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Die Leiden der jungen Wärter

Wo ist denn nun der Werther?

Am 27. September wurde im Grazer Schauspielhaus die goethesche Schmonzette „Die Leiden der jungen Wärter“ uraufgeführt. Die Neufassung wurde von Nele Stuhler und Jan Koslowski geschrieben und von Studenten des Institutes für Schauspiel der Kunstuniversität Graz aufgeführt. Eine moderne Sichtweise auf die Leiden, welche schon Goethe beschrieben hatte.

Matthias Traintinger

Von Matthias Traintinger

Die Leiden der jungen Wärter

Doch anders als beim Original steht diesmal nicht der Werther im Mittelpunkt, sondern vielmehr jene um ihn herum. Im dritten Jahr der Wärterausbildung in einem weitentlegenen Institut findet sich Wilhelm mit all den anderen Wärteranwärtern ein, jedoch ohne dem Wärteranwärter Werther. Dieser scheint verschwunden zu sein und hinterlässt nur verwirrte Geister, welche dem Wärteranwärter Werther nachtrauern. Denn  jeder von ihnen fühlt das Besondere, welches der Werther so geschätzt hat, obwohl es eher unwahrscheinlich ist, das Besondere, weil ja jeder dieses Besondere hat. Und soviel Besonderes an einem Ort ist doch eher unwahrscheinlich.

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Das Ensemble überzeugt auf einer
schillernden Bühne mit gewaltigen Kostümen. Nele Stuhler und Jan Koslowski
haben mit ihrer doch geistreichen Schmonzette die Leiden des jungen Werthers in
das hier und jetzt geholt. Vor beinahe 250 Jahren erschuf Goethe mit dem
Werther eine neue Sichtweise auf die Leiden der Liebenden. Damals wusste noch
keiner wie sich eine Gesellschaft entwickeln würde, in der sich die Liebe über
die Zweckmäßigkeit stellte. Doch auch heute bin ich mir nicht sicher, ob sie
das auch tat, denn was früher die patriarchale Unterdrückung war, ist heute
womöglich eine liquide.

Und doch hat sich viel verändert, freie Liebe ist zum Kassenschlager geworden. So muss man auch nicht alles genau nehmen, was bei der Ausbildung der Wärteranwärter passiert, wer mit wem oder wer mit wem nicht. Denn sie alle werden ausgebildet um zu sichern, etwas, dass vielleicht sehr viel Unsicherheit mit sich bringt. Denn eines hat sich im Laufe der Zeit nicht verändert, der unsichere Blick in die Zukunft.

Die Leiden der jungen Wärter > | Eine goethesche Schmonzette von Nele Stuhler und Jan Koslowski  | Uraufführung | Kooperation mit dem Institut für Schauspiel der Kunstuniversität Graz | Regie: Nele Stuhler & Jan | Koslowski | Premiere am 27. September 2019 im Grazer Schauspielhaus |Bühne: Lukas Kesler | Kostüme: Marilena Büld | Dramaturgie: Jan Stephan Schmieding | Mit: Patrick Firmin Bimazubute, Romain Clavareau, Paul Enev, Alina Haushammer, Fanny Holzer, Carmen Kirschner, Ioana Nitulescu, Nataya Sam, Mia Wiederstein | Fotos: Grazer Schauspielhauis/ Lex Karelly


Maxim Vengerov

Inhaber der ersten Stiftungsprofessur an der Universität Mozarteum Salzburg

Der Leitung der Universität Mozarteum Salzburg ist es gelungen, erstmals eine Stiftungsprofessur zu akquirieren. Es handelt sich dabei um eine zur Gänze extern finanzierte Universitätsprofessur für Violine, die an eine international herausragende künstlerische Persönlichkeit für den
Bereich EEK (Erschließung und Entwicklung der Künste) vergeben wird.

Mit Maxim Vengerov kommt einer der weltweit am meisten gefeierten Geiger nach Salzburg, um ab Beginn des Wintersemesters 2019/20 für drei Jahre an der Universität Mozarteum Salzburg zu wirken. Die Öffentlichkeit ist herzlich eingeladen, seine Masterclasses am 14. Oktober 2019 im Solitär der Universität Mozarteum bzw. am 9. Dezember 2019 im Großen Saal der Stiftung
Mozarteum mitzuerleben.

Maxim Vengerov

Der Grammy-Preisträger Maxim Vengerov (geb. 1974) ist einer der besten Geiger und angesehensten klassischen Künstler unserer Zeit und genießt auch als Dirigent internationale Anerkennung. Bereits im Alter von zehn Jahren gewann er die renommierte Henryk Wieniawski Competition sowie fünf Jahre später den internationalen Carl-Flesch-Violinwettbewerb. Auch seine erste Studioaufnahme spielte er bereits im Alter von zehn Jahren ein.

Maxim Vengerov wurde zunächst von Galina Turtschaninowa unterrichtet und war einer der Eleven, die in den frühen 1990er-Jahren dem legendären Geigenlehrer Zakhar Bron aus dem Ostblock an die Musikhochschule Lübeck folgten, doch zählte Vengerov zu den Wenigen, die dauerhaften Erfolg hatten. Er spielte eine Vielzahl von Aufnahmen für bekannte Labels wie Melodia, Teldec und EMI ein, wofür er u. a. mit einem Grammy Award, einem Classical Brit Award, fünf Edison Classic Awards sowie zwei ECHO Klassik Awards ausgezeichnet und vom Gramophone Magazin zum Künstler des Jahres gekürt wurde. Zur künstlerischen Entwicklung trug die Zusammenarbeit mit herausragenden Dirigenten wie Mstislaw Rostropowitsch und Daniel Barenboim bei. Überdies studierte Vengerov Dirigieren bei Vag Papian.

Anfang 2007 erlitt er eine Verletzung am rechten Arm, weshalb er als Solist eine Zeit lang pausierte und nur als
Dirigent auftrat. Seit September 2010 konzertiert er wieder als Geiger.

Maxim Vengerov spielt auf einem legendären Instrument, der „Ex-Kreutzer“ Stradivari von 1727. In den vergangenen Jahren trat er sowohl als Solist als auch als Dirigent mit vielen großen Orchestern auf, darunter das New York Philharmonic Orchestra, die Berliner Philharmoniker, das London Symphony Orchestra, das BBC Symphony Orchestra, das Mariinsky Theatre Orchestra und das Chicago, Montreal und Toronto Symphony Orchestra.

