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Die australische Compagnie „Circa“ entführt das Publikum beim Winterfest in die schillernde Welt des Cabarets. Tosender Applaus nach der Premiere am 27. Dezember 2019 für einen Circusabend der Superlative und für Künstler, die das schier Unmögliche mit ungeheurer Leichtigkeit präsentieren.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Nach und nach schlüpfen die sieben
Artisten (vier hübsche Damen und drei bärenstarke Männer) durch einen golden
glänzenden Lamettavorhang und verzaubern das Publikum mit sinnlich-exotischen
Tänzen. In ihren schwarzen Glitzerhöschen und weißen Rüschenhemden wirken sie
jedoch fast bieder. So kann man sich voll auf ihre Körper konzentrieren und die
haben wirklich die ganze Aufmerksamkeit verdient, denn sie leisten fast
Unglaubliches, wenn sie bizarre Körperskulpturen bilden, die der Schwerkraft zu
trotzen scheinen. Blitzschnell, fast übermütig schleudern sie sich gegenseitig
über die Bühne, um dann wieder in extremen Stellungen zu verharren. In rasender
Geschwindigkeit klettern sie auf Seile und dekorative schwarze Bänder, bevor
sie sich ebenso gekonnt wieder in die Tiefe stürzen.

Ganz zu kurz kommt die Erotik aber dann
doch nicht, denn eine Dame in silbrig-glänzendem Ganzkörperanzug wird von rot
behandschuhten Händen, die aus dem Vorhang zu wachsen scheinen, lasziv
entkleidet. Auch ein „Herr aus dem Publikum“ darf auf Tuchfüllung gehen.
Anschließend werden jedoch auch ihm die Kleider vom Leib gerissen und es geht
nun fast „nude“ auf zur nächsten Nummer.

Nach der Pause präsentieren sich die
Artisten in Lichtkegeln, um das Publikum ins Spiegelkabinett ihrer Fantasie zu
entführen. Wir dürfen virtuose Künste mit Reifen, Ziegeln, Seilen und Tüchern
genießen und uns immer wieder staunend fragen: „Wie ist das nur möglich?“

Der Künstlerische Leiter von Circa, Yaron
Lifschitz: In „Circa’s Peepshow“ geht es darum, wie wir Theater erleben und
wie unser Blick auf Dinge sie gleichzeitig enthüllt, aber auch verhüllt – und
vieles nur im Kopfkino weitergespielt wird. Das Stück besteht aus zwei Teilen:
Der erste Teil ist verspielt, gewitzt und verdreht. Im zweiten Teil befinden
wir uns innerhalb der Gedankenwelt der Charaktere. Hinter dem Spiegel, in ihren
Herzen und Köpfen. Da ist es wild, roh und überraschend kraftvoll.

Circa’s Peepshow verbindet Circus und Kabarett und zeigt eindrucksvoll die Kraft, Schönheit und Stärke des menschlichen Körpers. Eine packende, atemberaubende Show, die wesentlich mehr als nacktes Staunen bietet.

„Circa’s Peepshow“ – Circa. Kreation: Yaron Lifschitz, Libby McDonnell, Circa Ensemble. Direktor: Yaron Lifschitz. Stellvertr. Direktorin & Kostüme: Libby McDonnell. Technischer Direktor & Licht: Jason Organ. Licht: Richard Clarke. Musik: Ori Lichtik. Auf der Bühne: Ela Bartilomo, Jessica Connell, Jarred Dewey, Gerramy Marsden, Giulia Scamarcia, Lachlan Sukroo, Billie Wilson-Coffey. Fotos: Erika Mayer


Bereits zum dritten Mal gastiert die französische Compagnie Cie Akoreacro beim Winterfest im Volksgarten. Die Österreichpremiere ihres neuen, von Regisseur Pierre Guillois in Szene gesetzten Stücks über eine akrobatisch-chaotische Liebesbeziehung wurde am 4. Dezember 2019 stürmisch gefeiert.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Wenn ein zierliches Mädchen bei strömendem Gewitterregen nachts alleine auf der Straße steht und eine Horde junger Männer auf sie zukommt, hilft wohl nur die Flucht. Dabei hätte Claire Aldaya das gar nicht nötig, denn im Laufe des Abends werden diese bärenstarken Männer von ihr immer wieder vernichtend geschlagen. Die Verfolgungsjagden und slapstickartigen Kampfszenen sind jedoch nur kleine Intermezzi, denn eigentlich wird eine Geschichte über die Turbulenzen des Ehealltags erzählt.

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Wir erleben die erste Begegnung der jungen Leute bei der Arbeit, ihre große Liebe, eine rauschende Hochzeit und Familienglück mit zwei Kindern, bevor Ehefrust und die Langeweile Einzug halten. Nach dem Kennenlernen am Fließband und einer raschen Hochzeit geht es aber erst mal ab ins gemütliche Heim, das von vielen fleißigen Händen liebevoll eingerichtet wurde.

Alles dreht sich um zwei Waschmaschinen, denn Schmutzwäsche fällt jede Menge an. Während sie sich (unterstützt von einer Horde Heinzelmännchen, die sie regelrecht auf Händen tragen) um den Haushalt kümmert, geht der Herr Papa mit den Kindern einkaufen. Die Eintönigkeit des Familienalltags setzt den beiden jedoch gewaltig zu und sie beginnen zu träumen. Während er in die Fänge einer verführerischen Drag-Queen gerät und sich in ihr Liebesnest hoch in den Lüften locken lässt, gönnt sie sich ein Schaumbad, bevor sie sich nach neuen Möglichkeiten umschaut.

