattung über die Tagung von ATTAC auf die Wahrnehmung Coca-Cola-Trinkender TeilnehmerInnen war schier unerträglich. Lediglich freie Medien und die Möglichkeiten von TeilnehmerInnen, sich mit Leserbriefen zu Wort zu melden sicherten Ansätze einer audenten Berichterstattung. Bereits nach den ersten Tagen mussten zahlreiche Meldungen zurückgenommen werden. Was hätte man außer verkaufsintensivierende Schlagzeilen verloren, wenn man wenigsten zwei Tage gewartet hätte, um an gesicherte Informationen zu kommen? Eine freiwillige Selbstbeschränkung von Medien in ihrer absoluten Focusierung auf Gewalt hätte uns allen sehr gut getan.
  • Die Salzburger Kommunalpolitik hat sich mit Ihrer Entscheidung, den WEF-Gipfel auch in den nächsten fünf Jahren durchzuführen, auch in Bezug auf zu erwartende Proteste in Zugzwang gebracht. Gefordert ist die Gewährleistung der Demonstrationsfreiheit, die Unterstüzung alternativer Parallelveranstaltungen zur Globalisierungsproblematik, die Schaffung von Raum und Mittel für Dialogprozesse zwischen den Konfliktparteien. Wenn sich die Stadt Salzburg durch den Schwerpunkt der WEF-Tagung als Podium für osteuropäische Interessen profilieren möchte, wäre es doch auch sehr spannend, NGO´s aus dem besagten Raum einzuladen, um Globalisierungsfragen aus deren Sicht zu erörtern.
  • Last but not least wünschte ich mir von der Salzburger Bevölkerung ein lauteres Raunen und Aufschreien über die Einschränkungen ihrer Bewegungsfreiheit, bürgerkriegsähnlichen Sicherheitsmaßnahmen und präpotenten Perlustrierungen aller derer, die auch nur in Ansätzen jung, bunt und aufsässig wirkten.

Hans Peter Graß,
Mitarbeiter des Friedensbüro Salzburg


Das Bioland Salzburg.

Ein Kommentar von Gregor Pospischil, Nationalpark Hohe Tauern.

Salzburg rühmt sich, Spitzenreiter im Biolandbau zu sein. Es gibt soundso viele Prozente Biobauern, einsame Spitze. Und die Biobauernverbände heften sich auch die homöopathische Behandlung ihrer Tiere (durch wen auch immer) groß auf die Fahnen. Im vergangenen Jänner fand nun in Bergheim das 1. Internationale Homöopathie Seminar zur Behandlung von Rinderkrankheiten für Tierärzte statt.
Motto: Gesunde Lebensmittel von gesunden Tieren.

Die Teilnehmer kamen aus dem Dreieck zwischen Hamburg, der Schweiz und Budweis, CS. Auch zahlreiche Österreicher waren anwesend. Einzig und allein die Anerkennung der Salzburger Politik fehlte; die Schwarzen meinten, für die Ausbildung von Tierärzten sei der Agrarlandesrat Josef Eisl zuständig, die Veranstalter glaubten, die Gesundheitslandesrätin Dr. Maria Haidinger könnte ein Zeichen in die richtige Richtung setzten. Es ging doch nicht um Zuständigkeiten! Der Gesundheitslandesrätin müßten doch Tierärzte, die Wesentliches im Gesundheitswesen leisten, mehr Anerkennung wert sein! Fleisch wird erst nach der Begutachtung durch einen Tierarzt zum Lebensmittel.

Meine Meinung ist, die “schwarzen” Salzburger Politiker sind in dieser Angelegenheit gar nicht zuständig, auch wenn sie es vielleicht gerne wären. Die Ausbildung von Tierärzten ist Ministersache, bzw. Sache der Veterinärmedizinischen Universität in Wien. Und auf Landesebene hätte ich mit der obersten Konsumentenschützerin des Landes, der “roten” Gabi Burgstaller gesprochen. Sie ist sicher für gesunde Lebensmittel für die Salzburger Bevölkerung zu begeistern. Und eine rückstandsfreiere Therapie als die Homöopathie wird´s wohl nicht geben, noch dazu, wenn die kranken Tiere von Tierärzten behandelt werden, auch wenn´s so manche Landwirtschaftsvertreter gerne anders hätten. Bei meiner Ehr.


