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Ostermarsch Bregenz,

Kriegsgewinnler Virus am Bodensee im Zweiten Weltkrieg nicht ausgerottet

Am 3. Oktober 2020 planen Querdenker Demonstrationen in Kreuzlingen in der Schweiz und über der Grenze in Konstanz. Die Kritiker der Corona Maßnahmen und Restriktionen wollen zudem rund um den Bodensee eine Menschenkette legen. Sie ist für den dritten Oktober, den 30. Tag der Deutschen Einheit geplant. (1)

Heinrich Frei

Von Heinrich Frei, Zürich

Diese Menschenkette rund um den «schönen» Bodensee und dem Rhein entlang bis zum Fürstentum Liechtenstein könnte sich auch gegen die etwa 20 Unternehmen richten die Kriegsmaterial herstellen. (2) Diese Unternehmen, Rheinmetall, Airbus Defence und Space, Liebherr, Mowag (General Dynamics), San Swiss Arms, Vectronix usw. produzieren für Kriege, die immer noch im Gange sind. Mit Kriegsgerät aus diesen Firmen haben nach dem Zweiten Weltkrieg viele Menschen den Tod gefunden, wurden verletzt, verhungerten oder sind zu Flüchtlingen geworden. Nicht lange nach 1945 wurden rund um den Bodensee nämlich wieder Waffen produziert, für den Krieg in Korea, Indochina, Vietnam, Kambodscha, Laos, Pakistan, Somalia, Afghanistan, Irak, Libyen, dem Jemen usw.

Dank den nie endenden Krieg gegen den so genannten Terror läuft das Geschäft mit Rüstungsgütern rund um den Bodensee auch heute immer besser. (3) Dieser Krieg gegen den Terror begann sofort nach den inszenierten Anschlägen in den USA vom 11. September 2001. – Auch Nordvietnam wurde seinerzeit, 1964, nach dem von den USA organisierten Tonkin Zwischenfall bombardiert und die Ausweitung des Vietnamkrieges durch diesen Angriff unter falsche Flagge gerechtfertigt. (4)

Hoffentlich werden auch die Corona-Querdenker bei ihren Demonstrationen lautstark auf den Rüstungs-Irrsinn aufmerksam machen.

Pfarrer Rainer Schmid in Friedrichshafen der es wagte gegen diese widerlichen Geschäfte mit dem Krieg Stellung zu nehmen, wurde für Friedrichshafen als Priester nicht mehr tragbar, er wurde versetzt.

Eine etwas andere Heimatkunde, Die «todbringenden Zuflüsse» des Bodensees Sozial und Umweltforum (SUFO) 2014 in St. Gallen, Foto Heinrich Frei

Eine Impfung gegen den Militarismus fehlt bisher

Friedrichshafen wurde im Zweiten Weltkrieg von der alliierten Luftwaffe dem Erdboden gleichgemacht, weil dort für die Massenmorde des «Tausendjährigen Reiches» Waffen produziert wurden. Der Virus der Kriegsgewinnler, der viel schlimmer ist als der Corona Virus, konnte im Zweiten Weltkrieg durch die Bombardierung von Friedrichshafen und auch des Bahnhofes von Schaffhausen nicht ausgerottet werden. Eine Impfung gegen den Militarismus wurde von der Pharma-Branche bisher leider noch nicht entwickelt.

Bertha von Suttner: Die Waffen nieder! Henry Dunant: für eine Welt ohne Krieg

Bertha von Suttner
Antikriegsroman erschienen 1889
Sie lebte von 1843 – 1914, bis kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges. (5)

Bertha von Suttner, die 1889 vor über 130 Jahren den Roman «Die Waffen nieder!» schrieb wäre heute am Bodensee gar nicht willkommen, so wenig wie Arbeiter, Angestellte, Rentner, Geistliche und Lehrer die gegen die Rüstungsproduktion rund um den lieblichen Bodensee Stellung nehmen.

Henry Dunant
Dunant bekannt als Gründer des Komitees vom Internationalen Roten Kreuz (IKRK). Dunants eigentliches Ziel war nicht eine Humanisierung des Krieges, sondern schlicht und einfach eine Welt ohne Krieg. Die letzten Lebensjahre verbrachte Dunant in Heiden, hoch über dem Bodensee. Dunant lebte von 1828 – 1910. (6)

Auch der Gründer des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Henry Dunant, wäre heute für die Kriegsindustrie rund um den Bodensee eine unerwünschte Person. – Aber heute ist das Thema: Corona, Corona, Corona bis zum geht nicht mehr… Die Kriege angeheizt durch die Rüstungsindustrie rund um den Bodensee werden vergessen, hoffentlich nicht auch von den Corona-Querdenkern.

Aufrüstung: Das Vermächtnis von Bertha von Suttner und von Henry Dunant?

Laut dem Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) stiegen die weltweiten Militärausgaben 2019 auf 1917 Milliarden US-Dollar. Die Gesamtsumme für 2019 entspricht einem Anstieg von 3,6 Prozent gegenüber 2018 und dem größten jährlichen Ausgabenwachstum seit 2010. (7)

2019 hungerten weltweit rund 690 Mio. Menschen. Das heißt jede 11. Person litt chronischen Hunger. (8) Mit einem kleinem Bruchteil der jährlichen Militärausgaben von 1917 Milliarden US-Dollar könnte das Hungerproblem auf unserer Erde gelöst werden.

In Deutschland stiegen die Militärausgaben 2019 um 10 Prozent auf 49,3 Milliarden US-Dollar. Dies war der größte Anstieg der Ausgaben unter den 15 Ländern mit den größten Militärausgaben im Jahr 2019.

Deutschland hält unter der heutigen christlich-sozialdemokratischen Regierung immer noch an der nuklearen Teilhabe fest. Die deutsche Luftwaffe trainiert in Büchel im Rahmen der nuklearen Teilhabe den Einsatz von Kernwaffen durch Jagdbomber vom Typ Tornado.

Deutschland hat längst die Todesstrafe abgeschafft. Aber die deutsche Regierung erlaubt es den Streitkräften der USA weiterhin Menschen hinzurichten, ohne Prozesse. Die US-Streitkräfte für Afrika in Stuttgart haben 2020 unter anderem bereits 46 Luftangriffe auf Ziele in Afrika angeordnet. Diese Angriffe sollen sich auf die somalische Terrormiliz Al-Shabab konzentrieren. (9) Dabei ist bekannt, dass bei Drohnenangriffen meist vor allem Zivilpersonen umkommen, nicht des Terrorismus Verdächtige die ins Visier genommen werden.

Von 1975 – bis Ende Juni 2020 exportierte die Schweiz für 19,7 Milliarden Schweizer Franken Kriegsmaterial, zum Töten. (16,4 Mia. Euro)

Im ersten Halbjahr 2020 exportierte die Schweiz Kriegsmaterial im Wert von mehr als 501 Millionen Franken (466 Mio. Euro)  Dies ist eine Steigerung von fast 184% im Vergleich zum ersten Halbjahr 2019 und fast so viel wie im gesamten Jahr 2018. Doch das war nicht «interessant», Corona war das Thema für die Medien.

Laut der offiziellen Statistik des Bundes exportierte die Schweiz von 1975 – bis Ende Juni 2020 für 19,7 Milliarden Franken Kriegsmaterial. (16,4 Mia. Euro). Verkauft wurden diese Rüstungsgüter zu einem großen Teil an kriegführende Nato-Staaten, in Spannungsgebiete, an menschenrechtsverletzende Regimes und an arme Länder in der Dritten Welt, in denen Menschen hungern und verhungern. In den 19,7 Milliarden Franken sind die besonderen militärischen Güter nicht eingerechnet, die ebenfalls exportiert wurden, aber nicht in der offiziellen Statistik erscheinen. Auch die Finanzierung von Waffengeschäften durch Schweizer Banken erscheinen in diesen Zahlen nicht. Schweizer Geldinstitute, die Nationalbank, Banken, Versicherungen und Pensionskassen investierten in den letzten Jahren sogar in Firmen, die an der Atomwaffenproduktion, an der Herstellung von Anti-Personenminen und Clusterbomben beteiligt sind.

Fußnoten

(1) «Friedenskette mit Schal» von Enrico Kampmann, St. Galler Tagblatt 10. September 2020

(2) https://www.waffenvombodensee.com/firmen/

(3) https://www.waffenvombodensee.com/

(4) https://www.ae911truth.org/

(5) «Die 1843 in Prag geborene Bertha Sophia Felicita Baronin von Suttner definiert den Frieden als naturrechtlichen Normalzustand und sieht den Krieg als eine Folge menschlichen «Irrwahns». 1905 wird die österreichische Pazifistin als erste Frau überhaut mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Sie starb am 21. Juni 1914 in Wien. Eine Woche bevor am 28. Juni das Attentat von Sarajewo den Ersten Weltkrieg auslöst. (Text auf der Rückseite des Buches «Die Waffen nieder!)

(6) Eveline Hasler, DER ZEITREISENDE – DIE VISIONEN DES HENRY DUNANT

dtv 2003, 206 Seiten, broschiert, EAN 978-3423130738

(7) www.sipri.org.