Das elfköpfige Ensemble serviert diese schrille Liebesgeschichte mit Witz, Charme und virtuoser Akrobatik. Die Artisten fliegen kreuz und quer durch das Zirkuszelt und selbst Waschmaschinen, Kühlschränke und Badewannen trotzen – dank starker Arme – der Schwerkraft. Die Live-Musik ist ein wichtiger Teil dieses Programms, wobei sich die vier Musiker nicht davor scheuen, in Badedressen aufzumarschieren, wenn eine Szene im Hallenbad spielt.

Ich habe die Vorstellung, deren 80 Minuten wie im Flug vergehen, mit meiner 10-jährigen, äußerst kritischen Enkeltochter besucht und sie war – wie das gesamte Premierenpublikum – restlos begeistert und will nächstes Jahr auf alle Fälle wieder dabei sein. Im Foyer verabschiedeten sich neun Mitgliedern der Compagnie mit zündender Musik und schickten das Publikum mit Rhythmus, Schwung und viel positiver Energie auf den Heimweg. Ein phantastischer Abend, eine absolute Empfehlung für Jung und Alt.

„Dans ton cœur“ – Produktion: Association AKOREACRO. Inszenierung: Pierre Guillois, Léa de Truchis (Assistenz). Technischer Support: Fabrice Berthet, Yuri Sakalov. Choreografie: Roberto Olivan. Kostüme: Elsa Bourdin, Juliette Girard, Adélie Antonin. Circusszenographie: Jani Nuutinen Assistenz. Luftakrobatik: Alexandre De Dardel. Auf der Bühne: Claire Aldaya, Romain Vigier, Maxime Solé, Basile Narcy, Maxime La Sala, Antonio Segura Lizan, Pedro Consciência, Joan Ramon Graell Gabriel, Vladimir Tserabun, Eric Delbouys, Nicolas Bachet, Johann Chauveau. Fotos: Erika Mayer


Die akrobatische Familientruppe Cirque
Alfonse aus Québec nutzt die Kirche als Inspiration für ihr neues
Stück. Am 28. November 2019 wurde nach der Show auch der eigene
Nachwuchs auf die Bühne geholt, um gemeinsam die 200. Aufführung
von „Tabarnak“ zu feiern. Für die rasante und virtuose
Performance gab es Standing Ovations vom Premierenpublikum.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Acht Artisten und drei Musiker des Familien-Clans sitzen ganz entspannt auf der Bühne. Sie stricken und häkeln und beobachten das ins Zirkuszelt strömende Publikum. Das bunte Glasfenster deutet zwar auf einen sakralen Raum hin, doch der herumliegende Krimskrams erinnert eher an einen gemütlichen Flohmarkt. Zur Einstimmung ertönt eine rockige Nationalhymne, zu der sich das Publikum brav erhebt. Dann wird Hockey gespielt und mit Inlineskates wild getanzt. Die Stimmung ist aufgedreht und steigert sich von Nummer zu Nummer.

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Unglaublich, zu welch halsbrecherischen Kunststücken einfache Kirchenbänke inspirieren können. Ein absolutes Highlight ist die „Feuershow“, bei der zusammengebundene Weihrauchfässer so wild geschwenkt werden, dass man das nicht vorhandene Feuer zu sehen glaubt. Das rhythmische Knallen mit Peitschen erinnert an das heimische „Aperschnalzen“ und wirkt für das Publikum in den vorderen Reihen fast bedrohlich. Rituell wird es bei einer Taufzeremonie, die in fünf Etappen zu erleben ist. Das gekippte Kirchenfenster dient einem Kirchenengel als Plattform für schwindelerregende Drehungen. In dieser etwas schrägen Kathedrale ist aber auch Platz für tanzende Derwische, die in geringelten Häkelkleidern ihre Runde drehen.

Beim mobilen Schwebebalken weiß man
nicht, wen man mehr bewundern soll, die bärenstarken Träger des
Balkens oder die Artisten mit ihren Salti und Balancekünsten. Zum
Finale kommt eine riesige Russische Schaukel zum Einsatz, die einen
Artisten regelrecht in den Himmel schleudert bis er am
Scheinwerfergestänge hängen bleibt. Beim Cirque Alfonse spielt die
Musik immer eine wichtige Rolle. Die Live-Musik von David Simard, der
selbst Geige und E-Gitarre spielt, changiert zwischen traditionellen,
folkloristischen Klängen aus Québec, Rockmusik und liturgischen
Gesängen. Begleitet wird er von Josianne Laporte am Schlagzeug und
Guillaume Turcotte am Keyboard.

Die pralle Performance, in der die
waghalsigsten Kunststücke mit verblüffender Leichtigkeit, Witz und
Charme präsentiert werden, bringt das Publikum mit Virtuosität,
totaler Körperbeherrschung und rockiger Live-Musik zum Staunen und
Lachen.

