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Shlomo Graber: Der Junge, der nicht hassen wollte

Shlomo Graber

Autor: Shlomo Graber
Titel: Der Junge, der nicht hassen wollte
ISBN: 978-3-4231-4658-6
Erschienen: 31.08.2018
Verlag: dtv Verlagsgesellschaft mbH & Co KG

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Klappentext:

» … denn als ich das Ausmaß der Katastrophe zu verstehen begann, als mir bewusst wurde, was das Erlebte in mir anrichten würde, beschloss ich, über das, was uns widerfahren war, weder zu weinen noch es zu hassen – sondern zu vergeben. Ich war achtzehn Jahre alt, und die Zukunft lag noch vor mir.

Die wahre Geschichte eines Jungen, der drei Konzentrationslager überlebt und seinen Glauben und seinen Humor niemals verliert. Eine Botschaft an alle kommenden Generationen.

Rebecca Schönleitner

Bericht von Rebecca Schönleitner

Eine Rezension über dieses Buch zu schreiben, würde ich als anmaßend empfinden.

Das Buch ist die autobiographische Geschichte des jüdischen Jungen Shlomo Graber, der in einem ungarischen Städtchen behütet und umsorgt aufwächst. Der Großvater und die Mutter sind der Mittelpunkt seines Lebens. Mit 14 Jahren wird er mit seiner gesamten Familie deportiert. Während seine Familie umgebracht wird, überlebt er mit seinem Vater drei Konzentrationslager. Er beschreibt diese Jahres seines Lebens mit mir fast unverständlichen Gleichmut und Humor.

Die nach wie vor unbegreiflichen Entsetzlichkeiten der Zeit des 2. Weltkrieges, die Massenvernichtung der Juden, die Demütigungen, die menschenverachtenden Taten dürfen nicht vergessen werden.

Dieses Buch sollte meiner Meinung nach Pflichtlektüre in allen Schulen sein.


Dorfzeitung.com

Emil Georg Bührle: Kriegsgewinnler und Kunstfreund

Alle Fotos: Heinrich Frei (20. 11. 20220)

Das neue Gebäude des Kunsthauses in Zürich, entworfen durch den Londoner Architekten David Chipperfield, wird von viel Licht durchflutet werden, heißt es. Es wird 206 Millionen Franken (191 Mio. Euro) kosten.

Heinrich Frei

Von Heinrich Frei

In diesem neuen Trakt des Kunsthauses sollen im Herbst 2021 die Werke der Sammlung Emil Bührle zu sehen sein, Bilder von Vincent van Gogh, Paul Cézanne, Edgar Degas, Paul Gauguin, Edouard Manet usw. (1)

206 Millionen Franken für einen Kunsttempel derweil Flüchtlinge in Urdorf in einem Vorort von Zürich in einem Zivilschutzbunker wohnen und Obdachlose in Zürich tagsüber die Notschlafstelle verlassen müssen, in einer der reichsten Stadt der Welt…

Emil Bührle verkaufte Waffen und kaufte Kunstwerke

Bei der Aufarbeitung der Geschichte der Bührle-Kunstsammlung wurde dokumentiert wie diese Sammlung zustande kam, durch Emil Bührle, der vor und während dem Zweiten Weltkrieg und auch nachher mit seinen Waffengeschäften zum reichsten Mann der Schweiz wurde. Ein Kriegsgewinnler der auch von Zwangsarbeit im Dritten Reich profitierte.

Das neue Kunsthaus aus dem Tram

Das neue Kunsthaus aus dem Tram

In der Debatte im Zürcher Stadtparlament über die Herkunft der Bilder die im Kunsthaus-Neubau ausgestellt werden sollen, meinte Frau Christina Hug, (Grüne Partei) vor fünf Jahren es gebe «nichts schön zu reden», der Waffenfabrikant habe sich auf widerwärtige Weise am Elend anderer bereichert. (2) Illusorisch war es schon damals, dass im Stadt- und Kantonsparlament von Zürich, wie damals in der deutschen Stadt Kassel, eine «Rüstungsfreie Zone Zürich» diskutiert wird. In Deutschland gilt Kassel als einer der größten Standorte der Rüstungsindustrie. Neben Krauss-Waffe-Wegmann und Rheinmetall sind hier auch viele weitere Unternehmen ansässig, die Kriegswaffen produzieren. (3)

Krieg ist wie in Kassel und für die Rüstungsindustrie rund um den Bodensee ein gutes Geschäft, auf das auch wir Zürcher wie die Deutschen nicht verzichten wollen. Und überhaupt «ist klar»: Kriegsmaterialexporte und die Finanzierung von Rüstungskonzernen und Waffendeals sind das Bier der Regierung in Bern.

Das neue Kunsthaus in dem die Bilder von Emil Bührle ausgestellt werden sollen

Das neue Kunsthaus in dem die Bilder von Emil Bührle ausgestellt werden sollen

2017 wurde Historikern der Auftrag erteilt die Geschichte der Bührle-Sammlung ohne Tabus aufzuarbeiten. Dabei hat man den Fehler gemacht Vertretern der Stadt und der Bührle-Stiftung zu erlauben bei der Arbeit der Fachleute einzugreifen und Korrekturen anzubringen. Die Mitgliedschaft Emil Bührles nach dem Ersten Weltkrieg im deutschen Freikorps, damals war er noch deutscher Staatsbürger, wurde im Bericht weggelassen, auch antisemitische Äußerungen dieses Mannes. Zwei Gutachten bestätigen nachträglich, dass es bei der Forschung zu nicht tolerierbaren Einmischungen kam, die korrigiert werden mussten. (3) (4)

Sammlung Emil Bührle für die Flüchtlinge verkaufen?

Die Bilder, die Emil Bührle zusammengerafft hat, mit dem Geld das er als Kriegsgewinnler machte, könnten verkauft werden, statt sie im neuen Kunsthaus am Pfauen auszustellen, den Erlös der Kunstwerke den Opfern der aktuellen Kriege zur Verfügung stellen, den 100 Millionen Flüchtlingen.

Das neue Kunsthaus in dem die Bilder von Emil Bührle ausgestellt werden sollen

Das neue Kunsthaus in dem die Bilder von Emil Bührle ausgestellt werden sollen 20.11.20

Die Bilder Emil Bührles sollen einen Wert von drei Milliarden Franken haben. (2‘778 Mio. Euro) Technisch wäre das machbar: Orell Füssli, die Druckerei, die unsere weltweit so beliebten Schweizer Banknoten druckt, wäre sicher in der Lage Kunstdrucke der Emil Bührle Sammlung zu fabrizieren. Schön eingerahmt mit neu fabrizierten alten Rahmen präsentiert im David Chipperfield Tempel am Heimplatz würden nur Fachleute überhaupt sehen, dass es sich nur um Kunstdrucke und nicht um die Originalbilder von Vincent van Gogh, Paul Cézanne, Edgar Degas, Paul Gauguin, Edouard Manet usw. handelt. Auch die Skulpturen der Sammlung könnte man mit der heutigen Technik leicht kopieren.