(8)https://www.welthungerhilfe.de/hunger/

(9) «46 Drohnenangriffe seit Januar allein in Afrika» (sda), Tages Anzeiger 8. September 2020)


Wildkogel Arena Bramberg Neukirchen

Let`s Talk About Sex, Baby!

Ja genau, heute rede ich über Sex! Alle haben ihn (also angeblich), aber darüber reden tun nur wenige. Worte finden über die angeblich schönste Sache der Welt, fällt vielen Menschen, auch in der heute ach so aufgeklärten Zeit, schwer.

Sonja Schiff

Von Sonja Schiff

Und auch ich merke in mir Widerstände: „Kannst Du doch nicht machen! Viel zu persönlich! Was geht das fremde Menschen an?“ raunt mir etwa jetzt beim Schreiben eine tadelnde, innere Stimme zu und ich ertappe mich dabei, wie ich um Worte ringe, sie so viel mehr auf die Waagschale werfe, als ich es sonst beim Bloggen mache.

Na dann mal los…..Lets Talk About Sex!

Emotionales Chaos und fader Sex

Wie aufmerksame LeserInnen meines Blogs mitbekommen haben, gings bei mir rund in den letzten 6 Monaten. Ich war verliebt in einen jüngeren Mann. Heftig verliebt. Und das als verheiratete Frau. Monatelang stand ich unter Strom, war mein Leben eine Achterbahn der Gefühle und meine fast 20 Jahre andauernde Beziehung lag im Chaos. Vor kurzem haben sich die Wogen geglättet und ich bin wieder bei mir selbst und bei meinem Mann gelandet. Wer jetzt glaubt, damit wäre alles gerettet und es würde so weiterlaufen wie vor meiner Verliebtheit, der irrt. Die eigentliche Arbeit hat jetzt erst begonnen. Die Auseinandersetzung mit unserer Partnerschaft. Und ja genau: Es geht dabei auch um unseren und meinen Sex.

Der war in den letzten Jahren vorhanden. Aber er war, nun ja, irgendwie Routine. Jeder Handgriff saß. Jede Berührung war bekannt. Kurzum: Vertraut, aber langweilig. Sex, der sich „auf den kleinsten gemeinsamen Nenner reduzierte“, wie ich gerade in dem Buch Reifestufen der sexuellen Liebe (von Notburga Fischer) über Sex in langjährigen Beziehungen lesen konnte. Sex, dem die Spannung verloren gegangen war.

„Du musst genügsamer sein“ empfahl mir ein lieber Freund, der selbst alle paar Monate, sobald das große Flirren vorbei ist, seine Partnerinnen wechselt, und erklärte weiter „in langjährigen Beziehungen ist der Sex halt langweilig“. Punkt. 

„Irgendwie bist du schon ein Sexmonster!“ warf mir auch die Freundin vor, der ich gestand, dass ich wieder heißen Sex haben möchte, komme was da wolle. Sexmonster? Nur weil ich durch meine plötzliche Verliebtheit realisiert habe, dass mir etwas Großes im Leben fehlt. Erotik, die unter die Haut geht und von dort direkt ins Herz und meine Seele!

Ist Monogamie eine Illusion?

Also habe ich recherchiert und über Sex gelesen, mit Menschen geredet, auch auf etwas unkonventionellen Wegen:

Ich habe mich etwa auf einer Sex-Dating-Plattform eingeloggt. Ja, Du liest richtig! Gibt ja auch niemand zu, ebenfalls ein großes Tabu. Das tut man doch nicht als verheiratete Frau! Tztztztztztzt…..

Iiiiigitt, so grauslig“ befand denn auch jener Freund, der mir vorher empfahl genügsamer zu sein, und sah mich dabei an als wäre ich eine Aussätzige. Dabei wollte ich irgendwie nur meinen sexuellen „Marktwert“ kennen, wollte nur wissen, ob ich noch könnte, wenn ich wollte. Ergebnis: Ich könnte. Jeden Tag wohl zig Mal!

Die für mich wichtigste Erkenntnis aus der Sex-Dating-Plattform war aber eine andere: Soooooo viele Männer und Frauen, die in Beziehungen sind, gehen fremd. Monogamie ist sichtlich oft nur Schein. Innerhalb von nur einer Woche haben mich 800 Männer aus dem Raum Salzburg und Bayern angeschrieben, die mich kennenlernen wollten. Davon waren 90% verheiratet, sie beschrieben sich als „sexuell unterfordert“ und „sexuell gelangweilt“ oder meinten „meine Frau lehnt meine Neigung ab“ beziehungsweise meinten sogar, sie wären „sexuell in einem jämmerlichen Zustand“. Sie waren Lehrer, Universitätsprofessor, Unternehmer, Tischler, IT-Techniker, Geschäftsführer, Richter, kurzum aus allen Gesellschaftsschichten. Als ich mich spaßeshalber auch als Mann einloggte, machte ich ähnliche Erfahrungen. Auch viele Frauen suchen Sex außerhalb ihrer Ehe und ihre Begründungen sind gleichlautend.

Kämpfen und weiterentwickeln statt fremdgehen!

Ich bin nicht alleine, war mir da mit einem Schlag klar. Es sind viele, die mit ihrer Sexualität unzufrieden sind, die etwas vermissen, die Sehnsucht haben nach mehr Aufregung, Abwechslung, nach mehr Intensität, die sich lebendigeren und erfüllenderen Sex in ihrer Beziehung wünschen! Seit ich in meinem Umfeld darüber spreche, wispern mir viele Freunde und Freundinnen zu, wie enttäuschend auch ihre Sexualität sei und wie traurig sie über den Verlust ihrer gemeinsamen Erotik sind, aber auch wie hilflos.

Nein, ich bin kein Sexmonster! Nein, Genügsamkeit ist keine Lösung! Aber ob heimlich zu Pornos masturbieren, ob heimlich fremd zu gehen und zu Hause Orgasmus und Erregung vorzutäuschen, wie mir viele berichteten, eine Lösung ist? 

Nein, habe ich entschieden. Dafür bin ich zu jung und ist mir mein Mann zu wichtig! Ich möchte für guten Sex, und damit auch für meine Beziehung, kämpfen. Und ja, das tut dem Gegenüber, aber auch einem selbst, erstmal weh. Das verunsichert. Auch weil irgendwie die Worte fehlen, man dem Partner nicht weh tun will, es so viel Hilflosigkeit gibt beim Ansprechen und auch so viel Widerstand. Immerhin schien Jahre lang alles in Ordnung!

Ich habe auf alle Fälle kürzlich den Mann vor den Kopf gestoßen und dabei alles kurz und klein und in Scherben geschlagen. ALLES! Volles Risiko! 

ABER: Aus Scherben kann Neues entstehen!  Daran arbeiten wir jetzt. Mit ganz viel Liebe. Und ich bin sehr zuversichtlich, dass ich bald wieder wunderbaren und intimen Sex haben werde, mit dem besten Ehemann der Welt.

We are in progress….. 🙂

Und Du? Hast Du erfüllenden Sex mit deinem Partner/ deiner Partnerin? Oder gehst Du fremd. täuschst vor, bist genügsam?

Ich freue mich über ehrliche Berichte und Stellungnahmen meiner LeserInnen!

Abschließende Anmerkung: Diesen Artikel hat Sonja Schiff am 4. August auf ihren Blog: Vielfalten.com erstmals veröffentlicht.
Warum bloggt jemand öffentlich über so etwas Persönliches? Narzissmus? Drang zur Selbstdarstellung? Nun, ich finde es gibt viel zu viele Tabus auf dieser Welt. Wie viele Erfahrungen wir Menschen mit uns selbst ausmachen müssen, weil es sich nicht gehört darüber zu reden!  Dabei wäre es total wichtig diese Erfahrungen zu teilen, damit andere, die vielleicht gerade in einer ähnlichen Situation sind,  bereichert werden. Mit der Eröffnung dieses Blogs (Vielfalten.com – Fortgeschritten leben jenseits der 50) im Jahr 1996 habe ich beschlossen diese Tabus zu brechen und auch jene Lebenserfahrungen hier öffentlich zu schildern, über die man normalerweise nicht spricht. Mögen Sie jenen, die gerade mit sich ringen, ein wenig beim sich-selbst-wieder-finden helfen. 


Masken

corona. oder dieUNvernunft

Die Coronapandemie ist noch nicht vorbei. Die Vorsichtsmaßnahmen werden von vielen Mitbürgern in letzter Zeit nicht mehr sehr ernst genommen. Hoffentlich müssen wir diesen Leichtsinn nicht noch bereuen. Die aktuellen Lockerungen sind nur möglich, solange die Infektionszahlen überschaubar bleiben.

Karl Traintinger

corona.
oder. dieUNvernunft.

Rochus Gratzfeld

Von Rochus Gratzfeld, Salzburg & Sarród

Heute war ich mal wieder im grenznahen Österreich. Land der Burgen, Land der Blöden.

APOTHEKE
dem bekannt geizigen über 70 Jahre alten Herrn Apotheker baumelt die Maske ums Kinn. sein ausschliesslich weibliches Hilfspersonal. Masken Fehlanzeige.
Handschuhe. Ist ja keine Gärtnerei.
HaHaHa.