„Tabarnak“ – Cirque Alfonse. Regie: Alain Francoeur. Musik: David Simard. Licht: Nicolas Descôteaux. Bühnenbild: Francis Farley. Kostüme: Sarah Balleux. Künstlerische Leitung: Antoine & Julie Carabinier Lépine. Technische Leiter: Hugo Hamel und Nicolas Descôteaux. Künstl. Unterstützung: Alain Carabinier und Louise Lépine. Bühnenbau: Alain Carabinier und Sylvain Lafrenière, Renaud Blais. Auf der Bühne: Antoine Carabinier Lépine, Julie Carabinier Lépine, Jonathan Casaubon, Jean-Philippe Cuerrier, Genevieve Morin, Nikolas Pulka. MusikerInnen: Josianne Laporte, David Simard, Guillaume Turcotte. Fotos: Winterfest/ Erika Mayer


Der neue künstlerische Leiter des Winterfests, David Dimitri, präsentierte in einer Pressekonferenz am 17. Oktober 2019, via Live-Schaltung aus den USA, charmant und humorvoll das abwechslungsreiche, noch von seiner Vorgängerin Caroline Stolpe zusammengestellte Programm für das heurige Winterfest. Man darf gespannt sein auf das Winterfest im nächsten Jahr, denn dann wird der „Meister der Verzauberung“ selbst am Werk sein.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

2016 gastierte der Cirque Alfonse aus
Quebec mit „Timber!“, einer kraftvollen und witzigen Performance, im
Volksgarten. Die kanadische Zirkusfamilie 
eröffnet heuer mit ihrem neuen Stück „Tabarnak“ am 28. November im
Theaterzelt das „Winterfest 19“, das renommierte und beliebte „Festival für
zeitgenössische Circuskunst“, und garantiert einen rasanten Auftakt. In
selbstgestrickten Messgewändern präsentieren die bärtigen Typen aus den Bergen,
umgeben von religiösen Symbolen, waghalsige Akrobatik, zu einer Mischung aus
sakraler und poppig-rockiger Live-Musik. Eine extrem spannende Mischung, die
mit ansteckender Fröhlichkeit serviert wird.

Im Circuszelt findet am 4. Dezember die
Österreichpremiere von „Dans ton coeur“ statt. Das 11-köpfige Ensemble von Cie
Akoreacro gastiert bereits zum dritten Mal beim Winterfest. Die „verrückte
Bande“ aus Frankreich, der die Familienwerte sehr wichtig sind, wirft in ihrem
neuen Stück einen „schelmischen Blick auf den scheinbar banalen Alltag eines
Paares“. Die Mischung aus Musik, Akrobatik und Theater, von Regisseur Pierre
Guillois in Szene gesetzt, erzählt auf magisch-poetische und humorvolle Weise
eine Geschichte ohne Worte.

Mit der australischen Compagnie Circa, die
mit „Circa’s Peepshow“ ab 27. Dezember im Theaterzelt gastiert, wird es
sinnlich-poetisch, denn die Akrobaten stellen virtuos die Schönheit und Stärke
ihrer Körper zur Schau. Dazu Yaron Lifschitz, der künstlerische Leiter von
Circa: „In Circa’s Peepshow geht es
darum, wie wir Theater erleben und wie unser Blick auf Dinge sie gleichzeitig enthüllt,
aber auch verhüllt – und vieles im Kopfkino weitergespielt wird. Das Stück
besteht aus zwei Teilen: Der erste Teil ist verspielt, gewitzt und verdreht. Im
zweiten Teil befinden wir uns innerhalb der Gedankenwelt der Charaktere. Hinter
dem Spiegel, in ihren Herzen und Köpfen. Da ist es wild, roh und überraschend
kraftvoll. Wir lieben diesen Wandel innerhalb des Stücks und den Effekt, den er
auf das Publikum hat.“

Der schräge Humor der Finnen ist bekannt
und Thom Monckton dürfte ein Meister darin sein, denn in seinem Mini-Theater
„Only Bones v1.0“ nimmt er seinen Körper auseinander. Er benötigt für sein Solo
nur eine Glühbirne und einen Stuhl, denn sein Körper und sein expressives
Gesicht reichen völlig für diese Physical-Comedy.

Das Winterfest kooperiert heuer erstmals mit
der ARGEkultur. Drei Artistinnen des Berliner Kollektivs „still hungry“ setzen
sich am 17., 18. und 19. Dezember in ihrer Performance „RAVEN“ mit dem Begriff
der „Rabenmutter“ auseinander. Eine kraftvolle und provokante Produktion zu
einem Thema, das nicht nur Mütter bewegen sollte.

Im Toihaus findet am 6. und 7. Dezember
wieder das Kaleidoskop statt, in dem unter dem Motto  „Circusexperimente“  Künstler aus Österreich, Deutschland und der
Schweiz bewusst Genregrenzen erforschen. Wer selbst aktiv werden möchte, dem
bietet sich die Möglichkeit Workshops im „CircusTrainingsCentrum“ zu besuchen.

Im Circusfoyer sorgen Literatur-Matineen,
Film-Nachmittage und Konzert-Abende für gemütliche Stunden. Unter www.winterfest.at findet man das
detaillierte Programm sowie Videoclips der drei großen Produktionen, die heuer
aus Kanada, Australien und Frankreich kommen.


