Die Poschinger Affen

Dass es früher beim Kochen oft lustiger zuging, beweist diese kleine Anekdote über eine feine bäuerliche Süßspeise aus Oberösterreich.

Bernhard Gössnitzer

Von Bernhard Gössnitzer, Wirt in Eggelsberg, OÖ.

Es war um das Jahr 1830: Der kleine Schurli war mit seinem Onkel Sepp nach dem Viehmarkt in Ried noch zum „Ringelspiel fahren“ gegangen. Gleich daneben gab es einen Käfig mit echten Affen zu bestaunen – ein großes Spektakel! Als kleiner Bub musste man sich mühsam durch das Gedränge kämpfen, um einen Blick auf die haarigen, grunzenden Gesellen zu erhaschen, die hinter Gittern herumhüpften.

Daheim erzählte Schurli aufgeregt seinen Verwandten davon. Weil sich aber keiner so recht vorstellen konnte, wie diese „Affen“ aussahen, bat man ihn, sie auf einem Blatt Papier zu zeichnen. Viel mehr als ein paar wirre Striche, ein verworrenes Gesicht und lange Arme und Beine brachte er nicht zustande. „Augen wie der Teufel“ hätten sie gehabt – das war alles, was hängen blieb.

Als die Mutter am darauffolgenden Sonntag die Reste eines süßen Marmeladentascherlteigs zu kleinen Bällchen formte und ins heiße Fett warf, meinte sie schmunzelnd: „Schau, Schurli, das schaut doch aus wie deine gezeichneten Affen!“ Seither nennt man dieses wohlschmeckende, knusprige Schmalzgebäck im Innviertel liebevoll „Affen“.

Das Rezept dazu ist sehr einfach:

280 g griffiges Mehl
125 g (1Achtel Liter) süßer Rahm
2 Eidotter
Prise Salz
1Teelöffel Vanillezucker
Fein gerissene Zitronenschale

Daraus macht man einen festen Teig, den man – wie auf den Bildern gezeigt – ausrollt. Mit etwas Geschick flechtet man ihn anschließend und wickelt ihn, wie gezeigt, um einen Kochlöffel. Dann taucht man das Ganze mitsamt Löffel in heißes Öl oder Butterschmalz und bäckt es goldbraun aus.

Wenn die „Affen“ eine schöne, appetitliche Farbe haben, nimmt man sie heraus – gut mit Staubzucker bes…

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