SPARwallern
ach watt.
hier ist Corona vergessen.
Beim Personal. Bei den KäuferInnen.
der Kaas geht wieder von schwitziger Hand über die Theke.
das Fleisch ist wieder richtiges Fleisch.
angefasst gehört.
die Ware und die Menschen.
und lustig ists.
sich prustend und schniefend an der Kassa anlachen ist halt nur ohne Masken echt menschlich.

corona

(
heutige Meldung: die Anzahl der Neuinfektionen in Österreich steigt wieder deutlich an.
)


Löwenzahn - Corona

Coronale Disruptionen

Ab 16. März war klar: Aufgrund der Corona-Pandemie kommt es zu einem lockdown mit einem Verbot öffentlicher Veranstaltungen. Von nun an hatten die Virologen, Mathematiker und Gesundheitspolitiker das Sagen. Vieles andere war von da an – wenn nicht kritische Infrastruktur oder systemrelevantes Schlüsselpersonal – sekundär.

Karl Bauer

Von Karl Bauer

Wirtschaft, Schulen, Sport, Konsum und Kultur standen von einem Tag auf den anderen still, Kurzarbeit und Arbeitslosigkeit stiegen vorübergehend an. Alles richtete sich auf die Bekämpfung der Virusausbreitung aus, um das Gesundheitssystem nicht zu überlasten und alte bzw. vorbelastete Menschen nicht zu gefährden. Das Ausgehen ohne einem der vier genannten Gründe wurde deshalb verboten und bestraft, einige fürchteten sogar einen Verlust unserer demokratischen Grundrechte. Der Lebensalltag verlegte sich nach Hause, wo neue Probleme warteten: Ständiges Zusammenleben in der Familie in einer engen Wohnung bzw. Einsamkeit, tägliches Kochen statt konsumieren, eingeschränkter Lebensraum und home-office. Eine Folge ist der sprunghafte Anstieg von Telefonaten, Internet, social media und von Videokonferenzen.

___STEADY_PAYWALL___

Nach dem relativ schnell gelungenen Abflachen der Infektionskurve und hunderter Todesfälle beginnt man nun mit stufenweisen Lockerungen des lockdowns, wissend, dass es jederzeit und überall zu einem Wiederausbruch durch Bildung von Hot-spots kommen könnte. Veranstaltungen sind bis auf weiteres verboten und treffen gerade Sport und Kultur hart. Aufführungen, Ausstellungen und Konzerte bleiben im Kulturland Österreich geschlossen und haben schwerwiegende Folgen auf die dort Beschäftigten oder Freiberufler, die gesamte Branche stöhnt unter dem Stillstand und auch das (v.a. internationale) Publikum bleibt aus. Andererseits gelten die allgemein zur Verfügung stehenden Möglichkeiten der Kurzarbeit auch hier. Damit hat die Kultur nicht gerechnet, war nicht vorbereitet und ist erst nach einer einmonatigen Schrecksekunde wach geworden. Kulturmedizinisch werden uns längerfristig chronische Auswirkungen in Form von andauernden Gleichgewichtsstörungen verfolgen, bis sich eine belastbare Resistenz gegenüber der Krise entwickelt. Der Angst vor dem Virustod folgt nun die Angst vor einem Kulturtod, dem ein (äußerst seltener) shockdown-Infarkt vorausging.

Wie kann sich unter diesen Umständen die Kunst neu definieren, neu erfinden, welche Antworten gibt es aus der Szene und der Politik? Die Kulturpolitik war bisher schon sehr ausdifferenziert und hat die Hochkultur im Kulturland Österreich dominiert. Kleine, regionale Initiativen oder EPUs haben es da schwerer, die Voraussetzungen zu erfüllen und werden meist nur projektbezogen gefördert, was ihnen in krisenhaften Zeiten auf den Kopf fällt. Reflexartig wurde mit traditionellen Politikerbeschimpfungen und mit Forderungen nach einem bedingungslosen Grundeinkommen begonnen, frei nach der ewig erhobenen, gebetsmühlenartigen Litanei, die schon aufgrund jahrzehntelanger Wiederholungen nicht mehr wahrgenommen wird. Ohne zuvor konkrete Vorschläge kooperativ zu erarbeiten, haben sich einzelne Kulturgrößen für sich wortgewaltig, aber ergebnisoffen zur weiteren Vorgehensweise exponiert.  Es verwundert auch, dass die Bundespolitik die Kulturszene von sich aus bislang wenig beachtet hat und deren Vertreter noch eher “grün” sind. Regelungen für Kurzarbeit und Härtefälle werden vom Bund zwar angeboten, dringliche Lösungen für EPU blieben bislang offen. Auf steirischer Landesebene sichert man  zwar die laufenden Projekte ab, steht aber prekären Lebenssituationen bzw. den dahinterstehenden Menschen passiv gegenüber. Eine Corona-Stiftung und Soforthilfen werden nun angeboten, die Ausschreibung zur Errichtung von “Coronadenkmälern” fällt da ob ihrer Originalität auf. Vergleichend sei auch ein Lichtblick nach Wien erlaubt, wo zumindest die Fiakerpferde einen 250.- Futtergutschein bekommen, in Salzburg sind es noch 140.-! – Was für ein Hohn den Künstler_innen gegenüber! Und auf Gemeindeebene – ausserhalb der großen Kulturhauptstädte – kann man ja den üblichen Heizkostenzuschuss, den Sozialladen oder die Gratis-Lebensmittelzustellung in Anspruch nehmen.

Kunst und Krise passen nicht zusammen; noch dazu, wenn sie plötzlich kommt und sie unvorbereitet trifft. Was aber tun, wenn sich die Prioritäten ändern und das Einkommen bzw. die Wohlfühlfunktionen eingeschränkt werden? Die Kunst lotet meist bewusst die Grenzen aus, Künstler_innen sind oft Grenzgänger und einer Krise existentiell ausgeliefert.  Als kulturelle Präventionsmöglichkeit kann man sich als Kunstschaffende/r als auch -konsument/-in in Heimarbeit (auch mit online-Aktivitäten) flüchten, reflektieren, auftanken, spezialisieren, probieren….! Das schärft zwar den Blick und die Technik, schafft aber noch keine Wertschöpfung. Mögen dabei die Reproduktionsraten (welche auch immer) steigen, als Künstler/-in braucht man auch Einnahmen, die vom Verkauf der Werke kommen sollten. Dies setzt ein platziertes Anbieten und eine Nachfrage voraus, die mit (Eigen-) Werbung ergänzt werden soll. Gratis-Balkonkonzerte, virtuelle Galerieführungen oder online-Lesungen bringen nichts, solange die Besucher keinen Eintritt bezahlen oder kaufen können. Beim Kunstkonsum daheim fehlt es auch an Kommunikation und am Buffeterlebnis.  Kunst allein zu produzieren macht evtl. Spass, Kunst allein zu konsumieren eher nicht. Gerade in dieser Krise hat die Kunst aber eine neue Bedeutung und Aufmerksamkeit gewonnen: Wer von uns hat nicht im lockdown mehrere Bücher gelesen, Musik gehört oder virtuelle Ausstellungen besucht? Diese neue Bedeutung der Netzkunst müsste jedenfalls neu definiert und kommerziell zugänglich und genützt werden, um in Zukunft krisenfester zu werden. Dafür müsste das Publikum bereit sein, kleine Beträge zu bezahlen. Der ORF überträgt zwar exklusive Opern und Kabarettprogramme, regionale Festivals gehen dabei leer aus. Genauso wichtig wird es sein, online-Diskussionen, Videokonferenzen, usw., anzubieten, um sich fachlich auszutauschen oder zu planen.

Die Tatsache, keine Rücklagen für schlechte Zeiten angespart zu haben und dadurch in Krisenzeiten wenig resistent zu sein, ist in der Wirtschaft längst bekannt. Deswegen versucht man dort auch, die Liquidität zu erhalten, was in der Kultur bislang auf allen Ebenen unbekannt scheint. Die persönliche Durchhaltefähigkeit ist dann begrenzt, wenn man nur in der Gegenwart und ohne persönliche Sicherheiten lebt, um plötzlich festzustellen zu müssen, dass die elementaren Bedürfnisse nicht länger erfüllt werden können. Hier liegt es an uns allen, unsere Umgebung dahingehend zu beobachten, eine menschliche Notlage zu erkennen und direkt zu helfen. Die Gemeinden sollten dabei einem sozialem Abtriften rechtzeitig entgegenwirken, eine Notversorgung anbieten und damit die biologische Überlebensfähigkeit prekärer Lebensmodelle auf Zeit absichern – sie tun dies schon in der Jugendarbeit, bei Drogenabhängigen oder Obdachlosen. Dann wird uns auch klar: Die saturierte, grenzenlose Spaßgesellschaft wie vorher wird es so nicht mehr geben können, es braucht mehr Achtsamkeit, Perspektive, Kooperationswillen und Wertschätzung!