Rothenburg ob der Tauber. Foto: KTraintinger

Weihnachten das Fest der Liebe, der Ruhe, der Hektik, des Stresses, des Kampfes um das letzte Stück im Angebot. Noch schnell für Tante, Nichte, Bruder, etc. irgend etwas einkaufen, man kann ja nicht mit leeren Händen da stehen. Die Kinder müssen unbedingt für die Großeltern etwas basteln und nicht vergessen, die zweite Strophe von Stille Nacht muß heuer auswendig gesungen werden. Üben, üben, üben das Weihnachtsstück am Hackbrett, der Flöte oder an sonst einem Instrument klingt im Moment noch alles andere als weihnachtlich.

Von Ulli Mairinger

Dann sind da noch die ganzen Weihnachtsfeiern, wo man ja auch gesehen werden sollte, außerdem ist das Buffet vom … besonders gut. Du lieber Himmel, da sind auch noch zwei Geburtstage, das ist wirklich lästig im Dezember Geburtstag, was sollen wir da wieder schenken und dann noch zu Weihnachten.

Irgendwie ist mir das alles zu viel. Ich wäre am liebsten weit weg, so wie letztes Jahr. Da waren wir im sonnigen Florida. Es hatte 25°C und wir saßen mit den Sommerkleidern barfuß unter dem Weihnachtsbaum. Es war doch toll Sonne tanken im Winter und es war auch sehr erholsam. Die Zeit zu Silvester und im Disney-Land, das alles war ein einmaliges Erlebnis, das wir sicher nicht missen möchten. Wäre ich doch dort und könnte mich jetzt einfach in die Sonne legen.

Doch dann erinnere ich mich, wie mein vorweihnachtliches Gefühl damals war. Wir lagen am Strand und achteten darauf, daß uns die Sonne nicht verbrannte, zwischendurch gab es den Gedanken, daß ja in den nächsten Tagen Weihnachten war. In den Geschäften, glimmerte und glitzerte es. Überall hörte man die Weihnachtslieder, wenn man in kurzer Hose und T-Shirt einkaufen ging und alle wünschten „Happy Christmas“ und es klang so lächerlich. Wo war nur der Schnee, die kalten Nasen und Hände die rotbackigen Kindergesichter. Es fehlte mir der Christkindlmarkt, der Duft der Tannenzweige und die Bratäpfel heiß aus dem Rohr. Unsere österreichischen Weihnachtslieder klangen völlig unpassend in dem warmen Palmengarten, außerdem fehlte uns der Baß von Opa und die Gitarrenbegleitung meines Bruders. Wo sind die leuchtenden Kinderaugen unsere Nichten und Neffen, wenn das Christkind geläutet hat und sie endlich ins Weihnachtszimmer durften.

Ich glaube so ganz ohne diese traditionellen Dinge ist es wirklich kein richtiges Weihnachten und ich bin ganz froh heuer doch wieder unseren „Weihnachtsstreß“ zu haben. Aber muß es denn immer Streß sein, nein denke ich, ich hole mir jetzt ein schon ein bißchen Weihnachten nehme meinen Hund, schwinge mich aufs Pferd und reite ganz still auf dem frisch verschneiten Waldweg. Meine Gedanken schweifen dahin – so ist Weihnachten in Ruhe und Stille im Einklang mit der Natur auch wenn es erst Ende November ist. Ein bißchen komme ich mir vor wie im Märchen, aber auch ein Autogeräusch von der Straße und Maschinenlärm, die mich in die Realität zurückholen, können mir mein gutes Gefühl nicht nehmen. Jetzt denke ich mit Freude an den Heiligen Abend, den wir im Kreis der Familie feiern werden. Mit ein bißchen Nachdenken findet jeder sein eigenes Weihnachten, es muß nicht unbedingt der 24. Dezember sein.

A Xmas Story or thoughts in Advent

Xmas is the fiest of love, the silence, the hectic, the stress and the fight for the last piece of a special offer. You qickly run to buy just something for the aunt, the niece and the brother because you cannot be without a present. The children have to make something for he grandparents and not to forget – to learn the second verse of silent night, holy night  by heart. They have to practise again and again the Xmas song played on the flute, piano or another instrument. At the moment those songs do not at all sound like a Xmas song.