Höhepunkte der Saison 2018/19 waren die Saisoneröffnung des Orchesters Filarmonica della Scala mit Riccardo Chailly sowie zahlreiche Rezitals in den USA, China und Europa. Zudem wirkte er als Artist in Residence beim Orchestre Philharmonique de Monte-Carlo und an der Pariser Philharmonie. Die Salzburger Festspiele präsentierten Maxim Vengerov Ende Juli 2019 gemeinsam mit der Pianistin Polina Osetinskaya in einem Solistenkonzert.

Mit großer Leidenschaft widmet sich Maxim Vengerov der Ausbildung und Förderung junger Talente. Er hatte weltweit vielfältige Unterrichtspositionen inne und fungiert als Botschafter und Gastprofessor an der International Menuhin Music Academy in der Schweiz. Im Herbst 2016 übernahm er zudem die Polonsky-Gastprofessur am Royal College of Music in London.

Die Künstlerpersönlichkeit Maxim Vengerov beleuchten einige Dokumentationen, darunter „Playing by Heart“ für Channel Four, 1999 bei den Fernsehfestspielen in Cannes gezeigt, und „Living the Dream“, 2008 mit dem Gramophone Award als bester Dokumentarfilm ausgezeichnet.

Presseaussendung Universität Mozarteum Salzburg
Thomas Manhart, Abteilung für PR und Marketing
Fotos: Universität Mozarteum/Manuela Schuster


Dorfzeitung


Joseph Haydn - Oper

„Il mondo della luna“ – die wundersame Welt auf dem Mond

Joseph Haydns letzte Opera buffa wurde 1777
auf Schloss Esterházy uraufgeführt. Das Libretto stammt von Carlo Goldoni und
garantiert erfrischendes, spritziges Musiktheater, wie geschaffen für junge Studierende.
Viel Applaus bei der Premiere am 21. Juni 2019 im Großen Studio der Universität
Mozarteum.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Der reiche, verwitwete Kaufmann Buonafede bewacht seine heiratsfähigen Töchter, Clarissa und Flaminia, streng. Dennoch gelingt es Clarissas Freund Ecclitico, sich als falscher Astrologe das Vertrauen des leichtgläubigen, mondsüchtigen Vaters zu erschleichen. Leidenschaftlichen Treffen mit der Geliebten steht somit nichts mehr im Wege. Buonafede selbst hat ein Auge auf das Stubenmädchen Lisetta geworfen und merkt nicht, dass diese nur auf sein Geld aus ist und in Wahrheit für den jungen Cecco schwärmt.

Gemeinsam mit Flaminia und ihrem Freund Ernesto wird ein Plan ausgeheckt, um den Alten zu überlisten. Sie nutzen Buonafedes Leidenschaft für den Mond aus, versprechen ihm eine unvergessliche Reise zum Mond, verpassen ihm einen Schlaftrunk und lassen ihn in einem lunarischen Paradies erwachen. Hier ist alles Genuss und alles Glück, denn er wird vom Mondkönig herzlich aufgenommen und bekommt sogar eine Peitsche überreicht, um damit aufmüpfige Frauen zu bestrafen. Als er schließlich dahinter kommt, dass alles nur inszeniert ist, muss er erkennen: „Ich alleine bin der Narr gewesen.“

In Joseph Haydns komischer Oper schwingen drei starke Frauen emanzipatorische Reden, denn sie sind nicht bereit, sich überkommenen Rollenklischees zu fügen. Regisseurin Karoline Gruber hat deshalb das Stück passend zur Thematik in den 50er und 60er Jahren angesiedelt und lässt den etwas naiven Buonafede und seine Damen in einem für diese Zeit typischen Bungalow mit großer Terrasse und Pool residieren (Bühne: Marion Käfer).

Tomasz Jeziorski zaubert mit seinen Videoprojektionen in den lauschigen Garten einen fantastischen Dschungel samt Wasserfall und wilden Tieren, in dem sich die spacig gekleideten Mondbewohner (Kostüme: Egon Edoardo Stocci) sichtlich wohlfühlen.

Die drei Damen der Premierenbesetzung beenden mit dieser Diplomoper ihr Masterstudium. Wendy Krikken (Clarissa) wurde nach Dortmund engagiert, Mariya Taniquchi (Flaminia) ins „Junge Ensemble der Sächsischen Staatsoper“ in Dresden aufgenommen und Zsófia Mózer (Lisetta) wird ein Engagement im Opernstudio des Salzburger Landetheaters antreten.

Eine vor musikalischen Einfällen sprudelnde Oper, ein Text, der an Commedia-dell’Arte-Stücke erinnert, eine quicklebendige Inszenierung und vielversprechende junge Stimmen ergeben eine äußerst bekömmliche Mischung, die vom Publikum begeistert aufgenommen wurde.

„Il mondo della luna“ – Oper von Joseph Haydn nach einem Libretto von Carlo Goldoni. Eine Veranstaltung des Departments für Oper und Musiktheater in Zusammenarbeit mit dem Department für Gesang und dem Department für Bühnen- und Kostümgestaltung, Film- und Ausstellungsarchitektur. Musikalische Leitung: Kai Röhrig. Szenische Leitung: Karoline Gruber. Bühne: Marion Käfer. Kostüme: Egon Edoardo Stocchi. Video-Design: Tomasz Jeziorski. Kammerorchester der Universität Mozarteum. Die Besetzung an den vier Aufführungstagen ist variabel. Fotos: Christian Schneider/ Mozarteum


Die Möwe - Anton Czechow

„Die Möwe“ – eine bittersüße Komödie

Studierende des Thomas Bernhard Instituts irren in Anton Tschechows Klassiker aus dem Jahre 1895 im Theater im KunstQuartier durch ein abgeerntetes Maisfeld. Die Diplominszenierung von Asaf Haméri verliert so auch in der extrem gekürzten Fassung nichts von ihrer beklemmenden Wirkung.