Ob Kunst und Kultur ein Lebens- oder Genussmittel sind, darüber kann man nicht nur in Salzburg herzhaft streiten, aber:

„Der tiefere Skandal liegt darin, dass die Kunst Verschwendung ist. Zum physischen Überleben brauchen sie wir nicht. Was der Mensch zum Überleben braucht, sind Brot und Früchte und sauberes Wasser, und tatsächlich leben auf diesem Planeten Abertausende, denen Brot und Früchte, denen insbesondere das saubere Wasser fehlt. Das einzige, was nirgendwo zu fehlen scheint, sind die Kalaschnikows.” (Peter von Matt, Eröffnungsrede bei den Salzburger Festspielen, 2012, in: Kleine Ztg. vom 28.7.2012).


Konzernverantwortungsinitiative JA!

Coronavirus: Schuhmachern wurde verboten Schuhe zu flicken…

Wie bisher: Kriegsmaterialexporte, Finanzierung Waffengeschäfte und Milliardeninvestitionen in Rüstungskonzerne

Seit Wochen lesen, sehen und hören wir fast nichts anderes als von Corona. Wir Alten sollen gefälligst zu Hause bleiben. (1) (2) Die Lage der Flüchtlinge in Griechenland, in der Türkei, im Libanon, in Libyen und in der Schweiz ist während dieser alles dominierenden Corona Seuche fast kein Thema mehr.

Heinrich Frei

Von Heinrich Frei

Auch an die Flüchtlinge in unserem Land, die in einem Bunker hausen müssen und an abgewiesene Asylbewerber die in der reichen Schweiz mit einer Nothilfe, von etwa 7.50 Franken pro Tag leben müssen wird kaum mehr erinnert.

(3) https://www.conviva-plus.ch/?page=2452

Multis können vorläufig ungestraft weiterwirtschaften

Die Volksabstimmung über die Konzernverantwortungs-Initiative wird vermutlich dank Corona vertagt. Die Multis können wie bisher weiter ungestraft weiterwirtschaften. Sie müssen vorläufig für ihre skrupellosen Geschäfte noch nicht geradestehen, wie es die Initiative verlangen würde. Es ist leider sehr unsicher, ob die Initiative vom Volk dann bei der Abstimmung auch angenommen wird.

(4) https://konzern-initiative.ch/

Wie bisher: Kriegsmaterialexporte, Finanzierung Waffengeschäfte und Milliardeninvestitionen in Rüstungskonzerne

Rheinmetall Air Defence in Zürich-Oerlikon

Die furchtbaren Kriege im Jemen, in Syrien, im Irak, in Afghanistan, in Somalia und in Libyen, die Millionen Menschen den Tod gebracht und zu Flüchtlingen gemacht haben machen seit Corona keine Schlagzeilen mehr. 27 Kriege sind heute im Gange, angeheizt durch Waffenexporte.

Täglich sterben 15’000 Kinder an Unterernährung. Daneben werden heute täglich 5 Milliarden US-Dollar für den Krieg, die Rüstung und das Militär vergeudet, statt zum Wohle von Kindern, von Menschen. 1800 Milliarden US-Dollar im Jahr für diesen Unsinn.

Neben Corona wird das Geschäft mit dem Krieg in der Schweiz kaum mehr kritisiert: die Waffenexporte, die Finanzierung von Waffengeschäften, die Investitionen von Milliarden in Rüstungskonzerne.

Den Schuhmachern wurde im Zusammenhang mit Corona verboten Schuhe zu flicken. Den hier ansässigen Kriegsmaterialproduzenten, der deutschen Waffenschmiede Rheinmetall, dem US-Rüstungskonzern General Dynamics (Mowag) dem bundeseigenen Rüstungsunternehmen RUAG und der Firma Pilatus hingegen wurde nicht untersagt weiter an die ständig irgendwo kriegführenden Nato-Staaten und an Folterregime Rüstungsgüter zu verkaufen

RUAG in Zürich-Seebach

Zu erinnern ist:

«Kriegsmaterialexporte sind verboten, wenn das Bestimmungsland in einen internen oder internationalen bewaffneten Konflikt verwickelt ist»,

laut der Kriegmaterialverordnung

(5) https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19980112/index.html

Das Geschäft mit dem Krieg wird nicht durch bundesrätliche Aufrufe gestört

Die Schweizerische Nationalbank, die UBS, die Credit Suisse, Versicherungen und die Pensionskassen, auch die SBB Pensionskasse (Schweizerische Bundesbahnen)  wurden von den Bundesrätinnen und Bundesräte nicht dazu aufgerufen «zu Hause zu bleiben». Das heisst ab sofort nicht mehr in die todbringenden ausländischen Rüstungskonzerne zu investieren. Diese helvetischen Institute legen ihr Gelder heute sogar in Unternehmen an, die an der Produktion von verbotenen Waffen beteiligt sind, von Atombomben, Streubomben und Antipersonenminen.

Wird Bankrätin Vania Alleva versuchen bei der Nationalbank etwas zu ändern?

Zu hoffen ist, dass Frau Vania Alleva, Mitglied des Bankrats der Schweizer Nationalbank seit 2019, Präsidentin der Gewerkschaft Unia und 1. Vizepräsidentin des Schweizerischen Gewerkschaftsbundes SGB versuchen wird, dass unsere Schweizerische Nationalbank und auch die Banken, Versicherungen und Pensionskassen keine Mittel mehr in Rüstungskonzerne mehr investieren.

Schweiz 2019: 43 Prozent mehr Kriegsmaterial exportiert als 2018

Unser Land verkaufte im letzten Jahr, 2019, Rüstungsgüter im Wert von 728 Millionen Franken. Das waren 43 Prozent mehr als im Vorjahr, als 2018. In diesen Zahlen sind die besonderen militärischen Güter, die ebenfalls exportiert wurden, nicht eingerechnet.

Die Schweizerische Nationalbank, Banken Versicherungen und Pensionskassen investierten Milliarden auch in ausländische Rüstungskonzerne, die dank den 27 Kriegen die heute im Gange sind und der weltweit irren militärischen Aufrüstung grosse Profite machen. Besonders bedenklich waren die Investitionen dieser Institutionen in ausländische Konzerne die an der Produktion von Atombomben, Streubomben und Antipersonenminen beteiligt waren. In der Schweiz sind diese Waffen verboten, auch die Finanzierung.

Im Jemen sind 28 Millionen Menschen von Hunger, Cholera und Hunger geplagt. Unsere Kunden der Rüstungsindustrie, allen voran die USA und Grossbritannien, unterstützen diese Kriege logistisch mit Waffenlieferungen. Saudiarabien die Arabischen Emirate und Bahrein, Abnehmer von Rüstungsgütern aus der Schweiz, beteiligen sich direkt an diesem Krieg im Jemen. Laut den neuesten Zahlen des Stockholmer Internationalen Friedensinstituts SIPRI waren es im Laufe des Jemenkriegs 33 Länder, die Waffen im Wert von weit über 36 Milliarden US-Dollar an die im Jemen kriegführende Koalition verkauft haben – 58 Prozent davon stammen aus den USA, gefolgt von Frankreich, Russland, Grossbritannien und Deutschland. Auch die Schweiz gehört zu diesen Kriegsgewinnlern.

Von 1975 – 2019 19,2 Milliarden Schweizer Franken für den Krieg, zum Töten

Laut der offiziellen Statistik des Bundes exportierte die Schweiz von 1975 – 2019 für 19,2 Milliarden Franken Kriegsmaterial. Verkauft wurden diese Rüstungsgüter zu einem grossen Teil an kriegführende Nato-Staaten, in Spannungsgebiete, an menschenrechtsverletzende Regimes und an arme Länder in der Dritten Welt, in denen Menschen hungern und verhungern. In den 19,2 Milliarden Franken sind die besonderen militärischen Güter nicht eingerechnet, die ebenfalls exportiert wurden, aber nicht in der offiziellen Statistik erscheinen. Auch die Finanzierung von Waffengeschäften durch Schweizer Banken erscheinen in diesen Zahlen nicht. Schweizer Geldinstitute, die Nationalbank, Banken, Versicherungen und Pensionskassen investierten in den letzten Jahren sogar in Firmen, die an der Atomwaffenproduktion, an der Herstellung von Anti-Personenminen und Clusterbomben beteiligt sind.

Zahlen 1975 – 1982: Kriegsmaterial-Exportstatistik 1975-1982, aus «Waffenplatz Schweiz, Beiträge zur schweizerischen Rüstungsindustrie und Waffenausfuhr», Herausgegeben vom Tagungssekretariat «Für das Leben produzieren», Oktober 1983.

Zahlen ab 1983: «Staatssekretariat für Wirtschaft SECO»

„direkte und indirekte Finanzierung“ von verbotenem Kriegsmaterial

Laut dem Kriegsmaterialgesetz ist die „direkte und indirekte Finanzierung“ von verbotenem Kriegsmaterial schon heute klar untersagt. Verbotene Waffen sind in der Schweiz chemische und biologische Waffen, Atombomben, Streubomben und Antipersonen Minen.

