
Autor: Richard Schuberth
Titel: Der Paketzusteller
Genre: Belletristik/Historische Romane, Erzählungen
ISBN: 978-3-99138-114-3
Verlag: Drava Verlag
Erschienen: 01.09.2025
Klappentext:
Gerhild Pfister, 48, ist Facebook-Queen. Und sie ist kein besonders guter Mensch. Das weiß sie. Ebenso weiß sie, dass man ihr, einer klugen und frechen Frau, das ohnehin nicht zugestehen würde. Als feministische Leiterin ihres digitalen Salons und gefürchtete Onlinespötterin propagiert die gescheiterte Künstlerin die totale Social-Media-Existenz.
Doch Gerhild hat Krebs und muss bald sterben. Im Wissen, dass ihr Facebook kein Denkmal setzen wird, wirbelt sie noch einmal so viel digitalen Staub auf wie möglich — bestraft, belohnt, empowert, kastriert. Durch die unverhoffte Liebesaffäre mit dem Paketzusteller Haydar schlägt ihr Leben jedoch auf analogem Boden auf und bringt ihre – mit Hilfe von allerlei psychotropen Drogen stabilisierte – „Sterbe- Souveränität“ ins Wanken.
Als Haydar verschwindet und sich die Indizien mehren, dass er von seinem Chef ermordet wurde, sinnt sie auf Rache. Doch die Rache misslingt, was ihr wider Erwarten eine neue Karriere verschafft, und dem Roman einen turbulenten wie ungewöhnlichen Showdown …

Rezension von Anna Lemberger
Die an Krebs erkrankte Gerhild Pfister spielt online in der vordersten Liga. Ihr analoger Umgang beschränkt sich inzwischen nur noch auf ihren einzigen Freund Ferry und ihre Mutter.
Das ändert sich, als sie den Perser Haydar kennenlernt und mit ihm eine leidenschaftliche Affäre beginnt. Haydar eröffnet Gerhild nicht nur die Welt intensiver Lust, sondern macht sie auch mit der harten Berufsrealität der Paketzusteller vertraut.
Als Haydar eines Tages spurlos verschwindet und Gerüchte über seine Ermordung die Runde machen, sinnt Gerhild auf Rache an seinem vermeintlichen Mörder. Doch im letzten Moment kommen ihr Zweifel – und sie sieht von ihren Plänen ab. Zurückgekehrt in die analoge Wirklichkeit, engagiert sie sich als Aktivistin gegen die „sklavenartigen Arbeitsbedingungen“ der Paketboten und erzielt damit einen unerwarteten Erfolg.
Die Protagonistin ist eine unheilbar kranke, frustrierte Frau von 48 Jahren, die sich in ihrer Bitterkeit suhlt. Gefangen in ihrer virtuellen Welt, versprüht sie dort ihr zynisches Gift gegen andere Netzbewohner. Nebenbei verliert sie sich zunehmend in chemischen „Glücklichmachern“, die sie in bizarre, rauschhafte Zustände versetzen.
Als das Schicksal Gerhild schließlich noch einmal die Hand reicht, ist sie bereits so sehr im Niedergang ihres Lebens gefangen, dass sie diese Hand nicht mehr ergreifen kann – und auch nicht will. Ihr Leben ist längst mehr Schein als Sein.
Der Autor hat einen bitterbösen, ironischen Gesellschaftsroman geschaffen, der mit pechschwarzem Humor zwischen moderner Selbstoptimierung, virtueller Blase und harter Realität pendelt.
Leserinnen und Leser mit wenig Erfahrung im Social-Media-Bereich haben anfangs vielleicht Mühe, in den sarkastischen Ton des Romans hineinzufinden. Für das gebräuchliche „Denglisch“ und die Jugendsprache in den dargestellten Online-Netzwerken mag bisweilen ein Übersetzer hilfreich sein.
Ansonsten aber nutzt der Autor die Sprache wortgewaltig und spielerisch – verdreht, überzeichnet und mit einem bewusst frivolen Unterton.
Wer sich auf diese Welt einlässt, wird bald von ihrer tragisch-komischen, teils grotesken Dynamik gefangen genommen. Gegen Ende nimmt die Geschichte mehrmals unerwartete Wendungen – und endet schließlich auf eine Weise, mit der niemand gerechnet hätte.
Eine anspruchsvolle, spannende und zugleich bösartige Gesellschaftssatire – ein literarisches Pendel zwischen Hoffnungslosigkeit und Euphorie, zwischen virtueller Scheinwelt und brutaler Wirklichkeit. Ein Buch, das beim Lesen das Lachen gefrieren lässt.

Sie schätzen die Buchkritiken in der Dorfzeitung?
Freunde helfen der Dorfzeitung durch ein Abo (=Mitgliedschaft)! Wir sind sehr stolz auf die Community, die uns unterstützt! Auf diese Weise ist es möglich, unabhängig zu bleiben.
Es gibt zwei einfache Wege, zum Freund der Dorfzeitung zu werden.
Überweisung der Abogebühr (ohne Kreditkartenabo)
Sie werden für ein Jahr ein außerordentliches Vereinsmitglied (ohne Rechte und Pflichten) des Herausgebervereins (Kulturverein Dorfzeitung KULTUR online) zum Jahrespreis von 54 €. Es ist dazu ihre Post- und E-Mailadresse notwendig, damit wir die Rechnung für den Mitgliedsbeitrag schicken können. Nach Eingang der Zahlung bekommen Sie einen Steady-Gastzugang für 1 Jahr. Verlängerungen sind möglich. Kontaktformular >
Direktabo mit Kreditkartenzahlung
Ein weiterer Weg ist ein Direktabo via Steady, wie es im Folgenden beschrieben und angeboten wird.
INSERT_STEADY_CHECKOUT_HERE

Kommentar hinterlassen zu "Richard Schuberth: Der Paketzusteller"