Elisabeth PichlerVon Elisaberth Pichler

Der junge Schriftsteller Kosta lässt selbst das Publikum in den Saal. Er ist sichtlich nervös, schließlich will er gleich sein neues, revolutionär modernes Stück präsentieren. Seine Mutter Irina schafft es, ihm durch ihr ständiges Nörgeln und Drängeln („Können wir endlich anfangen!“)  jedes Selbstvertrauen zu nehmen. Verspätet erscheint Kostas Freundin Nina, die in dem Stück „ohne Figur, ohne Situation, nur mit Text“ die Hauptrolle spielen soll. Die Mutter stört ständig die Aufführung und zeigt für die angekündigte „Suche nach Brüchen, die man nicht rückgängig machen kann“, keinerlei Verständnis. Nina wendet sich nach Abbruch der Vorstellung Irinas Liebhaber, dem erfolgreichen Schriftsteller Trigorin, zu und lässt sich von ihm ihr schauspielerisches Talent bestätigen. Kosta hingegen lässt sie links liegen, selbst als er ihr eine tote Möwe zu Füßen legt, ist sie wenig beeindruckt. Als Trigorin und Irina das Gut verlassen, folgt ihnen Nina, um fortan als Schauspielerin Karriere zu machen. Wirklich glücklich ist auf diesem russischen Landgut eigentlich niemand. Mascha, die Tochter des Gutsverwalters, liebt Kosta, beschließt jedoch, den kränklichen Sorin, einen absoluten Versager, zu heiraten. Sie ist der Meinung, das sei immer noch besser, als das Leben hinter sich herzuziehen. Jahre später kehrt Nina auf den Gutshof zurück und muss sich eingestehen, dass der Versuch, ihre Träume zu verwirklichen, danebengegangen ist. Sie ist jedoch nicht die einzige, deren Lebensentwurf tragisch scheitert.

Kosta (Gustav Schmidt) ist wirklich zu bedauern mit seiner gefühlskalten, eitlen und geizigen Mutter (Valentina Schüler), die ihn nur niedermacht. Der etablierte Dichter Trigorin (Erik Born) erweist sich als überheblicher Schwächling ohne jedes Rückgrat. Mascha (Johanna Meinhard) rettet sich in ihrem Frust in Bösartigkeit und zieht Befriedigung aus der Quälerei ihres ungeliebten Gatten (Elias Füchsle). Die etwas naive Nina wird von Lili Epply verkörpert.

Asaf Haméri hat Tschechows Komödie aus dem Jahre 1895, die von den Brüchen zwischen komischen und tragischen Momenten lebt, temporeich und mit mitreißenden musikalischen Einlagen in Szene gesetzt. Bleibt nur zu hoffen, dass diese Inszenierung auch im Jahr 2018 nochmals zu sehen sein wird. Das aktuelle Programm findet man stets unter: http://schauspiel.moz.ac.at/seiten/veranstaltungen/theater-im-kunstquartier.php

„Die Möwe“ von Anton Tschechow. Regie: Asaf Haméri. Übersetzung: Angela Schanelec. Zusätzliche Texte: Asaf Hameiri. Musik: Borgolte und die Kolben. Bühne/Kostüme: Ran Chai Bar-zvi. Mit: Elias Füchsle, Erik Born, Gustav Schmidt, Johanna Meinhard, Lili Epply, Valentina Schüler.


Alcina -Mozarteum Salzburg

„Alcina“ – eine mächtige Zauberin und ihre Liebhaber

Im Großen Studio der Universität Mozarteum kam Anfang Dezember 2017 Georg Friedrich Händels Zauberoper in der Inszenierung von Alexander von Pfeil zur Aufführung.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Das  Department für Oper und Musiktheater in Kooperation mit dem Department für Bühnen- und Kostümgestaltung, Film-  und Ausstellungsarchitektur und dem Institut für Alte Musik beschert dem Publikum große Barockoper.

Die Geschichte der Zauberin Alcina basiert auf dem Epos “Orlando furioso” des italienischen Renaissancedichters Ludovico Ariosto und war von Georg Friedrich Händel als Ballettoper konzipiert. Diesen Luxus leisten sich heute nur mehr wenige Opernhäuser. Eine rühmliche Ausnahme war die überaus geglückte Inszenierung von Händels „Ariodante“, die bei den heurigen Pfingstfestspielen und als Wiederaufnahme bei den Salzburger Festspielen mit Cecilia Bartoli in der Titelrolle zu erleben war. Dass eine Ballettoper aber auch ohne Ballett bestens funktionieren kann, beweisen die Studierenden der Universität Mozarteum mit ihrer Aufführung der „Alcina“.

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Alcina -Mozarteum Salzburg

Die Zauberin Alcina lebt auf einer idyllischen Insel, an deren Ufer oftmals Schiffe stranden. Die männlichen Besatzungsmitglieder erliegen üblicherweise sofort den Reizen der hübschen Zauberin. Die Dame ist jedoch wankelmütig und verwandelt ihre abgelegten Liebhaber gerne in Blumen, Tiere oder einfach nur Gestein. Ihr derzeitiger Favorit heißt Ruggiero und hat im Liebestaumel seine Braut Bradamante völlig vergessen. Als diese auf der Insel auftaucht, erkennt er seine Verlobte nicht wieder. Da sie sich als Mann verkleidet hat, hält er sie für deren Zwillingsbruder Ricciardo. Alcinas Schwester Morgana verliebt sich sofort in den schönen Jüngling und will sich von ihrem Verlobten Oronte trennen. Rasende Eifersucht und infame Intrigen beherrschen das weitere Geschehen. Doch Alcina begeht schließlich einen riesigen Fehler und verliert so ihre Macht und Zauberkraft.

Alcina -Mozarteum Salzburg

Raue Sitten herrschen auf Alcinas Liebesinsel. Die lieblich flatternden, an Hippie-Outfits erinnernden Kleidchen der Bewohnerinnen täuschen, denn die Gestrandeten werden äußerst brutal behandelt und sofort ausgeraubt.  Messer und Hackebeil sind hier schnell zur Hand. Dass mit der lieblichen Alcina nicht zu spaßen ist, merkt man spätestens bei ihrer großen Wutarie, wenn die Plastikstühle durch den sterilen weißen Raum, der im Laufe der Oper immer mehr von der Natur kontaminiert wird, fliegen. Die Drohung „Grüne Wiesen, liebliche Wälder, eure Schönheit werdet ihr verlieren“ scheint sich zu bewahrheiten.

Alcina -Mozarteum Salzburg

Immer wieder beeindruckend das hohe gesangliche Niveau der Studierenden am Mozarteum. Bei der Aufführung am 9. Dezember 2017 überzeugten vor allem Enzgi Güngör als be- und verzaubernde Alcina, Himani Grundström als ihre flippige Schwester Morgana, Neelam Brader als unglücklich verliebte Bradamante, Ines Rocha Constantino als Ruggiero und Nutthaporn Thammathi als brutaler Oronte. Am Pult des Kammerorchesters der Universität Mozarteum sorgten zwei Dirigenten (Giulio Cilano und Roman Rothenaicher) dafür, dass Händels facettenreiche Musik ihren betörenden Klang erhielt.