(6) https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19960753/201302010000/514.51.pdf

Fussnoten

Zur Corona Epidemie

(1) Hier etwas Kritisches zu Corona aus der Schweiz, von Urs P. Gasche auf Info Sperber:

https://www.infosperber.ch/Artikel/Gesundheit/Corona-Statt-zu-informieren-fuhren-Behorden-eine-PR-Kampagne

(2) Hier Kritisches zu Corona aus Deutschland

ARTIKELÜBERSICHT Corona-Manöver
Allen Spins und Hintergründen nachspüren
Von NRhZ-AutorInnen

http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=26721

(3) https://www.conviva-plus.ch/?page=2452

(4) https://konzern-initiative.ch/

(5) https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19980112/index.html

(6) https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19960753/201302010000/514.51.pdf

Siehe auch:

Schweiz stoppt Kriegsmaterialexporte, Finanzierung Waffengeschäfte und Investitionen in die Rüstungsindustrie nicht. Mit Waffenexporten werden Kriege geschürt – und Flüchtlinge produziert, von Heinrich Frei

http://www.nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=26659

Weitere Texte von Heinrich Frei in der Dorfzeitung >


Dorfzeitung


Die Schule daheim

muttis-naehkaestchen

Ein Appell an alle Lehrerinnen und Lehrer – weil klar ist, dass auch nach Ostern die Homeschooling-Zeit weitergehen und dann auch neuer Stoff erarbeitet wird:

Liebe Lehrerinnen und Lehrer,
vielen Dank, dass ihr euch auch in Corona-Zeiten so sehr um unsere Kinder bemüht! Aber bitte bedenkt: Auch wenn unsere Kinder selbständiges Lernen eventuell schon beherrschen müssten, so sind doch wir Eltern tagtäglich gefragt – beim Strukturieren, beim Lernen, bei Verständnisproblemen, beim Motivieren.

Muttis Nähkästchen

Von Birgit Strohmeier

Selbst wenn ihr dankenswerterweise im Chat für Fragen zur Verfügung steht, so sind es doch wir Eltern, die als erstes um Rat angefleht werden. Natürlich tun wir Eltern unser Bestes, aber wir sind keine Pädagog*innen und müssen uns erstmal in die verschiedenen Materien hindenken und recherchieren. Zudem müssen viele von uns auch noch unsere Leistung in systemerhaltenden Bereichen oder im Homeoffice, in der Erziehung und im Haushalt erbringen.

Ganz ehrlich: es kommt regelmäßig zu Verzweiflung – bei den Kindern UND bei den Eltern. Die Kinder verzweifeln, weil Angaben manchmal unklar sind, weil ein Arbeitsauftrag nach dem anderen den Berg der To-dos immer noch größer macht oder, weil wir schlichtweg mit den technischen Gegebenheiten kämpfen. Manchmal fließen auch Tränen. Wir Eltern verzweifeln, weil wir durch die Hilferufe der Kinder nur mäßig konzentriert an eigenen Aufgaben arbeiten können. Viele Eltern arbeiten nachts, um die eigenen To-dos bewältigen zu können – und kratzen damit heftig an den eigenen Belastungsgrenzen.

🙏 Bitte seid nachsichtig, wenn etwas nicht wie erhofft läuft. 🙏 Bitte stellt dem Wissensstand bzw. Reifegrad angepasste und vor allem KLARE Aufgaben. 🙏 Und bombardiert uns bitte nicht mit Mails und überbordenden Arbeitsaufträgen. WENIGER IST MEHR! Hier wird gearbeitet – versprochen! Wir alle miteinander haben enorm steile Lernkurven!

Und jetzt freuen wir uns alle – Lehrer*innen, Schüler*innen UND Eltern – auf die verdienten Osterferien! 🙌

Siehe auch:
Schmerzlich vermisst: Höflichkeit, Respekt und ein ehrliches Lächeln


Dorfzeitung.com


bella, bella, bella

Bella, bella, bella….

Vor 300 Jahren. Die Pest.
Karneval in Venedig. Menschen tragen Masken. Vor allem die des Pestarztes.
Schnabelförmig. In sie steckte man Watte mit ätherischen Ölen. Zudem trug ein
Pestarzt – und demnach auch der Karnevalist – einen langen Stock, um die Patienten
auf Distanz zu halten.

Rochus Gratzfeld

Gedanken aus Bleistift von Rochus Gratzfeld
Salzburg & Sarród

1912. Der Text von Thomas
Mann, Tod in Venedig, wird veröffentlicht.

2020. Der venezianische
Karneval wurde abgesagt. Menschen sterben. Massenhaft. Fische kehren zurück in
die Kanäle. Menschen tragen Masken. Zwei Meter Abstand zum Gegenüber. Weltweit.

1975. Die „Generation Vico
Torriani“ macht sich auf an die Seen Oberitaliens. So auch meine Eltern. Sie
kratzen Geld zusammen und erwerben ein Steinhaus in einem abgelegenen Dorf
oberhalb des Lago Maggiores. Wurde mir Heimat. Auch meinen Kindern. Von
Katastrophen blieben wir verschont. Weitgehend.

1986. Roberto. Erst wurde
ihm übel, die Knie wurden weich. “Dann konnte ich nichts mehr sehen und
kaum noch atmen”, klagte er. Die Ursache: Methylalkohol, in Wein gemischt.
Andere sind noch schlimmer dran. Bruna wurde in tiefem Koma in das Mailänder
Krankenhaus “Fatebenefratelli” eingeliefert. Alvaro starb auf der
Intensivstation des städtischen Krankenhauses “Niguarda”. Ich
erinnere mich, wie wir jedes Glas Rotwein vor dem Trinken testeten. War da ein
blauer Schimmer im Glas – weg damit und die ganze Flasche gleich hinterher.

Im selben Jahr. Frühling.
Es ist ungewöhnlich heiß. Suchen Abkühlung in der eiskalten Maggia. Die Mutter
meiner Kinder, mein Sohn, der in diesem Jahr 40 wird, und ich. Wissen nicht,
dass der Wind gerade eine unselige Fracht zu uns trägt. Aus Tschernobyl.

1975. Eine hochbetagte Frau
schafft Holz in eine Kiepe. Sie geht in die Knie, lädt ohne fremde Hilfe die
Last auf den längst gebeugten Rücken. Transportiert sie in ihr Haus. Entzündet
den Ofen im einzigen beheizten Raum. Der Küche. Davor steht ein Bett.
Ruhestätte für sie und ihre Tochter.

2020. Habe das Dorf vor
Jahren verlassen, das wunderbare Steinhaus verkauft, die Erinnerungen behalten.
Behalten habe ich auch eine Kiepe. Die Kiepe. Sie steht heute neben dem
Kachelofen in unserem Haus in Ungarn. Wieder ein See. Keine Berge. Meine Frau
und ich befinden uns zusammen mit unseren zwei Hündinnen in selbstgewählter
Isolation. Hier in Pannonien. Die Grenzen sind geschlossen. Angst ist spürbar.
Mit Menschen aus dem Dorf am großen See bin ich in Kontakt. Es geht ihnen
weitgehend gut. Wieder Frühling.

Bella, bella, bella….

(Erstmalig veröffentlicht auf story.one)


Cristo Redentor in Rio

Tropische Bauchredner

Die kuriose
Kehrseite der Geschichte Brasiliens

Brasilianer benutzen gerne zwei verschiedene Worte für Geschichte! Sie gebrauchen den Begriff „Estória“, wenn von einer Erzählung, von Fiktion die Rede ist. „História“ wiederum schreiben sie, wenn konkrete Fakten gemeint sind und ernsthafte Historiker am Werk waren, um aus der Vergangenheit eine Wissenschaft zu machen.

Reinhard Lackinger

Von Reinhard Lackinger
Salvador, Bahia, março 2020

Es dauert eine
Weile bis ein Fremder in einem verrückten Land wie Brasilien versteht, dass
gelegentlich „Estória“ mit „História“ vertauscht wird und dass es
sich bei Geschichte um ein ganz anderes Thema handelt 

Nachdem ich mein
Projekt als Entwicklungshelfer im Landesinnern Bahias verlassen hatte, um in
Salvador, Bahia eine neue Existenz zu versuchen, stieß ich sofort auf gebildete
Brasilianer. Das heißt, ich verkehrte in meiner Freizeit fast ausschließlich
mit graduierten Menschen und Studenten, die gerade einen Universitätskurs
absolvierten.

Das war Anfang der
70 er Jahre. Ich war damals zu sehr mit der neuen und lokalen Lebensweise, den
kuriosen Wertvorstellungen der Brasilianer und der Geschichte des Landes
beschäftigt, um Naheliegendes zu bemerken. Und zwar, dass die meisten meiner
neuen Bekannten nur ein einziges Ausland zu kennen schienen! Florida mit Miami,
Orlando und Mickey Mouse! Das US-T-Shirt ist meinen Baianos heute
noch viel näher als der mitteleuropäische Wintermantel. 

Die Alliance
for Progress
hat ihr Ziel erreicht! Junge Amerikanerinnen und Amerikaner
haben ihre Pflicht erfüllt und waren mittlerweile abgereist und in ihre
Kuhdörfer nordamerikanischer Einöde zurückgekehrt. Onkel Sam hat Brasilien
erfolgreich vor der akuten Bedrohung geschützt, die kubanische und sowjetische
Kommunisten repräsentierten.

