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Regisseur Arturas Valudskis sieht die Performance als Übung für die Künstler. Inspiriert von Alfred Jarrys „König Ubu“ und Juozas Erlickas‘ „Pavadinimas“ wurden die Texte erarbeitet, in denen es um Macht, Verrat, Mord und Verfolgung geht. Lustvoll werden in herrlich absurden, emotionalen Situationen menschliche Abgründe aufgezeigt.

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Von Elisabeth Pichler

Ein grandios minimalistischer Theaterabend, der gekonnt die unterschiedlichsten Theaterformen mischt. Die Premiere fand am 16. Jänner 2016 im Toihaus Salzburg statt.

Yoko Yagihara sorgt mit einem Trommelwirbel für die nötige Spannung, bevor sie mit einem Zitat des litauischen Autors Juozas Erlickas den Abend eröffnet: „Ich umarme einen Baum und frage ihn, ob er mit mir gehen möchte. Der Baum schweigt. Bäume sind sehr zurückhaltend. Deswegen liebe ich sie.“ Die Menschen hingegen sind nicht so liebenswert, in ihnen schlummern Grausamkeit und Machtbesessenheit. „Bosheit ist eine Krankheit. Eine Eigenart, die nicht der Natur des Menschen entspricht. Keiner wird böse geboren. Das System beziehungsweise das Umfeld zwingt den Menschen oft dazu, böse zu werden. Das Positive an der Produktion. Jeder scheitert und jeder darf scheitern. Die Zuseher üben mit.“ (Arturas Valudskis).

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Zu Beginn kauern fünf weiß geschminkte, schwarz gekleidete Schauspieler hinter einfachen Stühlen. Sie verknoten ihre Hände, verschmelzen fast und murmeln unverständliche Worte.

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Schließlich reiten sie gemeinsam ins Nirgendwo, keiner hat eine Ahnung, wohin es geht. Zwischendurch nehmen sie auf den Stühlen Platz und starren emotionslos ins Leere. Wir erfahren von einem Missgeschick, das ein Menschenleben gekostet hat.

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Die Täterin ist sich jedoch keiner Schuld bewusst. So geht es auch den übrigen. Ob einer nun den Präsidentenstuhl begehrt oder ob er ihm wieder weggenommen wird, es bleiben immer Menschen auf der Stecke, die bedauernd feststellen, dass sie eigentlich noch ganz gerne weitergelebt hätten. Der Tod ist trotz aggressiv vorgetragener Willkür meist kurz und schmerzlos. Die Truppe ist sich ständig einig, dass niemand von ihnen eine Schuld trifft. Sie hätten nur ihre Pflicht getan, wären einfach nur dabei gewesen und hätten leider nichts verhindern können.

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Die fünf Schauspieler wanken, tanzen, marschieren, trippeln, kriechen oder schwimmen über die Bühne, wie Clowns, die man nicht wirklich ernst nehmen kann. Sie ziehen die kleinen Geschichten, die Machtkämpfe und Streitereien ins Lächerliche. Arturas Valudskis hat die unterschiedlichsten Theaterformen, vom traditionellen japanischen bis zum russischen Theater, gemischt und daraus eine Performance voll Komik, Tragik und Groteske gestaltet, in der es um das Verhältnis zur Macht und die Reaktion der Mitmenschen darauf geht. Das hauseigene Ensemble begeistert auf der minimalistischen Bühne mit einem lustvollen Wühlen in den menschlichen Abgründen.

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Noch bevor wir zum Schlussapplaus ansetzen können, wirft uns Yoko Yagihara einen bemerkenswerten Satz an den Kopf: „Zwei Dinge sind unendlich, das Universum und die menschliche Dummheit. Beim Universum bin ich mir nicht ganz sicher.“

„KÖNIG UBU:NG“ – Absurdes Theater mit Musik im Nirgendwo. Sehr frei nach Alfred Jarrys „König Ubu“ und Juozas Erlickas‘ „Pavadinimas“. Regie, Konzept & Ausstattung: Arturas Valudskis. Licht & Technik: Robert Schmidjell. Spiel: Sarah Born, Susanne Lipinski, Tobias Ofenbauer, Andreas Simma, Pascale Staudenbauer, Yoko Yagihara. Musikkomposition/Bearbeitung: Yoko Yagihara, Arturas Valudskis. Fotos: Toihaus Theater / M. Grieshaber


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Für Kinder von 1,5 bis 5 Jahren ist die neueste Produktion des Toihaus Theaters Salzburg gedacht. Die kleinen Geschichten, die Julia Schwarzbach (Tanz) und Yorgos Pervolarakis (Musik und Spiel) erzählen, stecken voller Überraschungen und faszinieren nicht nur die kleinen und kleinsten Besucher. Staunende Gesichter bei der Premiere am 10. Jänner 2016.