Eine große Barockoper im Mozarteum Salzburg zu erleben, die von jungen Sängern und Musikern in einer aufwändigen, stimmigen Inszenierung präsentiert wird, ist reinstes Vergnügen.

Alcina -Mozarteum Salzburg

„Alcina“ Oper in drei Akten von Georg Friedrich Händel. Eine Veranstaltung des Departments für Oper und Musiktheater in Kooperation mit dem Department für Bühnen- und Kostümgestaltung, Film- und Ausstellungsarchitektur und dem Institut für Alte Musik. Kammerorchester der Universität Salzburg. Szenische Leitung: Alexander Pfeil. Bühne: Eric Droin. Kostüme: Anna Brandstätter. Fotos: Mozarteum


„Le nozze di Figaro“ – Opera buffa von Wolfgang Amadeus Mozart

Mit einer frechen, frivolen Inszenierung sorgt Regisseurin Karoline Gruber, gemeinsam mit Studierenden des Departements für Musiktheater und Gesang an der Universität Mozarteum, für einen hinreißend erfrischenden, heiteren Opernabend im großen Studio des Mozarteums Salzburg.

Elisabeth PichlerVon Elisabeth Pichler

Im Vorwort zu „Der tolle Tag oder Figaros Hochzeit“ schreibt Beaumarchais: „Ein spanischer großer Herr (Conte Almaviva) liebt ein verlobtes junges Mädchen (Susanna), das er zu verführen sucht. Die Verlobte, der Mann, den sie heiraten soll (Figaro), und die Frau des Edelmanns (Contessa Almaviva) finden sich zusammen, um den Plan eines absoluten Heuchlers zum Scheitern zu bringen, dem Rang, Vermögen und Freigiebigkeit alle Macht verleihen, sein Vorhaben zu verwirklichen. Das ist alles, nichts weiter.“

Kürzer und präziser lässt sich Mozarts Figaro wohl kaum zusammenfassen. Der turbulente Tag, an dem nach etlichen Enttäuschungen dank schlauer Intrigen schließlich sogar eine Doppelhochzeit gefeiert werden kann, endet im nächtlichen Schlosspark mit einem Verwechslungsspiel, bei dem der Graf nicht die glücklichste Rolle spielt.

Roy Spahn (Bühne, Kostüm, Licht) hat einen großräumigen, großzügig mit Pflanzen ausgestatteten Wintergarten auf die Bühne gestellt. Hier sind Vorbereitungen für eine Hochzeit in vollem Gange. Der Gärtner liefert Unmengen von Bier und Sekt und bedient sich gleich selbst. Die Biertische werden mit Blumen geschmückt und die Gläser poliert. Beim Schriftzug „JUST MARRIED“ blinken zwar noch nicht alle Lämpchen, doch Figaro steckt schon im Frack. Wohl etwas voreilig, denn der Graf hat sein Okay zu dessen Trauung mit der Kammerzofe Susanna noch nicht gegeben. Er rechnet sich nämlich bei der flotten jungen Dame noch immer Chancen aus, vertraut er doch auf seinen unwiderstehlichen Charme und präsentiert sich ihr nach einem Saunabesuch fast nackt. Weil die Gräfin, die völlig gebrochen auf einem der Biertische sitzt, die Avancen ihres umtriebigen Gemahl miterleben muss, ist es kein Wunder, dass sie dem Werben des liebestollen jungen Cherubino nicht widerstehen kann. So gibt es in dieser Inszenierung, die voller Überraschungen steckt, ein Happy End, mit dem der Herr Graf nicht zufrieden sein dürfte.

In der Vorstellung vom 15.5. begeisterten die jungen Sängerinnen und Sänger stimmlich wie schauspielerisch und punkteten mit enormer Bühnenpräsenz. Bei all dem Trubel auf der Bühne sind es besonders die ruhigen, sinnlichen Momente, die bewegen und zu Herzen gehen. Kai Röhrig, der das Kammerorchester der Universität Mozarteum Salzburg einfühlsam leitet, lässt sich selbst von den beatboxenden Bauernmädchen, die dem Grafen huldigen, nicht aus der Ruhe bringen. Eine junge, ungestüme Version des Figaro, wie man sie in dieser Qualität wohl nur an der Universität Mozarteum erleben kann.

„Le nozze di Figaro“ – Oper in vier Akten von Wolfgang Amadeus Mozart. Kammerorchester der Universität Mozarteum, Studierende der Departments für Musiktheater und Gesang. Musikalische Leitung: Kai Röhrig. Szenische Leitung: Karoline Gruber. Ausstattung: Roy Spahn. Mit: Chi-An Chen / Thanapat Tripuvananantakul, Hongyu Cui / Mariya Taniguchi,Karina Benalcazar / Wendy Krikken, Reba Evans / Maria Hegele, Clemens Joswig / Philipp Kranjc, Julia Leckner / Emma Marnoch, Svyatoslav Besedin / Daniel Weiler, Markus Ennsthaler / Yu Hsuan Cheng, Jakob Hoffmann / Felix Mischitz, Claire Austin / Alina Martemianova, Bettina Meiers, Leonie Stoiber, Neelam Brader, Domenica Radlmeier. Fotos: Mozarteum Salzburg


„Der reizende Reigen nach dem Reigen des reizenden Herrn Arthur Schnitzler“

David Bösch hat gemeinsam mit Schauspielstudierenden des 4. Jahrgangs des Thomas Bernhard Institutes der Universität Mozarteum Werner Schwabs bitterböse Satire auf Arthur Schnitzlers einstiges Skandalstück inszeniert. Die Premiere fand am 23. März 2017 im KunstQuartier statt.

Von Elisabeth Pichler

Der Autor hat in diesem Stück auf das übertrieben Derbe und Fäkalische verzichtet. Doch zeigt bereits die erste Szene seine ungeheure Sprachgewalt, mit ihren grotesken Übersteigerungen und überspitzten Wortgebilden, echt „SCHWABISCH“ eben.

