Bilder einer unübersichtlichen Welt

Bilder einer unübersichtlichen Welt

Zum 25. Mal zeigt die Wiener Fotogalerie WestLicht die Ausstellung World Press Photo. Rund 150 prämierte Arbeiten aus sechs Weltregionen erzählen von Kriegen, politischen Konflikten, der Klimakrise und individuellen Schicksalen.

Von Karl Traintinger

Die Auswahl wurde aus 57.376 Einreichungen von 3.747 Fotograf:innen aus 141 Ländern getroffen. Die ausgezeichneten Bilder dokumentieren nicht nur Ereignisse, sondern machen ihre Folgen sichtbar. Sie geben abstrakten Nachrichten ein konkretes Gesicht und zeigen, wie politische Entscheidungen in das Leben Einzelner eingreifen.

Im Zentrum steht das World Press Photo of the Year 2026: Separated by ICE der US-Fotografin Carol Guzy. Das Bild entstand am 26. August 2025 im Jacob K. Javits Federal Building in New York. Zu sehen ist ein ecuadorianischer Migrant, der nach einer Anhörung von Beamten der US-Einwanderungsbehörde ICE abgeführt wird. Seine Töchter klammern sich an sein T-Shirt, während die Beamten ihn von ihnen wegziehen.

World Press Photo of the Year 2026: „Separated by ICE“ der US-Fotografin Carol Guzy

World Press Foto des Jahres 2026: „Separated by ICE“ der US-Fotografin Carol Guzy

In einem einzigen Moment verdichtet Guzy die Härte der US-Abschiebepolitik. Der grell beleuchtete, enge Gerichtsflur steht in scharfem Kontrast zur emotionalen Wucht der Szene. Die Jury zeichnete das Foto als „Bild des Jahres“ aus, weil es präzise informiert, ohne den Betrachter zu belehren. Unmittelbar sichtbar werden die menschlichen Folgen politischer Entscheidungen.

Guzy, vierfache Pulitzer-Preisträgerin, wurde auch für die begleitende Reportage ICE Arrests at New York Court ausgezeichnet. Ihre Arbeit zeigt exemplarisch, was Pressefotografie leisten kann: Sie hält fest, was geschieht, und macht sichtbar, was in politischen Debatten oft abstrakt bleibt.

Die Ausstellung World Press Photo 2026 ist bis 22. November 2026 im WestLicht, Westbahnstraße 40, 1070 Wien, zu sehen. Geöffnet ist täglich von 11 bis 19 Uhr, donnerstags bis 21 Uhr.

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