elipi_aVon Elisabeth Pichler

Rund um ein weißes Quadrat nehmen die Kinder auf Polstern Platz, dahinter Eltern, Großeltern und sonstige Begleitpersonen. Sanfte Musik von Yorgos und langsame Tanzbewegungen von Julia ziehen die Kinder sofort in ihren Bann. Aber was ist das nur für ein komischer, kleiner Fleck auf dem blütenweißen Boden? Der muss natürlich sofort entfernt und die verschmutzte Stelle akribisch mit einer winzigen Bürste gesäubert werden. Ganz eben ist die Fläche jedoch nicht. Was mag sich da wohl darunter verstecken? Plötzlich sandkorn_1_16_21kennt Julia keine Skrupel mehr, sie nimmt eine Schere und schneidet Löcher in das weiße Tuch. Zwei Würfelzucker haben die Unebenheit verursacht. Sinn und Zweck dieses Fundes wird erst im Laufe der Geschichte klar. Die Suche geht weiter und nun holt Julia schwarze Steine hervor. Dann wird es schwieriger, denn das Silberpapier sträubt sich, es sitzt ganz fest. In weiterer Folge werden ein Spielzeugauto, ein Puppensessel sowie eine kleine Papierkuh hervorgezaubert. Die Kuh wird liebevoll an einen Teich – eigentlich nur ein kleines schwarzes Loch – gesetzt, da kann sie ihren Durst stillen. All diese scheinbar so banalen Dinge finden beim großen Finale ihren richtigen Platz und aus dem Chaos entsteht etwas Neues, in dem alles Sinn macht, vom kleinen Puppensessel bis zum anfänglich so nutzlosen erschienenen Wollfaden. Zufrieden und staunend sitzt Julia schließlich vor ihrem wirklich gelungenen Werk.

Zu den feinen Gitarrenklängen von Yorgos Pervolarakis tanzt Julia Schwarzbach hingebungsvoll verträumt oder sie lässt sich ganz einfach umpusten. Ihre Begeisterung beim Anblick der vielen versteckten Kleinigkeiten wirkt ansteckend. Nicht nur die Kinder machen große Augen, selbst dann, wenn nur ein altes Plastiksackerl auftaucht. Schließlich bleibt von der großen weißen Fläche nur mehr ein kleines rundes, absolut faszinierendes Stillleben übrig, das von Kindern und Erwachsenen gebührend bewundert wird.

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Staunend verfolgen selbst die kleinsten Kinder fast 40 Minuten lang das Geschehen auf der Bühne. Geheimnisvolle Klänge, harmonische Bewegungen und die vielen versteckten Überraschungen sorgen für ein poetisches, die Fantasie anregendes Theatervergnügen. Diese Liebeserklärung an die fantastische Welt der Kinder, in der scheinbar nutz- und sinnlose Dinge plötzlich Bedeutung erlangen, wurde von Myrto Dimitriadou mit viel Gefühl in Szene gesetzt.

„Du, ein Sandkorn und Ich“ – Theater mit Tanz und Live-Musik für Kinder von 1,5 bis 5 Jahren. Julia Schwarzbach (Tanz), Yorgos Pervolarakis (Spiel), Katharina Schrott (choreografische Begleitung), Myrto Dimitriadou (Regie), Ragna Heiny (Bühne, Kostüm), Gudrun Raber-Plaichinger (Musikalische Begleitung). Mit Unterstützung von „Small Size, performing Arts for Early Years“.  Fotos: Toihaus Theater / M. Grieshaber


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„Warum tanzt der Mensch?“ „Ist tanzen göttlich oder teuflisch?“ Mit diesen Fragen beschäftigte sich Cornelia Böhnisch (Tänzerin und Choreografin) ein Jahr lang gemeinsam mit dem Toihaus Ensemble und externen Künstlern. In Unschuld 6 – „ECCLESIA SALTANS“ verwischen die Grenzen zwischen Musik und Bewegung. Die Premiere dieser spektakulären Performance fand am 10. Oktober 2015 im Toihaus Theater Salzburg statt.

elipi_aVon Elisabeth Pichler

Vier schwarz gekleidete Musiker verwöhnen das Publikum mit heiteren barocken Klängen, während die Tänzerinnen, ganz in Weiß, geduldig auf ihren Einsatz warten. Dass anschließend die Musikinstrumente mit Plastikfolie sorgfältig abgedeckt werden, weist auf kommende Gefahr hin. Auf einem komplexen Stahlgerüst mit diversen Schläuchen warten Wasserbottiche auf ihren Einsatz. Anfangs tropft es nur sporadisch aus Infusionsgeräten auf darunterliegende Deckel, Pfannen, Gläser und Eimer. Das ändert sich im Laufe der einstündigen Performance, denn ein technoides Spiel mit diversen Flüssigkeiten sorgt ständig für neue Überraschungen.

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Die Möglichkeiten, mit Wasser Musik zu erzeugen, sind mannigfaltig. Die vier Musiker (Angelika Miklin, Gudrun Raber-Plaichinger, Yorgos Pervolarakis, Yoko Yagihara) erklimmen das Gerüst, sie füllen Behälter, sie plantschen und gurgeln und haben dabei höllischen Spaß. Die Tänzerinnen werden nach und nach von dem wilden Treiben mitgerissen. Rot gefärbtes Wasser scheint eine gewaltige Anziehungskraft zu besitzen. Während Pascale Staudenbauer darin badet, wischen Katharina Schrott, Astrid Seidler und Paz Katrina Jimenez mit ihren Kleidern den nassen Boden auf. Ekstase greift um sich, die diabolische Mischung ist perfekt, der Kontrast zwischen Schwarz und Weiß ist verschwunden.

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Informativ der Programmfolder, in dem Himmel und Hölle gegenübergestellt werden: Dante – Nietzsche, Evolution – Revolution, Transzendenz – Immanenz, Whiteout – Blackout, Fade up – Fade down, Sein – Nicht Sein, Die 7 Tugenden -die 4 Säfte, Apollonisch – Dionysisch, Ordnung – Unordnung, Echt – Fake.