HURE: „Na, du schönes schnelles Auto, willst du nicht machen etwas mit deiner einsamen Karosserie an der meinigen Person am heutigen Abend?“

ANGESTELLTER: „Ich bin kein schönes schnelles Auto, ich bin ein waschechter Angestellter. Ich bin durch und durch gut angestellt und ich bin mir zu jung und zu schlank und zu gut ausgelastet, auf dass ich mir schon eine Bezahlung leisten müssen täte für die Witze in der Geschlechtlichkeit.“

Das Karussell des „geschlechtlichen Totalverkehrs“ dreht sich weiter. Eine Kaugummi kauende Friseuse massiert dem Angestellten am Faschingsdienstag ordentlich die Kopfhaut, bevor sie ihren neuen Hausherrn besucht. Dieser wiederum beeindruckt seine verheiratete Geliebte mit einer gut bestückten Bibliothek. Nach einem „Mach es mir, du Bücherwurm“ bringen sich die beiden mit einem Literaturquiz zum Höhepunkt. Daheim im Ehebett mutiert die selbstbewusste Dame zum „dummen Liebling“. Als überheblicher, schleimiger Chef verführt besagter Ehegatte wiederum eine junge Sekretärin, indem er sie mit Alkohol abfüllt. Nachdem er sein Ziel erreicht hat, „erscheint eine Abschiebung am Horizont“. Die Sekretärin wandert weiter zu einem Straßenbahnschaffner, der sich als Dichter ausgibt und „in ihrer feuchten Buchhaltung blättern“ möchte, bevor er sich in einem Landgasthaus mit einer Kammerschauspielerin trifft. Diese macht in ihrer Künstlergarderobe einen Politiker so richtig fertig, bevor dieser sturzbetrunken in der Gosse landet. Mit dem Auftauchen der Hure, die wie ein Todesengel wirkt, schließt sich der Kreis.

David Bösch hat in seiner Inszenierung auf Schwabs Vorgabe der „abschraubbaren Geschlechtsteile“ verzichtet. Ohne sich zu berühren, erreichen die Protagonisten ihre sexuellen Ekstasen, da reicht oft schon laszives Kauen, Trinken oder einfach nur Stöhnen. Die hinter den Klappen einer einfachen Holzwand verborgenen Requisiten geben Hinweise auf die jeweiligen Tatorte (Bühne/Kostüme: Marion A. Käfer).

Die jungen Schauspielstudenten beweisen enorme Wandlungsfähigkeit und Bühnenpräsenz. Auch Theaterfreunden, die mit Werner Schwabs Fäkal-Dramen wenig anzufangen wissen, sei diese originelle, amüsante Inszenierung, die es noch am 31. März sowie am 1., 5. und 6. April im Theater im KunstQuartier zu sehen gibt, ans Herz gelegt. Viel Glück wünsche ich dem tollen Ensemble auch für die Aufführung beim Theatertreffen deutschsprachiger Schauspielstudierender im Theaterhaus im Stuttgart am 29. Juni. Toi, toi, toi!

„Der reizende Reigen nach dem Reigen des reizenden Herrn Arthur Schnitzler“ von Werner Schwab. Regie: David Bösch. Bühne/Kostüme: Marion A. Käfer. Dramaturgie: Andreas Erdman. Mit: Valentina Schüler, Steffen Lehmitz, Marie Jensen, Jonas Hackmann, Yascha Finn Nolting, Lili Epply, Alexander Prince Osei, Florenze Schüssler, Fabian Felix Dott. Fotos: Manuela Seethaler

 

 


„Safe Places“ – Projekt „Zukunft Europa“

Schauspielstudierende am Thomas Bernhard Institut der Universität Mozarteum Salzburg haben sich unter Anleitung von Regisseur Volker Lösch mit der Frage „Was bedeutet Europa für uns?“ auseinandergesetzt. So vermischen sich persönliche Geschichten mit Texten aus Falk Richters 2016 in Frankfurt uraufgeführtem Stück „Safe Places“. Die Österreichische Erstaufführung fand am 3. März 2017 im Theater im KunstQuartier statt.

Elisabeth PichlerVon Elisabeth Pichler

20 junge Menschen stürmen auf die Bühne und verraten, was für sie persönlich ein sicherer Platz ist: Familie, Musik, Nostalgie, Fantasie, mein Bett, ein Raum, in dem keine Männer sind, u.s.w. Plötzlich erhebt sich im Zuschauerraum die anklagende Stimme einer Fremden. „Warum fürchtet ihr mich? Wo ist mein safe place?“ Die Damen geben zu, dass sie vor großen, dunklen Männern, die laut in einer fremden Sprache sprechen, Angst haben, besonders wenn sie in Gruppen auftreten. Sie beschweren sich aber auch, dass unsere Männer zu verweichlicht sind. „Die können uns nicht mehr helfen.“

Ist es zu viel verlangt, wenn wir von den Flüchtlingen die Akzeptanz unserer Regeln und Werte verlangen? Schließlich leben wir im 21. Jahrhundert und die leben ja noch im Mittelalter. Emotionale Argumente treffen auf ebensolche Gegenargumente. Das Verlesen von Hasspostings aus dem Internet heizt die Stimmung weiter auf. In Chören wird zu politischer Aktivität aufgerufen, doch einige haben von all den Horrormeldungen genug und hören einfach nicht mehr hin.

Was aber ist Europa eigentlich? Historischen Schandtaten, an denen es wahrlich nicht mangelt, werden positive Errungenschaften gegenübergestellt, wobei das Aufzählen der in Österreich erhältlichen verschiedensten Brotsorten sowie tiefschürfende Alpenyogaübungen für Heiterkeit sorgen.

Zum Abschluss der Performance werden Ausschnitte der Rede des damaligen französischen Außenministers Robert Schumann vom 9. Mai 1950 verlesen, in der er die Schaffung einer Europäischen Gemeinschaft für Kohle und Stahl (EGKS) vorschlug,  um so weitere Kriege zwischen den Erzrivalen Frankreich und Deutschland „nicht nur undenkbar, sondern materiell unmöglich“  zu machen.  Die Mitgliedschaft in der EGKS stand auch anderen Ländern offen, der erste Schritt zu einem geeinten Europa war getan. Regisseur Volker Lösch lässt gekonnt private und politische Strategien zur Bewältigung der schwelenden Angst vor dem Fremden aufeinanderprallen. Trotz wütender, Angst schürender Sprechchöre erweist sich der Theaterabend als Plädoyer für Europa mit der Maxime „Nie wieder Krieg!“

„SAFE PLACES“ von Falk Richter. Österreichische Erstaufführung. Regie: Volker Lösch. Dramaturgie: Christoph Lepschy. Bühne und Kostüm: Theresa Gregor (Bühnenbildstudierende). Regieassistenz / Inspizienz: Mattia Meier. Mit: Diana Merkel und Konrad Wolf (Regiestudierende) sowie Caroline Adam, Kilian Tobias Bierwirth, Felicia Chin-Malenski, Chris Eckert, Kai Götting, Eva Lucia Grieser, Rudi Grieser, Ron Iyamu, Hannah Jaitner, Sebastian Jehkul, Igor Karbus, Naima Laube, Niklas Mitteregger, Vincent Sauer, Sophia Schiller, Katharina Shakina, Laura Trapp, Genet Zegay und Tino Zihlmann (Schauspielstudierende des 2. und 3. Jahrgangs). Foto: MOZ/ Manuela Seethaler


Neue Töne in der Mozartwoche

Das Österreichische Ensemble für Neue Musik, kurz OENM, interpretiert Musik aus dem 20. und 21. Jahrhundert – und das auf höchstem Niveau.

