Automatenbüfett – Wurst ist Wurst und aus ist aus!

Automatenbüfett – Wurst ist Wurst und aus ist aus!

Anna Gmeyners Volksstück wurde 1932 überaus erfolgreich in Hamburg uraufgeführt, geriet aber dann in Vergessenheit. Nun wurde es wiederentdeckt, weil es erschreckend gut in unsere unsichere Zeit passt. Sophie Aurich inszeniert die humorvolle Satire mit dem gesamten neuen Ensemble des Schauspielhauses Salzburg. Die Premiere am 18. September 2025 unterhielt mit einem Panoptikum von schrägen Figuren, die eine ungewisse Zukunft vor sich haben. Trotz der Tristesse auf der Bühne viel Applaus vom Publikum.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Enttäuscht von der Liebe schreibt Eva zwei Abschiedsbriefe und will ins Wasser gehen. Leider kann sie nicht in Ruhe sterben, denn Leopold Adam, der sich gerade um seine Fischteiche kümmert, rettet sie. Er bringt sie zu seiner Frau Clementine ins Automatenbüfett, wo an Personal gespart wird und es Wurst, Bier und Harzer Käse nur auf Knopfdruck gibt. „Sie heißt Eva und sie bleibt hier!“ verkündet Leopold. Seine Frau ist nicht begeistert, denn nicht nur die Wohnsituation ist äußerst angespannt. So wird Pankraz, der sich auch hier eingenistet hat, aus seiner Badewanne vertrieben und muss nun auf dem harten Tresen schlafen.

Die männliche Stammkundschaft, Stadtrat, Apotheker, Redakteur und Oberförster, schenkt dem jungen Mädchen lüsterne Blick und verhilft der Wirtin zu einem gesteigerten Umsatz. Leopold nutzt Evas magnetische Wirkung auf die Männerwelt, um seine ehrgeizigen, visionären Pläne durchzusetzen. Er träumt vom Aufbau einer Fischzucht-Industrie, doch fehlt ihm leider das nötige Geld. Seine Frau denkt nicht daran, ihn zu unterstützen. Schließlich setzt sich der Bürgermeister durch, der Teich wird trockengelegt und zu Weideland gemacht.

Die unterkühlte Ehe der Adams nutzt der berechnende Pankraz aus. Die sonst so geschäftstüchtige Clementine erliegt seinem herben Charme. Sie trennt sich von Leopold, der nun seinerseits dringend einen rettenden Engel bräuchte.

Elisabeth Nelhiebel überzeugt als herbe Inhaberin des Automatenbüfetts und wirft sich als Zeichen ihrer Stellung gerne einen Pelzmantel über. Für sie ist Eva (Leonie Berner) nur eine gemeine Hexe und Verführerin. Ihr Mann Leopold (Wolfgang Kandler) hat wenig zu melden. Er flüchtet sich in Visionen, die zum Scheitern verurteilt sind. Pankraz, ein gerissener Loser, steckt im selben Jogginganzug wie Clementine, seine Absichten sind somit von Anfang an klar. Die Honoratioren der Stadt hecheln, sehr zum Missfallen ihrer Ehefrauen, der junge Eva nach. Stadtrat Erhardt (Sophia Fischbacher), Apotheker Hüslein (Fabian Cabak), Redakteur Arendt (Angie Mastoraki) und Oberförster Wutlitz (Michael-Lorenz Brandner) treten oft als Chor auf. Für die Live-Musik ist der obdachlose Puttgam (Elisabeth Kanettis) zuständig.

Grotesk und überzeichnet sind die Kostüme (Lara Marie Kainz) sowie die Bewegungsabläufe. Die Bühne (Martha Pinsker) steht knöcheltief unter Wasser und so wird viel gespritzt. Per Video gibt es Einblicke in die hinteren Räumlichkeiten. Sophia Aurich finalisiert das Stück mit Texten von Heiner Müller, ein äußerst unangenehmer Blick in bevorstehende finstere Zeiten.

So sieht es also aus, wenn die soziale Ordnung kurz davor ist, unterzugehen. Wir kennen diese traurigen, unglücklichen Gestalten aus Werken von Ödön von Horváth, die ungefähr zur selben Zeit entstanden sind. Anna Gmeyners bissige Satire bietet viel Stoff zum Nachdenken.

Dorfgockel

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