Chris Kraus: Die Sonne und die Mond

Chris Kraus

Chris Kraus | Foto: Maurice Haas © Diogenes Verlag

Chris Kraus: Die Sonne und die Mond

Autor: Chris Kraus
Titel: Die Sonne und die Mond
Genre: Belletristik/Gegenwartsliteratur (ab 1945)
ISBN: 978 3 257 07347 8
Verlag: Diogenes
Erschienen: 20.08.2025

Klappentext:

Sie waren beste Freundinnen, starteten gemeinsam eine Bühnenkarriere, doch dann kam der Bruch. Sonja, genannt Sonne, wurde von Jana von Mond verraten. Jahre später steht Jana – inzwischen ein Comedy-Star – vor der Tür von Sonnes Bestattungsunternehmen und bittet sie, die Trauerfeier für ihren Liebsten auszurichten. Alte Wunden brechen auf, neue werden zugefügt. Die Sonne und die Mond können ihre Umlaufbahn nicht verlassen, sie leuchten weiter, jede auf ihre Art, mal kalt, mal warm.

Anna Lemberger

Rezension von Anna Lemberger

Sonja Meling, von allen nur Sonne genannt, hat ein Herz für Verstorbene. Sie führt ein alternatives Bestattungsunternehmen, in dem nahezu alle Wünsche erfüllt werden – na ja, fast alle.

Als ihre einstige Freundin Jana von Mond ihre „Totenbäckerei“, wie Sonne ihr Unternehmen liebevoll nennt, betritt, bleibt für einen Moment die Zeit stehen. Zu tief sitzt noch der Stachel von Janas Verrat. Auch als Jana, deren Fernsehkarriere fast am Ende ist, verkündet, dass nur Sonne ihren geliebten Ehemann und dessen neue Begleiterin unter die Erde bringen darf, versöhnt das die verbitterte Bestatterin nicht.

Sonne und ihr Mitarbeiter übernehmen schließlich den Auftrag. Doch bald beginnt ein Reigen, der alte Verletzungen aufreißt und neue Wunden zufügt – bis hin zur ultimativen Eskalation.

Im Mittelpunkt stehen zwei Frauen, die gegensätzlicher nicht sein könnten: Jana von Mond, der gefeierte Comedy-Star, von den Medien bejubelt und gejagt, und Sonja Meling, die sich selbst für unbedeutend hält und sich am wohlsten bei den Verstorbenen und ihrem Sohn Nicky fühlt. Doch der erste Eindruck täuscht.

Chris Kraus hat beide Figuren präzise herausgearbeitet und ein satirisch-bizarres Bild einer einzigartigen Hassliebe entworfen. Während die beiden Frauen die Beerdigung von Janas Ehemann Said und dessen neuer Liebe Ying Shu vorbereiten, flammt die Vergangenheit mit all ihren Verletzungen wieder auf. Scheibchenweise blickt man mit ihnen zurück in eine Welt von Überdruss, Liebe, Verlust, Trauer und seelischen Wunden. Kraus spielt dabei virtuos mit Sprache, erfindet neue Wörter und formt ein Sprachkunstwerk von besonderer Intensität.

Seine eigene Trauer verwandelt er in pechschwarzen Humor und nimmt dem Tod den Schrecken. Der Roman ist facettenreich, voller schockierender Alltagsmomente und hält von Anfang bis Ende die Spannung aufrecht.

Fazit: Ein sprachmächtiges Werk über Tod, Sterben und Bestattungsrituale als Kulturgut – zugleich aber ein Spiegel für das verrückte Leben selbst. Ein Lesegenuss für alle, die außergewöhnliche Literatur schätzen.


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