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Unschuld 6 – „ECCLESIA SALTANS“ bildet den Abschluss und zugleich Höhepunkt des Jahresprojekts „Tanzwut 2015“ am Toihaus Theater Salzburg. Ein Abend mit Alter Musik, einem sterbenden Cembalo, einer heiligen, manchmal auch diabolischen Mischung aus Tanz und Bewegung. Eine mitreißende Performance, die mit starken Bildern und ekstatischen Tänzen zu überzeugen weiß.

Unschuld 6 – „ECCLESIA SALTANS“ – Tanz / Choreografie: Cornelia Böhnisch, Katharina Schrott, Pascale Staudenbauer, Astrid Seidler, Paz Katrina Jimenez; Musik / Komposition: Angelika Miklin, Gudrun Raber-Plaichinger, Yorgos Pervolarakis, Yoko Yagihara; Licht/Technik: Alex Breitner, Robert Schmidjell. Idee / Konzept / Bühne / Kostüme: Cornelia Böhnisch. Assistenz Bühne & Kostüme: Paz Katrina Jimenez. dramaturgische Beratung: Georg Hobmeier. Fotos: Toihaus Theater / M. Grieshaber | Eine Veranstaltung im Rahmen der  „Tanzwut 2015″.


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Am 13. Juni 2015 öffnete das Toihaus Theater nach Einbruch der Dunkelheit das Tor zum historischen Friedhof St. Peter, um gemeinsam mit einer kleinen Zuschauergruppe eine Performance über die Lust am Tod und die Liebe zum Leben zu gestalten. Inspiriert von Franz Schuberts Streichquartett „Der Tod und das Mädchen“, nimmt das Ensemble das Publikum mit auf eine inspirierende nächtliche Wanderung.

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Das nahende Gewitter sandte kurz vor Vorstellungsbeginn erste Regentropfen, doch dürfte der Regengott von dem Schauspiel ebenso ergriffen gewesen sein wie das Publikum undtoi_friedhof_09 wartete das Ende der Vorstellung ab, um dann so richtig loszudonnern. 13 Performer des Toihaus Theaters schaffen es, dem historischen Friedhof Leben einzuhauchen. Die Freude und die Lust an der Bewegung und am unbekümmerten Spiel erweisen sich als stärker als die Angst vor dem Unausweichlichen. Mystische Klänge begleiten in dieser knappen Stunde die „Lobpreisung des Lebens“. Es gibt unendlich viel zu sehen und zu bestaunen. Eine Dame strickt versonnen an einem Pullover, während Papierflieger mit den Glühwürmchen um die Wette flattern. Fröhliche, unbekümmerte Tänze wechseln mit besinnlichen. Das Publikum wird stets eingebunden, kurze Geschichten über weinende Bäume werden flüsternd weitererzählt. Die mit Blumen bekränzten Damen in ihren romantischen Kleidern versetzen die Zuseher in eine Welt zwischen Traum und Wirklichkeit (Kostüme und Requisiten: Sigrid Wurzinger). Passend zum Titel „Der Tod und das Mädchen“ läuft anfangs ein entzückendes kleines Blumenmädchen zwischen den mit Fackeln beleuchteten Gräbern herum, bis ihr vor Müdigkeit die Augen zufallen.

Die Performance ist der fünfte Teil des Jahresprojektes „TANZWUT – Warum tanzt der Mensch?“. Cornelia Böhnisch, Tänzerin und Choreografin, stellt sich gemeinsam mit dem Ensemble und Gästen des Toihaus Theaters die Fragen: „Warum tanzt der Mensch?“ und: „Ist tanzen göttlich oder teuflisch?“. TANZWUT im philosophischen, historischen, medizinischen und politischen Kontext. Sichtbar gemacht in Installationen, Performances, einem Symposium und offen für spontane Aktionen. Alle Ergebnisse fließen in die Eröffnungsproduktion der neuen Spielzeit am Samstag 10.10.2014 ein. Arbeitstitel: „UNSCHULD 6 – ecclesia saltans“.

„TANZWUT UNSCHULD 5 – DER TOD UND DAS MÄDCHEN – Über die Lust am Tod und die Liebe zum Leben.“ Performance: Cornelia Böhnisch, Sarah Born, Susanne Lipinski, Tobias Ofenbauer, Katharina Schrott, Pascale Staudenbauer, Arturas Valudskis. Musik: Hüseyin Evirgen, Angelika Miklin, Yorgos Pervolarakis, Gudrun Raber-Plaichinger, Yoko Yogihara. Kostüme & Requisiten: Sigrid Wurzinger. Frisuren: Manfred Bachler und Claudia Wögerer von SZENHAARIO. Künstlerische Gesamtleitung: Myrto Dimitriadou. Kooperation mit dem Stift St. Peter. Ein Projekt im Rahmen der „Tanzwut 2015“. Fotos: Toihaus Theater/ Pia Streicher


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Nach zwei wunderbaren Produktionen für Kinder von 4 bis 10 Jahren im republic fand am Mittwoch den 4. März 2015 in der Stadt:Bibliothek Salzburg eine Reise durch die Welt der Bilderbücher für hörende und nicht hörende Kinder von 3 bis 6 Jahren statt. Während die Schauspielerin Susanne Lipinski vorlas, kam die Simultanübersetzung in Gebärdensprache vom gehörlosen Schauspieler Werner Mössler. 

elipi_aVon Elisabeth Pichler.