Klar ist auch: Fast niemand in Zürich würde eine solche Verkaufsaktion der Emil Bührle Sammlung zugunsten der Kriegsopfer befürworten.

1953: Waffenfabrikant Emil Georg Bührle finanziert Kunsthaus Erweiterungsbau

Der erste Erweiterungsbau des Kunsthauses am Heimplatz in Zürich wurde von Emil Bührle finanziert. 1953 als es zur Abstimmung kam über den damaligen Kunsthauserweiterungsbau blieb die Finanzierung zwar im Dunkeln. Sämtliche Parteien Zürichs warben aber für ein Ja. Um die Vorlage nicht zu gefährden, erwähnte man den Mann nicht der den Bau bezahlte, der Waffenfabrikant Emil Georg Bührle. In der Abstimmungsweisung des Stadtrats war zu lesen: «[Es] schenkte ein Mitglied der Kunstgesellschaft total 4 Millionen Franken für einen Baufonds.» Mit Ausnahme der «Tat» und des «Volksrechts», die den Namen Bührle erwähnten, ohne allerdings näher auf die Herkunft seines Vermögens einzugehen, hielten sich alle Zeitungen an die Abmachung den Spender, den Rüstungsfabrikanten nicht zu nennen.

Historische Forschungen und das Geschäft mit dem Krieg heute

Doch vergessen wir bei all den interessanten historischen Forschungen, die heute en vogue sind, über Emil Bührle, Alfred Escher und andere Personen und Ereignisse, die Gegenwart nicht. Hier ist oft auch sehr Übles zu vermerken.

Auch heute exportiert die Schweiz an kriegführende Staaten ständig Rüstungsgüter, wie Emil Bührle vor, während und nach dem Zweiten Weltkrieg und wie sein Sohn Dieter Bührle später. Seit 1999 ist die Sparte Rüstung Oerlikon-Bührle-Contraves im Besitze der deutschen Rheinmetall, eine Firma die unter anderem skrupellos auch Kriegsmaterial nach Saudiarabien verkauft für den Krieg im Jemen und natürlich auch viele Nato Staaten zu ihren Kunden zählt, die ständig irgendwo Krieg gegen den Terror führen, angeblich um den Frieden und unsere Freiheit zu sichern. (5) (6)

Links das alte Kunsthaus, rechts das Kunsthaus das von Emil Bührle finanziert wurde

Links das alte Kunsthaus, rechts das Kunsthaus das von Emil Bührle finanziert wurde

Die Waffenexporte der Schweiz und von Bührle im Zweiten Weltkrieg und die wirtschaftliche Zusammenarbeit mit Deutschland erfolgten unter einem sehr großen Druck. Die Schweiz war umkreist von Staaten, die auf der Seite von Hitler und Mussolini standen. Heute ist ein solcher Druck nicht mehr vorhanden. Deshalb könnte die Schweiz endlich darauf verzichten den ständig kriegführenden Staaten, den Nato-Staaten und den Regimes im Nahen Osten Kriegsmaterial zu liefern, wie es das Kriegsmaterialgesetz und die Kriegsmaterialverordnung seit bald fünfzig Jahren verlangen würde. Auch dürften nicht mehr Milliarden in ausländische Rüstungskonzerne investiert werden, durch die Nationalbank, Banken, Versicherungen und Pensionskassen. Diese Milliarden aus der Schweiz fließen heute sogar in Konzerne die Atombomben herstellen, wie ICAN, die Internationale Kampagne zur Abschaffung von Atomwaffen, der Friedensnobelpreisträger von 2017 dokumentierte. Wie Waffenexporte an kriegführende Staaten sind auch direkte und indirekt Investitionen in Unternehmen die an der Produktion von verbotenen Waffen, beteiligt sind nach dem Kriegsmaterialgesetz klar verboten. Zu den verbotenen Waffen gehören chemische Waffen, Streubomben, Antipersonenminen und Nuklearwaffen. (7) (8)

Fußnoten

(1) https://www.buehrle.ch/sammlung/)
(2) «Hitzige Debatte um Sammlung Bührle» von Martin Huber, Tages Anzeiger 3. September 2015
(3) Demo in Kassel: Teilnehmer aus ganz Deutschland gegen die Kriegsindustrie (twnews.it)
(4) https://www.media.uzh.ch/de/medienmitteilungen/2020/Bührle.html
(5) https://www.woz.ch/2047/geschichtsstreit/buehrle-wird-berichtigt
(6) https://de.wikipedia.org/wiki/Oerlikon-B%C3%BChrle
(7) Waffenexporte beenden!
Für das Leben investieren, nicht für den Krieg
Von Heinrich Frei, nrhz.de/flyer/beitrag.php?id=27103
(8) Schweiz
Engagement für Frieden und Geschäfte des Grauens
Von Heinrich Frei


Deutsche Sprache – schwere Sprache

Etwas zu diskutieren

Wenn man heute von jemanden hört oder liest, von dem man nicht weiß ob männlich oder weiblich, so ist die Einordnung durch die vielen verkürzten oder exotischen Vornamen oft schwierig.

Wolfgang Bauer

Von Wolfgang Bauer

Hier wäre eine Unterscheidung hilfreich wie im tschechischen oder in anderen slawischen Sprachen üblich. Dort hängt man bei weiblichen Familiennamen die Endung …ova an.

Auch bei uns war es in den kirchlichen Matriken bis lange nach 1800 durchaus üblich, bei Frauen ein …in anzuhängen, wie es heute in Umgangssprache und Dialekt noch oftmals üblich ist.

Anna Maria wurde 1791 als Tochter von Johann Bauer und Johanna Wolfin geboren
Theresia Stadlerin starb 1807 im Alter von 1 Jahr, Magdalena Bauerin starb mit 76 Jahren

Aus meiner Ahnenforschung:

Mehrere Umbenennungen mußte Theresia Baier mitmachen: Geboren wurde sie 1898 in Fürstenhut im Böhmerwald als Theresia Baier. Bei der Hochzeit 1923 wurde sie zur Theresia Bauer. Als sie mit ihrer Familie 1946 von Haus und Hof vertrieben wurde, wobei jeder Erwachsene 50 kg Gepäck mitnehmen durfte, wurde sie zur Terezie Bauerova. Nach der Ankunft in Bayern, wo sie 1981 in Grafenau starb, wurde sie wieder zu Theresia Bauer.