Machine-de-cirque

Obwohl das Bühnenbild Untergangsstimmung
vermittelt, zünden die Akrobaten, Musiker und Komödianten der kanadischen
Artistengruppe Machine de Cirque ein musikalisch-artistisches Feuerwerk voll
Charme und Nostalgie. Bei der Premiere beim Winterfest am 18. Dezember 2018 gab
es Standing Ovations für einen Abend der Superlative.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Die fünf Überlebenden eines Supergaus haben sich aus den Resten der Zivilisation und jeder Menge Blech eine fantastische, dreistöckige „Circusmaschine“ gebaut. Auf diesem Gerüst schwingen und springen sie von Etage zu Etage, wobei Frédéric Lebrasseur am Schlagzeug den Rhythmus vorgibt. Doch der Musiker ist den Artisten zu hektisch, sie bitten ihn: „Relax“, „Feel like on the beach!“ Doch so leicht ist er nicht zu bremsen, sein Temperament geht immer wieder mit ihm durch.

Wunderbar harmonisch hingegen eine Jonglage mit weißen Keulen, die malerisch kreuz und quer durch die Luft flattern. Dann steckt sich einer der Künstler eine rote Rose ins Knopfloch und macht sich auf die Suche nach der passenden Partnerin. Diese ist schnell gefunden und so lädt er sie ganz romantisch erst in ein Kaffeehaus ein, geht dann mit ihr ins Kino, bevor sie gemeinsam auf einer heißen Maschine in die Disco brausen. Faszinierend wie seine Kollegen stets zu Hilfe eilen und die fehlenden Requisiten ersetzen. Das Einrad ist jedoch in den verschiedensten Größen vorrätig und der Umstieg von einer Größe auf die nächste schaut richtig gefährlich aus, besonders für die ersten Reihen.

Dann folgt endlich die hinreißende Handtuch-Nummer,
die von einigen Besuchern schon sehnsüchtig erwartet wird, denn über 40
Millionen Fans haben das witzige Video bereits online gesehen. Die finalen
Sprünge auf der Wippe sind so phänomenal, dass man sie am liebsten in Zeitlupe
nochmals sehen würde, denn bei diesem enormen Tempo kann man die Salti wirklich
nicht mehr mitzählen.

Vincent Dubé der künstlerische Leiter von
Machine de Cirque finanzierte die Gründung der Companie über eine
Crowdfunding-Kampagne und bereits ein Jahr fand später die erste Vorstellung in
Québec statt. Dubé ist Zirkuskünstler, hat aber auch einen Abschluss in
Ingenieurwissenschaften. Sein Traum war es stets, diese beiden Leidenschaften
zu verbinden. Was aus dieser Fusion, viel Blech, Phantasie und mit fünf
quirligen Ausnahmekünstlern entstehen kann, zeigt dieser Abend eindrucksvoll.
Die Zuseher riss es nach 90 Minuten geradezu von ihren Sitzen.

„Machine de Cirque“ – Machine de Cirque. Auf der Bühne: Yohann Trépanier, Raphaël Dubé, Ugo Dario, Maxim Laurin, Olivier Forest. Produktion, Originalidee, künstl. Leitung und Inszenierung: Vincent Dubé. Mitarbeit an Konzept und Inszenierung: Yohann Trépanier, Raphaël Dubé, Maxim Laurin, Ugo Dario, Frédéric Lebrasseur. Musik: Frédéric Lebrasseur. Kostüme: Sébastien Dionne. Licht: Bruno Matte. Ton: René Talbot. Technik: David St-Onge. Künstlerische Beratung: Martin Genest, Patrick Ouellet, Harold Rhéaume. Bühnenbildberatung: Josée Bergeron-Proulx & Julie Lévesque. Fotos: Winterfest/ Erika Mayer


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Die Musik-Akrobaten der französischen Compagnie Circa Tsuica heißen das Publikum beim Winterfest 2018 in ihrem eigenen Zelt ganz besonders herzlich willkommen.

Zur Begrüßung gibt es Bussi-Bussi, frische Crêpes,ein feines Buffet mit Fingerfood und ein Gläschen Wein. In Verbindung mit dynamischem Balkan-Jazz verspricht dieser Einstieg einen energiegeladenen, fröhlichen Abend. „Jetzt oder Nie“ lautet ja die Devise.

Nach 15 Minuten werden die Tische hinaus gerollt und der Boden wird wieder auf Hochglanz gebracht. Jetzt ist es Zeit für ein kleines Tänzchen. Dazu werden Partner und Partnerinnen aus dem Publikum geholt. Tanzen alleine reicht den Künstlern aber nicht, sie blasen dabei auf ihren Posaunen und Trompeten, dass es eine Freude ist. Dann kommen die Fahrräder ins Spiel. Wie viele Personen haben darauf eigentlich Platz? Alle Möglichkeiten werden ausgetestet: übereinander, hintereinander und nebeneinander, mit und ohne Blasinstrument. Ein Pärchen zeigt uns, wozu man ein Fahrrad noch missbrauchen kann. Amüsante Spielchen mit Publikumsbeteiligung wechseln sich mit akrobatischen Höchstleistungen auf Teeterboard, Cyr Wheel und Trapez ab, wobei der Humor nie zu kurz kommt.

 Zum Finale werden Decken am Boden ausgebreitet – natürlich muss das Publikum wieder kräftig mithelfen – und so sitzen Groß und Klein friedlich nebeneinander, während die Künstler zu letzten,sensationellen Sprüngen vom Teeterboard ansetzen. Statt dem üblichen Applaus wird dann einfach weiter gefeiert, denn die Tische mit Getränken und Essen werden wieder herein geschoben.