Von Siegfried Steinkogler

Wenn in einer etablierten Reihe wie den Salzburger Mozartwochen ein Konzert der Neuen Musik gewidmet wird, darf das mit Fug und Recht als Besonderheit gewertet werden. Da stellt sich sofort die Frage nach der programmatischen Konzeption – also danach, wie und in welcher Zusammenstellung die ausgewählten Werke in den formalen Ablauf sinnvoll eingebettet werden.

Dazu haben sich die Internationale Stiftung Mozarteum und namentlich die beiden Programmchefs Marc Minkowski und Mathias Schulz viel einfallen lassen. Im Zentrum der Darbietungen standen je zwei lebende sowie zwei erst unlängst verstorbene Komponisten, allesamt anerkannte Meister ihres Fachs.

Ein Werk aus der Feder des österreichischen Komponisten Johannes Maria Staud eröffnete den bunten Programmreigen. Einem Gemälde von Camille Pissarro (aus dem Jahr 1871) folgend, erwies sich Sydenham Music mit seinen filigranen, seidigen Texturen als perfekte Einstimmung für alles noch Kommende.
Für die exakte Ausführung voll knisternder Spannung sorgten Vera Klug (Flöte), Jutas Javorka (Viola) und Katharina Teufel-Lieli (Harfe).

Von Elliott Carter (1908-2008) erklangen gleich zwei Liederzyklen. Aus verschiedenen Schaffensperioden stammend, hätten diese unterschiedlicher gar nicht ausfallen können. Waren die Klavierlieder Poems of Robert Frost noch einer späten, nicht näher definierten Romantik verbunden, so müssen die 64 Jahre (!) später entstandenen Poems of Louis Zukofsky für Klarinette und Sopran als richtungsweisende Tonschöpfung anerkannt werden.

Für die Gesangsparts wurde mit Claire Elizabeth Craig eine Sopranistin der jüngeren Generation gefunden, die es sich leisten kann, diese Lieder unaufdringlich und allürenlos vorzutragen und sich auf diese Weise schnell die Gunst des Publikums erwarb. Dabei weiß sie viele Register zu ziehen und vermag es, mühelos und nahtlos von Stimmung zu Stimmung zu “switchen”. Zusammen mit dem Klarinettisten Theodo Burkali ergab das eine geniale Personalunion: beide fühlten sich mit ihrer Aufgabe sichtlich wohl und gestalteten die Zukofsky-Gedichte zu einem veritablen Klangerlebnis.

Der aus Estland stammende Komponist Arvo Part zählt seit vielen Jahrzehnten zur Weltspitze seines Fachs. Und das, obgleich er mit seinen “harmoniebedürftigen” in sich ruhenden Personalstil eine Gegenstellung zur restlichen Komponisten-Szene einnimmt. Auch in Spiegel im Spiegel für Violoncello und Harfe erzielt Pärt mit einem Mindestmaß an musikalischen Mitteln ein Maximum an Klangschönheit und Effektivität – und es braucht die Versiertheit von Musikern wie Katharina Teufel-Lieli und Peter Sigl auf dem Cello, um aus einigen wenigen Skalentönen, Dreiklängen und glockigen Basstönen diese besagte Klangschönheit vor aller Augen und Ohren entstehen zu lassen.

Mit Bravour meistern Irmgard Messin (Flöte) und Nora Skuta (Klavier) ihre virtuosen Parts in der dreisätzigen Sonatine, einem Frühwerk von Henri Dutilleux (1916-2013) und ernten dafür lange anhaltenden, verdienten Applaus.

Kein Konzert ohne Mozart

Selbstredend darf ein Mozart´sches Werk im Programm nicht fehlen, schon gar nicht bei der Mozartwoche. Das Adagio aus der f-Moll-Klaviersonate KV 280 stand Pate für Arvo Pärts zweite Komposition dieser nachmittäglichen Konzertstunde. Durch geschickt gesetzte Dissonanzen quasi als Überlagerung des originalen Mozart-Satzes lässt Part seine Neuschöpfung zusätzlich zu einer Hommage an einen verstorbenen Freund werden.

Wie das Programm begonnen hatte, so endete es auch: mit einer Komposition von Johannes Maria Staud. Sein schon bekanntes Quartett Lagrein darf im weitesten Sinn als Programmmusik verstanden werden, folgt es doch der Weinbeschreibung eines edlen Tropfens aus den Süden von Bozen. Wie genau die Metamorphose Wein versus Musik von statten geht, lässt sich schwer beschreiben. Jedenfalls zählte Lagrein mit der ihr innewohnenden differenzierten dynamischen Choreografie zu den ansprechendsten Stücken dieses kurzweiligen Nachmittags. Das OENM-Ensemble, hier durch Ekkehard Windrich (Violine) komplettiert, wurde dem anspruchsvollen Werk in jeder Phase gerecht und unterstrich somit ein weiteres Mal seine Vorrangstellung auf dem Feld der Interpretation der vielfältigen zeitgenössischen Musikströmungen.


„Eugen Onegin“ – Universität Mozarteum

Pjotr Iljitsch Tschaikowskis Oper basiert auf dem gleichnamigen Versroman des russischen Dichters Alexander Puschkin. Studenten der Universität Mozarteum begeisterten in einer auf Russisch gesungenen, von Alexander von Pfeil eindrucksvoll in Szene gesetzten Produktion im Großen Studio das Publikum.