Ausweisung
Therezie Bauerova (mit Mann Ferdinand) und ihre Tochter Anna Bauerova (mit Bruder Jan = Hans) aus Bucina (Buchwald) 15 werden aufgefordert, sich am 25.3.1946 um 7 Uhr zum Abtransport einzufinden. Theoretisch durften sie 50 kg von ihren Habseligkeiten mitnehmen, meistens wurde aber auch davon noch viel von den Aufsehern abgezweigt.

Ein anderes Problem für unsere Sprache sind heute die Sprachverhunzer und Emanzen, die mit Brachialgewalt allen gendern wollen. Sie bekämpfen das Generische Masculinum und verlangen überall eine weibliche Form. Sie übersehen dabei, dass sich heute Menschen zu Dutzenden verschiedenen Geschlechtsidentitäten bekennen. Seit einiger Zeit aber möchten fanatische Genderisten unbedingt überall eine weibliche Form einführen. Alle diese Bindestriche, Sternchen, Unterstreichungen und …innen führen aber nur dazu, daß der Text unleserlich und unaussprechlich wird. Den Vogel schoß ein Fernsehmoderator ab, der Krankenschwesterinnen begrüßte.

Ich habe aber noch nie von einer Frau gehört, die durch diese „Sichtbarmachung des Weiblichen“ leichter Karriere gemacht oder mehr verdient hätte. Man hat oft den Eindruck, hier will sich jemand durch Sprachverhunzung profilieren, der sonst nichts zu sagen hat.

Man sollte daher bei der bewährten Form unserer Sprache bleiben, sonst werden in absehbarer Zeit alle Bücher und schriftlichen Aufzeichnungen für nachkommende Generationen unleserlich werden.

Die deutsche Hochsprache (Die Bezeichnung Schriftsprache ist ungenau, weil es auch viele Texte und Schriften in Dialekt gibt) ist ja eigentlich als eine künstliche Sprache eingeführt worden, um allen Dialekten und Mundarten untereinander eine Verständigung zu ermöglichen. Von Norddeutschland bis Südtirol und von der Schweiz bis Siebenbürgen sollte sie jeder verstehen. Die meisten von uns wuchsen also praktisch zweisprachig auf, denn unser Dialekt unterscheidet sich doch teilweise erheblich von der Hochsprache.

Ein weiteres Problem ist die sehr beliebte Verwendung von Denglisch. Leute, die sich nicht exakt in deutsch ausdrücken können, flechten englische Wörter ein – oftmals sogar total unpassende – für die es mehrere allgemeinverständliche deutsche Ausdrücke gibt. Finde ich nicht cool.

Ein eigenes Kapitel sind wiederum die heute besonders von Politikern und Redakteuren verwendeten Phrasen wie „zeitnah“, „vor Ort“, „macht Sinn“ usw.

Bei einem solchen Niedergang unserer Muttersprache braucht man sich nicht wundern, wenn zwanzig Prozent unserer Pflichtschulabgänger nicht sinnerfassend lesen und schreiben können, wobei das Schulsystem wie auch die Medien zu einem gehörigen Anteil mitschuldig sind.

Vielleicht bringt mein Artikel einige Leser dazu, über die Sprache zu diskutieren und nicht etwas nachzuplappern, das ihnen vorgesagt oder vorgeschrieben wurde.


20 Jahre Erinnerungsstätte St. Pantaleon

Gedenkfeier St. Pantaleon 2020

Jubiläumsgedenkfeier am 4. Oktober 2020

Vor 20 Jahren, im Sommer 2000, wurde die Erinnerungsstätte für die Opfer der beiden NS-Lager Weyer – St. Pantaleon an der heutigen Moosachstraße eröffnet. Sie ist längst zu einem weithin bekannten, jedes Jahr von vielen absichtlich oder zufällig Vorbeikommenden besuchten Gedenkort geworden.

Die Anlage mit der beeindruckenden Figurengruppe des deutschen Bildhauers Dieter Schmidt im Zentrum steht mittlerweile unter Denkmalschutz.

(Verein Erinnerungsstätte Lager Weyer/ Innviertel)

Obmann Ludwig Laher begrüßte die Gäste und es gab anschließend Grussadressen von Bgm. Valentin David (St. Pantaleon), OÖ LtgAbg. Ferdinand Trifnig, Sbg. Ltg.Präs. Dr. Sebastian Huber und Willi Mernyi, dem Vorsitzenden des Österr. Mauthausen Komitees.

Es war ja nicht nur Mauthausen, sondern es gab noch 20-30 weitere ähnliche Lager …

Willi Mernyi

Musikalisch umrahmt wurde die Feier von Erwin Hörl an der Klarinette und Alfred Aichinger an der Gitarre. Matthias Aichinger präsentierte sein Lied: “I hobs so satt”.

Der zweite Teil der Veranstaltung fand in der Mittelschule in St. Pantaleon statt. Alfred Aichinger gab einen kurzen Überblick über die Gedenkarbeit um die beiden NS-Lager Weyer – St. Pantaleon. Valentin David, Franz Saxinger (Kollerschlag) und Johann Prillhofer (Neukirchen an der Enknach) gaben einen Überblick darüber, wie in ihren Gemeinden mit den Opfern der Lager Weyer umgegangen wird. Welche Initiativen haben sie gesetzt, was ist ihnen auch zukünftig wichtig?

Nachdem ich das 2001 erschienene Buch “Herzfleischentartung” von Ludwig Laher gelesen hatte, fragte ich alte Bäuerinnen und Bauern aus der Gegend, ob sie denn von dem Lager unten in der Moosach gewusst haben. Nach einigem Zögern kam meist die Antwort, freilich, wir haben ja auch Menschen schreien gehört.

Karl Traintinger

Abschließend las Ludwig Laher aus seinem kürzlich erschienen Buch: Schauplatzwunden. Über zwölf ungewollt verknüpfte Leben.

Dieses Buch porträtiert Opfer, Täter und anderweitig von den Ereignissen rund um die Lager Weyer nachhaltig Betroffene. Daraus entsteht ein breites Panorama aus Willkür, Ohnmacht, verbrecherischer Energie, roher Gewalt, politischem Kalkül, aber auch absurder, oft lebensentscheidender Zufälle.

Weitere Infos:

Ludwig Laher in der Dorfzeitung >

Dieser Beitrag ist der Dorfzeitung wichtig, daher kommt er nicht hinter die Paywall. Wir freuen uns aber, wenn Sie die Dorfzeitung mit einem Abo unterstützen!