Then there are all the Xmas parties and you should be present. Furthermore the buffet from ….. is extraordinary good. Oh dear me, there are another two Birthdays, thats a nightmare in December. What Birthdaypresent should you give – just a few days before Christmas.

It seems to be a little too much for me. I would like to be far away – just like last year. We have been in sunny Florida and we had 25° C and were sitting under the Christmas tree with summer clothes and barefeet. It was just fantastic to feel the sun in winter and it was recovery too. Silvester time in Disney land – all that were fantastic events which we would not miss. I would like to be there again and to just lay under the sun.

But then again I remember the Christmas feelings I had those times. We were lying in the sun and took care that the sun won’t burn us. And sometimes in between we were thinking that in a few days it will be Christmas. Everything was shining in the shops and Christmas songs all over the place though you are going shopping in shorts and everybody is wishing you a merry Christmas and it sounds just absurd. Where is the snow, the cold noses and hands of children with red cheaks. I missed the Christmas market, the smell of the fir tree and hot baked apples. Our Austrian Christmas songs did not fit at all being heard in the warm palm gardens and I missed the bass of my grandfather and the sound of the guitarre of my brother. Where are the shining childrens eyes of our nieces and nephews waiting that the bell rings and they finally know it is Christmas and they will get their presents.

I believe that without all these traditional feelings it is not a real Christmas time and I am happy to have the traditional Christmas Stress here in Austria again this year. But must it be always stress? I think no, I will now go and have a little Christmas on my own – I take my dog and my horse and will ride through the white woods. This is Christmas. Peace and silence in nature. For me it seems like a fairytale but then again I hear the noice of the streets and machines and bring me back to reality. But all this noice cannot take away the feelings I have and I look forward to celebrating Christmas with my family. Everybody will find his own Christmas feelings if you just take your time to think a little about it – it doesn’t even have to be the 24 of December.

Ulli Mairinger


Karl Traintinger

Karl Traintinger hat während seiner Studienzeit in Wien an der Veterinärmedizinischen Universität in der Linken Bahngasse in 3. Bezirk in der Protteserstraße 29 Gänserndorf im Marchfeld gewohnt und in dieser Zeit als Redakteur und Fotograf bei den Marchfelder Nachrichten (Faber Verlag Krems) gearbeitet.

Er gründete damals die Fotogruppe Marchland. Legendär war die Vernissage der ersten Ausstellung seiner Fotogruppe Marchland in der Raiffeisenkasse Gänserndorf. Die Veranstaltung wurde mit einer Lesung des Marchfelddichters Helmut Pacholik umrahmt und war ein voller Erfolg.

Traintinger hat sich auch mit Literatur auseinandergesetzt. Das Forzm Z in Zistersdorf im nördlichen Weinviertel war eine der Kulturinitiativen, in der er mitarbeitete. Zu dieser Zeit wurde auch die Kulturzeitung ZEITGEIST ins Leben gerufen, die er mehrere Jahre als verantwortlicher Redakteur betreute. Im Folgenden einige seiner freien Texte, die in den Jahren 1983 bis 1984 entstanden sind.

Marchfeldherbst
Gänserndorf, 29. 11. 1983

Die Kornkammer ist abgeerntet.
Die Brauntöne der umgeackerten Felder beherrschen das Bild.
Die Bäume der Windschutzgürtel verlieren ihre Blätter.
Jäger blasen zum Halali.
Der Wind streicht nahezu ungehindert über das Land.
Bald wird Schnee fallen und das Marchfeld zudecken.
Nur mehr selten verirrt sich ein einsamer Wanderer auf die Felder.
Es ist ruhig geworden.
Das Marchfeld sammelt Kraft für das neue Jahr.