 Die Künstler von Circa Tsuica träumen voneinem besseren Miteinander und zeigen an diesem Abend, wie das funktionieren könnte. Ihre Fröhlichkeit und die herzliche Atmosphäre, die sie vermitteln, garantieren beste Laune für die ganze Familie. Das fröhliche Durcheinander von Artistik und zündender Blasmusik ist noch bis 6. Jänner 2019 im Volksgarten zu erleben.

Auf der Bühne: Manu Cealis, Manu Debuck,Mathieu Despoisse, Guillaume Dutrieux, Amanda Lund, Tom Neal, Olivier Pasquet,Charlotte Rigaut, Lola Renard, Thomas Reudet, Aymeric Thuillier. Produktion,Kreation: Circa Tsuica. Technische Leitung: Cédric Malan. Licht: JeanCeunebroucke. Kostüme: Fanny Mandonnet. Musik: Guillaume Dutrieux. Fahrradakrobatik:Pierre Glottin. Regie: Christian Lucas. Vermittlung: Déborah Boeno. Fotos: Winterfest/ BerthePommery, JL Besnard


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Die Groupe Acrobatique de Tanger eröffnete am 29. November das Winterfest 2018. Zwölf Artisten und zwei Musiker entführen das Publikum mit einer musikalisch-akrobatischen Performance in den Orient und verbreiten eine mitreißende, ausgelassene maghrebinische Feststimmung, die ansteckend wirkt.

Elisabeth PichlerVon Elisabeth Pichler

Traditionell gekleidete Männer lassen sich an Bauchgurten im Kreis herumführen und schlagen dabei in rasendem Tempo Räder, fast ohne den Boden zu berühren. Zwei Damen versuchen, die muntere Männertruppe aufzumischen und die Führung zu übernehmen. Die Herren geben sich geschlagen und stehen plötzlich als kunstvolle Pyramide vor ihnen. Dann wirbeln sie gemeinsam über die Bühne, klettern blitzschnell aneinander hoch und bilden filigran wirkende Türme.

Die Stimmung ist ausgelassen. Die kraftvolle Musik, eine Kombination aus Dichtung, Schreien und Gesängen, steht in direktem Dialog mit den Artisten. Poetische Stimmung und magische Momente erzeugt der rieselnde Sahara-Sand, der von den Herren – Sämännern gleich – kunstvoll auf der Bühne verteilt wird. Starke Bilder erzeugen die roten, trommelartigen Behälter, auf denen gestampft, marschiert, gesprungen und gehüpft wird. Nach 60 Minuten endet das furiose Spektakel wieder in einem Kreis. Alle blicken fasziniert zu den Musikern und stimmen gemeinsam ein Lied an, das nach Ende der Vorstellung noch lange aus der Garderobe zu hören ist.

Die mitreißende Performance, die traditionelle marokkanische Akrobatik und zeitgenössischen Zirkus verbindet, lässt die winterlichen Temperaturen vergessen. Die Reise in den Orient kann man noch bis 15. Dezember im Volksgarten antreten. Ganz ohne Flugticket, Eintrittskarte reicht. Auch für Kinder ab sechs Jahren sehr zu empfehlen.

„HALKA“ – Groupe Acrobatique de Tanger – Österreichpremiere. Auf der Bühne: Najwa Aarras, Mohamed Takel, Amal Hammich, Mohammed Hammich, Mustapha Aït Ouarakmane, Adel Châaban, Mohammed Achraf Châaban, Mhand Hamdan, Abdelaziz El Haddad, Samir Lâaroussi, Younes Yemlahi, Ouahib Hammich, Hamza Naceri, Hammad Benjkiri. Künstlerische und akrobatische Zusammenarbeit: Abdeliazide Senhadji, Airelle Caen, Boutaina el Fekkak, Nordine Allal. Akrobatische Zusammenarbeit: Mohammed Hammich. Licht: Laure Andurand, Cécile Hérault. Musik: Xavier Collet. Ton: Edouard Heneman, Anthony Biscarat, Joël Abriac. Kostüme: Ayda Diouri. Produktion: Jean-François Pyka. Administration: Pauline Horteur. Leitung: Sanae El Kamouni. Fotos: Erika Mayer


Magdalena-Lepka

Die künstlerische Leiterin Caroline Stolpe und die Geschäftsführerin Susanne Tiefenbacher präsentierten in einer Pressekonferenz ein überaus charmantes Programm, das atemberaubende Artistik, mitreißende Musik und Momente voller Poesie verspricht.

Elisabeth PichlerVon Elisabeth Pichler

Die Groupe Acrobatique de Tanger aus Marokko eröffnet das Festival für zeitgenössische Zirkuskunst am 29. November mit „Halka”. Halka bedeutet Kreis, denn in einem Kreis von Menschen stellen im maghrebinischen Raum seit Generationen Artisten ihre Kunststücke zur Schau. Der Sand in der Manege soll an den Strand von Tanger erinnern, an dem die ersten Auftritte dieser Zirkusgruppe stattfanden.

Aus Kanada kommt die Compagnie „Machine de Cirque“. Die fünf Künstler, Absolventen der renommierten Zirkusschule von Montreal, nehmen das Publikum mit Charme und Humor auf eine surreale Zeitreise mit und zeigen ihr Können auf einer eigenwilligen Apparatur, die sich je nach Bedarf als Trapez, Chinese Pole oder Einradparcours verwenden lässt.