Dorfradio Vol 30 | Okt 2020

Schatten

Die Sendung ist terrestrisch auf der Radiofabrik am 5. Oktober 2020 um 17 Uhr (Wiederholung 6. Okt. 2020 um 8:00 Uhr) zu hören und ab sofort weltweit zu streamen.

Die aktuelle Sendung hören/ streamen >

Vergangene Sendungen nachhören >

Programmübersicht:

Diese Themensendung ist dem Tenor Joseph Schmidt (1904-1942) gewidmet. Die Tatsache, dass er ein Jude war, genügte auch in der Schweiz, dass notwendige, medizinische Hilfe verweigert wurde.

Diese Sendung wurde von Rebecca Schönleitner konzipiert, sie hat auch die Musik zusammengestellt.

Es lesen: Rebecca Schönleitner, Elisabeth und Karl Traintinger

Musikauswahl im Dorfradio Vol 30 | Okt 20

Ein Stern fällt vom Himmel (May) © by Joseph Schmidt (Warner Classics)
Ein Lied geht um die Welt (May) © by Joseph Schmidt (Warner Classics)
Frag´nicht (May) © by Joseph Schmidt (Warner Classics)
Wenn der alte Bunnen rauscht (Altmann) © by Joseph Schmidt (Warner Classics)
Nur wer die Sehnsucht kennt (van Aaken) © by Joseph Schmidt (Warner Classics)
Der Postillion von Lonjumeau © by Joseph Schmidt (ZYX Music) © Ich singe die ein Liebeslied (May) by Joseph Schmidt (Warner Classics)
Heut´ist der schönste Tag (May) © by Joseph Schmidt (Warner Classics)
Warum gehst du vorbei an mir (Niederberger) © by Joseph Schmidt (Warner Classics)
In deinen Augen les´ ich ein Märchen (Niederberger) © by Joseph Schmidt (Warner Classics)
Lisetta (May) © by Joseph Schmidt (Warner Classics)
Wiener Bonbons (Stra0ß II) © by Joseph Schmidt (Warner Classics)


Irina Badavi mit Angela Kandt: Wenn der Pfau weint

Die Autorin lebt anonym in Deutschland

Autorinnen: Irina Badavi mit Angela Kandt
Titel: Wenn der Pfau weint – wie ich mich als Jesidin aus der Gewalt einer Parallelgesellschaft in Deutschland befreien konnte
ISBN: 978-3-641-19848-0
Verlag: Gütersloher Verlagshaus in der Verlagsgruppe Random House GmbH
Erschienen: 2016

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Klappentext

Eine Jesidin in Deutschland – mehr als ein Erfahrungsbericht

»Wenn ich nicht weggehe, sind wir bald tot!« Die Lebensgeschichte der Jesidin Irina handelt von Zwangsheirat, Demütigung, Gewalt und Verfolgung. Mitten in Deutschland war sie den Mechanismen einer kruden Parallelgesellschaft ausgeliefert. Doch die junge Frau wehrt sich und befreit sich aus der ihr aufgezwungenen Ehe mit einem unfassbaren Überlebenswillen, viel Mut und einer Kraft, die aus Wut, Entschlossenheit und der Sehnsucht nach Freiheit und Selbstbestimmung erwächst. Auf diesem Weg hatte sie das Glück, in entscheidenden Momenten die richtigen Menschen zu treffen, die ihr geholfen haben. Eine zentrale Frage dieses Buches ist auch, warum sich gerade in unserer liberalen und offenen Gesellschaft immer wieder frauenverachtende Parallelgesellschaften bilden können.

Info:
Die Jesiden sind eine religiöse Minderheit im nördlichen Irak mit mehreren hunderttausend Angehörigen. Im Zentrum dieses monotheistischen Glaubens steht u.a. Melek Taus, der »Engel Pfau«.
– Ein Einblick in die verschlossene Welt der Jesiden
– Zwangsheirat, Gewalt, Verfolgung und Befreiung: die erschütternde Geschichte einer starken Frau

„Es ist diese Kultur des Wegschauens, die es auch in Deutschland gebe, die Irina Badavi anprangert.“

Irina Badavi, geb. 1980 in Tiflis, Georgien, als das zweite von vier Kindern. Ihre Eltern sind zu jenem Zeitpunkt 18 und 17 Jahre alt. Die Familie kommt Mitte der 90er-Jahre nach Deutschland, nachdem Irina gerade ihren georgischen Realschulabschluss gemacht hat. Im Alter von 16 Jahren wird sie mit einem Jesiden verheiratet, der bereits Ende 20 ist und als psychisch instabil gilt. Irina bekommt erst einen Sohn, dann eine Tochter. Am 1. Oktober 2004 gelangt sie nach einigen Jahren, die geprägt waren von Demütigungen, Gewalt und Vergewaltigungen, über die Ausländerbehörde mit ihren Kindern in ein Frauenhaus. Es folgen jahrelange Prozesse, Verfolgungen, Bedrohungen, Mordversuche, immer wieder Ängste. Aber mit viel fremder Unterstützung, mit Therapien und noch mehr eigener Entschlossenheit schafft sie es, für sich und ihre beiden Kinder ein neues Leben aufzubauen. Irina lebt heute mit ihren beiden Teenagerkindern in in einer norddeutschen Großstadt. Sie arbeitet als Traumaberaterin und in der Flüchtlingsarbeit als Dolmetscherin.

Anni Lemberger

Rezension von Anni Lemberger

Das Buch handelt von einer besonders starken Frau – einer Frau, die in einem patriarchalischen System sozialisiert wurde, von diesem genutzt und benutzt wurde und es trotzdem nach jahrelangem Martyrium schaffte, davon los zu kommen und ihr eigenes Leben zu führen.

Obwohl die Ersterscheinung des Buches schon 4 Jahre zurückliegt, ist das Thema aktueller denn je: Die Bildung  von Parallelgesellschaften, wenn Integration nicht gelingt. Für viele Menschen in diesen Parallelgesellschaften scheinen geltende Gesetze und Rechte nicht vorhanden zu sein, sie machten ihre eigenen Gesetze und verteidigen diese massiv gegenüber ihrem Gastland.

Als weiteres Thema greift dieses erschütternde und aufrüttelnde Buch auch das Thema „Patriarchat“ auf – ein System in dem Frauen rechtlos sind. Während Feministinnen in einer Demokratie um „gleichen Lohn für gleiche Arbeit“ kämpfen, übersehen sie oftmals die wirklichen Probleme und Menschenrechtsverletzungen von Frauen in Parallelgesellschaften  – das inmitten von demokratischen Ländern. Hier werden Ethnien und/oder Religionen und ihre Traditionen missbraucht, um Macht gegenüber Frauen auszuüben und diese dabei massiv zu unterdrücken.