Anglo Elementar
oder Laudation auf eine Versicherungsagentin

Cafe Hahn in Gänserndorf, 30. 11. 1983

Wasserstoffblond, braungebrannt.
Adlernase.
Das Rot der Lippen zum Rot der Fingernägel passend.
Seidenhalstuch. Altmann-Bluse, Adlmüller-Strickjacke.
Nappalederhose in beige, italienische Stöckelschuhe in beige.
Ton in Ton.
Schwere, goldene Ringe an den Fingern,
Dunhill Zigaretten.
Beim Lachen entblößt sie die Zähne
und man glaubt, es wiehert ein Pferd.
Es lässt sich halt doch nicht alles kaschieren …

Zehn nach Sieben
Gänserndorf, 10. 10. 1983

Der Wecker rasselt,
zehn Minuten dazugeben,
schnell aufstehen,
anziehen, waschen,
aus dem Haus stürzen,
am Bahnhof schnell in die Gastwirtschaft
auf einen Steh-Kaffee,
nebenbei Zigaretten und die Krone kaufen,
zum Zug laufen,
einsteigen und sich abgekämpft
vom morgendlichen Stress in
den Sitz fallen lassen.
Tief atmend die ersten Lungenzüge
der ersten Beruhigungszigarette
in sich hineinsaugen.
Gerade noch geschafft.
Es ist zehn nach Sieben.

Gedanken
Gänserndorf, Cafe Hahn, 19. 11. 1983

Sind es Kapriolen der Mode
oder entspricht es dem Zeitgeist,
dass Gymnasiastinnen ihre Lambswoolwesten
verkehrt herum anziehen?

Bewusst Kulturschaffende sind auch hin und wieder solche Menschen,
die sich auf Kosten anderer ihre Verrücktheiten leisten
und von Kritikern umso mehr gelobt werden,
je weniger diese das Dargebotene verstehen.

Am Bahnhof
Gänserndorf 15. 10. 1984

Spielende Kinder mit ihren Müttern, Schüler, Studenten,
schöne Geschäftsreisende und Pendler. Gastarbeiter.

Alte Männer und Frauen zurück am Weg ins Altersheim
oder sonst wohin.

Wieviele von ihnen warten wohl auf den Zug,
der schon lange abgefahren ist?


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Erdmusik

So konnte es ja nicht weitergehen. Wir haben wirklich alles getan um uns mit der Natur zu zerstreiten. Sogar der Politik wurde es zu bunt und zu wenig grün: “Versöhnung mit der Natur” war Headline eines Plakates im steirischen Landtagswahlkampf Mitte der 80er.

Geburtsstunde für viele Naturinitiativen war die Besetzung der Hainburger Au. Ein Kraftwerk, dessen Rückstau die Donauauen zerstören würde, versammelte tausende plötzlich Gleichgesinnter. Das Woodstock der Umweltaktivisten in Österreich.

Es gab einmal eine Zeit, da war der Distelverein das personifizierte Versäumnis von eigentlich dafür verantwortlichen Institutionen quer zu denken, egal ob das Kammer, Politik, Raiffeisen oder der Jagdverband war.

Dr. Christian Konrad, Raiffeisen-Generalanwalt

Diskussionen zwischen ortsansässigen Bauern und ehemaligen Aubesetzern über die Umwandlung der Donauauen in einen Nationalpark (um weitere Kraftwerkspekulationen zu verhindern), führten zur Gründung eines Vereines. Ziel: Die Einheimischen wollen die Versöhnung mit der Natur selbst herbeiführen. Keine Einmischung von außen. 1985 gab es die ersten Streitgespräche, zwei Jahre später wurde ein Verein aus der Taufe gehoben, der alle Probleme erkennen und aus der Welt schaffen sollte: Der “Distelverein” erblickte am 14. Jänner 1987 in der Donaugemeinde Orth das Licht der Welt. Obmann wurde Intitiator und Triebfeder Ing. Hermann Schultes, Landwirt aus dem Zwerndorf an der March.

Uns ist auf Grund der PS-Stärke und der Größe der Zugmaschinen dieses vernetzte Denken und dieser Kontext mit der Natur verloren gegangen. Früher ist der Bauer hinter dem Pflug marschiert und hat die Würmer und Mäuse live miterlebt.

Franz Blochberger, Agrar-Landesrat, NÖ

Grundidee:

Die Landwirte lassen einige Meter breite Streifen bei bestimmten Feldern frei, meist neben Windschutzgürtel gelegen. Damit erreichte man zwei Ziele: Die zum Windschutz gepflanzten Baumreihen wurden somit verbreitert, die Feldtiere hatten neue Nistplätze und Schutzräume, bereits verloren geglaubte Pflanzen tauchten wieder auf.