Vier sehr unterschiedliche Bilderbücher werden vorgestellt. „Freunde“ von Mies van Hout eignet sich hervorragend dazu, alle Gefühle, die eine echte Freundschaft ausmachen, auszudrücken: miteinander lachen, spielen, herumhängen, sich ärgern, kämpfen, heulen, schmollen, sich schämen, verzeihen und wieder vertragen. Die humorvolle Gestaltung der Emotionen kommt bei den Kleinen bestens an, nichts ist ihnen fremd. Bei dem Kinder-Fragebuch „Wer? Wo? Was?“ darf mitgeraten werden. „Die kleine Raupe Nimmersatt“ von Eric Carle, erschienen 1969, löst große Begeisterung aus, denn viele Kinder haben diesen Klassiker, bei dem es Wochentage, Früchte, Zahlen und die Metamorphose in der Natur zu entdecken gibt, zu Hause.

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Das 2000 erschienene Bilderbuch „Vom kleinen Maulwurf, der wissen wollte, wer ihm auf den Kopf gemacht hat“ von Werner Holzwarth (Autor) und Wolf Erlbruch (Illustrator) wurde bereits in mehr als 30 Sprachen übersetzt und steht bei der Hitliste der beliebtesten Kinderbücher ganz oben, geht es doch um ein Thema, über das Erwachsene nicht gerne sprechen, das Kinder aber brennend interessiert. An Hand dieses Buches lernen die Kinder diesmal nicht nur die verschiedenen Formen der Tierexkremente kennen, sondern auch die Zeichensprache für all die Tiere, die vom kleinen Maulwurf befragt werden. Die Kinder haben gut aufgepasst, viele wissen jetzt, wie man Tauben, Pferde, Hasen, Ziegen und Kühe in der Gebärdensprache ausdrücken kann.

Werner Mössler und Susanne Lipinski gelingt es mit dieser temperamentvollen Lesung, die volle Aufmerksamkeit der Kinder, der hörenden und nicht hörenden zu gewinnen. Die preisgekrönte französische Originalfassung der Theaterkompagnie „Les Singuliers Associés“ wurde vom Toihaus Theater übernommen und begeistert nun in deutscher Sprache das Publikum. Eine weitere Produktion im Rahmen des BIM BAM Festival 2015, die an einem für eine Theaterperformance eher ungewöhnlichen Ort stattfindet. Die Festivalleitung versucht diesmal, die Stücke im jeweils passenden Ambiente aufzuführen. So gastiert Castelló de la Plana aus Spanien am 12. und 13.3. im Spielzeug Museum Salzburg mit „Stein für Stein/Piedra a piedra“, einem Figurentheater für Kinder von 2 bis 8 Jahren, gehören doch Steine zum ältesten Spielzeug überhaupt.

„Bildergeschichten“ – Theater für hörende und nicht hörende Kinder. Philippe Demoulin (Konzept und Regie), Werner Mössler (nicht hörender Schauspieler), Susanne Lipinski (hörende Schauspielerin), Bruni Schwarz (Sprachcoach). Fotos: Toihaus Theater / Michaela Grieshaber


Am 21.2.2015 startete das 5. Internationale Theaterfestival für Klein(st)kinder im Toihaus Salzburg mit „Palindrom/Palindrome“, einer faszinierenden Performance der Compagnie Forest Beats. Im republic durften die Kinder am 22. und 23.2 die langsame Verwandlung einer Larve in einen Schmetterling in einer traumhaft schönen Kulisse hautnah miterleben. Zwölf Produktionen aus sieben Ländern stehen bis 15.3.2015 am Programm.

Elisabeth PichlerVon Elisabeth Pichler.

Inspiriert von René Magritte entführen zwei Herren mit Melone und eine zarte Dame im weißen Spitzenkleid das Publikum in einen geheimnisvollen Garten voller Palindrome. Es geht um spiegelgleiche Wörter, Zeichnungen und Zahlen, aber auch um Musik, Tanz und Bewegung. Die intelligente, von starken Bildern geprägte Performance begeistert nicht nur die Kleinen. Während die Erwachsenen die surrealistischen Bilder genießen, lachen die Kinder lauthals über die durch eine Kamera mit eingebautem Spiegel entstandenen Verdopplungen, in denen die Körper zu verschmelzen scheinen. Zum Abschluss dürfen sich die Kleinen den „Wunderapparat“ genau ansehen und sogar damit experimentieren. Dazu gibt es als „süßes“ Palindrom ein MAOAM. Die 2002 gegründete Compagnie, geprägt durch den japanischen Choreographen Yutaka Takei, versteht sich als Labor für künstlerische und multikulturelle Experimente und ist auch in Ausstellungsräumen und Museen ein gern gesehener Gast. Für die traumhaften Videoeinspielungen zeichnet Nicolas Barraud verantwortlich, Noëllie Poulain bezaubert als rätselhaftes, elfengleiches Geschöpf, das zwischendurch auch am Mischpult zum Einsatz kommt.

Das TPO (Teatro di Piazza o d’Occasione) musste mit seinem interaktiven Tanztheater „Schmetterlinge/Farfalle“ ins republic ausweichen, denn das sensationelle Bühnenbild, ein großzügiger „Zauberteppich“, beansprucht viel Raum. Zwei Tänzerinnen erzählen in poetischen Bildern die Geschichte der Schmetterlinge. Kinder werden auf die Bühne geholt und können aktiv in die Geschichte eingreifen. Sie dürfen Klänge erzeugen, gefräßigen Raupen ausweichen und die geschlüpften Schmetterlinge bunt bemalen. Mithilfe von Sensoren und projizierten Bildern wird eine faszinierend experimentelle Theaterform verwirklicht, ein Gesamtkunstwerk, das Klein und Groß in seinen Bann zieht.