Die dritte Botschaft des Buches ist ein gefährlicher Rosenkrieg im Rahmen einer Scheidung, der nichts mit der Ethnie oder Kultur zu tun hat.

Bewusst habe ich die Kultur der Jesiden in meiner Beschreibung nicht erwählt, weil die Unterdrückung von Frauen fast in jedem Patriarchat ähnlich ist  und auf ähnliche System übertragbar ist.


Kriegsgewinnler Virus am Bodensee im Zweiten Weltkrieg nicht ausgerottet

Ostermarsch Bregenz,

Am 3. Oktober 2020 planen Querdenker Demonstrationen in Kreuzlingen in der Schweiz und über der Grenze in Konstanz. Die Kritiker der Corona Maßnahmen und Restriktionen wollen zudem rund um den Bodensee eine Menschenkette legen. Sie ist für den dritten Oktober, den 30. Tag der Deutschen Einheit geplant. (1)

Heinrich Frei

Von Heinrich Frei, Zürich

Diese Menschenkette rund um den «schönen» Bodensee und dem Rhein entlang bis zum Fürstentum Liechtenstein könnte sich auch gegen die etwa 20 Unternehmen richten die Kriegsmaterial herstellen. (2) Diese Unternehmen, Rheinmetall, Airbus Defence und Space, Liebherr, Mowag (General Dynamics), San Swiss Arms, Vectronix usw. produzieren für Kriege, die immer noch im Gange sind. Mit Kriegsgerät aus diesen Firmen haben nach dem Zweiten Weltkrieg viele Menschen den Tod gefunden, wurden verletzt, verhungerten oder sind zu Flüchtlingen geworden. Nicht lange nach 1945 wurden rund um den Bodensee nämlich wieder Waffen produziert, für den Krieg in Korea, Indochina, Vietnam, Kambodscha, Laos, Pakistan, Somalia, Afghanistan, Irak, Libyen, dem Jemen usw.

Dank den nie endenden Krieg gegen den so genannten Terror läuft das Geschäft mit Rüstungsgütern rund um den Bodensee auch heute immer besser. (3) Dieser Krieg gegen den Terror begann sofort nach den inszenierten Anschlägen in den USA vom 11. September 2001. – Auch Nordvietnam wurde seinerzeit, 1964, nach dem von den USA organisierten Tonkin Zwischenfall bombardiert und die Ausweitung des Vietnamkrieges durch diesen Angriff unter falsche Flagge gerechtfertigt. (4)

Hoffentlich werden auch die Corona-Querdenker bei ihren Demonstrationen lautstark auf den Rüstungs-Irrsinn aufmerksam machen.

Pfarrer Rainer Schmid in Friedrichshafen der es wagte gegen diese widerlichen Geschäfte mit dem Krieg Stellung zu nehmen, wurde für Friedrichshafen als Priester nicht mehr tragbar, er wurde versetzt.

Eine etwas andere Heimatkunde, Die «todbringenden Zuflüsse» des Bodensees Sozial und Umweltforum (SUFO) 2014 in St. Gallen, Foto Heinrich Frei

Eine Impfung gegen den Militarismus fehlt bisher

Friedrichshafen wurde im Zweiten Weltkrieg von der alliierten Luftwaffe dem Erdboden gleichgemacht, weil dort für die Massenmorde des «Tausendjährigen Reiches» Waffen produziert wurden. Der Virus der Kriegsgewinnler, der viel schlimmer ist als der Corona Virus, konnte im Zweiten Weltkrieg durch die Bombardierung von Friedrichshafen und auch des Bahnhofes von Schaffhausen nicht ausgerottet werden. Eine Impfung gegen den Militarismus wurde von der Pharma-Branche bisher leider noch nicht entwickelt.

Bertha von Suttner: Die Waffen nieder! Henry Dunant: für eine Welt ohne Krieg

Bertha von Suttner
Antikriegsroman erschienen 1889
Sie lebte von 1843 – 1914, bis kurz vor dem Ausbruch des Ersten Weltkrieges. (5)

Bertha von Suttner, die 1889 vor über 130 Jahren den Roman «Die Waffen nieder!» schrieb wäre heute am Bodensee gar nicht willkommen, so wenig wie Arbeiter, Angestellte, Rentner, Geistliche und Lehrer die gegen die Rüstungsproduktion rund um den lieblichen Bodensee Stellung nehmen.

Henry Dunant
Dunant bekannt als Gründer des Komitees vom Internationalen Roten Kreuz (IKRK). Dunants eigentliches Ziel war nicht eine Humanisierung des Krieges, sondern schlicht und einfach eine Welt ohne Krieg. Die letzten Lebensjahre verbrachte Dunant in Heiden, hoch über dem Bodensee. Dunant lebte von 1828 – 1910. (6)

Auch der Gründer des Internationalen Komitees vom Roten Kreuz (IKRK), Henry Dunant, wäre heute für die Kriegsindustrie rund um den Bodensee eine unerwünschte Person. – Aber heute ist das Thema: Corona, Corona, Corona bis zum geht nicht mehr… Die Kriege angeheizt durch die Rüstungsindustrie rund um den Bodensee werden vergessen, hoffentlich nicht auch von den Corona-Querdenkern.

Aufrüstung: Das Vermächtnis von Bertha von Suttner und von Henry Dunant?

Laut dem Stockholm International Peace Research Institute (SIPRI) stiegen die weltweiten Militärausgaben 2019 auf 1917 Milliarden US-Dollar. Die Gesamtsumme für 2019 entspricht einem Anstieg von 3,6 Prozent gegenüber 2018 und dem größten jährlichen Ausgabenwachstum seit 2010. (7)

2019 hungerten weltweit rund 690 Mio. Menschen. Das heißt jede 11. Person litt chronischen Hunger. (8) Mit einem kleinem Bruchteil der jährlichen Militärausgaben von 1917 Milliarden US-Dollar könnte das Hungerproblem auf unserer Erde gelöst werden.

In Deutschland stiegen die Militärausgaben 2019 um 10 Prozent auf 49,3 Milliarden US-Dollar. Dies war der größte Anstieg der Ausgaben unter den 15 Ländern mit den größten Militärausgaben im Jahr 2019.