Zyklus Erdmusik - Gottfried Laf Wurm
Linolschnitte – Zyklus Erdmusik – Gottfried Laf Wurm | Lassee im NÖ Marchfeld

Ein Netz solcher Streifen, So gut es geht miteinander verbunden, war Ziel des Vereines. Nach einem Jahr gab es bereits 50 Kilometer dieser neuen Lebensräume für Pflanzen und Tier, in unmittelbarer Nachbarschaft zu intensiv genutzten, ertragreichen Marchfelder Ackerböden.

Gemeinsam mit der Agrarbezirksbehörde wird ein Landschaftsfonds erarbeitet. Die Bauern, die sich bereit erklären, freie Flächen liegen zu lassen und diese nach genauen Vorschriften zu pflegen, sollen ihre Arbeit schließlich auch abgegolten bekommen. Schließlich können die Flächen mit einer Sonderrichtlinie des Landwirtschaftsministeriums finanziert werden.

Ein weiterer Schwerpunkt ist der Schutz der Marchwiesen, Teil des Überschwemmungsgebietes des Grenzflusses March zwischen Österreich und der Slowakei. Sensationell die Funde von urzeitlichen Flusskrebsen, die hier heute jedermann finden kann. 215 Hektar Wiesen waren bereits 1992 unter Vertrag.

1994 ist die Zahl der Ökowertflächen-Partner auf 1.600 Vertragsparnter explodiert. Die Idee hat bereits 48 Projektgebiete und 1.763 Hektar in ganz NÖ. erfasst. Mit dem raschen Wachstum kommen aber auch die Probleme.

Diese Landschaft, die ich in Zukunft will, ist nicht in der Lage, So billig zu produzieren, wie der Billigste. Aber diese Landwirtschaft ist in der Lage im Umweltbereich Reparaturkosten zu vermeiden, die in der Folge um vieles teurer würden.

Wilhelm Molterer, Landwirtschftsminister

Der Distelverein ist zwar Herzeigeprojekt aller Organisationen und vieler Politiker, die erforderlichen Mittel sind aber immer schwieriger aufzubringen und treiben den Verein sogar an den Rand des Ruins. Vom Umweltministerium kommt die Rettung: Im Rahmen des Ramsar-Abkommens soll der Verein ein Management-Konzept einreichen, das wenige Minuten vor Einreichschluß per Fax in Brüssel eintrifft – und akzeptiert wird. Retter in der Not wird der LIFE-Vertrag, der die Finanzierung von 20 Projekten mit 26 Millionen Schilling sichert. Zu den vielen interessanten Projekten des Distelvereines zählt z.B. die Ansiedlung schottischer Galloway-Rinder in den Marchauch. Die Ankunft der ersten Tiere in der Grenzstadt Marchegg wird zum Volksfest und zum Triumph der Umweltschützer. Jüngstes Projekt des Vereines ist die Ansiedlung ehemals heimischer Biber an der March.

Der Distelverein hat schwere Zeiten hinter sich – und schwere stehen im ins Haus. Veränderungen rund um den EU-Beitritt haben ständige neue Förderungsrichtlinien gebracht. Das hat vor allem die Projektpartner, die Landwirte verunsichert. Und die haben im Zuge des Strukturwandels weiß Gott Verunsicherung genug erlebt. Die stärkste Waffe des Vereines, die vorher für unmöglich gehaltene Zusammenarbeit von Bauern, Jägern, Fischern und Naturschützern hat dem Verein den Erfolg gebracht, bleibt aber auch seine Achillesferse.

Der DISTELVEREIN

Trägerorganisationen:
WWF, NÖ Naturschutzbund, NÖ Landesjagdverband, NÖ Landwirtschaftskammer
Vereinsziel:
Anregungen zum Umstieg und Rat beim Einstieg in die bewusste Kulturlandpflege. Freiwilligkeit und lokale Selbstorganisation ist Voraussetzung.
Projekte:
Ökowertflächen, Biberansiedlung, Galloyway-Rinder, Ramsar-Management
ÖPUL, “LIFE”
Derzeit werden 50 Projektgemeinden mit rund 3.000 Hektar Vertragsflächen
von 2.000 Vertragsbauern betreut.
Adresse:
Distelverein >, Franz Mair Straße 47, 2232 Deutsch Wagram
Obmann: Ing. Rudolf Votzi  Geschäftsführer: Johannes Wolf

