
Autorin: Regine Koth Afzelius
Titel: Homo Tapir – Roman
Genre: Belletristik/Erzählende Literatur
ISBN: 978-3-9505711-6-3
Verlag: Edition Roesner
Erschienen: 19.11.2025
Klappentext:
Paul, philosophischer Leser, Denker, Schreiber und Facebook-Star, lebt wie ein Eremit in seiner Salzburger Bücherhöhle – bis er der Erzählerin ins Visier gerät. Was folgt, ist eine moderne Beziehungskomödie voller Sprachwitz, skurriler Szenen und unerwarteten Wendungen.
Der Mensch als Tapir gedacht: einzelgängerisch, etwas schwerfällig, dem gesellschaftlichen Leben eher nicht zugewandt. Einen solchen unterzieht die Erzählerin der Sozialisation und der Hinführung zur Partnerschaft. Das geht holprig aber einigermaßen erfolgreich vonstatten, wobei der Lernprozess auf Gegenseitigkeit beruht.
In RKAs geistreichem, witzigem und lebensweisem Bildungs- und Erziehungsroman geht es aber auch um das Leben auf dem Land, ums Älterwerden, um Haus, Garten, Auto, Hüftleiden und vielerlei Überraschungen, die die Gleichförmigkeit des Daseins unterlaufen. Kurzum: lesend wird man in diesem Fall klüger und unterhält sich dazu noch prächtig.

Rezension von Anna Lemberger
Jene Menschen, die Paul bereits in jungen Jahren als „Tapir“ bezeichneten, kannten sowohl das berüsselte, lebende Fossil als auch seinen menschlichen Namensträger nur zu gut. Mit seiner Aufmerksamkeit meist tief in Schmöker und philosophische Werke versunken, die er auf Facebook zum Besten gibt, lebt Paul in seiner selbstgebastelten Salzburger „Urwaldhöhle“ – seiner Wohnung.
Durch seine Ergüsse in den sozialen Medien wird die Geschichtenerzählerin auf den Einsiedler aufmerksam und versucht, ihn nach modernen Kriterien zu sozialisieren. Aufgrund ihrer eigenen eingeschränkten Gesundheit verpflichtet sie den „Homo Tapir“ kurzerhand als ihren Pfleger. Es beginnt ein humorvolles Wechselspiel zwischen Motivation und Rückzug …
Die Erzählerin tritt gerne selbst in den Hintergrund, überlässt ihrem Tapir die große Bühne und rückt ihn ins Rampenlicht. Sie, die Naturliebhaberin, kennt sich nicht nur in der Welt der Dickhäuter aus, sondern kann fast jedes Käferchen in ihrem dschungelartigen Garten beim Namen nennen. Akribisch versucht sie, aus ihrem Höhlentapir zunächst einen Haustapir und in weiterer Folge einen Wildgartentapir zu machen – was kurzzeitig sogar gelingt. Doch kaum ist die Arbeit getan, zieht sich der menschliche Rüssler sofort wieder in seine neu geschaffene Höhle zurück. Gelingt es der Erzählerin, das Urzeitfossil langfristig an zeitliche, örtliche und situative Gegebenheiten der Neuzeit anzupassen, oder bleibt er, was er immer war: ein Eremit in seiner Höhle?
Der Autorin ist eine großartige Charakterstudie eines zurückgezogen lebenden, aber extrem belesenen Menschen gelungen. Der Vergleich mit einem Tapir ist mehr als zutreffend: So wie das seit Millionen von Jahren existierende Fossil seinen Rüssel tief in das Blattwerk der Dschungelriesen steckt, um Nahrung zu finden, so vertieft sich Paul in die Werke längst verstorbener Philosophen, um daraus seine Weisheiten abzuleiten. Neben dieser feinsinnigen psychologischen Darstellung eines egozentrischen Charakters erzählt Regine Koth Afzelius auf überspitzte, ironisch-humorvolle Weise Alltagsgeschichten, wie wir sie alle kennen.
Das Cover, das die Autorin selbst gestaltet hat, ist ein absoluter Eyecatcher, der sofort die Neugier weckt. Nach einer gelungenen Einleitung begeistert Regine Koth Afzelius im Hauptteil mit ihren satirischen Erlebnisberichten. Dabei besticht sie durch eine Vielzahl kreativer Wortschöpfungen und Wortspiele, die dem Roman eine ganz besondere Note verleihen. Was am Ende bleibt, ist die Frage: Habe auch ich einen Tapir zu Hause – oder bin ich am Ende gar selbst einer?
Ein besonderes und heiteres Lesevergnügen! Egal, wie dick die Haut der Leserinnen und Leser auch sein mag – es wird nicht ohne Schmunzeln oder herzhaftes Lachen abgehen. Eine absolute Leseempfehlung!

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