Deutschland hält unter der heutigen christlich-sozialdemokratischen Regierung immer noch an der nuklearen Teilhabe fest. Die deutsche Luftwaffe trainiert in Büchel im Rahmen der nuklearen Teilhabe den Einsatz von Kernwaffen durch Jagdbomber vom Typ Tornado.

Deutschland hat längst die Todesstrafe abgeschafft. Aber die deutsche Regierung erlaubt es den Streitkräften der USA weiterhin Menschen hinzurichten, ohne Prozesse. Die US-Streitkräfte für Afrika in Stuttgart haben 2020 unter anderem bereits 46 Luftangriffe auf Ziele in Afrika angeordnet. Diese Angriffe sollen sich auf die somalische Terrormiliz Al-Shabab konzentrieren. (9) Dabei ist bekannt, dass bei Drohnenangriffen meist vor allem Zivilpersonen umkommen, nicht des Terrorismus Verdächtige die ins Visier genommen werden.

Von 1975 – bis Ende Juni 2020 exportierte die Schweiz für 19,7 Milliarden Schweizer Franken Kriegsmaterial, zum Töten. (16,4 Mia. Euro)

Im ersten Halbjahr 2020 exportierte die Schweiz Kriegsmaterial im Wert von mehr als 501 Millionen Franken (466 Mio. Euro)  Dies ist eine Steigerung von fast 184% im Vergleich zum ersten Halbjahr 2019 und fast so viel wie im gesamten Jahr 2018. Doch das war nicht «interessant», Corona war das Thema für die Medien.

Laut der offiziellen Statistik des Bundes exportierte die Schweiz von 1975 – bis Ende Juni 2020 für 19,7 Milliarden Franken Kriegsmaterial. (16,4 Mia. Euro). Verkauft wurden diese Rüstungsgüter zu einem großen Teil an kriegführende Nato-Staaten, in Spannungsgebiete, an menschenrechtsverletzende Regimes und an arme Länder in der Dritten Welt, in denen Menschen hungern und verhungern. In den 19,7 Milliarden Franken sind die besonderen militärischen Güter nicht eingerechnet, die ebenfalls exportiert wurden, aber nicht in der offiziellen Statistik erscheinen. Auch die Finanzierung von Waffengeschäften durch Schweizer Banken erscheinen in diesen Zahlen nicht. Schweizer Geldinstitute, die Nationalbank, Banken, Versicherungen und Pensionskassen investierten in den letzten Jahren sogar in Firmen, die an der Atomwaffenproduktion, an der Herstellung von Anti-Personenminen und Clusterbomben beteiligt sind.

Fußnoten

(1) «Friedenskette mit Schal» von Enrico Kampmann, St. Galler Tagblatt 10. September 2020

(2) https://www.waffenvombodensee.com/firmen/

(3) https://www.waffenvombodensee.com/

(4) https://www.ae911truth.org/

(5) «Die 1843 in Prag geborene Bertha Sophia Felicita Baronin von Suttner definiert den Frieden als naturrechtlichen Normalzustand und sieht den Krieg als eine Folge menschlichen «Irrwahns». 1905 wird die österreichische Pazifistin als erste Frau überhaut mit dem Friedensnobelpreis ausgezeichnet. Sie starb am 21. Juni 1914 in Wien. Eine Woche bevor am 28. Juni das Attentat von Sarajewo den Ersten Weltkrieg auslöst. (Text auf der Rückseite des Buches «Die Waffen nieder!)

(6) Eveline Hasler, DER ZEITREISENDE – DIE VISIONEN DES HENRY DUNANT

dtv 2003, 206 Seiten, broschiert, EAN 978-3423130738

(7) www.sipri.org.

(8)https://www.welthungerhilfe.de/hunger/

(9) «46 Drohnenangriffe seit Januar allein in Afrika» (sda), Tages Anzeiger 8. September 2020)


Salzburg: Literaturhaus fordert Zusatztafel bei antisemitischem Dichter Franz Stelzhamer

Stelzhamerstraße

Die Stadt Salzburg nennt nun den Makart-Steg in Feingold-Steg um. Hanna Feingold, Witwe des vor einem Jahr, am 19. September 2019, verstorbenen Präsidenten der Israelitischen Kultusgemeinde in Salzburg, wollte eine Straße mit Postadresse – vorgeschlagen war die Umbenennung der Stelzhamer-Straße in Feingold-Straße – für den angesehenen Bürger, den zuletzt mit 106 Jahren ältesten Holocaust-Überlebenden Österreichs. Als Demokratin nehme sie aber die Mehrheitsentscheidung des Stadtsenats – mit den Stimmen von ÖVP, SPÖ und FPÖ; gegen die Stimme der Bürgerliste – zur Kenntnis, glücklich sei sie darüber nicht. Und Hanna Feingold fügt hinzu. „Was mich nur wundert: Max Reinhardt, Stefan Zweig und jetzt auch Marko Feingold – all das sind jetzt Plätze ohne Postadresse. Da frage ich mich, welches System das ist. Geniert man sich denn in Salzburg für seine Juden?“

Marko Feingold war unermüdlicher Mahner gegen Nazi-Verbrechen und ist – wie z.B. H.C. Artmann und Gerhard Amanshauser – Ehrenmitglied im Verein des Salzburger Literaturhauses, das er unterstützt und regelmäßig besucht hat. Wenn nun schon kein Einvernehmen mit der Witwe gefunden werden konnte, dann sollte man wenigstens bei heiklen Straßennamen eine erklärende Zusatztafel anbringen, fordert Tomas Friedmann, Intendant des Literaturhauses Salzburg. Als Beispiel nennt er den Schriftsteller Franz Stelzhamer: „Der Mundartdichter Franz Stelzhamer war Antisemit. Nach dem Autor der oberösterreichischen Landeshymne sind in Österreich zig Straßen und Gassen benannt, z.B. in Linz, Graz, Gmunden, Ried, Vöcklabruck und Wien – dort immerhin mit Zusatztafel samt Hinweis auf seine antisemitisch geprägten Texte. Eine Umbenennung der Stelzhamer-Straße in unmittelbarer Nähe der Synagoge wäre in der Stolperstein-Stadt Salzburg ein Zeichen der Zivilcourage.“ Es genüge nicht, den Bericht der Historiker-Kommission über Salzburger Straßennamen, die aus der NS-Zeit belastet sind, am Ende des Jahres abzuwarten. Antisemitimus gab es auch davor, wie z.B. in Schriften von Franz Stelzhamer (1802-1874), nachgewiesen u.a. vom Schriftsteller Ludwig Laher. Die Historikerkommission solle sich auch damit beschäftigen, Stadt und Land Salzburg hätten entsprechende Empfehlungen umzusetzen.

