Mycle Schneider präsentierte den „World Nuclear Industry Status Report 2025“ in Salzburg
Beim „Akademischen Wirtshaus“ in der Teilbibliothek Rudolfskai im Haus der Gesellschaftswissenschaften stand am 19. November 2025 ein Thema im Mittelpunkt, das selten so klar und unaufgeregt verhandelt wird: die Zukunft der Atomenergie.

Von Karl Traintinger
Der Träger des Alternativnobelpreises 1997 und unabhängige internationale Analyst und Berater für Energie- und Atompolitik Mycle Schneider stellte den World Nuclear Industry Status Report 2025 vor – und machte rasch deutlich, dass Atomkraft nach heutigem Stand der Wissenschaft kaum als Zukunftslösung taugt.
Der Bericht, seit Jahren eine unabhängige Referenz, zeigt auf über 500 Seiten, wie es global um Planung, Bau und Rückbau von Atomkraftwerken bestellt ist. Schneider fasste die Lage prägnant zusammen: Viele Reaktoren sind veraltet, neue Projekte verzögern sich massiv und verschlingen Milliarden. Während China weiterbaut, geraten andere Länder ins Stocken oder ziehen sich zurück. Auch die viel beschworenen Small Modular Reactors seien derzeit eher Vision als Realität.
Spannend waren Schneiders Einblicke zu den weltweiten Abrissprojekten und der Frage, ob Atomkraft überhaupt mit erneuerbaren Energien harmoniert. Für ihn klafft zwischen politischem Wunschdenken und industrieller Realität ein tiefer Graben: Atomenergie sei zu teuer, zu langsam und zu unflexibel für die aktuellen Herausforderungen.
Schneider, seit Jahrzehnten einer der genauesten Beobachter der Atomindustrie überzeugte mit verständlichen Erklärungen und einer ruhigen, sachlichen Art, die dem Publikum sichtlich gefiel.
Veranstaltet wurde der Abend von der Leopold Kohr®-Akademie, der PLUS, Südwind sowie den Grünen – Generation Plus. Die Diskussion im Anschluss drehte sich vor allem um die Frage, warum Atomkraft trotz aller Probleme politisch noch immer attraktiv erscheint.
Der vollständige Bericht ist online abrufbar:
https://www.worldnuclearreport.org/Welt-Nuklear-Industrie-Status-Report-2025-veroffentlicht-wissenschaftliche

Freunde helfen der Dorfzeitung
Freunde helfen der Dorfzeitung durch ein Abo (=Mitgliedschaft)! Wir sind sehr stolz auf die Community, die uns unterstützt! Auf diese Weise ist es uns möglich, unabhängig zu bleiben. Ihre laufende Unterstützung macht den Unterschied.
Es gibt zwei einfache Wege, zum Freund der Dorfzeitung zu werden.
Überweisung der Abogebühr (ohne Kreditkartenabo)
Sie werden für ein Jahr ein außerordentliches Vereinsmitglied (ohne Rechte und Pflichten) des Herausgebervereins (Kulturverein Dorfzeitung KULTUR online) zum Jahrespreis von 54 €. Es ist dazu ihre Post- und E-Mailadresse notwendig, damit wir die Rechnung für den Mitgliedsbeitrag schicken können. Nach Eingang der Zahlung bekommen Sie einen Steady-Gastzugang für 1 Jahr. Verlängerungen sind möglich. Kontaktformular >
Direktabo mit Kreditkartenzahlung
Ein weiterer Weg ist ein Direktabo via Steady, wie es im Folgenden beschrieben und angeboten wird.
INSERT_STEADY_CHECKOUT_HERE
Views: 60