Elisabeth PichlerVon Elisabeth Pichler

Auf dem Landgut der Larins lebt man nach alter russischer Art. Es wird viel gesungen, alte Bräuche werden gepflegt. Anders als ihre beiden Töchter, die verträumte Tatjana und die lebenslustige Olga, hat sich Larina mit diesem Leben, weitab von den Metropolen St. Petersburg und Moskau, abgefunden. Als der junge, eloquente und weltgewandte Eugen Onegin, ein Nachbar, der bisher das Leben in vollen Zügen genossen hat, auftaucht, verdreht er den beiden jungen Damen den Kopf. Während Olga ungeniert mit ihm flirtet, gesteht Tatjana ihm in einem leidenschaftlichen Brief ihre Liebe. Mit großer Kälte weist er sie zurück und tut ihre Liebe als mädchenhafte Schwärmerei ab. Er demütigt sie, indem er sich auf einem Fest Olga zuwendet, ohne auf ihren Verlobten, den Dichter Lenski, Rücksicht zu nehmen. Ein Duell zwischen den ehemaligen Freunden hat fatale Folgen. Jahre später trifft Eugen Onegin Tatjana als Gattin des Fürsten Gremin in St. Petersburg wieder. Jetzt ist er es, der zurückgewiesen wird.

Alexander von Pfeil hat in seiner Inszenierung auf jegliche Folklore verzichtet. Die fast leere Bühne (Eric Droin) mit ihren vier schrägen Holzpodesten und den im Hintergrund bedrohlich vorbeiziehenden Nebelfetzen macht die Weite Russlands deutlich und kündet von bevorstehenden Unruhen. Die mitreißende Choreografie von Ruth Burmann lässt die Chorszenen aggressiv wirken, der Frust der ausgebeuteten Arbeiter ist groß. Darian Worrell überzeugt in der Titelrolle nicht nur gesanglich, sondern auch optisch. Sowohl Tatjana (Anna Samokhina) als auch Olga (Melissa Zgouridi) erliegen den Schmeicheleien des Frauenverführers und zynischen Lebemanns. Kein Wunder, dass sich der etwas tollpatschige, gutmütige Lenski (Santiago Sánchez) der Liebe Olgas nicht mehr sicher ist. Alexander von Pfeil ist voll Bewunderung für die Ausstatter Eric Droin und Anna Brandstätter: „Eine Chor-Oper wie ‚Carmen‘ oder ‚Onegin‘ auszustatten, bedeutet, dass über hundert Kostüme entworfen, geliehen oder genäht, angepasst, gefärbt, patiniert, anprobiert und sogar zwischendurch noch gewaschen werden müssen, und das schaffen dann zwei Studierende quasi im Alleingang!“ Die Bühne wirkt dank raffinierter Lichtregie (Alexander Lährm) in der Duell-Szene wie mit Schnee bedeckt, in St. Petersburg glänzt sie golden. Hier residiert Fürst Gremin (Slavis Besedin), wegen einer Kriegsverletzung an den Rollstuhl gefesselt, von finster blickenden Leibwächtern umgeben.

Die Zusammenarbeit der Departments für Musiktheater und für Bühnen- und Kostümgestaltung, Film- und Ausstellungsarchitektur mit dem Orff-Institut für Elementare Musik- und Tanzpädagogik garantiert stets ein überragendes Opernerlebnis. Das dürfte sich herumgesprochen haben, denn diesmal waren alle vier Vorstellungen restlos ausverkauft.

„Eugen Onegin“ von Pjotr Iljitsch Tschaikowskis. Lyrische Szenen in drei Akten (sieben Bildern). In russischer Sprache mit deutschen Übertiteln. Mit Unterstützung des Vereins der Freunde der Universität Mozarteum. Eine Veranstaltung des Departments für Musiktheater in Kooperation mit dem Department für Bühnen- und Kostümgestaltung, Film- und Ausstellungsarchitektur. In Zusammenarbeit mit dem Orff-Institut für Elementare Musik- und Tanzpädagogik. Sinfonieorchester der Universität Mozarteum. Chor der Universität Mozarteum. Regie: Alexander Pfeil. Musikalische Leitung: Gernot Sahler.


„Die Fledermaus“ – Es lebe Champagner der Erste!

Studierende des Departments für Musiktheater der Universität Mozarteum haben sich erstmals an eine Operette gewagt. Wenn sich junge Menschen mit der „Fledermaus“ von Johann Strauss, diesem Paradestück an Operettenseligkeit, auseinandersetzen, darf man gespannt sein. So kommen in der Regie von Karoline Gruber die Doppelmoral und die menschliche Gemeinheit der sogenannten besseren Gesellschaft drastisch zum Ausdruck. Im Großen Studio der Universität Mozarteum geht es daher ordentlich zur Sache.

elipi_aVon Elisabeth Pichler

Prinz Orlofsky sitzt gelangweilt an einem Küchentisch und behauptet, dass er sich gerne Gäste einlädt. Sein Freund, Notar Dr. Frank, verspricht ihm ein amüsantes Abenteuer, will er sich doch heute Abend beim großen Maskenball an Herrn von Eisenstein rächen. Dieser hatte ihn einst nach einer durchzechten Ballnacht als Fledermaus verkleidet auf einer Parkbank zurückgelassen. Für die Peinlichkeit soll er nun büßen. „Die Rache der Fledermaus“ verspricht grausam, aber für Außenstehende vergnüglich zu werden. Das Stubenmädchen Adele und Alfred, der ehemalige Verlobte von Eisensteins Gattin Rosalinde, sind in den Plan eingeweiht und wollen Dr. Frank tatkräftig unterstützen. Obwohl in diesem Vorspiel schon einige der bekanntesten Lieder erklingen, hebt sich der schwarze Vorhang erst jetzt und wir blicken in das noble Wohnzimmer der von Eisensteins. Das Verwechslungsspiel kann beginnen.

Das Salonorchester der Universität Salzburg unter der musikalischen Leitung von Kai Röhring sitzt tief unten im Orchestergraben, während rundum wilde Verfolgungsjagden stattfinden. Anna Brandstätter und Christina Pointner zeichnen für das stilvolle Bühnenbild verantwortlich, das sich schnell von einem bürgerlichen Wohnzimmer in eine Fürstensuite verwandeln lässt. Ganze Arbeit geleistet hat Iris Jedamski, indem sie Unmengen von extravaganten Kostümen entworfen hat, die das Vokalensemble der Universität Mozarteum auf der Bühne anlegt, um sich beim Maskenball des Fürsten zu amüsieren. Die großartig singenden und temperamentvoll agierenden Sängerinnen und Sänger (es gibt jeweils zwei Besetzungen) müssen in dieser teilweise brutal realistischen Inszenierung alles geben. Für die Rolle des Frosch hat man sich zwei Schauspielstudenten des Thomas Bernhard Instituts geholt, wobei der eine einen relativ nüchternen Gefängniswärter verkörpert, der andere sein Alter Ego im Vollrausch, das sich kaum auf den Beinen halten kann. Eine Variante, die beim Publikum besonders gut ankommt.