Web:
www.distelverein.at Email: info@distelverein.at – Adressen nicht mehr aktiv

Gottfried “Laf” Wurm in der Dorfzeitung:
Gottfried “Laf” Wurm, Salzburger Linolschnitte >
Gottfried “Laf” Wurm: Atelierbesuch Sommer 2012 >
Gottfried “Laf” Wurm, Maler in Lassee NÖ >
Gottfried “Laf” Wurm: Neben-Bahnen. Linolschnitte. >
150 Jahre Eisenbahn in Österreich. Druckmappe. >
Gottfried “Laf” Wurm: Farblinolschnitte

Blühstreifen in Lamprechtshausen 2018
Blumenwiese vs. Schmetterlingsweide >


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es wird eng, sehr eng auf der welt. aber im “cafe au lait” oder “oleee”, wie die stammkunden oft kalauern, weil der wirt zwar kein spanier ist, aber doch peter heißt, was der deutschen übersetzung von piedro entspricht, ist immer ein plätzchen frei.

grisu und tt7 sind schon da und witzeln was das zeug hält. die beiden kommen meist so um halb sechs. die anderen trudeln dann in den nächsten zwei, drei stunden so nach und nach ein. mr.wix, die waldfee, plum und all die anderen. die ganze clique eben. peter der wirt gibt bier aus und auch themen, sollte bedarf bestehen, aber meistens wird zwanglos gesmalltalkt. kommt ein neuer hinzu, wird artig gegrüßt, doch man bleibt reserviert. die aufnahme in den erlauchten kreis der stammgäste muß man sich erst hart erarbeiten. vielen fehlt die geduld dazu und die vielen linksliegenlassungen bis zur ersehnten dazugehörigkeit sind eine arge probe fürs ego und veranlassen schwache durchsetzer dazu, sich beleidigt zu trollen. grisu, tt7 und all die anderen können sich ja nicht um jeden und alles kümmern. sie haben ihre eigenen sorgen und sind glücklich, daß gleichgesinnte da sind, mit denen sie jene auch hinforterörtern können.

es ist fast wie im richtigen leben.

derweil pfeift ein heißer wind durchs wohnzimmer und diese typischen rundgebilde aus den stimmungshemmerwestern hoppeln am fernsehapparat vorüber. spinnweben schmücken die ecken im ledersofa, das eigentlich dazu geschaffen wurde, daß jemand es an samstagen und mittwochen sorgfältig frequentiert. aber es riecht nicht mal andeutungsweise nach verschütteten bier und kein einziger chipskrümel hat sich in den schwerzugänglichen hohlraum zwischen sitz- und lehnpolster verirrt. brandlöcher? fehlanzeige!

es war ein großer irrtum der medienphilosophen in den achzigern, daß wir uns zu tode amüsieren und dabei vereinsamdummen. der mensch sitzt nicht träge und stumm vor einem kasten und rezipiert, er ist kontaktfreudig und geht gern unter leute. und der kasten in dem er das tut, ist auch ein ganz anderer.

selbst elfährige, von denen man annehmen sollte, daß sie noch gar nichts wichtiges mitzuteilen haben, treffen sich in eigens eingerichteten räumlichkeiten um sich gegenseitig mit news zu versorgen. daß sie ein hochgeschwindigkeitsmedium dafür zur verfügung haben, ermöglicht es ihnen, pfeilgerade aneinander vorbeizureden, denn sie können ihre fragen schon eintippen, wenn der gesprächspartner noch am basteln eines eigenen begehrs ist. ebenso fast wie im richtigen leben. die kommunikation verblüht im blühen. keine spur von sozialarmut.

aber auch an den oberkanten der unzähligen bücher in den unzähligen regalen, immer garanten für abschottung und umweltflucht, hat sich eine zweifingerdicke schicht gebildet, die man gar nicht mehr als staub bezeichnen kann. sie zu beseitigen wäre eine zumutung für den magen und die lunge und vor allem würde man eine prächtig gediehene flora des lebensraums berauben.

dochdoch, es gibt sie schon noch, die eifrigen leser. die bücherwürmer, die “einfach alles verschlingen”, was ihnen vor die glotzerchen kommt. aber kann man die ernst nehmen? das ganze klingt zumindest nicht sehr aufnahmeintensiv. da bleibt sicher noch der eine oder andere sinn frei, um nebenher weitere dinge zu verrichten.

mfg (c) michael feichtinger