Seit 2002 zählt das Toihaus Theater zu den österreichischen Pionieren im Theater für die Allerkleinsten. Es ist Partner im europäischen Netzwerk SMALL SIZE zur Unterstützung der darstellenden Kunst für das jüngste Publikum. Seit 2007 bietet das Internationale Theaterfestival für Klein(st)kinder BIM BAM alle zwei Jahre Kindern von ein bis zehn Jahren ein abwechslungsreiches Programm mit einer großen Vielfalt an Tanz, Musik und Bewegungstheater.

„Erleben Sie den Zauber der Verwandlung von Menschen, Orten und Dingen. Genießen Sie die Magie der Kunst, die selbst die Allerjüngsten in ihren Bann zieht. Tauchen Sie mit Ihren (Enkel-)Kindern in die einzigartigen Universen vielfältiger Theaterspiele ein, wo gewohnte Räume zu neuen Phantasiewelten werden.“ (Festivalleiterin Helga A. Gruber)

Das detaillierte Festivalprogramm finden Sie unter www.toihaus.at. Die Zuschauerzahl ist bei allen Vorstellungen begrenzt, eine vorherige Kartenreservierung ist unbedingt empfehlenswert.


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Im Toihaus Salzburg dürfen kleine und kleinste Kinder gemeinsam mit der japanischen Künstlerin Yoko Yagihara, die bereits 18 Jahre in Salzburg lebt, eine aufregende Reise machen. Von einer Reismatte in Japan geht es mit dem Schiff über das weite Meer direkt auf einen Fleckerlteppich nach Österreich. Nach der Premiere am 18. Jänner 2015 gab es köstliche Reisbällchen (Onigiri) für Kinder und Erwachsene.

elipi_aVon Elisabeth Pichler.

Yoko sitzt barfuß auf einer Reismatte und entlockt einer Fingerharfe (als Ersatz für eine japanische Koto, die in Österreich nur schwer zu bekommen ist) zarte Töne. Vergnügt bereitet sie sich auf eine große Reise vor. Aufregend gestaltet sich die Schiffsfahrt. Sonne, Wind, Fische, Wellen, Land, viel Interessantes gibt es mit Hilfe eines Vibraphons zu erleben. In Österreich angekommen, zieht sie sich erstmal feste Schuhe an. Die Ziehharmonika auf dem Rücken marschiert sie munter in die ihr unbekannte Bergwelt.

Hier gibt es viel zu entdecken, Flüsse, Wiesen, Blumen, Bienen und die hohen Berge. Wandern macht hungrig und so beschließt Yoko, sich etwas Gutes zu kochen. Bald schon blubbert das Wasser und die Mahlzeit scheint fertig zu sein, doch in Österreich sehen die Knödel gar nicht wie Reisbällchen aus. Einmal beherzt hineingebissen, stellt Yoko fest, schmecken beide hervorragend.

30 Minuten dauert die poetische Reise von Japan nach Österreich und wieder retour, denn Knödel und Onigiri müssen ja verglichen werden. Ruhig und konzentriert verfolgen die Kinder diese liebevoll gestaltete Musikperformance mit ihrer sensiblen Bildsprache.

“Onigiri“ ist ein österreichisch-japanisches Pilotprojekt, dient der Erweiterung der interkulturellen künstlerischen Fähigkeiten und ist ein experimenteller Beitrag zur Verständigung zwischen Ost und West. Die Künstlerin hat eine Vorform von „Onigiri“ letztes Jahr in Kindergärten in Japan gezeigt. Auf Grund der positiven Reaktionen ist das Stück nun auch in ihrer zweiten Heimat Salzburg zu sehen. Der Zeller Landler „ I tua, was i will, und i tua, was mi g’freit“ versinnbildlicht für Yoko Yagihara das Motto dieses Stückes: „Genau das will ich allen Kindern – unabhängig davon, in welchem Land sie geboren sind – mitgeben: Du hast die Wahl und Deine persönliche Freiheit. Egal welche Konventionen und kulturellen Schranken es um Dich herum gibt. Verbinde beides und finde Deinen eigenen Weg.“

„ONIGIRI“ Musikperformance für Kinder (2 – 5 Jahre). Yoko Yagihara (Idee, Musik, Performance), Irene Edenhofer-Welzl (Bühne, Kostüm), Alex Breitner, Robert Schmidjell (Licht & Technik), Myrto Dimitriadou und Katharina Schrott (Künstlerische Begleitung). Mit finanzieller Unterstützung von „Small Size, darstellende Kunst für die Allerkleinsten“. Fotos: Toihaus Theater / Michaela Grieshaber


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Arturas Valudskis inszeniert seine Bearbeitung des spanischen Klassikers „Bernarda Albas Haus“ von Garcia Lorca aus dem Jahre 1936 mit drei großartigen Ensemblemitgliedern des Toihaus Theaters.

Mit eindringlicher Musik und verstörenden tänzerischen Elementen schafft er eine beklemmende, symbolträchtige Frauentragödie, die vom Publikum bei der Premiere am 10. Jänner 2015 begeistert aufgenommen wurde. 

elipi_aVon Elisabeth Pichler

Nach dem Tode ihres Mannes verschließt die Witwe Bernarda Alba ihr Haus und verordnet ihren fünf Töchtern eine achtjährige Trauerzeit. Mit erbarmungsloser Kälte bewacht sie ihre Töchter und verbietet ihnen jeglichen Kontakt zur Außenwelt.

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Nur die älteste Tochter Angustias darf durch ein vergittertes Fenster ihren Verlobten Pepe El Romano sprechen. Als die jüngste Tochter Adela sich in Pepe verliebt und aus dem häuslichen Gefängnis ausbricht, kommt es zur Katastrophe.

