Charlie Rivels allerletzter Auftritt

Früh übt sich, was ein Clown werden will: Charlie Rivel und Renaldino Weisheit.

Früh übt sich, was ein Clown werden will: Charlie Rivel und Renaldino Weisheit

Ein Clown, ein Stuhl, eine Gitarre: Am 10. August 1982 stand Charlie Rivel im Teatro Spettacolo in Salzburg in der Manege. Erwähnung in den offiziellen Biografien fand dieser Auftritt allerdings nicht. Erinnerungen an den weltberühmten Clown, der am 23. April 130 Jahre alt geworden wäre.

Claudia Karner

Von Claudia Karner

„Angst kann nicht träumen. Mut – ich lade Euch ein, mutig zu sein“, war das Credo von Rolf Bengert. 44 Jahre ist es her, dass der Künstler, Träumer und Phantast aus München in die damals überschaubare Salzburger Kulturszene platzte, um den Volksgarten aus dem Dornröschenschlaf zu rütteln und dort ein Zirkuszelt aufzuschlagen. Eines, wo nicht nur Artisten und Clowns, sondern Chansonsängerinnen und Jazzer, Anarcho-Rocker und Popsänger Platz finden sollten: von Margot Werner bis Bill Ramsey, von der Hallucination Company bis Wolfgang Ambros, von Eisi Gulp bis Charlie Rivel.

„Akrobat schö-ö-ön!“

Und den wollten die Salzburger (1982 wurde noch nicht gegendert) noch einmal hautnah erleben. Unbedingt! Das weiß-blaue Zirkuszelt der Familie Weisheit platzte fast aus allen Nähten. Charlie Rivel hatte sich schon ein Jahr zuvor von der großen Bühne verabschiedet. Die triumphale Abschiedstournee führte durch ganz Deutschland und endete im Circus Krone in München. Tausendsassa Rolf Bengert gelang es, den 85-jährigen Clown für sein ehrgeiziges Projekt zu begeistern. Der Auftritt im Teatro Spettacolo sollte sein letzter sein. Ein knappes Jahr später, am 26. Juli 1983, starb Charlie Rivel in Spanien an den Folgen eines Schlaganfalls.

Ein beglückender Abend: Charlie, Renaldino und Rolf  Bengert | Die Show ist zu Ende!

Die Tücke des Objekts

Ein Clown, ein Stuhl, eine Gitarre: Auch in Salzburg kämpfte er mit naiv-kindlicher Gewitztheit gegen die Tücke des Objekts. In seiner absurd-komischen Kletternummer versuchte Charlie Rivel, mit der Gitarre in der Hand einen Stuhl zu besteigen, heulte dabei herzzerreißend und rief sein berühmtes „Akrobat schö-ö-ön!“ Zur Seite stand ihm sein Sohn Juanito.

Als zum Schluss Nachwuchs-Clown Renaldino, der jüngste Spross der Zirkusfamilie Weisheit, durch die Manege watschelte, um ihm einen Blumenstrauß zu überreichen, ging Rivel das Herz vor Freude über. Er liebte Kinder und behauptete: „Ein Clown ist nichts Anderes als ein Kind, das versäumt hat, erwachsen zu werden.“

Renaldo Weisheit blieb auch als Erwachsener dem Metier treu. Heute ist er Direktor des Circus Maximus in Deutschland und berühmt für seine einfühlsamen, poetischen Pferdedressuren.

Wenn Träume wahr werden

Im Vorprogramm des legendären Abends trat ein 22-jähriger, völlig unbekannter Liedermacher namens Alfred Jaklitsch auf. „Fallweise rieselt einer daher, der kurzweilige Lieder in die Welt setzt, um die Träume vorm Schiffbruch heimzuholen“, philosophierte er damals. Dass er vierzig Jahre später als Chef der Musikgruppe „Die Seer“ im Salzburger Festspielhaus spielen würde, daran hatte er vermutlich nicht einmal in seinen kühnsten Träumen gedacht.
Aber wie sagte Rolf Bengert? „Mut – ich lade Euch ein, mutig zu sein.“

Fotonachweis: Privatarchiv Claudia Karner

Siehe auch:
Teatro Spettacolo – ein Sommermärchen >

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