Die jungen Opfer
jener nordamerikanischen Gehirnwäsche sagten mir wenig! Mich interessierten
erwachsene Menschen, mit denen ich über Brasilien sprechen konnte!

Aber jedes Mal,
wenn ich mit Virginia dos Santos Monte, Sylvio Matoso, Teodoro Pereira de Souza
oder sonst einer mir bekannten Person aus der gehobenen Gesellschaft Bahias
telefonierte, kam es mir vor, als hätte ich den Magen voller Sägespäne.

Es war mir ein
Rätsel, dass jemand Fakten, Zustände und Gegebenheiten, die mit sozialer
Ungleichheit und gewissensloser Vergeudung von Produktionsmittel anders sehen
konnte als ich. Das verwirrte mich!

Was meiner
unbescheidenen Meinung nach nur eine Frage von gesundem Menschenverstand sein
konnte, gewann plötzlich andere Farben und Dimensionen. Das Telefongespräch
wanderte in eine mir unerwartete und unerwünschte Richtung. So wurde aus dem
bösen Schmarotzer ein Prinz und aus dem Helden ein hinterlistiger Wegelagerer
und Cangaceiro

Tête-à-tête fühlte ich mich
jedoch frei von jener Ohnmacht die mich fesselte, wenn ich jemanden anrief um
zu tratschen. Warum, weiß ich heute noch nicht so recht. Vielleicht lag es an
den Räumen, in denen wir uns befanden. An Dekorationsobjekten, oder an
herumliegenden Zeitschriften. Stumme Zeugen meiner ganz persönlichen Ansichten!

Wer in jenen Jahren der Militärdiktatur mehr über Brasilien wissen wollte, begab sich auf ein glitschiges Terrain. Wer außer den obligaten Ansichtskarten wie Rio de Janeiro, Copacabana, Zuckerhut, Karneval, Café und Pelé noch andere Interessen zeigte und Bossa Nova liebte, galt bald als Subversiver…

Die Geschichte Brasiliens besteht seit über 500 Jahren und der Eroberung durch die Portugiesen aus kilometerlangen und abertausende Archive füllende Kriminalakten!

Alle Welt spräche
von absurdesten und verbrecherischsten Skandalen, würden die Dokumente dieser
Strafprozesse nicht fortwährend vernichtet, verbrannt und zu Konfetti für den
nächsten Karneval verarbeitet!

Die Buchhaltung
des über dreihundert Jahre dauernden Sklavenhandels zum Beispiel, die der große
und vielleicht bedeutendste brasilianische Denker, Poet und Politiker Rui
Barbosa zerstören ließ.

Damit starb die
Identität der aus verschiedenen Teilen Afrikas importierten Menschen, die hier
in Brasilien versklavt, geschunden und zu Arbeitstieren gemacht wurden.
Eventuelle Ansprüche auf Wiedergutmachung, die irgendjemand irgendwann stellen
könnte, sollten auf diese Weise verhindert und unmöglich gemacht werden.

Täglich fälscht die lügenhafte und räuberische Elite Brasiliens Beglaubigungen, Urkunden, Verträge, Zeugnisse, Doktorarbeiten, Lebensläufe, Wahlergebnisse, labormedizinische Diagnosen und macht lebhaften und regen Gebrauch von allerlei Fake News.

Diese Manöver,
diese Prozeduren führten zu zwei verschiedenen Auffassungen, Ansichten und Auslegungen
brasilianischer Vergangenheit und Gegenwart.

Zur offiziellen
Geschichte des Landes, die in den Schulen unterrichtet wird und zur – je nach
Standeszugehörigkeit der Gesprächspartner und Redner – unterschiedlich
interpretierten Wirklichkeit.

Reiche
Brasilianer, kleine Bürger und mittellose Konservative neigen der offiziellen
Geschichte Glauben zu schenken und diese mithilfe absurdester Argumente zu
verteidigen.

So sprechen viele
brasilianische Mittelklassler immer noch von einem Canudos-Krieg, der von 1896
bis 1897 im Nordosten Bahias stattgefunden hat!

In der Tat
handelte es sich um einen Völkermord! Um einen Genozid, den der Staat am
eigenen Volk verübt hat! Ein blutiger Konflikt zwischen der eigenständigen, von
Antônio Conselheiro gegründeten Agrar-Kommune und schwer bewaffneten
Streitkräften der neuen brasilianischen Republik. Ein ungleicher Kampf, bei dem
über fünfundzwanzigtausend Zivilpersonen, Männer, Frauen, Kinder und Alte ums
Leben kamen. Wie viele Söldner aus dem Lager des Heeres bei jenen vier
Angriffen gefallen sind, weiß auch keiner. Waren es hundert oder
zweihundertsiebenundachtzig?

Dreimal gelang es
den einfachen Bauern und Bewohnern von Canudos ihre erfolgreiche Kommune und
produktive Siedlung zu verteidigen. Erst beim vierten Überfall brachte das
brasilianische Militär es fertig, Canudos vollkommen zu zerstören und alle
Einwohner zu töten. Dynamitbomben ließen keinen Backstein auf dem anderen.
Weniger als ein Dutzend soll überlebt haben. Antônio Conselheiro, religiöser
Anführer und Koordinator der Kommune starb ein paar Tage vorher an
Cholera. 

Das vielgerühmte
und hochgelobte, 1902 erschienene Buch „Os Sertões“ handelt von jenem
Blutbad. Euclides da Cunha, der Autor des journalistischen Werkes war bis knapp
vor der endgültigen Vernichtung Canudos´ als Beobachter und Berichterstatter
zugegen. Den letzten Satz jener tragischen Symphonie hat er leider verpasst und
nicht miterlebt. Er ist vor dem Ende jenes schaurigen Trauerspiels abgereist!

Euclides da Cunha gibt in seinem Buch „Os Sertões“ Auskunft über Land und Leute. Wie kein anderer bringt er dem Leser das dürre Hinterland des brasilianischen Nordosten nahe, macht ihn auf bedeutende Details der Geographie, Geologie aufmerksam und spricht über Flora und Fauna.

Jedoch für seine Beschreibung der Zerlumpten, der Entrechteten, der Mittellosen, der Stiefkinder in jener wüstenhaften, knochentrockenen und dornenreichen Umwelt kriegt Euclides da Cunha von mir nur ein Nichtgenügend, einen Fünfer! Euclides da Cunha sieht in den Bewohnern von Canudos und allen abgezehrten und zotteligen Gestalten, die sich Antônio Conselheiro angeschlossen hatten und fortwährend nach Canudos zogen, fanatische und böswillige Monarchisten und Feinde der Republik.

Vor dem Hungertod fliehende und durch die Abolition der Sklaverei brotlos und obdachlos gewordene Menschen beschreibt Euclides da Cunha als betrunkene Vagabunden und Verbrecher. Wie, so frage ich, konnten haltlose, miserable und berauschte Jammerlappen und Räuber jener ausgetrockneten Erde Lebensmittel abgewinnen um 25.000 Mäuler zu ernähren?

Es dürfte sich also bei Canudos weder um ein Sodom, noch um ein Gomorra gehandelt haben, sondern um eine nachahmenswerte Agrargemeinschaft! Ein landwirtschaftliches Kommunalprojekt, das wesentlich effizienter und produktiver war als alle benachbarten Ländereien und Liegenschaften zusammen.

Ein Beispiel
unerwarteten Gelingens motivierter und gottesfürchtiger Arbeiter, das
grenzenlosen Neid, lichterloh züngelnde Flammen der Eifersucht und stummen Hass
weckte! Eine Missgunst, die bis in die Residenz der Gebietsvorsteher gelangte.

Der ostentative,
wenn auch ungewöhnliche Wohlstand Canudos´ und der von Antônio Conselheiro
angeführten Gläubigen war bald allen Reichen ein Dorn im Auge!

Ein Erfolg, der
zum Verhängnis wurde! Ein weiterer und politischer Fehler Antônio
Conselheiro´s, der es anfangs unterlassen hatte, die lokalen Machthaber und
Besitzer der umliegenden Latifundien um Erlaubnis und den Klerus um seinen
Segen zu bitten!

Dieser Kern
„subversiver Monarchisten“ musste ausgelöscht werden!

Euclides da Cunha ignorierte die wahren Gründe die zum Völkermord führten! Er missachtete den Neid der Großgundbesitzer.

Antônio
Conselheiro´s Weigerung, die Republik anzuerkennen und ihr Tribute zu zahlen
war nur eine faule Ausrede und eine feige Verfälschung der Geschichte.

Sowohl in Canudos,
als auch vierzig Jahre später in Crato, Ceará und im Caldeirão de Santa Cruz
do Deserto
und während der Regierung der Arbeiterpartei von 2003 bis 2014
und wo immer das arbeitende Volk die faule Elite übertrumpfte.

Jederzeit und
sooft gemeinschaftliche Bemühungen aller Welt Zeugnis geben vom egoistischen
Unvermögen der Oberschicht kommt es zu Kriegen.