Vier Säulen symbolisieren das Gefängnis, in dem Bernarda Alba ihre Töchter gefangen hält. Mit heiserer Stimme erteilt die Mutter (Arturas Valudskis am E-Piano, mit dem Rücken zum Publikum) ihre Befehle. Angustias (Gudrun Raber-Plaichinger), Adela (Katharina Schrott) und die Magd La Poncia (Susanne Lipinski) sitzen sich starr gegenüber und wagen kaum, sich zu bewegen. Wenn sie sich jedoch unbeobachtet fühlen, beginnt es unter der Oberfläche zu brodeln. Das sexuelle Begehren wird unerträglich, sie verbrennen fast vor innerer Hitze. Die Ankunft der strammen Schnitter, von denen die Magd erzählt, setzt ihnen zu. „Als Frau geboren zu werden ist die größte Strafe. Nicht einmal die Augen gehören uns.“ Eifersüchteleien führen zu fast unerträglichen Spannungen, doch verbindet das gemeinsame Leid die jungen Frauen. So folgt auf Ausbrüche des Zorns und der Wut verkrampfte Heiterkeit. La Poncia gelingt es nicht, die wilde Adela, die ihre Leidenschaft nicht mehr zügeln kann, zurückzuhalten: „Hier passiert Schreckliches.“ Doch Bernarda bleibt hart: „Hier passiert nichts.“

Die jungen Frauen treiben mit ihren Instrumenten, mit Trommel, Hackbrett und Kastagnetten, die Handlung voran und gewähren Einblicke in ihr seelisches Gefängnis. Die körpersprachliche Umsetzung steigert die Spannung zusätzlich, die wenigen zärtlichen Berührungen zeigen keinerlei Wirkung. Der „skurrile tragisch-komische Theaterabend mit Musik“, in dem es um die emotionalen Bedürfnisse und die Beschränkung persönlicher Freiräume geht, zieht das Publikum in seinen Bann. Verdienter Jubel für ein starkes Stück, eine starke Inszenierung und eine großartige Ensembleleistung.

„Das Leben im Wandschrank“ – Ein skurriler tragisch-komischer Theaterabend mit Musik. Frei nach Garcia Lorcas „Bernarda Albas Haus“. Gudrun Raber-Plaichinger (Spiel, Komposition), Arturas Valudskis (Regie & Konzept, Spiel, Kostüme & Bühne, Komposition), Katharina Schrott (Spiel), Susanne Lipinski (Spiel); Alex Breitner, Robert Schmidjell (Licht & Technik); Choreografie & Musik: das Ensemble.Fotos: Toihaus Theater/ Michaela Grieshaber


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Im Toihaus feierte am 16. November 2014 die neueste Klein(st)kinderproduktion nach dem gleichnamigen Bilderbuch von Stéffie Becker Premiere. Pascale Staudenbauer schlüpft in die Rolle eines kleinen Mädchens, das sich am Wasser mit viel Phantasie die Zeit vertreibt. Gudrun Raber-Plaichinger sorgt für die musikalische Untermalung.

elipi_aVon Elisabeth Pichler.

Erwartungsvoll sitzen die Kinder auf ihren Kissen am Boden und blicken fasziniert auf die Bühne, auf der es so einiges zu entdecken gibt, denn zwischen den glitzernden Wellen tummeln sich nicht nur Fische. Dem jungen Mädchen ist sichtlich fad, so ganz alleine ohne Spielkameraden am Wasser. Ablenkung verschaffen die vorbeiziehenden Schiffe. Sie winkt ihnen begeistert zu, doch kaum sind sie verschwunden, ist ihr schon wieder langweilig. So steckt sie die Zehen ins Wasser und treibt allerlei Unsinn. Plötzlich kommt ihr die Idee, selbst ein Schiff zu basteln und dieses auf die Reise zu schicken. Dann heißt es warten, ob das Schiff auch wiederkommt.

Pascale Staudenbauer hat den unschuldigen und doch unternehmungslustigen Blick eines kleinen Mädchens perfektioniert. Sie hält ständig Blickkontakt mit den kleinen Zusehern, die am liebsten aufstehen und mit ihr spielen möchten. Gudrun Raber-Plaichinger spielt nicht nur hervorragend Hackbrett, sie ist auch für das Plätschern des Wassers, das gewaltige Rauschen der riesigen Wellen und das Tuten der Schiffe verantwortlich.

Die Kinder verfolgen fasziniert die phantasievolle, ruhige Performance, die von Myrto Dimitriadou in Szene gesetzt wurde. Das schönste Kompliment für Schauspieler ist wohl die Reaktion der Kinder nach dem Schlussapplaus. Sie können es einfach nicht fassen, dass die Geschichte schon zu Ende sein soll, und bleiben einfach sitzen. Als Trostpflaster gibt es für jedes Kind noch ein kleines Faltboot.

„Aufbruch“ – Theater mit Tanz und Musik für Kinder (1,5 – 5 Jahre) nach dem gleichnamigen Bilderbuch von Stéffie Becker. Myrto Dimitriadou (Regie), Pascale Staudenbauer (Tanz und Spiel), Gudrun Raber-Plaichinger (Musikarrangement), Irene Edenhofer-Welzl (Bühnenbild und Kostüm), Robert Schmidjell und Alexander Breitner (Licht und Technik). Fotos: toihaus


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Mit einer Soloperformance aus Licht, Bewegung sowie absoluter Finsternis eröffnete die künstlerische Leiterin des Toihaus Theaters Salzburg Myrto Dimitriadou am 11.10.2014 die Jubiläumssaison. Das Toihaus feiert im Dezember seinen 30. Geburtstag, schon jetzt herzliche Glückwünsche an das gesamte Team. Ad multos annos!

elipi_aVon Elisabeth Pichler.