Die elf Künstler von Circa Tsuica aus Frankreich sehen sich selbst als Brass Band, die Zirkus macht. Im Mittelpunkt von „Maintenant ou Jamais“ („Jetzt oder Nie“) steht ein Fahrrad mit den vielen Möglichkeiten, die dieses einfache Fortbewegungsmittel den Artisten bietet. Die Truppe bringt ihr eigenes Zirkuszelt mit und verspricht einen heiteren Abend, an dem sich alle in herzlicher Atmosphäre willkommen fühlen sollen.

Wesentlich ruhiger und enger geht es bei der vierten Produktion „Pakman“ des Duos von Post Uit Hessdalen zu. Im Inneren eines Lastwagens sitzt der Jongleur Stijn Grupping an einem Förderband und stempelt Pakete, bis die Pausenglocke klingelt. Dann beginnt ein rhythmisches, sehr poetisches Spiel zwischen ihm und dem Schlagzeuger Frederik Meulzer.

Von 7. bis 9. Dezember ist das Winterfest mit „Kaleidoskop“ im Toihaus Theater zu Gast, wo Stefan Sing (Deutschland), Sebastian Berger (Österreich) sowie Arne Mannott & Elina Lautamäki (Österreich/Deutschland/Finnland)  ihre virtuosen Jonglage-Stücke zeigen. Wer selbst aktiv werden möchte, kann hier die Workshops im „CircusTrainingsCentrum“ besuchen.

Im Circusfoyer laden Konzerte, eine Offene Jam Session sowie Literatur-Matinéen, meist bei freiem Eintritt, zum Verweilen ein. Unter www.winterfest.at findet man das detaillierte Programm sowie Videoclips der drei großen Produktionen, die heuer aus Marokko, Kanada und Frankreich kommen.


Compagnia Baccalà

Zum Finale des Winterfests 2017 verzaubern die Tessinerin Camilla Pessi und der Sizilianer Simone Fassari das Publikum im Zirkuszelt mit einer virtuos erzählten, poetischen Performance, die zeitgenössische Clownskunst und Akrobatik gekonnt verbindet.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Fast schüchtern erscheint das zierliche Pärchen auf der vollkommen leeren Bühne und holt aus einem winzigen Köfferchen einen Apfel. Doch wem soll nun das anscheinend verführerisch duftende Objekt der Begierde gehören? Phantasievolle, trickreiche Apfelspielchen sollen einen Sieger ermitteln. Da nicht alles auf Anhieb gelingt, versucht Camilla mit skurrilen, rührend anmutenden Verrenkungen und Tänzchen von der Ungeschicklichkeit ihres Partners abzulenken.

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Für Umarmungen und die eingeforderten Streicheleinheiten zwischendurch hat Simone allerdings nicht viel übrig. Sein verzweifelter Blick spricht Bände. Was also tun, wenn der Partner partout nicht will? Enttäuscht sucht Camilla im Publikum nach einem geeigneten Opfer. Ein starker Mann, der sie nicht nur auf Händen trägt, sondern sogar am Kopf balancieren lässt, ist schnell gefunden.

Compagnia Baccalà

Eine große Herausforderung stellt für die beiden Künstler das viel zu hoch hängende Trapez dar. Nach einigen misslungenen Versuchen (selbst der starke Mann aus dem Publikum erweist sich als zu klein) holt man sich doch eine Leiter und legt damit das überraschte Publikum buchstäblich flach. Plötzlich haben die beiden es nicht mehr eilig und missbrauchen die Aufstiegshilfe als Musikinstrument. Endlich in schwindelnder Höhe angekommen, kämpfen sie mit liebenswerter Tollpatschigkeit um die Vorherrschaft auf der schmalen Trapezstange. Nach einem humorvoll chaotischen Ringkampf hängt Camilla schließlich alleine in der Zirkuskuppel und wartet gelassen auf Hilfe. Simone jedoch lässt sich alle Zeit der Welt.

Compagnia Baccalà

Seit 2004 zählen Camilla Pessi und Simone Fassari zu den Traumpaaren des Cirque Nouveau. Sie beherrschen die universelle Sprache des Körpers und des Blickes und erzählen verschmitzt und mit träumerischem Schweigen faszinierende Geschichten. Mit ihrer starken Ausdruckskraft und ihrem eigensinnigen Charakter erinnern sie an die Helden der Stummfilm-Ära wie Charlie Chaplin und Buster Keaton. Ihre Performance „Pss Pss“ wurde in über 50 Ländern gezeigt und ging bereits mehr als 600 Mal über die Bühne. Die Show voll Herzlichkeit und Wärme, das kindliche Spiel um Liebe und Freundschaft, ist noch bis 7. Jänner 2018 im Zirkuszelt zu erleben.

„Pss Pss“ – Compagnia Baccalà. Produktion/Regie: Louis Spagna. Licht: Cristoph Siegenthaler. Technisches Management: Valerio Fassari. Auf der Bühne: Camilla Pessi, Simone Fassari. Fotos: © Winterfest/Erika Mayer


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Vor zehn Jahren hat Winterfest-Gründer Georg Daxner die junge französische Companie entdeckt und die sechs Künstler mit ihrem ersten Stück „Laissez-Porter“ zum Winterfest nach Salzburg geladen. Heuer gastiert die mittlerweile  22 Artisten umfassende Truppe mit ihrer dritten Kreation  „Il n’est pas encore minuit…“ („Es ist noch nicht Mitternacht“) beim Winterfest. Die umjubelte Österreichpremiere fand am 19. Dezember im Theaterzelt statt.