An Stelzhamer, der in Salzburg ein paar Jahre als Gymnasiast verbracht und später in Henndorf gewohnt hat, wo er starb (und dort eine Franz-Stelzhamer-Straße sowie eine Erinnerungstafel bekam), erinnert in der Mozartstadt, in der er mehrmals umgezogen ist, eine Gedenktafel in der Müllner Hauptstraße: In diesem Hause wohnte Franz Stelzhamer. Dort sowie beim Straßen-Schild könne eine Hinweistafel nach dem Vorbild Wiens angebracht werden: Viele seiner Texte sind geprägt von antisemitischen Stereotypen.

Ein anderes Beispiel sei der deutsche Dirigent und Komponist Hans Pfitzner (1869-1949), der in Salzburg eine Wahlheimat hatte und zeitlebens Antisemit und Verharmloser von Nazi-Verbrechen war. 1958 wurde im Salzburger Stadtteil Nonntal die „Hans-Pfitzner-Straße“ nach ihm benannt. Oder: Dem österreichischen Bildhauer, Hitler-Günstling und NSDAP-Mitglied Josef Thorak (1889-1952) schenkte die Stadt 1963 in Aigen eine Straße. Sie alle bräuchten wenigstens eine Zusatztafel – oder besser eine Umbenennung. Dabei sei verdienstvollen Künstlerinnen der Vorzug zu geben, denn nach Frauen sind in Salzburg nur rund 3 Prozent aller Straßen benannt.

Presseaussendung – Literaturhaus Salzburg
Tomas Friedmann, Leiter & Geschäftsführer

LITERATURHAUS SALZBURG
wo das Leben zur Sprache kommt

Weitere Infos:

Im Schatten der Mozartkugel >
Verschwindet der Makartsteg >


Arshaluys Mardigian: …. meine Seele sterben lassen, damit mein Körper weiterleben kann

Arshaluys Mardigian

Autorin: Arshaluys Mardigian
(aus dem Englischen von Walpurga Seul / mit einer Einordnung von Tessa Hofmann)
Titel: …. meine Seele sterben lassen, damit mein Körper weiterleben kann – Ein Zeitzeugenbericht vom Völkermord an den Armeniern 1915/16
ISBN: 978-3-86674-772-2
Verlag: zu Klampen! Verlag
Erschienen: 31.08. 2020 (Deutsche Erstausgabe)

Klappentext

Unmittelbar nachdem sie 1917 den Türken entkommen ist, beginnt Arshaluys Mardigian als eine der wenigen Überlebenden des Völkermords an den Armeniern, von ihren Erfahrungen während des Genozids zu berichten.

Ihr authentischer Augenzeugenbericht wurde seit seiner Erstveröffentlichung 1918 bereits in zwanzig Sprachen übersetzt und 1919 erfolgreich verfilmt; sie selbst spielte in dem Stummfilm die Hauptrolle. Der Leidensweg des Mädchens erscheint nun nach hundert Jahren erstmals auf Deutsch und lässt uns auch hierzulande, wo eine gründliche historische Aufarbeitung des türkischen Völkermords an den Armeniern nach wie vor aussteht, die Schrecken jener Ereignisse erahnen.

Schonungslos und eindringlich erzählt Arshaluys Mardigian von ihren Erlebnissen während der Todesmärsche, der Gefangenschaft in den Häusern reicher Türken, den Raubzügen kurdischer Reiter, den Massakern an ihrem Volk, ihrem sechsmonatigen Umher irren in der Steppe und schließlich ihrer Rettung und Übersiedlung nach Amerika.

Anni Lemberger

Rezension von Anni Lemberger

Wie wenig bei uns über den Genozid am armenischen Volk bekannt ist, wurde mir erst klar, als ich die ersten Zeilen dieses erschütternden Buches las. Natürlich hatte ich von der Verfolgung und Deportation der Armenier durch die Osmanen gehört. Aber ich hatte kaum eine Möglichkeit mehr darüber zu erfahren, weil es kaum deutschsprachige Literatur dazu gab. Umso erfreulicher (im traurigen Sinn), dass es seit einigen Tagen diese aufklärende, informative, deutsche Übersetzung des Originalwerkes (Ravished Armenia) aus dem Jahr 1918 gibt.

Die Verfolgung dieses Volkes erfolgte aufgrund ihres Glaubens – die Armenier sind Christen und deshalb wurden sie von der „mohammedanischen“ Mehrheit in der Türkei verfolgt, deportiert und getötet. Nur wer viel Glück hatte, dem Christentum abschwor und „Allah als alleinigen Gott und Mohammed als seinen Propheten“ anerkannte, konnte vielleicht dieses Massaker überleben. Meistens handelte es sich um junge Frauen, die als Sexsklavinnen verkauft wurden oder gar als (islamische) 2.und/oder 3. Frauen in einem Harem verschwanden.

Das Buch besteht aus zwei Elementen: Zum einen ist es die Übersetzung des Augenzeugenberichtes von der Überlebenden Arshaluys Mardigian – schonungslos und schon beim Lesen emotional belastend, zum anderen die Einordnung von Tessa Hofmann aus heutiger Sicht auf den Genozid.


Verschwindet der Makartsteg

Markartsteg

Am 19. September 2019 ist Marko Feingold verstorben. Er war fast bis zu seinem Lebensende der Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Salzburgs und mit seinen 106 Jahren der letzte Holocaust-Überlebende Österreichs. Aus diesem Grund möchte die Stadt Salzburg den Makartsteg in Marko-Feingold-Steg umbenennen.

Das ist natürlich ehrenvoll und wahrscheinlich auch gut gemeint. Ich persönlich finde die Umbenennung von Straßen, Plätzen und Brücken ganz einfach falsch. Bei der Namensfindung haben sich die Verantwortlichen zur damaligen Zeit wahrscheinlich etwas gedacht. Meiner Meinung nach sollten neue Straßen, Plätze und Brücken nach zeitgenössischen Persönlichkeiten benannt werden! Umbenennungen in der erweiterten Altstadt sind ganz einfach ein NOGO.

So wirklich glücklich waren die letzten Umbenennungen ja auch nicht. Ich erinnere mich an den Siegmundsplatz, der dem Herbert-von-Karajan-Platz weichen musste. Freilich handelt es sich bei dem weltberühmten Dirigenten um einen für das kulturelle und wirtschaftlich Leben wichtigen, wenn auch leicht rostigen Mann der jüngeren Geschichte. Trotzdem.

Einfacher ist es in Zukunft, wenn ein Erinnerungsstück an den jetzigen Bürgermeister der Stadt Salzburg gesucht wird. Ich würde eine Harald Preuner Sandbank an der Salzach vorschlagen, die kommen und gehen, ähnlich wie es im wirklichen Leben ist.