In einem Kuvert mit der Aufschrift „ausgesprochen geheim“ versteckt sich der Programmzettel mit der Erklärung des geheimnisvollen Titels „Wolflicht“:

„Ab jetzt befinden Sie sich im Lykophos (auch „Wolflicht“ genannt). ,Wolflichtʼ ist ein Schwellenzustand. Da wo sich Licht und Schatten vermengen, eins werden, der Wolf (lykos) bevorzugt auf Jagd geht und unsere Sinne – geschärft durch die Dunkelheit – weit offen sind in Erwartung des kommenden Lichts und des eben zu gebärenden Tages. Mit all seinen Höhen und Tiefen. In diesem besonderen Zustand ist nichts eindeutig. Doch, so schläfrig-dämmervoll wir scheinbar noch sein mögen, unsere Fantasie ist äußerst rege. Erinnerungen tauchen vor unserem inneren Auge auf, längst vergessene Emotionen kriechen aus der Dämmerung ans Licht (phos), ja ganze Erinnerungsräume tun sich auf, um blitzschnell anderen Gefühlen Platz zu machen, die – manchmal überraschend – auch ihr Recht einfordern.“

Das Stück beginnt mit exakt 20 Sekunden absoluter Dunkelheit. Ein Streichholz ist die erste Lichtquelle, dann folgt eine Taschenlampe und schließlich zucken blitzartig die unterschiedlichsten Lampen und Glühbirnen, die von der Decke hängen, auf. Im Zentrum sitzt ruhig und gelassen eine Künstlerin, die auf ihr ereignisreiches Leben zurückblickt. Sie erinnert sich, sie geht auf Spurensuche. Freude kommt auf, als sie ein weißes Hochzeitskleid überzieht und zwischen den mitschwingenden Lampen fröhlich tanzt. Doch das Glück ist nicht von Dauer, auch böse Erinnerungen tauchen auf. Zwischendurch blickt die Künstlerin wie gebannt auf eine kleine Bühne und denkt an die Zeit ihrer großen Auftritte zurück, den Applaus noch im Ohr. Das Publikum erlebt die Stationen eines bewegten Künstlerlebens wie in Trance mit, denn die Licht- und Stimmungswechsel fordern volle Konzentration, führen aber auch zu ständiger Irritation. Abwechselnd funkeln die Lichter wie Sterne, dann wieder blenden sie mit einer fast schmerzhaften Intensität. Bewundernswert Gudrun Raber-Plaichinger (Violine) und Yoko Yagihara (Klavier), die der Phantasie mit ihrer Musik nachhelfen und sich von den wechselnden Lichtverhältnissen nicht irritieren lassen. Eine ruhige, sehr intime Performance, ein Wechselspiel zwischen Licht, Schatten und Dunkelheit, ein ganz spezieller Toihaus-Abend.

Gratulation an Myrto Dimitriadou, die für ihre langjährige, herausragende kulturpolitische und künstlerische Leistung im Feld der darstellenden Kunst für junges Publikum den Sonderpreis des Vorstandes der ASSITEJ Austria erhält.
Vorschau: Von 21.2.2015 bis 15.3.2015 findet das 5. Internationale Theaterfestival für Klein(st)kinder statt, erstmals auch mit Veranstaltungen außerhalb des Toihaus Theaters. 12 Produktionen aus 7 Ländern warten mit einer großen Vielfalt aus Tanz, Musik und Bewegungstheater auf die Allerjüngsten. Programmdetails: www.toihaus.at

„Wolflicht“ – Myrto Dimitriadou (Bewegung, Performance), Gudrun Raber-Plaichinger (Musik, Performance), Yoko Yagihara (Musik, Performance), Katharina Schrott (Idee, Choreografie, Regie), Ragna Heiny (Bühne & Kostüme), Scotch Maier (Dramaturgie), Cornelia Böhnisch (dramaturgische Begleitung), Hüseyin Evirgen (musikalische Begleitung), Alex Breitner (Lightdesign, Technik), Frank Lischka (Lightdesign Beratung), Robert Schmidjell (Technik). Fotos: Toihaus Theater / Michaela Grieshaber


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Die Musikerin Gudrun Raber-Plaichinger und die Tänzerin Ceren Oran liefern sich auf der Bühne einen musikalisch-tänzerischen Zweikampf, der versöhnlich endet. Über die Sinnesempfindungen erforscht der Choreograf Tomaz Simatovic in dieser Performance das Verhältnis zwischen Musik und tänzerischer Präsenz.

elipi_aVon Elisabeth Pichler.

Ceren Oran betritt die strahlend weiße, vollkommen leere Bühne. Über In-Ear-Kopfhörer lauscht sie verzückt einer Musik, deren Klänge vom Publikum nur zu erahnen und kaum zu hören sind. Ihre Bewegungen, anfangs ganz langsam, werden zunehmend schneller. Schwer atmend legt sie eine Pause ein und kommt schließlich wieder zur Ruhe. In dieser 15-minütigen Soloperformance gibt sie sich ganz der Musik hin und nimmt die Zuhörer bzw. Zuseher mit auf eine Reise fast ohne Töne, abgesehen von den Geräuschen, die ihre schweren Schuhe bei den Steppversuchen erzeugen.