Elisabeth PichlerVon Elisabeth Pichler

Zwei Männer betreten die vollkommen leere Bühne und fallen sofort übereinander her. Nach und nach folgen die übrigen Artisten und vollführen brutal wirkende Zweikämpfe, wobei sich auch die Damen nichts schenken. Das Motto des Kollektivs „Allein ist man schneller. Doch gemeinsam kommt man weiter“ setzt sich jedoch allmählich durch, und so nehmen die Künstler letztlich ganz friedlich zu einem Tanz Aufstellung, auf gemeinsames Wrestling folgt  solidarischer Zusammenhalt. Man beginnt mit Menschentürmen zu experimentieren, baut sie auf, nur um sie dann wieder auseinanderfallen zu lassen, ein hinreißendes Spiel von Konstruktion und Demontage. In schwindelerregender Höhe lassen sich die Artisten von Turm zu Turm katapultieren. Die Faszination der fliegenden und fallenden Körper ist enorm, auch wenn man in all dem Durcheinander nicht jeden Sprung genau verfolgen kann.

1_Cie XY-Winterfest 2017

Um die Flüge noch extremer, weiter und höher zu gestalten, wird eine Wippe zu Hilfe genommen. Die Balance der menschlichen Türme wird durch Holzbretter erschwert, die in ständiger Schieflage herumgetragen werden. Für eine fröhliche Note sorgen die beschwingten Rhythmen des Lindy-Hop, eines energischen Tanzes, abgeleitet vom modischen Swing in den 1920er Jahren in Harlem. Diese Einlagen geben den Artisten die Möglichkeit, zwischen all den Saltos zu entspannen.

1_Cie XY-Winterfest 2017

Das bildgewaltige Spektakel, das durch Präzision und Perfektion überzeugt, ist noch bis 7. Jänner 2018 beim Winterfest zu erleben.

1_Cie XY-Winterfest 2017

Cie XY mit „Il n’est pas encore minuit…“.  Produktion/Künstlerische Zusammenarbeit: Loïc Touzé, David Gubitch, Valentin Mussou, Emmanuel Dariès. Akrobatische Zusammenarbeit: Nordine Allal. Lichtdesign: Vincent Millet. Kostüme: Nadia Léon, Mélodie Barbe. Lindy Hop Training: Aude Guiffes, Philippe Mencia. Produktionsleitung: Peggy Donck, Antoine Billaud. Auf der Bühne: Abdeliazide Senhadji, Airelle Caen, Alice Noel, Amaia Valle, Andres Somoza, Antoine Thirion, Antonio Terrones, Birta Benonysdottir, Charlie Vergnaud, David Badia Hernandez, David Coll Povedano, Denis Dulon, Evertjan Mercier, Guillaume Sendron, Gwendal Beylier, Jérémie Robert, Marianna Boldini, Mohamed Bouseta, Romain Guimard, Thomas Samacoïts, Thibaut Berthias, Zinzi Oegema. Fotos: © Winterfest / Erika Mayer

 

 

 


Winterfest La Cosa

Am 13. Dezember fand im Rahmen des Winterfests 2017 die Österreichpremiere von Claudio Stellatos multidisziplinärer Performance „La Cosa“ („Das Ding“) statt. Das Publikum darf vier gut gelaunten Herren, die zugleich Schauspieler, Akrobaten, Tänzer, Jongleure, Pantomimen und Illusionisten sind, bei der spektakulären Konstruktion und Demontage von Holzskulpturen zusehen.

Elisabeth PichlerVon Elisabeth Pichler

In der Manege des Zirkuszelts sind riesige Skulpturen aus kunstvoll aufeinandergeschichteten Holzscheiten aufgebaut. Aus einem riesigen Holz-Iglu schaut ein Herr nur mehr mit dem Kopf heraus und blickt verwundert auf seine Kollegen, von denen einer auf einem ganz speziellen Holz-Bett ruht, während der andere sich mit einer Decke aus Holzscheiten zugedeckt hat. Plötzlich schiebt sich eine Hand aus einer Lücke eines riesigen Turms und das erste Holz fällt zu Boden. Darauf scheinen die anderen nur gewartet zu haben, denn auch sie beginnen, sich zu bewegen und lassen krachend die Holzscheite über die Bühne fliegen. Diese Befreiungsaktionen folgen einem ganz besonderen Rhythmus, sodass die Klötze fast zu tanzen scheinen.

Winterfest La Cosa

Endlich befreit, klopfen sich die Herren den Holzstaub von ihren eleganten Anzügen, mustern einander, nehmen schließlich lautstark Kontakt auf und überlegen wohl, was man mit vier Kubikmetern Holz so alles anstellen könnte. Vier sportlichen, kraftvollen jungen Männern fällt da ziemlich viel Unsinn an. Sie bauen kunstvolle Skulpturen, nur um sie anschließend wieder genussvoll zu zerstören. Amüsant und faszinierend sind diese mit äußerster Präzision durchkomponierten Rituale, wobei sie miteinander nicht gerade zimperlich umgehen. Sie schleifen sich gegenseitig über den Boden und klettern aneinander hoch. Mit vier Äxten bewaffnet gehen die Herren schließlich auf vier Hackstöcke los. Diese wehren sich aber gewaltig und müssen geschwungen, geschleift und geschlagen werden, bis sie endlich, in vier Teile zerlegt, zu Boden krachen.