Seit Hans Neuenfels‘ skandalöser Inszenierung bei den Salzburger Festspielen im Jahre 2001, einem Abschiedsgeschenk des scheidenden Intendanten Gérard Mortier, wird „Die Fledermaus“ immer öfter kritisch hinterfragt. Dem Department für Musiktheater des Mozarteum Salzburg ist mit dieser gemäßigten Dekonstruktion der ach so heilen, champagnergetränkten Operettenwelt ein großer Wurf gelungen. Der Großteil des Publikums zeigte sich begeistert.

„Die Fledermaus“ von Johann Strauss. Eine Veranstaltung des Departments für Musiktheater in Kooperation mit den Departments für Gesang, Bühnenbild und Kostümgestaltung, Film- und Ausstellungsarchitektur sowie Schauspiel/Regie – Thomas Bernhard Institut. Musikalische Leitung: Kai Röhring. Szenische Leitung: Karoline Gruber. Bühne: Anna Brandstätter/Christina Pointner. Kostüme: Iris Jedamski, Salonorchester der Universität Mozarteum. Vokalensemble der Universität Mozarteum.


„Die lächerliche Finsternis“ – Horrorgeschichten aus dem Dschungel

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Mit einer skurril-absurden Reise ins Unbekannte, die unsere Vorstellung von der fremden Wildnis hinterfragt, startet die Kooperation des Salzburger Landestheaters mit dem Thomas Bernhard Institut der Universität Mozarteum Salzburg. Das mit dem Nestroy-Preis ausgezeichnete Stück des Autors Wolfram Lotz scheint wie geschaffen für die sieben Schauspielstudenten des dritten Studienjahres. Die Premiere fand am 14. November 2015 in den Kammerspielen statt.

elipi_aVon Elisabeth Pichler

Im Prolog bittet vor dem Hamburger Landgericht ein wegen Piraterie angeklagter, recht sympathischer „schwarzer Neger aus Somalia“ um Verständnis. Die äußeren Umstände in seinem Heimatland hätten ihm keine andere Wahl gelassen, als ein Diplomstudium der Piraterie zu absolvieren. Zwar habe er mit Auszeichnung bestanden, doch in der Praxis kläglich versagt. Dann geht es in einem Patrouillenboot den Hindukusch hinauf, mitten ins Kriegsgebiet, in die Regenwälder Afghanistans. Nur Hauptfeldwebel Pellner kennt Sinn und Zweck dieser Reise: die Liquidierung eines durchgedrehten Oberstleutnants.

Der biedere Unteroffizier Stefan Dorsch darf das Boot zwar steuern, ansonsten hat er nichts zu sagen und auch nichts zu fragen. Sie erreichen ein Lager, in dem der italienische UNO-Offizier Lodetti das Kommando hat. Dieser sieht es als seine wichtigste Aufgabe an, die Eingeborenen zu zivilisieren. Weggeworfener Müll lässt ihn ausrasten. Wieder am Fluss treffen Pellner und Dorsch auf einen serbischen Händler, der das traurige Schicksal seiner Familie zum Geschäftemachen missbraucht.

Nächste Station ist eine Buschmission, in der ein schleimiger, äußerst dubioser Missionar seine bekehrten Schäfchen singen, tanzen und beten lässt. Bevor sie endlich das Ziel ihrer Reise erreichen, müssen sie sich noch die abstrusen Geschichten eines sprechenden, Popcorn mampfenden Papageis anhören.

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Gleich zu Beginn des Stücks hat Dominik Puhl seinen großen Auftritt mit dem eindringlichen Monolog des Piraten aus Somalia. Rebecca Seidel leitet im streng korrekten Sekretärinnen-Outfit als Hauptfeldwebel Pellner die gefährliche Mission und führt als eine Art Erzählerin durch die absurde Handlung. Ihren melancholischen Begleiter (Wolf Danny Homann) lässt sie kaum zu Wort kommen.

Caner Sunar darf als Lodetti glänzen. Er erzählt wirre Geschichten aus seiner Kindheit und ist ständig knapp davor überzuschnappen. Auch Niklas Maienschein als serbischer Händler wartet mit einer eigenwilligen Geschichte auf, bevor er als Papagei fast an einer Überdosis Popcorn erstickt. Sergej Czepurnyi überzeugt als Missionar mit aufgesetzter Scheinheiligkeit. Martin Esser als Deutinger muss lange auf seinen großen Auftritt waren. Der passende Urwaldsound wird mit einfachsten Mitteln live hergestellt.

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Catja Baumann hat selbst am Mozarteum ein Regiestudium absolviert und bringt nun mit sieben überaus talentierten Schauspielstudenten Wolfram Lotz‘ Persiflage auf den Horror dieser Welt auf die Bühne. Bewundernswert, mit welch gespielter Naivität die jungen Darsteller ihren Rollen Glaubwürdigkeit verleihen. Die jammervollen Schicksale der Piraten, Kriegsopfer, Soldaten, Händler oder Prediger gehen unter die Haut, auch wenn sie in ihrer Überzeichnung als groteske Parabeln zu verstehen sind.

Ein ungewöhnlich kraftvolles Stück voll greller Komik, in dem es um das Verstehen bzw. Nichtverstehen des Fremden, des Exotischen, aber auch des eigenen Ichs geht. Die Kooperation des Salzburger Landestheaters mit dem Thomas Bernhard Institut der Universität Mozarteum Salzburg erweist sich als vielversprechend und soll in der nächsten Spielzeit fortgesetzt werden. Man darf gespannt sein.

„Die lächerliche Finsternis“ von Wolfram Lotz. Eine Kooperation mit dem Studiengang Schauspiel und Regie am Thomas Bernhard Institut/Universität Salzburg. Inszenierung: Catja Baumann. Ausstattung: Katja Schindowski. Mit: Dominik Puhl, Rebecca Seidel, Wolf Danny Homann, Caner Sunar, Niklas Maienschein, Sergej Czepurnyi, Martin Esser. Fotos: Anna-Maria Löffelberger