
Autor: Klaus-Peter Wolf
Titel: Ostfriesenerbe
Genre: Belletristik/Krimis, Thriller, Spionage
ISBN: 978-3596-71162-8
Verlag: Fischer Verlag
Erschienen: 26.01.2026
Klappentext:
Sie verstößt gegen das Gesetz, wenn sie das Erbe annimmt. Doch sie könnte damit viele Leben retten. Der neue Fall ist für Ann Kathrin Klaasen eine der größten Herausforderungen ihrer Karriere und markiert einen Wendepunkt in ihrem Leben.
Eine Stadt gerät in Panik, als Radio Nordseewelle den Fund zweier Frauenleichen meldet. Die eine wurde vor dem berühmten Teemuseum in der Norder Innenstadt abgelegt, die andere im neu eröffneten Krimimuseum. Schon sprechen die ersten vom „Museumsmörder“ und fragen sich, wo und wann er wieder zu schlagen wird. Als Ann Kathrin Klaasen jedoch die Leiche von Helga Bornemann vor dem Teemuseum sieht, weiß sie, dass hier etwas Größeres auf dem Spiel steht.

Rezension von Anna Lemberger
Kurz nachdem die ehemalige Sekretärin des BKA, „Miss Moneypenny“, ihr streng geheimes Vermächtnis an Ann-Kathrin Klaasen weitergegeben hat, wird sie ermordet vor dem Teemuseum aufgefunden. Da bereits unmittelbar zuvor ein Mord im Krimimuseum verübt wurde, brodelt in Ostfriesland schnell die Gerüchteküche: Treibt hier ein Serienmörder sein Unwesen, der seine perversen Fantasien im Umfeld von Museen auslebt – oder haben die beiden toten Frauen gar keine Berührungspunkte?
Auf jeden Fall steht die Kommissarin Ann-Kathrin Klaasen vor einer riesigen Herausforderung. Denn durch die Übergabe eines geheimnisvollen Codes durch Miss Moneypenny wird Ann nicht nur zu einer gefährdeten Geheimnisträgerin, sondern ist zudem einem großen moralischen Dilemma ausgesetzt. Neben einer herausfordernden Mordserie befindet sie sich selbst in Lebensgefahr und muss auf ihren eigenen Schutz achten.
In zwei parallel verlaufenden Handlungssträngen richtet sich der Fokus auf zwei völlig unterschiedliche Protagonistinnen: Während die junge und bescheidene Dana sich noch in der Trauerphase nach dem Tod ihres geliebten Onkels befindet, tobt im familiären Hintergrund bereits ein heftiger Erbschaftsstreit um das beträchtliche Vermögen des Verstorbenen, obwohl noch niemand das Testament kennt.
Die zweite Protagonistin ist die etwas unorthodox arbeitende Mordermittlerin Ann-Kathrin Klaasen. Die Wege dieser beiden Frauen kreuzen sich erst ganz am Ende des sehr umfangreichen Buches. Beide Erzählstränge haben lange Zeit absolut keinen Berührungspunkt; auch danach wird Dana von Anns Geheimnis nicht berührt. Wohl aber muss die Kommissarin aufgrund von Danas fatalen und gefährlichen Liebesverwirrungen ermitteln.
Das Cover des Buches ist düster und geheimnisvoll, und die Einleitung ebnet den Weg gut in den Hauptteil hinein. Ein Teil der Handlung setzt sich kritisch mit menschlicher Gier und den manipulativen Fähigkeiten narzisstischer Persönlichkeiten auseinander. Zusätzlich geht der Autor auf das sehr kontrovers diskutierte Thema der behördlich angeordneten Vorratsdatenspeicherung ein: präventive Maßnahme gegen Verbrechen oder Verletzung des Datenschutzes? Geschickt lässt der Autor in seinem authentisch anmutenden Krimi Realität und Fiktion ineinanderfließen und zeichnet so ein düsteres Bild der digitalen Möglichkeiten auf dem Weg zum gläsernen Menschen. Die Spannung bleibt bis zu den letzten Seiten aufrecht, weil erst am Ende klar wird, in welcher der handelnden Personen sich der Antagonist verbirgt.
Ein sehr facetten- und detailreiches Buch, das die Charaktere feinsinnig und tiefgründig herausarbeitet – und neben der Krimihandlung eine gelungene Charakterstudie der Protagonisten, aber auch der Antagonisten darstellt. Jeder der „Ann-Kathrin-Klaasen-Fälle“ ist in sich abgeschlossen und kann deshalb gut als Einzelband gelesen werden. Wer gerne tief in die Seelen von Menschen blickt, dem ist dieses Buch absolut zu empfehlen.

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