Winterfest La Cosa

Winterfest La Cosa

Zum Finale wird ein vier Meter langer, mächtiger Baumstamm in die Manege gezogen und rhythmisch behackt, sodass die Späne nur so spritzen. Der Spaß auf der Bühne ist nun vorbei, das hinterlassene Chaos jedoch enorm und die Herren erschöpft. So wendet sich Claudio Stellato an das Publikum. Man möge den Künstlern doch helfen, die Holzscheite auf Wägelchen zu stapeln. Die ganz außergewöhnliche Performance „La Cosa“, bei der man am Ende den Artisten beim Zusammenräumen ganz nahe kommen kann, ist noch bis 22. Dezember im Zirkuszelt zu erleben.

Winterfest La Cosa

“La Cosa” – Claudio Stellato. Auf der Bühne: Julian Blight, Mathieu Delangle, Valentin Pythoud, Claudio Stellato. Bühnenbild: Nathalie Maufroy. Produktion & Management: Nathalie De Backer, Claudio Stellato Cie ASBL. Koproduktion: Les Halles de Schaerbeek, La Maison de la Culture de Tournai, Manège • Scène Nationale Reims, La Villette, Oerol Festival, L’Échangeur – CDC Picardie, Theater op de Markt, Le Prato Pôle National des Arts du Cirque. Fotos: Winterfest/ Erika Mayer

Winterfest La Cosa

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1_Winterfest Flip FabriQue Premiere © Erika Mayer

Die preisgekrönte Compagnie Flip FabriQue aus Kanada hat am 28. November das Winterfest 2017 im Volksgarten mit der Österreichpremiere von „Attrape-Moi“ („Fang mich“) eröffnet. Die mitreißende, energiegeladene Performance garantiert neben akrobatischen Höchstleistungen auch jede Menge Spaß.

Elisabeth PichlerVon Elisabeth Pichler

Die Wiedersehensfreude der Jugendfreunde ist groß. Ein kurzer Regenguss und die anfängliche Kälte können die Stimmung nicht trüben, man liegt sich in den Armen und fliegt aufeinander zu. Das gemeinsame Wochenende im Strandhaus verspricht, heiter zu werden, denn die sechs Akrobaten verstehen es ganz offensichtlich, ordentlich zu feiern. Die Künstler stacheln sich gegenseitig zu Höchstleistungen an. Doch wie soll man eine Jonglage bewältigen, wenn der Freund ständig dazwischenfunkt? Störfaktoren sind also vorprogrammiert, machen aber auch den ganz besonderen Reiz dieser rasanten Show aus.

2_Winterfest Flip FabriQue Premiere © Erika Mayer

Auch das Blättern in einem Erinnerungsalbum hat so seine Tücken, denn jeder möchte einen Blick hineinwerfen, selbst wenn er gerade mit nur einer Hand an einem Seil hängt und von einem Kollegen in rasendem Tempo über die Bühne geschwungen wird. Am Strand darf natürlich auch ein Eis nicht fehlen. Die munteren Freunde machen daraus gleich einen Wettbewerb. Wer wird wohl als Erster fertig sein? Nach einer spektakulären Nummer mit Hula-Hoop-Reifen, die sich um den Körper von Jade Dussault schlängeln, macht sich die muntere Truppe fertig für die Nacht und legt Matten, Decken und Schlafsäcke auf. Eine falsche Bewegung und schon steckt einer der Artisten im Schlafsack fest, die eigenartige Figur ist Inspiration für ein „Schlafsack-Ballett“ der Extraklasse.

4_Winterfest Flip FabriQue Premiere © Erika Mayer

Am Morgen wird für das große Finale ein riesiges Trampolin vor dem Strandhaus aufgestellt. Nachdem sich die einzige Frau der Truppe mit einer Packung „Froot Loops“ auf dem Dach niedergelassen hat, gibt es kein Halten mehr, die Freunde sind hinter ihr her. Schwungvoll lassen sie sich in die Höhe katapultieren, klettern die Wand hoch, verschwinden durch die Fenster, landen mit einem Salto am Dach und trotzen so der Schwerkraft.

Die Akrobaten von Flip FabriQue wollen den Humor wieder in den Alltag bringen. Mitbegründer Bruno Gagnon: „Erwachsene scheinen vergessen zu haben, wie man spielt und Spaß hat. Erwachsene verlieren ihr kindliches Herz. Dieses junge Herz hält uns gesund und lebendig. Es ist der Zirkus in uns.“

Winterfest Flip FabriQue Premiere © Erika Mayer

Die 75-minütige verspielte, artistisch jedoch hochkarätige Performance der sympathischen Truppe aus Kanada ist noch bis 16. Dezember im Theaterzelt zu erleben und auch für Kinder ab 6 Jahren bestens geeignet.

Flip FabriQue mit „Attrape-Moi“ im Theaterzelt. Auf der Bühne: Jade Dussault, Bruno Gagnon, Yann Leblanc, Jérémie Arsenault, Christophe Hamel, Hugo Ouellet-Côté. Produktion / Konzept: Flip FabriQue. Bühne: Élyane Martele. Kostüme: Véronique Bertrand. Licht: Judith Dufour Savard. Regie: Olivier Normand. Fotos: Erika Mayer