In der Dorfzeitung ist zu lesen: «Nach heutigem Stand der Wissenschaft taugt Atomkraft kaum als Zukunftslösung».
Bei einer Volksabstimmung wurde in Österreich 1978 die Inbetriebnahme des fertig gebauten AKW Zwentendorf abgelehnt. Ein kluger Entscheid. In der Schweiz hingegen wurde später das AKW Gösgen und Leibstadt in Betrieb genommen, trotz grosser Demonstrationen. Das Kernkraftwerk Mühleberg bei Bern, Baujahr 1972 wurde 2019 stillgelegt. Die beiden Reaktoren in Beznau in der Schweiz gehören zu den Dienstältesten der Welt. Inbetriebnahme 1969 und 1971. Beznau liegt 29 Kilometer von Zürich entfernt. Bei einem grossen Unfall in Beznau und bei einer gewissen Windlage müsste der Aargau und die Region Zürich mit etwas zwei Millionen Einwohnern evakuiert werden. Bei Südwind wäre Stuttgart und Freiburg betroffen und bei Westwind Vorarlberg.
2017 entschieden sich die Schweizer bei einer Abstimmung für ein AKW Neubauverbot. Jetzt will die Schweizer Regierung, der Bundesrat, das AKW-Neubauverbot aufheben. Auch eine knappe Mehrheit der Bevölkerung ist für neue AKWs.
Die Schweizer Stromkonzerne wollen neue Atomkraftwerke bauen eines in Beznau in der Nähe von Brugg und Baden, eines in Gösgen zwischen Olten und Aarau und eines in Mühleberg bei Bern, also alle im dichtbesiedelten Mittelland. Bei einem grossen Unglück bei einem dieser Kernkraftwerke, wie in Tschernobyl, würde das Schweizer Mittelland für Jahrhunderte unbewohnbar. Abgesehen von einer solchen Katastrophe darf nicht vergessen werden, dass in Deutschland rund um Kernkraftwerke eine Erhöhung von Leukämieerkrankungen festgestellt wurde. Ende 2007 ergab die Kinderkrebsstudie für die Gesamtheit der deutschen Anlagen (KiKK-Studie) eine Erhöhung von Krebs- und Leukämiefällen. Speziell für Kleinkinder steigt das Erkrankungsrisiko an Krebsleiden und Leukämie mit zunehmender Nähe des Wohnorts zum Kernkraftwerk signifikant und besonders stetig an, ergab die Studie. Der Untersuchungszeitraum der KiKK-Studie umfasste die Jahre 1980 bis 2003. Leukämie ist eine typische Folge nach Bestrahlung des blutbildenden Systems. Englische Forscher haben extreme Wirkungen von Alphastrahlern, die bei jedem AKW emittiert werden, auf das blutbildende Zellsystem im Vorstadium der Organentwicklung festgestellt. (Tierversuche aufgrund des Leukämieauftretens bei der britischen Anlage Sellafield zur Wiederaufarbeitung von Kernbrennstoffen). Für die Krebsentstehung trägt schon die Strahlenbelastung des Embryos im Mutterleib bei, wie man heute weiss. (Siehe auch „Kinderkrebs bei deutschen Kernkraftwerken“ von Prof. Dr. Inge Schmitz-Feuerhake, Hannover)
Würden uns die vielen Luftschutzräume und Zivilschutzbunker in der Schweiz, in einer Welt von Kernkraftwerken, Atommülldeponien, Chemieanlagen und einer hochverletzlichen Versorgung und Infrastruktur schützen? Wiegen uns diese Bunker und der Zivilschutz i der Schweiz, der beste weltweit, nicht in der Illusion, dass wir uns geholfen werden kann, wenn es knallt, wenn Atomkraftwerke nach Bombardierungen und Terrorangriffen hochgehen? Kritiker des Bunkerbaues und des Zivilschutzes sind der Meinung, man würde besser auf gefährliche Technologien verzichten, unter anderem auf Atomkraftwerke, statt Schutzräume zu bauen die im Ernstfall nichts nützen. Igel die sich auf einer Autostrasse einkugeln werden zu Tode gekarrt.
Gerade Atomkraftwerke sind bei einem Anschlag oder im Kriegsfall äusserst gefährdet, auch die so genannten Abkling-Becken mit den strahlenden, hochradioaktiven ausgebrannten Brennstäben der AKWs, wie es sie in Beznau gibt. Diese alten Brennstäbe müssen ständig gekühlt werden, was nach einem Unfall, bei einem Anschlag oder im Kriegsfall nicht mehr gewährleistet werden kann. Ohne Kühlung kocht die radioaktive Sauce in den Abkling-Becken über, und weite Landstriche werden radioaktiv verseucht. 1957 explodierte in der Sowjetunion, der Nähe der Wiederaufbereitungsanlage Majak, ein Atomabfall-Behälter. Gegen eine halbe Million Menschen wurden damals in dieser dünn besiedelten Region einer hohen Dosis von radioaktiver Strahlung ausgesetzt. Die Strahlung in der Nähe der Anlage von Majak ist, laut Greenpeace heute noch, um ein Mehrfaches stärker als jene in der Nähe des Havarie-Reaktors in Tschernobyl.