Die Salzachbrücke zwischen Oberndorf und Laufen

Fotos: Karl Traintinger, Dorfbild

Die imposante Brücke verbindet die beiden an der Salzachschleife gelegenen, ehemaligen Schiffersiedlungen Oberndorf (Salzburg) und Laufen (Oberbayern). Altach, ein Ortsteil von Oberndorf und Alt-Oberndorf waren einst die Vororte der Stadt Laufen.

Karl Traintinger

Von Karl Traintinger

Die beiden Orte schrieben über 1000 Jahre gemeinsam Geschichte, bis 1816 im Vertrag von München die Salzach zum Grenzfluss wurde. Zu dieser Zeit verband ein Holzbrücke im Bereich des heutigen Europasteges die beiden Städte. Die letzte Holzbrücke wurde 1899 vom katastrophalen Hochwasser fast gänzlich zerstört. ___STEADY_PAYWALL___

Die beiden zuständigen Landesregierungen beschlossen daraufhin, eine neue “stabile Brücke aus Beton und Eisen” etwas flussaufwärts im hochwassersicheren Gebiet zu bauen. Am 24. Oktober 1899 wurde die Ortsverlegung von Oberndorf beschlossen. Die Laufener schliffen die Häuser Nr. 97, 98a, 98b und 99 am Marienplatz, um eine Zufahrt zur neuen Salzachbrücke zu schaffen. Nach 18 Monaten Bauzeit wurde die Brücke am 2. Juni 1903 feierlich eröffnet.

Foto: Karl Traintinger, Dorfbild
Projektion: Das ehemalige Alt-Oberndorf. Kunstprojekt von Thomas Stadler Foto: Karl Traintinger, Dorfbild

Die St. Nikolaus-Kirche in Altoberndorf, am Standort der heutigen Stille Nacht Kapelle, wurde 1909 wegen angeblicher Hochwasserschäden abgerissen. Die Grundsteinlegung der neuen Kirche fand am 19. März 1906 statt, eingeweiht wurde sie am 25. November 1907.

Die neue, generalsanierte Salzachbrücke

Brückensanierung

In den Jahren 2005 – 2007 wurde die Salzachbrücke generalsaniert. Es war wieder ein Gemeinschaftsprojekt von Salzburg und Bayern. Die Brücke hatte erhebliche Korrisionsschäden, auch sollte die Verkehrsbelastung auf 30 Tonnen angehoben werden. Eine zusätzliche Herausforderung war, dass der Verkehr während der Baumaßnahmen an der denkmalgeschützten Brücke aufrecht erhalten werden sollte.

Fast zeitgleich (2005-2006) wurde zwischen Altach (Alt-Oberndorf) und Laufen der neue Europasteg errichtet. Einige Holzpiloten kann man auf der Laufener Salzachseite noch immer sehen.

Das Zweibrückenfest am 23. – 24. Juni 2007 bildete den krönenden Abschluss der Sanierungsarbeiten.

Das ehemalige Grenzhäuschen in Oberndorf wurde jahrelang als Kunststation der Kulturinitiative KNIE genutzt. So nützte zum Beispiel der oö. Künstler Günter Hartl die Salzachbrücke zur Befestigung seiner überdimensionalen “Wäscheleine”.

Günter Hartl – Bunte Tücher unter das Salzachbrücke

Oberndorf in der Dorfzeitung >
Laufen Obb. in der Dorfzeitung >


Zeitgeist Ausgabe 4/ 1986

Die Bezirksstadt Gänserndorf

Es ist nicht einfach, den Ort, in’ dem man wohnt und lebt, dem man sich zutiefst verbunden fühlt einigermaßen objektiv beschrei­bend vorzustellen. Denn die Ge­fahr zur liebevollen Übertrei­bung und zum überzeichneten Genörgel ist wohl immer vorhanden. Gänserndorf, vormals Unter-Gänserndorf und urkundlich Gens­tribendorf, war vor 150 Jahren ein kleines unbedeutendes Bau­erndörfel, mehr gesichtslos als geschichtslos und es nimmt Wun­der, daß es nicht das gleiche Schicksal erlitten hat, wie so viele Ansiedlungen in der Umge­bung, von denen nur noch die Flurnamen ahnen lassen, wo sie sich befanden.

Zuviel war in diesen 900 Jahren seitdem “Genstribendorf” erst­malig urkundlich erwähnt worden, über diesen Landstrich hereinge­brochene Völker- und Heerscharen sind hier durchgezogen und hinter­ließen Elend und Verwüstung.

Die uns überlieferten Daten und Fakten der älteren Geschichte unseres Ortes sind eher spärlich. Das beweist allein, daß in der publizierten Ortschronik von Dr. Hans Hörler, 2. Auflage 1969, mit einem 115 Seiten umfassenden Textteil, bereits auf Seite 39 ein Ereignis des Jahres 1838 beschrieben wird. Ein wirklich denkwürdiges Jahr für Gänsern­dorf, denn am 16.4.1838 fuhr der erste Dampfzug von Florids­dorf nach Gänserndorf. Für den Ort ein markantes Datum, denn neue Verkehrswege bedeuten Aufbruch und Entwicklung.

Auszug eines Artikles verfasst von Regierungsrat Bürgermeister Erwin Konecny

Aus dem Inhalt (eine kleine Auswahl der umfangreicheren Beiträge)

Weihnachten im Weinviertel | Gedichte von Wiltrud Wöhl | Die Bezirksstadt Gänserndorf – von RR Bgm. Erwin Konecny | Musikverein Zistersdorf | Salonfähige Literatur beim Strobl | Wilhelm Jezek – Künstlerportrait | Barbara – Heilige, Kultfigur, Schutzpatronin | Mosaik in der Hauptschule Zisterdorf von Franz Haas und Franz Rauscher | Helmut Schörk – Gedichte | Milan Racek – Künstlerportrait | Irena Racek – Künstlerportrait | Projekt: Mühlhof – Der Mühlhof von Braunsdorf und seine Geschichte | Das Lesehaus – Endpunkt der Reise? Wenn ein Wanderer müde wird … Sitzendorfer Kulturtage – Eduard Mildschuh | Mugl Company – lauter Zwurschis von Hannes Tröstler | Weinviertel im Wandel – Schriftenreihe Weinviertel | Lesung in Unterstinkenbrunn

Den Download vom ZEITGEIST Ausgabe 4/ 1986 als PDF Datei finden Sie nach den Bildern. ___STEADY_PAYWALL___

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