Euclides da Cunha
versäumte nicht nur das Ende des Holocausts, sondern eine hervorragende Chance,
die dumme und verschwenderische Misswirtschaft der brasilianischen Elite ins
rechte Licht zu rücken.

Mehr als zwei
Drittel des Buches „Os Sertões“ vergeudet Euclides da Cunha mit nichts
sagenden Beschreibungen blutiger Auseinandersetzungen. Wer „Os Sertões
liest hat den Eindruck, einem Schmierentheater beizuwohnen.

Der peruanische Autor Mario Vargas Llosa benutzte das Werk von Euclides da Cunha um seinen Roman „Der Krieg am Ende der Welt“ zu schreiben. Eine „Estória“ aus zweiter Hand! Das hatte gerade noch gefehlt!

So springt man in
Südamerika mit der Geschichte um.

Heute müsste
jemand den Roman „Die Liebe in den Zeiten der Cholera“ des kolumbianischen
Schriftstellers Gabriel Garcia Márques abkupfern und von „Zeiten des Covid-19“
berichten und wie es dem brasilianischen Präsidenten Jair Messias Bolsonaro
gelang, wochenlang zu verbergen, dass auch er infiziert aus den USA
zurückgekehrt ist.

Vielleicht war er
tatsächlich das einzige nicht angesteckte Individuum der aus über zwanzig
brasilianischen Politikern bestehenden Delegation.

Es fällt einem
jedoch schwer, jemandem zu glauben, der wie Bolsonaro täglich die Unwahrheit
sagt und wie gedruckt lügt.

Übrigens… wo habe
ich denn erst unlängst und das allererste Mal das Wort „schreddern“ gehört?


Corona

Alles Corona, oder was?

Das Virus ist eingereist. Bei uns und in ganz Europa. Das behördliche, medizinische Notfallprogramm ist angelaufen und regelt sehr genau, wie in so einem Fall vorzugehen ist. Unser Gesundheitssystem sollte mit derartigen Situationen umgehen können.

Wer da im aktuellen Krisenfall noch aller glaubt, eine sinnfreie Wortspende abgeben zu müssen, ist wirklich schräg, manche Parlamentarier eingeschlossen. Für mich ist das zumeist eine verzichtbare Panikmache.

Fakt ist, dass das Virus um sich greifen wird und vermutlich nicht so schnell eingedämmt werden kann, wie es alle gerne hätten. Fakt ist auch, dass selbstverständlich höchste Vorsicht geboten ist und das Coronavirus SARS-COV-2 nicht unterschätzt werden darf. Trotzdem sollte das Augenmaß nicht verloren gehen. Jetzt ist besonnenes, verantwortungsvolles Agieren und perfekte europäische Vernetzung angesagt.

Einige wenige “Spielregeln” können die Ausbreitung zwar nicht restlos verhindern, aber doch reduzieren:

Große Menschenmengen vermeiden, Hände weg von häufig benutzen Oberflächen (Einkaufswagerl, Türklinken, Geld, Fahrstuhlknöpfe, etc.), auf Abstand gehen (auf´s Begrüssungsbussi und Händeschütteln verzichten, …), in den abgewinkelten Arm niesen oder husten, sich regelmäßig und gründlich die Hände waschen, um nur einige Beispiele zu nennen.

Das Wichtigste zum Schluss: Ein gutes Immunsystem ist der beste Schutz. Dem Immunsystem hilft man, indem Ruhe bewahrt wird, Stress ist kontraproduktiv. Fast alle Infektionen verlaufen problemlos wie eine leichte Grippe.

Weitere Infos:
Coronavirus – AGES (Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit)
Coronavirus – Bundesministerium für Soziales, Gesundheit, Pflege und Konsumentenschutz
Corona – die Pandemie


Wer ist Dieter M.?

„rechte gröler aus dem fansektor von #redbull #salzburg während #hanau-schweigeminute? passt zu #mateschitz

(Bernhard Jenny auf FB)

Dieter M. gehört, folge ich meinen
Gedanken, zu den am meisten überschätzten Personen Österreichs, ja Europas.
Global gibt es andere überschätzte Kaliber.

Rochus Gratzfeld

Gedanken aus Bleistift von Rochus Gratzfeld
Salzburg & Sarród

Dieter M. ist Milliardär. So what?

Dieter M. hat
sein Marketing-Handwerk bei Blendax gelernt. Gute Schule. Lernte ihn damals auf
einem Seminar kennen. Vor gefühlten hundert Jahren. Er bei Blendax, ich bei
American Home. Später habe ich ihn nie wieder getroffen. Dafür seine Exfrau.
Irgendwie skurril und doch unendlich lustig. Sie barbusig und ich, umgeben von
Kühen, die ihren Kreis um uns immer enger zogen, bis wir beschlossen, zu
weichen. Am Prebersee.

Nach Blendax
folgte wenig. Dann fing er sich einen Virus ein. In Asien. Genau genommen in
Thailand. Den gabs in Flaschen und in Dosen. Krating Daeng.

Und Dieter M. verstand die virale
Kraft dieses ansteckenden Gebräus. Das war der Schlüssel zu seinem Erfolg. Mit
dem Wissen der Zahnpasta im Rucksack tat er nichts weiter, als das asiatische
Konzept auf Europa zu übertragen. Mit einem neuen Namen. Hochprofessionell. Mit
extremen PR-Ansätzen.

Ja, und das ist schon seine Erfolgsgeschichte.
Nicht weniger. Nicht mehr.

Dieter M. ist nicht politisch, lieber
hochgeschätzter Bernhard. Dieter M. tut einfach alles, sein persönliches Virus
zu verbreiten, tut alles für die Marke. Dazu gehört auch, den rechten Rand
seiner Infizierten abhängig zu halten. Der Rest geht ihm am Arsch vorbei.
Dieter M. ist kein „Gutmensch“, denn seine Zielgruppe sind primär keine
„Gutmenschen“. Deshalb auch sein Festhalten an Felix, dem Unseligen. Dieter M.
tut jedoch durchaus Menschen Gutes, die Hilfe benötigen. Da dies aber der Marke
nicht dient, lässt er darüber auch nicht reden. Ich kenne dafür Beispiele.

Dieter M. ist ein fanatischer
Vermarkter, der unter Millionen das Glück hatte, damit Erfolg zu haben. Kein
Genie. Kein Übermensch. Keiner, der sich auch nur irgendwie politisch
engagiert. Er genießt einfach seinen Erfolg, seinen unendlichen finanziellen
Reichtum.

Keiner, der mich interessiert.

Sagen meine Gedanken.


Offener Brief eines Auslandskapfenbergers an steirische Wähler

Eins meiner unzufriedenen Augen verfolgt die Wahlresultate „aus Steiermark“, das andere, die politische Entwicklung in meiner Wahlheimat Brasilien und in ganz Lateinamerika.

Von Reinhard Lackinger, Originalsteirer und Wirt in Salvador, Bahia, Brasilien

Was verstehe ich von
Politik? Wie stehe ich zu ihr?

Welche Bilder
defilieren vor den Augen meiner Erinnerungen? Gesammelte Erfahrungen aus 22
Jahren Österreich und 50 Jahren Brasilien.

Als einer, der in der
sozialistischen Hochburg Kapfenberg aufgewachsen ist und bei Böhler gearbeitet
hat, ist es mir ein Leichtes, den Individualismus der brasilianischen
Mittelklasse zu orten, zu verschmähen!

Brasilianer der Mittelklasse
fühlen sich wie Nordamerikaner, die rein zufällig in Südamerika geboren wurden.
Die meisten von ihnen drängen nach Miami, Orlando und Disney. Andere begnügen
sich mit der Green Card und einem Handlangerjob in New Hintertupfing/Iowa.

Solidarität mit
anderen Brasilianern darf man von diesen Möchtegernreichen nicht erwarten.

Sie alle wählen
natürlich ausschließlich konservative und sogar rechtsradikale Politiker.

Sie alle hassen den
Ex-Präsidenten Lula und die von 2003 bis 2014 regierende Arbeiterpartei.

War es doch die
Arbeiterpartei, die den Bürgern das Hilfspersonal nahm, Mittellose aus dem
Sklavendienst im Hause der Mittelklasse befreite! Arme, mit denen die feinen
Herrschaften Brasiliens plötzlich die Warteschlange vor der Kasse der
Supermärkte und beim Check-in am Flughafen, aber auch Lehrsäle in Universitäten
teilen mussten.

Diese kollektiven
Bemühungen und das Regieren für alle, auch für die ärmsten Brasilianer, war der
Elite, den Chicago Boys und Washington ein Dorn im Auge! Die Regierung der
Arbeiterpartei musste gestürzt werden! Obwohl alle, auch die Bankiers und die
Besitzer brachliegender Liegenschaften unter Lula gutes Geld verdient hatten!

Nach dem Putsch, der
Übergangsregierung und der ungerechten Inhaftierung Lulas, des Wahlfavoriten 2018,
wählten 57 Millionen brasilianische Möchtegernreiche den rechtsradikalen und
nazifaschistischen Unhold Bolsonaro..

