Katrin Unterreiner: Sisi

Katrin Unterreiner (c) Katharina Stögmüller

Katrin Unterreiner | Foto: Ueberreuter © Katharina Stögmüller

Sisi - das geheime Leben der Kaiserin

Autorin: Katrin Unterreiner
Titel: Sisi – Das geheime Leben der Kaiserin
ISBN: 978-3-8000-7851-6 (print)
ISBN: 978-3-8000-8067-0 (e-book)
Genre: Sachbücher/Geschichte
Verlag: Carl Ueberreiter Verlag
Erschienen: 23.08.2023

Klappentext:

Einblicke in Sisis private Welt

Das bewegte Leben Kaiserin Elisabeths scheint hinlänglich bekannt – auch die Tatsache, dass Sisi sich zunehmend aus der Öffentlichkeit zurückzog und ein Leben nach ihren eigenen Vorstellungen führte. Wie aber sah dieses „geheime Leben“ der exzentrischen Kaiserin tatsächlich aus? Da Elisabeth großen Wert darauf legte, ihren Weg nach außen hin im Verborgenen zu halten, um völlig ungestört ihren Interessen nachgehen zu können, blieb ihr Leben abseits des Wiener Hofes weitgehend unbekannt.

Wie sah Sisis Alltag aus?
Wofür interessierte sie sich wirklich?
Wo und mit wem verbrachte sie ihre Zeit?
Wer waren ihre engsten Vertrauten und welche bislang unbekannten Spleens leistete sie sich?

Neue Quellen ermöglichen einen Blick auf diese bisher unbeleuchtete Parallelwelt, die die Kaiserin völlig frei gestalten konnte, und geben neue und überraschende Einblicke in die private Welt der Ikone Sisi.

Anna Lemberger

Rezension von Anna Lemberger

Die Historikerin und Autorin Katrin Unterreiner hat sich in ihrem neuen Werk intensiv mit dem bewegten Leben der bayerischen Prinzessin und späteren Kaiserin Elisabeth auseinandergesetzt. Die Nachfahren ihrer jüngsten Tochter Marie Valerie gaben hierfür erstmals aussagekräftige Aufzeichnungen aus dem engsten Umkreis von Sisis Bediensteten frei. Diese Quellen werfen auch auf die Verlobungszeit ein völlig neues Licht: Obwohl Elisabeth noch sehr jung war, als sie sich dem österreichischen Kaiser versprach, wurde sie in den neun Monaten vor der Hochzeit akribisch auf ihre zukünftigen Aufgaben vorbereitet und wusste, was auf sie zukam.

Dennoch empfand sie den Wiener Hof zeitlebens als „goldenen Käfig“, dem sie permanent zu entfliehen suchte. Dabei übersah Elisabeth jedoch oft, dass es eben jener Hof und damit ihr Volk waren, die ihre Eskapaden finanzierten. Und Elisabeth war kostspielig: Nach heutigen Maßstäben verschlang jede ihrer Reisen mitsamt Entourage zwischen zwei und vier Millionen Euro. Um diese Reisen zu rechtfertigen, tarnte die Kaiserin ihre häufige Abwesenheit oft als „Cur“ aufgrund einer angeblich angeschlagenen Gesundheit. Ernsthaft krank war sie jedoch nicht, wie ärztliche Aufzeichnungen aus dieser Zeit zeigen.

In der Ferne genoss die umtriebige Monarchin das Leben hingegen in vollen Zügen und zeigte sich auf privaten Empfängen durchaus amüsierfreudig – lediglich die strenge Wiener Etikette war ihr zuwider. Es scheint fast, als habe sie die Rolle der leidgeprüften, kranken Frau auch genossen, um bewundert und bemitleidet zu werden – immerhin hatte sie den frühen Verlust eines Kindes zu beklagen. Ihre körperliche Fitness war indes tatsächlich bewundernswert: Selbst im fortgeschrittenen Alter erklomm sie noch 3000 Meter hohe Gipfel. Dies ging so weit, dass Bewerber für ihren engsten Dienstkreis vorab auf ihre körperliche Leistungsfähigkeit geprüft wurden, um mit dem enormen Tempo der Kaiserin mithalten zu können.

Die tatsächliche Tragik in Elisabeths Leben begann erst mit dem Tod von Kronprinz Rudolf sowie mit dem fortschreitenden Alter und dem damit verbundenen Verlust ihrer jugendlichen Schönheit. Zu diesem Zeitpunkt verfiel sie in eine tiefe Melancholie, getrieben von einer düsteren Form der Todessehnsucht. Fast scheint es, als habe sie die Gefahr bewusst gesucht – und sie schließlich in ihrem Attentäter in Genf gefunden.

Das Cover, das ein Gemälde der jugendlichen und bildhübschen Sisi zeigt, weckt sofort Neugier, und bereits das Vorwort der Autorin schürt neue Erwartungen bei der Leserschaft. Im Hauptteil präsentiert Unterreiner eine Vielzahl bislang unbekannter Notizen und Tagebuchaufzeichnungen, die einen völlig neuen Einblick in das luxuriöse und bewegte Leben der Kaiserin gewähren.

Es zeigt sich: In ihre Nähe durften vor allem Menschen, die ihre Sympathie gewonnen hatten – der soziale Rang war dabei oft zweitrangig. So war eine ihrer engsten Vertrauten das ungarische Bauernmädchen Ida Ferenczy. Da Ida jedoch keinen Adelstitel besaß, durfte sie offiziell nur als „Vorleserin“ agieren, obwohl sie Sisi in Wahrheit sehr nahestand. Auch ihre Gäste wählte die Kaiserin rein nach Sympathie aus; anderenfalls zeigte sie sich oft menschenscheu und schottete sich konsequent ab.

Dass Sisi ihre letzte Reise völlig ohne Leibwächter antrat, war ein riskantes Unterfangen, da der habsburgische Vielvölkerstaat zu dieser Zeit bereits ein äußerst fragiles Gefüge darstellte. Ihre Tochter Marie Valerie beschrieb den Tod der Mutter später treffend in ihrem Tagebuch: „Nun ist es gekommen, wie sie es immer wünschte (…).“

Aufgrund fundierter Recherchen und einer Vielzahl gesichteter Quellen hat Katrin Unterreiner ein ausgesprochen wissenswertes Sachbuch geschaffen. Trotz der Fülle an historischen Fakten ist das Werk flüssig geschrieben und bleibt bis zur letzten Seite spannend. Denn eines wird klar: Sisi war kein Übermensch. Sie war eine Getriebene und – wie ihren Gedichten zu entnehmen ist – eine bis zum Lebensende unglückliche Frau.

Für Leserinnen und Leser, die bereit sind, die „Märchenkaiserin“ objektiv zu betrachten, ist diese Biografie eine absolute Empfehlung.


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