„Court Miracles“ – eine Symbiose von Krieg und Zirkus

Die junge französische Gruppe Le Boustrophédon verarbeitet in dieser Performance Eindrücke, die sie bei einem Einsatz von „Clowns ohne Grenzen“ in einem Krisengebiet gewonnen hat. Eine zutiefst beeindruckende Vorstellung, laut Winterfest-Gründer Georg Daxner „vielleicht das wertvollste Stück“, das je bei seinem Festival gezeigt wurde.

Elisabeth Pichler

Von Elisabeth Pichler

Die Ratten fühlen sich sichtlich wohl in den Lagerbaracken, dieser provisorischen Unterkunft für Soldaten, Sanitäter und Wärter. Eigentlich möchte man wegschauen, wenn die Verwundeten hereingetragen werden, doch die kleinen Puppen, die sie hereinkarren, üben eine große Faszination aus und so kann man den Blick nicht abwenden.

Ist es erlaubt zu lachen, wenn sich zwei Einarmige verzweifelt bemühen, eine Zigarette zu drehen oder eine Zeitung zu lesen? Die Tragik des Geschehens wird jedoch stets durch die Puppen gemildert und schon bald unterhält man sich köstlich, wenn man zusieht, wie geschickt diese Künstler mit nur einem Arm jonglieren und gleichzeitig – mit welchem Arm eigentlich? – eine Puppe bewegen. Diese Figuren, halb Mensch, halb Puppe, begeistern mit skurriler Akrobatik und makabren Scherzen.

Besonders der kleine böse Wicht, der ständig mit Knallkörpern spielt und nur Unsinn im Kopf hat, lässt den tristen Hintergrund immer wieder vergessen. Ein Höhepunkt ist sicherlich die halsbrecherische Rollschuhnummer, da darf so richtig herzhaft gelacht werden, bevor der Bombenalarm die fröhliche Stimmung wieder etwas dämpft.