Neofaschismus! Ein,
durch die USA verbreitetes Krebsgeschwür, das heute ganz Lateinamerika todkrank
macht. Der unersättliche Verbrecherstaat nützt alle möglichen Untaten wie
Spionage, Fake News, kybernetische Kommunikationsverbrechen, Bestechungen,
Bedrohungen, Sabotageakte, Wirtschaftsembargos und Heerscharen von
Evangelikalen, um überall an die Macht zu kommen und diese zu festigen.

Tragödien, die
Steirer nur vom Hörensagen kennen!

Die Katastrophen, die
Unbill, das Übel, das der Neoliberalismus hervorzurufen imstande ist, berührt
die Steirer nicht. Chile und Südamerika liegen ja weit weg! Das Rauchverbot ist
näher!  

Was sehe ich nun,
wenn ich an meinen Geburtsort der 50 er Jahre denke? Damals gab es in
Kapfenberg kaum eine Familie mit mindestens einem „Böhlerianer“ pro Haushalt.
Von den etwa 25.000 Einwohnern waren gute 6.000 im staatlichen Betrieb, im
Edelstahlwerk beschäftigt.

Rund um die Uhr und
von Montag bis Montag wurde in drei Schichten gearbeitet. In jenem rührigen,
betriebsamen und nimmermüden Industriekomplex.

Die Arbeiter und
Angestellten zeigten sich auch in der Freizeit unermüdlich. Beim Roten Kreuz,
bei der Freiwilligen Feuerwehr, als Funktionär bei der Sozialistischen Partei
oder einer der unzähligen Sportarten, beim „Stahlklang“, bei den Kinder – und
Naturfreunden, beim Alpenverein oder wenigstens beim Kameradschaftsbund.

In den Wirtshäusern
ging es lustig zu und im Altstadtkern wurden exklusive Waren angeboten und
gekauft. Musikinstrumente beim Eberhard, Portwein beim Meinl, Bücher beim
Leykam, Dirndlkleider und Steireranzüge beim Heimatwerk, Uhren beim Ebner, Brot
beim Terk, Schuhe beim Wukitschewitsch und Delikatessen beim Wettl.  

Zwischendurch
stellten die Konsumentinnen ihre Einkaufstaschen in einem Kaffeehaus ab,
tranken einen Verlängerten oder ein Glas Wein und rauchten eine Zigarette.

Sowohl im Werk, in
der sogenannten Blechbude, als auch in der Freizeit war kollektives Treiben
nicht zu übersehen!

Jeder kannte jeden,
wusste von ihm, von ihr und ob er oder sie tüchtig war oder nicht. Ob einer
murkste und rostfreie Objekte im Haus hatte, oder nur ab und zu eine
Schweißnaht auf den Auspufftopf seines Kleinwagens legte.

Das war einst, als
Steirer nur an der Adria Urlaub machten. In Lignano, in Gardo, in Caorle. Das
Risiko, nach Cattolica zu fahren, dürften Menschen aus einer antiklerikalen
Gemeinde nicht eingegangen sein. Sie könnten Gefahr laufen, für den Rest ihres
Lebens als Schwarze gebrandmarkt zu werden.

In Kapfenberg wird
nach wie vor musiziert, Sport betrieben, Literatur geübt und und alle anderen
kulturellen Möglichkeiten, sowie die wunderschöne Umwelt genutzt. Fahrräder
sieht man nur noch auf durchgehenden Radwegen. Von Murau bis Bad Radkersburg.
Zur Arbeit fährt aber keiner mehr damit!

Die Wirtshäuser
stehen leer und werden immer weniger. Eine Tatsache, die ich bereits Jahre vor
dem Rauchverbot in den Lokalen beobachtete.

Sowohl die urbanen
Konsumenten als auch die Kunden vom Land fahren im Nu mit ihren
Mittelklasseautos und Suvs zu den Supermärkten und Einkaufszentren an der
Peripherie der Städte.

Es gibt kaum noch
abgeschiedene Dörfer. Die Autobahnen haben die entlegensten Weiler erschlossen.

Die Costa Brava sieht
auch keine alpenländischen Urlauber mehr. Höchstens Frührentner, die es im
Winter nach Spanien, nach Mallorca, Marbella oder nach Algarve, Portugal zieht.
Die Zeit, als beschäftigungslose Staplerfahrer hier in Bahia ihre
Arbeitslosenunterstützung verputzten, scheint auch vorbei zu sein. Jetzt
dürften sie irgendwo auf den Seychellen unterwegs sein, oder in der Südsee.

Einst vom Vater Staat
verwaltete Großkonzerne, die strategischen Aktivitäten nachgehen, wie Energie,
Telekommunikation, Bergbau und Stahlindustrie wurden mittlerweile privatisiert.
Sie wurden Gott sei Dank privatisiert, sagen die Verteidiger der
Privatisierungen.

Die Öffentlichkeit
ist für die Marktwirtschaft zu offen, zu sozial, zu naiv und zu ineffizient,
heißt es! Die staatlichen Betriebe tolerieren schwache Produktivität, sagen die
Befürworter der freien Marktwirtschaft. Der Vater Staat ist längst zu einer
Mutter Staat mutiert!

Zu viel Soziales, zu
kurze Arbeitszeit und zu lange Krankenstände machen nicht nur die Wirtschaft
kaputt, sondern auch den arbeitenden Menschen.

Irgendwann spielt
einer den Jolly Joker der Murxerei mit den schwarz angefertigten Objekten aus
rostfreiem Stahl aus. „Würde man den Böhlerstern aus den ehernen Teilen des
Eigenheimes eines ehemaligen Arbeiters herausfeilen, fiele das Häusl auf der
Stelle zusammen“, heißt es dann.

Dass es sich hier um
fadenscheinige, billige und fragwürdige Argumente handelt, daran denkt wohl
keiner. Die Privatiers denken nur ans Lukrieren!

Es fragt auch keiner
mehr nach der Kameradschaftlichkeit und nach der Solidarität, die in jenen
Fabrikhallen jederzeit zugegen war!

Die brüderliche Kollektivität
hat es in den staatlichen Unternehmen tatsächlich gegeben. Auch wenn mitunter
garstige Farben des Neides und der Missgunst darüber rannen.

Auch wenn sich manche
unschöne Szene zwischen gemeinschaftliche Bemühungen zwängte, so sind die
Bilder der staatlichen Unternehmen bei Weitem schöner als die der
privatisierten Firmen, die für die Individualität werben und dem heutigen
Menschen nahelegen.

Das Individuum passt
sich an die neuen Spielregeln an. Charles Darwin schrieb in seinem „The Origin
of Species“ zwar nicht über steirische Wähler oder wahlberechtigte Menschen
überhaupt, hat aber den Nagel auf den Kopf getroffen und in meinem Schädel ein
Licht angezündet, während es dunkel wird rings herum. Das politische, garstig
egoistische und individualistische Lied klingt aus.

Der verlorene Sohn
wird, so Gott will, in Zukunft wieder die SPÖ wählen. „In Steiermark!“

In Brasilien die PT,
die Arbeiterpartei.


Das neue Paracelsus Hallenbad in Salzburg

Salzburgs Bürgermeister Harald Preuner meint in einem Interview:  „Ich bin wirklich froh darüber, dass wir mit dem Abschluss der Bauarbeiten eine rund zwanzigjährige Diskussion zu einem guten Ende bringen konnten und die Salzburger nach langer Wartezeit ein neues Hallenbad haben, das wirklich ‚alle Stückln‘ spielt“. (Salzburg24 vom 10.Oktober 2019)

Rebecca Schönleitner

Von Rebecca Schönleitner

Tja, Herr Preuner, haben Sie schon die Gelegenheit genutzt und versucht einfach einmal für eine Stunde ins Hallenbad zu spazieren und Längen zu schwimmen? Ich glaube nicht, denn das hochgepriesene Hallenbad hat Platz für exakt 9 Schwimmer. Das kleine Schwimmbecken ist in 4 Bahnen geteilt, in jeder Bahn können 2 Personen gegengleich gut schwimmen und in der 4. Bahn 3 Personen.

Die wunderbare Architektur ist zweifelsohne schön, aber es
handelt sich hier in keinster Weise um ein Schwimmbad, denn eher um eine
Erholungsoase.

Viele Salzburger wollen einfach nur schwimmen. Rein ins Bad,
eine Stunde Längen kraulen, Brust- oder Rückenschwimmen und wieder raus. Platz
genug wäre ja da, aber die wunderbare Architektur hat hier gefliest und
geschwungen und sonst noch allerlei unnützes Zeugs für das Wohlgefallen der
politischen Augen hingestellt.

Aber sein wir uns doch ehrlich! Welchen Politiker interessiert es schon, was einfache Salzburger wollen? Können wir Salzburger nur hoffen, dass viele Touristen das, mit Steuergeldern finanzierte Oasenbad nutzen, denn die Salzburger, die schwimmen wollen werden weiterhin nach Freilassing, oder Berchtesgaden ausweichen müssen.

Eine Bilderstaffel vom neuen Hallenbad von Karl Traintinger

Das “alte Hallenbad”:
Paracelsus Hallenbad. Nun ist es endgültig vorbei …


Dorfzeitung.com