
Autorin: Beate Maly
Titel: Raub in der Wiener Werkstätte: Historischer Kriminalroman
Genre: Bellestristik, historischer, regionaler und gesellschaftkskritischer Kriminalroman, Cosy crime
ISBN: 978-3-7408-2628-4
Verlag: Emons Verlag GmbH
Erschienen: 28.05.2026
Klappentext:
Verbrechen in feiner Gesellschaft
Wien, 1907: Einer Serie dreister Juwelendiebstähle beunruhigt die Villenviertel der Stadt. Als einer der Einbrüche tödlich endet, wird Oberkommissar Max von Krause mit dem Fall betraut. Seine Nachforschungen führen ihn in die Wiener Werkstätte, wo er Lili Feigl wieder trifft. Gemeinsam nehmen sie die Ermittlungen auf und geraten in ein Geflecht aus Lügen, Erpressung und gesellschaftlichen Zwängen. Bald wird klar: Es geht nicht nur um Diamanten – sondern um Macht.
Beate Maly, Gewinnerin des Bronzenen Homer 2025, beweist in Raub in der Wiener Werkstätte einmal mehr ihr Talent, Geschichte und Krimi meisterhaft zu verweben. Ein Muss für Fans von packenden historischen Kriminalromanen mit Wiener Flair!

Rezension von Anna Lemberger
Obwohl Lili Feigl lediglich als Reinigungskraft bei der Wiener Werkstätte angestellt ist, fühlt sie sich dort am richtigen Platz. Denn die Kunst liegt ihr im Blut: Ihr Vater war selbst als Künstler aktiv, bevor er durch den Alkohol abstürzte und kriminell wurde. Leider hat er auch seine Tochter in seine unlauteren Machenschaften hineingezogen. Das Wissen um die Illegalität dieser damaligen Hilfestellung bereitet ihr bis heute Kopfzerbrechen. Deshalb geht sie Oberkommissar Max von Krause konsequent aus dem Weg. Genau diese Verletzlichkeit macht sie jedoch zu einem willkommenen Opfer für einen Erpressungsversuch durch ihren Ex-Verlobten Oskar. Als dann zwei Morde in Lilis Umfeld geschehen, wird sie unfreiwillig mitten in die Ereignisse hineingezogen. Dem ermittelnden Oberkommissar kann sie nun endgültig nicht mehr ausweichen …
Die beiden Protagonist*innen dieses historischen Cosy-Krimis haben anfangs wenig Berührungspunkte. Die Autorin erzählt in zwei verschiedenen Strängen von ihren Aktivitäten, wobei die beiden gedanklich stets miteinander verbunden bleiben. Während Max von Krause bestrebt ist, sich von seiner dominanten Mutter zu emanzipieren – die in einem beispiellosen Standesdünkel lebt –, versucht Lili, der bitteren Armut am Ende der Wiener Kaiserzeit zu entfliehen. Obwohl Max durchaus positive Gefühle für die aufstrebende Künstlerin entwickelt, überwiegt bei Lili die Angst vor seiner Rolle als Hüter des Rechts. Die Wege der beiden kreuzen sich diesmal erst relativ spät, und das Zusammentreffen verläuft glücklicherweise weitaus angenehmer, als Liliane es befürchtet hat.
Das Cover ist abstrakt gehalten; es gibt zwar wenig über den eigentlichen Inhalt preis, macht aber neugierig auf die Erzählung. Die Einleitung gibt sich düster und rätselhaft, leitet jedoch hervorragend in den historischen Hauptteil über. Meisterhaft und mit authentischer Präzision führt Beate Maly ihre Leserschaft in die hochgradig gespaltene Wiener Gesellschaft des beginnenden 20. Jahrhunderts. Während der feine Adel es sich gut gehen ließ, vegetierten die Menschen am Rande der Gesellschaft in bitterer Armut und im Elend. Dass in diesem ungleichen Umfeld das Verbrechen florierte, verwundert kaum. Welcher Mittellose wäre nicht versucht, sich ein kleines Stück vom Kuchen der Reichen abzuschneiden? Aber dafür gleich einen Mord begehen? Geschickt nutzt Maly die kriminellen Machenschaften als roten Faden, der durch die Geschichte leitet. Gleichzeitig gewährt sie mit fundierter Kenntnis tiefe Einblicke in die Gesellschaftsstruktur und die verlogene Moral der späten Kaiserzeit. Während die Autorin die wahre Täterschaft weitgehend im Dunkeln lässt, entlässt sie ihre Protagonistin mit einem warmen Gefühl der Hoffnung.
Ein großartiger, rundum gelungener und gesellschaftskritischer historischer Regional-Cosy-Krimi aus dem Wien des beginnenden 20. Jahrhunderts. Nicht nur für Krimifans, sondern vor allem auch für geschichtsinteressierte Leser*innen ein absoluter Genuss!

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