Dann erscheint Gudrun Raber-Plaichinger auf der Bühne und lackiert sich in aller Ruhe ihre Fingernägel, während ein Techniker die Requisiten – eine Turnmatte plus Barhocker – aufstellt. Zwei riesige Lautsprecher werden mit Mikrofonen und Musikinstrumenten verbunden. Es dauert seine Zeit, bis der Kabelsalat entwirrt und alles ordentlich angesteckt ist. Die beiden Performerinnen bleiben völlig unbeeindruckt von diesem geschäftigen Treiben. Es folgt ein Zweikampf, ausgelöst durch die Kraft der Gegenpole, durch Tanz und Musik, Stille und Klang, Persönliches und Unpersönliches, Wünsche und Erinnerungen. Unter Verwendung von populären Musikzitaten aus Pop und Klassik, von Gedichten und Liedern, gelingt es den beiden Darstellerinnen trotz unterschiedlicher Rhythmen einen gemeinsam „Puls“ zu erzeugen. Die ungewohnte Mischung aus romantischen Tönen und wilder Rockmusik erzeugt einen unwiderstehlichen Sog. Während sich die beiden in Ekstase tanzen und sich ganz der Musik hingeben, schwappt die Euphorie auf das Publikum über. Schließlich liegen sich Ceren Oran und Gudrun Raber-Plaichinger glücklich in den Armen und beginnen, im gleichen Rhythmus zu tanzen. Ernüchternd der Techniker, der diese Idylle stört und in aller Ruhe die Bühne wieder leer räumt.

Das Toihaus Salzburg ist bekannt für seine experimentellen Performances, die stets für Überraschungen sorgen. Während die Musikerin Gudrun Raber-Plaichinger für diesen Abend, diese „Ballade über die Unmöglichkeit der Liebe“, eine ganz eigenwillige, faszinierende Musik geschaffen hat, überrascht die Tänzerin und Soundpainterin Ceren Oran mit ihrem ganz speziellen Stampftanz. Wer das Ungewöhnliche sucht, wird von dieser multidisziplinären Performance begeistert sein.

„Pulse“ – Dance Concert. Toihaus Theater Salzburg. Ceren Oran (Tanz, Performance), Gudrun Raber-Plaichinger (Musik, Performance), Tomaz Simatovic (Idee, Choreografie, Regie), Alex Breitner und Robert Schmidjell (Licht, Technik). Fotos: Toihaus Theater / Michaela Grieshaber


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Am 16.3.2014 fand im Toihaus Salzburg die Premiere eines phantasievollen, unterhaltsamen Tanztheaters für Kinder von 2,5 bis 5 Jahre statt. Die Tänzerin und Choreographin Ceren Oran begeisterte mit ihrem tollpatschigen Versuch, für ein Geburtstagsfest einen Gugelhupf zu backen, Groß und Klein.

elipi02Von Elisabeth Pichler.

Mitten auf einer riesigen weißen Tortenspitze befindet sich ein wunderschön verpacktes, mit einer großen Masche verziertes „Überraschungsgeschenk“. Ceren Oran staunt nicht schlecht, als sie die Verpackung entfernt, denn plötzlich steht ein großer Herd mitten auf der Bühne. Leider entpuppt sich der Gugelhupf im Rohr als leere Kuchenform, die man zwar wunderbar als Hut verwenden kann, aber nicht als Geburtstagskuchen. Frohgemut beschließt die muntere Köchin, nun selbst ein Kuchen zu backen, das kann doch wirklich nicht so schwer sein. Zum Vergnügen des jungen Publikums scheitern die ersten Versuche kläglich. Dass es nicht reicht, ein Mehlsackerl und ein Milchpackerl gemeinsam mit einem Quirl ins Rohr zu stellen, wissen selbst die Kleinsten. Den niederschmetternden Kommentar eines kleinen Jungen, „Das ist keine gute Köchin“, nimmt sich Ceren Oran zu Herzen und greift nun zu einem riesigen Kochbuch. Aber trotz der großen Bilder tauchen auch hier Probleme auf. Wie schlägt man ein Ei auf? Was tun, wenn die Hand vom vielen Rühren schmerzt?

Die wohlgemeinten Ratschläge aus dem Publikum werden beherzigt und schließlich kann die Köchin wirklich stolz auf ihr Werk sein. Eigentlich ein Wunder, dass der Teig doch noch in der Form und anschließend im Rohr landet, denn die rührige Kuchenbäckerin lässt sich immer wieder ablenken, bläst das Mehl in den Himmel, tanzt auf einer kleinen Blumenwiese und missbraucht den Rührstab für eine kleine Bootstour.

Ceren Oran versteht es, mit natürlicher, ansteckender Fröhlichkeit und fließenden tänzerischen Bewegungen die Aufmerksamkeit der Kinder zu gewinnen. Eine wunderschöne Performance zum Staunen und Lachen mit viel Tanz und Musik. Wer Kinder oder Enkelkinder im passenden Alter hat, sollte unbedingt einen Blick auf das Kinderprogramm des Toihaus Theaters werfen. Nähere Infos unter www.toihaus.at

„Kugelhupf“ – Theater mit Tanz und Musik für Kinder (2,5 – 5 Jahre). Mit: Ceren Oran (Tanz, Choreografie), Yoko Yagihara (Musik), Sigrid Wurzinger (Bühnenbild & Kostüme), Robert Schmidjell, Alex Breitner (Technik); Tischlerarbeit: Tom Schweiger. Dauer: 35 min. Fotos: toihaus